ALMA

ALMA

(Gustav Mahler gewidmet)

Sie saß in tiefer Trauerkleidung im Goldenen Prunksaale, in dem die „Kindertotenlieder“ ihres verstorbenen Gatten, an das verstorbene elfjährige Töchterchen, aufgeführt wurden. Die Sängerin sang schlicht, die Instrumente murmelten und klagten. Irgend jemand schlich behutsam herein und setzte sich. Irgend jemand schlich behutsam hinaus. Man markierte Ergriffenheit. Die Dame in Trauerkleidung saß da und verbarg ihr Leid vor den Menschen — — —. Man markierte „Totenweihe“. Wenn jemand sich räusperte, sagte man:Pst!Sie dachte vielleicht an die Ufer des Wörthersees, wo ihr Kind und ihr Gatte im Sonnenlichte sich gebräunt hatten — — —.

Neben ihr saß einer, der wollte ihr so sehr gerne die Last abnehmen — — —. Er war aber ganz hilflos. Er dachte nur: „Wiehilflossind wirHilfbereiten!“ Dann bot er ihr Kuglerbonbons an, „Crême de Mokka“ — — —. „Ich kann das Stanniolpapier nicht herunternehmen wegen meiner Handschuhe,“ sagte sie leise. Da wurde er ganz rot, ihr den Dienst leisten zu dürfen — — —. Er tat es so ängstlich behutsam, daß sie lächeln mußte. Ja, sie lächelte. Das dritte Kindertotenlied weinte: „Tà dă tà, tà dă tà, tà dă tà dă tà dă tà — — —.“


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