Eine Abelsberger Katze.
Im Pfarrhofe zu Abelsberg bei Tische saßen immer ihrer Drei. Der Pfarrer, die Katze und der Caplan. Besteck hatte die Katze keines. Ja, hätt’ ich ihre scharfen Zähnchen, wollt’ nicht fragen nach Messer und Gabel, und ihr zartes, langes Zünglein ist brauchbarer als wie der feinste Silberlöffel. Am liebsten saß sie dem Pfarrer auf dem Schoß, wo der Talar stets ein rechtes Grüblein machte; saß nicht ungern auf dem Tisch, am Rande des Tellers; bekostete zuweilen auch die gemeinsame Schüssel, ob wohl in Salz und Schmalz das richtige Verhältniß obwalte, wie es die geistlichen Herren am liebsten hätten. Und war dieses richtige Verhältniß da, so aß sie sich für’s Erste selbst ohne alle Umstände satt.
Der Pfarrer hatte seinen rechten Spaß mit dem possirlichen Wesen, ja hing mit Freundschaft an demselben und schob ihm nicht die schlechtesten Bissen zu, gar mitunter solche, auf die bereits schon der Caplan ein Auge geworfen hatte.
Nach einer Weile ereignete es sich, daß der Pfarrer auf einige Zeit verreiste. Der Caplan hatte mittlerweile Gemeinde- und Hauswesen zu verwalten — that’s auch mit Umsichtund Gewissenhaftigkeit. Aber Eins wollte er dieweilen vollführen; gegen den Liebling des Pfarrers, der keine Messe las, keine Predigt hielt und keine Sünden vergab und im Pfarrhofe doch mindestens so gut, wenn nicht besser gehalten wurde, als der Caplan — gegen die Katze schmiedete er Ränke. Aber ihm waren die Hände gebunden — wenn der Herr nach Hause kommt, wird sein erster Blick in den Bettwinkel sein, wo der Liebling seine Wohnstatt hat.
Giebt es denn aber kein Mittel, das graue Unwesen für immer vom Tische fern zu halten? Nach dem Crucifixe, das über dem Tische an der Wand hing, glitt des Priesters bedrängter Blick. An demselben Tage fiel ihm eine kleine Hundspeitsche in’s Auge, die beim Sattlermeister im Auslagkasten lehnte. Da kam ihm plötzlich die Erleuchtung. Er kaufte die Peitsche, und als es Essenszeit war und er sich allein zum Tisch setzte, kam wie immer die gute Katz’ herbei. Der Caplan nahm salbungsvoll das Crucifix in die rechte, die Hundspeitsche in die linke Hand — hielt ersteres der Katze vor und mit der letzteren — schwaps! ging’s über des Thierleins Rücken. Mit Einem Satz war die Katz’ davon.
Aber bei der nächsten Mahlzeit erschien sie wieder. Der Priester nahm in die Rechte das Crucifix, in die Linke die Peitsche und that wie das erstemal. Husch war sie weg.
Ein drittesmal nahte sie schon mit einigem Zagen, aber sie nahte, und der Caplan that wie das erste- und das zweitemal.
So ging’s etliche Tage fort. Da kam der Herr Pfarrer heim. Recht froh und heiter, daß wieder Alles in Ordnung ist, setzen sie sich zu Tische und die Gottesgab’ läßt nicht warten und läßt sich niemals, heute am allerwenigsten spotten.
„Aber wo ist denn mein Katzel?“ frägt der Pfarrer.
Lugt auch der Caplan um. „Dort hinter dem Ofen hockt’s ja.“
„Merkwürdig, daß es heute nicht zum Tisch kommt!“
„Wirklich, Herr Pfarrer, das nimmt mich auch Wunder. Ich merke schon seit ein paar Tagen so etwas. Mir fiel es sogar schon ein, was die Leute sagen — mag aber nicht d’ran glauben.“
„Die Leute?“ meint der Pfarrer, „was sagen sie denn?“
„Nein, ich glaub’s nicht. ’s ist so ein abergläubisches Geschwätz, nur daß man davon spricht. — So eine Katz’, sagen die Leute, wenn sie altert, thät’ eine Hex’ werden und sich keinem Crucifix in die Nähe getrauen.“
„Paperlapap!“ sagt der Pfarrer.
„Na, versteht sich. Ein Altweibergeschwätz.“
„Ist nur um ein Probiren zu thun,“ meint der Pfarrer, „na, Kätzle, komm’, komm’ her zu mir!“
Dieser trauten Einladung vermag das Thier nicht zu widerstehen, es naht und steigt dem Herrn auf den Schoß. Der Pfarrer langt nach dem Crucifix, aber kaum die Katze dieses in seiner Hand erblickt und ein inneres Gesicht hat von einem andern Gegenstand, ergreift sie in wilder Hast die Flucht.
Die beiden Priester blicken sich lautlos an.
„Merkwürdig!“ sagt der Pfarrer endlich.
„Seltsam!“ entgegnet der Caplan.
„Wenn’s so ist, muß ich das Vieh aus dem Haus thun,“ sagt der Pfarrer.
„Das wäre jammerschad’!“ versetzt der Caplan.
Bald war die Katze beim Abdecker. Aus ihrer Haut wurden Hundspeitschen geschnitten.