SPLITTER

SPLITTER

Als ich einmal über die Verpflichtung angebeteter Frauen, schöne Füße und wohlgepflegte Fußzehen zu haben, perorierte, unterbrach mich ein Herr: „Mein lieber Freund, in der Nacht sind alle Katzen grau!“

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Mysteriös, angenehm-schrecklich ist der Augenblick, wo die Verzweiflung, die Spannung plötzlichaufhört, eine geliebte Handnichtberühren zu dürfen!

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Ich hatte eine riesig gescheite tiefe Freundin, die inmeinerGesellschaftniesprechen durfte, wollte, konnte! Später heiratete sie und führte das große Wort und wurde akklamiert. Dann schrieb sie mir: „Wo sind aber die heiligen Zeiten, da ich nochschweigend, in mich versunken, von Dir dennochinnerlichakklamiert wurde!?!“

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Ich hatte in meiner Kindheit eine Menge Lieblingsmärchen, die mich anzogen und anzogen, bannten, tief ergriffen: Die Sieben-Eichen-Wiese beim Talhof inReichenau, die Buchenwildnis, die Königskerzenwiese, die Apollofalterwiese, der Ahornhain, die Brombeerstaudenwirrnis, die Bodenwiese, das Höllental, der Kaiserbrunnen, das Naßfeld — — —. Aber die Märchen aus den Büchern waren mirviel zu wenig märchenhaft!

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Sehr viele Männer sind sehr intelligent, sehr nett, und machendennochewig nur denEindruckvon Commisvoyageurs! Andere sind wiederwedersehr intelligentnochsehr nett und machen dennoch den Eindruck vonHöchstzivilisierten!Woranliegt das?! Das kann ich euchganz genausagen: Die ersteren sind ebenim Grunde ihrer Seeledoch Commisvoyageurs, die anderen imGrunde ihrer Seeledoch Aristokraten!

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Frauen bemühen sich länger und geschickter als Männer, es einem zu verbergen, daß sie „ein großer Mist“ sind! Jedenfalls haben sie ein größeres Interesse an dieser Sache!

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Über diePhrase: „Sie sehen wirklich so jung und guterhalten aus!“

Die letzte Unterredung mit König Umberto.AusRomwird uns geschrieben: Am 23. September ist in Monza der frühere langjährige radikale AbgeordneteOreste Pennatigestorben, der sein Vaterland von 1894 bis 1909 im Parlament vertreten hat. Pennati hat eine unerwartete Berühmtheit in Italien dadurch erlangt, daß er am tragischen Abend des29. Juli 1900 der letzte Mensch war, mit dem König Umberto gesprochen hat. Er hatte den König als Abgeordneter für Monza auf dem Turnfestplatz empfangen und geleitete ihn nach dem Turnfest nach seinem Wagen. In heiterem Geplauder mit dem Abgeordneten schritt der König dahin, und an dem Wagen angelangt, sagte er auf ein Kompliment Pennatis über seine vortreffliche Gesundheit: „Ja, lieber Pennati, so jung wie die Turner da drinnen sind wir beide allerdings nicht mehr.“ Dabei wies der König lächelnd auf seinen schneeweißen Bart, schüttelte Pennati die Hand und schwang sich auf das Trittbrett der Equipage. In diesem Augenblick fiel der tödliche Schuß.

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Wenn man im dichtgedrängten Varietésodasitzt, daß man immer bedenkt, demanderendie Aussicht nicht zu verkürzen, ist man einAdeliger! Im anderen Fall einSchurke!

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„Stört Sie mein Zigarettenrauch?!“ sagen die Herrendevot-kriecherischzu den Damen. Den Herren neben ihnen sagen sie das nie, außer denen, die sie anpumpen wollen!

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Man möchte Frauenviel lieberBlumen schenken, wenn man es nicht wüßte, daß sie es erwarten!


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