ENGLAND
Soll ich wieder einmal eine Hymne anstimmen zum Preis und Lob aller dieser herrlichen bettelarmen unwissenden und dennochhöchstkultiviertenenglischen Tänzerinnen aus den Tanztruppen?! Soll ich sagen, daß, trotzdem sie vielleicht nur die Töchter von Matrosen, Polizeiwachtleuten, Hausbesorgern sind, sie das bescheidenste, vornehmste, keuscheste, unkoketteste, un-männersüchtigste, un-geldgierigste Benehmen haben?! ImGegensatzzurFranzösinund anderen uns näher liegenden Nationen?!? Es sindDollies, Püppchen, zart und ergeben, dankbar, freundschaftlich, verständnisvoll, anmutig, originell undihre eigene Weltdurchlebend, sogardurchtrauernd! Erstaunt sind sie, daß die Männer größtenteils so frech und dumm, eitel und noch etwas anderes sind. Aber sie können sich Gott sei Dank nicht helfen, verändern nicht ihr süß-kindliches Sein! Soll ich die „Four magnets“ erwähnen, mit den KindchenBessieundOlive?! DieRockinggirlsmit der süßen Elsie, und mit Lilly, der Gebenedeiten?! DieRomaine-Truppemit der edlen Lilly Romaine, die mir aus Rom geschrieben hat, seitdem sie in der Peterskirche war, könne sie nicht mehr so leicht und fröhlich abends tanzen?!? DieIsmay-Truppemit Ida und Beatrice Ismay, die sagten: „O, der böse Publikum war heute sehr gegen uns, kein Applaus, wir wollen nicht supieren, kein Appetit, wenn man uns nicht lieb hat!“ Und die Sechzehnjährige mit braunen dicken Locken sagte zu mir: „O bitte, kann ich einen Moment stören?!“ „Gewiß!“ sagte ich. „O bitte, ist esrichtig, daß Sie sind a most clever poet of Vienna?!“ „Obclever, weiß ich nicht, aber poet, no ja!“ „O bitte, wir haben auch sehr große Dichter bei uns in England!“ „Gewiß, natürlich, es ist kein Zweifel!“ „Zum Beispiel Shakespeare.“ „Ja, ein bedeutender Mensch!“ „Er ist leider schon gestorben!“ „Ja, schade um ihn, gerade solche Leute müssen weggehen!?“ „Es muß eine angenehme Arbeit sein, zu dichten!“ „Ja, es ist nicht unangenehm!“ „Man darf arbeiten, wann man will, nicht wahr?! Wir sindauchArtisten. Wir müssen auch arbeiten, aber zu einer bestimmten Stunde, elf Uhr abends. Sie arbeiten wahrscheinlich in der Früh?!“ „Nein, in der Früh schlafe ich.“ „Ah, also mittags, wenn die Sonne hell und schön vorhanden ist?!“ „Nein, da schlafe ich auch noch.“ „Immerhin, ein Dichter ist frei, er ist ein Vogel.“ „Ja, das ist er!“ sagte ich. Ich wäre gern vor diesem Kinde hingekniet und hätte ihr gern ein Rumpsteak mit potatoes bezahlt — — —. Aber kann man Lieblichkeit bezahlen?! Nein!