Substantiva.
Verschiedene m. und f. mit den vokalen a, o, u lauten im d. sing., meistens auch im n. und ac. pl. um. Man (mensch), d. men, pl. men; broðor (bruder), d. breðer; moðor (mutter), d. meðer; dohtor (tochter), d. dehter; fot (fuss), d. fet, pl. fet: toð (zahn), d. teð, pl. teð; boc (buch), d. bec, pl. bec; broc (hose), d. brec, pl. brec; gos (gans), d. ges, pl. ges; turf (rasen), d. tyrf, pl. tyrf; burh (burg), d. byrh, pl. byrh; cu (kuh), d. cy, pl. cy; lus (laus), d. lys. pl. lys; mus (maus), d. mys, pl. mys. Im gen. s. und im gen. und d. plur. findet der umlaut nicht statt.
Adjectiva.
Schwache adjectiva werden wie die schwachen substantiva deklinirt.
Pronomina.
Im übrigen werden diese pronomina wie die starken adjectiva deklinirt.
Hierzu gehören der bestimmende artikel, welcher so deklinirt wird:
und das hinweisende pronomen:
Hwilc, welcher, hwæðer, welcher von beiden, werden wie die starken adjectiva deklinirt.
Numeralia.
An, einer, wird wie ein starkes und wie ein schwaches adjectivum deklinirt; twegenm.twaf. n., zwei, begenm.baf. n., beide, und þry, drei, haben folgende deklination:
Verba.
J. Grimm nimmt in den deutschen sprachstämmen zwölf starke conjugationen an, nämlich folgende für das Angelsächsische:
imperat. s. — pl. -að; inf. -an, -anne; part. pr. -ende; pp. -en.
Conjugation.
Es giebt zwei schwache conjugationen:
imperat. s. — pl. -ð; inf. -an, -enne; part. pr. -ende; pp. -d.
inf. wesan; imp. s. wes, pl. wesað; part. pr. wesende; pp. gewesen;fut. oder præs. ind. beo (beom), bist, bið, pl. beoð;conj. beo. pl. beon;
inf. beon; imperat. beo, pl. beoð.
imperf. s. dide, didest, dide; pl. didon; inf. don; pp. gedon.
Was man gewöhnlich das angelsächsische alphabet nennt, ist mit ausnahme der buchstaben þ, th, ð, dh, nichts anderes als das mit dem christenthume eingeführte römische alphabet. Ehe man sich des letzteren bediente, besassendie Angelsachsen zwar ihre eigenen buchstaben, runen, welche man aber nur zu kurzen inschriften und denksprüchen benützte; da nur wenige ihre bedeutung und anwendung kannten, so betrachtete sie der aberglaube als etwas mystisches, zauberisches, ähnlich wie man später die schreibkunst oder auch wohl im allgemeinen die gelehrsamkeit mit dem worte grammarye benannte, welches aber auch magie, zauberei bedeutete. Als die schreibkunst mit der einführung des römischen alphabets allgemeiner wurde, legte man das alte runenalphabet nicht sogleich ganz bei seite; ja es finden sich noch spuren davon in den handschriften des zwölften jahrhunderts. In der exeterhandschrift sind einzelne runen zum räthselspiel angewendet. (Wright’s Biog. Brit. Liter. A. S. Period. Seite 105. 502-504.)
Erstes Eindringen der französischen Sprache.Während die angelsächsische sprache noch in ihrer blüthe stand, wurde ihr untergang und die einführung des Französischen bereits vorbereitet. Die herrschaft der Dänen hatte unter Swen, Cnut und Hardicnut ein halbes jahrhundert hindurch den alten sächsischen königsstamm verdrängt, bis dieser im jahre 1042 nach dem schnellen tode des letztgenannten dänischen königs durch allgemeine zustimmung der edelen wieder in der person Eduard’s des bekenners den thron bestieg. In Frankreich, am hofe Wilhelm’s, des herzogs von der Normandie, erzogen, besass Eduard eine vorliebe für französische sprache und sitte und zog sowohl fremde gelehrte und geistliche als fremde ritter116nach England,wodurch er der eroberung des landes durch die Normannen selbst vorarbeitete, abgesehen davon, dass er den herzog von der Normandie mit grosser feierlichkeit in England empfing und ihm später den thron förmlich zusicherte.Eroberung England’s durch die Normannen.Durch die auffallende bevorzugung der fremden (sogar der erzbischof von Canterbury war ein Normann) wurde indessen das nationalgefühl der Sachsen verletzt; die edelen, welchen ihre güter entrissen wurden, um sie fremden zu geben, standen auf, und das sächsische parlament (witena-gemot) verbannte im jahre 1052 die zahlreichen Normannen, welche der könig in staats- und kirchenämter eingesetzt hatte. Allein dieser beschluss und die vertreibung der Normannen konnte das schicksal England’s nicht lange aufhalten. Nach Eduard’s tode gelang es im jahre 1066 Wilhelm dem eroberer in der schlacht von Hastings, welche dem letzten sächsischen könige Harold das leben kostete, den thron England’s zu erobern.
Unterdrückung des angelsächsischen Elementes.Jetzt beginnt für England eine zeit der gewaltthat und der unterdrückung, während welcher der grössere theil der englischen bevölkerung in einen zustand der äussersten noth und grössten unwissenheit versetzt wurde.117Die angelsächsischesprache litt darunter auf das schlimmste; sogar die form, in welcher die Sachsen die römischen buchstaben zu schreiben gewöhnt gewesen waren, wurde mit derjenigen118vertauscht, welche die Normannen mit ihrer sprache und literatur nach England brachten. Der gebrauch der angelsächsischen sprache zur schrift hörte mit der normannischen eroberung fast ganz auf. Sie wurde nur noch einige zeit zur fortsetzung der angelsächsischen chronik und zu einigen kleineren aufsätzen, meist religiösen oder moralischen inhalts, benützt, wofür wir wahrscheinlich den wenigen angelsächsischen mönchen, welche in ihren klöstern bleiben durften, dankbar sein müssen. Erleichtert wurde die einführung des Französischen, welches jetzt mit dem neuen politischen system verwebt war, durch den umstand, dass seit dem anfange des 11. jahrhunderts, während der dänischen herrschaft, die königliche familie, viele angelsächsische grosse und geistliche zuflucht auf dem festlande gesucht und, von der grösseren bildung der Normannen angezogen, deren sprache angenommen hatten, so dass zu der zeit der eroberung das Französische in den höheren kreisen des angelsächsischen volkes durchaus nicht mehr unbekannt war, sondern vielmehr als ein beweis höherer bildung betrachtet wurde.119
Französisch, die Sprache des Hofes und Adels.Obwohl Wilhelm besonders im anfange seiner regierung sich mühe gab, das Angelsächsische zu erlernen, um seineneuen unterthanen für sich zu gewinnen, und auch mehrere verordnungen von ihm in ihrer sprache erlassen wurden, so wurde er doch durch sein vorgerücktes alter und vielfache beschäftigungen von dem erlernen derselben abgehalten120und sprach mit dem grössten theile des adels nur Französisch.121Die wenigen angelsächsischen grossen, welche zuerst noch am hofe des neuen königs zutritt hatten, mussten selbstverständlich das Französische verstehen und sprechen können. Schon um das jahr 1070 gedenkt die geschichte nur noch eines einzigen angelsächsischen Earls mit namen Waltheof, welcher drei jahre später wegen theilnahme an hochverrath hingerichtet wurde. Von dieser zeit ab, sagt Ingulph, verlieh der könig güter und würden nur an Normannen.122Der zahlreiche französische adel, welchem die besitzungen der alten sächsischen Earls geschenkt wurden, umgab sich auf seinen gütern, wie der könig am hofe, ebenfalls mit fremden, so dass die französische sprache binnenwenigen jahren über alle theile des landes ausgebreitet war. Hier auf den gütern der normannischen barone war es, wo die Angelsachsen am tiefsten gedemüthigt, am meisten getreten wurden; hier war es, wo die sächsischen leibeigenen das vieh hüten und das wild schonen mussten, welches früher ihr eigenthum gewesen war und bis auf den heutigen tag die deutschen namen ox, cow, calf, sheep, swine, hart, roe, deer bewahrt hat, während ihre normännischen herren das geschlachtete thier, oder erlegte wild in der halle verzehrten und dem todten oder verendeten fleische mit den französischen wörtern beef, veal, mutton, pork, venison den normännischen besitztitel aufdrückten. Eine anzahl fester kastelle in den grossen städten wie auf verschiedenen punkten des landes schützten mit ihrer normännischen besatzung123die eroberung des landes und beförderten die an einzelnen orten nicht ohne widerstreben der Sachsen erfolgende unterjochung des volkes.
Französisch, die Sprache der Geistlichkeit.Vielleicht noch wichtiger als das politische übergewicht der Normannen war für die verdrängung der angelsächsischen und die verbreitung der französischen sprache diejenige massregel Wilhelm’s, durch welche er alle höheren geistlichen stellen mit ihm ergebenen und französisch sprechenden fremden besetzte. Schon im jahre 1072 waren die zwei erzbischöfe, sieben von elf bischöfen und sechs von zwölf äbten keine Angelsachsen mehr, und wenige jahre später ist das missverhältniss der Franzosen und Sachsen noch grösser, indem man jedes mittel ergriff, um die volksthümliche geistlichkeit zu entfernen. Der angelsächsische bischof Wulfstan, welcher schon im jahre 1072 auf der kirchlichen synode sich eines dolmetschers124bedienen musste, um die rechte seines stuhles zu vertheidigen, sollte später mit wissen des königs wegen seiner einfalt und unwissenheit (simplicitate et illiteratura) abgesetzt werden, und nur ein wunderrettete ihn.125Es versteht sich, dass die höhere geistlichkeit keine gelegenheit vorübergehen liess, um auch die unteren stellen der kirche mit ergebenen und normännisch gesinnten und sprechenden priestern anzufüllen. Von dem könige und den neuen baronen wurde eine beträchtliche anzahl neuer klöster gegründet, welche mit normännischen mönchen besetzt wurden. Die zahl der klösterlichen stiftungen, welche von fremden klöstern auf dem festlande abhingen—alien priories—wuchs beträchtlich und belief sich 1414, in welchem jahre sie von der krone secularisirt wurden, auf ein hundert und vierzig.Französisch, die Sprache des Rechtes und der Schule.Auch für die rechtspflege wurde sowohl von den normännischen baronen, welche gesetze für ihr gebiet erlassen konnten, als auch von den königlichen richtern, ausschliesslich die französische sprache gebraucht. Das Französische wurde auch in der schule von der normännischen eroberung bis zu Eduard’s III. zeit als unterrichtssprache angewendet, in welcher allein eine humane und gelehrte bildung zu erreichen war.126
So trat an die stelle des Angelsächsischen als sprache des hofes, des adels, der rechtspflege und bildung das Französische in seiner damaligen gestalt. Wie dessen beschaffenheit war, könnte am besten aus den gesetzen Wilhelm’s des eroberers ersehen werden, wenn diese in authentischer gestalt auf uns gekommen wären. Folgendes ist eine probe derselben:
Französische Gesetze Wilhelm’s des Eroberers.
Die orthographie, also wahrscheinlich auch die aussprache des Französischen, wie es in den gesetzen Wilhelm’s erscheint, war höchst unsicher. O, u, ou schwanken (seignor,seignur, seignour), ebenso oi und ei (roi, rei, saveir); ch, c, j wechseln (chascun, cascun, polcier, pochier, jose, chose); gu ist mit w vertauscht (guarant, warant, guage, wage), qu mit k und c (qui, ki, kar, queur); für s findet sich z (liveres, liverez, launces, launcez) u. s. w. Der artikel wird li, le, lui, in der zusammenziehung mit de bald du, bald del, mit a aber immer al geschrieben; die persönlichen pronomina lauten io, il, ele, nous, nus, le, lui, li, se, sei, eus, els; die conjugationen unterscheiden sich deutlich durch ihre endung 1) er: doner, trover, amener, 2) ir: venir, partir, 3) eir (oir, er): saveir, savoir, aveir, aver, 4) re: occire, nuire. Das part. præs. endet auf ant oder aunt (jatant, conusaunt), das part. pass. der ersten conjugation auf et, ed, e (blamet, apeled, juge), ebenso die 3. p. sing. præs. (truvet, apeled, passe), das imp. auf at oder ad (grauntat, achetad), das fut. auf t, d, a (aurat, aurad, serra), das subj. pr. auf ied und ie (s’en escondied, s’en escondie).129
Das Normännisch- Französische.Als die Normannen nach England kamen, war zwar erst ein und ein halbes jahrhundert seit ihrer niederlassung in Frankreich verflossen, allein sie hatten ihre nordische sprache längst vergessen und diejenige angenommen, welche das von ihnen besiegte volk sprach, nämlich jenes entartete Latein, welches man lingua Romana, langue Romane nannte, und aus welcher sprache das spätere Französisch sich gebildet hat. Schon der zweite normannenherzog Wilhelm I., nachfolger Rollo’s, musste, wie Dudo de St. Quentin (lib. III, p. 112) erzählt, seinen sohn nach Bayeux senden, um dort Dänisch zu lernen, indem die langue Romane zu Rouen, wo der sitz der normannischen herrschaft war, fast ausschliesslich gesprochen wurde. Daher ist auch, wasvon der literatur der Normannen in Frankreich und England bekannt geworden ist, nur in der lingua Romana geschrieben; jedoch fallen die ältesten bekannten sprachdenkmale der Normannen in England, vielleicht mit ausnahme der gesetzgebung, erst in den anfang des 12. jahrhunderts.
Entartung des Angelsächsischen.Unterdessen ward das Angelsächsische durch den hass des volkes gegen seine fremden dränger erhalten und fortwährend, ja in den niederen schichten der eingeborenen bevölkerung, wahrscheinlich mit geringen ausnahmen, ausschliesslich gesprochen. Es erfuhr dadurch, dass die gebildeteren und höheren stände des landes sich nicht die mühe gaben, dasselbe zu lernen oder als schriftsprache veredelt fest zu halten, ausserordentliche veränderungen, nicht bloss durch allmäliges eindrängen französischer worte, sondern noch vielmehr durch die vernachlässigung der ableitungs- und beugungsendungen und das aufgeben seines grammatischen baues. Noch schlimmer erging es der alten sächsischen sprache, als nach einigen generationen sieger und besiegte sich mehr mischten und zu einem volke zu verschmelzen begannen. Jetzt musste die sprache des volkes, das bereits verstümmelte Angelsächsische, als mittel des verkehrs und der gegenseitigen verständigung dienen, wodurch seine umwandlung in das spätere Norman-Saxon oder Englisch beschleunigt wurde. Es war natürlich, dass der sieger nur so viel von der sprache des besiegten volkes lernen wollte, als er nothdürftig brauchte, um sich verständlich zu machen; er lernte daher zwar allmälig den wortschatz der sprache, nicht aber deren grammatik kennen, welche er vielmehr von seiner eigenen sprache auf die zu erlernende übertrug. Die verwickelten formen und veränderlichen endungen des Angelsächsischen liess der Normann unberücksichtigt, da sie ihm bei der auffassung der sprache als eines mittels zur verständigung nur hinderlich waren. Aber auch die besiegten mussten es nöthig finden, ihre sprache zu verstümmeln, um sich verständlich zu machen, da die Normannen nicht besondere lust haben mochten, auf die unterschiede der endungen zu achten, und schnelles verständniss der hauptzweck ihrer gespräche sein musste.Dieser ist am leichtesten zu erreichen, wenn man zu einem fremden nur in einfachen, wenig verbundenen worten spricht: der infinitiv der zeitwörter, der nominativ bei den hauptwörtern, die stammform bei den eigenschaftswörtern sind hierzu ausreichend.
Abschwächung der Endungen.Besonders zeichnet sich die übergangszeit der halbsächsischen periode durch die neigung der wörter aus, die endsylben der deklination und conjugation zu kürzen oder abzuwerfen: ylc für ylce, sone für sunu, name für nama, dages für dagas, hwilon, hwilen für hwilum; cumme für cuman, nemne für nemnan; gehote für gehaten; lufian, lufien für lufienne oder lufigenne; clepen für cylpiað. Schon früh verwandelt sich das augmentative ge- vor dem part. perf. in ein y- oder i- z. b. i-hote für gehaten. In der deklination zeigt sich eine vermischung der starken und schwachen formen: munucan für munucas, steorres für steorran; bald hört bei der pluralisation jede rücksicht auf geschlecht oder deklination ganz auf, indem das einfache -s in übereinstimmung mit dem Französischen die mehrfache zahl der hauptwörter bezeichnet. Von den alten beugungssylben der deklinationen erhalten sich das -s im genitiv, -e im dativ und zuweilen ein -n im accusativ sing. für alle deklinationen und geschlechter, während der plural der substantiva und adjectiva ausser dem -s allmälig alle beugungssylben der casus abwarf. Die präpositionen of und to, welche schon im Angelsächsischen zur grammatischen bildung abhängiger casus angewendet worden waren, bewirken jetzt die vollständige abwerfung der casusendung, wenn sie vor den hauptwörtern stehen. Bei grösserer abschwächung der sprache verliert sich auch das -n des infinitivs, der gebrauch mancher starken formen des verbs im imperf. und part. praet., endlich auch die anwendung der artikel se, seo, þæt, wofür þe, the, gesetzt wird. Auffallend ist gegen ende des zwölften und im ganzen dreizehnten jahrhundert der gebrauch des wortes me (wahrscheinlich eine abkürzung von men oder man) in der bedeutung des deutschen wortes man. Beispiele finden sich schon in der Sachsenchronik. Am längsten halten sich die alten formen bei dem pronomen undpronominal adjectivum: þan, þonne, þære, þam, heo, heora, hem, min, þin etc. Auch bei dem worte beon, sein, verschwinden die alten formen sehr allmälig; noch sagte man ben und beeth für sind und sindon; mehrere derselben haben sich bis auf den heutigen tag erhalten. Im allgemeinen ist schon gegen ende des elften und im folgenden jahrhundert das bestreben der sprache zu bemerken, die vollen vokale mit leichteren zu vertauschen und die endsylben der wörter zu verkürzen; so findet man in den letzten jahren der Sachsenchronik schon kyng für cyning, biscopes für bisceopas, dohter für dohtor, sweren für swerian; bute für butan, lihtede für lihtedon, u. s. w.
Semi-Saxon.Das zwölfte jahrhundert war die zeit, wo die veränderung des alten Angelsächsischen am schnellsten ging. Die wenigen literarischen produkte dieser zeit, welche man auch mit dem namen der Halbsächsischen (Semi-Saxon) bezeichnet,—die letzten aufzeichnungen der Sachsenchronik, die sprichwörter Alfred’s in halbsächsischen versen, welche von Ailred de Rievaux im anfange des zwölften jahrhunderts (die beiden vorhandenen manusc. sind aus dem 13. sec.)130erwähnt werden, ein Bestiarium (wörtliche übersetzung aus dem lateinischen Physiologus von Theobald) aus derselben zeit,131ein gespräch zwischen leib und seele, eine modernisirte grammatik von Alfric (Ms. aus dem 12. sec.), eine übersetzung der nonnenordnung (Rule of Nuns) von Simon de Ghenf in mehreren manuscripten,132einige predigtsammlungen,133dann die grösseren werke vonLayamonundOrmnebst dem gedichte von der eule und der nachtigall von Nicholas de Guildford—bilden den übergang zu der englischen (Norman-Saxon oder Anglo-Norman) literatur des dreizehnten und vierzehnten jahrhunderts. Zur vergleichung mögen folgende sprachproben hier eingeschaltet werden:
Sprachprobe aus der Sachsenchronik.
Diese stellen aus den letzten jahren der Sachsenchronik zeigen bereits eine stark veränderte grammatik und orthographie des Angelsächsischen, so wie einige französische wörter: castles, prisun, justice, martyrs, quarterne (carcer), ceste.
Sprachproben aus Homilien.
Sprachprobe aus den Sprüchwörtern Alfred’s.
At Siforde
setin kinhis monie,
fele biscopis,
and fele booc-lerede
herles prude
and cnites egleche.
At Sévorde
séte theynes monye
fele biscopes,
and feole bok i-lered,
eorles prute,
knytes egleche.
þer was erl Alfred
of þe lawe suiþe wis,
and heke Alfred,
Englene herde,
Englene derling;
in Enkelonde he was king.
Thar wes the eorl Alvrich
of thare lawe swithe wis,
and ek Ealvred,
Englene hurde,
Englene durlyng;
on Englene londe he wes kyng.
hem he gon lerin,
so we mugen i-herin,
whu we gure lif lede sulin.
Alfred he was in Enkelonde a king,
wel swiþe strong and lufsum þing.
Heom he bi-gon lere,
so ye mawe i-hure,
hw hi heore lif lede scholden.
Alvred he wes in Englene lond
and king wel swithe strong;
He was king and cleric,
ful wel he lovede Godis werc;
he was wis on his word,
and war on his werke;
he was þe wisiste mon
þad was in Engelonde on.
he wes king and he was clerek,
wel he luvede Godes werk;
he wes wis on his word,
and war on his werke;
he wes the wysuste mon
that wes Engle londe on.
Normännische Sänger und Dichter.Schon vor dem einfalle der Normannen in England hatte sich die lingua Romana auf dem gebiete der literatur und poesie versucht, und die normännischen jongleurs (joculatores) dichter und sänger (trouvères) waren kaum weniger berühmt als die der Provence. Einer derselben, Taillefer, war der normännische Tyrtaeus in der schlacht bei Hastings und zugleich der erste ritter, welcher in die sächsische schlachtreihe einbrach. Die politischen verhältnisse England’s nach der eroberung brachten es mit sich, dass die bedeutendsten schriftsteller der beiden auf die besetzung England’s folgenden jahrhunderte Normannen waren, welche zum theil nicht einmal England ihr vaterland nennen konnten. Die normännisch-französische poesie in England tritt zuerst mit kirchlichen stoffen auf und scheint in Alice von Louvaine, gemahlin Heinrich’s I., eine grosse beförderin gefunden zu haben. Ihr ist das versificirte Bestiarium des Philipp de Thaun und die gereimte legende des heiligen Brandan, deren ungenannter autor wahrscheinlich ein benedictinermönch war, gewidmet. Der anfang dieses letzteren gedichtes möge hier als eine sprachprobe der ältesten anglo-normännischen reimer eine stelle finden:
Hieran möge sich als eine probe anglo-normännischer prosa aus etwas späterer zeit die übersetzung des ersten psalms anschliessen:
Anglo-normännische Psalmenübersetzung.
Ph. de Thaun. Turold. G. Gaimar. Wace. Geoffrey von Monmouth.Philippe deThaun, verfasser von zwei abhandlungen in versen über astronomie und symbolische zoologie,138Turold, verfasser des schönen romans Roland,139Samson de Nanteuil, welcher die sprüche Salomon’s in französische verse übersetzte,140GeoffroiGaimar, verfasser einer chronik der angelsächsischen könige,141und David, ein bedeutender Trouvère, dessen werke aber verloren sind, waren die bekanntesten vorgänger eines normännischen schriftstellers von noch grösserer berühmtheit und bedeutung besonders für die spätere englische literatur, namens MaistreWaceaus Jersey. Um das jahr 1160 schrieb Wace in französischer sprache ein episches heldengedicht Li Romans de Brut, oder Le Brut d’Angleterre.142Der hauptheld des gedichtes ist Brutus, ein fingirter sohn des Trojaners Aeneas; von diesem Brutus wird viele jahrhunderte vor der christlichen zeitrechnung das britannische reich gegründet. Wace schöpfte seinen Brutus aus einer im guten ernst geschriebenen geschichte, welche einige jahre vorherGeoffreyvonMonmouth, ein mönk, in lateinischer sprache geschrieben hatte,143und worin dieser die brittische geschichte durch eine lange reihe fingirter könige von Cadwallader, welcher im jahre 689 der christlichen zeitrechnung gelebt haben soll, bis auf Brutus, den sohn des Aeneas, hinaufführte.
Diese geschichte ist wegen ihres ursprunges und durch ihren einfluss auf die spätere englische literatur ein interessantes werk geworden. Die Britten von Wales, Cornwall und in der Bretagne besassen zu jener zeit in einer grossen menge von volksthümlichen legenden und fabelhaften sagen eine art von überlieferter geschichte, wie sie sich noch in späterer zeit bei den stammverwandten Schotten fand. Aus dieser brittischen quelle romantischer geschichte im äussersten westen Europa’s haben die benachbarten völker reichlich geschöpft. Walter Calenius, archidiaconus von Oxford, sammelte einige jener sagen von geschichtlicher färbung und theilte sie dem mönche Geoffrey mit, welcher sie ordnete und in der gestalt einer wirklichen geschichte veröffentlichte. Historischen werth besitzt das buch des Geoffrey so gut als gar nicht, allein einen desto grösseren als eine hauptquelle geschichtlicher romantik für die nächstfolgenden zwei jahrhunderte, welche es noch nicht zu erschöpfen vermochten, denn Shakspeare entlehnte, wenn auch nicht direkt, diesem werke die fabel zu seinem King Lear, Sackville den stoff zu Ferrex und Porrex, während Drayton es zu seinem Polyolbion benutzte, und sogar Milton nicht verschmähte, manche anspielungen daraus zu entnehmen.
Maistre Wace schrieb auch eine geschichte der Normannen unter dem titel Roman de Rou,144d. h. Roman Rollo’s,des ersten herzogs der Normandie, und einige andere schriften. Heinrich II. gab dem Chronisten eine domherrnstelle zu Bayeux.
Benoit. Guernes.Benoit, ein zeitgenosse Wace’s, und Verfasser einer geschichte der herzöge der Normandie,145sowieGuernes, ein geistlicher zu Pont de St. Maxence in der Picardie, welcher das leben Thomas à Becket’s während der jahre 1172-1175 in versen beschrieb,146sind zwei andere normännische schriftsteller,147welche in naher beziehung zur literaturgeschichte England’s stehen.
Layamon.An Wace’s Brut knüpft sich ein höchst interessantes denkmal der untergehenden angelsächsischen, oder neuentstehenden englischen sprache. Es is dieses die metrische übersetzung des Brut vonLayamon, einem geistlichen, geboren zu Ernley an dem Severn. Da der Brut im jahre 1155 beendigt war, so muss Layamon später geschrieben haben, nach seinen Worten über Heinrich II. zu schliessen, wahrscheinlich zu ende der regierung, oder nicht lange zeit nach dem tode dieses königs (1189). Layamon’s spracheist noch angelsächsichzunennen; noch hat sie die beugungen der muttersprache, ist aber von der zur zeit der normannischen eroberung lebenden durch die einführung, oder wenigstens durch den zunehmenden gebrauch von hilfsformen verschieden; auch ist der charakter der sprache darin geändert, dass nur wenige umschreibungen, ellipsen und inversionen, die im Angelsächsischen so oft vorkommen, zu finden sind. Französische wörter kommen nur sehr selten in Layamon’s werk vor. Es ist auch nicht eine blosse übersetzung, sondern mehr eine umschreibung der Waceschen schrift. Die annahme des schlichten, ja beinahe kriechenden styls des französischen romans an die stelle des stürmenden schwunges des angelsächsischen gesanges zeigt deutlich die entartung des Angelsächsischen, obwohl die sprachformen meist noch die alten sind, und sich neben dem reime auch noch die alliteration, jedoch vernachlässigt findet. In Worcestershire, wo Layamon schrieb, mochte sich die veraltende sprache länger halten, als unter den mit den Normannen in grösserer verbindung stehenden bewohnern des südens von England. Eine vollständige handschrift Layamon’s wird im brittischen museum (Ms. Cotton. Calig. A. IX.) aufbewahrt; dieselbe scheint aus der ersten zeit des 13. jahrhunderts herzurühren. Ein zweites manuscript in derselben Sammlung (Ms. Cotton. Otho. C. XIII.) ist nur noch ein bündel verbrannter blätter. Letztere handschrift ist jünger, gehört aber auch noch dem 13. jahrhundert an.148
Die folgenden, aus Ellis’s Specimens etc. entlehnten sprachproben werden das verhältniss zeigen, in welchem Layamon zu Wace und dieser zu Geoffrey von Monmouth steht.