DER TOD EINER SAMARITERIN

DER TOD EINER SAMARITERIN

Komtesse Lubienska vom Schnellzug getötet

Krakau, 24. März.

Gestern abend ereignete sich auf der Eisenbahnstrecke Krakau-Zakopane ein schwerer Unglücksfall, dem die neunzehnjährige Tochter des dortigen Großgrundbesitzers Grafen Dr. FelixLubienskizum Opfer fiel. Die Komtesse, die in der ganzen Umgebung wegen ihres Wohltätigkeitssinnes allgemein verehrt wurde und der Bauernschaft in Erkrankungsfällen stets erste Hilfe leistete, erhielt gestern abend die Nachricht, daß eine Bäuerin in einem nahegelegenen Bauernhofe im Sterben liege. Sie begab sich unverzüglich auf den Weg dahin, und um diesen abzukürzen eilte sie durch den Schloßgarten, der von der Eisenbahnlinie Krakau-Zakopane durchschnitten wird. Beim Versuche, das Geleise zu übersetzen, wurde sie von dem eben die Stelle passierenden Schnellzug erfaßt und getötet. Man fand die junge Aristokratin als gräßlich verstümmelte Leiche auf.

Als der tragische Tod der Komtesse in der Umgebung bekannt wurde, strömte die Landbevölkerungin Scharen nach dem Schlosse, um an der Bahre der allverehrten Wohltäterin Gebete zu verrichten. Das Leichenbegängnis wird sich zu einer Trauerkundgebung der ganzen Bauernschaft im weiten Umkreise des gräflich Lubienskischen Besitzes gestalten. Und geradediesemußte überfahren werden!? Zum „überfahren-werden“ sind dochandereda! Wenn ich da an Paula, Esthère, Anna, Mitzi denke und diese anderen — — — „Samariterinnen“!?


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