KARRIERE
Der HerrRedaktionsphotograph, der zwei Wände meines Zimmers aufnehmen sollte, weil „die großen europäischen Illustrierten“ es ihren gierigen Lesern zeigen wollten, wie P. A. haust, sagte: „Ich möchte auch ein Stück Ihres Schreibtisches dazu aufnehmen.“ — „Ganz unnötig, denn erstens habe ich keinen, zweitens schreibe ich alles im Bett. Nehmen Sie ein Stück von dem Bett auf dazu!“ — Ich sagte: „Wie wird man eigentlich Redaktionsphotograph?!Ich weiß nur, wie man Dichter wird. Man ist eine Schande seiner gütigen Eltern, ist Jurist, Mediziner, Buchhändler und dann gar nichts mehr. Aber wie wird man Redaktionsphotograph?!“
Der Mann legte die Stirne in düstere Falten, ich habe das zwar noch nie und auch diesmal nicht beobachtet, aber nachdem es in Romanen steht, und begann: „Ich hatte eine Stimme, Baß, Bariton und Tenor zugleich!“
„Muß man das haben, wenn man Redaktionsphotograph werden will?!“
„Ich hatte eineStimme! OperndirektorHerbeck, der unerkannt unter den Zuhörern saß, trat auf mich zu und sagte: ‚Morgen gehen S’ zumGänsbacher, singen dasselbe, er wird Sie unterrichten,zu zahlen ist nichts!‘ Ich wußte weder, wer Herbeck, noch wer Gänsbacher war. Nur mein Vater weinte Freudentränen, und meine Mutter sagte: ‚Ich hab’s ja immer gefühlt!‘ (Es ist der Beruf der Mütter, alles vorauszufühlen, wenn etwas hinterdrein geschieht, und der Väter eisige Strenge zerschmilzt in heißen und diskreten Tränen, wenn sich irgendwie ein ‚Fortkommen‘ zeigt.) Gänsbacher sagte zu mir: ‚Sie Teufelskerl!‘ Nach der siebzehnten Stunde machte ich einen Ausflug nach Laxenburg, und wie ich, vom Rudern erhitzt, im Kahn niese, kommt ein Luftzug, und ich verlier meine Stimme. Am nächsten Tage sagt der Gänsbacher zu mir: ‚Pfiert Ihnen Gott und kommen S’ mir nimmer wieder. Sie san futsch!‘ Meine Mutter sagte, sie habe alles vorausgeahnt, und mein Vater sagte: ‚Der Leichtsinn liegt dir im Blute!‘ No, so bin i halt Redaktionsphotograph geworden. Und glauben Sie mir, ich bin ebenso glücklich wie bei dem dalkerten Singen!“