SPLITTER

SPLITTER

Er sagte zu seiner süßen Geliebten: „Ich geb dir sechs Wochen von heute abend an Zeit, folgende Lebensbibeln zu lesen:Macauley, Biografical essays,Goethe, Werthers Leiden,Hamsun, Victoria,Carlyle, Über Helden,Friedell, Ecce poeta,Richard Wagner, Exzerpt: Gedanken und Aussprüche,Renan, Das Leben Jesu,Emerson!“

Nach sechs Wochen machte er Stichproben. Und siehe, sie hatte wirklich — — — allesgelesen. Aberverdauthatte sie nichts. Da gab er ihr weiterezehn JahreFrist!

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Es ist besser, anfänglich zumißfallenund später zugefallen. Noch besser wäre es,gleichzu gefallen und spätererst recht. Aber das gibt es leider nicht!

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Wenn ich vom Leben nichts wüßte, als daß die Rosa Papier, die alleKirchenglocken töntewährend meiner ganzen Jugend, durchfalschen Ehrgeiz, durch diese hohen Partien „Sieglinde“ und „Elisabeth“, ihre von mirvergötterteundheißgeliebtedunkelernste mahnende erschütternde Stimme verlor, wüßte ichschon mehr als genug!

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Heute, 17. Dezember 1914, ½6 abends, wurde mir im Café meine geliebte goldene Uhr gestohlen. Ich annoncierte sogleich ins N. W. T.: „Welche meiner zahlreichen Verehrerinnen erwünscht sich die Ehre, mir auf den Weihnachtstisch einen Ersatz für die gestohlene zu legen?!“ Ich erhielt 173 wundervolle Uhren. Die schönste behielt ich, den Erlös für die anderen widmete ich den Waisen weiblichen Geschlechtes gefallener Helden! Das Ganze war aber nur, wie im Kino, ein Traum. Bis auf die eine gestohlene Uhr. Die ist Wirklichkeit.


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