SPLITTER

SPLITTER

Wollen Sie Liebe?! Nein,Verständnis!

Wollen Sie Freundschaft?! Nein,Gerechtigkeit!

Weshalb?! Weshalbnurdas?!

Weil ich michrühme, daß ausVerständnisundGerechtigkeitvon selbst Liebe und Freundschaftallmählicherblühen werden!

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Hungern, hungern, wenn man weiß, man wirddannfein zu essen bekommen, einGlück! Essen, essen, wenn man ausgehungert ist, ein Glück, ein Glück! Aber gegessenhaben,sattsein, einUnglück! IndieserSituation befinden sich alle Glücklichen! Daher sind sieunglücklich!

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Die Leute, die Geld haben, rechnen mir nach, daß ich, ohne Geld, dennochglücklicherlebe als sie! Das ist unrichtig; abermitihrem Gelde würde ich allerdingsglücklicherleben!

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Wie kann man sich an Austern jesattessen?! NacheinemDutzend hört man eben auf, um sichweiternach einem zweiten Dutzendsehnenzu dürfen!

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Vom Weib befreit, wirst du einHeld!Vom Weib befreit, wirst du einWeiser!Vom Weib befreit, wirst du einHerr!

Vom Weib befreit, wirst du einHeld!Vom Weib befreit, wirst du einWeiser!Vom Weib befreit, wirst du einHerr!

Vom Weib befreit, wirst du einHeld!

Vom Weib befreit, wirst du einWeiser!

Vom Weib befreit, wirst du einHerr!

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DieMode— — — das heißt für denanständigen ehrlichenDenker:Hygiene!Seidsplitternacktunter euren Röcken! Seidene Socken, keine Höschen! Dem Wind, der Feuchtigkeit, Hitze und Kälte ausgesetzt!Staubkann man wegwaschen, nicht aber dieVerweichlichung!

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Mir sagte jemand: „Reden Sie mir nicht ab von meinen gefährlichen Kletterturen! Wenn ichdasnicht mach, so mach ich arme unglückliche Mädchen— — — unglücklich! Irgend etwas Aufregendes, Himmelsakrament, muß geschehen!“ „A la bonheur!“ sagte ich, „daderstessenS’ Ihnen lieber!“

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Man tut den Ärzten unrecht. Sie hätten doch einfach nichts zu verkünden als: „Wir können nurdarüberwachen, daß der Kranke seine ‚Naturheilkraft‘ nichtverhindere!“ Aber da sie das ebennichtverkünden, tut man ihnennichtunrecht!

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Goethe lehrt uns „Goetheisch“ zu werden, das heißtrundumzu blicken,alleszu erleben, zu erleiden, zu genießen undnoch dazues philosophisch zuverdauenvermittels seiner Gehirnkräfte! Die anderen aber lehren uns: „Sixt es,sosindwir!“ Eine Sache, die uns leider meistensgar nichtinteressiert!

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An eine wunderschöne Fünfzehnjährige:

Was die Männer, die dir „nachsteigen“ und „Coco, Wiener Journal, An jenes kleine Fräulein, das vorgestern Ecke — — —“ annoncieren, von dir sich ersehnen,weißt du! Darauf sich etwas einzubilden ist Sache einerGans! Du kennst doch diese kleinen weißen netten Blechhäuschen, in denen so mancher notgedrungen für Augenblicke gern verweilt, um sie sobald als möglich wieder zu verlassen?! Solch einem Häuschen willst du doch hoffentlich nicht ähnlich werden?! Wenn jemand zu dir sagt, daß er unaufhörlich an dich denke, so erwidere ihm, daß das keine sehr lukrative Beschäftigung sei! Falls er dir mit Selbstmord droht oder Melancholie, so erwidere ihm, daß esgestern ein wenig kühl gewesen sei, das Wetter nachmittags sich aber Gott sei Dank freundlicher gestaltet habe. Sollte dir jemand etwas schenken wollen, so nimm es stets ruhig an, denn die Gewissensbisse darüber, einen vielleicht praktischen und netten Gegenstandeingebüßtzu haben, sindgefährlicherfür deine Seele als die Annahme! Man kommt in eine nähere Berührung durch einen „Refüs“, denn es nistet sich leicht in dein Spatzengehirn das Wort „armer Kerl!“ ein.Mitleidmit jemandem haben, der einen „haben“ will, ist eine horrende Eitelkeit. Eine Selbstüberschätzung. Kannst du dir, aufrichtig, ernstlich es vorstellen, daß einer à tout prix nur mit dir glücklich werden kann?! Nein!


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