ANNA
„Was sprechen Sie also mit so einem Mädel wie die Anna?!“
„Selbstverständlichnichts. Mit einem Reh im Walde, mit einer Gazelle, einer Antilope, führt man doch auch keine Konversation!“
„LangweilenSie sich nie mit ihr?!“
„Nein,siemitmir!“
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Anna: „Peter, ich zahl dir eine Portion Kaviar, wenn du meinen neuen Hut für hübsch erklärst!“
„Ich finde ihn reizend!“
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„Peter, was ist los, bist schon wieder gekränkt, daß ich mit dem Menschen weggeh?!? Hab ich dich deshalblieber, wenn ichbei dir sitzen bleib?!Eher mehr, wenn du michweggehn laßt! Nur g’scheit sein, nur ein bissel nachdenken über die Sachen! Wenn ich dableib, langweil ich mich. Und wenn ich mich langweil, hab ich dich nicht mehr so gern wie sonst!“
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Baron T. fand bei ihr eines Tages einen kleinen Notizzettel:
„Ich muß für einen Moment hinaus heißt auf französisch:je dois aller faire pipi. Der Peter sagt, die Französin mache keinGeheimnisdaraus, sie will dem Mannnicht einreden, sie sei einbedürfnisloser Engel! Aber auf deutsch trau ich mich doch nicht, also muß ich mir’s jetzt französisch einlernen!“
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„Siehst du, Peter, so bist du! Diese Dame hat zu dir jetzt gesagt, daß du so etwas Schönes geschrieben hast: ‚Tragischmuß ein Erlebnis erst werden, dann hast du es erstwirklich erlebt‘!
Ich versteh das gar nicht. Abersiewill dich auch nur einfangen, dir schmeicheln damit. Und ich sag dir,sieversteht’snoch wenigerals ich! Siehst du, wie dumm du bist, laßt dich einfangen von solchen blöden Weibern!“
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Man kauft ein kleines herrlichesTerrarium, mit schwarzer Erde und gelbem Sand, setzt eine smaragdschillernde Eidechse hinein, die alle modernen Tänzerinnen durch edle selbstverständliche Agilität in Schatten stellt, und dann fragen einen die Leute,wozuman es habe?! Zu welchem Zweck, und ob es einen wirklich glücklich mache?!?
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Ist dennstehen,gehen,sitzen, das Haupt aufstützen, gebückt sein, sich aufrichten, verlegen sein, verzagt sein, schleichen, tanzen, ernst sein, ungeistig,unseelisch sein, Almboden-duftend sein,gar nichts?! Oft ist es ja dochmehr als alles! Fürdenjedenfalls, der essoempfindet!
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„Ich verlange ja, Anna, von dir weder Anhänglichkeit, noch Freundschaft, noch Verständnis, noch Dankbarkeit. Aber kannst du nicht für zehn Minuten deine geliebte Hand in der meinigen lassen, wo du doch sonst so oft — — —.“
„Nein, das kann ich eben nicht!“
„Du kannst dir ja dann die Hände waschen.“
„Ach, da schau her, wasderalles noch von mirverlangert!“
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Ich gebe den wundervollsten Zierpark für eine kurzgrasige Almwiese her. Die schönsten Rosen für das dunkelrote schokoladeduftende Kohlröserl der Bergwiese. Den Gesang der Patti für den ersten leisen Ruf des Vogels im Morgengrauen. Ich anerkenne auch denanderenGeschmack. Aber ichbedaueredie Menschen, die ihn haben!
*
Was ist dir, Anna, an deinem Leib so wertlos,daß du ihnaufsparstfür den, dem ernichtsist?!Unddem, siehe, in fast kindischem Trotze, ihnverweigerst,dem er wie Wasser ist für Fische, und wie Luft für Lungen!?Und ein Fanatismus ist er, eine Religion, eine Gesundung,und siehe, zugleich eine tiefe süße Krankheit!?!Vielleicht hastdurecht! Anna!Vielleicht wird einst der Sieger zu mir sagen:„IchbeneideSie um das, was Sienicht gehabt haben!Sie haben noch dieSehnsuchtund dieNot!“
Was ist dir, Anna, an deinem Leib so wertlos,daß du ihnaufsparstfür den, dem ernichtsist?!Unddem, siehe, in fast kindischem Trotze, ihnverweigerst,dem er wie Wasser ist für Fische, und wie Luft für Lungen!?Und ein Fanatismus ist er, eine Religion, eine Gesundung,und siehe, zugleich eine tiefe süße Krankheit!?!Vielleicht hastdurecht! Anna!Vielleicht wird einst der Sieger zu mir sagen:„IchbeneideSie um das, was Sienicht gehabt haben!Sie haben noch dieSehnsuchtund dieNot!“
Was ist dir, Anna, an deinem Leib so wertlos,
daß du ihnaufsparstfür den, dem ernichtsist?!
Unddem, siehe, in fast kindischem Trotze, ihnverweigerst,
dem er wie Wasser ist für Fische, und wie Luft für Lungen!?
Und ein Fanatismus ist er, eine Religion, eine Gesundung,
und siehe, zugleich eine tiefe süße Krankheit!?!
Vielleicht hastdurecht! Anna!
Vielleicht wird einst der Sieger zu mir sagen:
„IchbeneideSie um das, was Sienicht gehabt haben!
Sie haben noch dieSehnsuchtund dieNot!“
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Ich las heute fünf Stunden lang in meinem Zimmerchen:
Hermann Bahr über Direktor Burckhard.
Egon Friedell: Ecce poeta.
Mein Lieblingskinderbuch: Les petites filles modèles.
J. S. Máchar: Magdaléna.
Und Goethe: Hermann und Dorothea.
Ich war wie ein Genesender, in anderen Welten.
Da fielen mir die zarten feinen Schritte ein, und wie sie gestern den Arm hielt über die Sessellehne.
Da sprach ich zu mir selbst: Siehe! du bistauch nicht stärkerals die anderen!
Gott sei Dank, ich binso schwachwie alle!