Chapter 14

Verhältnisse mit Aegypten; natürliche Politik.

Auf die kriegerischen Eigenschaften der Mongolen und ihre Feindschaft gegen die Mamluken hatten die Kreuzfahrer in Syrien ihre Hoffnungen gebaut, und eine Gesandtschaft derselben flehte Abaka um thätige Hilfe an. Auf seinen Befehl fiel ein vonSemaghar, dem Befehlshaber der mongolischen Streitkräfte in Kleinasien, und vonPerwane, dem mongolischen Vogte Kleinasiens, befehligtes Heer in Syrien ein.670/1271Der Vortrab von tausend fünfhundert Mann hieb einen zwischen Harun und Antiochien gelagerten turkmanischen Stamm zusammen und verheerte das Gebiet von Harun und Murudsch. Auf die erste Kunde hatte Bondokdar, der sich zu Damaskus befand,18. Rebiulewwel/24. Oct. 1271einen Eilboten nach Kairo mit dem Befehle, dass der GeneralBeiserimit dreitausend Mann aufbreche, gesandt. Bondokdar verliess mit demselben Haleb,12. Nov.aber die Mongolen hatten sich schon aus Syrien zurückgezogen. Sultan Beibars sandte eine Truppenabtheilung nach Meraasch, dem alten Germanicia, der Hauptstadt der noch heute darnach genannten osmanischen Statthalterschaft, die anderen nach Harran (dem alten Carra zur Römerzeit), durch den Tod des Caligula, durch die Niederlage des Cassius, in älterer Zeit durch den Tempel der Sabäer,namentlich durch den der Luna, und als der Wohnsitz Abraham's im LandeUrgeschichtlich geadelt. Die Einwohner Harran's öffneten die Thore und zerstreuten sich in die Städte Syriens; aber im nächsten Jahre kam eine mongolische Truppe und schleifte die Mauern der Stadt. Zu Damaskus erschienen vor Bondokdar Gesandte Semaghar's und Perwane's, welche im Namen Abaka's Friedensunterhändler begehrten; der Sultan sandte zwei seiner Officiere mit ihnen, welche den Feldherrn Semaghar zu Siwas fanden und ihm statt der gewöhnlichen neunmal neun Geschenke nur neun Bogen und neun Pfeile darbrachten, den Abgang der andern neunmal sieben durch die Eilfertigkeit ihres Ritts entschuldigend. Perwane begleitete die Gesandten des Sultans an den Hof Abaka's, dem sie zum Geschenke einen Helm von Igelstacheln, einen Säbel und neun Pferde darbrachten und ihm den von Mengu Timur, dem Herrn von Kipdschak, gemachten Vorschlag eines gemeinschaftlichen Angriffs auf die Länder Abaka's im Norden und Süden mittheilten. Die Stammeifersucht zwischen dem Feldherrn des Uluses Hulagu's und Dschudschi's, welche unter Hulagu und Berke in offenen Krieg ausgebrochen, unter Abaka's Regierung nur durch Waffenruhe, nicht durch Frieden besänftiget war, machte die Herrscher Kipdschaks zum natürlichen Verbündeten der Sultane von Aegypten, so wie gemeinsames Interesse wider die letzten die Kreuzfahrer wider die Mongolen verband, während die Schaukelpolitik der byzantinischen Kaiser sowohl an den Herrscher des Uluses Dschudschi's als an den des Uluses Hulagu's die Sendung von Gesandtschaften und Prinzessinnen vervielfältigte, um ihre, den Rest des byzantinischen Reichs in der Hauptstadt bedrohende, von allen Seiten hervorbrechende Macht so lange als möglich ferne zu halten. Dieses sogenannte natürliche Interesse, wodurch die nächsten Nachbarn geborne Feinde eines Staats, sowie die unmittelbaren Gränznachbarn der Feinde geborene Verbündete, ist eine Parallele barbarischer Politik zu der nicht minder barbarischen türkischen Ansicht der Familienverhältnisse, vermöge welcher die Söhnedie natürlichen Feinde der Väter, sowie ihre natürlichen Freunde die Enkel, weil diese als Feinde ihrer Väter geboren. Hier wie dort misst der niedrigste Eigennutz der Habsucht die Grade der Freundschaft und Feindschaft im umgekehrten Verhältnisse der Entfernungen der Länder und des Bluts, und diese bisher sogenannte natürliche Schaukelpolitik, welche vielmehr mit dem Namen der unnatürlichen gebrandmarkt sein sollte, muss in dem Masse verschwinden, als sich die Völker durch gegenseitigen Austausch der Ideen verbinden und die Bildung der Humanität fortschreitet; sie wird sich (sowie die Familienansicht der Feindschaft der Söhne und Freundschaft der Enkel schon heute keine christliche und europäische mehr) zuletzt nur bei den Barbaren finden, so lange es deren noch auf Erden geben wird; dass diese Politik aber im Mittelalter und besonders im byzantinischen und mongolischen Reiche, bei den Mamluken und Kreuzfahrern culminirte, darf bei der allen gemeinsamen, vorherrschenden Barbarei jener Zeit nicht Wunder nehmen.

Streifzug in Armenien.

Im folgenden Jahre sandte Abaka eine zweite Botschaft an Beibars, um zu begehren, dass der Sultan selbst oder einer der ersten Männer des Reichs an den Hof Abaka's komme, den Frieden zu unterhandeln.Ssafer 671/Aug. 1272Bondokdar antwortete: wolle der Ilchan den Frieden, so möge er selbst oder einer seiner Brüder an den Hof des Sultans kommen. Auf die Nachricht, dass mongolische Truppen die beiden GränzplätzeRahbetundBirthaam Euphrat bedrohten, brach Bondokdar auf und führte auf Kameelen zerlegte Schiffe mit sich, um damit den Euphrat zu überschiffen.9. Rebiulewwel 671/4. Oct. 1272So haben wir noch jüngst erlebt, dass zur Einrichtung der Dampfschifffahrt auf dem Euphrat das Schiff der Wüste durch die Wüste Schiffe trug. Durch die Taubenpost hatte Bondokdar die Nachricht erhalten, dass die Mongolen vor Bire, und durch dieselbe versprach er der Stadt den schleunigsten Entsatz. Er hielt Wort; denn die sieben und zwanzig Poststationen zwischen Damaskus und Bire wurden in sieben Tagen zurückgelegt; die mitgeführten Schiffe waren aber entweder nicht angelangt oder zu wenig, denn der Uebergangüber den Euphrat ward mittels fünf und dreissigtausend Kameelen[540]bewerkstelligt, auf denen das Heer überschwamm. Die Mongolen, wiewohl an Zahl doppelt dem ägyptischen Heere überlegen, zogen sich zurück; Bondokdar verfolgte sie und erbeutete von den Nachzüglern einen grossen Theil des Gepäcks; mit demselben und einer grossen Anzahl von Gefangenen zog er im Triumphe zu Damaskus ein. Der Befehlshaber von Haleb, Hossameddin von Aintab, sandte einen Streifzug nach Armenien, weil dasselbe für die Streifereien des Kastellans vonKinukdie begehrte Genugthuung nicht gegeben. Kinuk wurde genommen, die Männer wurden niedergehauen, die Weiber in die Sklaverei geschleppt; die Mauern der Hauptstadt Sis widerstanden, aber Tarsus wurde eingenommen und verheert. Beibars vernahm zu Kairo die Verheerung Armeniens und den Marsch Abaka's längs des Sab gegen den Euphrat; er bot das ganze Heer auf und begab sich nach Damaskus, wo er ruhig blieb, da kein Feind sich zeigte. An seinem Hofe erschien der vom Hofe Abaka's flüchtige Melik Schemseddin Behadir, Herr von Samosate, Sohn des Grossmundschenken des letzten Schahs von Chuaresm, welcher nach desselben Tod sich einiger Schlösser um Nachdschiwan und endlich der Stadt Akserai bemächtigt hatte;17. Ssafer 672/2. Sept. 1273er hatte schon seit geraumer Zeit dem Sultan verrätherische Dienste geleistet und durch einen auf seine Veranlassung im Namen des Sultans an einen christlichen Bischof in Persien geschriebenen, von Reliquien begleiteten Brief, den er hernach auffangen liess, die Hinrichtung dieses Bischofs bewirkt[541]; auch wider den Katholikos, d. i. den Patriarchen der Nestorianer, welcher, von den Moslimen durch falsche Anklagen verfolgt, Bagdad verlassen und sich zu Irbil niedergelassen hatte, war neue Verfolgung im Anzuge; um derselben zuentgehen, verlegte er seinen Sitz von Irbil nach Aschim in Aserbeidschan[542], in der Nähe der Hauptstadt, weil die Tyrannei nur am leidentlichsten im Mittelpunkte. Beibars, der sich über Verletzungen des mit dem Könige von Armenien geschlossenen Vertrags zu beklagen hatte, beschloss, Cilicien zu verheeren. Er brach von Damaskus im Geleite Manssur's, des Herrschers von Hama, und Scherefeddin Isa's, des Emirs der syrischen Beduinen, auf.3. Schaaban 673/1. Febr. 1275Der Emir und Hossameddin von Aintab, der Befehlshaber von Haleb, erhielten den Befehl, als Vortrab die Richtung von Bire zu nehmen; aber zu Sermin angelangt, liess Beibars dort sein Gepäcke unter der Obhut des Befehlshabers Ben Sonkar zurück und nahm den Weg von Derbesak. Diese durch die Einnahme Ssalaheddin's[543]und fünfzig Jahre hernach durch einen Sieg der Saracenen über die Templer in der Geschichte der Kreuzzüge schwarz gezeichnete feste Burg liegt amNehr Eswed, d. i. am schwarzen Flusse, welcher dem See von Antiochien zueilt, auf einer Anhöhe inmitten fruchtbarer Fluren und Gärten[544]. Von den Mongolen erobert, ward sie an König Hethum abgetreten, von diesem vor neun Jahren dem Sultan Bondokdar übergeben worden[545].

Verheerung Ciliciens.

Bondokdar lagerte zwischen Derbesak und dem zehn Miglien davon gelegenen Baghr, dessen Einwohner meistens christliche Fischer[546], und sandte von hier Truppenabtheilungen zu tausend Mann, jede mit Fackeln und mit Barken zur Ueberschiffung von Flüssen versehen, nach verschiedenen Richtungen in's Gebirge. Er lagerte zu Iskenderun hinter einer von König Hethum, dem Vater des regierenden Königs Leo, aufgeführten Mauer und rückte dann gegenMerkes[547]durch den syrischen Felsenpass vor, welcher wegen seiner EngeSsakaltutan, d. i. Bartanhaltend, heisst. Der Fluss von Merkes ist der alteKersos, dessen Name sich in demdes Schlosses zum Theile erhalten[548]. Die ägyptischen Truppen verheerten Massissa, das alteMopsuestia, d. i. der Feuerherd des Mopsus, das, auf beiden Seiten des Dschihan (Pyramus) gebaut, zwölf Miglien von der, unter dem Namen der Goldstoffwiese[549]in den Kriegen der Byzantiner mit Seifeddewlet durch Schlachten berühmten Ebene, eine halbe Tagreise von Adana; eine steinerne Brücke verbindet den diesseits und jenseits des Flusses gelegenen Theil der Stadt. Die auslaufende Bergkette des Taurus, welche sich von Massissa bis an das Meer zieht, heisst derDschebelon-nur, d. i. der Lichtberg, auf welchem die schönsten Hiacinthen und seltene Pflanzen, unter andern Mandragoren und ein Kraut, welches, weil es die Zähne der Schafe gelb färbt, von den Alchymikern als ein Hauptbestandtheil des Steins der Weisen gesucht wird[550]. Unter Massissa liegt die tiefe Felsenschlucht, welcheKurd Kulaghi, d. i. das Wolfsohr[551], heisst, zur Linken auf einem hohen Berge das weisse SchlossJilan Kalaasi, d. i. das Schlangenschloss, das für die Residenz der Schlangenkönigin gilt[552], die sich mit der Kronjuwele auf dem Haupte manchmal auf der Goldstoffwiese und auf den Höhen des Lichtbergs sonnt. Bondokdar drang in dem Gebirgspasse bis nachSis, der Hauptstadt des alten armenischen Königreichs, vor, welche mit den nahe gelegenen Festen vonAinsarbe,Tel Hamdun,SerfendkjarundBersbertvon den Arabern die Schneidezähne[553], d. i. die Gränzfesten des Islams, genannt werden; die letzte war der Schatzhort der armenischen Könige und eine Zeit lang die Residenz derselben[554]. NachdemSisverbrannt worden, kehrte der Sultan durch die Felsenschlösser zurück. Vier seiner Truppenabtheilungen hatten sich gegen die am Meere gelegenen cilicischen StädteTarsus,Adana,BarinundAjasgewendet.Tarsus, dessen Ruhm bis in die Zeit der assyrischenKönige hinauf datirt, indem sich Sardanapalus dasselbe erbauet zu haben rühmte, ist in der des Chalifats als der Ort, wo der grösste Chalife des Hauses Abbas den Geist aufgab, die in den morgenländischen Geschichten und Geographien berühmteste Stadt Ciliciens; am Cydnus[555], welcher die Mauern derselben wäscht, hatte Alexander nicht ohne Nachtheil seiner Gesundheit kalt gebadet, glücklicher als Friedrich Barbarossa, welcher in den Fluthen des Saleph oder Calycadnus[556], der bei Selefke vorbeiströmt, den Tod gefunden. Den Cydnus war Kleopatra in ihrer mit purpurnen Segeln und vielfarbigen Flaggen bepfauten goldenen Galeere hinaufgefahren; hiervon weiss die moslimische Ueberlieferung nichts, doch zeigt dieselbe das Felsen-Sopha der Dschinnen[557], wo der Chalife Mamun am vorbeifliessenden Wasser sass und einen über eine Elle langen Fisch aus dem Wasser zu ziehen befahl. Der schöne Silberfisch (vermuthlich ein Dschinne) sprang wieder in's Wasser, so dass derselbe die Kleider Mamun's bespritzte; dieser, zornig hierüber, befahl, den Fisch wieder herauszuziehen. „Nun werde ich dich sogleich gebraten essen“, sagte der Chalife, und übergab ihn dem Koch, aber im selben Augenblicke ergriff ihn ein heftiger Fieberschauer; als der Fisch ihm gebraten vorgesetzt wurde, war er nicht mehr im Stande, davon zu essen, und nach einigen Tagen ward er vom Fieber hinweggerafft. Durch diese Volkssage und durch die, welche nach Tarsus die Höhle der Siebenschläfer verleget (wiewohl man sie auch zu Ephesus und Damaskus zeigt), ist Tarsus nicht minder geschichtlich merkwürdig, als in der Geschichte der byzantinischen Feldzüge,i. J. 350/961in welchen Tarsus, vom byzantinischen Befehlshaber gütlich übergeben, die äusserste Gränzfeste des Islams ward. ZuAdana, der Hauptstadt der heute darnach genannten osmanischen Statthalterschaft, welche Harun Raschid am Ufer des Sihan, d. i. des Sarus, erbaut hatte, wurden die Männer getödtet, die Weiber und Kindergeraubt. Ajas, am Ufer des Meeres, zwei Tagreisen von Baghras und eine von Tel Hamdun entfernt, war in den Händen der Franken, welche ihr Habe auf die Schiffe im Hafen retteten. Die Stadt wurde von den Aegyptern verbrannt; tausend Franken und Armenier, die sich zur See retten wollten, gingen in derselben zu Grunde[558]. Massissa wurde verbrannt. Im folgenden Spätjahre wurde Bire von Obotai vergebens belagert; nach aufgehobener Belagerung zog eine ägyptische Truppenabtheilung nach Cilicien, wo dieselbe in der Nähe von Meraasch von Sinbad, dem Oheim des Königs, angegriffen ward.29. Nov. 1275Das Treffen kostete dem Oheim des Königs, vierzehn Grafen und dreihundert Armeniern das Leben. Die Turkmanen, wiewohl Sieger, zogen sich zurück[559].

Unruhen in Rum; Schlacht von Albestan.

Die Unruhen, welche in Rum ausgebrochen, führten bald neue feindliche Berührung zwischen dem Sultan Aegyptens und dem Ilchane Persiens herbei. Wir haben schon im vorigen Buche, in der Geschichte Hulagu's, der beiden Brüder Herrscher Rums, Rokneddin's und Iseddin's, und der Theilung Rums zwischen beiden erwähnt.Moineddin Ssahib Perwane, d. i. der Inhaber des Kabinetssiegels, der Wesir Rokneddin's, hatte den Mitregenten seines Herrn bei Alindschak, dem mongolischen Befehlshaber in Rum, eines Einverständnisses mit dem Sultan Aegyptens angeklagt; in der That hatte Iseddin Gesandte an Beibars mit dem Antrage der Abtretung der Hälfte seines Landes gesandt, wenn er ihm wider den Bruder beistehen wolle. Iseddin, auf dem Wege in's Hoflager zu Hulagu wider die Ränke seines Bruders und dessen Wesirs gewarnt, kehrte um und flüchtete sich zum byzantinischen Kaiser, welcher, um dem Hulagu gefällig zu seyn, denselben zu Ainos als Staatsgefangenen einsperrte. Iseddin interessirte für sich Berke, den Herrscher von Kipdschak, der in Feindschaft mit Hulagu, dem von diesem verfolgten Prinzen Truppen zu Hilfe schickte, die ihn aus Ainos befreiten; er starb als Vassal des Herrschersder goldenen Horde in der Krim. Rokneddin herrschte nun allein, aber nur dem Namen nach, denn der eigentliche Herrscher war Perwane. Dieser beinzüchtigte seinen Herrn bei Abaka empörerischer Plane und erhielt den Befehl seiner Hinrichtung.666/1268Rokneddin, von Perwane zu einem Feste geladen, wurde mit einer Bogensehne erwürgt, im selben Jahre, wo der letzte der Hohenstaufen, Konradin von Schwaben, auf dem Blutgerüste zu Neapel den Geist aushauchte. Perwane herrschte nun im Namen Ghajaseddin's, des vierzehnjährigen Sohnes Rokneddin's. Mehrere der Bege Rums, unter diesen auch der Sohn Perwane's[560], flüchteten zu Beibars und hetzten ihn zum Kriege wider Abaka auf. Nachdem er das Heer gerüstet, seinen schon vor neun Jahren zum Nachfolger ernannten SohnSaid Berkein seiner Abwesenheit mit unumschränkter Macht in Aegypten bekleidet hatte, brach er nach Syrien und von da gegen Cilicien auf. Der Befehlshaber von Haleb und der Emir der Wüste (Isa, der Sohn Mohenna's) schlugen eine Truppe der Araber Chafadsche, welche die Mongolen wider sie gesandt. Bondokdar zog über Aintab, Dulak[561], Kinuk, d. i. durch den taurischen Pass, die heutige Strasse der Pilgerkarawane. Er mündete in der Ebene vonAblestanoderAlbostan, wohin Geographen und Reisebeschreiber das dritte der drei berühmten TempelstädteKomane, nämlich das kappadocische, verlegen[562]; hier sowohl als in der goldenen Komane an der Vereinigung der beiden Arme des Euphrat in Sakasene und im pontischen wurde die taurischeArtemisalsAnaitisoder die KriegsgöttinEnyoin Tempeln verehrt, die unter Hut grosser Priestergesellschaften die Kapitole dieser Gegenden. Der NameAlbestan, d. i. der Garten, scheint derselbemit dem des altenPästumzu seyn, dessen Tempel vielleicht demselben Kultus heilig waren. Das pontische Komane ist in der römischen Kriegsgeschichte durch den Sieg Cäsar's über den Mithridates berühmt, und gleichen Ruhm sollte nun das kappadocische in der Kriegsgeschichte der Mamluken und Mongolen durch die Niederlage der letzten erhalten. Die Reiterei der Mongolen, aus eilf Regimentern von tausend Mann bestehend, ward vonTokus, seinem BruderUruktuund vonTudaun, dem Bruder Sughurdschak's, dem Suldusen, befehligt; die Hilfstruppen bestanden aus türkischen, deren Treue[563]in einer Schlacht wider Moslimen zweifelhaft, und aus einem georgischen Hilfscorps von dreitausend Mann.11. Silhidsche 675/16. April 1277Freitags in der Hälfte Aprils, am Freitage, welches der liebste Schlachttag Ssalaheddin's und auch Rudolph's von Habsburg (vielleicht weil dieser vernommen, dass Ssalaheddin seine Siege alle an einem Freitage erfochten), hatte die Schlacht statt. Der linke Flügel der Mongolen warf das Mitteltreffen der Mamluken, in welchem das Panier des Sultans flatterte, auf den rechten Flügel; aber Beibars unterstützte denselben und stellte die gebrochene Schlachtordnung wieder her. Uruktu und Tudaun sassen mit ihrer Reiterei ab, um den Anfall der ägyptischen mittels Pfeilregens aufzuhalten; aber die ausharrende Tapferkeit Bondokdar's siegte. Die Mongolen wurden geschlagen; ihre Feldherren Tokus und Tudaun und sechstausend siebenhundert siebzig gezählte Mongolen deckten das Schlachtfeld. Beibars lies sich die Gefangenen vorführen und dieselben zusammenhauen, einige Officiere ausgenommen, mongolische und armenische; die letzten überhäufte er mit Vorwürfen, dass sie sich in den Reihen der Ungläubigen schlügen; unter den Gefangenen befand sich ein Sohn, ein Neffe und die Mutter Perwane's[564]. Ein Diener Tudaun's brachte die Nachricht der Niederlage dem Ilchan, der erzürnt nach Tebris zurückkehrte.

Beibars zu Cäsarea.

Acht Tage nach dem Siege, Freitags, zog Beibars zu Kaissarije (Cäsarea) im Triumphe, unter einem Thronhimmel, wie derselbe ober dem Haupte der Sultane Seldschuken getragen ward, in den Palast des Sultans ein und setzte sich auf den Thron.18. Silkide/23. AprilMit dem Sultansbunde auf dem Kopfe nahte er sich dem Thore des Harems und sandte den Prinzessinnen des Herrscherhauses von Rum seine ehrfurchtvollsten Grüsse; dann setzte er sich wieder auf den Thron und empfing die Huldigung derUlemaundKadi, derImameundScheiche, der Prediger und Leser des Korans, derFakiheundFakire; der Ceremonienmeister, mit grossem Kopfwulste und weitem Mantel angethan, wies jedem die ihm gehörige Stelle an; die Heermusik spielte den Tusch, der zur Zeit des Gebetes nur für den Landesherrn erscholl, die Leser lasen Suren des Korans, Dichter declamirten Lobgedichte; Alle wurden mit einem Frühmahle königlich bewirthet; dann begab sich Beibars in die Moschee des Sultans, wo das Kanzelgebet auf seinen Namen verrichtet ward, so auch in den übrigen sechs Moscheen der Stadt[565]; das ausgeworfene Geld war auf seinen Namen gemünzt[566]. Die Schätze, welche Perwane und seine Gemahlin zu Kaissarije zurückgelassen, wurden unter die Emire vertheilt. Perwane, welcher in der Schlacht von Albestan das Heer des Sultans von Rum befehligt hatte, war nach Verlust derselben nach Kaissarije geflohen und hatte sich von hier mit dem Namensträger der Herrschaft Rums, mit Sultan Ghajaseddin, nach der Feste Tokat zurückgezogen; auf dem Wege dahin war seine von vierhundert Sklavinnen begleitete Gemahlin Gurdschi Chatun, die Tochter Ghajaseddin's, des Herrn von Erserum, gestorben. Perwane schrieb an Beibars, um ihm als Herrscher Rums zu huldigen; in seiner Antwort forderte Beibars ihn auf, persönlich zu erscheinen. Perwane bat um einen Aufschub von vierzehn Tagen, in der Hoffnung, dass Beibars, von dem Anmarsche Abaka's benachrichtigt, eher Cäsarea verlassen haben würde, das erwirklich am fünften Tage nach seinem Einzuge verliess. Beibars verliess Cäsarea in dem Augenblicke, wo zu erwarten stand, dass er seine Eroberungen in Rum verfolgen würde. Einige Christen und Armenier liess er hinrichten, sonst wurden die Einwohner von seinen Truppen, welche die Lieferungen genau bezahlten, nicht misshandelt. Während seines Aufenthaltes zu Cäsarea hatte Beibars die Huldigung des Herrschers von Karaman empfangen, welcher, der Gründer der Macht dieses Hauses, von nun an durch vier und zwanzig Jahre ein Nebenbuhler des der Seldschuken und dann durch hundert sechs und siebzig Jahre der Osmanen, bis dass es nach zwei Jahrhunderten und in zehn von den Osmanen wider dieselben geführten Kriegen zertrümmert ward[567]. Schemseddin Mohammed, der Karamane, zog an der Spitze von dreitausend Reitern nach der Hauptstadt Konia, vor welcher er die ihm von Sultan Beibars gesandten Fahnen aufpflanzte und die Stadt zur Uebergabe aufforderte. Die Einwohner antworteten, sie übergäben die Stadt nicht, doch würden sie ihn nicht hindern, wenn er die Thore verbrennen wolle, einzuziehen. Er verbrannte zwei Thore, besetzte die Stadt und bemächtigte sich der Citadelle durch List und Gold; dann zog er dem Heere entgegen, welches Fachreddin Ali, der Wesir Ghajaseddin's, von seinen beiden Söhnen befehligt, wider ihn gesendet;29. Silkide 675/3. Juni 1277der Karamane schlug es und kehrte mit den Köpfen der beiden Söhne des Wesirs nach Konia, verliess dasselbe aber nach sieben und dreissig Tagen und zog sich in's cilicische Gebirge zurück.Ssafer 676/Juli 1277Im folgenden Frühlinge zog Abaka dreimal gegen Rum[568]. Zu Ablistan oder Elbestan wartete ihm der Sultan Ghajaseddin mit seinem Wesire Fachreddin von Issfahan auf; als Abaka auf dem Schlachtfelde die noch unbegrabenen Mongolen sah, weinte er, liess mehrere Turkmanen, Urheber von Unruhen, hinrichten und gab den Befehl zur Verheerung der Städte Rums. In dem Ausfluge von siebenTagreisen wurden die Städte verheert, die Einwohner geschlachtet; es fielen mehr als hunderttausend derselben als ein Opfer des Schwertes[569]. Mohammed Schemseddin Dschuweini, der gerechte und gelehrte Grosswesir, kaufte mehrere derselben mit seinem Gelde los; schon war Siwas zur Hälfte verheert, als er die andere Hälfte durch seine Vorstellungen, dass die Einwohner unschuldig der Rache verfallen, rettete. Nureddin Chasneji und Sahireddin Ibn Husch wurden hingerichtet[570].

Gesandtschaft an Beibars, dessen Tod, Perwane's Hinrichtung.

Abaka wollte von Rum unmittelbar nach Syrien ziehen. Die Emire stellten ihm vor, dass in der Mitte des Sommers die Beschwerden des Zuges zu gross, dass der Marsch besser bis auf den Herbst verschoben bliebe. Er sandte also indessen Botschaft an Bondokdar: „Ihr seid wie Räuber auf die Vorwachen unserer Heere gefallen und habt dieselben erschlagen, und als Wir uns genaht, seid ihr wie Diebe entflohen; seid ihr Männer, so erscheinet nun auf dem Kampfplatze:

Komm', dass du meine Lanze streifest,Komm', dass du meinen Zügel greifest;Bist du ein Held, du wirst nicht stehen bleiben,Bist du ein Berg, so werd' ich dich zerreiben;Hast du von Männern je gehört der Schlachten,Die nicht gewitziget den Fuchs verlachten?“

Komm', dass du meine Lanze streifest,Komm', dass du meinen Zügel greifest;Bist du ein Held, du wirst nicht stehen bleiben,Bist du ein Berg, so werd' ich dich zerreiben;Hast du von Männern je gehört der Schlachten,Die nicht gewitziget den Fuchs verlachten?“

Beibars empfing die Botschaft zu Damaskus, wo er bald darauf starb[571]. Abaka übergab die Verwaltung Rums seinem Bruder, dem Prinzen Konghurtai[572]Aghul zur Huth, liess Tokat und das Schloss Perwane's verwüsten[573]und kehrte nach Alatak zurück. Als er am Schlosse von Baiburt vorbeikam, das in Armenien durch die Schönheit seiner Mädchen berühmt, wie Ersendschan durch die Fette seiner Schafe und Kumach durch die Feinheit seiner Leindwand[574], erbatsich ein Scheich die Erlaubniss, ihm frei die Wahrheit sagen zu dürfen; nach gegebener Erlaubniss sprach er: „Herr, dein Feind ist in deine Länder eingefallen, ohne deinen Unterthanen Uebles zuzufügen; weil er deinem Grimme entwischet, hast du denselben an deinen Völkern ausgelassen, hast deine Unterthanen getödtet, deine eigenen Länder verheert; welcher deiner Vorfahren hat desgleichen gethan?“ Die Worte des Scheichs machten tiefen Eindruck auf Abaka, der die Freigebung von viermalhunderttausend Gefangenen befahl[575]. Im Lager von Alatak wurde Moineddin Perwane vor Gericht gestellt, dreier Staatsverbrechen angeklagt: dass er zu Ablistan geflohen, dass er nach der Niederlage sich nicht zum Herrn begeben, dass er denselben nicht frühzeitig genug vom Anzuge der Aegypter unterrichtet. Die von Syrien zurückgekommenen Gesandten Abaka's sagten überdiess wider ihn aus, was sie dort erfahren, dass Beibars auf dessen Einladung nach Rum gekommen, das er in seine Hände zu liefern versprochen, dass er hernach aber vor demselben geflohen sei. An Perwane, welcher den Sultan Rums mit Bogensehne erwürgt hatte, ward nun Gleiches mit Gleichem vergolten;1. Rebiulewwel 677/23. Juli 1278Abaka war schon auf dem Punkte, ihm zu verzeihen und ihn nach Rum zurückzusenden, als die Wittwen der zu Ablistan Gefallenen Wehe- und Rachegeschrei vor dem Palaste Abaka's erhoben. Kutschuk Tukdschi Behadir mit zweihundert Reisigen erhielt den Befehl der Hinrichtung; Perwane war, sobald er sich umringt sah, seines Looses gewärtig und bat, nur noch ein Gebet von zwei Verbeugungen verrichten zu dürfen; nachdem er es verrichtet, wurde er zusammengehauen. Die Angabe des armenischen Mönchs Geschichtschreibers[576], dass Abaka vom Fleische Perwane's in alle Speisen zu mischen befohlen und selbst davon gegessen haben soll, verdient wenig Glauben. Moineddin Suleiman Perwane aus Dilem war der Sohn Mobariseddin Ali's, welcher, in früherer Jugend nach Rum gekommen, vom Finanzminister Sultan Alaeddin Keikobad'sals Eidam begünstigt, nach des Schwiegervaters Tod die Stelle als Wesir erhalten hatte. Sein Sohn Perwane beherrschte Rum im Namen der Seldschuken als unumschränkter Herr; Rokneddin Kilidsch Arslan hatte ihm die Stadt Sinope verpachtet, deren Besitz auch nach seiner Hinrichtung auf seinen Sohn Mohammed und von diesem auf den Enkel Perwane's, Mohesebeddin Mesud, überging[577]. Dieser bemächtigte sich Dschaniks und Ssamssuns, das nach seinem Tode[578]in den Besitz des Fürsten von Kastemuni fiel. Sechs Wochen nach der Hinrichtung Perwane's ward der Wesir Schemseddin nach Rum gesandt, um dem verwüsteten Lande wieder aufzuhelfen;17. Rebiulachir/7. Sept.er baute die verheerten Städte wieder auf, führte aber auch die Stempelgebühr ein, welche vordem in Rum nicht bestanden. Der Fürst von Karaman, der sich in unwegsamen Wäldern verborgen hielt, ward mit denselben verbrannt. Iseddin Ibek der Syrier erhielt die Statthalterschaft Malatia's. Schemseddin, nachdem er die Angelegenheiten Rums eingerichtet, wandte sich nach dem Kaukasus und Lesgistan, wo er die störrigen Bergvölker der mongolischen Herrschaft unterwarf[579].

Verungnadung Schemseddin's und Wiederaufnahme zu Gnaden.

In dem Augenblicke, wo Schemseddin durch die Einrichtung Rums nach der Unterwerfung Lesgistans dem Reiche die wichtigsten Dienste erweisend und seine Macht im höchsten, war auch seine Verungnadung am nächsten. Dieselbe war das Werk der RänkeMedschdulmülk's, des SohnesSsafiolmülk's, des vormaligen Wesirs der Atabegen von Jesd. Zuerst im Dienste Behaeddin's, des Sohnes Schemseddin's, zu Issfahan, war er von diesem dem Vater empfohlen worden, welcher ihn in verschiedenen Aufträgen und zur Zählung der Einwohner Georgiens und noch zuletzt in Rum verwendet hatte. Medschdulmülk hinterbrachte demJesu Buka Gurgan, welcher als Gemahl Kutlukan's, der sechsten Tochter Hulagu's, der Schwager Abaka's, dass Medschdeddin Esir, der Bestellte Alaeddin Dschuweini's (des Bruders Schemseddin's),in seinem und seines Bruders Namen geheimes Einverständniss mit den Aegyptern unterhalte, um diesen Bagdad zu überliefern. Abaka, hiervon durch seinen Schwager unterrichtet, befragte den Medschdeddin Esir, von dem aber selbst fünfhundert Prügel kein Geständniss erpressten. Schemseddin, in der Hoffnung, einen gefährlichen Feind zu versöhnen, verlieh seinem Ankläger Medschdulmülk die Statthalterschaft von Siwas mit einer Anweisung von zehntausend Dinaren auf den Schatz von Rum. Aber undankbar und unversöhnlich suchte Medschdulmülk neue Wege zum Gehöre Abaka's mittels dessen Sohnes, des Prinzen Arghun; diesem machte er zu Kaswin in einer geheimen Unterredung weis, Perwane habe auf Schemseddin's Einflüsterung den Bondokdar nach Syrien eingeladen, sein Bruder Alaeddin habe für sich eine mit Edelsteinen besetzte Krone verfertigen lassen; er könne dem Wesir beweisen, dass er sich viertausend Tomane[580]von den Krongütern erpresst, dass er ausserdem zweitausend Tomane an Heerden und Juwelen besitze, ohne zu rechnen, was er von den Schlössern der Assassinen und von Bagdad weggeschleppt; sein Sohn Behaeddin, der Statthalter von Issfahan, habe dort ausser den aufgelegten Steuern sechshundert Tomane erpresst; um ihm das Maul zu stopfen, habe er ihm die Statthalterschaft von Siwas mit einer Summe Geldes verliehen. Arghun hinterbrachte diese Reden seinem Vater; als dieser sich zuScherujas(in der Ebene zwischen Ebher und Serdschan) befand, ward Medschdulmülk durch Vermittelung des Emirs Taghadschar von Abaka im Bade empfangen. Abaka, hierdurch in seiner guten Meinung von Schemseddin's Finanzverwaltung beirrt, gab dem Ankläger den Auftrag, die Rechnungen der letzten Jahre zu untersuchen und die Güterbeschreibungen zu durchgehen, ohne dass einer der Emire oder Prinzen sich dessen weigern dürfe. Zugleich gab er ihm die Insignien des Löwenkopfes glänzender und schöner, als dieselben Sultanen und Königen verliehen worden[581]. Die Naibe oder Stellvertreter derSteuervögte wurden nach Tebris einberufen. Medschdulmülk stand auf einmal in hoher Gunst und verkündete dieselbe durch seinen Aufwand; er umgab sich mit berittenen Pagen, die auf arabischen Pferden mit goldenen Gürteln, und spannte ein von vierzig Säulen getragenes Zelt aus Atlas vonSchusteraus. Schemseddin wandte sich an seine Gönnerin und Beschützerin Oldschai Chatun, welche den aufgebrachten Gemahl dem Wesir zu versöhnen sich bestrebte. Er erhielt eine Audienz: „Wir haben dich“, redete ihn Abaka an, „in dem dir von Unserem Vater verliehenen Amte der Wesirschaft mit unumschränkter Machtvollkommenheit bestätigt und alle Länder deiner Feder untergeben; wie hast du unser Vertrauen zu misbrauchen und das Doppelte der Gebühren undankbarerweise dir anzueignen gewagt?“ Der Chalife Motedhad biemrillah hat gesagt: „Ueber den, der die Gnaden der Könige mit Undank erwiedert, werden die Schwerter Recht sprechen.“ Schemseddin antwortete: „Ein Theil der eingenommenen Gelder ward im Dienste der Finanzen, ein anderer in dem der Prinzen und Prinzessinnen, ein Theil zu Gaben und Almosen für's allgemeine Besste verwendet; was ich besitze an Kapitalien und Gütern, an Mamluken und Heerden, ist ein Brosamen der Gnaden und ein Abfall der Huld des Padischah's, den ich auf jeden Wink zurückzugeben erbötig.“ Abaka, durch diese Sprache des Wesirs versöhnt, verzieh ihm; er sagte: „Alle deine Schuld, die sich begeben und die sich nicht begeben, habe ich dir vergeben[582]und dich in deinem Amte neuerdings bestätigt.“ Die gegebenen Befehle der Verhaftnehmung der Intendenten des Wesirs wurden widerrufen und Schemseddin erliess Rundschreiben, um die Wiedererlangung Allerhöchster Gnade kund zu thun; in demselben waren die Worte Abaka's, wie folgt, angeführt: „Eine Zeit ist es, dass durch verlautende Kunden der Veränderung Unserer Gnade dir die Sicherheit der Nahrung und die Süssigkeit des Schlafes geraubt worden; nun gehe von hier in UnseremDienste betrunken nach Haus, strecke mit Herzen voll Lust und mit gesättigter Brust Hand und Fuss fröhlich im Hareme aus; lege dich früh nieder und stehe spät auf.“

Medschdulmülk, Amtsgenosse Schemseddin's.

Medschdulmülk, durch die Wiederaufnahme des Wesirs zu vorigen Gnaden beunruhigt, bat, dass Abaka ihn unter den Schutz eines der Emire seines Hofes stellen oder davon entfernen möge. Abaka antwortete, dass, wiewohl er den Schemseddin wieder zu Gnaden aufgenommen, er dem Medschdulmülk Nichts Uebles wolle und dass er beim EmirTaghadscharbleiben könne. Medschdulmülk, von seinem Rathe und Gelehrten Ssadreddin von Sendschan unterstützt, fuhr fort, Ränke zu schmieden, und zwar mit so gutem Erfolge, dass ein Diplom erging, vermöge dessen Medschdulmülk von Jesd dem Inhaber des Diwans an die Seite gegeben ward.679/1280Dieses Diplom ward im Götzentempel zu Mocha in Gegenwart aller Prinzen und Prinzessinnen öffentlich verlesen und alle Geschäftsleute bemerkten, dass noch kein Perser von den mongolischen Herrschern dergleichen Jerligh erhalten. Abaka empfahl dem Medschdulmülk die grösste Wachsamkeit in Bewahrung und Gebahrung der Staatsgelder und sich nicht vom Hofe zu entfernen, wo er unter seinem Schutze stehe[583]. Medschdulmülk stellte in allen Ländern Stellvertreter mit zahlreichem Gefolge an, und in den Erlassen des Diwans wurde der Name Schemseddin's als des Inhabers rechts, der Medschdulmülk's links auf derselben Höhe geschrieben. Zu dieser Zeit schrieb Medschdulmülk, seine Feindschaft nicht verhehlend, an Schemseddin die Verse:

Ich werd' in's Meer von deinem Kummer springen,Ich werd', ertrunken, alle Perlen bringen;Die Feindschaft ist zwar stark, doch hab' ich Lust,Zu röthen das Gesicht, wenn nicht, die Brust[584].

Ich werd' in's Meer von deinem Kummer springen,Ich werd', ertrunken, alle Perlen bringen;Die Feindschaft ist zwar stark, doch hab' ich Lust,Zu röthen das Gesicht, wenn nicht, die Brust[584].

Schemseddin antwortete hierauf:

Da es unmöglich, Schahe zu verklagen,So heisst es, still den Sturz der Welt ertragen;Was du begonnen hast, war nicht vonnöthen,Wird dir wie das Gesicht den Nacken röthen.

Da es unmöglich, Schahe zu verklagen,So heisst es, still den Sturz der Welt ertragen;Was du begonnen hast, war nicht vonnöthen,Wird dir wie das Gesicht den Nacken röthen.

Schemseddin, starkmüthiger Geduld, schlürfte den Becher der Demüthigung bis zum Hefen aus. Als er eines Tages mit seinem Amtsgenossen Feinde auf den Stufen des Thrones erschienen, befahl ihm Abaka, die untere Stufe einzunehmen; ein andermal, bei einem Gastmahle, verweigerte Abaka dreimal den ihm von Schemseddin dargebrachten Becher, den dieser hiernach dem ober ihm knienden Feinde darbrachte; Abaka reichte hierauf dem Schemseddin, dem eifrigen Moslime, ein Stück Schweinfleisch, das dieser schweigend verschluckte; da sagte Abaka zu den Trinkgenossen: Dort ist ein guter und ausharrender Mann; ich hatte beschlossen, hätte er sich das Schweinfleisch zu essen geweigert, ihm mit der Spitze des Messers das Aug' auszustechen.Rebiulewwel 680/1281Nun erschien Alaeddin, der Statthalter Bagdads, der Bruder Schemseddin's, welcher mit demselben in der Anklage von Gelderpressung verwickelt war, zu Bagdad ohne allen Aufwand in reinlicher Kleidung, und sogleich war von allen Seiten ein Heer von Anklägern und Zwischenträgern in der Luft; Medschdulmülk zeigte an: Alaeddin habe nun durch zwanzig Jahre die Steuerausschreibung des arabischen Irak und Chusistan's verwaltet und in jedem dieser Jahre über zwanzig Tomane Zuschuss erhoben. Alaeddin rechtfertigte sich „durch die ihm aufgebürdeten Ausgaben für die Prinzen und Frauen, für die Emire und Intendenten der Gauen, durch den Aufwand für die Gesandten am Hofe, für Geschenke und reiche Stoffe, welche alle die wichtigen Lasten der Pachten die Diwanseinnahmen vollmachten“[585]. Da die Ankläger hierin nicht aufkamen, änderten sie ihr Spiel. „Sie stellten“, sind Wassaf's Worte, „dem Könige gegenüber einen anderen Bau als Thurm auf und trugen vor, dass von den vor zehn Jahren[586]gelegten Rechnungen noch zweihundert fünfzig Tomane zu zahlen übrig seien.“ Bei gepflogener Untersuchung zeigte es sich, dass dieseSumme nicht dem Statthalter, sondern den Pächtern der Districte zur Last falle, von denen dieselbe einzutreiben unmöglich. So wurde darüber hinausgegangen und Alaeddin wieder nach Bagdad zur Verwaltung seines Amtes zurückgesandt. Was den Anklägern Schemseddin's und seines Bruders vorzüglich zu statten kam, war der durch die neuen Kriegsrüstungen eingetretene Geldmangel. Von Aegypten her nahten sich die ägyptischen BefehlshaberElfiundAschkar Sonkarmit einem Heere, welchem der Prinz Mengu Timur entgegengesandt ward; ein anderes Heer ging nach Osten zum Dienste des Kronprinzen Arghun in Chorasan, und ein drittes war zur Huth der Gränze von Derbend erforderlich. Abaka war in der Absicht, zu Bagdad zu überwintern, auf der Strasse von Irbil und Mossul aufgebrochen und Alaeddin hatte auf dieser Seite die Vorhuth vorausgesandt.1. Redscheb 680/16. Oct. 1281Zu Rahbet hielt Abaka grosse Kreisjagd und trat von hier den Weg nach Bagdad an. Diesen Augenblick benutzte Medschdulmülk, um dem Padischah zur Füllung der geleerten Cassen die von Alaeddin dem Schatze schuldigen Summen in's Gedächtniss zu rufen.

Alaeddin opfert sein Habe und wird verbannt.

Alaeddin, von allen Seiten der neuen, seinem Habe und Blute drohenden Gefahr benachrichtigt, ergriff das einzige Rettungsmittel des letzten durch freiwilliges Opfer des ersten. Er sandte sogleich sein ganzes Habe vom Grössten bis zum Kleinsten an den Fuss der Majestät: „Sein ganzes Habe“, nach den Worten des in der ganzen Fülle asiatischen Styles wuchernden Wassaf, „von den glänzenden Perlen, welche wie Glückessterne strahlten, bis zu den geringsten Korallen und den hölzernen Geschirren, den gemalten, von den kostbarsten Tapeten geflochten aus den goldenen Drähten bis zu den schlechtesten Kotzen und strohgeflochtenen Matten, von den Reinsten und Schöngestaltetsten bis zu den Niedrigsten und Veraltetsten, von den Gefässen, den vergoldeten, den auserwählten, bis zu den alten Hausgeräthen, den in die Rumpelkammer gestellten, von den Gürteln und Floren bis zu den Vorhängen von Thoren, von den Sklavinnen, den schönsten der Zeit, deren Wangen Rubinen von Bedachschan,bis zu den Stallknechten (Kutal), mit groben Kitteln angethan; er schaffte herbei aus der Musikkapelle die Pfeifen und Trommeln, an deren Stelle die wiehernden und yahenden, die sich stattlich und mannichfarbig als Reitthier nahenden, von den Mäulern und Pferden die wohlfeilen und die werthen, Kameele und Kameelinnen, Böcke und Widder. Sein Zweck war, in Ehren zu beharren und nicht die Waaren zu bewahren; er war bereit, Alles zu wagen und beizutragen und setzte den Fuss auf den Spruch:

Gott soll nach meiner Ehre mein Gut nicht segnen,

Gott soll nach meiner Ehre mein Gut nicht segnen,

als auf seinen höchsten und unabänderlichsten Entschluss.“ Zugleich eilte Alaeddin dem Ilchan entgegen und warf sich auf der Station Dodscheil zu seinen Füssen. Da die Summe der eingelieferten Schätze doch noch unter der Erwartung geblieben, wurde er ungnädig empfangen, und es erging ein Jerligh, um den Emir Taghadschar zur Einleitung des Prozesses nach Bagdad zu berufen; er plünderte noch das von Alaeddin gestiftete Karawanserai (Robath) Kloster, und da im Hause Alaeddin's nur der Besitzer allein zurückgeblieben war, wurde dieser in Empfang und Verhaft genommen. Alaeddin wurde in den Halsblock geschlagen, auf die Folter gelegt, nackt zu Bagdad hineingeführt und dann verbannt. In dieser Tiefe seines Elends sandte er an seinen Bruder, den Wesir, die arabischen Verse:


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