APOLLOTHEATER
Märzprogramm.Vor allem meineBewunderungfürGussy Holl, Diseuse. Gleich bei der ersten Strophe der Bauernparodie, weiß, spürt man sogleich, daß man eine ganz echte und leichte, alsograziöse, mühelose Könnerin vor sich hat, die dem Publikum nichtsabtrotzt, sondernvon selbstalle sogleich zudankbaren Freundenhat! Ihre Komik ist komisch, ihre Talente sindnicht enderschöpftin ihren Darbietungen, sonderndahinter stecktgleichsam ein noch gänzlich unausgeschöpftes Repertoir sämtlicherlustigenundtragischenLieder des herrlichen Hannes Ruch, der natürlich seit Marya Delvard in Wienentschwundenist. Seine einst von Mella Mars gesungene herrliche parodistische Tarantella wäreso ein Schlager für Gussy Holl. Sie kann nämlich noch viel mehr als sie kann, das ist dasBefreiendebei ihren Vorträgen, daß sie nicht immer nur „ein Letztes, Mühseliges“ mühseligherauspreßt, wie viele, die ichleidernicht nenne. Kunst muß leicht, lächelnd, kindlich, mühelos sein. Wunderbar ist ihre Parodie der Japanerin „Hanako“, eintragisches Äffchen! Sarah Bernhardt mit der Spukarie aus „Kameliendame“ sollte sie auslassen. Das ist zu billig. Die Bernhardt muß sie in ihrem übertriebenen französischen Racine-et-Corneille-Pathos parodieren! Reizend macht sie den „Damenimitator“, und als Zugabe: „Fritz Grünbaum“. Ein herziges Kunstwerkchen sind allein schon ihre zierlich-kindischen Verbeugungen, und überhaupt alles an ihr, jede Bewegung haucht „Persönlichkeit“ aus, für die sie nichts kann. Man ist direkt dankbar, daß sie da ist, was man nicht von allen behaupten kann, die uns mit Liedern und Rezitationbe—glücken! Möge Gussy Holl, dieKönnerin, ihr Repertoir ausdehnen bis zutragischen Balladen! Eine herrliche Sensation ist die amerikanische Keulenschwingertruppe The five Morton. Ein Abend im Parke eines Sportklubs: Wirklich spielen und singen diese „körperlichen Hocharistokraten“ nur gleichsam für sich selbst und werden nurzufälligvon Direktor Ben Tieber dafür bezahlt. Man glaubt es fast gar nicht, daß sie für Gage spielen. So etwas kann man auch eigentlich nicht bezahlen. Klothilde v.Derptanzt mit einem Partner idealisierte Bauerntänze zu Chopin, Opus 69 Nr. 2 und Opus 34 Nr. 1. Jedenfallsistsie undtanztsie überaus lieblich. Ob es Chopin ist, weiß ich nicht, es ist „Tanz“ mit Musikbegleitung. Mit denHaxenkann man nichtdenken! Und mit demGehirnkann man nichttanzen! Die drei Clowne „Alvaretta“ sindunübertrefflich. Mit neun Tönen a laKikerikibringt der eine alle Lustigkeiten herbei, und der andere mit einer unverständlichen Anrede an das Publikum. Lustig wirken, mit geringen Mitteln, heißt „große Mittel“ haben! DieAlvarettassind mustergültig! Sehr gut ist dasNachtigallen-Liebesduett, Parodie aus der Vogelwelt, von Robert und Bertrand. Bei McLeans sind dieallerherrlichsten rostroten Haareder hübschen Tänzerin allein schon ein Kunstgenuß, obzwar sie echt sind! Diese rostrote Mähne so zu schütteln ist wunderbar. Da sieht man wieder, daß esnur einen Hauptschmuckgibt der schönen Frau, ihreHaare, und nicht ekelhaft teure Hüte mit unglückseligen Tieren ausgerupften Federn! Der Sketch mit Charlé, Brand, Bachrich, Brenneis ist sehr lustig. Fragt mich nicht nach dem Inhalt, denn das Erröten steht mir nicht gut! Die zwei „Spaniels“ der Gaudsmith haben mehr Verve und Freudigkeiten als die meistenmenschlichenAkrobaten. Ihre Lust, sich zu produzieren, einhündischer, aber diesmaledlerEhrgeiz, ist rührend!