Kopfstück WinterabendeEin Weg zur Schuld.
Kopfstück Winterabende
B
Beim Wiesenwirth am Zechtisch kauern zwei Männer und schnarchen. Man sieht von ihnen nur die struppigen Häupter, das eine röthlich behaart, das andere grau. Die Gesichter sind in die Aermel gepreßt. In den halbgeleerten Weingläsern, die davor auf dem Tische stehen, schwimmen ein paar ertrunkene Fliegen.
Bei einem andern Tisch, der am Ofen steht und der eigentlich eine Bettstatt ist, welche des Tages mit einer Holzdecke überschlagen eine Gasttafel bildet, sitzt ein junger Mann, der bäuerliche Kleider trägt, sonst aber recht städtisch aussieht. Er hat die Haare glatt nach rückwärts gefettet, und zwar so, daß sie in der Mitte den schneeweißen Scheitel bilden, und er trägt etwas feingekämmten Backenbart. Er scheint zu der neuzeitlichen Secte der Touristen zu gehören, welche auf allen hohen Bergen herumklettern und alle hübschen Landmädchen beunruhigen. Der junge Mann beim Wiesenwirth hat auch schon eines. Es ist die schöne Wirthstochter, die Walpa, die feurige Augen hat und jenes reiche, rothbraune Haar, das nur auf den Häuptern der Heißblütigsten und Begehrsamsten wächst.
Als die Walpa dem jungen Touristen das Weinglas vorgesetzt, hat er ihre Fingerchen erhascht, hat sie hierauf ander Hand gefaßt und weiß an ihren nackten runden Armen immer weiter hinanzutasten. Beim Grübchen des Ellbogens angelangt, jagt er ihr einen Schrei aus, denn sie ist „bremselig“. Die beiden Schläfer schlafen behaglich weiter.
Des kecken Städters weiße Hand umspannt des Mädchens Oberarm, so weit das Hemd zurückgeschlagen ist; dann will er sie niederziehen auf seinen Schoß, der heute ja in einer dicken Bockledernen steckt. Das Mädchen sträubt sich eine Weile, dann fügt es sich doch; Walpa ist schon manchem Burschen auf dem Leder gesessen. Manche Gäste haben das gern und zechen dafür um so wackerer, und der Wiesenwirth kann es seiner Tochter nicht oft genug sagen: „Nur fort handsam sein mit den Gästen und unterhaltsam — man weiß heutzutag, seit die Postwagen aufgehört haben, ohnehin nicht mehr, wie man die Kreuzer in’s Haus bringt.“
Da nun die Walpa auf seinem Schenkel sitzt, schlingt der junge Fremde — sie kennt ihn gar nicht, er ist das erstemal im Hause — seinen Arm um ihre Gestalt, beugt sein Haupt so nahe zu ihrem Gesichte, daß sein Athemhauch ihre Wangen bethaut. Dann sagt er leise das Wort: „Aber Du gefallst mir, Mirzel!“ In Steiermark, meint der Tourist, müsse jedes Bauernmädchen Mirzel heißen. Die Walpa dachte, weiß er meinen Namen nicht, so braucht er ihn auch nicht zu wissen. Nun sagte sie: „Will der Herr noch einen Wein?“
„Einen Kuß!“
Wenn Der nicht mehr als ein Seidel trinkt, dachte Walpa, so ist es nicht der Mühe werth, daß ich auf seinem Knie sitz’, und machte sich mit einem entschiedenen Ruck los. Er erhaschte sie und raubte ihr einen Kuß; sie blieb dabei anscheinend kalt, wie eine Marmorsäule. Aber aus ihremAuge sprühte ein Feuerstrom, vor welchem dem Städter graute. Haß oder Liebe? Er wollte es untersuchen, da traten zur Thüre drei Männer ein.
„Ich komme wieder, mein Kind,“ sagte der junge, hübsche und so freundliche Städter, ihre Hand drückend und ein gutes Trinkgeld reichend, „bleib’ gesund, Mirzel, wir werden noch recht bekannt werden miteinander, Adieu, Schatz!“
Er ging und die Angekommenen traten in Herrschaft.
„Der Wiesenwirth daheim?“ fragte Einer der Dreie.
Das Mädchen deutete auf jenen der Schlummernden, der die grauenden Haare hatte. — „Was darf ich bringen?“
„Weckt ihn auf!“ gebot einer der Ankömmlinge.
„Wenn die Herren mit meinem Vater was zu schaffen haben,“ sagte die Walpa, „so müssen Sie wohl ein anderesmal kommen. Heut’ ist’s nichts, er ist ganz —“. Sie machte eine Geberde gegen die Stirne, anzeigend, daß der Mann heute nicht zurechnungsfähig wäre.
„Wiesenwirth!“ rief der Mann und legte den Stock auf den Tisch, „die Schätzungscommission ist da!“
Der Wirth pfusterte, hob ein wenig sein roth aufgedunsenes verschlafenes Gesicht, murmelte etwas, dann sank das Haupt wieder auf den Arm nieder.
„Lasset ihn,“ sagte ein Anderer, „wir haben ja Alles schon in dem Protokoll, wir wollen heute nur die Objecte mit Beschlag belegen. — Du, Mädchen, bist wohl die Tochter. Nimm die Schlüssel und komm mit uns. Auch ein Kerzenlicht brauchen wir.“
Die Walpa wußte schon, was es geschlagen. Die ganze kleine Wirthschaft war verschuldet. Wenn schlechte Zeiten sind, dann mag das Wirthstöchterlein den Gästen auf den Knieen hocken wie es will — es giebt nichts aus.
Die Gerichtsmänner durchstöberten Kisten und Kästen, Vorrathskammer und Keller, drückten überall das Amtssiegel auf und dann gingen sie ruhig wieder davon.
Da war es öde im Wirthshause, die Walpa saß auf der Ofenbank.
Endlich, als in der Stube die Dämmerung des Abends zu herrschen begann, regte sich der Schläfer mit dem fuchsrothen Haupthaar und verlangte Wein. Es war ein Mann von etwa fünfunddreißig Jahren, knochig und rauh von Figur. Die Wangen und das Kinn waren glatt rasirt, der rothe Backenbart unter den Ohren und der Schnurrbart standen steif und struppig; die Augen waren grau und tiefliegend und die Knochenwände, die darüber hervorstanden, ließen wohl den eisernen Willen vermuthen, der in diesem Kopfe schlummerte. Im Uebrigen waren die Züge so wie bei anderen Bauersleuten, und doch wieder anders; sie waren abstoßend und doch interessant. Als er seine Augen rieb und das Mädchen erblickte, nahm er eine freundliche Miene an.
Jetzt wachte auch der Graukopf auf und schrie nach Wein.
„Ihr habt zu lang’ geschlafen,“ sagte Walpa, „dieweilen sind Gerichtsleut’ dagewesen und haben Alles verpetschirt.“
„Herr Jesses! Bei den Weinfässern werden sie doch nicht gewesen sein!“
„Freilich, auch bei den Weinfässern.“
„So bring’ einen Holzapfelmost!“ befahl der Wirth.
„Ja,“ sagte das Mädchen, „das Mostfassel haben sie auch verpickt.“
„Himmelherrgottsdirn, so trag einen Branntwein her!“
„Ist Alles verschmiert, Vater, und Ihr denkt nur fort an’s Trinken.“
„Na, so bring’ was zu essen!“
„Ja, zu essen haben wir freilich auch nichts, das Mehlkastel und der Schmalztopf sind versiegelt. Wir sind fertige Bettelleut’.“
Jetzt wurde der Wiesenwirth nüchtern. Zuerst polterte er mit dem Mädchen, daß es Alles habe versiegeln lassen, dann fluchte er über das Gericht, über die Gläubiger und über die ganze Welt; schließlich fragte er, ob ein Strick noch im Hause wäre, er hänge sich auf.
Der Andere, der neben ihm erwacht war, lächelte hämisch und murmelte: „Bist ein verzagter Steffel, Du. Weißt ja, daß Du einen guten Freund hast. Ich bleib’ auch jetzt noch bei meinem Wort, und wenn Dujasagst, Wirth, so reiß’ ich Dich auf eins zwei aus der Klemm’.“ Er fuhr mit der Hand in den Rock und riß eine bauschige Brusttasche aus dem Sack.
„Was hilft mein Jasagen, Du Tropf, wenn die Dirn nicht will!“
„Wenn die Dirn nicht will — nachher — — ist’s freilich was Anders,“ sagte der Rothhaarige und schob die Geldtasche wieder ein.
Der Wirth war aufgesprungen und hatte seine Tochter bei der Hand gefaßt. „Walpa,“ sagte er, „laß’ noch einmal mit Dir reden. Schau, zweiundzwanzig Jahr bist alt. Schöner wirst nimmer, stolz sein, das tragt’s Dir nicht, ’s selb’ magst mir schon glauben. Jetzt freilich noch hupfen Dir allerlei Mannerleut nach. Die werden Dich bald nicht mehr kennen. Nur zum Zeitvertreib bist ihnen gut, heiraten will Dich eh’ keiner. ’s wird Dich reuen, so viel Du Haar auf dem Kopf hast, wenn Du jetzt beim braven Seizmüller nicht ja sagst.“
Das Mädchen hielt die Schürze vor das Gesicht, und ja sagen vom Herzen, das könnt’ sie halt nimmer.
„Was willst denn anheben?“ fragte sie der Vater. „Vielleicht morgen schon kommen sie und werfen uns aus dem Haus. Du kommst, wenn’s gut geräth, in einen harten Bauerndienst; wirst nichts zu lachen haben dabei. Und Dein alter Vater geht mit dem Bettelsack um.“
Seine Augen waren immer naß und roth unterlaufen, an ihnen war eine Gemüthsbewegung nicht zu merken. Hingegen weinte Walpa bitterlich und der Rothhaarige — das war ja der Seizmüller — trommelte mit den Fingern auf dem Tisch. —
Noch am selben Abend lief die Walpa zu der Nachbarin: „Thorhofbäuerin, ein Stein liegt mir auf...“ Und sie schluchzte.
„Maria und Josef, Walpa, was ist denn geschehen?“
„Weiß mir nimmer zu helfen. Heut’ haben sie uns Alles versiegelt und jetzt soll ich den Seizmüller nehmen.“
„Was sagst?“
„Der Seizmüller giebt das Geld her, wenn ich ihn heirate, und daß sich mein Vater wieder kunnt heraushelfen.“
„Es ist kaum sechs Wochen her, seit er sein erst Weib in den Freithof hat tragen lassen,“ sagte die Thorhofbäuerin.
„Desweg, das gefällt mir schon gar nicht und mich deucht, diesen Menschen heiraten, das kann ich nimmer. Ich hab’ nichts gegen den Seizmüller, aber allweg kommt’s mir vor, das ist für mich nicht der Rechte, und es geht mir halt was zu Sinn. Thorhofbäurin, ich bin schon hell verzagt.“
„Walpa,“ sagte die Bäuerin, „setz’ Dich her und iß mit uns Schmalznocken.“
Dann kam auch der Thorhofbauer herbei, und sagte: „Mit Euch Mädeln ist’s halt ein Kreuz. Ihr wollt’s was, und wißt’s nicht was, und da habt Ihr so allerhand Einbildungen. Ich weiß nicht, warum Du den Seizmüller nicht sollt’st nehmen. Ein braver, fleißiger Mann, der Reichste in der Gegend. Oft eine Andere wär’ zu tausendmal froh über eine solche Heirat, und es ist ja ein Glück, das Euch Gott vom Himmel schickt, jetzt, wo die traurige Sach mit der Pfändung ist. Mit allen Vieren greif zu, Walpa, das kann ich Dir sagen.“
Als sie davon wollte, eilte ihr die Thorhofbäuerin noch bis zur Thür nach und that dort mit leiser Stimme die Frage: „Ja, Walpa, weißt Dir einen Andern?“
„Gar nicht, gar nicht,“ versicherte das Mädchen und hat so ein Geheimniß verschwiegen.
Ungetröstet ging sie heimwärts.
Am andern Tag, als sie zur Messe ging, redete sie mit dem Kirchenvater, dem Erlsberger, was denn der meine.
„Gefreut mich, daß Du meinen Rath verlangst, Dirndl,“ sagte der Erlsberger, „schau, mich geht das Ding nichts an, kann auch nicht sagen, daß ich auf den Seizmüller extra was hielt’; er ist bisweilen ein bissel knopfig; aber ich thät Dir doch rathen, daß Du ihn nimmst. Es wird’s schon thun. Immer eine Ehe, die aus lauter Liebschaft geschlossen wird, ist zuletzt gar nicht glücklich, und immer eine, bei der sich die Zwei anfangs völlig nicht mögen, macht sich nachher recht gut. Das ist halt, wie die Leut’ zusammen geschaffen sind. Eine Einsicht hat er doch auch, der Seizmüller, und wenn er jetzt um Dich anhält, so wird er auch brav auf Dich schauen. Und mußt wissen, Walpa, in solchen Dingen muß man seinen Eltern folgen. ’s ist doch auch was, wenn DuDir Dein Lebtag lang sagen kannst, Du hast Deinen Vater aus der Noth gerissen, und bei so einem Kind wird der Gottessegen auch nicht ausbleiben.“
„Wenn ich nur ein bissel was verspüren thät,“ meinte die Walpa, „er ist gar so viel herb und wirbt um mich, als wollt’ er — Gott wird’s mir verzeihen — einen Mühlesel kaufen. Ist halt ein trauriger Werber, der keine Lieb’ mitbringt.“
„Wesweg will er Dichdenn, wenn nicht aus Lieb’,“ wendete der Bauer ein, „er könnt’ wohl gewiß Reichere haben, als Du bist — auf das mußt Du denken, Walpa, und so mußt Dir’s auslegen.“
„Vergelt’s Gott, Erlsberger,“ sagte nach einer Weile die Wirthstochter, „Ihr habt mir leichter gemacht. Ja, ja ’s wird das Beste sein, ich probir’s.“
„Mit dem Probiren ist’s nichts, Walpa. Sagst ja, so sagst es für’s Leben. Und da möchte ich Dir noch rathen, daß Du, wenn Du Dich schon entschlossen hast, frisch und munter drein gehst. Das Wanken und Zweifeln und Fürchten taugt nichts. — ’s wird schon gehen, er ist brav, ich bin brav und uns hat Gott zusammengeführt — so mußt Dir denken. Nu, Dirndl, wünsch’ Dir viel Glück!“
Darauf, wie sie den Vater sucht, daß sie ihm’s sagte, sie wäre bereit, findet sie ihn unten im Keller. Hat von der Pippe des größten Fasses das Amtssiegel herabgerissen.
„Aber um der Heiligen willen, Vater, was treibt Ihr denn?“
„Trinken.“
„Da sperren sie Euch ja ein!“
„Deß’ will ich mich früher ersäufen.“
Nun sagte sie’s, sie wolle den Seizmüller nehmen
Darauf trank er erst recht.
Keine Zeit war zu verlieren, denn die Gant des Wiesenwirthshauses war ausgeschrieben. Am nächsten Tage wurde die Walpa Braut des Seizmüller. Der Bräutigam lachte viel und zeigte, daß er gemüthlich sein könne. Allsogleich kaufte er ihr im nächsten Städtchen Stoff für ein goldgelbes Kleid und eine hochaufgebauschte Haube mit feuerrothen Bändern, wie sich’s für eine Frau Müllerin wohl geziemt. Aber Walpa dachte, wenn ich diesen Anzug muß tragen, so zeigen die Leute mit Fingern auf mich.
Noch in den letzten Tagen vor der Hochzeit ging Walpa zu ihren Bekannten um, und fragte, wie sie denn dran sei, ob sie den Müller doch nehmen solle? Die Allermeisten riethen dazu, und die ihr davon abredeten, von denen sagten wieder Andere: „Geh, geh, wenn man auf so Leute Reden losen wollt’! Die wissen gegen Jeden was, wenn er heiratet, das ist schon so der Brauch. Aber wenn Du nachher allein dastehst und Hilf’ brauchst, helfen thun s’ Dir nicht.“
In der letzten Nacht vor der Trauung ist der Walpa im Traume die verstorbene Mutter erschienen, die hat gewinkt, hat die Tochter bei der Hand genommen, als wollte sie sie davonführen. Es war ein süßer und dabei wieder ein angstvoller Traum. Die Böllerschüsse haben sie davon geweckt.
Unter den vielen Hochzeitsgästen war auch der Blasius Steiger, ein frischer, sauberer Bursche, den die Walpa wohl kannte. Er war vor zwei Jahren noch als Postillon durch die Gegend gefahren und hatte das Posthorn geblasen, daß es eine Herzenslust gewesen. Beim Wiesenwirth war er stets eingekehrt, wenn auch nur auf ein klein Tröpfel zum Staubhinabschwemmen — länger wollten die Rößlein und die Reisenden nicht warten. Dem Blasi war die Walpa nicht eineinzigmal auf dem Bein gehockt. Der Blasius hatte sie nie geneckt, nie bewitzelt, war immer ernsthaft und freundlich gewesen und hatte immer gerade am Wiesenwirthshaus seine schönsten Weisen geblasen. Hätte Einer die Walpa gesehen, wie sie diesem Blasen zuhörte, so hätte der leicht merken können, daß die Burschen alle genarrt waren, denen sie auf der Ledernen saß. Der hätte ahnen mögen, daß dieses Mädchen nicht so seicht wäre, als es sich wohl geben mußte. Seit der Eisenbahnzeit war der Blasius im Pongau d’rüben gewesen; nun, und heute war er unter den Hochzeitsgästen, eigentlich unter den Musikanten; er blies das Flügelhorn. Nur ein- oder zweimal hatte Walpa den Burschen verstohlen angeblickt — nichts weiter, kein Ehrentänzchen, kein Lächeln, kein freundlich Wort über vergangene Zeit...
Mittags, zehn Minuten nach eilf Uhr, war Walpa das Weib des Seizmüllers geworden.
Nach der Trauung ließ sie sich im Wirthshaus ein Stübchen aufsperren, um die Kleider zu wechseln. Sogleich stand ihr Mann da: „Was willst denn?“
„’s thut mir leid um das schöne Gewand,“ sagte sie, „für’s Essen und Tanzen will ich einen leichteren Rock anlegen.“
„Weißt, Walpa,“ versetzte er, „wenn ’smirnicht leid thut d’rum, so brauchst keine Umständ’ zu machen. Es geht aus meinem Sack, mußt nicht vergessen.“
„Ich hab’ nur gemeint,“ entgegnete sie leise, „weil’s die Andern auch all’ so machen.“
„Auf die Andern hast gar nicht zu schauen, Walpa; ich bin der Herr, mir hast zu folgen, und das kannst Dir merken ein- für allemal.“
„Hätt’ mir doch gedacht, daß ich von meinen Kleidern anlegen kunnt, was ich selber wollt’ — und das muß ichDir schon sagen: theuer mag das Kleid wohl gewesen sein, das Du mir gekauft hast, aber sauber ist es nicht.“
„Ja hörst, Weibel, wem willst denn jetzt sonst noch gefallen? Etwa dem Postbuben — den Du voreh so verliebt angelugt hast? Du, das sag’ ich Dir, in solchen Sachen versteh’ ich keinen Spaß!“
Ziemlich schwer ließ der Seizmüller bei diesen Worten die Faust auf den Tisch niederfallen. Walpa sagte kein Wort mehr und behielt das orangenfarbige Kleid und die Flitterhaube mit den feuerrothen Bändern am Leibe. Sie war den einfachen, geschmackvollen Anzug der Oberländerinnen gewohnt, sie wußte wohl, wie fein ihr derselbe ließ. — Nun wäre sie am liebsten gar nicht mehr unter die Leute gegangen, aber sie wollte ihrem Manne keinen weiteren Anlaß zur Unzufriedenheit mehr geben, und so fügte sie sich in das für sie recht traurige Hochzeitsfest.
Der Wiesenwirth war dabei gar lustig; gab’s ja viel Wein und auch daheim waren wieder alle Spundlöcher offen, seitdem der Seizmüller-Schwiegersohn das Gericht und die Gläubiger durch etliche große Banknoten beschwichtigt hatte.
Laut war’s im Festhause, und die Leute können heute noch nicht Wunders genug sagen, wie es doch so lustig gewesen wäre bei des Seizmüllers Hochzeit.
Am andern Tage, als Vater und Gatte noch schliefen, ging Walpa in die Kirche und betete unter heißen Thränen um Gnade und Kraft, sich geduldig in das Ehejoch zu fügen und stets das Rechte zu finden, um den Hausfrieden zu erhalten.
Von der Kirche ging sie auf den Friedhof und legte einen Kranz auf das Grab des ersten Weibes ihres Gatten; der Erdhügel war ganz kahl, nicht ein einziger Grashalmstand darauf. Walpa hatte ihre Vorgängerin nicht näher gekannt, diese hatte immer ganz zurückgezogen in ihrem Hause gelebt und erst von sich sprechen gemacht, als es hieß, ein im Wettersturm niederstürzendes Dachbrett habe die Seizmüllerin erschlagen. — Walpa wußte aber, daß es die Ehemänner nicht ungern sehen, wenn die zweite Gattin das Andenken der ersten ehrt, und darum den Grabkranz.
Etliche Tage später sagte der Müller zu seinem Weibe: „Ich habe gehört, auf dem Freithof d’raußen bei meiner Alten soll so ein Laubwisch liegen. Hast Du’s gethan, so will ich Dir nur sagen, es stünd’ Dir besser an, Du thätst Dich um die Lebendigen kümmern, als um die Todten. Wie schaut denn mein zerrissen Unterleibel aus?“
„Da bitt’ ich Dich wohl um Verzeihung, ich hab’ gar nicht gewußt, daß Du ein Unterleibel tragst.“
„Trag’ auch keins, aberkönnt’eins tragen, und eine gute Hausfrau thät’ wenigstens darnach fragen.“ —
So ist diese Ehe angegangen. Diese Ehe, die zum größten Uebel hat geführt und deren Geschichte über manchem Thore stehen sollte als Warnungstafel: Verbotener Weg!
Der Seizmüller, so heiter und laut lustig er in Gesellschaft und im Wirthshause bei Kameraden sein mochte, so finster, herrisch gab er sich zu Hause. Er konnte keinen Widerspruch leiden, widersprach aber selbst in allen Dingen. Trotz reizte ihn, und auch Milde; und wenn er gereizt war, so schlug sein sonst höhnisches Wesen in einen förmlichen Wuthrausch über — und in solchen Momenten kannte er keine Ueberlegung.
Oftmals hat sich in dem jungen Weibe der Trotz aufbäumen wollen, wenn ihr so sehr Unrecht geschah; dann aber sagte sie wieder: Nur noch ein Eichtel Zeit hab’ Geduld,’leicht kommt noch ein Friedensengel in’s Haus. Bös’ und schlecht ist er ja doch nicht, mein Mann, nur herb und ein wenig wunderlich; mein Gott, er hat seine Sorgen und Aergerniß in der Wirthschaft. —-
In der Wirthschaft stellte der Seizmüller seinen ganzen Mann. In der Mühle klapperten allfort vier Gänge und daneben ging eine emsige Brettersäge. Dann war auch eine Stampfe für Leinsamen dabei, die jedesmal im Winter, wenn die Säge stillstand, viel verdiente. Die Aecker und Wiesen, die zur Mühle gehörten, wurden gut bewirthschaftet. Freilich that auch die Walpa viel dazu, um durch Güte die Dienstleute und Mühljungen zu beschwichtigen, wenn sie die Grobheit und Unbilligkeit des Müllers zu vertreiben drohte.
Bei solch’ einer Gelegenheit, als sie einem Mühlburschen, der in der Kammer seit einigen Tagen krank lag, eine kräftigende Fleischbrühe zuschanzte, die sonst nicht gebräuchlich war, bekam die Walpa von ihrem Manne den ersten Schlag. „Heimlichkeiten mit dem Mühljungen!“ gurgelte er, berauscht von Wein, dem er immer mehr und mehr zusprach, „wächst sich die Kellnerinliebeleisoaus? Walpa, Walpa, Dich muß man anders biegen, mit Gütigkeit richtet man bei Dir nichts!“
Unter Weinen lachte sie auf. — Mit Gütigkeit! so sagte Der, von dem sie kaum ein einzig freundlich Wort noch gehört hatte.
Sonst war sie zu ihrem Vater gegangen, um sich an seiner Brust auszuweinen. Jetzt, ein Jahr nach der Müllershochzeit, lag der Wiesenwirth unter der Erde. In seinem Keller war er todt gefunden worden. Da klagte sie ihre Noth anderen Leuten, und darüber sagte ihr der Gatte einmal: „Du bist schon ein fürnehm Ehweib Du, gehst von Haus zu Haus und bringst Deinen Mann um den guten Namen,machst mich zum Tyrann, zum Wildfang, zu was weiß Gott Alles! Du, Walpa, ich sag’ Dir’s, gieb Obacht, daß es nicht wahr wird, was Du sprichst!“
„O, das ist lang’ schon wahr!“ rief sie aus, „und ich weiß nicht, wie ich mich denn so versündigt hab’, daß ich an einensolchenMenschen hab’ müssen gebunden werden. Kein größeres Kreuz auf der Welt!“
„Ja freilich, winseln und flennen, das ist noch Dein Bestes. Du Betteldirn!“ Und er stieß sie hintan, daß ihr Leib an die Kante des Herdes fiel und sie zusammenbrach.
„So — so —“ stammelte sie mit dumpfer Stimme, „an mir — weiß ich wohl, daß Dir nichts gelegen ist, aber daß Du Dein Kind im Mutterleib — —“
Da lachte er auf und meinte, das müsse man erst untersuchen, ob essein.
Das Weib lag in einer Ohnmacht.
Tagelang schwebte sie zwischen Leben und Tod, und als sie endlich — der Gatte hatte sie in der Krankenstube kaum ein einzigmal besucht — insoweit gerettet war, daß sie wieder zu denken und zu sinnen vermochte, seufzte sie ein- um das anderemal: „Das ist eine Ehe! o Gott, mein Gott, verlaß’ mich nicht!“
Und im Traume hörte sie das Posthorn klingen; da rief sie mehrmals laut den Namen Blasius. Und aufwachend flehte sie zur Mutter Gottes: „Bewache mich, daß dieses Wort nicht noch einmal über meine Lippen kommt, sonst ist’s mein Verderben.“
Als sie wieder so weit genesen war, daß sie — ein Schatten gegen früher — in das Freie wanken konnte, suchte sie den Pfarrer auf und fragte ihn, ob es denn gar kein Mittel gebe, daß sie von diesem Menschen, dem Seizmüller, wiederbefreit würde. Der geistliche Herr riß die Achseln empor und gab ihr schöne Lehren.
„Ei, ei,“ unterbrach ihn die Walpa, „was der Herr da sagt, das hab’ ich lang’ schon gewußt und gethan. Scheiden lassen will ich mich.“
Der Pfarrer machte ein saures Gesicht und lächelte. — „Scheiden lassen — das ist leicht gesagt, meine liebe Seizmüllerin. Von Tisch und Bett könnt’ Ihr Euch trennen, aber vor Gott seid Ihr doch ein Ehepaar.“
„Vor Gott sind wir nie ein Ehepaar gewesen!“ sagte das Weib, „ich bin schier mit Gewalt in diese Ehe hineingedrängt worden, mein Herz hat nichts davon gewußt, und immer ist es nicht gut, wenn das Kind seinen Eltern folgt!“
„Müllerin,“ versetzte der Pfarrer, „das ist keine christliche Red’, und wenn man Euch hört, so könnte man fast meinen, es wäre an Euch selber die Schuld.“ —
Ganz ohne Trost, nur noch rathloser und erbitterter verließ sie den Pfarrhof.
Eine gutmüthige Nachbarin rieth ihr, sie sollte zum Gericht gehen. Sie ging zum Gericht und drängte auf Scheidung.
— Ehescheidung?! Das war was Neues, das war in der Gegend seit Menschengedenken noch nicht vorgekommen.
„Liebe Frau,“ sagte einer der Herren, „zum Eheschließen müssen Zwei sein, und zum Ehetrennen auch. Wird Euer Mann einwilligen?“
„O,“ rief das Weib, „der will wen zum Peinigen haben, der wird sein Lebtag nicht einwilligen.“
„Dann ist nichts zu machen. Das Beste, Ihr versucht es noch einmal, Euch gütlich miteinander zu vertragen. Wenn es Euch recht ist, so wollen wir Euren Mann, den Seizmüller, rufen lassen und ihm seine Verpflichtungen vorhalten, damit —“
„Um Gotteswillen, nur das nicht! Wenn ich schon bei ihm bleiben muß, so darf er’s um all’ mein Leben und Sterben nicht erfahren, daß ich in solcher Angelegenheit bin dagewesen.“
„So geht heim und versucht es noch einmal, es wird sich geben, nur der redliche Willen gehört dazu. Behüt’ Gott!“
— So vernünftig reden sie und wissen nicht, wie es in der Mühle aussieht — Zank und Hader, Trotz und Wildheit, Haß und Gewalt. Die Walpa soll wieder zurückkehren zu ihrem größten Feinde.
Da besann sie sich. Hoch oben auf dem Zinken steht eine Capelle mit einem wunderthätigen Marienbilde. Schon Viele sind durch der Jungfrau Fürbitte befreit worden aus ihrer Noth. Sie stieg mit Mühe den hohen Berg hinan. Und dort oben zwischen den Felsen, wo kein Bäumlein und kein Blümlein mehr wächst, lag sie vor dem Bilde und betete: „Gieb’ mir ein, o Mutter, was ich thun soll! Weise mir einen Ausweg, und wenn schon kein anderes Mittel ist, so laß mich sterben.“
Am Eingang der Capelle stand, von ihr unbemerkt, ein Tourist und hörte ihr zu. — Ein blasses, hübsches Weib betet vielleicht in Liebessehnsucht?
Als sich Walpa erhob, trat er zu ihr; er erkannte sie nicht mehr; sie sah es, das war der junge kecke Städter, mit dem sie vor länger als einem Jahre in ihrem Heimatshause zusammengesessen war.
„Bist ganz allein hier oben?“ fragte der Fremde, „dann will ich Dich führen und will Dir auch den Ausweg weisen, um den Du eben gebetet hast.“
„Wohin wollen denn Sie mich führen, wohin?“
„Einstweilen bis zu den Zirmbüschen hinab, hier geht ein scharfer Wind.“
Walpa stieg an seiner Hand hinab und gedachte dem Fremden, der ihr nun schon das zweitemal freundlich genaht war, ihr Anliegen mitzutheilen.
Auf dem Bergmoos zwischen dichten Sträuchen, die sie wie ein undurchdringlicher Wall umgaben, saßen sie und Walpa schüttete ihr Herz aus vor Dem, der ihr so theilnahmsvoll zuhörte.
Und als sie schluchzend geendet hatte, sagte er: „Was Du da erzählst, das könnte Einem das Herz durchschneiden. Das hält kein Mensch aus; dieser Seizmüller muß eine elende Creatur sein. Von dem mußt Du Dich befreien. Wenn Du es nicht schon so machen kannst oder willst, wie es die Kathrina Schmachegger gemacht hat, deren Proceß vor wenigen Tagen abgelaufen ist, so — nu, so mußt Du es eben anders machen. Du bist hübsch und noch jung, Freundin, Dir kann’s nirgends fehlen. Gehe in die Stadt...“
Nimmer konnte es das harmlose Landweib verstehen, was der Fremde meinte. — In die Stadt gehen, das gefiele ihr schon. Wenn sich nur Alles so einrichten ließe, daß kein Aufsehen entstünde und daß der Seizmüller schließlich nicht etwa ihren Aufenthalt entdeckte. Lieber wäre ihr freilich noch ein anderer Ausweg, als den angetrauten Ehemann so zu verlassen — und was denn die Kathrina Schmachegger gethan habe, von der er vorhin gesprochen?
„Die Schmachegger war eine Bäuerin aus dem Untersaß,“ belehrte der Fremde, „diese hat ihrem Ehegatten, mit welchem sie in Unfrieden lebte, in einer Krankheit, die über ihn gekommen war, den Beistand versagt und ihn verderbenlassen. Sie ist aber freigesprochen worden, denn es war doch nicht bewiesen, daß ihre besondere Pflege ihn gesund gemacht hätte. Und es war nur die Unterlassung einer Tugend, zu der das Gesetz Niemanden zwingen kann.“
Darauf hat die Walpa stillgeschwiegen und der Stadtherr, der in’s Gebirge gekommen war, um die Natur zu genießen, hat seinen Arm ausgebreitet, sie möge ihn für den Freund halten, sie möge sich entschädigen für das harte Kreuz, das sie tragen müsse und sie möge dieses Kreuz mit aller Macht abschütteln.
Still war’s; auf solchen Höhen summen keine Mücken und die Vögel hatten sich versteckt in’s traute Heim unter den Büschen. Der Zirm schien höher und höher zu wachsen, ein weißer Schmetterling gaukelte im Zickzack heran.
„So!“ rief die Walpa plötzlich und ihre Stimme war laut, „ein solcher Freund sind Sie? — Nein, lassen Sie mich! Jetzt sitzt doch schon überall der Höllische, wo man hinschaut!“
Sie floh davon, und wie lange der Bergwanderer noch gelegen ist zwischen den Büschen, man weiß es nicht — verlangt es auch nicht zu wissen.
Walpa war wieder zurückgekehrt in die Mühle und hatte sich noch einmal fest vorgenommen, dem Müller ein treues Eheweib zu sein, Alles, was über sie kommen sollte, mit Ergebenheit zu tragen und ihr Herz verhärten zu lassen zu einem Stein.
Wohl, Herzen können verhärten, bleiben aber dennoch heiß und schwer und glückbegehrend. Walpa sah andere Ehen voll stillen, fröhlichen Glückes; sah an ihrem Hause vorbei manch’ freudiges Paar wandeln, manchen Brautzug, sah manch’ Kindlein tragen von den Engthälern heraus gegen dieKirche zur Taufe. Sie könnte es auch so haben. — Ob der Blasius wohl schon ein Weib hat? — Der liebe Schutzengel behüte vor aller Versuchung. — Ihr Mann ist ja auch ein Mensch, sie will ihn schätzen, will ihn pflegen; er hat doch Niemanden auf der Welt als sein Weib. — Die mildesten Worte hatte sie für den Gatten und mit Sorgfalt bereitete sie stets sein Mahl. Er aß es brummend und finster. Wenn er nüchtern war, so hörte sie von ihm kein Wort. — Das war ihre glücklichste Zeit und sie dachte, sagt er nichts, so wird er wohl zufrieden sein. Aber wie selten! — Es verging kein Tag, an welchem sie von ihrem Manne nicht eine Rohheit erfuhr. Er polterte und fluchte und spöttelte und höhnte, er that ihr Schimpf um Schimpf an und wenn sie dagegen auftrat, so ging’s ihr hart wie einer Sklavin, wie einem Hund, den der Zornige mit Fußtritten von sich stößt. Es ging auch die Wirthschaft schlechter und in der Mühle ruhten die Räder öfter, als es Sonntag war. Den Seizmüller reute das Geld, welches er für den Wiesenwirth ausgegeben hatte, anstatt er Brauthabe hätte bekommen sollen. „Wie mich der Teufel nur so hat verblenden mögen!“ rief er im Grimme, „daß mir ein Bettelweib hat können gefallen. Deine Schönheit? Ha, da muß ich lachen! Angethan hat sie mir’s und seit sie in der Mühl’, ist kein Segen mehr.“
Da hob die Walpa zu ihm die gefalteten Hände: „Lieber Mann, so laß mich wieder fort! Ich seh’s ja auch ein, wir taugen nicht für einander, wir können Beide nicht dafür. Ich will ja mein Lebtag lang keinen andern Mann, ich will Dir danken bis zum letzten Athemzug, nur fort laß mich, ich bitte Dich um des heiligen Kreuzes Jesu willen!“
„Ah!“ stieß der Seizmüller schnaubend heraus, „davonlaufen, das geht Dir noch ab, Du Zigeunerdirn. Meinst,ich wollt’ nicht auch meinem Gott danken, wärst Du aus dem Hause? — Thät’st Dir wohl in die Faust lachen, wenn die Leut’ mit Fingern auf mich zeigten: Schau, schau, das ist der alte Esel, dem ist sein Weib durchgegangen! In’s Unglück hast mich schon gebracht, jetzt willst mich auch noch in die Schand bringen? — Jesses, mir zucken gerade die Händ’! In die Mauer wollt’ ich Dich — Du — Du Creatur!“
Er langte nach ihren Locken, sie stürzte davon. Draußen, hart am Mühlbach, sank sie zu Boden.
— Ihrem Leben ein Ende machen? — Noch so jung, so weltbegehrend — und dieses Wütherichs wegen sterben! — — Nein, dafür haßt sie ihn zu sehr. Sie kennt nun ihren Entschluß, sie sinnt nicht mehr, sie weint nicht mehr — in stiller Nacht, während der Mann im Wirthshause sitzt, schnürt sie ihr Bündel und geht davon. Wohin sie kommt, was mit ihr geschieht — alleins. In alles erdenkliche Elend will sie sich lieber stürzen, als bei diesem Teufel leben.
Mit der Hast einer Verbrecherin floh sie, Alles zurücklassend, was ihr eigen war auf Erd’. Mit dem ersten Schritte über die Markung der Mühle hinaus war sie in Acht und Bann der Armuth und Noth. Aber sie kreischte auf vor Lust, als sie sich frei fühlte. So weit man sie noch kennt, ist sie die Müllerin, die mit ihrem Bündel eine drüben in der Scharn erkrankte Muhme heimsucht. Später, wo sie wer anfrägt, ist sie eine Schnitterin aus dem Untersaß und geht aus auf einen Verdienst. — Sie hätte so viel Aehnlichkeit mit der Seizmüllerin in der Transau, sagte ihr ein alt Weiblein. „Ja,“ entgegnete die Walpa, „ich bin mit ihr verwandt.“
„Wie’s nur sein hat mögen, daß die das große Glück mit dieser Heirat hat gemacht?“ meinte das Weiblein.
„Nach der ihrem Glücke verlang’ ich nicht,“ sagte die Walpa.
„So sollt’s letztlich doch wahr sein, was die Leut’ reden?“ warf die Alte ein.
„Wüßt’ nicht, daß die Leute viel drüber thäten reden.“
„Daß der Müller so ein Wildling wär’! sagt man. Allerweil im Rausch. Soll’s denn wahr sein: das erste Weib hätt’ er erschlagen und dem zweiten Weib wollt’ er’s g’rad so machen. — Ich glaub’s schon! Vom Seizmüller glaub’ ich Alles, mit dem ist mein Hansel in die Schule gegangen und der weiß saubere Sachen zu erzählen. Ein durch und durch schlechter Mensch, der Müller. Die arme Haut, die Walpa!“
„Am besten wär’s, der lieb’ Herrgott thät’ sie zu sich nehmen,“ versetzte ein neu hinzugetretenes Weib mit einem Seufzer.
„Geh’, Närrisch!“ rief die Alte. „Die Walpa ist ja keinem Menschen im Weg auf der Welt, aber den Müller soll der leidig Teufel holen!“
„Verzeih’ Dir die Sünd’!“ fiel die Andere ein.
„Na, grimm’ Dich nicht. So eine Sünd’ wird der Herrgott gern verzeihen. Wenn’s Alles wahr ist, was die Leut’ sagen, wahrhaftig, so thät’ ich mir gar kein Gewissen d’raus machen, diesem Menschen was anzuthun.“
„Ich sag’, es soll Jeder Gott danken, dem’s besser geht,“ meinte die Walpa und eilte weiter.
Tagsüber irrte sie in den Bergwäldern. Von Müdigkeit übermannt schlief sie auf einer Steinplatte, über welche der Epheu spann und die Eidechsen hin und her liefen.
Auf diesem Stein — ihr schönster Schlummer war’s gewesen. Im Klange eines Posthorns hatte sie der Jugendfröhliche Zeit gesehen — da fühlte sie plötzlich einen Stoß, als sei die Welt zersprungen. Rasch fuhr sie empor. Es war dunkel im Wald und nur auf den hohen Gipfeln lag des Abends goldreicher Sonnenschein.
Und neben Walpa stand der Seizmüller und grinste. Wie ein geschrecktes Reh sprang sie auf und einen getrennten Fetzen ihres Kleides noch zurücklassend in seiner krampfigen Faust, lief sie den Hang hinab, über das kantige Gestein und der finsteren Schlucht zu. Hinter sich hörte sie das Dröhnen seiner Sprünge, hörte seine schnaubenden Flüche. Gott rief sie an und ihren heiligen Schutzpatron — und huschte durch dorniges Gesträuche und glitt nieder über schroffe Lehnen, daß Moos und Sand in den Lüften wehten. — Sie entkommt ihm, schon ist sie seinen Augen entschwunden und das Brausen eines Wildbaches vereitelt ihm das Geräusch ihrer Schritte. Da steht sie jählings am Wasser und kann nicht weiter. Sie eilt am Ufer auf und ab und hört des Mannes Lachen. Ein wildästiger Tannenbaum, vom Sturme gebrochen, liegt über dem gischtenden Bache. Auf diesen springt sie, um hinüber zu klettern.
Der Mann stürzt ihr nach. Die morschen Aeste krachen. Walpa’s Haare verschlingen sich in’s dürre Gezweige, da faßt er sie — und hier auf diesem unheimlichen Grunde, der Verzweiflung voll und der Wuth, stemmt sie sich wie rasend ihm entgegen und ihre Finger zucken nach seiner Gurgel. So ringt das Ehepaar auf der wilden Brücke, daß der Baumstamm ächzt, und aus dem mächtigen Abgrunde herauf schimmert der Schaum des Bergstroms. — Walpa fühlte, daß es ihr Verderben, wenn sie den verhaßten Mann in diesem Augenblicke nicht zu vernichten vermöge, doch sie vermag nicht aufzukommen gegen des Mannes Kraft, nur einenAugenblick loszumachen sucht sie sich von seinen ehernen Armen, um sich in die Tiefe zu stürzen — da erfaßt er sie noch, reißt sie zurück und schleudert sie hin an das Ufer.
Blutend und betäubt liegt sie im Brombeergebüsch und der Müller, an den Lippen noch den Schaum der Wuth, steht hohnlachend vor ihr. — Leicht hätte man es sehen mögen, daß es ihm zur Lust und Leidenschaft geworden — vielleicht zu seinem höchsten Lebensgenuß — sein armes, hilfloses Weib zu peinigen. Darum hatte er sie verfolgt mit heißer, verlangender Gluth, darum brachte er sie nun tief befriedigt zurück in sein Haus.
Von dieser Zeit an hatte man die Walpa tagelang nicht mehr gesehen. Der Müller klagte es mit bekümmerter Miene den Leuten, sein Weib sei krank und es mache sich in ihr etwas wie eine Geistesstörung bemerkbar. Wohl sei sie bisweilen launenhaft, auch tückisch und trotzig gewesen, aber er habe doch stets die Nachsicht und Liebe mit ihr gehabt, die einem Ehemanne ziemt. Nun aber, wahrscheinlich von einem unruhigen Gewissen gequält, oder vielleicht auch durch andere Zustände verwirrt, litte sie am Verfolgungswahn. So sei sie vor einiger Zeit mitten in der Nacht aus der Mühle davon und in den Scharnwald hinüber, wo sie sich in’s Wasser stürzen wollte. Just daß er — der geängstigte Gatte — noch zu rechter Zeit nachgekommen sei und sie gerettet habe. Seitdem müsse er die Arme bewachen, er hoffe aber, daß durch eine richtige Behandlung sich die Sache wieder schlichten werde.
Walpa war eingesperrt in eine Kammer rückwärts der Mühle, wo der Müller Kornspreu und verdorbenes Getreide gelagert hielt. Auf dem Spreuhaufen lag sie und wühlte die Körner hervor, die sie gierig verschlang. Durch ein vergittertes Fenster starrte eine kahle Felswand herein, und das ewige Rauschen des Fluders betäubte das Ohr.
„Jetzt sehe ich es klar,“ murmelte sie, „Gott sei Dank, daß ich es endlich sehe. Alle Stege sind gebrochen. Nur ein einziger liegt noch da — nur noch ein einziger. Walpa, das ist ein schwindelnder Steg! — Mein junges Leben, Du bist das Einzige, was ich noch hab’, Dich halte ich fest. — Ob ihn das Gericht verurtheilen thät’, wenn es wissen könnt’, wie er mich martert? Daskann’saber nicht wissen, er sagt’s nicht und man kann es nicht sagen, weil es nicht zu sagen ist. Gott, der’s weiß, verurtheilt ihn gewiß.“
Aus tiefen Träumen fuhr sie manchmal empor und sagte: „Es ist keine Sünde und die Kathrina Schmachegger hat sich auch geholfen.“ — Dann wieder betete sie ein Vaterunser um das andere und in die Worte: „Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Uebel“, legte sie ihr ganzes Herz.
Von draußen hörte sie zuweilen das Poltern und Fluchen des Müllers. Dann wieder in den Nächten vernahm sie neben und über sich das Unwesen der Mäuse und Ratten, und oft that sie einen Schrei des Grauens, wenn so ein Thier über ihren Körper lief. Dann des Morgens, wenn die alte, taube Magd mit angstvoller Geberde das spärliche Brot brachte, stellte sich die Walpa schlafend oder starrte in die Finsterniß hinein. — Man wird sie doch wieder freilassen, man muß ja, sonst würden die Nachbarn kommen und die kranke Müllerin sehen wollen. Dann will sie ihre Erlösung vollenden.
Waswill sie? So weit hätte sie ihn schon zurückgelegt, den Weg des Leidens, der Schmach, der Anfechtung, der Hölle, daß sie jetzt auf der letzten Station steht? Wiesenwirthstochter! Du, mit Deinem guten, liebevollen Weibesherzen, eine Einzige aus Millionen, die das vollbringt? —
Endlich war die alte Magd einmal davon gegangen, ohne die Thüre der Kammer zu verschließen. Die Walpa blieb noch. Sie sah einem Spiele zu. Nein, es ist nur dem Menschenauge Spiel — dem Thiere ist es Arbeit und Streben nach seinem Lebensziele. Von der morschenden Decke, von der bei jeder Erschütterung in der Mühle der Moder niederstaubte, ging ein feiner Faden herab bis gegen die Füße der Walpa. An diesem Faden strebte eine Kreuzspinne empor.
Jetzt, das soll mir das Zeichen sein und der Richterspruch, dachte Walpa und starrte auf das Thier. Kann es nicht hinauf bis zur Decke oder bricht der Faden, so gehe ich und werfe mich in den Räderdumpf. Kommt die Spinne hinauf, so bringe ich ihn um. —
Das Thier krabbelte träge und langsam und mußte oft rasten. Es war schwer, es war noch weit unten und der Faden schien sich bisweilen zu dehnen. Dann wieder nahm die Spinne einen raschen Lauf, und dann wieder stand sie lange still auf einer und derselben Stelle. Es war ein gespenstig Wesen und das weiße Kreuz auf seinem Rücken — ein Grabkreuz — wem galt es, ihr oder ihm?
Endlich, die Spinne war noch eine gute Elle von der Decke entfernt, wollte sie nicht mehr weiter, ja kehrte sich ein paarmal um, und war dann wieder bewegungslos.
Walpa zitterte, schier stockte ihr der Athem. Das Thier blickte mit seinen vielen großen Augen gegen den Boden hinab. — Sollsiein’s Grab? Ist auch bei diesem Gethier, das kein Gesetz kennt, das tödtet, wenn es nicht selber getödtet werden will, kein Erbarmen?
Plötzlich nahm die Spinne eine Wendung und lief hastig den ganzen Faden empor bis zum Holzmoder, wo sie herfiel über eine im Netze gefangene Fliege.
„Es ist gut,“ sagte die Walpa laut.
„Was ist gut?“ rief der Müller scharf zur Thüre herein, „willst noch trotzen? Heraus geh’!“
Sie ging zu ihm heraus. „Jetzt ist mir schon wieder besser,“ sagte sie heiter, „jetzt, Mann, will ich recht fleißig sein, daß ich die Zeit wieder einbring’, in der ich krank gewesen bin.“
„Ja, möcht’ mich gefreuen!“
„Aber die vielen Ratten in der Mühl’, die muß man doch abfüttern.“
„Die Ratten allein fressen mein Gut nicht auf,“ gab er zur Antwort.
Ihr Gesicht blieb freundlich. Sie ging an ihre Arbeit. Sie stäubte mit Sorge die Kleider ihres Mannes aus, sie überzog sein Bett mit frischer Leinwand, sie setzte ihm das bestgekochte Essen vor und hatte dazu ein gütiges Wort. Und auf all’ seine Rohheiten schwieg sie still.
Am nächsten Sonntag sagte sie: „Hast nichts dagegen, Mann, so wollt’ ich heute gern eine Kirchfahrt verrichten zu Dank für die wiedererlangte Gesundheit. Wolltest mitgehen?“
„Ja, ja, häng’ Dich dem Herrgott nur recht an die Zehen, Du Betschwester, und verscherg’ (verschwärze) mich bei ihm, verschergst mich ja so gern.“
Sie ging hinaus gegen den Markt Salgstein. Sie suchte die ödesten Wege, wo die wenigsten Kirchengänger wandelten. Sie hatte Angst, sie werde sich durch ihre Miene verrathen beim Kaufmann, wenn sie Rattengift verlange. Das mußte sie gut machen, sie mußte sich üben. In einem verlassenenWaldschachen stellte sie sich zuerst vor einen fahlen Baumstrunk, dann vor einen grünen Strauch, endlich wendete sie sich gegen ein Eichhörnchen in den Zweigen, hielt gesittig das Sacktuch in den Händen vor der Brust und sagte halblaut, wie sich Bäuerinnen in Kaufmannsgewölben gern stellen: „Hätt’ auch gern ein wenig was. — Aber das sind saubere Seidentücheln, die kosten gewiß recht viel. Schön sind sie. Ja, daß ich sag, ein Hüttenrauch zum Rattenfutter hätt’ ich gern.“ Sie war aber nicht ganz zufrieden. Ob sie vom Rattenfutter lieber gar nichts sagen sollte? Wenn man Hüttenrauch kauft, so versteht sich’s ja von selbst, daß man es als Rattengift braucht.
Im Kaufladen zu Salgstein waren nach dem Gottesdienste viele Leute beisammen. Walpa verlangte zwei Ellen blaue Hemdschnüre, um fünf Kreuzer Neugewürz und um drei Zehner Hüttenrauch.
„Wozu braucht Ihr den Hüttenrauch?“ fragte der Kaufmann.
„Wir haben so viele Ratten in der Mühle.“
„Da müßt Ihr Euch wohl ausweisen, wer Ihr seid, meine Liebe, sonst darf ich kein Arsenik hergeben.“
„Na, na,“ rief Einer aus der Menge, „bei Der ist’s nicht so gefährlich, das ist die Seizmüllerin in der Transau.“
„Nachher hat’s keinen Umstand,“ sagte der Kaufmann. „Thut das Ding nur gut verwahren, ’s ist ein wildes Gift.“
Als die Walpa auf dem Heimweg an dem Salgsteiner Armenhause vorbeiging, saßen davor etliche Pfründner. Ihr Herz war heute so zum Wohlthun aufgelegt, daß sie alles Geld, welches sie bei sich trug, an die armen Leute verschenkte. Dann eilte sie der Transau zu. Wer sie heute so gehen gesehen, die schöne Frauengestalt, im einfachen Sonntagsstaate, an welchem nicht Eitelkeit, wohl aber guter Geschmack zu spüren war! Tausend rohe Worte hatte sie darüber erdulden müssen, aber die gewohnte Art, sich zu kleiden, hatte sie den Launen ihres Mannes endlich doch nicht zum Opfer gebracht. Ihr Antlitz war in seiner Blässe nur noch schöner; doch wehte heute über ihre Wangen zuweilen ein rosiger Hauch. Ihr Auge leuchtete in lebensvoller Klarheit, als sie hinaufblickte zu den sangumjauchzten Wipfeln des Waldes und zum Himmelsblau. — Ihr war wohl, wie einer wiedergeborenen Seele. — Man hat nur ein einzig Leben, und das soll man sich wahren, von dem soll man Alles fernhalten, was häßlich ist und verderblich, um das soll man Alles sammeln, was Freude weckt. So auch hielten es die anderen Menschen, sie mochten jung sein oder alt, weltlich oder bigott; so hielt es selbst das Thier und jedes Geschöpf. — Und endlich sollte sie — die Walpa — ja der Welt wieder sein, sollte leben, wie Menschen leben mit jungem frischen Blute und fröhlichem Sinn. Sommerlicher Hauch voll Waldodem spielte um ihr lockig Haupt. Ihr Fuß schien den Kalksandboden des Waldweges kaum zu berühren; es hätte ihr auch weh gethan, heute eine Ameise, ein Würmlein zu zertreten. So freudvoll war sie und die Arme breitete sie aus: Sei mir gegrüßt, mein süßes Leben! — An einer alten Rothföhre kam sie vorüber, an welcher das Bild der Jungfrau mit dem Kinde hing. Diesem Bilde gab sie einen Kranz von Glockenblumen und wilden Lilien.
Zur späten Nachmittagszeit nach Hause gekehrt, fand sie ihren Mann in der Stube auf einer Wandbank ausgestreckt und schlummernd. Lange stand sie da still und blickte ihm in’s Angesicht. Der harte Zug auf demselben war verschwunden, sanfte Ruhe lag darüber hingegossen. — Wieschön war dieser Mann, wenn er schlummerte! — — Als sie so auf ihn hinsah, wurde ihr wieder anders. Seine rechte Hand hing über die Bank hinab, sanft hob und brachte sie dieselbe in eine bequemere Lage. — Er hat Mühsal und Sorgen, wie gut wird ihm das Schläfchen thun!
Auf dem Tische, in Papier halb eingeschlagen, lag neuer lichtblauer Schafwollenstoff für ein Frauenkleid.
— Den hat er mir heute gekauft, ’s wird ja mein Namenstag sein in der Woche! jubelte das Weib im Herzen, nein, er ist gewiß nicht so hart, wie er thut. Er ist doch ein guter Mann. Gott verzeih’ mir Alles! — Ihr Herz wurde warm. Wie wollte sie ihn so gern liebhaben! — — Es verlangte ihr seltsam, ihm einen Kuß zu geben. Sie beugte sich zu ihm nieder — sein Athem roch nach Fusel. Hastig schreckte der Mann auf, sprang empor — starrte sie an und grinste.
„Hast gut geschlafen,“ sagte Walpa sanft.
„Was soll’s denn!“ fuhr der Müller los, „soll ich etwa nicht mehr schlafen in meinem Hause? Was schleichst denn so um mich herum? Willst mir die Augen auskratzen?“
„Geh’, Mann,“ versetzte die Walpa lächelnd, „das ist ja doch nicht Dein Ernst. Weiß es wohl, Du meinst mir’s besser, als Du’s sagen magst. Ich bedank mich für den schönen Rockzeug.“
„Bedankst Dich!“ lachte der Müller auf, „meinst, er gehört Dein?“
„Wüßte nicht, wem sonst,“ sagte sie, „aber weißt eine Andere dafür?“
„Und wenn auch!“ schrie er und starrte sie mit rothunterlaufenen Augen wild an, „hast Du mich etwa gepachtet? Wie viel hast denn ’geben für’s Jahr, he? Zehn Bessere weiß ich, und Du bist mir die Schlechtest’!“
Das war ihr wie ein Stich in’s Herz. Ohne noch ein Wort zu sagen, ging sie hinaus. —
Immer mehr ergab sich der Seizmüller dem Trunke.
In der Gegend hatte sich ein zweiter Müller angesiedelt, ein ferner Verwandter von der Walpa. Er verschlechterte dem Seizmüller das Geschäft; dieser ließ es seine Frau entgelten. Seine Lust war, ihr wehe zu thun, seine Labe der Krug. Sie war ruhig. Oft gab es Stunden, da er in Tobsucht ausbrach und sich sein Weib gar nicht vor ihm sehen lassen durfte. Der Arzt kam in’s Haus, dem weinte sie bitterlich vor.
„Ist traurig, liebe Müllerin,“ sagte dieser, „aber das mag Euch noch trösten: schlecht ist er nicht. Und das mögt Ihr sicher glauben, wenn er Euch wehthut, so ist ihm auch selbst nicht wohl. Er ist krank, er leidet an so einer Art Manie und er kann selber nicht anders.“
— An so einer Art Manie! dachte die Walpa bei sich, daß er neben mir andere Weibsleute hat, denen er Geschenke macht — ist das auch so eine Art Manie? — Seine aufgedeckte Treulosigkeit hatte in ihrer Seele einen Dämon erweckt, den sie früher noch nicht gekannt, der nun fort und fort an ihr rüttelte, wenn sie sonst in Stumpfheit versinken wollte; da bäumte sie sich auf und ihre Nerven bebten und ihr ganzes Wesen dürstete nach einer That.
Ihre Obliegenheiten im Hause besorgte sie mit auffallender Milde und Sanftmuth. Ihr Angesicht war blaß, oft fast fahl, die Augen waren wie eingefallen und dennoch voll seltsamen Glanzes.
„Weiß gar nicht,“ bemerkte in diesen Tagen eine Magd des Hauses, „wie mir neuzeit unsere Müllerin vorkommt; mich deucht alleweil, die lebt uns nicht lang’.“
Vor der Hausthür mehrten sich die Bettler; denn es waren die Gaben größer geworden, und Walpa reichte den Armen mit vollen Händen.
Eines Tages hatte sie einem mühseligen alten Weiblein drei Silberzehner in die Hand gedrückt: „Sieh, das nimm Dir, und thu’ beten für mich!“
Ueber den Hof hinabtorkelnd begegnete die Beschenkte dem Müller, aus Herzensfreude und Dankbarkeit wollte sie ihm die Hand küssen: „Für das viel Geld, Seizmüller, für das viel Geld. Dein Weib hat mir drei Zehner geschenkt. Davon leb’ ich wie ein Graf; vergelt’s Gott bis in den Himmel!“
Eilte der Müller in’s Haus, beschuldigte sein Weib der Verschwendung und ob sie das Geld auf der Straße aufzuheben habe, daß sie dasselbe wieder auf die Straße werfe? und sie sei nur zum Verschleudern da, er sehe schon, er müsse sie todtschlagen, wolle er nicht, daß sein ganzes Hauswesen und er selbst zugrunde gehe. Und gleichzeitig hat er ihr einen Schlag versetzt auf das Haupt, daß sie in die dunkle Nebenkammer taumelte.
Er stand auf seinem Flecke wie angewurzelt still und schrie:
„Komm’ heraus, Walpa, komm’ nur noch einmal heraus!“
Sie meldete sich nicht, kam nicht heraus. Da trat er mit geballten Fäusten in die Kammer und sah, wie sein Weib eben etwas hinter dem Wandschrank verbarg.
„Was hast Du dort! Gieb her!“ schrie der Müller und haschte nach ihrer Hand. Diese war leer.
„Heimlichkeiten?!“ sagte er und grinste vor Hohn und Wuth.
Ihre Gurgel war einen Augenblick wie zugeschnürt, ihre Augen traten schroff hervor; bald aber entgegnete sie voll stumpfer Ruhe:
„So schau, so such’, was ich für Heimlichkeiten hab’, wirst es wohl sehen.“
Vom Gewehr, das an der Wand hing, riß er den Ladstock herab und stöberte mit demselben hinter dem Wandschranke herum. Ein paar halbblinde Mücken kamen zuerst hervor, dann etwas Staub, dann der Fetzen eines Spinnengewebes, dann etliche alte Papierstückchen, dann eine blaßrothe Halsschleife.
Der Müller hob mit dem Stäbchen die Schleife empor und fragte: „Was ist denn das, meine Liebe?“
„Das ist ein Halsband,“ antwortete sie ruhig.
„Das weiß ich wohl, Du Schlange Du,“ versetzte er, „aber warum hast Du denn dieses Halsband vor mir verbergen wollen, he?“
„Weil — weil ich mich nicht getrau, weil Du so hart bist auf mich.“
„Viel tausendmal zu gut bin ich noch für Dich, Du schlechte Creatur!“ schrie er, „jetzt auf der Stell’ sag’ mir wo hast Du dies Halsband her, oder ich erschieß’ Dich ohn’ Erbarmen!“
„Sagen will ich Dir’s wohl, Franz,“ antwortete sie gelassen, „dies Band hab’ ich vor Zeit von einem Buben kriegt; das Band ist schon lang blaß und der Bub’ ist lang schon verstorben, und jetzt weißt es.“
Da lachte der Seizmüller wild auf und rief mit einer Stimme, die man kaum verstand, dazwischen: „So wohl, Walpa, so wohl! Der Bub’ wird noch nicht verstorben sein!“
„Nun, so lebt er noch,“ antwortete sie.
„Ich steh’ ihm nicht gut auf drei Tage. Und Dir, Weib, Dir schlag’ ich die eheliche Lieb’ noch mit Haselstöcken hinein, darauf leg’ ich Dir ein Jurament ab!“ Und er stürzte aus dem Hause.
Die Walpa stand eine Weile wie betäubt und trocknete sich mit einem Tuche das Blut, das ihr aus dem Munde herausfloß.
Dann verriegelte sie die Thür und suchte hinter dem Wandschranke ein blaues Papierchen hervor, das sie in der Eile dort hinabgeworfen, und welches sie dadurch vor den gierigen Blicken des Müllers zu sichern getrachtet, daß sie das alte Halsband als den Gegenstand ihres Geheimnisses ausgegeben hatte. Das Halsband war eine Brautgabe ihres eigenen Mannes gewesen; wäre jedoch dasselbe nicht als fremdes Liebeszeichen vorgeschützt worden, so hätte der Müller weiter gespäht und das blaue Papier mit seinem Inhalte gefunden.
Nun aber hatte Walpa die letzte Brücke hinter sich abgebrochen. Sie wußte, welch’ neue Waffen sie durch ihre Angabe dem Gatten an die Hand gegeben hatte, daß es nun in seiner Macht lag, seine Rohheit gegen sie vor allen Leuten zu rechtfertigen.
Am andern Morgen stieg der Seizmüller zu sehr früher Stunde aus dem Bette. Er wollte auf den Kornmarkt fahren. Draußen klapperte die Mühle, er rief sein Weib; das hörte ihn nicht sogleich. Er tappte im Finstern an seinen Kleidern umher, er riß das Winkelkästchen auf, das in der Ecke hinter seinem Bette stand. Dabei hub er zu lachen an und sein Lachen war wie ein Röcheln. Und als die Walpa kam, fuhr er sie an: „Du, jetzt weiß ich’s, Du kannst leicht Almosen geben. Du hast mir mein Geld gestohlen.“
Ein Aufschrei aus ihrer Brust. Es war ein Schreckruf; er hatte geglaubt, es wäre ein Schrei des Geständnisses gewesen. „Mein Geld ist weg!“ rief er, „sag’, Bestie, wo hast Du meine Brieftasche? Ah, jetzt weiß ich’s, die hast Du Dir gestern hinter der Wandlad’ versteckt, Du falscher Satan!“
„Mißhandle mich nur nicht, ich sage Dir Alles.“
Er ließ sie los: „So sag’ es!“
„Bei meinem Gott, Franz, von Deinem Geld weiß ich nichts.“
„Hexe, Dir will ich die Wahrheit noch herausziehen!“ Und sofort begann ein Auftritt, den der Erzähler nicht schildern kann.
Später, als Licht gemacht wurde, fand sich die Geldtasche auf der Bettdecke des Müllers, auf welche sie aus dem Rocksacke gefallen war.
Walpa kauerte in einem Winkel; sie klagte nicht, sie schluchzte nicht. Kein Mensch hat das schreckliche Beben ihres Herzens vernommen. — Vielleicht erwartete sie nun von ihrem Manne Abbitte. Dieser hatte sich wortlos aber pfusternd angekleidet und plötzlich sagte er: „Wer weiß es, kannst das Geld doch am Leib’ gehabt und mir dasselb’ nur so auf’s Bett hingeworfen haben. Dir trau ich nimmer. — Troll’ Dich jetzt, Du Kröte, und schau, daß ich mein Frühstück krieg’!“
Noch zwei Augenblicke war Walpa nach diesen Worten gekauert in ihrem Winkel. Dann erhob sie sich, richtete ihr Angesicht gegen die Decke des Zimmers empor und ging in die Küche hinaus. Sie war wieder die Emsige, und bald stand das Frühstück auf dem Tische. Walpa ging mit seltsamer Gelassenheit an weitere Arbeiten.
Der Müller, immer noch grollend, schnitt Brot in den Kaffee. Dann aß er und gab indessen durch kurze, hervorgestoßene Sätze Befehl, was während seiner Abwesenheit im Hause zu geschehen habe.
Plötzlich hielt er ein und sah seinen Löffel an. Dann starrte er in die schon halbgeleerte Schale und sog mit der Zunge an seinem Gaumen.
„Du, Walpa,“ sagte er hierauf, und seine Stimme war unsicher, fast weich, „Du Walpa, geh her da. Iß’ mit mir Kaffee: er ist übrigs genug für allzwei.“
Sie schichtete sein Bett auf, ging dann in die Vorstube und überhörte die Einladung.
Erregt, indem er sich mit der flachen Hand über die Stirne fuhr, stand der Müller vom Tische auf und sagte noch einmal in gedämpftem Tone: „Weib, verkost’ mir jetzt den Kaffee!“
Die Walpa stürzte zur Thüre hinaus.
„Herr Jesu! Herr Jesu Christ!“ schrie der Müller, „jetzt hat sie mich vergiftet! — Jetzt bin ich hin! — Du Weib — mußt mit mir!“
Hinaus raste er. Im Vorhause erfaßte er mit krampfhaft zuckenden Armen ein schweres Beil und stürzte damit der Fliehenden nach.
Die Walpa floh über den Hof, floh, an Stock und Pfeiler rennend, durch den Wagenflur, floh in die Mühle — der Müller in wüthender Hast, doch schwankend, ihr nach mit gezücktem Beil und schäumendem Mund. Um den Mehlkasten noch ging der Beiden rasender Lauf, da erreichte Walpa wieder die Thür, schlug diese hinter sich zu und stand im Freien. Noch hörte sie es, wie er innerhalb der Thür mit einem gräßlichen Schrei zusammenbrach.
Dann ging sie im Morgengrauen davon. Sie war ledig und erlöst, sie war frei. Ihr Herz jubelte, ihr Gewissen war leicht und licht, wie nach einer guten That.
Ueber dem Thale thaute ein dünner Herbstnebel; neben dem Wege, auf welchem Walpa hineilte, lagen grünende Rübenfelder und abgeweidete Wiesen, auf denen die blassen Kelche der Zeitlose standen. — Allmählich war es licht geworden. Walpa ging dahin und sah nicht um und für jeden ihr Begegnenden hatte sie einen heiteren Morgengruß.
„Wohin so früh?“ rief ihr ein junger Fuhrmann zu.
„In die Kirch’, wenn Du willst mitgehen.“
„Oh, da vergehst Dich ja, Seizmüllerin, der Weg führt sein Lebtag nicht in die Transau.“
„So wird er wohl wo anders hinführen.“
„Ei freilich, freilich, Seizmüllerin, das ist gewiß.“
Als sie zur Brücke kam, wo der Weg über den Fluß setzt und ein schmaler Steg über den hier sich abzweigenden Mühlbach leitet, begegnete ihr eine lebhafte Schaar von Schulkindern. Die Erfahrung zeigt, daß zur Herbstzeit die Kinder viel lebhafter und lauter sind, als in anderen Jahreszeiten. Naturforscher haben den Grund dafür in der Kühle und Dünnheit der Luft gefunden. So johlten auch heute die Kinder hüpfend und muthwillig heran, neckten sich gegenseitig, schlugen sich mit ihren Hüten, Hauben und Schulsäcken, warfen sich auf die Straße hin und lachten dabei und kletterten auf die Zäune und Sträuche, auf das Brückengeländer auch und hüpften über den Mühlsteg hin und her und warfen Steine in’s Wasser und stießen mit Stangen in die Tümpfe unter den Uferrasen hinein und lärmten in heller Lust, wenn sie eine Forelle aufschreckten. Plötzlich ein Schrei, ein hohes Aufgischten im Flusse und: „Der Michel,der Michel ist in’s Wasser gefallen!“ zeterten die Kleinen durcheinander.
Die Walpa, noch nicht weit von der Stelle, eilte zurück, sah, wie der Knabe, von dem jetzt nur noch ein Fuß hervorstand, im tiefen Wasser davonrann. Ohne Bedacht streifte sie ihren Ueberrock von sich und sprang in den Fluß. Sie rang mit den Wellen, sie verlor allen Grund und Halt, sie fiel um, wallte davon und verschwand unten, wo sich die Weidenbüsche schwer und dunkel über den Fluß wölbten.
Die Kinder schossen planlos umher; nur ein achtjährig Mädchen blieb gefaßt und sagte zu einem andern: „Du, jetzt muß ich zum Pfarrer gehen, daß geläutet wird, weil der Hüttenbaumer Michel und die Seizmüllerin ertrunken sind.“
Da wand sich unten zwischen den Sträuchen die Walpa hervor, in ihrem Arm den bewußtlosen Knaben haltend, aus dessen Mund ein Wasserstrom hervorquoll. Sie legte ihn sofort über der nächsten Feldplanke auf den Bauch, so, daß Haupt und Füße zu beiden Seiten niederhingen, sie preßte alles Wasser hervor und rieb seinen Leib — da hub der Kleine wieder an zu athmen.
Bald kamen mehrere Leute zusammen und der Michel und die Walpa wurden unter freudiger Erregung nach Transau gebracht.
„Heut’ hat die Seizmüllerin den Hüttenbaumer Buben aus dem Wasser gezogen!“ Die Kunde verbreitete sich bald im ganzen Thale. „Sie wäre selber schier dabei ertrunken. Sie ist aber ein kräftiges und muthiges Weib, hat sich und den Knaben mit Noth noch herausgearbeitet. Jetzt ist sie im Pfarrhof unten und der Richter ist zu ihr gegangen und die Herren sind alle beisammen und loben die Walpa; und die Hüttenbaumerleut’ sind auch schon herausgekommen von ihremGraben und sie wissen gar nicht, was sie der Müllerin Gutes anthun sollen.“
Es war auch so. Die Walpa wollte fort; aber sie stak in den Kleidern der Pfarrersköchin, denn die ihren waren noch nicht getrocknet. Eine große Unruhe war in ihr, aber sie mußte aushalten und für den Abend wollte man zur Feier der Heldenthat eine Unterhaltung anstellen — und dem Müller wollte man es schon zu wissen thun, wo sein braves Weib heute stecke und daß für den Abend auch er selbst in’s Wirthshaus komme.
Da berichtete Einer, der Seizmüller wäre heute gar nicht daheim und dem lauten Klappern nach ginge auch die Mühle schon den ganzen Vormittag leer.
„Ja, sind denn sonst keine Leute auf der Mühl’?“ fragte man.
Der Mühlbursche sei vorgestern davon und die Anderen wüßten nicht Bescheid. Auch könne man gar nicht in die Mühle hinein, sie sei versperrt und es würde doch nöthig sein, daß die Müllerin auf ein halbes Stündchen nach Hause gehe.
Als Walpa gegen die Mühle kam, eilte ihr eine Magd entgegen: „Sie solle doch nicht gar zu hart erschrecken um des lieben Gottes willen, in der Mühle sei heut’ was geschehen.“
Wortlos, aber festen Schrittes ging Walpa weiter. Die Thür der Mühle war bereits weit offen, das Räderwerk war gestillt. Nachbarsleute standen herum, sprachen viel hin und her, und als nun die Walpa nahte, stellten sie sich bei Seite und redeten nichts. Nur Einer trat ihr entgegen: „Müllerin, dieweilen Ihr heut’ so wacker seid gewesen, ist daheim schlecht gehaust worden. Kein Mensch weiß, was ihm widerfahren.“
Er führte sie in die Mühle und deutete im Dunkeln hinter der Thür zu Boden. Dort lag hart am Pfosten der Seizmüller starr und todt.
Die Leute hatten sich herangedrängt, um zu sehen, wie sich das Weib bei dem todten Gatten geberden werde. Jetzt blickten sie sich gegenseitig an. Walpa stand an der Leiche ohne ein Zeichen des Schmerzes, ohne ein Wort der Klage. Nicht einmal Ueberraschung war an ihr zu merken. In grauenhafter Ruhe stand sie vor dem Todten.
„Da kann er nicht liegen bleiben,“ sagte sie endlich, „die Leute sollen ihn in’s Haus hineintragen.“
„Nein,“ versetzte einer der Männer, „das darf nicht geschehen; wir müssen ihn liegen lassen, bis der Arzt und die Herren vom Bezirksgericht da sind.“
„Was wollen denn die?“ sagte die Walpa kalt, „daß er todt ist, das seht Ihr auch, und so hat man nichts weiter zu thun, als ihn zu begraben.“
Die Leute stutzten.
„Der liegt schon lang’ da hinter der Thür,“ bemerkte ein Bauer, „vielleicht seit Früh, da die Müllerin selber noch in der Mühl’ gewesen ist!“
„’leicht sieht sie ihren todten Mann jetzt nicht das erstemal,“ sagte ein Anderer.
„Das schaut seltsam aus.“
„Die zwei Leut’ sollen sich ja spinnefeind gewesen sein.“
„’s geht nicht recht her.“
„Am Ende hat sie ihn umgebracht,“ warf Einer ein.
Sie konnte es gehört haben, that aber nichts desgleichen.
Da stellte sich Einer vor sie hin und rief: „Du, Müllerin, viel wett’ ich nicht, Du hast was angestellt!“
„Ich?“ versetzte sie mit den Augen zuckend, „was kann ich denn angestellt haben?“
„Wird sich weisen!“
Spät Abends kamen Aerzte und Herren vom Gericht. Sie sahen zuerst die Leiche des Müllers und beschrieben, wie sie lag hinter der Thür. Sie sagten: „Es läßt sich ziemlich sicher constatiren, daß er eines natürlichen Todes nicht gestorben ist.“ Die Herren vom Gericht gaben Weisung, daß sofort das Haus bewacht werden solle, so daß Niemand dasselbe verlassen könne. Hierauf stellten sie eine Bank mitten in der Mühle auf, legten die Leiche auf dieselbe hin und ließen mehrere Spanlunten anzünden. Frisch mit dem Messer machten sie sich daran. Ziemlich wortkarg ging die Arbeit vor sich, nur manchmal ein kurzes Gemurmel, ein verständnißvoller Blick.