Chapter 10

Begebenheiten zu Damaskus; Mord der mongolischen Botschafter zu Kairo.

Am dritten Sonntage des Monats Ssafer waren die Abgeordneten Hulagu's, vom RichterMuhijeddin Ben Sekibegleitet, angekommen, welcher sich nach Haleb begeben hatte und dort von Hulagu zum Oberrichter ganz Syriens ernannt worden war.19. Ssafer 658Am folgenden Morgen versammelten sich die Bewohner ohne Furcht in der grossen Moschee;Ibn Seki, mit dem Ehrenkleide Hulagu's angethan, las denversammelten Rechtsgelehrten das Diplom der Investitur (Taklid) des mongolischen Herrschers und die Fermane, wodurch den Bewohnern von Damaskus Sicherheit ihres Lebens und Gutes versprochen ward.16. Reb. ewwel 658/3. März 1260In der Hälfte des folgenden Monates waren die Generale Hulagu's an der Spitze einer zahlreichen Truppenabtheilung von Tataren im GeleiteKeitbugha Nujan'serschienen und bald darauf wurde durch ein Diplom der RichterKemaleddin Omervon Tiflis zum Stellvertreter der richterlichen Gewalt (Naibol-hukm) ernannt, so dass er als Richter der Richter in den Städten Syriens zu Mossul, Mardin und Miafarakain Recht sprach. Dasselbe Diplom verlieh ihm die Aufsicht der Moscheen und der frommen Stiftungen. Die Tataren hatten indessen ganz Syrien überschwemmt; sie waren bisGhasa,Beit,Dschibrail,HebronundSsaltvorgedrungen, hatten überall geplündert und Sklaven gemacht und verkauften die Beute auf den Märkten von Damaskus[400]. Die Christen von Damaskus, welche einen besonderen Schutzbefehl Hulagu's zu Gunsten freier Religionsübung erhalten hatten, übernahmen sich in der ihnen zugestandenen Freiheit gegen die Moslimen, indem sie im Ramasan öffentlich auf den Gassen Wein tranken und denselben vor den Moscheen ausschütteten; sie zogen mit dem Kreuze durch die Strassen und zwangen die Kaufleute, demselben aufzustehen, die sich dessen Weigernden misshandelnd; Prozessionen zogen mit dem Kreuze nach der Kirche der heiligen Jungfrau, von deren Kanzel der Triumph des Christenthums über den Islam verkündet ward. Die gekränkten und misshandelten Moslimen beschwerten sich darüber beim mongolischen Statthalter, von dem sie, statt Ausrichtung zu erhalten, mit Schlägen abgefertigt wurden; er überhäufte die christlichen Priester mit Ehren, besuchte ihre Kirchen und begünstigte offenbar das Christenthum. Eine merkwürdige Epoche für die Geschichte christlicher Kirchen in Syrien während der mongolischen Herrschaftunter der Statthalterschaft Keitbugha's; aber diese dauerte nicht lange, dennMelik Eschref, der ejubidische Fürst von Himss, erschien mit einem Diplome Hulagu's, welches ihn zum Statthalter über ganz Syrien bestellte. Indessen hatte der EmirBedreddin Mohammed Ben Kermdsche, der Festungsbefehlshaber der Citadelle von Damaskus, und der EmirDschelaleddin Ben Seirafiden Entschluss gefasst, die Thore der Citadelle zu schliessen und sich darin wider die Mongolen zu vertheidigen.Keitbughabegann die Belagerung des Schlosses.6. Rebiulachir 658/10. März 1260Dieselbe dauerte fünf und vierzig Tage mitten unter fürchterlichen Ungewittern, die mit Erdbeben begleitet waren; mehr als zwanzig Wurfmaschinen schleuderten Felsenstücke wider die Mauern, um sie zu erschüttern, während eine Menge anderer Häuser durch das Erdbeben einstürzten, und mit den Blitzen kreuzten sich die Flammengeschosse des Naphta.22. Dschem. ewwel/7. Mai 1260Nachdem die Belagerten endlich zu kapituliren begehrt, plünderten die Tataren das Schloss, zündeten dasselbe an mehreren Ecken an, schleiften mehrere Thürme und zerstörten alle Kriegsmaschinen; von hier zogen sie nachBaalbek, wo die Citadelle ebenfalls zerstört ward; eine andere Heeresabtheilung verheerteBamiasund die Umgegend. Hulagu, nachdem er von Haleb abgezogen, liess dort den Keitbugha und zu Damaskus denBaideraals Statthalter zurück und führte sieben Emire der MamlukenBahri, d. i. derer vom Nile, mit sich. Bald darauf erschienen Botschafter Hulagu's mit einem Schreiben[401]anKotosvoll Drohungen, dessen Inhalt in den folgenden Schlussworten desselben zusammengedrängt ist: „Sag' dem Lande Aegypten, Hulagu kommt, begleitet von entblössten Degen und schneidenden Schwertern; er wird die Mächtigen demüthigen, die Grossen zurechtweisen und die Kinder nachsenden den Greisen.“ Im gehaltenen Kriegsrathe der Emire wurde beschlossen, die Botschafter Hulagu's, es waren deren vier an der Zahl, zu vernichten; vor der Hand wurden sie aber nur in den Kerker geworfen[401].15. Schaaban 658/Juli 1260Hälfte Schaaban's zogSultan Kotos, von seinen Truppen begleitet, aus dem Schlosse Kairo's gegen Ssalihije aus. Unmittelbar vor seinem Auszuge wurden die vier mongolischen Botschafter an vier der volkreichsten Plätzen der Stadt, nämlich am Fusse des Schlosses, ausser dem ThoreSoweila[402], dem ThoreNassrund zuRidhaniaentzweigehauen, ihre Köpfe an dem ThoreSoweilaaufgehangen; vier bedeutungsvolle Stätten, mehr als einmal in der späteren mamlukischen und osmanischen Geschichte und bis in unsere Tage herunter durch die Schlachten von Heeren und das Schlachten von Menschenopfern blutig befleckt; durch das ThorNassr's, d. i. des Sieges, zogen die jeweiligen Eroberer Kairo's triumphirend ein, am Fusse des Bergschlosses rann das Blut der letzten, von Mohammed Ali veranstalteten Mamlukenvesper; in der Schlacht vonRidhaniazwischen SultanSelim, dem Eroberer Aegyptens, und Sultan Tumanbai, dem letzten Sultan der Mamluken, wurde das tragische Schicksal des letzten entschieden, und am ThoreSoweila, wo jetzt die Köpfe der vier entzweigehauenen mongolischen Botschafter hingen, baumelte dritthalbhundert Jahre später der KopfTumanbai's, des letzten Sultan's der Mamluken Tscherkessen. Im Gefolge der mongolischen Gesandten befand sich ein Kind, welches der Sultan begnadigte und unter die Zahl seiner Mamluken aufnahm. Wassaf erzählt diese Botschaft und das Sendschreiben derselben auf eine im Wesentlichen zwar übereinstimmende, in den Nebenumständen aber abweichende Weise. Nach ihm waren nicht vier Botschafter, sondern nur Einer, von vierzig Dienern begleitet, und die Botschaft lautete: „Gott hat dem Hause Tschengischan's die Weltherrschaft zuerkannt; der sich Uns unterwirft, hat sich und seiner Familie Leben und Gut gerettet. Der Ruf Unseres unzählbaren Heeres geht demselben wie die HeldensageRustem'sund Isfendiar's voraus; sende unterwürfige Botschaft und kommeselbst, um einen Vogt in Aegypten zu bitten; wenn nicht, so sei gerüstet zum Kriege.“ Sultan Kotos berief bei Ankunft der mongolischen Botschaft seine sechs chuaresmischen Emire[403], welche nach der Zerstörung der chuaresmischen Länder sich von Achlath nach Aegypten geflüchtet und hier besonders zur Erhebung Sultans Kotos auf den Thron beigetragen hatten. „Hulagu“, sagte er ihnen, „wäre schon in Aegypten eingefallen, wenn ihn nicht die Nachricht von des Bruders Tod aus Syrien abgerufen hätte; er hat aber den Keitbuka an der Gränze zurückgelassen, der das Land wie ein grimmiger Löwe und wüthiger Drache zu verheeren droht und dem Niemand zu widerstehen im Stande; was denket ihr hierüber!“ Der sechste Emir,Nassireddin Kimeri[404], von welchem die kimrischen oder cimerischen Mamluken ihren Namen haben, sprach: „Es wäre keine Schande für uns, dem Hulagu, als dem Sohne Tului's, dem Enkel Tschengischan's, entgegen zu gehen; welcher Vernünftige wird sich aber selbst vergiften und muthwillig dem Tode entgegen gehen? Die Beweise seiner Treulosigkeit liegen in dem Schicksale der Herren von Alamut, Deriteng, Irbil, Miafarakain und des Chalifen offen.“ Kotos sprach im selben Sinne und endete so: „Mir bleibt nur eines von dreien zu wählen übrig: Freundschaft, Feindschaft oder Auswanderung.“ Alle stimmten für den Krieg. Kotos berieth sich noch insbesondere mitBondokdar, dem Emirol umera, dem ersten der ägyptischen Mamluken, welcher sich schon seit zehn Jahren dadurch, dass er der erste den Todesstreich wider Melik Moaasem, den letzten Herrscher Aegyptens aus dem Hause Ejub, führte, Namen und Ansehen erworben und seitdem als Fürst der Fürsten behauptet hatte.Bondokdar, d. i. der Bogenhalter, der Kipdschake, dessen ursprünglich türkischer NameBeibars, d. i. Beg Panther, und der später als Sultan Aegyptens der Schrecken derFranken in Syrien wie der Mongolen, rieth zum Morde des Gesandten; noch in derselben Nacht blutete der Gesandte und seine vierzig Begleiter bis auf einen als Martyrer mamlukischen diplomatischen Verkehrs; ihre Köpfe wurden am ThoreSoweilaaufgesteckt, und am Morgen brach Kotos mit zwölftausend Reitern gegen Syrien auf.

Schlacht von Aindschalut.25. Ramasan 658/3. Sept. 1260

ZuSsalihije, dem Vereinigungspunkte des ägyptischen Heeres, fandKotosWiderwillen bei seinen Emiren, wider den Feind zu ziehen; mit den Worten: „Ich werde allein wider die Tataren ziehen“, schloss er den Kriegsrath, indem er bei einbrechender Nacht die Trommeln zum Aufbruche zu rühren befahl. Der EmirBeibars Bondokdari(der nachmalige Sultan der Mamluken) erhielt den Befehl, mit einer Truppenabtheilung vorauszueilen, um Erkundigung vom Feinde einzuziehen. Alsbald er vor den Mauern Ghasa's erschienen, wurde die Stadt geräumt.Kotosfolgte ihm auf dem Fusse nach; ausAkakamen ihm die Franken mit Anerbietung von Hilfe und Begleitung entgegen. Er lehnte den Antrag ab und forderte nur das Versprechen der strengsten Neutralität, deren Verletzung er zu züchtigen drohte[405]. ZuAindschalut, d. i. am Quelle Goliath's, zwischenBeisanundNablus, kam es zur entscheidenden Schlacht.KeitbughaundBaidera, die beiden Feldherren, Statthalter Hulagu's zu Damaskus und Haleb, hatten alle in Syrien befindlichen tatarischen Streitkräfte versammelt. Am ersten Freitag des Septembers brauste alsbald nach Sonnenaufgang das ganze weite Thal vom Pferdegewieher und Waffengetöse; das Geschrei der Dorfbewohner tönte in den unaufhörlich fortrollenden Trommelwirbel der Capelle des Sultans und der Heermusik seiner Emire[406]. Die Aegypter gebrauchten die Kriegslist, sich dem mongolischen Heere in weissen Burken, d. i. mongolischen Pelzen, zu nahen, so dass sie von den Mongolen für Schaaren Ihriger gehalten wurden[407]. Einer der Flügel des ägyptischen Heeres war bereits in Unordnungund gebrochen; SultanKotoswarf seinen Helm zur Erde und schrie aus allen Kräften: „o Islam!“ Er stürzte sich mit allen, die um ihn waren, auf den Feind und kämpfte mit äusserster Unerschrockenheit. Die Mongolen flüchteten in's Geröhricht des sumpfigen Thales; Kotos befahl, das Geröhricht anzuzünden, und sie gingen zwischen Feuer und Schwert elend zu Grunde. Der EmirBeibarsthat Wunder der Tapferkeit vor den Augen des Sultans. Als dieser mitten im Gemenge der Schlacht, spannte der mongolische Knabe, welchem Kotos aus Mitleiden mit seiner Jugend beim Gesandtenmorde das Leben gerettet hatte, seinen Bogen von rückwärts auf den Sultan, um durch dessen Tod das vergossene Blut der Brüder zu rächen; nach Einigen wurde er auf der Stelle von den ihn Umgebenden, welche seines Vorhabens gewahr, zusammengehauen, noch ehe der Pfeil abgeflogen; nach Anderen, erst nachdem er denselben abgeschossen und damit das Pferd des Sultans verwundet hatte, welches denselben abwarf. Die Mongolen wurden von den Tataren bis in die Nähe vonBeisanverfolgt, wo sie sich umwandten und noch einmal Stand machten zum hartnäckigsten Gefechte. Die Moslimen wankten, da schrie Sultan Kotos dreimal mit lauter Stimme: „o Islam! o Gott, schütze deinen Diener Kotos und verleihe mir Sieg über die Tataren!“ Als diese zum zweitenmale besiegt, stieg der Sultan vom Pferde, warf seine Stirne in Staub und verrichtete ein Dankgebet von zwei Verbeugungen. Nach Makrisi wardKeitbughain der Schlacht getödtet, nach Wassaf gefangen vor Kotos geführt. „Sei nicht stolz“, sagte der mongolische Feldherr dem Sultan der Mamluken, „auf deinen Sieg, dem die Rache auf dem Fusse folgen wird. Von Aserbeidschan nach Aegypten wird die Erde vom Hufe mongolischer Pferde gestampft, welche den Sand Aegyptens in Säcken davon tragen werden. Hulagu hat dreimalhunderttausend tapfere Reiter, von denen ich nur Einer.“ – „Prahle nicht“, sagte Kotos, „mit eueren Heeren, die nur durch Treulosigkeit siegen.“ – „Ich bin“, entgegnete Keitbugha, „meinem Herrn nur treu gewesen, nicht, wie du, ein Verräther am selben;mach' es kurz mit mir!“ Er wurde enthauptet. Das ganze mongolische Heer fiel in die Hände der Sieger, die nun ganz Syrien verheerend durchstreiften. Die Vögte wurden getödtet, die Weiber und Kinder in Gefangenschaft geschleppt, der Kopf Keitbugha's nach Kairo gesandt und auf dem ThoreSoweilaaufgesteckt. Hulagu ward von der Kunde der verlorenen Schlacht und des getödteten Feldherrn tief betrübt; es war die erste Niederlage, welche seine Heere erlitten hatten; er brach noch am selben Tage mit seinem Lager auf.Melik Nassir Jusuf, der Sohn vonMelik Asis, der ehemalige Fürst von Damaskus, war kurz vorher zu Hulagu gekommen, von ihm mit Ehren überhäuft, seiner innersten Gesellschaft beigezogen und neben ihm auf einen Thron gesetzt worden; mit einem Diplome zum Fürsten Syriens und Aegyptens eingesetzt, mit Ehrenkleidern und Geschenken überhäuft, hatte er die Strasse Syriens eingeschlagen; aber nachdem die Nachricht der Niederlage vonAindschaluteingetroffen, liess ihn Hulagu einholen und im Gebirge von Selmas hinrichten;12. Schewwal/22. Sept.dasselbe Schicksal theilte Melik Sahir Ghasi, Bruder Nassir's, Melik Ssalik, Sohn Schirkjuh's, und andere Prinzen des Hauses Ejub; Tokus Chatun, die Gemahlin Hulagu's, hatte fürMelik Asis, den Sohn Nassir's, fürgebeten, und er wurde, der Einzige aus den bei Hulagu befindlichen Prinzen des Hauses Ejub, gerettet, wie diess sogleich unter den Folgen, welche die Schlacht vonAindschalutfür die Christen und das Haus Ejub's hatte, umständlicher erzählt werden soll. Sie erhielten den verdienten Lohn dafür, dass sie, statt mit anderen Fürsten, ihren Stamm- und Glaubensgenossen, sich wider den hereinbrechenden Feind des Islams zu verbünden, demselben gehuldigt hatten; eine oft wiederholte und dennoch nur selten fruchtende blutige Lehre der Geschichte.

Folgen der Schlacht von Aindschalut für die Christen und das Haus Ejub's.

Schrecklich waren die Folgen der mongolischen Niederlage, sowohl für die syrischen Christen, als für das Haus Ejub's. Während der Gegenwart der Mongolen zu Damaskus hatten die Christen die ihnen gewährte grössere Freiheit ihres Cultus gegen die Moslimen missbraucht; von allenKirchen übertönte das Glockengeläute den Ruf der Muesine, und sie trieben den Uebermuth so weit, dass sie Wein in die grosse Moschee trugen. Schon am vierten Tage nach der Niederlage der Mongolen überfielen die Moslimen die grosse, der heiligen Jungfrau geweihte Kirche zu Damaskus und schleiften dieselbe.27. Ramasan/7. SeptemberDies war die Kirche, welche der Chalife Omar II. Ben Asis den Christen eingeräumt hatte, um sie für den Verlust der Kirche des heiligen Joannes zu entschädigen, welche ihnen laut der unter Omar I. (Ben Chattab) abgeschlossenen Kapitulation der Stadt für immer hätte zu eigen bleiben sollen, ihnen aber von Welid, dem Sohne Abdolmelik's, weggenommen und in die grosse Moschee, das Meisterstück saracenischer Baukunst, verwandelt worden war. Kotos hatte bei seinem Auszuge die beiden Fürsten des Hauses Ejub, den von Himss, Sultan Eschref, und Said, einen Enkel Melikolaadil's von seinem Sohne Asis[408], welcher von Hulagu mit dem Besitze vonSobeibeundBaniasbelehnt worden war, zur Hilfe wider die Mongolen auffordern lassen. Der Herr von Himss empfing den Gesandten des Sultans unterwürfig und trug ihm auf, in seinem Namen die Erde vor den Füssen des Sultans zu küssen, in dem er den Retter des Islams verehre. Said hingegen entliess den Gesandten mit Schimpfreden auf Sultan Kotos[409]; er focht in den Reihen der Mongolen. Nach der Niederlage derselben nahte er sich huldigend dem Pferde des Sultans, um demselben die Hand zu küssen. Kotos, statt ihm die Hand zum Kusse zu gewähren, stiess ihm die Ferse in's Maul, dass das Blut herausschoss; er liess ihn dann enthaupten. Eben so tragisch war das Schicksal Melik Nassir's, des letzten Sultans von Haleb, der mit seinem Bruder sich in seiner alten Residenz befand, wo Hulagu die Nachricht von der Niederlage Keitbuka's[410]erhaltenhatte.20. Silkide 658/29. Oct. 1260Hulagu überhäufte den vorigen Herrscher Haleb's mit Vorwürfen, dass die syrischen Truppen, für deren Unterwürfigkeit Nassir gut gestanden, sich auf die Seite der Aegypter gewendet. Nassir antwortete, dass, wenn es ihm erlaubt gewesen wäre, in Syrien zu weilen, kein syrischer Soldat es gewagt haben würde, wider einen Mongolen das Schwert zu ziehen; wie könne aber Syrien von Tebris aus beherrscht werden? – Hulagu, statt hierdurch besänftigt zu werden, nur noch mehr ergrimmt, schoss einen Pfeil nach ihm, der ihn verwundete. Schone meiner! rief ihm der unglückliche Nassir zu; aber sein Bruder Sahir ermahnte ihn, nicht auf unwürdige Art zu sterben; und er erlag dem zweiten, von Hulagu auf ihn geschossenen Pfeile[411]. Die anderen Prinzen und das Gefolge derselben, in Allem dreihundert Reiter, wurden von dreihundert mongolischen Reitern getödtet, bis auf Einen, den Astronomen Mohijeddin El Mahghribi[412], welchem das Ansehen, worin die Astronomie bei den Mongolen stand, das Leben rettete, und aus dessen Munde der syrische Geschichtschreiber die Umstände dieses Gemetzels erzählt[413]. Mit Melik Nassir und seinem Bruder Sahir fiel hier unter dem mongolischen Schwerte Melik Ssalih, der Sohn Melikol Eschref's, des Herrn von Himss, welcher die von seinem Vater dem Gesandten des Sultans gegebene unterwürfige Antwort jetzt mit dem Leben büsste[414]. Nur das Leben Melikolasis, des unmündigen Sohnes Melikonnassir Jusuf's, wurde verschont. Sein Vater, Nassir Jusuf Ssalaheddin, gleichnamig mit seinem grossen Urgrossvater, hatte nicht nur über ganz Syrien, sondern auch über einen grossen Theil Mesopotamiens, über Haran, Roha, Rakka, Reis Ain, später über Damaskus und bis an Aegyptens Gränze geherrscht, wo er schon zum Sultan ausgerufen, als solcher wieder den Thron dem Hause Ssalaheddin's erworben hätte, wenn ihn nicht in der Schlacht zuAbbasa[415]der erste Sultan der Mamluken, der Turkmane Aibek, und die von seinem Vater, Asis, ererbten Mamluken verlassen hätten.10. Silkide 649/24. Jan. 1252Er liebte den Aufwand, besonders den der Küche, in welcher täglich vierhundert Hämmel geschlachtet wurden; übrigens viel zu nachsichtig für Diebe und Räuber, die unter seiner Regierung durch ganz Syrien grassirten. Zu Damaskus hatte er die nach ihm genannte Moschee, zu Ssalihije sein Grabmal erbaut, in welches aber nicht er, sondern der mongolische Emir Kormun begraben werden sollte[416]; der Dichtkunst nicht fremd, Verfasser mehrerer türkischer Gedichte, aus denen Abulfeda das folgende erhalten:

Bei Gott! wenn du mein Herz in Gram versenktestUnd statt der Thränen mich mit Blut nur tränktest,So würdest du nur mehren meine Liebe,Und meinem Geist nicht and're Freundin bliebe.

Bei Gott! wenn du mein Herz in Gram versenktestUnd statt der Thränen mich mit Blut nur tränktest,So würdest du nur mehren meine Liebe,Und meinem Geist nicht and're Freundin bliebe.

Einrichtungen Syriens; Schlacht bei Himss.

Sultan Kotos ordnete nach dem Siege vonAindschalutdie Verwaltung des nun von der Herrschaft der Mongolen der der Mamluken anheim gefallenen Syriens. Dem Ejubiden Melik Manssur wurde das väterliche Erbe vonHamazurückgestellt, nachdem der mongolische Vogt Chosrewschah daraus abgezogen; auch erhielt erBarinundMearret, welche Melik Nassir, der Sultan von Haleb, schon vor fünf und zwanzig Jahren vom Fürstenthume Hama abgerissen; nur mitSelimijewurde ein arabischer Emir belehnt. Dann zog Kotos, vom Fürsten Hama's begleitet, nach Damaskus, wo er im Triumphe als der Hort des Islams empfangen ward. Viele Tataren wurden hingerichtet, darunter Husein der Kurde, der Beilträger[417]Melik Nassir's; dreissig Christen wurden gehenkt und der christlichen Bevölkerung von Damaskus eine Steuer von hundert fünfzigtausend Dirhem auferlegt. Manssur, der Fürst Hama's, wurde von hier nach Hause entlassen, und von den Dichtern seiner Stadt als Sieger über die Tataren und Wiedereroberer Maarra's bewillkommt[418]. Kotos setzte über diesüdliche Küste Syriens als Statthalter den Emir Schemseddin von Berlas[419], einer der asisischen Mamluken, welcher in der Schlacht Nassirolmelik's von Haleb wider Aibek, den Mamluken, zu diesem verrätherisch übergegangen, für ihn die Herrschaft Aegyptens entschieden, dann aber, wider ihn Ränke schmiedend, wieder nach Syrien entflohen war, von ihm inAdschlunfestgesetzt worden; dann, als Melikonnassir bei Annäherung der Mongolen gegen Aegypten flüchtete, wieder freigelassen, folgte er seinem natürlichen Herrn eine Zeit lang, verliess ihn aber zum zweitenmale und ging zu Kotos über, der ihn nun dafür mit der Statthalterschaft von Ghasa belehnte; die von Damaskus übertrug er dem Emir Alemeddin[420]Senschar von Haleb, dem vorigen Atabeg des Sohnes Aibek's, des ersten Sultans der Mamluken, und die von Haleb, welche der Emirol umera Bondokdar für sich gewünscht hatte, dem Melikes-Said, dem Sohne Bedreddin Lulu's, dem Bruder Ssalih's, dessen schmähliches Ende bereits oben erzählt worden. Er selbst brach von Syrien nach Aegypten auf.26. Schewwal 658/5. OctoberBondokdar, der Fürst der Fürsten, welchem er die Statthalterschaft Haleb's versagt hatte, verschwor sich wider den Sultan, und dieser wurde schon am zwanzigsten Tage nach seinem Aufbruche aus Syrien zu Kossair, eine Tagreise von Ssalihije, auf der Jagd von den Verschworenen ermordet.17. Silkide/25. OctoberDie Emire Kairo's waren dem als Sieger über die Tataren im Triumphe zurückkehrenden Sultan zum Bewillkomm bis nach Ssalihije entgegen gegangen, wo sie den Mord desselben vernahmen; der Emir Ogotai, welchen Kotos bei seiner Abreise als seinen Stellvertreter an der Spitze der Verwaltung Aegyptens zurückgelassen, fragte, als es sich um die Wahl des Sultans handelte, wer den Kotos getödtet, weil es der Türken Brauch, dass der Tödter die Stelle des Getödteten einnehme. Sie zeigten aufBeibars Bondokdar. So besteige du den Thron, sagte Ogotai, indem er ihn bei der Hand nahm und auf den Thron setzte. Ich setze mich darauf, antwortete Beibars, im NamenGottes; leistet den Eid! An dir ist's, sagte Ogotai, der erste zu schwören, dass du die Emire als deines Gleichen gütig behandeln, dass du ihnen Befehlshaberschaften verleihen, ihre Grade vermehren wirst[421]. Beibars nahm den TitelMelikol kahir, d. i. des rächenden Königs, an, den er aber später mit dem vonMelikol-dahir, d. i. des Offenbaren, vertauschte, und zog zu Kairo unter den Triumphfesten ein, welche für seinen Vorfahrer bereitet worden waren. In Syrien begann unterdessen Aalemeddin, der Statthalter von Damaskus, die geschleiften Mauern wieder aufzubauen, und erklärte sich bald hernach selbst zum Sultan, die Macht des Sultans des Rächenden, des Offenbaren verhöhnend. Zu Haleb hatte Said, der Sohn Bedreddin Lulu's, durch Kopflosigkeit und die unbedeutsame Absendung einer zu schwachen Truppenabtheilung, welche zuBiream Euphrat von den Mongolen geschlagen wurden, den Hass der Einwohner auf sich geladen. Er ward vor den Thoren der Stadt ergriffen und gezwungen, seine Schätze zu entdecken, welche die Emire unter sich theilten, ihn selbst gefesselt nach Schoghr sandten und seiner statt Hosameddin, den Mailleschläger, zum Statthalter einsetzten; bald darnach erschienen die Mongolen vor Haleb, und Hosameddin flüchtete mit den Emiren nach Hama, die Stadt Haleb der Wuth der Mongolen überlassend.Silhidsche 658/Nov. 1260Von Hama zogen sie mit dem Fürsten Hama's und seinem Bruder Efdhal gegen Himss, ihre Streitkräfte mit denen des Fürsten dieser Stadt vereinigend, und lieferten vor Himss den Tataren eine Schlacht, in welcher diese geschlagen abzogen, auf ihrem Rückzuge von dem Befehlshaber Apamia's geharket.5. Moharrem 659/10. Dec. 1260Auch der Statthalter von Ghasa, Abusch von Burlas, empörte sich, wie der von Damaskus, wider Beibars Bondokdar, den neuen Sultan, und dieser und jener wollten die Prinzen von Hama und Himss für sich gewinnen; aber diese gaben ihnen kein Gehör, und nachdem die beiden Thronnebenbuhler Bondokdar's, Senshar und Abusch, geschlagen worden, ward Bondokdar,der Sultan Aegyptens, auch als solcher in Syrien, zu Haleb und Damaskus, zu Hama und Himss anerkannt.

Das Chalifat der Beni Abbas zu Kairo.

Beibars Bondokdar, der sich den Weg zum Throne durch doppelten Mord gebahnt, erst durch den Moaasem Turanschah's, des letzten Fürsten der Beni Ejub, und dann durch den des dritten Sultans der Mamluken, Kotos, war vor Allem bedacht, seiner Usurpation des Thrones den Mantel der Legitimität umzuhängen. Zu diesem Ende stellte er zu Kairo einen angeblichen Abkömmling des Hauses Abbas,Abulkasim Ahmed, welcher für einen Sohn Dahir's, des vorvorletzten Chalifen, ausgegeben ward, als Phantom eines Chalifen auf, der nur dazu diente, kraft seines angestammten Rechts als Chalife durch Verleihung von Titeln die Herrschaft desselben als legitim zu rechtfertigen. Zu Kairo ward feierlicher Einzug desselben veranstaltet, bei welchem die Ulema von Missr und Kahir den Koran, die Rabbinen die Bibel, die Christen das Evangelium voraustrugen.5. Redscheb 659/9. Juni 1261Vier Tage hernach ward in feierlicher Versammlung aller Ulema und Emire das Schauspiel des Beweises der vorgegebenen Abstammung aufgeführt, der angebliche Sohn Dahir's von Beibars als Chalife ausgerufen, und dieser hierauf von ihm, dem rechtmässigen Chalifen, als Sultan Aegyptens und Syriens belehnt. Der Chalife, mit dem schwarzen Mantel des Hauses Abbas angethan, bekleidete den Sultan mit eigener Hand, indem er ihm den Kaftan anzog und goldene Kette um den Hals gab. Beibars ritt auf einem Schimmel durch die Stadt und der Wesir und der Hofmarschall trugen abwechselnd das Diplom des Chalifen, auf ihren Händen über den Kopf emporgehalten, vor. Am nächsten Freitage predigte der Chalife in der Moschee, und als dem Sultan die Predigt zu lange währte, indem er fürchtete, dass der Chalife das Volk und das Heer sich selbst zuwenden könnte, liess er ihm Gold- und Silbermünzen über den Kopf schauern, womit die Predigt zu Ende. Nachdem Beibars durch die Investitur seinen Zweck erreicht, war ihm die Gegenwart des Chalifen überflüssig und konnte ihm sogar gefährlich werden; er setzte also das Schauspiel in noch grösserem Maasstabefort, indem er ihm einen Hofstaat mit allen Titeln des alten Chalifenhofes beilegte und zweitausend Reiter mit einer Truppe Beduinen beigab, mit denen er zur Wiedereroberung Bagdad's, seiner Hauptstadt, ausziehen sollte. Ihn begleiteten die von Beibars mit den Fürstenthümern von Mossul, Sindschar und Dschesiret belehnten drei Söhne Bedreddin Lulu's. Am Ufer des Euphrats tratElhakim, ein anderer Imam aus dem Hause Abbas, als Nebenbuhler um die Chalifenherrschaft auf. Bondokdar's Schützling zog mit Hilfe der ihm von diesem beigegebenen Truppen zuAanaundHadiseein, welche ihm Anfangs ihre Thore gesperrt hatten;Hadise, das sich widersetzte, wurde mit Gewalt genommen, die Christen und Juden geplündert. Unterdessen zogen die mongolischen Befehlshaber Karabuga mit fünftausend Reitern gegen Enbar und Behadir Ali, der mongolische Statthalter von Bagdad, wider den Abenteurer heran, der als der wahre Chalife seine alte Residenz einzunehmen kam.4. Moharrem 660/1. Dec. 1261Vor Enbar kam es zur Schlacht; der Chalife ordnete die Turkmanen auf dem rechten Flügel, die Araber auf dem linken, er selbst in der Mitte. Behadir's Truppen ergriffen Anfangs die Flucht und stürzten sich die meisten in den Euphrat; als aber eine Truppe Mongolen aus einem Hinterhalte herbeiflog, wichen die Turkmanen und Araber, und der Chalife verschwand. Wie der letzte der Chalifen des Hauses Abbas zu Bagdad, war nun der erste der Schatten-Chalifen aus demselben Hause zu Kairo unter dem Schwerte der Mongolen gefallen. Der Nebenbuhler um diese Schattenherrschaft, der Imam Hakim, welcher sein Geschlecht im fünften Grade von Mosterschid, dem neun und zwanzigsten Chalifen des Hauses Abbas, ableitete[422], flüchtete nach dieser Schlacht nach Aegypten, wo ihn Beibars, dem es bequem und angenehm, einen solchen Münzwardein der Legitimität unter seinen Händen zu haben, die Abstammung desselben aus dem Blute der Beni Abbas gerne anerkannte, ihn aber, denGeflüchteten, im PalasteMenasirolkebesch, d. i. Belvedere des Widders, als einen Staatsgefangenen ehrenvoll unterhielt. Sein Geschäft war blos die Ertheilung der Investitur und der Diplome als Titel der Rechtmässigkeit der Herrschaft; er empfing von dem damit Belehnten Geschenke, und schattete so durch vierzig Jahre unter dem Titel von Schatten Gottes auf Erden, Herrscher durch Gottes Befehl[423], während er als Titular-Chalife nur ein Schatten des ehemaligen Chalifen unter des Sklaven-Sultans Befehl. Er selbst, nur ein Titelträger der Herrschaft, stempelte durch die von ihm ausgehenden Diplome die Herrschaft moslimischer Usurpatoren zur rechtmässigen; hierdurch gewannBeibarsim Angesicht der moslimischen Welt einen ungeheueren Vortheil über Hulagu, dessen Herrschaftstitel auch nur das Schwert, wie der des Sultans Aegyptens, weil er, nicht Moslim, nie vom Chalifen als rechtmässig legitimirt werden konnte. Hakim war der Stammvater der übrigen ägyptischen Chalifen aus dem Hause Abbas, aus welchem mit ihm zwanzig durch dritthalbhundert Jahre zu Kairo als Drahtpuppen der Sultane figurirten, bis nach dem letzten derselben Selim der Erste, der Erbe Aegyptens, ohne Recht der Geburt, nur als Eroberer Aegyptens, den Chalifentitel annahm, der seitdem dem Titel der osmanischen Sultane beigefügt, wie aus dem Gesagten erhellet, nur der eines Schattens vom Schatten.

Anlass des Kriegs mit Berke.

Hulagu war im Begriffe, ein neues Heer nach Syrien zu senden und dasselbe dem Besitze des Sultans der Mamluken zu entreissen, als ihn die bis zum offenen Kriege gereifte Misshelligkeit mitBerke, dem Herrscher der Mongolen in Kipdschak, dorthin sich zu wenden und seine Waffen von den Ufern des mittelländischen Meeres an die des kaspischen zu übertragen zwang. Die Ursachen dieses, trotz des nachdruckvollsten Vermächtnisses Tschengischan's und der Jasa, welche die Einigkeit zwischen den Gliedern der Familie als die Grundmaxime der Politik des tschengischanischen Hauses einschärft, aufflammenden Familienkriegswaren mehrere, und das Feuer glimmte schon seit längerer Zeit unter der Asche; auch hier sind, wie fast bei allen Kriegen und Feindschaften (von Staaten, wie von Einzelnen), der wirkliche und scheinbare Grund, die Masse, welche schon längst das Gefäss füllt, von dem Tropfen, der es erst überfliessen macht, wohl von einander zu unterscheiden. Die wahre und eigentliche politische Ursache dieses Krieges war der streitige Besitz der LandschaftenArranundAserbeidschan, welche, als ausser dem eisernen Thore von Derbend gelegen, vermöge der Ländertheilung Tschengischan's unter seine vier Söhne nicht zum Jurte des Uluses Dschudschi's gehörig, von diesem jetzt angesprochen ward[424]. Nach dieser Ländertheilung erstreckte sich der Jurt Dschaghatai's von den mittägigen Pässen bis nach Samarkand und Bochara, der Ogotai's lag im Mittelpunkte des Reichs zuImilundKobak; Tuli besass die angränzenden Länder vonKialikundChuaresmbis an die äusserste Gränze Kipdschak's und die Länder derSsaksinen;Dschudschiendlich die nördlichen Jurte innerhalb der kaukasischen Pässe. Hulagu, Herr der westlichen Hälfte der Jurte, als Ilchan des durch ihn gegründeten mongolischen Reichs in Persien, konnte unmöglich die Ansprüche des Chanes der goldenen Horde von Kipdschak auf den Besitz der nördlichsten Gränzlandschaften seines Reichs gelten lassen. Dieser politische Grund ward durch persönliche Empfindlichkeiten Hulagu's noch eindringlicher gemacht. Berke's Einfluss hatte auf dem Kurultai nach Mengku's Tode die Wahl der Prinzen für Kubilai wider seinen Bruder Hulagu und Arik Bugha, welche ebenfalls Ansprüche auf die Kaanschaft machten, entschieden. Als der Aeltere der Familie hatte Berke dem Hulagu zu wiederholtenmalen Lehren und Ermahnungen zugesandt, als neubekehrter Moslim hatte Berke besonders das treulose Benehmen Hulagu's gegen moslimische Fürsten, die Verwüstung so vieler Städte, das Blutbad so vieler Menschenund den Ruin des Chalifats hart getadelt. Wiewohl er mein Aelterer, sagte Hulagu, so kann ich sein Hofmeistern doch nicht weiter ertragen; endlich war der Tropfe, welcher das längst gefüllte Gefäss des Grolles überfliessend machte, der folgende. Auf dem Zuge nach Syrien war Bulghai, der Enkel Dschudschi's, aus seinem fünften Sohne Scheiban, gäh nach einem Gastmahle gestorben, und sein VetterKutar[425]wurde angeklagt, durch Zauberei den Tod desselben bewirkt zu haben. Hulagu, der es nicht auf sich nehmen wollte, ihn zu richten, hatte ihn in Begleitung Sundschak Nujan's nach Kipdschak geschickt, um dort vor dem Throne Berke's, seinem natürlichen Richter, Rede zu stehen. Berke sandte denselben wieder zurück und Hulagu liess an ihm das Todesurtheil vollstrecken; zugleich mit ihm ward auchSsadreddin Sawedschials der Zauberei schuldig angeklagt und hingerichtet;17. Ssafer 658/2. Febr. 1260da auch bald darauf Kuli, der dritte Prinz des Uluses Dschudschi, welcher diesen Feldzug mitmachte, gestorben, und ihre Angehörigen sich nach Kipdschak geflüchtet hatten, brach die politische Feindseligkeit und persönliche Empfindlichkeit in die offenen Flammen des Familienkriegs aus. Ein Heer von dreissigtausend Kipdschaken, welchesNokai, der Vetter des hingerichtetenKutar, befehligte, war von Derbend aufgebrochen und vor Schamachi, der Hauptstadt Schirwan's, gelagert.

Verkehr zwischen Kipdschak und Aegypten.

Der Umschwung der Verhältnisse zwischenBerkeundHulaguhatte natürlicherweise die Politik des ersten gegen den Sultan der Mamluken, als Beherrscher Syriens und Aegyptens, wesentlich umgestimmt und die feindlichen Gesinnungen wider denselben in freundliche verwandelt. Gewiss hatte die äussere Politik wenigstens eben so grossen Einfluss als die innere auf die BekehrungBerke'svom mongolischen Heidenthume zum Islam. Im Sommer desselben Jahres, mit dessen Beginn der Feldzug nach Persien beschlossen ward, begab sich eine Gesandtschaft Berke's auf den Weg nachAegypten, um die Mitwirkung des Sultans in Anspruch zu nehmen; Botschafter waren EmirDschelaleddin, Sohn des Richters, und der ScheichNureddin Ali, von grossem Gefolge begleitet;1. Redscheb 661/11. Mai 1262sie waren Ueberbringer eines am ersten Redscheb des laufenden Jahres datirten Beglaubigungsschreibens, in welchemBerkeseine Annahme des Islams kündete. Zu gleicher Zeit war zu Kairo eine Botschaft des byzantinischen KaisersLascariserschienen; sie wurden gemeinschaftlich mit einem Gastmahle bewirthet, und jeden Mittwoch und Sonnabend, wo der Sultan sich in die Maillebahn begab, wurden zahlreiche Geschenke unter sie vertheilt.28. Schaab. 661/5. Aug. 1262Am letzten Freitage des Monats Schaaban, welcher der erste des August, verrichtete der Schattenchalife des Hauses Abbas,Hakimbiemrillah, das Kanzelgebet sowohl auf den Namen des SultansBeibars, Herrschers von Syrien und Aegypten, als auf denBerke's, des Herrschers Kipdschak's[426]. Vier Tage hernach hatte die Ceremonie der Investitur des Ritterthums für den ChalifenHakimbiemrillahstatt.Futuwwet[427]bedeutet nicht sowohl den Adel, welcher auf arabischScherfheisst, als das Heldenthum oder eigentlich Ritterthum, als den Inbegriff grossmüthiger, edelmüthiger, starkmüthiger Gesinnungen und Handlungen. Das bekannte WortLa Feta illa Alikann nur mit den Worten:Es gibt keinen Helden oder keinen Ritter als Ali, übersetzt werden, und nicht als:Es ist kein Adeliger als Ali. Das Symbol des Heldenthums oder vielmehr ritterlicher Gesinnungen bestand aber nicht in Schild und Schwert, Panzer oder Helm, welche im Abendlande die Insignien des Ritterthums, sondern in einem Paar von – Beinkleidern. Tags darauf, nach der Ceremonie der ritterlichen Beinkleiderinvestitur, wurden die BotschafterBerke'sim Bergschlosse durch denAtabeg(Obersthofmeister) mit Ehrenkleidern ausgezeichnet. Das Antwortschreiben war so weitläufig gewortet und geschrieben, dass es nicht weniger als siebzig Bogen mittleren Formates ausden Fabriken von Bagdad. Der Schreiber desselben,Mohijeddin Abdes-sahir, las dasselbe dem Sultan in der Gegenwart der Emire vor, und es ward mit einem herrlichen Geschenke den zwei ägyptischen Botschaftern, dem EmirFariseddin Akusch Mesudiund dem ScherifImadeddin Haschimi, übergeben. Auch zu Mekka und Medina wurde das Chutbe auf den Namen Berke's verrichtet. Um den Faden der Erzählung ägyptischer und mongolischer Verhältnisse nicht durch den Bericht des nordischen Feldzuges, welchem der nächste Abschnitt gewidmet ist, zu unterbrechen, reihen sich hier noch die folgenden Begebenheiten ein, welche das unmittelbare Verhältniss der Aegypter und Mongolen betreffen. Es waren noch nicht zwei Monate nach dem Abgange der Botschaft an Berke verflossen, als eine grosse Anzahl mongolischer Emire[428]ankamen, um dem Sultane ihre Unterwürfigkeit zu bezeigen. Er ritt ihnen zum Empfange entgegen; alsbald sie ihn erblickten, stiegen sie vom Pferde und küssten die Erde vor dem Sultane, der im Sattel sitzen blieb. Nachdem er sie mit Ehren überhäuft, kehrte er in's Schloss zurück.Hosameddin, der Sohn Berke's, welcher als ein Beweis der Freundschaft seines Vaters für den Sultan nach Kairo gekommen, starb allda;5. Silhidsche 661/9. Nov. 1262drei Tage hernach wurden die Botschafter mit Ehrenkleidern angethan und der Sultan besuchte das Grabmal des Sohnes Berke's. Bald darauf kam eine zweite Schaar und endlich eine dritte tatarischer Edelen; der Sultan verlieh den Vornehmsten derselben den Rang eines Emirs und sie bekehrten sich auf seine Einladung zum Islam[429]. Kairo war damals von den Tataren beider Parteien, nämlich sowohl von der Berke's als Hulagu's, besucht; nur erschienen jene öffentlich als Freunde, die sich meistens zum Islam bekehrten, diese aber nur heimlich als Kundschafter, die, wenn entdeckt, ergriffen wurden. Unter die Emire derbekehrten Tataren sowohl, als die Franken, welche sich zum Islam bekehret hatten, wurden an Einem Tage vom Schatzmeister Bedreddin hundert achtzig Pferde vertheilt. Dieser Verkehr Berke's mit Beibars durch gegenseitige Botschaften erklärt die Verpflanzung mongolischer Hofwürden nach Aegypten, wo sich dieselben mit ihren ursprünglichen türkischen Namen erhielten, und erklärt die bei Makrisi erhaltene Kenntniss von der tatarischen Jasa. Bei der Betrachtung des feindlichen Verhältnisses der Oberhäupter der beiden Uluse Berke's und Hulagu's und ihrer gegenseitigen Verhältnisse mit Aegypten erhellet auch, dass die Kreuzfahrer damals nicht gegen alle Tataren gleiche Gesinnungen hegen und dieselben insgesammt als Feinde des Sultans von Aegypten und also als natürliche Freunde und Verbündete betrachten konnten. Dieses waren für die Kreuzfahrer nur die Mongolen Persiens, während die Mongolen Kipdschak's als die Freunde und Verbündete von Beibars auch die Feinde der Christen im gelobten Lande. Da der Krieg zwischen Berke und Hulagu dem Sultan in Aegypten und Syrien so freiere Hand liess, so konnte derselbe den Kreuzfahrern nur höchst unerwünscht sein.

Feldzug gegen Kipdschak.

Hulagu bot das ganze Heer Persiens zum Zuge wider Kipdschak auf, setzte sich mit demselben Hälfte Mai's des Jahres zwölfhundert zwei und sechzig vonAlataghaus in Bewegung.2. Schewwal 660/14. Mai 1262Schiramun, der Sohn Dschurmaghun's, der vormalige Statthalter Persiens, befehligte den Vortrab. Die NujanenBasmaghanundAbataistanden Anfangs Novembers vor Schamachi.26. Silkide 660/11. Nov. 1262Schiramun war von dem Heere Berke's überfallen und geschlagen worden, aber vier Tage vor Ende des moslimischen Jahres schlug Abatai beiSchaburandenNokaiin die Flucht.6. Moharrem 661/20. Nov. 1262Hulagu brach hierauf von Schamachi gegen Derbend auf. Hier wurden der Kanzler Seifeddin, der ChodschaAsisder Georgier und ChodschaMedschdeddinvon Tebris ergriffen, nach Schaburan gebracht und dort sammt dem Astronomen Hosameddin hingerichtet.Melik Ssadreddinvon Tebris undAli Melik, die Befehlshaber von Irak, schlugen sich in theilweisen Gefechten durch;21. Moharr. 661/7. Dec. 1262amsiebenten December stand das Heer Hulagu's vor den Mauern Derbend's. Nach dreitägigem Kampfe wurde die Feste erobert und acht Tage hernach Nokai geschlagen. Die Nujanen Schiramun und Abatai wollten den Prinzen Abaka, den ältesten Sohn Hulagu's, den er ihnen zur Hilfe gesendet, zur Rückkehr bewegen; aber dieser trotzte männlich den Beschwerden des Feldzugs inmitten des Winters. Hulagu ertheilte sieben anderen Nujanen[430]den Befehl, sich des Lagers der Kipdschaken zu bemächtigen. Sie gingen über den Terek und schleppten Zelte und Herden von allen Seiten zusammen, sich Ausschweifungen überlassend. Berke, hiervon in Kenntniss gesetzt, brach auf einmal mit mächtigem Heere aus den Schneegefilden der Steppe auf sie los;7. Rebiulewwel 661/16. Jan. 1263einen ganzen Tag ward an den Ufern des Terek gekämpft; als die persischen Truppen sich über den Fluss zurückzogen, brach das Eis ein und eine grosse Anzahl derselben ging zu Grunde; Abaka kam heil nach Schaburan; Berke hielt sich inner Derbend und Hulagu kam im Frühjahre nach Tebris zurück[431].11. Dschemasiulachir/9. Mai 1263Hulagu rächte sich für die Unfälle des Feldzugs, wie nach dem syrischen, durch den Mord von Unschuldigen. Er liess alle Kaufleute Kipdschak's, die sich zu Tebris befanden, hinrichten und ihre Güter einziehen[432]. Berke, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten, liess alle persischen Kaufleute, die in Kipdschak, morden; und Hulagu vergalt dieses Blutbad mit dem eines Theiles der Bewohner Bochara's, welches sich aus seinem Schutte hervorzuheben begann. Von sechzehn Hesaren, d. i. Regimentern, welche zu Bochara lagen, gehörten fünf dem Batu, drei der FrauSijurkukteni, der Mutter Hulagu's, die übrigen acht dem grossen Eidam Tschengischan's. Die fünf Regimenter Batu's liess Hulagu ausrücken und niederhauen[433]. Im folgenden Jahre erscholl abermal das Gerücht, dass ein Heer aus Kipdschak im Anzuge. Hulagu sandte den Scheich ScherifTebrisi auf die Strasse von Lesgistan nach Kipdschak, um Erkundigung einzuziehen. Er ward ergriffen und vor Nokai gebracht. Was macht Hulagu? fragte ihn Nokai, fährt er noch fort, aus Grimm unsere Krieger und Edele, unsere Kaufleute und Derwische zu morden? – Der Scheich entgegnete: Unser Padischah war vormals erzürnt ob der Misshelligkeit mit seinen Brüdern (Kubilai und Arigh) und das Feuer seines Grimms verbrannte, was trocken und feucht; allein seitdem der Bürgerkrieg um den Thron beendigt ist, übt er die strengste Gerechtigkeit. Es waren nämlich Gesandte mit der Nachricht angekommen, dassAiktokt, welcher dem Bruder Kubilai den Thron streitig machen wollte, sich unterworfen; dass Alghui, der Enkel Dschafer's, aus seinem Sohne Paidar, welcher ein anderer Thronprätendent, gestorben, dass Kubilai dem Bruder Hulagu das Diplom der Herrschaft von den Ufern des Oxus bis an die äussersten Gränzen Syriens alsIlchanundPadischahund obendrein dreissigtausend auserlesene mongolische Jünglinge zur Hilfe gesendet. Diese Nachricht lähmte die Kriegslust Nokai's, und der Scheich kehrte mit der Nachricht, dass, wiewohl kein Friede, die Feindseligkeiten aufgehört, zu Hulagu zurück. Das Interesse Hulagu's ist in die Streitigkeiten der Prinzen um die oberste Macht des Kaan's so enge verflochten und er hat an denselben durch seinen Gesandten so einwirkenden Antheil genommen, dass eine kurze Erzählung jener Begebenheiten als unmittelbar in dessen Geschichte gehörig hier unabweislich.


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