SPLITTER

SPLITTER

Frau E. v. W. sagte zu mir: „Wenn ich, ganz nach Ihren Prinzipien, stumm, in mich gekehrt, dasitze, werden Sie sich doch, nach Stunden, mit mir schrecklich langweilen und sich eine fesche Ungezogene herbeiwünschen, nicht?!“

„Allerdings! Aber es wird dann nurmeineInferiorität beweisen, nicht dieIhre!“

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„Bin ich Ihnen, mein Herr, nicht doch zu wenig leblos, temperamentlos, zu fad?!“

„Mirnicht, solang ich spüre, daß Sie es den anderenebensosind!“

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„Denk dir, Mietzi, ich hab dem Peter seine Monatsrente entzogen!“

„Hat er sich gegiftet?!“

„Nein. Er hat nur gesagt, er kann vor Sorgen nun nicht mehr so ganz frei dichten!“

„Gott sei Dank!“

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„SchöneFrauen sind eigentlich sehrgutmütig, sie freuen sich, daß siewegen nichtsso gefallen!Was sieungutmütigmacht, ist janurdas Gefühl, daß man sichbesonders langnicht anschmieren lassen wird!“

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Wirkliche Werte?!Lächerlich. Duftet die Rosedem, der Schnupfen hat?! Und dem anderen, derkeinenhat, bereitet sie vielleicht nurMigräne!

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„Ich möchte mit Ihnen etwasganz Außergewöhnlicheserleben, Herr Franz, ich lasse mir und Ihnen dazu vier Wochen Zeit!“

Für diesen Ausspruch drückte er ihr zärtlichst die Hand.

Da war esschonerlebt!

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Einer sagte zu mir: „Ich hab eine erstwirklich gern, bis ichsie ganz gehabthab!“

„Da hat sie Ihnen früher wahrscheinlichwenigergegeben durch ihre Persönlichkeit!“

„Nein, aber es ist halt dochetwas ganz anderes!“

„Ja, etwasganz anderesist es allerdings!“

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Es ist keine große Kunst, überall dasFürundWidereiner Sache herauszustöbern; aber esnichtherauszustöbern ist ein Kretinismus!

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Trauer.

Die Träne, die du trocknest, macht einen geliebten Verstorbenen erst vertrocknen, der bis dahin unter deinem Naß gediehen ist!

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Wenn Kürze des WitzesSeeleist, wenn Kürze des EssaysSeeleist, wenn Kürze der NovelleSeeleist, dann, dann — — — bin ichkurz!

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Dieganz feinenDamen sind ebenso brutal-ordinär wie dieganz ordinärenDamen. Nur merkt man es nicht soordinär.Dasist dasFeinean ihnen!

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Meine Bücher: Eine organische natürliche Verbindung einer innerenBiographiemit einer innerenWeltanschauung!

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Es ist wie gesagt keine große Kunst, alle Dinge des Lebens von allen ihren Seitenzugleichbetrachten zu können. Aber esnichtzukönnenist eineBeschränktheit!

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Wenn jedernurdas leistete, was er leistenkönnte!

„Aber er leistet das, was er leistenmöchte!“

Und das ist viel zuviel zuwenig!

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Der Kranke.

Wir brauchen Schlaf, nur Schlaf, diesenrücksichtsvollstenBruder diesesrücksichtslosestenBruders, Tod!


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