SEELE

SEELE

O meine Seele!O meine allzusichre Seele!Und diese Herden von Wünschen in einem Treibhaus!Die eines Gewitters über den Wiesen harren!Tritt zu den Kränksten:Sie hauchen seltsame Dünste aus!Mir ist bei ihnen, als beträt ich mit meiner Mutter ein Schlachtfeld!Man begräbt einen Waffenbruder zur Mittagszeit,Indess' die Wachen ihr Mahl verzehren.Tritt auch zu den Schwächsten:Sie liegen in seltsamem Schweiss.Sieh hier eine kranke Braut,Dort einen Verrat am SonntagUnd kleine Kinder im Kerker.(Und weiter weg, durch all den Dunst)Ist's eine Sterbende an der Küchentür?Eine Krankenschwester, die am Sterbebett Gemüse liest?Tritt endlich zu den Traurigsten:(Zuletzt zu ihnen, denn sie sind vergiftet.)O meine Lippen spüren den Kuss von Verwundeten!Alle Schlossfräulein starben vor HungerDiesen Sommer in den Türmen meiner Seele!Sieh, der junge Tag tritt hinein in das Fest!Ich sehe Lämmer an den Ufern entlangUnd einen Schleier vor den Fenstern des Spitals!Ein weiter Weg ist es von meinem Herzen bis zu meiner Seele!Und alle Wachen sind auf ihrem Posten tot!Es war einmal ein armes kleines Fest in den Vorhöfen meiner Seele!Man mähte dort den Schierling eines Sonntag-Morgens;Und all die Jungfrau'n aus dem Kloster sahn die SchiffeAuf dem Kanal vorüberziehn; es war an einem sonn'gen Fasttag.Indess' die Schwäne litten unter einer gift'gen Brücke,Schlug man die Bäume rings um das Gefängnis.Man bracht' an einem Juni-Nachmittag Arznei,Und Krankenmahle breiteten sich aus nach allen Seiten!O meine Seele!Wie traurig ist das alles, meine Seele!Wie traurig alles!

O meine Seele!O meine allzusichre Seele!Und diese Herden von Wünschen in einem Treibhaus!Die eines Gewitters über den Wiesen harren!

Tritt zu den Kränksten:Sie hauchen seltsame Dünste aus!Mir ist bei ihnen, als beträt ich mit meiner Mutter ein Schlachtfeld!Man begräbt einen Waffenbruder zur Mittagszeit,Indess' die Wachen ihr Mahl verzehren.

Tritt auch zu den Schwächsten:Sie liegen in seltsamem Schweiss.Sieh hier eine kranke Braut,Dort einen Verrat am SonntagUnd kleine Kinder im Kerker.(Und weiter weg, durch all den Dunst)Ist's eine Sterbende an der Küchentür?Eine Krankenschwester, die am Sterbebett Gemüse liest?

Tritt endlich zu den Traurigsten:(Zuletzt zu ihnen, denn sie sind vergiftet.)O meine Lippen spüren den Kuss von Verwundeten!Alle Schlossfräulein starben vor HungerDiesen Sommer in den Türmen meiner Seele!

Sieh, der junge Tag tritt hinein in das Fest!Ich sehe Lämmer an den Ufern entlangUnd einen Schleier vor den Fenstern des Spitals!

Ein weiter Weg ist es von meinem Herzen bis zu meiner Seele!Und alle Wachen sind auf ihrem Posten tot!

Es war einmal ein armes kleines Fest in den Vorhöfen meiner Seele!Man mähte dort den Schierling eines Sonntag-Morgens;Und all die Jungfrau'n aus dem Kloster sahn die SchiffeAuf dem Kanal vorüberziehn; es war an einem sonn'gen Fasttag.Indess' die Schwäne litten unter einer gift'gen Brücke,Schlug man die Bäume rings um das Gefängnis.Man bracht' an einem Juni-Nachmittag Arznei,Und Krankenmahle breiteten sich aus nach allen Seiten!

O meine Seele!Wie traurig ist das alles, meine Seele!Wie traurig alles!


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