GROSSMUTTER UND ENKEL

In der Mitte aller DingeWohne Ich, der Sohn des Himmels.Meine Frauen, meine Bäume,Meine Tiere, meine TeicheSchließt die erste Mauer ein.Drunten liegen meine Ahnen:Aufgebahrt mit ihren Waffen,Ihre Kronen auf den Häuptern,Wie es einem jeden ziemt,Wohnen sie in den Gewölben.Bis ins Herz der Welt hinunterDröhnt das Schreiten meiner Hoheit.Stumm von meinen Rasenbänken,Grünen Schemeln meiner Füße,Gehen gleichgeteilte StrömeOsten-, west- und süd- und nordwärts,Meinen Garten zu bewässern,Der die weite Erde ist.Spiegeln hier die dunkeln Augen,Bunten Schwingen meiner Tiere,Spiegeln draußen bunte Städte,Dunkle Mauern, dichte WälderUnd Gesichter vieler Völker.Meine Edlen, wie die Sterne,Wohnen rings um mich, sie habenNamen, die ich ihnen gab,Namen nach der einen Stunde,Da mir einer näher kam,Frauen, die ich ihnen schenkte,Und den Scharen ihrer Kinder,Allen Edlen dieser ErdeSchuf ich Augen, Wuchs und Lippen,Wie der Gärtner an den Blumen.Aber zwischen äußern MauernWohnen Völker meine Krieger,Völker meine Ackerbauer.Neue Mauern und dann wiederJene unterworfnen Völker,Völker immer dumpfern Blutes,Bis ans Meer, die letzte Mauer,Die mein Reich und mich umgibt.

In der Mitte aller DingeWohne Ich, der Sohn des Himmels.Meine Frauen, meine Bäume,Meine Tiere, meine TeicheSchließt die erste Mauer ein.Drunten liegen meine Ahnen:Aufgebahrt mit ihren Waffen,Ihre Kronen auf den Häuptern,Wie es einem jeden ziemt,Wohnen sie in den Gewölben.Bis ins Herz der Welt hinunterDröhnt das Schreiten meiner Hoheit.Stumm von meinen Rasenbänken,Grünen Schemeln meiner Füße,Gehen gleichgeteilte StrömeOsten-, west- und süd- und nordwärts,Meinen Garten zu bewässern,Der die weite Erde ist.Spiegeln hier die dunkeln Augen,Bunten Schwingen meiner Tiere,Spiegeln draußen bunte Städte,Dunkle Mauern, dichte WälderUnd Gesichter vieler Völker.Meine Edlen, wie die Sterne,Wohnen rings um mich, sie habenNamen, die ich ihnen gab,Namen nach der einen Stunde,Da mir einer näher kam,Frauen, die ich ihnen schenkte,Und den Scharen ihrer Kinder,Allen Edlen dieser ErdeSchuf ich Augen, Wuchs und Lippen,Wie der Gärtner an den Blumen.Aber zwischen äußern MauernWohnen Völker meine Krieger,Völker meine Ackerbauer.Neue Mauern und dann wiederJene unterworfnen Völker,Völker immer dumpfern Blutes,Bis ans Meer, die letzte Mauer,Die mein Reich und mich umgibt.

GROSSMUTTER UND ENKEL

›Ferne ist dein Sinn, dein FußNur in meiner Tür!‹Woher weißt du's gleich beim Gruß?›Kind, weil ich es spür.‹Was? ›Wie Sie aus süßer RuhSüß durch dich erschrickt.‹ –Sonderbar, wieSiehast duVor dich hingenickt.›Einst …‹ Nein: jetzt im Augenblick!Mich beglückt der Schein –›Kind, was haucht dein Wort und BlickJetzt in mich hinein?Meine Mädchenzeit voll GlanzMit verstohlnem HauchÖffnet mir die Seele ganz!‹Ja, ich spür es auch:Und ich bin bei dir und binWie auf fremdem Stern:Ihr und dir mit wachem SinnSchwankend nah und fern!›Als ich dem Großvater deinMich fürs Leben gab,Trat ich so verwirrt nicht einWie nun in mein Grab.‹Grab? Was redest du von dem?Das ist weit von dir!Sitzest plaudernd und bequemMit dem Enkel hier.Deine Augen frisch und reg,Deine Wangen hell –›Flog nicht übern kleinen WegEtwas schwarz und schnell?‹Etwas ist, das wie im TraumMich Verliebten hält.Wie der enge schwüle RaumSeltsam mich umstellt!›Fühlst du, was jetzt mich umblitztUnd mein stockend Herz?Wenn du bei dem Mädchen sitzt,Unter Kuß und Scherz,Fühl es fort und denk an mich,Aber ohne Graun:Denk, wie ich im Sterben glichJungen, jungen Fraun.‹

›Ferne ist dein Sinn, dein FußNur in meiner Tür!‹Woher weißt du's gleich beim Gruß?›Kind, weil ich es spür.‹

Was? ›Wie Sie aus süßer RuhSüß durch dich erschrickt.‹ –Sonderbar, wieSiehast duVor dich hingenickt.

›Einst …‹ Nein: jetzt im Augenblick!Mich beglückt der Schein –›Kind, was haucht dein Wort und BlickJetzt in mich hinein?

Meine Mädchenzeit voll GlanzMit verstohlnem HauchÖffnet mir die Seele ganz!‹Ja, ich spür es auch:

Und ich bin bei dir und binWie auf fremdem Stern:Ihr und dir mit wachem SinnSchwankend nah und fern!

›Als ich dem Großvater deinMich fürs Leben gab,Trat ich so verwirrt nicht einWie nun in mein Grab.‹

Grab? Was redest du von dem?Das ist weit von dir!Sitzest plaudernd und bequemMit dem Enkel hier.

Deine Augen frisch und reg,Deine Wangen hell –›Flog nicht übern kleinen WegEtwas schwarz und schnell?‹

Etwas ist, das wie im TraumMich Verliebten hält.Wie der enge schwüle RaumSeltsam mich umstellt!

›Fühlst du, was jetzt mich umblitztUnd mein stockend Herz?Wenn du bei dem Mädchen sitzt,Unter Kuß und Scherz,

Fühl es fort und denk an mich,Aber ohne Graun:Denk, wie ich im Sterben glichJungen, jungen Fraun.‹

GESPRÄCH

Ihr gleicht nun völlig dem vertriebnen Herzog,Der zaubern kann und eine Tochter hat:Dem im Theaterstück, dem Prospero.Denn ihr seid stark genug, in dieser StadtMit eurem Kind so frei dahinzuleben,Als wäret ihr auf einer wüsten Insel.Ihr habt den Zaubermantel und die Bücher,Mit Geistern zur Bedienung und zur LustEuch und die Tochter zu umgeben, nicht?Sie kommen, wenn ihr winkt, und sie verblassen,Wenn ihr die Stirne runzelt. Dieses KindLernt früh, was wir erst spät begreifen lernten:Daß alles Lebende aus solchem StoffWie Träume und ganz ähnlich auch zergeht.Sie wächst so auf und fürchtet sich vor nichts:Mit Tieren und mit Toten redet sieZutraulich wie mit ihresgleichen, blühtSchamhafter als die festverschloßne Knospe,Weil sie auch aus der leeren Luft so etwasWie Augen stets auf sich gerichtet fühlt.Allmählich wird sie größer, und ihr lehrt sie:›Hab du das Leben lieb, dich nicht zu lieb,Und nur um seiner selbst, doch immerfortNur um des Guten willen, das darin ist.‹In all dem ist für sie kein Widerspruch,Denn so wie bunte Muscheln oder VögelHat sie die Tugend lieb. Bis eines TagesIhr sie vermählt mit Einem, den ihr völligDurchschaut, den ihr geprüft auf solche Art,Die kein unedler Mensch erträgt, als wäre erSchiffbrüchig ausgeworfen auf der Insel,Die ihr beherrscht, und ganz euch zugefallenWie Strandgut.

Ihr gleicht nun völlig dem vertriebnen Herzog,Der zaubern kann und eine Tochter hat:Dem im Theaterstück, dem Prospero.Denn ihr seid stark genug, in dieser StadtMit eurem Kind so frei dahinzuleben,Als wäret ihr auf einer wüsten Insel.Ihr habt den Zaubermantel und die Bücher,Mit Geistern zur Bedienung und zur LustEuch und die Tochter zu umgeben, nicht?Sie kommen, wenn ihr winkt, und sie verblassen,Wenn ihr die Stirne runzelt. Dieses KindLernt früh, was wir erst spät begreifen lernten:Daß alles Lebende aus solchem StoffWie Träume und ganz ähnlich auch zergeht.Sie wächst so auf und fürchtet sich vor nichts:Mit Tieren und mit Toten redet sieZutraulich wie mit ihresgleichen, blühtSchamhafter als die festverschloßne Knospe,Weil sie auch aus der leeren Luft so etwasWie Augen stets auf sich gerichtet fühlt.Allmählich wird sie größer, und ihr lehrt sie:›Hab du das Leben lieb, dich nicht zu lieb,Und nur um seiner selbst, doch immerfortNur um des Guten willen, das darin ist.‹In all dem ist für sie kein Widerspruch,Denn so wie bunte Muscheln oder VögelHat sie die Tugend lieb. Bis eines TagesIhr sie vermählt mit Einem, den ihr völligDurchschaut, den ihr geprüft auf solche Art,Die kein unedler Mensch erträgt, als wäre erSchiffbrüchig ausgeworfen auf der Insel,Die ihr beherrscht, und ganz euch zugefallenWie Strandgut.

Nun meine ich, ist mir ein Maß geschenkt,Ein unveränderlich und sichres Maß,Das mich für immer und untrüglich abhält,Ein leeres Ding für voll zu nehmen, michFür Schales zu vergeuden, fremdem FühlenUnd angelerntem Denken irgend PlatzIn einer meiner Adern zu gestatten.Nun kann zwar Krankheit, Elend oder TodMich noch bedrohen, aber Lüge kaum.Dazu ist dies mein neues Amt zu vollEinfacher Hoheit. Und daran gemessenVergeht erlogne Wichtigkeit zu Nichts.Ins Schloß gefallen sind die letzten Türen,Durch die ich hatte einen schlimmen WegAntreten können. Durch und durch verstört,Im Kern beschmutzt und völlig irr an GüteWerd ich nun nicht mehr. Denn mich hat ein GlanzVom wahren Sinn des Lebens angeglüht.

Nun meine ich, ist mir ein Maß geschenkt,Ein unveränderlich und sichres Maß,Das mich für immer und untrüglich abhält,Ein leeres Ding für voll zu nehmen, michFür Schales zu vergeuden, fremdem FühlenUnd angelerntem Denken irgend PlatzIn einer meiner Adern zu gestatten.Nun kann zwar Krankheit, Elend oder TodMich noch bedrohen, aber Lüge kaum.Dazu ist dies mein neues Amt zu vollEinfacher Hoheit. Und daran gemessenVergeht erlogne Wichtigkeit zu Nichts.Ins Schloß gefallen sind die letzten Türen,Durch die ich hatte einen schlimmen WegAntreten können. Durch und durch verstört,Im Kern beschmutzt und völlig irr an GüteWerd ich nun nicht mehr. Denn mich hat ein GlanzVom wahren Sinn des Lebens angeglüht.

GESELLSCHAFT

SÄNGERINSind wir jung und sind nicht alt,Lieder haben viel Gewalt,Machen leicht und machen schwer,Ziehen deine Seele her.FREMDERLeben gibt es nah und fern,Was ich zeige, seht ihr gern –Nicht die Schwere vieler Erden,Nur die spielenden Gebärden.JUNGER HERRVieles, was mir Freude schafft,Fühl ich hier herangeflogen,Aber gar so geisterhaft:Glücklich – bin ich wie betrogen!DICHTEREinen hellen WiderscheinSehe ich im Kreise wandern:Spürt auch jeder sich allein,Spürt sich doch in allen andern.MALERUnd wie zwischen leichten LichternFlattert zwischen den GesichternSchwaches Lachen hin und her.FREMDERLieder machen leicht und schwer!DICHTERLieder haben große Kraft –Leben gibt es nah und fern.JUNGER HERRWas sie reden, hör ich gern,Sei es immer geisterhaft.

Sind wir jung und sind nicht alt,Lieder haben viel Gewalt,Machen leicht und machen schwer,Ziehen deine Seele her.

Leben gibt es nah und fern,Was ich zeige, seht ihr gern –Nicht die Schwere vieler Erden,Nur die spielenden Gebärden.

Vieles, was mir Freude schafft,Fühl ich hier herangeflogen,Aber gar so geisterhaft:Glücklich – bin ich wie betrogen!

Einen hellen WiderscheinSehe ich im Kreise wandern:Spürt auch jeder sich allein,Spürt sich doch in allen andern.

Und wie zwischen leichten LichternFlattert zwischen den GesichternSchwaches Lachen hin und her.

Lieder machen leicht und schwer!

DICHTER

Lieder haben große Kraft –Leben gibt es nah und fern.

Was sie reden, hör ich gern,Sei es immer geisterhaft.

DER JÜNGLING UND DIE SPINNE

(vor sich mit wachsender Trunkenheit):

(vor sich mit wachsender Trunkenheit):

Sie liebt mich! Wie ich nun die Welt besitze,Ist über alle Worte, alle Träume:Mir gilt es, daß von jeder dunklen SpitzeDie stillen Wolken tieferleuch'te RäumeHinziehn, von ungeheurem Traum erfaßt:So trägt es mich – daß ich mich nicht versäume! –Dem schönen Leben, Meer und Land zu Gast.Nein! wie ein Morgentraum vom Schläfer fälltUnd in die Wirklichkeit hineinverblaßt,Ist mir die Wahrheit jetzt erst aufgehellt:Nicht treib ich als ein Gast umher, mich habenDämonisch zum Gebieter hergestelltDie Fügungen des Schicksals: Junge KnabenSind da, die Ernst und Spiele von mir lernten,Ich seh, wie manche meine Mienen haben,Geheimnisvoll ergreift es mich, sie erntenZu sehn, und an den Ufern, an den HügelnSpür ich in einem wundervoll entferntenTraumbilde sich mein Innerstes entriegelnBeim Anblick, den mir ihre Taten geben.Ich schaue an den Himmel auf, da spiegelnDie Wolkenreiche, spiegeln mir im SchwebenErsehntes, Hergegebnes, mich, das Ganze!Ich bin von einem solchen großen LebenUmrahmt, ich habe mit dem großen GlanzeDer schönen Sterne eine also nahVerwandte Trunkenheit –Nach welcher Zukunft greif ich Trunkner da?Doch schwebt sie her, ich darf sie schon berühren:Denn zu den Sternen steigt, was längst geschah,Empor, und andre, andre Ströme führenDas Ungeschehene herauf, die ErdeLäßt es empor aus unsichtbaren Türen,Bezwungen von der bittenden Gebärde!

Sie liebt mich! Wie ich nun die Welt besitze,Ist über alle Worte, alle Träume:Mir gilt es, daß von jeder dunklen SpitzeDie stillen Wolken tieferleuch'te RäumeHinziehn, von ungeheurem Traum erfaßt:So trägt es mich – daß ich mich nicht versäume! –Dem schönen Leben, Meer und Land zu Gast.Nein! wie ein Morgentraum vom Schläfer fälltUnd in die Wirklichkeit hineinverblaßt,Ist mir die Wahrheit jetzt erst aufgehellt:Nicht treib ich als ein Gast umher, mich habenDämonisch zum Gebieter hergestelltDie Fügungen des Schicksals: Junge KnabenSind da, die Ernst und Spiele von mir lernten,Ich seh, wie manche meine Mienen haben,Geheimnisvoll ergreift es mich, sie erntenZu sehn, und an den Ufern, an den HügelnSpür ich in einem wundervoll entferntenTraumbilde sich mein Innerstes entriegelnBeim Anblick, den mir ihre Taten geben.Ich schaue an den Himmel auf, da spiegelnDie Wolkenreiche, spiegeln mir im SchwebenErsehntes, Hergegebnes, mich, das Ganze!Ich bin von einem solchen großen LebenUmrahmt, ich habe mit dem großen GlanzeDer schönen Sterne eine also nahVerwandte Trunkenheit –Nach welcher Zukunft greif ich Trunkner da?Doch schwebt sie her, ich darf sie schon berühren:Denn zu den Sternen steigt, was längst geschah,Empor, und andre, andre Ströme führenDas Ungeschehene herauf, die ErdeLäßt es empor aus unsichtbaren Türen,Bezwungen von der bittenden Gebärde!

(So tritt er ans offene Fenster, das mit hellem Mondlicht angefüllt und von den Schatten wilder Weinblätter eingerahmt ist. Indem tritt unter seinen Augen aus dem Dunkel eines Blattes eine große Spinne mit laufenden Schritten hervor und umklammert den Leib eines kleinen Tieres. Es gibt in der Stille der Nacht einen äußerst leisen, aber kläglichen Laut, und man meint die Bewegungen der heftig umklammernden Glieder zu hören.)

(So tritt er ans offene Fenster, das mit hellem Mondlicht angefüllt und von den Schatten wilder Weinblätter eingerahmt ist. Indem tritt unter seinen Augen aus dem Dunkel eines Blattes eine große Spinne mit laufenden Schritten hervor und umklammert den Leib eines kleinen Tieres. Es gibt in der Stille der Nacht einen äußerst leisen, aber kläglichen Laut, und man meint die Bewegungen der heftig umklammernden Glieder zu hören.)

(muß zurücktreten):

(muß zurücktreten):

Welch eine Angst ist hier, welch eine Not.Mein Blut muß ebben, daß ich dich da sehe,Du häßliche Gewalt, du Tier, du Tod!Der großen Träume wundervolle NäheKlingt ab, wie irgendwo das ferne RollenVon einem Wasserfall, den ich schon eheGehört, da schien er kühn und angeschwollen,Jetzt sinkt das Rauschen, und die hohe FerneWird leer und öd aus einer ahnungsvollen:Die Welt besitzt sich selber, o ich lerne!Nicht hemme ich die widrige GestaltSo wenig als den Lauf der schönen Sterne.Vor meinen Augen tut sich die Gewalt,Sie tut sich schmerzend mir im Herzen innen,Sie hat an jeder meiner Fibern Halt,Ich kann ihr – und ich will ihr nicht entrinnen:Als wärens Wege, die zur Heimat führen,Reißt es nach vorwärts mich mit allen SinnenIns Ungewisse, und ich kann schon spürenEin unbegreiflich riesiges GenügenIm Vorgefühl: ich werde dies gewinnen:Schmerzen zu leiden, Schmerzen zuzufügen.Nun spür ich schaudernd etwas mich umgeben,Es türmt sich auf bis an die hohen Sterne,Und seinen Namen weiß ich nun: das Leben.

Welch eine Angst ist hier, welch eine Not.Mein Blut muß ebben, daß ich dich da sehe,Du häßliche Gewalt, du Tier, du Tod!Der großen Träume wundervolle NäheKlingt ab, wie irgendwo das ferne RollenVon einem Wasserfall, den ich schon eheGehört, da schien er kühn und angeschwollen,Jetzt sinkt das Rauschen, und die hohe FerneWird leer und öd aus einer ahnungsvollen:Die Welt besitzt sich selber, o ich lerne!Nicht hemme ich die widrige GestaltSo wenig als den Lauf der schönen Sterne.Vor meinen Augen tut sich die Gewalt,Sie tut sich schmerzend mir im Herzen innen,Sie hat an jeder meiner Fibern Halt,Ich kann ihr – und ich will ihr nicht entrinnen:Als wärens Wege, die zur Heimat führen,Reißt es nach vorwärts mich mit allen SinnenIns Ungewisse, und ich kann schon spürenEin unbegreiflich riesiges GenügenIm Vorgefühl: ich werde dies gewinnen:Schmerzen zu leiden, Schmerzen zuzufügen.Nun spür ich schaudernd etwas mich umgeben,Es türmt sich auf bis an die hohen Sterne,Und seinen Namen weiß ich nun: das Leben.

IDYLLE

NACH EINEM ANTIKEN VASENBILD: ZENTAUR MIT VERWUNDETER FRAU AM RAND EINES FLUSSES

(Der Schauplatz im Böcklinschen Stil. Eine offene Dorfschmiede. Dahinter das Haus, im Hintergrunde ein Fluß. Der Schmied an der Arbeit, sein Weib müßig an die Türe gelehnt, die von der Schmiede ins Haus führt. Auf dem Boden spielt ein blondes kleines Kind mit einer zahmen Krabbe. In einer Nische ein Weinschlauch, ein paar frische Feigen und Melonenschalen.)

(Der Schauplatz im Böcklinschen Stil. Eine offene Dorfschmiede. Dahinter das Haus, im Hintergrunde ein Fluß. Der Schmied an der Arbeit, sein Weib müßig an die Türe gelehnt, die von der Schmiede ins Haus führt. Auf dem Boden spielt ein blondes kleines Kind mit einer zahmen Krabbe. In einer Nische ein Weinschlauch, ein paar frische Feigen und Melonenschalen.)

DER SCHMIEDWohin verlieren dir die sinnenden Gedanken sich,Indes du schweigend mir das Werk, feindselig fast,Mit solchen Lippen, leise zuckenden, beschaust?DIE FRAUIm blütenweißen, kleinen Garten saß ich oft,Den Blick aufs väterliche Handwerk hingewandt,Das nette Werk des Töpfers: wie der Scheibe da,Der surrenden im Kreis, die edle Form entstieg,Im stillen Werden einer zarten Blume gleich,Mit kühlem Glanz des Elfenbeins. Darauf erschufDer Vater Henkel, mit Akanthusblatt geziert,Und ein Akanthus-, ein Olivenkranz wohl auchUmlief als dunkelroter Schmuck des Kruges Rand.Den schönen Körper dann belebte er mit ReigenkranzDer Horen, der vorüberschwebend lebenspendenden.Er schuf, gestreckt auf königliche Ruhebank,Der Phädra wundervollen Leib, von Sehnsucht matt,Und drüber flatternd Eros, der mit süßer Qual die Glieder füllt.Gewaltgen Krügen liebte er ein BacchusfestZum Schmuck zu geben, wo der PurpurtraubensaftAufsprühte unter der Mänade nacktem FußUnd fliegend Haar und Thyrsusschwung die Luft erfüllt.Auf Totenurnen war Persephoneias hohes Bild,Die mit den seelenlosen, roten Augen schaut,Und Blumen des Vergessens, Mohn, im heiligen Haar,Das lebenfremde, asphodelische Gefilde tritt.Des Redens wär kein Ende, zählt ich alle auf,Die göttlichen, an deren schönem Leben ich– Zum zweiten Male lebend, was gebildet war –An deren Gram und Haß und LiebeslustUnd wechselndem Erlebnis jeder ArtIch also Anteil hatte, ich, ein Kind,Die mir mit halbverstandener Gefühle HauchAnrührten meiner Seele tiefstes Saitenspiel,Daß mir zuweilen war, als hätte ich im SchlafDie stets verborgenen Mysterien durchirrtVon Lust und Leid, Erkennende mit wachem Aug,Davon, an dieses Sonnenlicht zurückgekehrt,Mir mahnendes Gedenken andern Lebens bleibtUnd eine Fremde, Ausgeschloßne aus mir machtIn dieser nährenden, lebendgen Luft der Welt.DER SCHMIEDDen Sinn des Seins verwirrte allzu vieler MüßiggangDem schön gesinnten, gern verträumten Kind, mich dünkt.Und jene Ehrfurcht fehlte, die zu trennen weiß,Was Göttern ziemt, was Menschen! Wie Semele dies,Die töricht fordernde, vergehend erst begriff.Des Gatten Handwerk lerne heilig halten du,Das aus des mütterlichen Grundes Eingeweiden stammtUnd, sich die hundertarmig Ungebändigte,Die Flamme, unterwerfend, klug und kraftvoll wirkt.DIE FRAUDie Flamme anzusehen, lockts mich immer neu,Die wechselnde, mit heißem Hauch berauschende.DER SCHMIEDVielmehr erfreue Anblick dich des Werks!Die Waffen sich, der Pflugschar heilige Härte auch,Und dieses Beil, das wilde Bäume uns zur Hütte fügt.So schafft der Schmied, was alles andre schaffen soll.Wo duftig aufgeworfne Scholle Samen trinktUnd gelbes Korn der Sichel dann entgegenquillt,Wo zwischen stillen Stämmen nach dem scheuen WildDer Pfeil hinschwirrt und tödlich in den Nacken schlägt,Wo harter Huf von Rossen staubaufwirbelnd dröhntUnd rasche Räder rollen zwischen Stadt und Stadt,Wo der gewaltig klirrende, der MännerstreitDie hohe liederwerte Männlichkeit enthüllt:Da wirk ich fort und halt umwunden so die WeltMit starken Spuren meines Tuens, weil es tüchtig ist.(Pause.)DIE FRAUZentauren seh ich einen nahen, Jüngling noch,Ein schöner Gott mir scheinend, wenn auch halb ein Tier,Und aus dem Hain, entlang dem Ufer, traben her.DER ZENTAUR(einen Speer in der Hand, den er dem Schmied hinhält)Find ich dem stumpfgewordnen Speere Heilung hierUnd neue Spitze der geschwungnen Wucht? Verkünd!DER SCHMIEDOb deinesgleichen auch, dich selber sah ich nie.DER ZENTAURZum ersten Male lockte mir den LaufNach eurem Dorf Bedürfnis, das du kennst.DER SCHMIEDIhm sollIn kurzem abgeholfen sein. Indes erzählstDu, wenn du dir den Dank der Frau verdienen willst,Von fremden Wundern, die du wohl gesehn, wovonHieher nicht Kunde dringt, wenn nicht ein Wandrer kommt.DIE FRAUIch reiche dir zuerst den vollen Schlauch: er istMit kühlem, säuerlichem Apfelwein gefüllt,Denn andrer ist uns nicht. Das nächste Dürsten stilltWohl etwa weit von hier aus beßrer Schale dirMit heißerm Safte eine schönre Frau als ich.(Sie hat den Wein aus dem Schlauch in eine irdene Trinkschale gegossen, die er langsam schlürft.)DER ZENTAURDie allgemeinen Straßen zog ich nicht und miedDer Hafenplätze vielvermengendes Gewühl,Wo einer leicht von Schiffern bunte Mär erfährt.Die öden Heiden wählte ich zum Tagesweg,Flamingos nur und schwarze Stiere störend auf,Und stampfte nachts das Heidekraut dahin im Duft,Das hyazinthne Dunkel über mir.Zuweilen kam ich wandernd einem Hain vorbei,Wo sich, zu flüchtig eigensinnger Lust gewillt,Aus einem Schwarme von Najaden eine mirFür eine Strecke Wegs gesellte, die ich dannAn einen jungen Satyr wiederum verlor,Der syrinxblasend, lockend wo am Wege saß.DIE FRAUUnsäglich reizend dünkt dies Ungebundne mir.DER SCHMIEDDie Waldgebornen kennen Scham und Treue nicht,Die erst das Haus verlangen und bewahren lehrt.DIE FRAUWard dir, dem Flötenspiel des Pan zu lauschen? Sag!DER ZENTAURIn einem stillen Kesseltal ward mirs beschert.Da wogte mit dem schwülen Abendwind herabVom Rand der Felsen rätselhaftestes Getön,So tief aufwühlend wie vereinter DrangVon allem Tiefsten, was die Seele je durchbebt,Als flög mein Ich im Wirbel fortgerissen mirDurch tausendfach verschiedne Trunkenheit hindurch.DER SCHMIEDVerbotenes laß lieber unberedet sein!DIE FRAULaß immerhin, was regt die Seele schöner auf?DER SCHMIEDDas Leben zeitigt selbst den höhern Herzensschlag,Wie reife Frucht vom Zweige sich erfreulich löst.Und nicht zu andern Schauern sind geboren wir,Als uns das Schicksal über unsre Lebenswelle haucht.DER ZENTAURSo blieb die wunderbare Kunst dir unbekannt,Die Götter üben: unter Menschen Mensch,Zu andern Zeiten aufzugehn im Sturmeshauch,Und ein Delphin zu plätschern wiederum im NaßUnd ätherkreisend einzusaugen Adlerlust?Du kennst, mich dünkt, nur wenig von der Welt, mein Freund.DER SCHMIEDDie ganze kenn ich, kennend meinen Kreis,Maßloses nicht verlangend, noch begierig ich,Die flüchtge Flut zu ballen in der hohlen Hand.Den Bach, der deine Wiege schaukelte, erkennen lern,Den Nachbarbaum, der dir die Früchte an der Sonne reiftUnd dufterfüllten lauen Schatten niedergießt,Das kühle grüne Gras, es trats dein Fuß als Kind.Die alten Eltern tratens, leise frierende,Und die Geliebte trats, da quollen duftend aufDie Veilchen, schmiegend unter ihre Sohlen sich,Das Haus begreif, in dem du lebst und sterben sollst,Und dann, ein Wirkender, begreif dich selber ehrfurchtsvoll,An diesen hast du mehr, als du erfassen kannst –,Den Wanderliebenden, ich halt ihn länger nicht, alleinDer letzten Glättung noch bedarfs, die Feile fehlt,Ich finde sie und schaffe dir das letzte noch.(Er geht ins Haus.)DIE FRAUDich führt wohl nimmermehr der Weg hieher zurück.Hinstampfend durch die hyazinthne Nacht, berauscht,Vergissest meiner du am Wege, fürcht ich, bald,Die deiner, fürcht ich, nicht so bald vergessen kann.DER ZENTAURDu irrst: verdammt von dir zu scheiden, wärs,Als schlügen sich die Gitter dröhnend hinter mirVon aller Liebe dufterfülltem Garten zu.Doch kommst du, wie ich meine, mir Gefährtin mit,So trag ich solchen hohen Reiz als Beute fort,Wie nie die hohe Aphrodite ausgegossen hat,Die allbelebende, auf Meer und wilde Flut.DIE FRAUWie könnt ich Gatten, Haus und Kind verlassen hier?DER ZENTAURWas sorgst du lang, um was du schnell vergessen hast?DIE FRAUEr kommt zurück, und schnell zerronnen ist der Traum!DER ZENTAURMit nichten, da doch Lust und Weg noch offen steht.Mit festen Fingern greif mir ins Gelock und klammre dich,Am Rücken ruhend, mir an Arm und Nacken an!

Wohin verlieren dir die sinnenden Gedanken sich,Indes du schweigend mir das Werk, feindselig fast,Mit solchen Lippen, leise zuckenden, beschaust?

Im blütenweißen, kleinen Garten saß ich oft,Den Blick aufs väterliche Handwerk hingewandt,Das nette Werk des Töpfers: wie der Scheibe da,Der surrenden im Kreis, die edle Form entstieg,Im stillen Werden einer zarten Blume gleich,Mit kühlem Glanz des Elfenbeins. Darauf erschufDer Vater Henkel, mit Akanthusblatt geziert,Und ein Akanthus-, ein Olivenkranz wohl auchUmlief als dunkelroter Schmuck des Kruges Rand.Den schönen Körper dann belebte er mit ReigenkranzDer Horen, der vorüberschwebend lebenspendenden.Er schuf, gestreckt auf königliche Ruhebank,Der Phädra wundervollen Leib, von Sehnsucht matt,Und drüber flatternd Eros, der mit süßer Qual die Glieder füllt.Gewaltgen Krügen liebte er ein BacchusfestZum Schmuck zu geben, wo der PurpurtraubensaftAufsprühte unter der Mänade nacktem FußUnd fliegend Haar und Thyrsusschwung die Luft erfüllt.Auf Totenurnen war Persephoneias hohes Bild,Die mit den seelenlosen, roten Augen schaut,Und Blumen des Vergessens, Mohn, im heiligen Haar,Das lebenfremde, asphodelische Gefilde tritt.Des Redens wär kein Ende, zählt ich alle auf,Die göttlichen, an deren schönem Leben ich– Zum zweiten Male lebend, was gebildet war –An deren Gram und Haß und LiebeslustUnd wechselndem Erlebnis jeder ArtIch also Anteil hatte, ich, ein Kind,Die mir mit halbverstandener Gefühle HauchAnrührten meiner Seele tiefstes Saitenspiel,Daß mir zuweilen war, als hätte ich im SchlafDie stets verborgenen Mysterien durchirrtVon Lust und Leid, Erkennende mit wachem Aug,Davon, an dieses Sonnenlicht zurückgekehrt,Mir mahnendes Gedenken andern Lebens bleibtUnd eine Fremde, Ausgeschloßne aus mir machtIn dieser nährenden, lebendgen Luft der Welt.

DER SCHMIED

Den Sinn des Seins verwirrte allzu vieler MüßiggangDem schön gesinnten, gern verträumten Kind, mich dünkt.Und jene Ehrfurcht fehlte, die zu trennen weiß,Was Göttern ziemt, was Menschen! Wie Semele dies,Die töricht fordernde, vergehend erst begriff.Des Gatten Handwerk lerne heilig halten du,Das aus des mütterlichen Grundes Eingeweiden stammtUnd, sich die hundertarmig Ungebändigte,Die Flamme, unterwerfend, klug und kraftvoll wirkt.

Die Flamme anzusehen, lockts mich immer neu,Die wechselnde, mit heißem Hauch berauschende.

Vielmehr erfreue Anblick dich des Werks!Die Waffen sich, der Pflugschar heilige Härte auch,Und dieses Beil, das wilde Bäume uns zur Hütte fügt.So schafft der Schmied, was alles andre schaffen soll.Wo duftig aufgeworfne Scholle Samen trinktUnd gelbes Korn der Sichel dann entgegenquillt,Wo zwischen stillen Stämmen nach dem scheuen WildDer Pfeil hinschwirrt und tödlich in den Nacken schlägt,Wo harter Huf von Rossen staubaufwirbelnd dröhntUnd rasche Räder rollen zwischen Stadt und Stadt,Wo der gewaltig klirrende, der MännerstreitDie hohe liederwerte Männlichkeit enthüllt:Da wirk ich fort und halt umwunden so die WeltMit starken Spuren meines Tuens, weil es tüchtig ist.

(Pause.)

(Pause.)

Zentauren seh ich einen nahen, Jüngling noch,Ein schöner Gott mir scheinend, wenn auch halb ein Tier,Und aus dem Hain, entlang dem Ufer, traben her.

(einen Speer in der Hand, den er dem Schmied hinhält)

(einen Speer in der Hand, den er dem Schmied hinhält)

Find ich dem stumpfgewordnen Speere Heilung hierUnd neue Spitze der geschwungnen Wucht? Verkünd!

Ob deinesgleichen auch, dich selber sah ich nie.

Zum ersten Male lockte mir den LaufNach eurem Dorf Bedürfnis, das du kennst.

DER SCHMIED

Ihm sollIn kurzem abgeholfen sein. Indes erzählstDu, wenn du dir den Dank der Frau verdienen willst,Von fremden Wundern, die du wohl gesehn, wovonHieher nicht Kunde dringt, wenn nicht ein Wandrer kommt.

Ich reiche dir zuerst den vollen Schlauch: er istMit kühlem, säuerlichem Apfelwein gefüllt,Denn andrer ist uns nicht. Das nächste Dürsten stilltWohl etwa weit von hier aus beßrer Schale dirMit heißerm Safte eine schönre Frau als ich.

(Sie hat den Wein aus dem Schlauch in eine irdene Trinkschale gegossen, die er langsam schlürft.)

(Sie hat den Wein aus dem Schlauch in eine irdene Trinkschale gegossen, die er langsam schlürft.)

Die allgemeinen Straßen zog ich nicht und miedDer Hafenplätze vielvermengendes Gewühl,Wo einer leicht von Schiffern bunte Mär erfährt.Die öden Heiden wählte ich zum Tagesweg,Flamingos nur und schwarze Stiere störend auf,Und stampfte nachts das Heidekraut dahin im Duft,Das hyazinthne Dunkel über mir.Zuweilen kam ich wandernd einem Hain vorbei,Wo sich, zu flüchtig eigensinnger Lust gewillt,Aus einem Schwarme von Najaden eine mirFür eine Strecke Wegs gesellte, die ich dannAn einen jungen Satyr wiederum verlor,Der syrinxblasend, lockend wo am Wege saß.

DIE FRAU

Unsäglich reizend dünkt dies Ungebundne mir.

Die Waldgebornen kennen Scham und Treue nicht,Die erst das Haus verlangen und bewahren lehrt.

Ward dir, dem Flötenspiel des Pan zu lauschen? Sag!

In einem stillen Kesseltal ward mirs beschert.Da wogte mit dem schwülen Abendwind herabVom Rand der Felsen rätselhaftestes Getön,So tief aufwühlend wie vereinter DrangVon allem Tiefsten, was die Seele je durchbebt,Als flög mein Ich im Wirbel fortgerissen mirDurch tausendfach verschiedne Trunkenheit hindurch.

Verbotenes laß lieber unberedet sein!

Laß immerhin, was regt die Seele schöner auf?

Das Leben zeitigt selbst den höhern Herzensschlag,Wie reife Frucht vom Zweige sich erfreulich löst.Und nicht zu andern Schauern sind geboren wir,Als uns das Schicksal über unsre Lebenswelle haucht.

DER ZENTAUR

So blieb die wunderbare Kunst dir unbekannt,Die Götter üben: unter Menschen Mensch,Zu andern Zeiten aufzugehn im Sturmeshauch,Und ein Delphin zu plätschern wiederum im NaßUnd ätherkreisend einzusaugen Adlerlust?Du kennst, mich dünkt, nur wenig von der Welt, mein Freund.

Die ganze kenn ich, kennend meinen Kreis,Maßloses nicht verlangend, noch begierig ich,Die flüchtge Flut zu ballen in der hohlen Hand.Den Bach, der deine Wiege schaukelte, erkennen lern,Den Nachbarbaum, der dir die Früchte an der Sonne reiftUnd dufterfüllten lauen Schatten niedergießt,Das kühle grüne Gras, es trats dein Fuß als Kind.Die alten Eltern tratens, leise frierende,Und die Geliebte trats, da quollen duftend aufDie Veilchen, schmiegend unter ihre Sohlen sich,Das Haus begreif, in dem du lebst und sterben sollst,Und dann, ein Wirkender, begreif dich selber ehrfurchtsvoll,An diesen hast du mehr, als du erfassen kannst –,Den Wanderliebenden, ich halt ihn länger nicht, alleinDer letzten Glättung noch bedarfs, die Feile fehlt,Ich finde sie und schaffe dir das letzte noch.

(Er geht ins Haus.)

(Er geht ins Haus.)

DIE FRAU

Dich führt wohl nimmermehr der Weg hieher zurück.Hinstampfend durch die hyazinthne Nacht, berauscht,Vergissest meiner du am Wege, fürcht ich, bald,Die deiner, fürcht ich, nicht so bald vergessen kann.

Du irrst: verdammt von dir zu scheiden, wärs,Als schlügen sich die Gitter dröhnend hinter mirVon aller Liebe dufterfülltem Garten zu.Doch kommst du, wie ich meine, mir Gefährtin mit,So trag ich solchen hohen Reiz als Beute fort,Wie nie die hohe Aphrodite ausgegossen hat,Die allbelebende, auf Meer und wilde Flut.

Wie könnt ich Gatten, Haus und Kind verlassen hier?

Was sorgst du lang, um was du schnell vergessen hast?

Er kommt zurück, und schnell zerronnen ist der Traum!

Mit nichten, da doch Lust und Weg noch offen steht.Mit festen Fingern greif mir ins Gelock und klammre dich,Am Rücken ruhend, mir an Arm und Nacken an!

(Sie schwingt sich auf seinen Rücken, und er stürmt hell schreiend zum Fluß hinunter, das Kind erschrickt und bricht in klägliches Weinen aus. Der Schmied tritt aus dem Haus. Eben stürzt sich der Zentaur in das aufrauschende Wasser des Flusses. Sein bronzener Oberkörper und die Gestalt der Frau zeichnen sich scharf auf der abendlich vergoldeten Wasserfläche ab. Der Schmied wird sie gewahr; in der Hand den Speer des Zentauren, läuft er ans Ufer hinab und schleudert, weit vorgebeugt, den Speer, der mit zitterndem Schaft einen Augenblick im Rücken der Frau stecken bleibt, bis diese mit einem gellenden Schrei die Locken des Zentauren fahren läßt und mit ausgebreiteten Armen rücklings ins Wasser stürzt. Der Zentaur fängt die Sterbende in seinen Armen auf und trägt sie hocherhoben stromabwärts, dem andern Ufer zuschwimmend.)

(Sie schwingt sich auf seinen Rücken, und er stürmt hell schreiend zum Fluß hinunter, das Kind erschrickt und bricht in klägliches Weinen aus. Der Schmied tritt aus dem Haus. Eben stürzt sich der Zentaur in das aufrauschende Wasser des Flusses. Sein bronzener Oberkörper und die Gestalt der Frau zeichnen sich scharf auf der abendlich vergoldeten Wasserfläche ab. Der Schmied wird sie gewahr; in der Hand den Speer des Zentauren, läuft er ans Ufer hinab und schleudert, weit vorgebeugt, den Speer, der mit zitterndem Schaft einen Augenblick im Rücken der Frau stecken bleibt, bis diese mit einem gellenden Schrei die Locken des Zentauren fahren läßt und mit ausgebreiteten Armen rücklings ins Wasser stürzt. Der Zentaur fängt die Sterbende in seinen Armen auf und trägt sie hocherhoben stromabwärts, dem andern Ufer zuschwimmend.)

PROLOGE UND TRAUERREDEN

PROLOG ZU DEM BUCH ›ANATOL‹

Hohe Gitter, Taxushecken,Wappen nimmermehr vergoldet,Sphinxe, durch das Dickicht schimmernd …… Knarrend öffnen sich die Tore. –Mit verschlafenen KaskadenUnd verschlafenen Tritonen.Rokoko, verstaubt und lieblich,Seht … das Wien des Canaletto,Wien von siebzehnhundertsechzig …… Grüne, braune, stille Teiche,Glatt und marmorweiß umrandet,In dem Spiegelbild der NixenSpielen Gold- und Silberfische …Auf dem glattgeschornen RasenLiegen zierlich gleiche SchattenSchlanker Oleanderstämme;Zweige wölben sich zur Kuppel,Zweige neigen sich zur NischeFür die steifen Liebespaare,Heroinen und Heroen …Drei Delphine gießen murmelndFluten in ein Muschelbecken …Duftige KastanienblütenGleiten, schwirren leuchtend niederUnd ertrinken in den Becken …… Hinter einer TaxusmauerTönen Geigen, Klarinetten,Und sie scheinen den graziösenAmoretten zu entströmen,Die rings auf der Rampe sitzen,Fiedelnd oder Blumen windend,Selbst von Blumen bunt umgeben,Die aus Marmorvasen strömen:Goldlack und Jasmin und Flieder …… Auf der Rampe, zwischen ihnenSitzen auch kokette Frauen,Violette Monsignori …Und im Gras, zu ihren FüßenUnd auf Polstern, auf den StufenKavaliere und Abbati …Andre heben andre FrauenAus den parfümierten Sänften …… Durch die Zweige brechen Lichter,Flimmern auf den blonden Köpfchen,Scheinen auf den bunten Polstern,Gleiten über Kies und Rasen,Gleiten über das Gerüste,Das wir flüchtig aufgeschlagen.Wein und Winde klettert aufwärtsUnd umhüllt die lichten Balken,Und dazwischen farbenüppigFlattert Teppich und Tapete,Schäferszenen, keck gewoben,Zierlich von Watteau entworfen …Eine Laube statt der Bühne,Sommersonne statt der Lampen,Also spielen wir Theater,Spielen unsre eignen Stücke,Frühgereift und zart und traurig,Die Komödie unsrer Seele,Unsres Fühlens Heut und Gestern,Böser Dinge hübsche Formel,Glatte Worte, bunte Bilder,Halbes, heimliches Empfinden,Agonieen, Episoden …Manche hören zu, nicht alle …Manche träumen, manche lachen,Manche essen Eis … und mancheSprechen sehr galante Dinge …… Nelken wiegen sich im Winde,Hochgestielte, weiße Nelken,Wie ein Schwarm von weißen Faltern,Und ein BologneserhündchenBellt verwundert einen Pfau an.

Hohe Gitter, Taxushecken,Wappen nimmermehr vergoldet,Sphinxe, durch das Dickicht schimmernd …… Knarrend öffnen sich die Tore. –Mit verschlafenen KaskadenUnd verschlafenen Tritonen.Rokoko, verstaubt und lieblich,Seht … das Wien des Canaletto,Wien von siebzehnhundertsechzig …… Grüne, braune, stille Teiche,Glatt und marmorweiß umrandet,In dem Spiegelbild der NixenSpielen Gold- und Silberfische …Auf dem glattgeschornen RasenLiegen zierlich gleiche SchattenSchlanker Oleanderstämme;Zweige wölben sich zur Kuppel,Zweige neigen sich zur NischeFür die steifen Liebespaare,Heroinen und Heroen …Drei Delphine gießen murmelndFluten in ein Muschelbecken …Duftige KastanienblütenGleiten, schwirren leuchtend niederUnd ertrinken in den Becken …… Hinter einer TaxusmauerTönen Geigen, Klarinetten,Und sie scheinen den graziösenAmoretten zu entströmen,Die rings auf der Rampe sitzen,Fiedelnd oder Blumen windend,Selbst von Blumen bunt umgeben,Die aus Marmorvasen strömen:Goldlack und Jasmin und Flieder …… Auf der Rampe, zwischen ihnenSitzen auch kokette Frauen,Violette Monsignori …Und im Gras, zu ihren FüßenUnd auf Polstern, auf den StufenKavaliere und Abbati …Andre heben andre FrauenAus den parfümierten Sänften …… Durch die Zweige brechen Lichter,Flimmern auf den blonden Köpfchen,Scheinen auf den bunten Polstern,Gleiten über Kies und Rasen,Gleiten über das Gerüste,Das wir flüchtig aufgeschlagen.Wein und Winde klettert aufwärtsUnd umhüllt die lichten Balken,Und dazwischen farbenüppigFlattert Teppich und Tapete,Schäferszenen, keck gewoben,Zierlich von Watteau entworfen …

Eine Laube statt der Bühne,Sommersonne statt der Lampen,Also spielen wir Theater,Spielen unsre eignen Stücke,Frühgereift und zart und traurig,Die Komödie unsrer Seele,Unsres Fühlens Heut und Gestern,Böser Dinge hübsche Formel,Glatte Worte, bunte Bilder,Halbes, heimliches Empfinden,Agonieen, Episoden …Manche hören zu, nicht alle …Manche träumen, manche lachen,Manche essen Eis … und mancheSprechen sehr galante Dinge …… Nelken wiegen sich im Winde,Hochgestielte, weiße Nelken,Wie ein Schwarm von weißen Faltern,Und ein BologneserhündchenBellt verwundert einen Pfau an.

ZU EINEM BUCH ÄHNLICHER ART

Merkt auf, merkt auf! Die Zeit ist sonderbar,Und sonderbare Kinder hat sie: Uns!Wer allzusehr verliebt ist in das Süße,Erträgt uns nicht, denn unsre Art ist herb,Und unsre Unterhaltung wunderlich.›Schlagt eine kleine Bühne auf im Zimmer,Denn die Haustochter will Theater spielen!‹Meint ihr, sie wird als kleine Muse kommen,Mit offnem Haar, und in den bloßen ArmenWird eine leichte goldne Leier liegen?Meint ihr als Schäferin, ein weißes LammAm blauen Seidenband und auf den LippenEin Lächeln, süß und billig wie die ReimeIn Schäferspielen? Auf! und geht hinaus!Geht fort, ich bitt euch, wenn ihr das erwartet!Ihr könnt uns nicht ertragen, wir sind anders!Wir haben aus dem Leben, das wir leben,Ein Spiel gemacht, und unsere Wahrheit gleitetMit unserer Komödie durcheinanderWie eines Taschenspielers hohle Becher –Je mehr ihr hinseht, desto mehr betrogen!Wir geben kleine Fetzen unsres SelbstFür Puppenkleider. Wie die wahren Worte –(An denen Lächeln oder Tränen hängenGleich Tau an einem Busch mit rauhen Blättern)Erschrecken müssen, wenn sie sich erkennen,In dieses Spiel verflochten, halb geschminkt,Halb noch sich selber gleich, und so entfremdetDer großen Unschuld, die sie früher hatten!Ward je ein so verworrnes Spiel gespielt?Es stiehlt uns von uns selbst und ist nicht lieblichWie Tanzen oder auf dem Wasser Singen,Und doch ist es das reichste an VerführungVon allen Spielen, die wir Kinder wissen.Wir Kinder dieser sonderbaren ZeitWas wollt ihr noch? So sind wir nun einmal,Doch wollt ihr wirklich solche Dinge hören,Bleibt immerhin! Wir lassen uns nicht stören.

Merkt auf, merkt auf! Die Zeit ist sonderbar,Und sonderbare Kinder hat sie: Uns!Wer allzusehr verliebt ist in das Süße,Erträgt uns nicht, denn unsre Art ist herb,Und unsre Unterhaltung wunderlich.›Schlagt eine kleine Bühne auf im Zimmer,Denn die Haustochter will Theater spielen!‹Meint ihr, sie wird als kleine Muse kommen,Mit offnem Haar, und in den bloßen ArmenWird eine leichte goldne Leier liegen?Meint ihr als Schäferin, ein weißes LammAm blauen Seidenband und auf den LippenEin Lächeln, süß und billig wie die ReimeIn Schäferspielen? Auf! und geht hinaus!Geht fort, ich bitt euch, wenn ihr das erwartet!Ihr könnt uns nicht ertragen, wir sind anders!Wir haben aus dem Leben, das wir leben,Ein Spiel gemacht, und unsere Wahrheit gleitetMit unserer Komödie durcheinanderWie eines Taschenspielers hohle Becher –Je mehr ihr hinseht, desto mehr betrogen!Wir geben kleine Fetzen unsres SelbstFür Puppenkleider. Wie die wahren Worte –(An denen Lächeln oder Tränen hängenGleich Tau an einem Busch mit rauhen Blättern)Erschrecken müssen, wenn sie sich erkennen,In dieses Spiel verflochten, halb geschminkt,Halb noch sich selber gleich, und so entfremdetDer großen Unschuld, die sie früher hatten!Ward je ein so verworrnes Spiel gespielt?Es stiehlt uns von uns selbst und ist nicht lieblichWie Tanzen oder auf dem Wasser Singen,Und doch ist es das reichste an VerführungVon allen Spielen, die wir Kinder wissen.Wir Kinder dieser sonderbaren ZeitWas wollt ihr noch? So sind wir nun einmal,Doch wollt ihr wirklich solche Dinge hören,Bleibt immerhin! Wir lassen uns nicht stören.

ZUM GEDÄCHTNIS DES SCHAUSPIELERS MITTERWURZER

Er losch auf einmal aus so wie ein Licht.Wir trugen alle wie von einem BlitzDen Widerschein als Blässe im Gesicht.Er fiel: da fielen alle Puppen hin,In deren Adern er sein LebensblutGegossen hatte; lautlos starben sie,Und wo er lag, da lag ein Haufen Leichen,Wüst hingestreckt: das Knie von einem SäuferIn eines Königs Aug gedrückt, Don PhilippMit Caliban als Alp um seinen Hals,Und jeder tot.Da wußten wir, wer uns gestorben war:Der Zauberer, der große, große Gaukler!Und aus den Häusern traten wir herausUnd fingen an zu reden, wer er war.Wer aber war er, und wer war er nicht?Er kroch von einer Larve in die andre,Sprang aus des Vaters in des Sohnes LeibUnd tauschte wie Gewänder die Gestalten.Mit Schwertern, die er kreisen ließ so schnell,Daß niemand ihre Klinge funkeln sah,Hieb er sich selbst in Stücke: Jago warVielleicht das eine, und die andre HälfteGab einen süßen Narren oder Träumer.Sein ganzer Leib war wie der Zauberschleier,In dessen Falten alle Dinge wohnen:Er holte Tiere aus sich selbst hervor:Das Schaf, den Löwen, einen dummen TeufelUnd einen schrecklichen, und den, und jenen,Und dich und mich. Sein ganzer Leib war glühend,Von innerlichem Schicksal durch und durchWie Kohle glühend, und er lebte drinUnd sah auf uns, die wir in Häusern wohnen,Mit jenem undurchdringlich fremden BlickDes Salamanders, der im Feuer wohnt.Er war ein wilder König. Um die HüftenTrug er wie bunte Muscheln aufgereihtDie Wahrheit und die Lüge von uns allen.In seinen Augen flogen unsre TräumeVorüber, wie von Scharen wilder VögelDas Spiegelbild in einem tiefen Wasser.Hier trat er her, auf eben diesen Fleck,Wo ich jetzt steh, und wie im TritonshornDer Lärm des Meeres eingefangen ist,So war in ihm die Stimme alles Lebens:Er wurde groß. Er war der ganze Wald,Er war das Land, durch das die Straßen laufen.Mit Augen wie die Kinder saßen wirUnd sahn an ihm hinauf wie an den HängenVon einem großen Berg: in seinem MundWar eine Bucht, drin brandete das Meer.Denn in ihm war etwas, das viele TürenAufschloß und viele Räume überflog:Gewalt des Lebens, diese war in ihm.Und über ihn bekam der Tod Gewalt!Blies aus die Augen, deren innrer KernBedeckt war mit geheimnisvollen Zeichen,Erwürgte in der Kehle tausend StimmenUnd tötete den Leib, der Glied für GliedBeladen war mit ungebornem Leben.Hier stand er. Wann kommt einer, der ihm gleicht?Ein Geist, der uns das Labyrinth der Brust,Bevölkert mit verständlichen Gestalten,Erschließt aufs neu zu schauerlicher Lust?Die er uns gab, wir konnten sie nicht haltenUnd starren nun bei seines Namens KlangHinab den Abgrund, der sie uns verschlang.

Er losch auf einmal aus so wie ein Licht.Wir trugen alle wie von einem BlitzDen Widerschein als Blässe im Gesicht.

Er fiel: da fielen alle Puppen hin,In deren Adern er sein LebensblutGegossen hatte; lautlos starben sie,Und wo er lag, da lag ein Haufen Leichen,Wüst hingestreckt: das Knie von einem SäuferIn eines Königs Aug gedrückt, Don PhilippMit Caliban als Alp um seinen Hals,Und jeder tot.

Da wußten wir, wer uns gestorben war:Der Zauberer, der große, große Gaukler!Und aus den Häusern traten wir herausUnd fingen an zu reden, wer er war.Wer aber war er, und wer war er nicht?

Er kroch von einer Larve in die andre,Sprang aus des Vaters in des Sohnes LeibUnd tauschte wie Gewänder die Gestalten.

Mit Schwertern, die er kreisen ließ so schnell,Daß niemand ihre Klinge funkeln sah,Hieb er sich selbst in Stücke: Jago warVielleicht das eine, und die andre HälfteGab einen süßen Narren oder Träumer.Sein ganzer Leib war wie der Zauberschleier,In dessen Falten alle Dinge wohnen:Er holte Tiere aus sich selbst hervor:Das Schaf, den Löwen, einen dummen TeufelUnd einen schrecklichen, und den, und jenen,Und dich und mich. Sein ganzer Leib war glühend,Von innerlichem Schicksal durch und durchWie Kohle glühend, und er lebte drinUnd sah auf uns, die wir in Häusern wohnen,Mit jenem undurchdringlich fremden BlickDes Salamanders, der im Feuer wohnt.

Er war ein wilder König. Um die HüftenTrug er wie bunte Muscheln aufgereihtDie Wahrheit und die Lüge von uns allen.In seinen Augen flogen unsre TräumeVorüber, wie von Scharen wilder VögelDas Spiegelbild in einem tiefen Wasser.

Hier trat er her, auf eben diesen Fleck,Wo ich jetzt steh, und wie im TritonshornDer Lärm des Meeres eingefangen ist,So war in ihm die Stimme alles Lebens:Er wurde groß. Er war der ganze Wald,Er war das Land, durch das die Straßen laufen.Mit Augen wie die Kinder saßen wirUnd sahn an ihm hinauf wie an den HängenVon einem großen Berg: in seinem MundWar eine Bucht, drin brandete das Meer.

Denn in ihm war etwas, das viele TürenAufschloß und viele Räume überflog:Gewalt des Lebens, diese war in ihm.Und über ihn bekam der Tod Gewalt!Blies aus die Augen, deren innrer KernBedeckt war mit geheimnisvollen Zeichen,Erwürgte in der Kehle tausend StimmenUnd tötete den Leib, der Glied für GliedBeladen war mit ungebornem Leben.

Hier stand er. Wann kommt einer, der ihm gleicht?Ein Geist, der uns das Labyrinth der Brust,Bevölkert mit verständlichen Gestalten,Erschließt aufs neu zu schauerlicher Lust?Die er uns gab, wir konnten sie nicht haltenUnd starren nun bei seines Namens KlangHinab den Abgrund, der sie uns verschlang.

AUF DEN TOD DES SCHAUSPIELERS HERMANN MÜLLER

Dies Haus und wir, wir dienen einer Kunst,Die jeden tiefen Schmerz erquicklich machtUnd schmackhaft auch den Tod.Und er, den wir uns vor die Seele rufen,Er war so stark! Sein Leib war so begabt,Sich zu verwandeln, daß es schien, kein NetzVermöchte ihn zu fangen! Welch ein Wesen!Er machte sich durchsichtig, ließ das WeißeVon seinem Aug die tiefste Heimlichkeit,Die in ihm schlief, verraten, atmeteDie Seele der erdichteten GeschöpfeWie Rauch in sich und trieb sie durch die PorenVon seinem Leib ans Tageslicht zurück.Er schuf sich um und um, da quollen WesenHervor, kaum menschlich, aber so lebendig –Das Aug bejahte sie, ob nie zuvorDergleichen es geschaut: ein einzig Blinzeln,Ein Atemholen zeugte, daß sie warenUnd noch vom Mutterleib der Erde dampften!Und Menschen! Schließt die Augen, denkt zurück!Bald üppige Leiber, drin nur noch im WinkelDes Augs ein letztes Fünkchen Seele glost,Bald Seelen, die um sich, nur sich zum DienstEin durchsichtig Gehäus, den Leib, erbauen:Gemeine Menschen, finstre Menschen, Könige,Menschen zum Lachen, Menschen zum Erschaudern –Er schuf sich um und um: da standen sie.Doch wenn das Spiel verlosch und sich der VorhangLautlos wie ein geschminktes AugenlidVor die erstorbne Zauberhöhle legteUnd er hinaustrat, da war eine BühneSo vor ihm aufgetan wie ein auf ewigSchlafloses aufgerißnes Aug, daranKein Vorhang je mitleidig niedersinkt:Die fürchterliche Bühne Wirklichkeit.Da fielen der Verwandlung Künste alleVon ihm, und seine arme Seele gingGanz hüllenlos und sah aus Kindesaugen.Da war er in ein unerbittlich SpielVerstrickt, unwissend, wie ihm dies geschah;Ein jeder Schritt ein tiefrer als der frühereUnd unerbittlich jedes stumme Zeichen:Das Angesicht der Nacht war mit im Bund,Der Wind im Bund, der sanfte Frühlingswind,Und allegegenihn! Nicht den gemeinen,Den zarten Seelen stellt das dunkle SchicksalFallstricke dieser Art. Dann kam ein Tag,Da hob er sich, und sein gequältes AugeErfüllte sich mit Ahnung und mit Traum,Und festen Griffs, wie einen schweren Mantel,Warf er das Leben ab und achteteNicht mehr, denn Staub an seines Mantels Saum,Die nun in nichts zerfallenden Gestalten.So denkt ihn. Laßt ehrwürdige MusikIhn vor euch rufen, ahnet sein GeschickUnd mich laßt schweigen, denn hier ist die Grenze,Wo Ehrfurcht mir das Wort im Mund zerbricht.

Dies Haus und wir, wir dienen einer Kunst,Die jeden tiefen Schmerz erquicklich machtUnd schmackhaft auch den Tod.

Und er, den wir uns vor die Seele rufen,Er war so stark! Sein Leib war so begabt,Sich zu verwandeln, daß es schien, kein NetzVermöchte ihn zu fangen! Welch ein Wesen!Er machte sich durchsichtig, ließ das WeißeVon seinem Aug die tiefste Heimlichkeit,Die in ihm schlief, verraten, atmeteDie Seele der erdichteten GeschöpfeWie Rauch in sich und trieb sie durch die PorenVon seinem Leib ans Tageslicht zurück.Er schuf sich um und um, da quollen WesenHervor, kaum menschlich, aber so lebendig –Das Aug bejahte sie, ob nie zuvorDergleichen es geschaut: ein einzig Blinzeln,Ein Atemholen zeugte, daß sie warenUnd noch vom Mutterleib der Erde dampften!Und Menschen! Schließt die Augen, denkt zurück!Bald üppige Leiber, drin nur noch im WinkelDes Augs ein letztes Fünkchen Seele glost,Bald Seelen, die um sich, nur sich zum DienstEin durchsichtig Gehäus, den Leib, erbauen:Gemeine Menschen, finstre Menschen, Könige,Menschen zum Lachen, Menschen zum Erschaudern –Er schuf sich um und um: da standen sie.Doch wenn das Spiel verlosch und sich der VorhangLautlos wie ein geschminktes AugenlidVor die erstorbne Zauberhöhle legteUnd er hinaustrat, da war eine BühneSo vor ihm aufgetan wie ein auf ewigSchlafloses aufgerißnes Aug, daranKein Vorhang je mitleidig niedersinkt:Die fürchterliche Bühne Wirklichkeit.Da fielen der Verwandlung Künste alleVon ihm, und seine arme Seele gingGanz hüllenlos und sah aus Kindesaugen.Da war er in ein unerbittlich SpielVerstrickt, unwissend, wie ihm dies geschah;Ein jeder Schritt ein tiefrer als der frühereUnd unerbittlich jedes stumme Zeichen:Das Angesicht der Nacht war mit im Bund,Der Wind im Bund, der sanfte Frühlingswind,Und allegegenihn! Nicht den gemeinen,Den zarten Seelen stellt das dunkle SchicksalFallstricke dieser Art. Dann kam ein Tag,Da hob er sich, und sein gequältes AugeErfüllte sich mit Ahnung und mit Traum,Und festen Griffs, wie einen schweren Mantel,Warf er das Leben ab und achteteNicht mehr, denn Staub an seines Mantels Saum,Die nun in nichts zerfallenden Gestalten.

So denkt ihn. Laßt ehrwürdige MusikIhn vor euch rufen, ahnet sein GeschickUnd mich laßt schweigen, denn hier ist die Grenze,Wo Ehrfurcht mir das Wort im Mund zerbricht.

VERSE ZUM GEDÄCHTNIS DES SCHAUSPIELERS JOSEF KAINZ

O hätt ich seine Stimme, hier um ihnZu klagen! Seinen königlichen Anstand,Mit meiner Klage dazustehn vor euch!Dann wahrlich wäre diese Stunde großUnd Glanz und Königtum auf mir, und mehrAls Trauer: denn dem Tun der KönigeIst Herrlichkeit und Jubel beigemengt,Auch wo sie klagen und ein Totenfest begehn.O seine Stimme, daß sie unter unsDie Flügel schlüge! – Woher tönte sie?Woher drang dies an unser Ohr? Wer sprachMit solcher Zunge? Welcher Fürst und DämonSprach da zu uns? Wer sprach von diesen BretternHerab? Wer redete da aus dem LeibDes Jünglings Romeo, wer aus dem LeibDes unglückseligen Richard PlantagenetOder des Tasso? Wer?Ein Unverwandelter in viel Verwandlungen,Ein niebezauberter Bezauberer,Ein Ungerührter, der uns rührte, einer,Der fern war, da wir meinten, er sei nah,Ein Fremdling über allen Fremdlingen,Einsamer über allen Einsamen,Der Bote aller Boten, namenlosUnd Bote eines namenlosen Herrn.Er ist an uns vorüber. Seine SeeleWar eine allzu schnelle Seele, undSein Aug glich allzusehr dem Aug des Vogels.Dies Haus hat ihn gehabt – doch hielt es ihn?Wir haben ihn gehabt – er fiel dahin,Wie unsre eigne Jugend uns entfällt,Grausam und prangend gleich dem Wassersturz.O Unrast! O Geheimnis, offenkundigesGeheimnis menschlicher Natur! O Wesen,Wer warest du? O Schweifender! O Fremdling!O nächtlicher Gespräche EinsamkeitMit deinen höchst zufälligen Genossen!O starrend tiefe Herzenseinsamkeit!O ruheloser Geist! Geist ohne Schlaf!O Geist! O Stimme! Wundervolles Licht!Wie du hinliefest, weißes Licht, und ringsIns Dunkel aus den Worten dir PalästeHinbautest, drin für eines Herzschlags FristWir mit dir wohnten – Stimme, die wir nieVergessen werden – o Geschick – o Ende –Geheimnisvolles Leben! Dunkler Tod!O wie das Leben um ihn rang und niemalsIhn ganz verstricken konnte ins GeheimnisWollüstiger Verwandlung! Wie erblieb!Wie königlich er standhielt! Wie er schmal,Gleich einem Knaben,stand! O kleine HandVoll Kraft, o kleines Haupt auf feinen Schultern,O vogelhaftes Auge, das verschmähte,Jung oder alt zu sein, schlafloses Aug,O Aug des Sperbers, der auch vor der SonneDen Blick nicht niederschlägt, o kühnes Aug,Das beiderlei Abgrund gemessen hat,Des Lebens wie des Todes – Aug desBoten!O Bote aller Boten, Geist! Du Geist!Dein Bleiben unter uns war ein Verschmähen,Fortwollender! Enteilter! Aufgeflogener!Ich klage nicht um dich. Ich weiß jetzt, wer du warst,Schauspieler ohne Maske du, Vergeistiger,Du bist empor, und wo mein Auge dichNicht sieht, dort kreisest du, dem Sperber gleich,Dem Unzerstörbaren, und hältst in FängenDen Spiegel, der ein weißes Licht herabwirft,Weißer als Licht der Sterne: dieses LichtesBote und Träger bist du immerdar,Und als des Schwebend-UnzerstörbarenGedenken wir des Geistes, der du bist.O Stimme! Seele! aufgeflogene!

O hätt ich seine Stimme, hier um ihnZu klagen! Seinen königlichen Anstand,Mit meiner Klage dazustehn vor euch!Dann wahrlich wäre diese Stunde großUnd Glanz und Königtum auf mir, und mehrAls Trauer: denn dem Tun der KönigeIst Herrlichkeit und Jubel beigemengt,Auch wo sie klagen und ein Totenfest begehn.

O seine Stimme, daß sie unter unsDie Flügel schlüge! – Woher tönte sie?Woher drang dies an unser Ohr? Wer sprachMit solcher Zunge? Welcher Fürst und DämonSprach da zu uns? Wer sprach von diesen BretternHerab? Wer redete da aus dem LeibDes Jünglings Romeo, wer aus dem LeibDes unglückseligen Richard PlantagenetOder des Tasso? Wer?Ein Unverwandelter in viel Verwandlungen,Ein niebezauberter Bezauberer,Ein Ungerührter, der uns rührte, einer,Der fern war, da wir meinten, er sei nah,Ein Fremdling über allen Fremdlingen,Einsamer über allen Einsamen,Der Bote aller Boten, namenlosUnd Bote eines namenlosen Herrn.

Er ist an uns vorüber. Seine SeeleWar eine allzu schnelle Seele, undSein Aug glich allzusehr dem Aug des Vogels.Dies Haus hat ihn gehabt – doch hielt es ihn?Wir haben ihn gehabt – er fiel dahin,Wie unsre eigne Jugend uns entfällt,Grausam und prangend gleich dem Wassersturz.

O Unrast! O Geheimnis, offenkundigesGeheimnis menschlicher Natur! O Wesen,Wer warest du? O Schweifender! O Fremdling!O nächtlicher Gespräche EinsamkeitMit deinen höchst zufälligen Genossen!O starrend tiefe Herzenseinsamkeit!O ruheloser Geist! Geist ohne Schlaf!O Geist! O Stimme! Wundervolles Licht!Wie du hinliefest, weißes Licht, und ringsIns Dunkel aus den Worten dir PalästeHinbautest, drin für eines Herzschlags FristWir mit dir wohnten – Stimme, die wir nieVergessen werden – o Geschick – o Ende –Geheimnisvolles Leben! Dunkler Tod!

O wie das Leben um ihn rang und niemalsIhn ganz verstricken konnte ins GeheimnisWollüstiger Verwandlung! Wie erblieb!Wie königlich er standhielt! Wie er schmal,Gleich einem Knaben,stand! O kleine HandVoll Kraft, o kleines Haupt auf feinen Schultern,O vogelhaftes Auge, das verschmähte,Jung oder alt zu sein, schlafloses Aug,O Aug des Sperbers, der auch vor der SonneDen Blick nicht niederschlägt, o kühnes Aug,Das beiderlei Abgrund gemessen hat,Des Lebens wie des Todes – Aug desBoten!O Bote aller Boten, Geist! Du Geist!Dein Bleiben unter uns war ein Verschmähen,Fortwollender! Enteilter! Aufgeflogener!

Ich klage nicht um dich. Ich weiß jetzt, wer du warst,Schauspieler ohne Maske du, Vergeistiger,Du bist empor, und wo mein Auge dichNicht sieht, dort kreisest du, dem Sperber gleich,Dem Unzerstörbaren, und hältst in FängenDen Spiegel, der ein weißes Licht herabwirft,Weißer als Licht der Sterne: dieses LichtesBote und Träger bist du immerdar,Und als des Schwebend-UnzerstörbarenGedenken wir des Geistes, der du bist.

O Stimme! Seele! aufgeflogene!

ZU EINER TOTENFEIER FÜR ARNOLD BÖCKLIN

(In die letzten Takte der Symphonie tritt der Prolog auf, seine Fackelträger hinter ihm. – Der Prolog ist ein Jüngling; er ist venezianisch gekleidet, ganz in Schwarz, als ein Trauernder.)

(In die letzten Takte der Symphonie tritt der Prolog auf, seine Fackelträger hinter ihm. – Der Prolog ist ein Jüngling; er ist venezianisch gekleidet, ganz in Schwarz, als ein Trauernder.)

Nun schweig, Musik! Nun ist die Szene mein,Und ich will klagen, denn mir steht es zu!Von dieser Zeiten Jugend fließt der SaftIn mir; und er, des Standbild auf mich blickt,War meiner Seele so geliebter Freund!Und dieses Guten hab ich sehr bedurft,Denn Finsternis ist viel in dieser Zeit,Und wie der Schwan, ein selig schwimmend Tier,Aus der Najade triefend weißen HändenSich seine Nahrung küßt, so bog ich michIn dunklen Stunden über seine HändeUm meiner Seele Nahrung: tiefen Traum.Schmück ich dein Bild mit Zweig und Blüten nur?Und du hast mir das Bild der Welt geschmücktUnd aller Blütenzweige LieblichkeitMit einem solchen Glanze überhöht,Daß ich mich trunken an den Boden warfUnd jauchzend fühlte, wie sie ihr GewandMir sinken ließ, die leuchtende Natur!Hör mich, mein Freund! Ich will nicht HeroldeAussenden, daß sie deinen Namen schreinIn die vier Winde, wie wenn Könige sterben:Ein König läßt dem Erben seinen ReifUnd einem Grabstein seines Namens Schall.Doch du warst solch ein großer Zauberer,Dein Sichtbares ging fort, doch weiß ich nicht,Was da und dort nicht alles von dir bleibt,Mit heimlicher fortlebender GewaltSich dunklen Auges aus der nächtigen FlutZum Ufer hebt – oder sein haarig OhrHinter dem Efeu horchend reckt,drum will ichNie glauben, daß ich irgendwo allein bin,Wo Bäume oder Blumen sind, ja selbstNur schweigendes Gestein und kleine WölkchenUnter dem Himmel sind: leicht daß ein Etwas,Durchsichtiger wie Ariel, mir im RückenHingaukelt, denn ich weiß: geheimnisvollWar zwischen dir und mancher KreaturEin Bund geknüpft, ja! und des Frühlings Au,Siehe, sie lachte dir so, wie ein WeibDen anlacht, dem sie in der Nacht sich gab!Ich meint um dich zu klagen, und mein MundSchwillt an von trunkenem und freudigem Wort:Drum ziemt mir nun nicht länger hier zu stehen.Ich will den Stab dreimal zu Boden stoßenUnd dies Gezelt mit Traumgestalten füllen.Die will ich mit der Last der TraurigkeitSo überbürden, daß sie schwankend gehn,Damit ein jeder weinen mag und fühlen:Wie große Schwermut allem unsern TunIst beigemengt.Es weise euch ein SpielDas Spiegelbild der bangen, dunklen Stunde,Und großen Meisters trauervollen PreisVernehmet nun aus schattenhaftem Munde!

Nun schweig, Musik! Nun ist die Szene mein,Und ich will klagen, denn mir steht es zu!Von dieser Zeiten Jugend fließt der SaftIn mir; und er, des Standbild auf mich blickt,War meiner Seele so geliebter Freund!Und dieses Guten hab ich sehr bedurft,Denn Finsternis ist viel in dieser Zeit,Und wie der Schwan, ein selig schwimmend Tier,Aus der Najade triefend weißen HändenSich seine Nahrung küßt, so bog ich michIn dunklen Stunden über seine HändeUm meiner Seele Nahrung: tiefen Traum.Schmück ich dein Bild mit Zweig und Blüten nur?Und du hast mir das Bild der Welt geschmücktUnd aller Blütenzweige LieblichkeitMit einem solchen Glanze überhöht,Daß ich mich trunken an den Boden warfUnd jauchzend fühlte, wie sie ihr GewandMir sinken ließ, die leuchtende Natur!Hör mich, mein Freund! Ich will nicht HeroldeAussenden, daß sie deinen Namen schreinIn die vier Winde, wie wenn Könige sterben:Ein König läßt dem Erben seinen ReifUnd einem Grabstein seines Namens Schall.Doch du warst solch ein großer Zauberer,Dein Sichtbares ging fort, doch weiß ich nicht,Was da und dort nicht alles von dir bleibt,Mit heimlicher fortlebender GewaltSich dunklen Auges aus der nächtigen FlutZum Ufer hebt – oder sein haarig OhrHinter dem Efeu horchend reckt,drum will ichNie glauben, daß ich irgendwo allein bin,Wo Bäume oder Blumen sind, ja selbstNur schweigendes Gestein und kleine WölkchenUnter dem Himmel sind: leicht daß ein Etwas,Durchsichtiger wie Ariel, mir im RückenHingaukelt, denn ich weiß: geheimnisvollWar zwischen dir und mancher KreaturEin Bund geknüpft, ja! und des Frühlings Au,Siehe, sie lachte dir so, wie ein WeibDen anlacht, dem sie in der Nacht sich gab!

Ich meint um dich zu klagen, und mein MundSchwillt an von trunkenem und freudigem Wort:Drum ziemt mir nun nicht länger hier zu stehen.Ich will den Stab dreimal zu Boden stoßenUnd dies Gezelt mit Traumgestalten füllen.Die will ich mit der Last der TraurigkeitSo überbürden, daß sie schwankend gehn,Damit ein jeder weinen mag und fühlen:Wie große Schwermut allem unsern TunIst beigemengt.Es weise euch ein SpielDas Spiegelbild der bangen, dunklen Stunde,Und großen Meisters trauervollen PreisVernehmet nun aus schattenhaftem Munde!

Gedruckt beiPoeschel & Treptein Leipzig

Gedruckt beiPoeschel & Treptein Leipzig


Back to IndexNext