Chapter 207

WERKEVONPETERALTENBERG

WERKE

VON

PETERALTENBERG

Wie ich es sehe

Neunte vermehrte Auflage. Geh. 5 Mark, geb. 6 Mark.

Was der Tag mir zuträgt

Fünfte vermehrte Auflage. Geh. 5 Mark, geb. 6 Mark.

Prodromos

Dritte Auflage. Geh. 3 Mark 50, geb. 4 Mark 50.

Märchen des Lebens

Vierte vermehrte Auflage. Geh. 4 Mark, geb. 5 Mark.

Neues Altes

Dritte Auflage. Geh. 3 Mark 50, geb. 4 Mark 50.

„Semmering 1912“

Vierte vermehrte Auflage. Geh. 3 Mark 50, geb. 4 Mark 50.

Die Auswahl aus meinen Büchern

Vierte Auflage. Geheftet 3 Mark, gebunden 4 Mark.

Wie ich es sehe

Es ist ein schönheitstrunkenes Evangelium raffiniert gesteigerten und doch kindlich-reinen und seelenvoll-heiteren Lebensgenusses der Sinne und des Geistes. Und dabei eine ganz neue Gattung in Stil und Vortrag. Die Ausdrucksweise subtilster Gefühlsregungen ist dadurch wesentlich bereichert worden. Schattierungen im Empfindungsleben spricht es aus, die bisher unausgesprochen waren, in deutscher Sprache wenigstens. Dadurch gewinnt das Buch eine besondere Bedeutung. Die Mittel der Darstellungskunst werden ganz einfach dadurch erweitert. Es ist wie ein neues Instrument, mit Saiten, die man noch nicht kennt und die, nur leise und linde berührt, eine ganze Welt von Tönen hören lassen.

(Grazer Tagespost)

Was der Tag mir zuträgt

Um seine Altenbergereien, seine eigenen Nuancen, von Humor, von Liebe, von Heldenverehrung, von Sinnlichkeit, von Trauer gut auszudrücken, hat Peter Altenberg seine persönliche Kunstform erfunden, und sie feiert in diesem Band voll bunter, amüsanter, zusammengetragener kleiner Skizzen wieder große Triumphe. Er läßt eine Tischrunde ruhmhungriger junger Leute eine Zeitschrift begründen und den Herausgeber mit der großen Brieftasche umschwärmen; da zittert und schwirrt es bei scheinbar sachlichen Gesprächen nur so durcheinander von allen möglichen Ober- und Untergedanken der ungeduldigen Jünglinge. Oder er liest einem jungen Mädchen, das den ersten Tag seines Dienstes am Postschalter hat, die ganz und gar nicht zur Sache und zum Dienst gehörigen, zwischen Federeintauchen und Auskunftgeben vorüberblitzenden Vorstellungen ab. Ganz ohne Romantik, wie sie früher in solchen Fällen beliebt war — früher hätte eine solche Postnovize zumindest ein sterbendes Kind zu Haus gehabt — ganz ohne äußeren Aufputz; ganz den wirklichen Beobachtungen und ihren verborgenen Geheimnissen entsprechend; ganz wie der Tag es ihm zuträgt.

(Die Zeit, Wien)

Prodromos

Peter Altenberg gibt in seinem neuesten Aphorismenwerk eine Anleitung zum Lebensgenuß. Er sagt uns, was wir essen und trinken sollen, wie wir unseren Körper pflegen sollen, indem er die Behaglichkeit und die Beweglichkeit des Seelenlebens schildert, die wir dadurch gewinnen. Es sprüht in diesem Buch auf allen Seiten, und dieser Funkenregen eines lustigen Philosophen zerstört die lasse Moral eines satten Philistertums so unerbittlich, wie die Müdigkeit einer Nur-Ästhetik. Es ist ein Lebensbuch von unerschöpflicher Klarheit, eine ganz moderne Philosophie von Leib und Seele, wie sie gleich einheitlich nur im Athen eines Plato oder im Rom des Neuplatonismus geschrieben werden konnte, wie sie in den Religionen Buddhas und Alexandrias vorherrscht, er baut den Vorhof zu einem Tempel der zukünftigen Menschheit.

(Leipziger Neueste Nachrichten)

„Semmering 1912“

Der populärste Mensch von Wien hat ein neues Buch herausgegeben, das wieder wie alle früheren Bücher des Dichters angefüllt ist mit jenen zarten, kleinen Skizzen, Anekdoten, Plaudereien, die an vollkommene japanische Lackarbeiten und auf einfachste Umrisse gebrachte japanische Holzschnitte erinnern oder auch an die Kopfkissenhefte jener japanischen Frauen, die um das Jahr 1000 die klassische Literatur der Japaner schufen. Aber auch all seine Ideen über Kultur der Seele, des Körpers, des Gefühls werden wieder in diesem Buche ausgesprochen, doch ein wenig resignierter, in herbstlich stiller Beglückung. Denn Peter Altenberg ist krank und mußte sich im Sanatorium aufhalten. Er entwickelte die Idee eines „Hotelregisseurs“, eines „Hotelführungsidealisten neuester Art, dem das Hotel als solches lieb und betreuenswert erscheint“. Da er sich selbst als Hotelregisseur empfahl, wurde er in ein Hotel auf dem Semmering berufen. Dortselbst verlebte der bislang in Wien (Café Central) Eingekerkerte ein glückseliges Jahr 1912. Und die Skizzen, die in diesem Jahre entstanden, tragen dankbar den Sammeltitel „Semmering 1912“. Nun sind in dem kranken, alternden Peter nochmals alle Erkenntnisse und Gefühle seines Lebens aufgeblüht. Hier droben im Gebirg fand er Frühling, Winter, Wälder, Wiesen, Blumen, schöne Frauen und sehr gepflegte edle Kinder. Also wurde „Semmering 1912“ eine Enzyklopädie von Peter Altenbergs bisherigem Erleben. In diesen sorgsam hingetupften Skizzen sind Romane, hygienische Abhandlungen, Liebeslieder, unendliche Gefühle geborgen. Auch mancherlei Amüsantes, Witziges, Paradoxes, Autobiographisches zieht vorüber. Wir erfahren, wie Peter Altenberg entdeckt wurde, wir staunen, welche Glücksmöglichkeiten die Betrachtung einer Wiese, einer schönen Frau, eines Kindes bietet. Und so ist dies Buch des vierundfünfzigjährigen Dichters ein Spiegelbild des armen, glücklichen Peter Altenberg, ein Bilderbuch der Schönheit, der Gefühle, der Natur, der Witze und aller Menschlichkeit.

(Zeitschrift für Bücherfreunde)

Märchen des Lebens

Das Leben erzählt uns allen, und doch hat keiner von uns die Geschichten gewußt, die dieser eine Peter Altenberg, dieser hochbegnadete Struwelpeter der Dichtung, zu berichten weiß. Im Hinhören, im Aufmerken, in einer neidenswerten Fähigkeit des Staunens liegen Altenbergs ursprünglichste Dichtergaben. Die Welt ist so reich. Jeden Tag sehen wir — ja, wie kann man das alles aufzählen? —, wir sehen Wolken über den Himmel gehen, ein Füllen auf der Weide springen, eine Blume blühen, eine schöne Frau lächeln. Aber wenige von uns haben die Gabe, über das alles nach Gebühr zu staunen. Vielleicht muß man vom Leben etwas zur Seite gestellt sein, um das alles so gierig, so dankbar, so heiß und schmachtend aufzufassen, wie es Peter Altenberg tut. Wir gehen die Straße des Lebens, ungeduldig, präokkupiert von der Sehnsucht nach den großen Sensationen. Wir suchen am Horizont nach den gewaltigen Gebilden der Berge. Peter Altenberg aber bückt sich indes, hebt einen Kiesel von der Straße auf und weist ihn lächelnd, liebevoll, mit einer fast preziösen Geste dar. Und siehe da, der Kiesel ist ein wahres Wunder, und wir müssen tun, als sähen wir ihn zum ersten Male. Liegt es nur an der preziösen, entzückten Geste, mit der er dargereicht und uns endlich einmal eindringlich ins Bewußtsein gerückt wird? Welch eine eminente Gabe der Charakterisierung muß ein Mensch besitzen, wenn seine Schilderungen so frisch, so packend und frech wirken, wie die Bilder einer kleinen spitzbübischen Kamera.

(Münchener Neueste Nachrichten)

Neues Altes

Eben habe ich ein wundervolles Buch gelesen, keines für Philister, die finden nichts darin, keine Geschichten, keine Moral und keine Unmoral. Es sind Perlen und wieder nicht Perlen, wie man sie sich gewöhnlich vorstellt, sondern wie sie aus der Hand einer feinen, innerlich vornehmen Klavierspielerin aus den Tasten oder über die Tasten des Flügels rollen, unsagbar rund, unsagbar matten Glanzes — reine Kunst. Das Buch ist von Peter Altenberg und heißt ‚Neues Altes‘. Was drin steht sind Briefstellen, Tagebuchnotizen, Skizzen, manchmal nur eine Bücherwidmung, selten mehr als eine Seite lang, oft ein paar wenige Zeilen, ein Nichts für den Philister, eine Perlenschnur für den Liebhaber. Amatöre sollen sichs zur Weihnacht schenken und sich dazu anlächeln.

(Nationalzeitung, Basel)

Die Auswahl aus meinen Büchern

Über Peter Altenberg ein Urteil in gemessenen Zeilen abzugeben kann ich mich nicht erkühnen. Man kann über diese personifizierte Absonderlichkeit denken, wie man will, verweilen wird man bei ihr müssen. Er hat die feinsten Nerven in ganz Wien. Darum muß man ihn lesen, ablesen wie einen Thermometer, Barometer, Hydrometer, kurz wie irgendein Kunstwerk physikalischer Feinmechanik. Vielleicht gehört das Urteil über Peter Altenberg wirklich der Zukunft? Vielleicht hat er instinktiv das getan, was nur er sich erlauben durfte: seinem Buche eine Selbstanzeige mitgegeben, eine Selbstanzeige, worin es heißt: „Ich habe vier Bücher herausgegeben: ‚Wie ich es sehe‘, ‚Was der Tag mir zuträgt‘, ‚Prodromos‘, ‚Märchen des Lebens‘. Ich hielt dieselben für ‚Extrakte‘, für Extrakte meines eigenen Innenlebens und eigentlich des Lebens überhaupt! Ich hielt mich für das kurzgefaßteste Herz, für das kurzgefaßteste Gehirn eines modernen Schriftstellers, für das Unbelästigendste, Zeit nicht Raubendste, das es gäbe! Aber ich habe mich geirrt. Man kann aus den vier Büchern noch die ‚wertvollsten‘ Perlen herausfischen und so dem einen Leser die Mühe ersparen, überhaupt je wieder etwas von mir zu lesen, den anderen jedoch dazu verführen, nun alle Werke zu erstehen! — Man warnt also menschenfreundlichst dadurch seine Nichtversteher, während man mit seinen Verstehern ein glänzendes Geschäft vielleicht zu machen in der Lage ist! Deshalb, aus Menschenfreundlichkeit und Gewinnsucht zugleich, veröffentliche ich die ‚Auswahl‘!“... Hat man die feinen Sächelchen, diesen Seelenhauch gelesen, scheint das Leben eine unüberwindliche Brutalität.

(Wiener Abendpost)

Im gleichen Verlag ist erschienen:

Egon Friedell: Ecce poeta

Geh. 4 Mark, geb. 5 Mark

DasBuch überPeter Altenbergheißt „Ecce Poeta“; es könnte ohne Einbuße an der monumentalen Macht seines Hinweises auch „Ecce homo“ heißen; nämlich ecce homo 1912. Denn so wie Egon Friedells Arbeit das Buch über den österreichischen Dichter, so ist dem Verfasser die Persönlichkeit Altenbergs einfachderDichter, ja mehr als das,derMensch. Diese Identität zwischen Dichter und Mensch war die Verlockung, die ihn in einem Werk, das sich eigentlich als große erste Publikation von Untersuchungen über den neuen Menschen hätte geben sollen, die Führung an Altenberg vergeben ließ. Altenberg führt; darum ecce poeta. Ein Dichter kann in Mode stehen und außer Mode kommen. Bei Altenberg kann man leider nicht sagen, daß er je sehr in Mode gestanden hätte; schuld daran ist, daß er eine Entwicklungsspitze darstellt, während sich das große Publikum immer lieber am Fuße aufzuhalten pflegt und nur hin und wieder scheue Blicke nach oben wirft: denn es besitzt nicht das zähe Altenbergprinzip, das, um Bergsteigerfreudigkeit und Leichtigkeit zu erzielen, ein Dutzend fleißiger Kniebeugen vorm Schlafengehen verschreibt. Trotzdem ist Altenberg modern: weil er aus dem Krafthaushalte seiner Zeit schöpft und neue Kategorien von Schönheit und Adel aufstellt. Und nicht zum wenigsten darum, weil in Altenberg Mensch und Dichter kommunizieren. Wenn darum Egon Friedell etwas aus seinem Dichterschicksale erzählt, kommt es in Summa dem Menschen von heute überhaupt zugute. Altenberg ist Dichter durch seine Menschlichkeit. Nie ist ein Dichter weniger Dichter gewesen, nie ist ein Dichter mehr Antidichter gewesen. Denn das Dichtertum Altenbergs ist kein bürgerlicher Beruf, sondern ein Humanitätsmaximum.

(Frankfurter Zeitung)

Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig


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