BRIEF
Geehrte gnädige Frau, ich werde Ihnen jetzt diagnostizieren, woher Ihre ewige Differenz mit Ihrer heranwachsenden Tochter stammt! Ihr Töchterchen war als Kind auffallend hübsch, hat sich aber im Laufe der Entwicklungsjahre mit Respekt zu sagen „vermießt“. Da Sie selbst vom sogenannten Frühlingsleben der Frau nie etwas genossen hatten, freuten Sie sich unbewußt und naturgemäß, daß Ihre Eitelkeit wenigstens bei dem heranwachsenden hübschen Töchterchen endlich befriedigt werden würde. Aber sie wurde eben nicht hübsch, und statt romantischer Erfolge und eines sogenannten kleinen Hofstaates vonJünglingen, die Blüten schicken, hat sie nur einige ganz edle Freunde, deren kühles Gehaben, deren gemäßigte Konversation Sie als Mutter und Gastgeberin unendlich langweilt! Sie werden sagen: „Schön stellen Sie mich hin! Bin ich also ein eitles Scheusal?!“ Weshalb denn gleich so grausame Benennungen?! Sagen wir:eine eitle Mama!