Während die Bauten[20]in und um Babylon und die Arbeiten auf den Schiffswerften, das Ausgraben des Hafenbassins, das Abtragen des Belturmes, das grandiose Gebäude des Scheiterhaufens für Hephaistion rasch gefördert wurden, ging Alexander mit einigen Schiffen den Euphrat hinab, um die großen Deicharbeiten an dem Pallakopas zu besichtigen. Dieser Kanal ist etwa zwanzig Meilen unterhalb Babylon aus dem Euphrat gen Westen gegraben und endet in einen See, der, von den Wassern des Stromes gespeist, sich längs der Grenze des arabischen Landes südwärts in einer Reihe von Sümpfen bis zum Persischen Meerbusen fortsetzt. Der Kanal ist für die Landschaft von unberechenbarer Wichtigkeit; wenn im Frühling die Wasser des Stromes zu schwellen beginnen und, während unter der Sommersonne der Schnee in den armenischen Bergen schmilzt, immer mächtiger und höher hinabfluten, würde die ganze Landschaft der Überschwemmung ausgesetzt sein, wenn nicht dem Strom durch die Kanäle und besonders durch den Pallakopas ein Abfluß gegeben wäre, der dann zugleich das Stromland schütztund den vom Strom entfernteren Gegenden die Segnungen der reichsten Wässerung bringt; wenn aber der Euphrat mit dem Herbste wieder abnimmt, ist es notwendig, den Kanal schnell zu schließen, weil sonst der Strom diesem kürzeren Wege, sich zu ergießen, folgen und sein Bett verlassen würde. Die Arbeit wird dadurch erschwert, daß die Stelle des Ufers, wo der Kanal beginnt, losen Grund hat, so daß die Aufschüttungen selbst außerordentliche Mühe machen und dann doch nicht genügenden Widerstand gegen die starke Strömung des Euphrat leisten; auch sind die Deiche des Kanals bei hohem Wasser stets der Gefahr, ganz zertrümmert zu werden, ausgesetzt, und es kostet ungeheure Arbeit, sie zu rechter Zeit zur Schließung des Kanals wiederherzustellen. So arbeiteten jetzt auf Befehl des Satrapen von Babylon zehntausend Menschen schon seit drei Monaten an diesen Deichen; Alexander fuhr hinab, die Arbeit zu besichtigen; er wünschte irgendeine Abhilfe jenes Übelstandes zu finden. Er fuhr weiter stromab, um das Ufer zu untersuchen; er fand eine Stunde unterhalb der Kanalmündung einen festen Uferrand, der allen Erwartungen entsprach; hier befahl er einen Kanal durchzubrechen und ihn nordwestlich in das alte Bett des Pallakopas zu führen, dessen Mündung dann für immer zugedämmt und verschüttet werden sollte; so hoffte er, werde es ebenso leicht sein, den Abfluß des Euphrat im Herbste zu sperren, wie ihn wieder mit dem Frühjahr zu öffnen. Um sich weiter von der Natur dieser Gegenden westwärts zu überzeugen, fuhr er zum Pallakopas zurück und durch diesen in den See und längs der arabischen Grenze; die Schönheit der Ufer, mehr noch die Wichtigkeit dieser Gegend bestimmten ihn, hier eine Stadt anzulegen, welche zugleich den Weg nach Arabien öffnete und Babylonien vor Überfällen der Beduinen schützte, da weiter südwärts bis zum Meerbusen der See und die Moräste das Stromland decken. Der Bau der Stadt und der Befestigungen wurde sogleich begonnen und griechische Söldner, teils Veteranen, teils Freiwillige, daselbst angesiedelt.
Indes war in Babylon der Bau des Scheiterhaufens für Hephaistion beendet, die großen Leichenspiele zu seinem Gedächtnis sollten beginnen; dies und das Eintreffen der neuen Truppen machten des Königs Rückkehr in seine Residenz notwendig. Der König, so wird erzählt, war um so weniger bedenklich zurückzukehren, da sich die Weissagungen der Chaldäer bereits bei seiner neulichen, freilich nur kurzen Anwesenheit in Babylon als nichtig erwiesen zu haben schienen. So begann die Rückfahrt; auf derselben sollten die Gräber der früheren babylonischen Könige, die in den Sümpfen erbaut waren, besucht werden. Alexander selbst stand am Steuer seines Schiffes und führte es in diesem durch Untiefen und Röhricht schwierigen Gewässer; ein plötzlicher Windstoß riß ihm die königliche Kausia, die er nach makedonischer Sitte trug, vom Haupt, und während sich das Diadem von derselben löste und hinwegflatternd in dem Röhricht bei einem alten Königsgrabe hängenblieb, sank sie selbst unter und ward nicht wiedergefunden; das Diadem aber zu holen, schwamm ein phönikischer Matrose, der sich auf dem Schiffe befand, hinüber, und band es, um bequemer schwimmen zu können, um seine Schläfe; — ein schweres Zeichen, das Diadem um eines fremden Menschen Haupt! Die Zeichendeuter, die der König jetzt stets in seiner Nähe hatte, beschworen ihn, das Zeichen zu zerstören und den Unglücklichen zu enthaupten; Alexander, so heißt es, ließ den Matrosen züchtigen, weil er des Königs Diadem gering genug geachtet, es um seine Stirn zu binden; er gab ihm aber ein Talent zum Geschenk, weil er schnell und kühn das Zeichen des Königtums zurückgebracht hatte.
Bei seiner Rückkehr nach Babylon fand Alexander die neuen Truppen, die er erwartet hatte. Peukestas, der Satrap von Persien, hatte 20 000 Perser und außerdem eine bedeutende Zahl von Kossäern und Tapuriern, die zu den streitbarsten Stämmen Persiens gehören, hergeführt; von Karien war Philoxenos mit einem Heere, mit einem zweiten Menandros von Lydien, Menidas mit den Reitern aus Makedonien, die er bringen sollte, eingetroffen. Namentlich die persischen Mannschaften empfing der König mit großer Freude; er belobte den Satrapen wegen ihrer vortrefflichen Haltung und die Leute wegen der Bereitwilligkeit, mit der sie seinem und des Satrapen Aufruf gefolgt seien.
Überaus merkwürdig ist die neue Formation, die er mit dem Eintritt dieser asiatischen Truppen seinem Fußvolke oder doch einem Teile desselben gab. Bisher hatte es in dem makedonischen Heer kein Korps von kombinierten Waffen, keine Armee im kleinen gegeben; wenn auch fast für jede Aktion Infanterie und Kavallerie, leichte und schwere, mit- und nebeneinander verwandt worden waren, sie wurden nur für diesen Fall kombiniert und blieben getrennte Waffen. Die neue Formation gab den bisherigen Charakter der Phalanx auf; sie schuf eine Kombination von Schwerbewaffneten, Peltasten und leichtem Fußvolk, mit der sich eine völlig neue Art der Taktik ergab. Hatte bisher jede Taxis der Phalanx aus sechzehn Gliedern Hopliten bestanden, so wird jetzt die Rotte so gebildet, daß im ersten Gliede der Dekadarch, der sie kommandiert, ein Makedone, im zweiten ein makedonischer Doppelsöldner, im dritten ein altgedienter Makedone (Dekastateros), ein gleicher im sechzehnten Gliede als Uragos steht; die zwischen ihnen stehenden Glieder 4 bis 15 sind Perser, teils Akontisten, die einen Speer mit Wurfriemen führen, teils Bogenschützen. Waren es jene 20 000 Perser, die so eingereiht wurden, so bildeten sie mit den Makedonen, denen sie zugeteilt waren, ein Korps von reichlich 26 000 Mann, also, die unvermeidlichen Manquements abgerechnet, etwa 12 Taxen, jede zu 125 Mann Front. Es blieb mit dieser Formation der Anmarsch in geschlossener Masse; dann zum Gefecht entwickelte sich die Phalanx zu drei Treffen, es deployierten rechts und links durch die Intervalle die Bogenschützen zum ersten Fernangriff, es folgten die Speerwerfer; die ersten drei Glieder und das letzte blieben als Triarier oder richtiger als Soutien zurück, und wenn die Bogenschützen und Akontisten nach ihrem Tirailleurgefecht sich durch die Intervalle und in ihre Glieder zurückgezogen, ging das Ganze in geschlossener Masse auf den schon erschütterten Feind los. Die Taktik dieser neuen Formation verband alle Vorzüge der italischen Legion in ihrer Manipularordnung mit den wesentlichen der früheren Phalanx: Massenwirkung und Beweglichkeit, — für die leichten Truppen schnellste Verwendbarkeit gegen den angreifendenFeind und sichere Deckung während des Handgemenges, — die Phalangen immer noch wandelnde Kastelle, aber solche, die von sich selber aus Ausfälle der leichten Truppen möglich machten und so den weiteren Rayon beherrschten, den diese hervorbrechend mit ihren Pfeilen bestreichen konnten.
Schon diese Neuordnung, die im Hinblick auf die Völker Italiens gemacht schien, mußte auffallen; dazu kamen Gerüchte, daß in die Provinzen des Mittelmeeres Befehle zur Rüstung unzähliger Schiffe gesandt seien, Gerüchte von Kriegszügen nach Italien, Sizilien, Iberien, Afrika. Es schien in der Tat, als ob, während die Flotte gegen die Küstenländer Arabiens in See gehen sollte, das Landheer durch Arabien oder auf welchem Wege sonst gen Westen ziehen werde, die Barbaren des Abendlandes, die Feinde des Griechentums in Afrika und Italien zu unterwerfen.
Das Einrangieren der neuen, namentlich persischen Mannschaften leitete Alexander selbst; es geschah im königlichen Garten, der König saß auf dem goldenen Thron, mit dem Diadem und im königlichen Purpur; zu beiden Seiten die Getreuen auf niedrigeren Sesseln mit silbernen Füßen; hinter diesen in gemessener Entfernung die Eunuchen, nach morgenländischem Brauch mit gekreuzten Armen, in medischer Tracht; Schar auf Schar zogen dann die neuen Truppen vorüber, wurden gemustert und an die Phalangen verteilt. So mehrere Tage; an einem derselben war der König, von den Anstrengungen ermüdet, vom Throne aufgestanden, und nachdem er Diadem und Purpur auf demselben zurückgelassen, zu einem Bassin im Garten gegangen, um ein Bad zu nehmen; nach der Hofsitte folgten die Getreuen, während die Eunuchen an ihren Plätzen blieben. In kurzer Frist kam ein Mensch daher, schritt ruhig durch die Reihen der Eunuchen, die ihn nach persischer Sitte nicht hindern durften, stieg die Stufen des Thrones hinauf, schmückte sich mit dem Purpur und Diadem, setzte sich an des Königs Stelle, blickte stier vor sich hin; die Eunuchen zerrissen ihre Kleider, sie schlugen sich Brust und Stirn und wehklagten über das furchtbare Zeichen. Gerade jetzt kam der Königzurück, er erschrak vor seinem Doppelgänger auf dem Thron; er befahl, den Unglücklichen zu fragen, wer er sei, was er wolle. Der blieb regungslos sitzen, sah stier vor sich hin; endlich sprach er: »Ich heiße Dionysios und bin von Messene; ich bin verklagt und in Ketten vom Strand hierher gebracht; jetzt hat der Gott Sarapis mich erlöst und geboten, Purpur und Diadem zu nehmen und still hier zu sitzen.« Er ward auf die Folter gebracht, er sollte bekennen, ob er verbrecherische Absichten hege, ob er Genossen habe; er blieb dabei, es sei ihm von dem Gott geheißen. Man sah, des Menschen Verstand war gestört; die Wahrsager forderten seinen Tod.
Es mochte im Mai des Jahres 323 sein, die Stadt Babylon war voll kriegerischen Lebens; die Tausende der neuen Truppen, voll Begier nach dem Feldzuge, in dem sie ihre erste Waffenprobe machen sollten, übten sich, in der neuen Ordnung zu fechten; die Flotte, die bereits unter Tau und Segel war, lief fast täglich, unter großem Zulauf von Zuschauern aus der Residenz, von ihrer Station aus, um sich im Steuern und Rudern zu üben; der König selbst war meist zugegen und verteilte an die Sieger im Wettkampf Lob und goldene Kränze. Man wußte, daß demnächst der Feldzug eröffnet werden würde; man glaubte, daß sich an die Leichenfeier für Hephaistion die üblichen Opfer und Gastmähler anschließen würden, bei denen der König den Beginn der neuen Kriegsoperationen zu verkünden pflegte.
Unzählige Fremde waren zu der Feier herbeigeströmt, unter diesen Gesandtschaften aus Hellas, die infolge der Beschlüsse, dem Könige göttliche Ehren zu erweisen, den Charakter von heiligen Theoren angenommen hatten, als solche vor dem König erschienen und anbetend nach hellenischem Brauch die goldenen Kränze weihten, mit denen die Staaten der Heimat den Gott-König zu ehren wetteiferten. Dann kehrten auch des Königs Theoren aus dem Ammonion zurück, die angefragt hatten, wie der Gott gebiete, daß Hephaistion geehrt werde; sie brachten die Antwort, man solle ihm wie einem der Heroen opfern. Nach Empfang dieser Botschaft befahl der König, die Totenfeier und die ersten Opfer für den Heros Hephaistion zu begehen.
Es war ein Teil der Mauern Babylons abgetragen; dort erhob sich in fünf Absätzen, bis zu einer Höhe von zweihundert Fuß emporgetürmt, das Prachtgebäude des Scheiterhaufens, zu dem der König zehntausend Talente bestimmt, die Freunde, die Großen, die Gesandten, die Babylonier zweitausend Talente hinzugefügt hatten; das Ganze leuchtete von Gold und Purpur, von Gemälden und Bildhauerwerken; auf der Höhe des Gebäudes standen Sirenenbilder, aus denen herab die Trauerchöre für den Toten erklangen. Unter Totenopfern, Trauerzügen und Klagegesängen ward der Scheiterhaufen den Flammen übergeben; Alexander war zugegen, vor seinen Augen sank das wundervolle Werk in Flammen lodernd zusammen und ließ nichts zurück als Zerstörung und Öde und Trauer um den Verlorenen. Dann folgten die Opfer zu Ehren des Heros Hephaistion; Alexander selbst weihte dem erhöhten Freunde die ersten Spenden, zehntausend Opferstiere wurden zu seinem Gedächtnis geopfert und an das gesamte Heer, das der König zum Festmahl geladen, verteilt.
Andere Festlichkeiten füllten die nächsten Tage; der König opferte, denn schon war der Tag zur Abfahrt der Flotte und zum Beginn des arabischen Feldzuges bestimmt, den Göttern, denen er pflegte, in üblicher Weise; er opferte dem guten Glücke, er opferte nach der Weisung seiner Wahrsager auch den Göttern, die dem Übel wehren. Und während das gesamte Heer bei dem Opfermahl und dem Weine, den der König spendete, fröhlich war, hatte er die Freunde bei sich zum Abschiedsmahle versammelt, das er seinem Admiral Nearchos gab. Dies war am 15. Daisios gegen Abend; als die meisten Gäste schon hinweg waren, kam der Thessaler Medios, einer der Hetairen, und bat den König, noch einer kleinen Gesellschaft bei ihm beizuwohnen, es werde ein heiteres Gelag sein. Alexander hatte den edlen Thessaler gern, er ging mit ihm; die Fröhlichkeit der vertrauten Männer heiterte auch ihn auf; er trank ihnen der Reihe nach zu; gegen Morgen trennte man sich, man versprach, sich am nächsten Abend wiederzufinden.
Alexander ging heim, badete, schlief bis spät am Tage; zurAbendtafel ging er wieder zu Medios, man trank wieder fröhlich bis tief in die Nacht. Unwohl kehrte der König zurück; er badete, aß ein wenig, legte sich fiebernd zur Ruhe. Am Morgen des 17. Daisios fühlte er sich sehr unwohl; durch die Gemütsbewegungen der jüngsten Zeit, durch die Gelage, die in den letzten Tagen schnell aufeinander gefolgt waren, für eine Krankheit nur zu empfänglich, wurde er von dem Fieber außerordentlich angegriffen; er mußte sich auf seinem Lager zum Altare tragen lassen, um dort das Morgenopfer, wie er jeden Tag pflegte, zu halten; dann lag er im Männersaale auf dem Ruhebett, ließ die Befehlshaber hereinkommen, gab ihnen die nötigen Befehle für den Aufbruch; das Landheer sollte am 21. aufbrechen, die Flotte, mit der er selbst fahren werde, den Tag darauf. Dann ließ er sich gegen Abend auf seinem Ruhebette zum Euphrat hinabtragen, auf ein Schiff bringen, zu den Gärten jenseits fahren; dort nahm er ein Bad; unter Fieberschauern brachte er die Nacht zu.
Am anderen Morgen nach dem Bade und dem Morgenopfer ging er in sein Kabinett und lag dort den Tag über auf dem Ruhebett; Medios war bei ihm und suchte ihn mit Gesprächen aufzuheitern; der König beschied die Anführer für den nächsten Morgen vor sich; nachdem er wenig zu Nacht gegessen, legte er sich zur Ruhe; das Fieber nahm zu, des Königs Zustand verschlimmerte sich; die Nacht hindurch war er ohne Schlaf.
Am Morgen des 19., nach dem Bade und dem Opfer, wurde Nearchos und die übrigen Offiziere der Flotte vorgelassen; der König eröffnete ihnen, daß seiner Krankheit wegen die Abfahrt um einen Tag verschoben werden müsse, daß er jedoch bis dahin so weit wiederhergestellt zu sein hoffe, um den 22. zu Schiffe gehen zu können. Er blieb im Badezimmer; Nearch mußte sich an sein Lager setzen und von seiner Fahrt auf dem Ozean berichten; Alexander hörte mit Aufmerksamkeit zu; er freute sich, bald ähnliche Gefahren selbst zu durchleben. Indes verschlimmerte sich sein Zustand, die Heftigkeit des Fiebers wuchs; dennoch berief er am Morgen des 20. nach dem Bade und Opfer die Offiziere der Flotte, befahl, auf den 22. alles zu seinemEmpfang auf den Schiffen und zur Abfahrt bereitzuhalten. Nach dem Bade am Abend neue heftige Fieberschauer; des Königs Kräfte schwanden sichtlich; es folgte eine schlaflose, qualvolle Nacht. Am Morgen ließ sich Alexander im heftigsten Fieber hinaus vor das große Bassin tragen und hielt mit Mühe das Opfer; dann ließ er die Offiziere vor, gab noch einige Befehle über die Fahrt der Flotte, besprach sich mit den Strategen über die Besetzung einiger Offizierstellen, übertrug ihnen die Auswahl der zu Befördernden mit der Ermahnung, streng zu prüfen.
Es kam der 22., der König lag schlecht danieder; er ließ sich dennoch zum Altare tragen, opferte; er befahl, daß die Abfahrt der Flotte verschoben werde. Es folgte eine traurige Nacht; kaum vermochte der König am anderen Morgen noch zu opfern; er befahl, daß sich die Strategen in den Vorzimmern des Schlosses versammeln, daß die Chiliarchen und Pentakosiarchen im Schloßhofe beisammen bleiben sollten; er ließ sich aus den Gärten zurück in das Schloß tragen. Mit jedem Augenblicke wurde er schwächer; als die Strategen eintraten, erkannte er sie zwar noch, vermochte aber nicht mehr zu sprechen. Diese Nacht, den folgenden Tag, die folgende Nacht währte das Fieber, der König lag sprachlos.
Die Überlieferungen von dem Eindruck, den des Königs Krankheit im Heere und in der Stadt hervorgebracht, sind glaublich genug. Die Makedonen drängten sich um das Schloß, sie verlangten ihren König zu sehen; sie fürchteten, er sei schon tot und man verhehle es; sie ließen mit Wehklagen, mit Drohungen und Bitten nicht ab, bis man ihnen die Tür öffnete; sie gingen dann alle nacheinander an ihres Königs Lager vorbei, und Alexander hob das Haupt ein wenig, reichte jedem die Rechte, winkte mit dem Auge seinen Veteranen den Abschiedsgruß. Denselben Tag, es war der 27. Daisios[21], gingen Peithon, Peukestas, Seleukos, andere in den Tempel des Sarapis und fragten den Gott, ob es dem Könige besser sei, wenn er sich in den Tempel des Gottes bringen lasse und zu dem Gotte bete; ihnen ward dieAntwort: »Bringet ihn nicht; wenn er dort bleibt, wird ihm bald besser werden.« Tags darauf, am 28. Daisios gegen Abend, starb Alexander.
Noch zahlreiche andere Überlieferungen gibt es von den Vorgängen dieser letzten Tage; sie sind unzuverlässig, zum Teil sichtlich in guter oder böser Absicht erfunden. Insonderheit wird durch keine sichere Angabe bestätigt, daß Alexander auf seinem Sterbelager über die Nachfolge im Reich, über die Form der Regentschaft, über die notwendigen nächsten Maßregeln irgend etwas durch Worte oder Zeichen bestimmt habe. Tat er es nicht, so wird er die Klarheit und Spannkraft des Geistes, zu erkennen, was sein Tod bedeuten werde, schon nicht mehr gehabt haben, als er zu empfinden begann, daß er nahe. Jener stumme Abschied von seinen Makedonen bezeichnet wohl die letzten, nur noch halbwachen Regungen seines verklingenden Bewußtseins; die Agonien, die dann folgten, mögen die trostlose Zukunft dessen, was er geschaffen und gewollt, seinem brechenden Auge entrückt haben.
Mit seinem letzten Atemzuge begann der Hader seiner Großen, die Meuterei seines Heeres, das Zusammenbrechen seines Hauses, der Untergang seines Reiches.
διαπεφρούρηται βίος.
Fußnote 1 der Einleitung:
Es wird für die Leser dieses Buches von Interesse sein, daß während des Weltkrieges deutscher Forschung im fernen Asien eine nicht unwichtige Bereicherung unserer Kenntnis der Alexander-Zeit gelungen ist: Die Expedition Hentig, die 1915 in Afghanistan weilte, hat — wie kürzlich mitgeteilt wurde — die Lage der von Alexander in diesem Lande gegründeten Griechenstädte zum ersten Male einwandfrei festgestellt.
Zum ersten Buch
Anmerkung 1 zu Seite 70:
Über diemakedonische Verfassungist wenig bekannt. Außer den im Text angeführten Einzelheiten sind noch folgende Punkte bemerkenswert.
Wenn sich das makedonische Königshaus dorischen Ursprungs rühmt, so findet sich doch von dorischen Phylen im Volk und Adel des Landes keine Spur. Dagegen tritt die Teilung nach Landschaften merklich hervor. Das makedonische Königshaus ist, wie sich aus den S. 69 angeführten Worten des Aristoteles ergibt, nicht beschränkt wie in Sparta und Epeiros; es regiertβασιλικῶς, οὐ τυραννικῶς, Isokr. Phil. 175, wie denn Kallisthenes (bei Arr. IV, 11, 6) von den Königen sagt:οὐ βίᾳ, ἀλλὰ νόμῳ Μακεδόνων νων ἄρχοντες διετέλεσαν. Noch Polybios führt ein Beispiel an, wie frei sich die Makedonen ihren Königen gegenüber verhielten, und fügt hinzu (V. 27, 6):εἶχον γὰρ ἀεὶ τὴν τοιαύτην ἰσηγορίαν Μακεδόνες πρὸς τοὺς βασιλεῖς. Die Könige nahmen in die Zahl der Hetären auch Fremde auf (Arr. I, 15, 6) und Theopomp. Fr. 249 sagt von König Philipp II:οἱ ἑταῖροι αὐτοῦ ἐκ πολλῶν τόπων συνεῤῥυηκότες—οἱ μὲν γὰρ ἐξ αὐτῆς τῆς χώρας, οἱ δὲ ἐκ Θετταλίας, οἱ δὲ ἐκ τῆς ἄλλης Ἑλλάδος, οὐκ ἀριστίνδον ἐξειλεγμένοι. Nach demselben besaßen die 800 Hetären Philipps so viel Land wie 10 000 Hellenen; also Makedonien hatte noch große Güter in Menge, die es in der hellenischen Welt, wenigstens der innerhalb der Thermopylen, nicht mehr gab.
Anmerkung 2 zu Seite 81:
Olympiasist die Tochter des Neoptolemos, der schon in der Urkunde des attischen Seebundes von 377 mit seinem Vater Alketas genannt wird. Nach Alketas' Tod teilte Neoptolemos mit seinem Bruder Arybbas nach kurzer gemeinsamer Regierung das Königtum der Molosser, und als Neoptolemos starb, übernahm Arybbas die Vormundschaft für dessen Kinder Olympias und Alexandros. Olympias wurde 357 Philipps Gemahlin, bald war auch Alexandros am Hofe zu Pella. Schon 352 fand Philipp Anlaß zum Kriege gegen Arybbas; dann als Alexandros zwanzig Jahre alt war, veranlaßte er ihn, die Waffen gegen ihn zu erheben, während Arybbas nach Athen geflüchtet den Befehl an die attischen Strategen erwirkte, ihn und seine Kinder wieder in den Besitz der Herrschaft zu setzen. Damals eroberte Philipp auch die Städte in der Kassopia am ambrakischen Meerbusen und übergab sie dem Alexandros. Arybbas scheint bald gestorben zu sein; von seinen Söhnen Alketas und Aiakides ist die nächsten fünfzehn Jahre nicht die Rede. — Nach den »Gesch. des Hell.« II22, S. 354 gegebenen Nachweisen ist Alexander Olympias' Sohn 356 nach dem 24. September und vor Mitte Dezember geboren. Daß Philipp mit der Nachricht von dieser Geburt zugleich die von drei Siegen, dem in den Olympien, dem über die Dardaner und dem über Poteidaia, das sich ergeben mußte, erhalten, ist wenigstens in betreff des ersten sicher aus dem Stegreif erfunden, da die Olympien um den ersten Vollmond nach der Sommersonnenwende, also spätestens Ende Juli gefeiert wurden. — Für die ehelichen Verhältnisse Philipps ist die einzig eingehende Angabe die des Satyros bei Athen. XII, 557; wenigstens ergibt sich aus dessen Worten,daß Olympias für seine rechte und eigentliche Gemahlin galt; von den anderen nennt Satyros vor ihr die Illyrierin Audata, die (Elymiotin) Phila, die beiden Thessalerinnen Nikasipolis und Philinna; er nennt nach ihr die »Thrakerin« Meda und des Artalos Nichte Kleopatra, beide mit der Bezeichnungἐπεισήγαγε τῇ Ὀλυμπιάδι. Philinna, des Arrhidaios Mutter, galt nicht als rechtmäßige Gemahlin, auch wohl Nikasipolis nicht. Möglich, daß die beiden anderen vor 356 gestorben waren.
Anmerkung 3 zu Seite 101:
DasFürstentum der Paionenin dieser Zeit ist nicht völlig sicher. Bezeugt ist der Bestand desselben in den ersten Jahren des König Philipps II. durch Diod. XVI, 22 und C. I. A. II, 66, Urkunde des Bündnisses der Athener mit Ketriporis dem Thraker und seinen Brüdern, Grabos dem Illyrier und Lykkeios dem Päonen (Lykpeios heißt er auf seinen Münzen, obschon auch solche mitΛΥΚΚΕΙΟΥvorzukommen scheinen); von diesen drei Fürsten sagt Diodor, daß Philipp sie besiegt habeκαὶ ἠνάγκασε προςθέσθαι τοῖς Μακεδόσι. Ob das Fürstentum im päonischen Lande damit aufhörte oder weiter bestand, läßt sich nach den bis jetzt bekannten Materialien nicht entscheiden. Dann wird 310 wieder ein König der Päonen erwähnt (Diod. XX, 19), Audoleon, der Sohn des Patraos; von Audoleon gibt es Tetradrachmen mitΑὐδολέοντος βασιλέωςganz mit dem Gepräge der von Alexander und nach dessen Münzfuß; andere Münzen von ihm (ohneβασιλέως) sowie von seinem Vater folgen nicht dem makedonischen Münzfuß, ein sicherer Beweis für ihr loses Verhältnis zum Reich. Daß Audoleons Sohn, dem Lysimachos um 282 sein Fürstentum entriß, Ariston hieß wie der Führer der päonischen Reiter in Alexanders Heer, legt die Vermutung nahe, daß dieser zum Fürstenhause gehörte, das Fürstentum also wohl auch in Alexanders Zeit bestand (Arr. I, 5, 1). Doch hat H. Droysen darauf aufmerksam gemacht, daß auf den schönen Didrachmen des Patraos der von dem päonischen Reiter niedergestoßene Feind durch seinen Hut und Schild als Makedone bezeichnet ist.
Zum zweiten Buch
Anmerkung 4 zu Seite 135:
DasHeer Alexandersläßt sich nach seiner Zusammensetzung und der Truppenstärke der verschiedenen Waffen nur noch ungefähr bestimmen, worüber der Nachweis im Hermes XII, 266 ff. gegeben worden ist. In den überlieferten Bezeichnungen der Truppenteile vermischen sich drei Elemente:
Nach dem Gesichtspunkt der Nationalität hat die Armee: 1. Makedonen, die in der schweren Reiterei sowie im schweren Fußvolk nach Landschaften formiert sind. 2. Hellenen, teilweise gleichfalls nach Landschaften bezeichnet. 3. Barbaren: Thraker, Päonen, Agrianer, Odryser.
Nach dem Gesichtspunkt des Dienstverhältnisses enthält die Armee: 1. Untertanen des Königs, edel und unedel, die teils nach einer Art Lehnspflicht, teils, wie es scheint, als stehende Truppen, teils nach allgemeiner Wehrpflicht im Aufgebot dienen. 2. Bundesgenossen, die von verbündeten Städten und Fürsten vertragsmäßig als Kontingente gestellt werden. 3. Söldner, hellenische und nichthellenische, die sich durch den Werbevertrag verpflichten zu dienen. Aus unseren Materialien ist nicht zu erkennen, inwieweit die Thraker, Odryser, Päonen, Agrianer Söldner oder Bundesgenossen sind.
Nach dem Gesichtspunkt der Waffenart ergibt sich folgende Übersicht, deren Zahlenangaben im Hermes gerechtfertigt sind:
Außer den in obigem Verzeichnis angeführten Truppenteilen war in der Armee noch ein kleines Korpsοἱ βασιλικοὶ παῖδεςoderβασιλικοὶ σωματοφύλακες, die jungen Edelleute, unter Führung des Seleukos; sie bilden eine Abteilung in dem Korps der Hypaspisten.
Mit dem gleichen Namenσωματοφύλακεςwerden die Sieben genannt, welche gleichsam die Generaladjutanten des Königs sind und gelegentlich zur Führung von Phalangen, von kombinierten Truppen usw. verwendet werden.
Aus Arr. III, 19, 5 ergibt sich, daß die thessalischen Ritter als Bundesgenossen dienen, sie stehen unter einem makedonischen Hipparchen (zuerst Kalas, des Harpalos Sohn), wie die Reiterkontingente der hellenischen Staaten (unter Philippos, des Menelaos Sohn).
Daß die Kontingente der Bündner an Fußvolk unter einem makedonischen Strategen stehen (zuerst Antigonos), ebenso die hellenischen Söldner zu Fuß (unter Menandros), während Bündner wie Söldner in den Schlachten nicht als besondere Korps von Hopliten und Peltasten erscheinen, läßt auf die Art, wie die Phalanx formiert wird, schließen: nämlich so, daß soundso viele Lochen (Bundesgenossen wie Söldner) Schwerbewaffnete je einer der sechs makedonischen Taxeis zugeordnet und von deren Strategen kommandiert werden; wahrscheinlich ist ebenso mit den Peltasten der Kontingente und der Söldner verfahren worden.
Anmerkung 5 zu Seite 153:
Das Schlachtfeld am Granikosist durch eine Skizze, die H. Kiepert 1842 an Ort und Stelle aufgenommen hat, sichergestellt. Er fand dicht unterhalb der Stelle, wo der Weg vom Hellespont nach Brussa den Bigha-Tschai (Granikos) überschreitet, dessen altes Bett an der Abendseite einer Bodenschwellung, die sich gegen sechs Kilometer nordostwärts hinzieht und mit einem Steilrand von 10-13 Meter gegen den alten Flußlauf, der zu einem Sumpfsee (Edje-Gö) geworden ist, abfällt.
DieZeit der Schlachtist nicht genau zu bestimmen; Plutarch nennt (Cam. 19) den Thargelion als den Monat der Schlacht; er erzählt (Alex. 16), dem Könige sei geraten worden, die Schlacht zu verschieben, da es gegen den makedonischen Brauch sei, im Monat Daisios zu schlagen (ἐξάγειν τὴν στρατιάν), worauf Alexander befohlen habe, den Monat als den zweiten Artemisios zu bezeichnen. Daß der Artemisios der makedonische Schlachtmonat gewesen sei, ist sonst nicht überliefert; und die Gleichsetzung des attischen Thargelion mit dem makedonischen Daisios kann nur sehr bedingterweise für zutreffend gelten.
Anmerkung 6 zu Seite 191:
Die Alex. I2, 1 S. 235 geäußerte Vermutung, daß auch einKoinon der ionischen Städtebegründet worden, ist bereits durch zwei Inschriften bestätigt. In der einen, der sehr umfangreichen Urkunde, in der der König Antigonos (also zwischen 306-301) den Synoikismos von Lebedos und Theos anordnet, wird u. a. die Art, wie von ihnen gemeinsam die Feier der Panionien beschickt werden soll, bestimmt (Le Bas-Waddington II Nr. 86). Die andere (Arch. Zeit. 1872 S. 188) ist aus Smyrna, und ihr Anfang lautet:ἔδοξεν Ἰώνων τῷ κοινῷ τῶν τρισκαίδεκα πόλεων, ἐπειδὴ Ἱππόστρατος Ἱπποδάμου Μιλήσιος φίλος ὢν τοῦ βασιλέως Λυσιμάχου καὶ στρατηγὸς ἐπὶ τῶν πόλεων τῶν Ἰάδων κατασταθεὶςusw. Damit erhält die Angabe Strabos XIV S. 644, daß auf dem Isthmos zwischen Erythrai und Teos dem Alexander ein Hain geweiht seiκαὶ ἀγὼν ἀπὸ τοῦ κοινοῦ Ἰώνων Ἀλεξάνδρεια καταγγέλλεται συντελούμενος ἐνταῦθαihre volle Bedeutung.
Anmerkung 7 zu Seite 207:
Das Schlachtfeld von Issosist in neuerer Zeit von Favre und Mandrot besucht und genauer als früher gezeichnet worden. Die Zeit der Schlacht ist nach Arrian II, 11, 10 der Maimakterion des Archonten Nikostratos, also etwa November 333.
Anmerkung 8 zu Seite 242:
Über Alexanders Verhalten gegenJerusalem und Samariaist es bei dem gänzlichen Schweigen glaubwürdiger Schriftsteller unmöglich, Sicheres zu finden. Was im Text angegeben ist, findet sich im Josephus Ant. XI, 8, 2-7. Die talmudische Überlieferung (Derenbourg, Essai sur l'histoire et la géographie de la Palestine, Paris 1867, S. 71) nennt als den Hohenpriester dieses Vorganges den berühmtenSimeon, den Gerechten, den Enkel des Jaddua; während die samaritanische Tradition denselben Vorgang von dem samaritanischen Hohenpriester Hiskiah erzählt. Nach Josephus ist Sanballat ein Kuthaier wie die Bevölkerung von Samaria, und er hat seine Tochter an Manasse, den Bruder des Jaddua, vermählt, der, eben dieser Ehe wegen von den Juden ausgetrieben, ihn veranlaßt, einen Tempel auf dem Berge Garizim zu errichten und ihn zum Hohenpriester desselben zu bestellen; Sanballat hat sich nach dem Siege von Issos den Makedonen zugewandt, ist, bevor Alexander nach Gaza gezogen, gestorben. Nach der talmudischen Tradition haben die Kuthaier von Samaria bei Alexander um die Erlaubnis gebeten, den Tempel in Jerusalem zu zerstören, worauf die Juden in jenem feierlichen Zuge vor ihm erschienen sind und die Erlaubnis erwirkt haben, ihrerseits den Tempelin Garizim zu zerstören. In der Tat ist dieser Tempel erst viel später, zur Zeit des Johannes Hyrkanos, zerstört worden. Nach Hekataios (Joseph. contra Apionem II, 4) hat Alexanderτὴν Σαμαρεῖτιν χώρανtributfrei den Juden überlassen; vielleicht sind nur die drei Toparchien gemeint, von denen 1. Makk. 11, 28 u. 34 die Rede; aber danach mit Graetz (Geschichte der Israeliten 1876, S. 224) in dem Fragment des Hekataios zu emendieren, scheint zu gewagt. — Aus Arrian II, 13, 7 ergibt sich, daß, nachdem Parmenion Damaskos genommen, Menon des Kerdimmas Sohn zum Satrapen von Koilesyrien bestellt worden ist; sichtlich derselbe, der nach III, 6, 8 abgesetzt wird, weil er nicht die nötige Fürsorge für die Verpflegung des Heeres beim Marsch von Ägypten nach dem Euphrat gehabt hat. Nach Curtius (IV, 5, 9) hat Parmenion bei seinem Abmarsch aus Damaskos nach Dyros dem Andromachos den Befehl in Syrien übergeben; nach IV, 8, 9 erfährt Alexander bei seinem Abmarsch aus Ägypten, daß die Samaritaner Andromachos umgebracht haben; er straft sie und bestellt Menon zu dessen Nachfolger; eine Angabe, die dem Arrian gegenüber nicht bestehen kann. Nach Eusebius Chr. II, 114 ed. Schöne (zum Jahr 1680 a. A. d. i. Ol. 111, 1, bei Hier. zum Jahr 1685 a. A. d. i. Ol. 112, 1) hat Alexander bei diesem Anlaß die Makedonen in Samaria angesiedelt (τὴν Σαμάρειαν πόλιν ἑλὼν Μακεδόνας ἐν αὐτῇ κατῴκισε), nach S. 118 ist es geschehen, als Perdikkas Reichsverweser war:Samaritanorum urbem a Perdicca constructam, oder nach Petermannincolis frequentatam. Kurz die sämtlichen, auf Jerusalem und Samaria bezüglichen Angaben sind so widersprechend, daß man darauf verzichten muß, den pragmatischen Zusammenhang der Vorgänge daraus zu rekonstruieren.
Anmerkung 9 zu Seite 275:
Das Terrain desSchlachtfeldes von Gaugamelahat zuerst die von Felix Jones 1852 edierteMap of the country of Niniveh, dann 1876 Cernik in Petermanns Ergänzungsheft II, 75 gegeben, letzterer in den Wasserläufen in der Nähe von Kermelis von Jones mehrfach abweichend. Die Darstellung der Schlacht folgt der neueren Aufnahme. — Der gewöhnliche Weg der Karawanen geht von Erbil in ziemlich gerader Richtung westwärts über einen nicht hohen, aber an Defileen reichen Bergrücken Dehir Dagh zu dem breiten und wasserreichen Zâb (Zarb el Kebir), den man bei Eski Kelek überschreitet; dann wieder über einen steinigen Rücken Arka Dagh zu dem steinigen Bett des Ghasîr. Jenseits dieses Flusses, über den man bei Zara-Chatun geht, erreicht man nach kurzem Ansteigen eine breite, unabsehbare Ebene (Rich., Narrat. II, 23), dieequitabilis et vasta planitiesbei Curt. IV, 9, 10. Zehn Kilometer von Zara-Chatun kommt man nach Kermelis (nach Petermann II, 323 »Kermelés, ein christliches Dorf«), an dem vorüber ein Bach, der vom Meklub-Dagh kommt, zum Tigris läuft. Dreizehn Kilometer weiter erreicht man das Dorf Abu Zuaga, das in einer flachen Senkung liegt, durch welche ein Bach südwarts fließt, um sich mit dem von Kermelis zu vereinigen. Halbwegs zwischen beiden Dörfern liegt ein wenig nordwärts zur Seite Börtela (nach Petermann Bértilli, gewöhnlich Bártoli genannt) auf einer von den Bergen im Norden (Meklub-Dagh) vorspringenden Terrainschwellung. Petermanns Weg war von Ghasîr aus etwas nördlicher, zwischen Kermelês links und Derdschille (Terdjila) rechts über Dschakülle (Schaakuli) bei Bertilli (Börtela), das links blieb und bei Châsne tepe (Hazna) vorüber nach Mosul. — Von Erbil führt ein anderer, bequemerer aber etwas weiterer Weg an dem Wasser von Erbil am Südabhang des Dehir Dagh zur Mündung des Ghasîr in den Zâb (Lykos) bei Wardak und dann zum Plateau bei Kermelis hinauf, das 20-30 Meter höher ist als der Zâb bei Wardak. — Das sind die Hauptpunkte des Schlachtfeldes. Da nach Arr. III, 8, 7 und VI, 11, 5 Dareios bei Gaugamela am Bumodos lagerte, der nach der höchsten Angabe 600, nach der geringsten Angabe 500 Stadien von Arbela entfernt ist (Arr, III, 15, 5), so kann nicht der Ghasîr der Bumodos sein, da der Weg von Erbil über Eski-Kelek nach Zara-Chatun nach Niebuhr und Kinneir (Persia, S. 152) nur 6 Meilen, also 240 Stadien beträgt. Nimmt man Kermelis für Gaugamela und den Bach dort für den Bumodos, so bekommt man, wenn Dareios über Wardak nach Kermelis marschiert ist, reichlich 9 Meilen, mit 1/6 für Umwege gerechnet 420-440 Stadien. Wenn Curtius (IV, 9, 8) die Perser vom Lykos zum Bumodos 80 Stadien marschieren läßt, so paßt dies auf keine Stelle zwischen Zâb und Ghasîr, wohl aber auf die Entfernung von Wardak bis zum Wasser von Kermelis. Dareios kann sich unmöglich an dem eingesenkten und steinigen Flußtal des Ghasîr aufgestellt haben, und Gaugamela lag nach Arr. III, 8, 7ἐν χώρῳ ὁμαλῷ πάντῇ.
Anmerkung 10 zu Seite 283:
Die Angaben über dieErgänzung des Heeresan dieser Stelle wie während der ganzen Kriegszeit sind nicht derart, daß man Sicheres daraus kombinieren könnte. In betreff der in Susa eintreffenden begnügt sich Arrian (III, 16, 10) mit dem summarischen Ausdruck:Ἀμύντας ὁ Ἀνδρομάχου σὺν δυνάμει ἀφίκετο. Nach Diod. XVII, 65 und Curt. V, 1, 40 waren es 6000 Mann Fußvolk und 500 Reiter Makedonen, 600 thrakische Reiter, 3500 Mann thrakisches Fußvolk (Τραλλεεῖςbei Diod.), aus dem Peloponnes 4000 Söldner zu Fuß und fast 1000 (bei Curt. 380) Reiter, außerdem 50 junge makedonische Edelleuteπρὸς τὴν σωματοφυλακίαν. — Aus Arrians Ausdruck (III, 16, 11)τοὺς πεζοὺς δὲ προσέθηκε ταῖς τάξεσι … κατὰ ἔθνη ἑκάστους συντάξαςdarf man schließen, daß nicht neue, schon formierte Truppenkörper (τάξειςusw.) aus der Heimat nachrückten, sondern Ersatzmannschaften, die bei denjenigen mobilen Truppen, aus deren Kantons sie ausgehoben waren, eingestellt wurden, daß also in der Heimat dieτάξειςder und der Kantone zurückgeblieben waren, die dort ebensoκατὰ ἔθνηergänzt wurden wie die mobilen sechs Taxeis (der Elymiotis, der Tymphaia usw.), acht Ilen (von Amphipolis, Bottiaia usw.). Ob später (für den indischen Feldzug) von den in der Heimat zurückgebliebenen Taxeis einige mobil gemacht und nachmarschiert sind, ist nicht mehr zu erkennen.
Anmerkung 11 zu Seite 315:
Die Inschrift von 330, auf welche der Text sich bezieht, steht jetzt C. I. A. II, 175b; die Überschrift lautet:Ῥηβούλας, Σεύθου υἱός, Κότυος ἀδελφὸς ἀνγελ… was vielleichtἈνγελη[λθενsein soll, wenigstens scheint die Ergänzungἄνγελοςnicht einmal zu dem Relief, das darüber steht, zu passen. Es ist natürlich nur eine Vermutung, aber eine naheliegende, daß dieserRhebulasdem thrakischen Fürstenhause angehört, und daß der hier als sein Vater genannte Seuthes derselbe ist, von dem Curtius (X, 1, 43) angibt:Seuthes Odrysas populares suos ad defectionem compulerat. Der Name Seuthes wiederholt sich in dem odrysischen Fürstenhause. Kotys, der von 380-357 das Fürstentum hatte, war Sohn des Königs Seuthes, der aus Alkibiades' letzten Jahren bekannt ist. Nach Kotys' Tode teilten seine drei Söhne das Reich. Kersobleptes erhielt wohl das eigentliche Reich am Hebros, und Kardia stand um 353 unter seinem Einfluß; dort stieß an sein Gebiet das seines Bruders Amadokos, das westwärts bis Maroneia reichte (Dem. Arist. 183). Dem dritten Bruder Barisades war, so scheint es, das Gebiet von Maroneia ostwärts über den goldreichen Pangaion bis an die alte makedonische Grenze zugefallen; er war bald (schon 357) gestorben und Kersobleptes bekriegte seine Söhne und Amadokos. Es ist wahrscheinlich, daß die erwähnten »Ketriporis und seine Brüder« eben diese Söhne des Barisades sind (Dittenberger, Hermes XIV, S. 299). Der König Seuthes, der sich 322 gegen Lysimachos erhob (Diod. XVIII, 14), ist wohl unzweifelhaft derselbe, den die Inschrift von 330 nennt; und wenn der eine seiner Söhne den Namen Kotys führte, so liegt die Vermutung nahe, daß es eben die alte odrysische Königsfamilie war, der sie angehörten, daß also Kersobleptes seines Großvaters Namen dem Sohn, seines Vaters Namen dem Enkel gab; nicht minder nahe die Vermutung, daß Sitalkes, der in Alexanders Heer die 5000 thrakischen Akontisten führte, aus demselben Hause und vielleicht Kersobleptes' ältester Sohn war.
Zum dritten Buch
Anmerkung 12 zu Seite 355:
Daß Alexander dieHyparchen des baktrischen Landeszu einem Syllogos beruft, gibt einen Einblick in die persischen Verfassungsverhältnisse. Die Erklärung des Wortesσύλλογοςgibt Xenophon (Oec. IV, 6 und Cyr. VI, 2, 11); es ist die jährliche Musterung derμισθοφόρων καὶ τῶν ἄλλων οἷς ὡπλίσθαι προστέτακταιmit Ausschluß der Besatzungen in den Akropolen. Derσύλλογοςfür Kleinasien war bei Kastelos (Xen. An. I, 1, 2), und Bessos wird demnächst nach Ekbatana geführtὡς ἐκεὶ ἐν τῷ Μήδων τε καὶ Περσῶν συλλόγῳ ἀποθανούμενοςArr. IV, 7, 3, Ekbatana (Ha-gma-tâna) ist nach Spiegel (Die Keilinschriften, S. 195 u. 221) wörtlich Zusammen-kunfts-ort. Ein solcher Syllogos war es, in dem die Perser vor der Schlacht am Granikos berieten (Arr. I, 12, 10). Bemerkenswert ist, daß Dareios I. in der Inschrift von Behistan II, 13 angibt, er habe Fravartes den Meder, der sich in Medien empört, in der Gegend von Ragâ besiegt: »Fravartes wurde ergriffen und zu mir geführt, ich schnitt ihm Nase, Ohren und Zunge ab, ich führte sein … an meinem Hof (wörtlich Pforte oder Tür) wurde er gefesselt gehalten, alles Volk sah ihn, dann ließ ich ihn in Hangmatana kreuzigen.« Ein anderer Empörer in Persien (III, 5) wird mit seinen Anhängern in einer Stadt Persiens gekreuzigt; einen dritten aus der Landschaft Açagarta (Sagartien, II, 14) besiegt der gegen ihn Gesandte: »und führte ihn her zu mir, drauf schnitt ich ihm die Nase und die Ohren ab und führte sein … an meinem Hof wurde er gefesselt gehalten, alle Leute sahen ihn, dann kreuzigte ich ihn in Abira.« In Arbela ist also wohl derσύλλογοςfür Sagartien oder vielleicht ganz Assyrien. — Was sich Arrian unter dem Wort Hyparch denkt, das er in diesen baktrischen Vorgängen mehrfach braucht, ergibt sich aus IV, 21, 1, wo Chorienes der Herr einer Felsenburg genannt wirdκαὶ ἄλλοι τῶν ὑπάρχων οὐκ ὀλίγοιund IV, 21, 9, wo Alexander dem Chorienes seine Burg zurückgibtκαὶ ὕπάρχος εἶναι ὅσωνπερ καὶ πρότερος.
Anmerkung 13 zu Seite 397:
DieStärke des Heeresbeim Beginn der Fahrt den Indus hinab gibt Arrian (Ind. 19) an. — Arrian nennt Reiter aus Arachosien und den Paropamisaden (V, 12, 7), baktrische, sogdianische, skythische Reiter, Daer als Bogenschützen zu Pferd. Im indischen Feldzuge kommen folgende Taxeis mit Namen vor: einmal die alten, Koinos (IV, 25, 6), Polysperchon (IV, 25, 6), Meleagros (IV, 22, 7); die des Krateros wird zuletzt in der letzten baktrischen Expedition (IV, 22, 1) genannt und ist entweder in Baktrien geblieben oder infolge einer höheren Stellung, die Krateros erhielt, an einen anderen Strategen gegeben; sodann die schon im baktrischen Feldzuge genannten: Philotas (IV, 24, 1), Alketas (IV, 22, 7), Attalos (IV, 24, 1), Gorgias (IV, 22, 7), Kleitos (IV, 22, 7 wohl der weiße Kleitos), Balakros (IV, 24, 10); endlich noch Philippos (IV, 24, 10), Peithon (IV, 6, 1), Antigenes (V, 16, 3; VI, 17, 3). Da Antigenes in der Diadochenzeit wiederholt als Führer der Hypaspisten genannt wird, so ergibt sich aus V, 16, 3:τῶν πεζῶν τὴν φάλαγγα Σελεύκῳ καὶ Ἀντιγένει καὶ Ταύρωνι, daß die Taxis des Antigenes nicht schweres Fußvolk, keine sogenannte Phalanx war. Philippos, des Machatas Sohn, ist bereits vor der Schlacht am Hydaspes zum Satrapen in Indien bestellt, und wenn derselbe Philippos der Strateg jener Taxis war, so hat sie dann wohl einen anderen Strategen erhalten; vielleicht Peithon des Krateuas Sohn (VI, 6, 1:τῶν πεζεταίρων πολουμένων τὴν Πείθωνος τάξιν). — Die Formation der makedonischen Ritterschaften der Hetären hat sich seit 330 mehr und mehr erweitert; nach Arrian (VI, 22, 7) zählt das Heer außer dem Agema der Ritterschaft acht Hipparchien, von deren Führern fünf gelegentlich genannt werden: Hephaistion, Perdikkas, Demetrios (V, 12, 2), Kleitos (VI, 6, 4), Krateros (V, 11, 3). Das Agema führt Koinos (V, 16, 3). Die Stärke dieser Hyparchienläßt sich aus der Schlacht am Hydaspes so weit bestimmen, daß deren vier mit den sogdischen, baktrischen, skythischen Reitern und den 1000 dahischen Bogenschützen zu Pferd (Arr. V, 16, 4) 5000 waren (V, 14, 1). Wenn in dieser Schlacht von den Hetären 20, von den Barbaren 200 gefallen sind (Arr. V, 18, 4), so gibt das natürlich kein Maß für die Stärke des einen und anderen Korps.
Anmerkung 14 zu Seite 400:
Der Feldzug Alexanders in demGebirgslande auf der linken Seite des Kabulflussesist bei der unzulänglichen Kunde von diesen Gebieten noch nicht hinlänglich aufzuklären, namentlich hat man für die Ansetzung der im Lauf desselben erwähnten Städte und Festen keinerlei Anhalt. Nur eine Stelle ist durch General Cunningham mit Sicherheit festgestellt, die der Feste Aornos, der Tafelberg von Rani-gat, und nach der Schilderung, die Dr. Bellew von den Trümmern auf diesem »Königstein« gibt, darf man in ihnen wohl einen Neubau hellenistischer Architektur erkennen. —[14A]Es wird nicht überliefert, liegt aber wohl in der Natur der Sache, daß das Vorgehen Alexanders in zwei Kolonnen im Norden und Süden des Kophen den im Text angedeuteten Zweck hatte. Die Kurumpässe im Süden des Sefid-Kuh ließ der König unberücksichtigt, da sie seine Bewegung exzentrisch gemacht haben würden. Anders motiviert Strabo (XV, S. 697) Alexanders Operationen: »Er hatte in Erfahrung gebracht, daß die Gegenden im Norden und in den Bergen fruchtbar und wohl bevölkert seien, die südlichen dagegen ganz wasserlos oder, wo Ströme flössen, von glühender Hitze und mehr für Tiere als für Menschen passend; deshalb und weil er die Flüsse, ihren Quellen näher, leichter passieren zu können meinte, ging er die nördlichsten Wege.«
Anmerkung 15 zu Seite 438:
DieserSopeithes, Fürst im Lande der Kathaier, wird in dem Açvapati König der Kekaya wieder erkannt, der schon im Çatap. Br., dann auch im Ramâyana vorkommt, nicht ohne Erwähnung seiner vortrefflichen Hunde, der Tigerhunde bei Diod. XVII, 92, dernobiles ad venandum canes, wie sie Curt. IX, 1, 24 eingehend beschreibt. Jetzt ist von diesem Fürsten eine Silberdrachme bekannt, die auf der Vorderseite den behelmten Kopf des Königs Seleukos I. hat, auf der Rückseite einen Hahn, daneben einen Hermesstab und die BeischriftΣΩΦΥΤΟΥ(S. v. Sallet, Die Nachfolger Alexanders in Baktrien und Indien, S. 87).
Zum vierten Buch
Anmerkung 16 zu Seite 495:
DieChronologie der Fahrt Nearchsist dadurch unsicher, daß bei Arrian (Ind. 21) ein falscher Archont genannt und zugleich neben dem attischen Monatstage (20. Boedromion) nicht das entsprechende makedonische Datum, sondern nur das Jahr (11. Jahr Alexanders) angegeben ist. Aber die Angabe, daß Nearch am 20. Boedromion vom Indus abgefahren ist, gewährt ein relativ sicheres Datum; es ist, wenn man Idelers Berechnung des metonischen Zyklus für die Ansetzung der entsprechenden julianischen Daten in konventioneller Weise gelten läßt, der 21. September; die Fahrt vom Indus bis Harmozia ist ziemlich überzeugend auf 80 Tage berechnet worden und danach die Daten S. 495 angesetzt.
Anmerkung 17 zu Seite 515:
In der neuenOrganisation der Ritterschaft der Hetairenfällt die Angabe, daß eine fünfte Hipparchie gebildet worden sei, da es während des indischen Feldzugs, wie aus Arrian (IV, 22, 7; 23, 1; 24, 1) geschlossen werden darf, deren, das Agema ungerechnet, acht gab. Ob der Zug durch die Wüste so große Verluste gebracht hatte, daß die Reste der Hetairen zu vier schwachen Hipparchien zusammengezogen waren, muß dahingestellt bleiben. Jedenfalls war der Zweck der neuen Formation zugleich, wie Arrian (VII, 29, 4) angibt, die alten persischenὁμότιμοιin das Korps der Hetären einzureihen, wie nicht minder dieμηλοφόροιin die Taxeis. Anderer Art sind die 30 000 Perser (wohl überhaupt Asiaten), die nach makedonischer Art bewaffnet und eingeübt von den Satrapen nach Babylon geführt wurden, und die Arrian »Epigonen« nennt. Diese sind es, die Alexander auf Anlaß der Meuterei in Opis in makedonischer Weise als Hetären, Hypaspisten, Pezetären usw. formiert und an die Stelle der Makedonen treten läßt (Arr. VII, 11, 1).
Anmerkung 18 zu Seite 531:
Über die Wirkungen des Dekrets, das denVerbannten die Rückkehrin ihre Heimat gestattete, geben die Inschriften mehrerer Städte Andeutungen. Zwei derselben sind Hellen. II22, S. 361, 363 wiederabgedruckt worden. Von besonderem Interesse ist die von Conze in Mytilene gefundene und in seiner Reise nach Lesbos Taf. VIII, 2 mitgeteilte, die sich nach Blaß im Hermes XIII, S. 384 als zu C. I. Gr. II, 2166 gehörig erweist und dieselbe ergänzt. Der in den samischen Inschriften erwähnteGorgosvon Jasos, der sich, wie sie bezeugen, insbesondere bei Alexander darum bemüht hatte, daß die seit dreißig und mehr Jahren von attischen Kleruchen besetzte Insel den vertriebenen Samiern zurückgegeben werde, ist der Waffenmeister und Metalleut Alexanders, von dem Strabo eine Schrift über die Salz- und Bergwerke im Lande des Fürsten Sopeithes kannte. Es mag gestattet sein, hier die Berichtigung eines Irrtums hinzuzufügen, der in der Korrektur der letzten Ausgabe übersehen worden ist; Samos gehörte nicht, wie es S. 23 heißt, zum zweiten attischen Seebund in der Zeit, da die Athener die Samier austrieben und die Insel an attische Kleruchen verteilten.
Anmerkung 19 zu Seite 566:
Mag dieGesandtschaft der Römer an Alexanderin den späteren Alexandergeschichten des Aristos und Asklepiades (Arr. VII, 15, 5) ausgeschmückt worden sein, daß Kleitarchos (Fragm. 23) nach dem Zeugnis des Plinius (H. N. III § 57) sie erwähnt hat, ist für diesen Fall ein ziemlich glaubwürdiges Zeugnis; denn Kleitarch schrieb zu einer Zeit, wo der Name der Römer noch nicht eben Großes bedeutete. Aristoteles nennt — abgesehen von einer kurzen Notiz über Sommerpflanzen (de plant. 1. 7, p. 821b) Rom nur in einem Fragment bei Plut. Cam. 22, und Plutarch berichtigt ihn:Ἀριστοτέλης δὲ τὸ μὲν ἁλῶναι τὴν πόλιν ὑπὸ Κελτῶν ἀκριβῶς δῆλός ἐστιν ἀκηκοώς, τὸν δὲ σώσαντα Λεύκιον εἶναι φησιν — ἦν δὲ Μάρκος, οὐ Λεύκιος, ὁ Κάμιλλοςwas verständigerweise nichts anderes heißen kann, als daß Aristoteles dem Retter Roms einen falschen Vornamen gegeben habe. Plinius (H. N. III, § 57) sagt:Theophratus — primus externorum aliqua de Romanis diligentius scripsit, nam Theopompus, ante quem nemo mentionem habuit, urbem dumtaxat a Gallis captam dicit, Clitarchus ab eo proximus legationem tantum ad Alexandrum missam; von dem angeblichen Brande Roms wissen diese ältesten Zeugen nichts. Wenn Liv. IX, 18 sagt:Alexandrum ne fama quidem illis notum fuisse arbitror, so beweist das ebensowenig wie das Schweigen der römischen Annalisten über eine solche Sendung (οὔτε τις Ῥωμαίων ὑπὲρ τῆς πρεσβείας ταύτης μνήμην ἐπουήσατό τινα, Arr. VII, 15, 6). Wenigstens dasinterdictum mari Antiati populo estin den Friedensbedingungen von 338 v. Chr. Liv. VIII, 14 (wesentlichabweichend von den Bedingungen desselben Friedens, die Liv. VIII, 11 zu lesen sind) beweist wohl nicht, daß der Name antiatischer Piraten fortan von den Meeren verschwunden ist. Denn Livius' Ausdruck:Antium nova colonia missa … navis inde longae abactae, interdictum mari Antiati populo est et civitas data, bietet, wie von Zöller und anderen nachgewiesen, Konfusion in Menge: wenn sich zwanzig Jahre später die Antiaten in Rom beschwerten, daß siesine legibusundsine magistratibusseien (Liv. IX, 20), so zeigt das deutlich, daß nicht den Antiaten insgemein diecivitas, noch das Recht, sich als Kolonisten einzuschreiben, gegeben ist, daß vielmehr zwischen der dahin deduzierten römischen Kolonie und dempopulusweder ein gemeinsames Recht, noch eine gemeinsame Behörde bestand.
Anmerkung 20 zu Seite 574:
Mit guten Gründen ist neuerer Zeit wahrscheinlich gemacht worden, daß DiodorsSchilderung von Babylon(II, 7 ff.) aus Kleitarchos stammt. Daß die Stadt mit ihren Bauwerken, daß das Kanalsystem und die Wasserbauten am Euphrat bis Sippara und weiter hinauf, zu Alexanders Zeit im wesentlichen noch erhalten waren, wird man kaum bezweifeln dürfen. Seit Nebukadnezar hatte man die vier großen Kanäle, die zwischen Sippara und Babylon zum Tigris hinüber führen, das große Bassin bei Sippara auf dem linken Ufer des Euphrat zur Regulierung der Überschwemmungen des Stromes, die beiden großen Kanäle auf der rechten Seite des Euphrat, den Naarsanes, der oberhalb, den Pallakopas, der 800 Stadien unterhalb Babylon abgeleitet war. Daß Penteren und Tetreren von Thapsakos herab auf dem Euphrat nach Babylon geführt werden konnten, sowie die Fahrt des Nearchos mit der Flotte den Euphrat aufwärts bis Babylon und die Fahrt von Trieren aus dem Euphrat (auf dem Königskanal) nach dem Tigris zeigt, daß das große Kanalisationssystem, auf dem der Handel, die Fruchtbarkeit, zum großen Teil die Bewohnbarkeit des babylonischen Landes beruhte, noch keineswegs verkommen war. In diesem Zusammenhang gewinnen die Anlagen, die Alexander hinzufügte, ihre Bedeutung. Er befahl die Aushebung eines zweiten großen Bassins in der Nähe von Babylon mit Schiffshäusern für tausend große Schiffe (Arr. VII, 19, 4); er veranlaßte die Umlegung der Stelle, wo der Pallakopas aus dem Strom abgeleitet war, denn die bisherige Stelle, wo die Ufer niedrig und sumpfig waren, gewährte nicht hinlängliche Schließung und setzte bei hohem Wasser das niedrige Land dahinter weiten Überflutungen aus; Alexander fand eine Meile weiter auf der rechten Seite des Stromes eine Stelle, die geeignet warὑπὸ στεῤῥότητος τῆς γῆςdas Wasser sicher zu hemmen. Solches Ufer »hoch und lehmig« sah Petermann aus seiner Fahrt von Babylon nach Suq-esch-Schiuch bei Samwat, einer Stelle, die auch sonst bemerkenswert genug ist und die Anlage einer Alexandreia, wie sie der König dort gründete (VII, 21, 7), wohl rechtfertigt.
Anmerkung 21 zu Seite 582:
DerTodestag Alexandersist nach der völlig zuverlässigen Angabe der Ephemeriden der 28., nach Aristobulos der 30. Daisios. Welcher julianische Tag des Jahres 323 diesem Datum entspricht, ist nicht mit Sicherheit festzustellen. Wenn Justin (XII, 16, 1) sagt:decessit Alexander mense Junio annos tres et XXX natus, so ist diese für uns älteste Reduktion derart, daß sie nach den sonstigen Kombinationen, die Alex. II. 2, S. 343 dargelegt sind, wohl richtig sein kann; wenigstens hat Jeep so den Text gegeben; hat wirklich, wie neuerdings versichert worden, die handschriftliche Überlieferungmense uno, so ist schwer zu sagen, was das heißen könnte.