Galen hat in seinen Schriften so viel biographisches Detail hinterlassen, daß man sich über seinen Studiengang und seine späteren Erlebnisse in der Praxis daraus ziemlich genau unterrichten kann. - Pergamos gewährte durch sein Asklepieion, zu dem zahllose Kranke pilgerten, die günstigste Gelegenheit zu medizinischen Beobachtungen. Unter anderem sah Galen viele Fälle während einer Karbunkelepidemie (die Bloßlegung der tieferen Teile durch die Geschwüre war sehr instruktiv für das anatomisch-chirurgische Studium), und er berichtet, daß sein Lehrer Stratonikos veraltete Ulcera glücklich zu behandeln verstand. Charakteristisch bleibt es, daß er die Wunderkuren des Asklepios - auf dessen Weisungen zu achten er stets vorgab - naiv-gläubig hinnahm und mehrere der göttlichen Heilungen (z. B. eines Falles von chronischem Seitenstechen) unter seinen Jugenderinnerungen später anführte. Auch sonst berichtet er aus dieser Zeit manche Wundergeschichten und rühmt es seiner Heimat fälschlich nach, daß man dort, angeregt durch zufällige Erfahrungen, zuerst auf das Viperngift als Heilmittel gegen Lepra u. a. aufmerksam wurde.
Galen hat in seinen Schriften so viel biographisches Detail hinterlassen, daß man sich über seinen Studiengang und seine späteren Erlebnisse in der Praxis daraus ziemlich genau unterrichten kann. - Pergamos gewährte durch sein Asklepieion, zu dem zahllose Kranke pilgerten, die günstigste Gelegenheit zu medizinischen Beobachtungen. Unter anderem sah Galen viele Fälle während einer Karbunkelepidemie (die Bloßlegung der tieferen Teile durch die Geschwüre war sehr instruktiv für das anatomisch-chirurgische Studium), und er berichtet, daß sein Lehrer Stratonikos veraltete Ulcera glücklich zu behandeln verstand. Charakteristisch bleibt es, daß er die Wunderkuren des Asklepios - auf dessen Weisungen zu achten er stets vorgab - naiv-gläubig hinnahm und mehrere der göttlichen Heilungen (z. B. eines Falles von chronischem Seitenstechen) unter seinen Jugenderinnerungen später anführte. Auch sonst berichtet er aus dieser Zeit manche Wundergeschichten und rühmt es seiner Heimat fälschlich nach, daß man dort, angeregt durch zufällige Erfahrungen, zuerst auf das Viperngift als Heilmittel gegen Lepra u. a. aufmerksam wurde.
Nach dem Tode des Vaters verließGalendie Heimat, um an den vornehmsten Pflegestätten der Medizin und auf Reisen eine höhere ärztliche Ausbildung und allgemeine Kenntnisse (z. B. philosophische und linguistische) zu erlangen. In Smyrna hörte erPelops, der sich insbesonders durch Untersuchungen über Muskelanatomie auszeichnete, dort erweiterte er auch in Gesellschaft der tüchtigsten Aerzte seine Erfahrungen, z. B. über Nervenleiden und chirurgische Affektionen,und setzte seine philosophischen Studien fort. Der Aufenthalt in Korinth wurde wegen des Verkehrs mit dem AnatomenNumisianosbelehrend. Auf der Reise durch Kleinasien und Palästina vermehrte er seine naturhistorisch-pharmakologischen Kenntnisse durch Autopsie. Mit den höchsten Erwartungen aber zog er nach Alexandreia, wo die Osteologie und Zergliederungskunst am besten zu studieren war, und der Zusammenfluß von Kranken aller Länder dem Wißbegierigen eine Fülle von klinischen Erscheinungen darbot, wo es unter der Menge von Aerzten Vertreter der verschiedensten Richtungen gab. Tatsächlich dankte Galen der alexandrinischen Schule und der eigenen Beobachtung außerordentlich viel; er nenntHerakleianosund den MethodikerJulianosals Lehrer, spricht sich aber über die Vorlesungen des letzteren höchst ungünstig aus. Zu diesem Urteil mag nicht wenig der Umstand beigetragen haben, daß der Erwähnte polemisch gegen die Aphorismen des Hippokrates aufzutreten wagte und hierdurch die Empfindungen, welche Galen für den großen Koer schon früh hegte und bei verschiedenen Hippokrates-Kommentatoren (Satyros,Pelops,Numisianos) kennen gelernt hatte, tief verletzte.
Nach 9jähriger Wanderschaft finden wir den Pergamener wieder in der Heimat. Es scheint ihm ein bedeutender Ruf vorangegangen zu sein, denn schon war er durch einige anatomisch-physiologische Abhandlungen bekannt geworden, und mehrmals hatte der junge Arzt seine besondere Geschicklichkeit bewiesen; zudem kamen ihm jetzt die guten Beziehungen zur Priesterschaft zu gute. Und so wurde er denn nach Vollendung des 28. Lebensjahres von dem Oberpriester, dem die Abhaltung der sommerlichen Festspiele oblag, zumGladiatorenarzternannt - eine Stellung, die er vier Jahre mit Erfolg bekleidete.
Galen verfaßte schon vor 151 n. Chr. eine für Hebammen bestimmte Anatomie des Uterus, eine Diagnostik der Augenkrankheiten, drei Bücher über die Bewegung der Lunge und die Schrift über die ärztliche Erfahrung (Polemik zwischen Pelops und dem Empiriker Philippos).Noch im reifen Mannesalter legt er großen Wert auf die Erfahrungen, welche er in seiner Jugend an sich und anderen gemacht hatte. Wiederholt war er zur Herbstzeit infolge unmäßigen Obstgenusses bedenklich erkrankt, in seinem 28. Jahre drohte ihm angeblich aus gleicher Ursache die Gefahr eines inneren Abszesses, so daß er dem Obst ganz zu entsagen beschloß. Die damalige Heilung schrieb er nur der Gnade desAsklepioszu, als dessen Diener er sich fortan erklärte. Einige Male machte er verschiedene Fieber durch - dies wurde mit einem Schlage anders, seitdem er sich einer rationellen Lebensweise nach seinem eigenen diätetischen Systeme befleißigte. In Alexandreia erwarb er reiche Erfahrung über die Wirkung der Nahrungsmittel, des Klimas u. a., auch heilte er einen Studienfreund, der infolge des Genusses unreifer Datteln erkrankt war, in Pergamos kurierte er mehrere Patienten nach eigener Methode, ein Halsleiden durch ein aus grünen Nußschalen bereitetes Mittel, einenLeberschmerz durch Venäsektion zwischen Daumen und Zeigefinger etc., auch sammelte er Material, um über die Lehre von den kritischen Tagen klar zu werden.Als Gladiatorenarzt hatte er zwar vorwiegend mit Chirurgie zu tun, wobei er angeblich neue Methoden ersann (z. B. bei Schwerverwundeten Befeuchtung der Verbände mit Rotwein, um Entzündung zu vermeiden, Behandlungsweise von Sehnenverletzungen), aber mit offenem Blick verwertete er auch geeignete Fälle zur Vertiefung seines anatomisch-physiologischen Wissens und sorgfältig nützte er die an Athleten gemachten Beobachtungen für die Diätetik und die Lehre von der Heilgymnastik aus.
Galen verfaßte schon vor 151 n. Chr. eine für Hebammen bestimmte Anatomie des Uterus, eine Diagnostik der Augenkrankheiten, drei Bücher über die Bewegung der Lunge und die Schrift über die ärztliche Erfahrung (Polemik zwischen Pelops und dem Empiriker Philippos).
Noch im reifen Mannesalter legt er großen Wert auf die Erfahrungen, welche er in seiner Jugend an sich und anderen gemacht hatte. Wiederholt war er zur Herbstzeit infolge unmäßigen Obstgenusses bedenklich erkrankt, in seinem 28. Jahre drohte ihm angeblich aus gleicher Ursache die Gefahr eines inneren Abszesses, so daß er dem Obst ganz zu entsagen beschloß. Die damalige Heilung schrieb er nur der Gnade desAsklepioszu, als dessen Diener er sich fortan erklärte. Einige Male machte er verschiedene Fieber durch - dies wurde mit einem Schlage anders, seitdem er sich einer rationellen Lebensweise nach seinem eigenen diätetischen Systeme befleißigte. In Alexandreia erwarb er reiche Erfahrung über die Wirkung der Nahrungsmittel, des Klimas u. a., auch heilte er einen Studienfreund, der infolge des Genusses unreifer Datteln erkrankt war, in Pergamos kurierte er mehrere Patienten nach eigener Methode, ein Halsleiden durch ein aus grünen Nußschalen bereitetes Mittel, einenLeberschmerz durch Venäsektion zwischen Daumen und Zeigefinger etc., auch sammelte er Material, um über die Lehre von den kritischen Tagen klar zu werden.
Als Gladiatorenarzt hatte er zwar vorwiegend mit Chirurgie zu tun, wobei er angeblich neue Methoden ersann (z. B. bei Schwerverwundeten Befeuchtung der Verbände mit Rotwein, um Entzündung zu vermeiden, Behandlungsweise von Sehnenverletzungen), aber mit offenem Blick verwertete er auch geeignete Fälle zur Vertiefung seines anatomisch-physiologischen Wissens und sorgfältig nützte er die an Athleten gemachten Beobachtungen für die Diätetik und die Lehre von der Heilgymnastik aus.
Im Bewußtsein seines reichen Könnens, von brennendem Ehrgeiz erfüllt und sehnsüchtig nach einem größeren Wirkungskreise Verlangen tragend, verließGalenneuerdings die Vaterstadt, wo gerade ein Aufstand ausgebrochen war, um in Rom sein Glück zu wagen; von der Uebersiedelung nach Rom versprach er sich mit Recht eine beträchtliche Erweiterung seiner ärztlichen Erfahrungen. (Er stellte in dieser Beziehung einen Vergleich an zwischen der Riesenstadt und den kleinen Städten, in denen Hippokrates forschte.) Schon gleich beim Eintritt durch einige Landsleute gefördert, gelang es ihm sehr rasch, nicht nur festen Fuß zu fassen, sondern durch überraschende Diagnosen, durch unerwartete Heilerfolge, welche mit der bisherigen Behandlungsweise oft im grellsten Widerspruch standen, Aufsehen zu erregen und sich einen Namen zu machen. Wie einst bei Asklepiades, so währte es auch beiGalennicht lange, da erfreute er sich der Gunst geistvoller und vornehmer Persönlichkeiten, und noch höher wuchs sein Ruhm, als er vor der Elite der römischen GesellschaftVorträgeüber Bau und Leistung des Körpers in ansprechender Form zu halten begann. Zu seinen Freunden zählten die Philosophen Eudemos und Alexander von Damaskus, und bewundernd hingen an dem Gefeierten der Konsular Boethus, der spätere Stadtpräfekt Sergius, M. Civica Barbarus, der Oheim des Kaisers Lucius Verus, und der Schwiegersohn Marc Aurels, Cn. Claudius Severus -- Männer von größtem Ansehen und Einfluß. Doch der Pergamener ging weder in seiner oft einträglichen Praxis noch in dilettantischer Rhetorik auf, sondern arbeitete wissenschaftlich ernst und unaufhaltsam weiter, und gerade während dieser Epoche entstanden mehrere der bedeutendsten, umfangreichsten anatomisch-physiologischen Werke. Die großen Erfolge, welche Galen in Rom als Praktiker, Forscher und Lehrer erzielte, fanden aber bald in manchen betrübenden Eindrücken und Erlebnissen ihr Gegengewicht. Das sittliche Niveau der bunt zusammengewürfelten, ungleich ausgebildeten, in Sekten zerfallenen römischen Aerzteschaft war gewiß, wie aus der zeitgenössischen Literatur ersichtlich ist, ein sehr niederes; entsprechend dem ganzen Zeitcharakter bekämpfte man sich teils in wenig maßvollem Ton, teils mit den vergifteten Waffen der Intrige; schonungslos deckte einer die Schwächen des anderen vor demForum des Publikums auf, einzig allein bemüht, selbst mit den unlautersten Mitteln das eigene Renommee zu heben. Man kann sich ausmalen, mit welch scheelen Blicken das wachsende Ansehen des neuen Ankömmlings verfolgt wurde, der allzurasch seine Konkurrenten durch überragende Leistungen überholte. Aber der Neid mußte geradezu zur Mißgunst, zum offenen Hasse ausarten, als der Pergamener, unleugbar von großer Eitelkeit und Selbstbewunderung erfüllt, in Wort und Schrift, in Vorträgen wie am Krankenbette seine Ueberlegenheit in hochfahrendem Ton zur Schau trug, mit verletzendem Spotte die Blößen der Gegner aller Welt offenbarte, die herrschenden Schulen (Erasistrateer, Methodiker) lächerlich machte und nicht selten auch selbst mit nichts weniger als einwandsfreien Mitteln um die Gunst des Publikums buhlte, ja dieses zum Richter aufrief.
Gestützt wahrscheinlich auf Tagebuchaufzeichnungen schildert Galen später in weitschweifiger und von Eigenlob triefender Darstellung die Kurerfolge und diagnostischen Kunststücke während der ersten römischen Jahre. Man ersieht daraus, daß er sich oft, wo die reine Wissenschaft ihn im Stiche ließ, durch schlaue Berücksichtigung zufälliger Umstände zu helfen wußte, daß er mit tiefer Menschenkenntnis dort suggestiv zu wirken verstand, wo der Arzneischatz versagte. „Oftmals,“ so spricht er zu seinen Schülern, „bietet uns der Zufall die Hand zur Berühmtheit, aber die meisten wissen aus Unkenntnis daraus keinen Nutzen zu ziehen.“ Wer den ärztlichen Beruf ausübt und erfahren hat, wie oft zufällige Umstände zur Diagnose führen, wie vorteilhaft und zum Wohle des Patienten namentlich eine verdeckte Suggestion wirkt, wird nicht vorschnell das Vorgehen Galens als Scharlatanerie verdammen -- einen abstoßenden Eindruck macht es aber für unser heutiges Empfinden, daß der große Arzt sich gar zu viel auf diese Seite seines Könnens zu gute tut, alles pomphaft aufbauscht und mit ätzendem Spott seine weniger klugen und weniger glücklichen Kollegen oft in unwürdigster Weise übergießt, ja seine wissenschaftlichen Abhandlungen unter fortwährendem Selbstlob geradezu pro domo schreibt. Freilich ist hierbei in Anschlag zu bringen, daß die scharfen Aeußerungen Galens mindestens teilweise sehr begründet waren und im Rahmen der Zeit auch milder zu beurteilen sind, ferner, daß ihm keiner der damaligen Aerzte an medizinischem Wissen und vielseitiger Ausbildung gleichkam. Typisch ist schon die erste Krankengeschichte, welche den berühmten Landsmann des Pergameners, den Peripatetiker Eudemos betrifft, bei welchem Galen das Aufhören einer Quartana genau auf den Tag voraussagte; hier wird den römischen Aerzten nicht nur Neid wegen der richtig gestellten Prognose, sondern Gewinnsucht, Schurkerei und Bosheit vorgeworfen. In der Darstellung eines anderen Falles, wo eine anfallsweise auftretende Melancholie beseitigt wurde, werden die angesehensten Kollegen als töricht, unwissend und frech gescholten u. s. w. Ein Beispiel für die kluge Benützung von zufälligen Umständen für die Diagnosenstellung bildet die Untersuchung eines leberkranken sizilischen Arztes, wobei Galen auf alles achtete, was im Krankenzimmer einen Schluß auf die Art des Leidens zuließ, sich aber den Anschein gab, als habe er alles aus dem Pulse erkannt. Mit dem gewissen savoir-faire wußte er unter anderem auch an einem der Söhne und an der Frau des Boethos eine „Wunderkur“ zu vollziehen — die ihm nicht weniger als 400 Goldstücke (10000 Kronen) eintrug, und selbstgefällig erzählt er mehrere Fälle, wo er scharfsinnig die psychische Ursache scheinbar schwerer Erkrankungenerriet; sehr günstig für sein Renommee war in dieser Hinsicht insbesondere die Behandlung einer vornehmen Römerin, der Frau des Justus, bei welcher er die Schlaflosigkeit auf unglückliche Liebe (zu dem Tänzer Pylades) zurückführen konnte. Das Verhältnis zu den Kollegen war unter solchen Umständen — die Schuld lag gewiß an beiden Teilen — bald getrübt. Und charakteristischerweise hält sich Galen in seiner Isolierung an die Laien. „Sie hätten doch wenigstens gesunden Menschenverstand, der jenen ‚Sophistenʻ abgeht, während ihm die Aerzte, ‚jene Menschenklasseʻ, wegen seiner glänzenden Erfolge nur Haß und Unverstand entgegenbrächten.“ Man kann sich vorstellen, welchen Neid der Glückliche erregte, als zu seinen öffentlichen Vorträgen über Physiologie, bei welchen auch Vivisektionen an Böcken und Schweinen vorgenommen wurden, die Leute von Rang und Bildung förmlich hinströmten. Schon im ersten Jahre seines Aufenthalts in Rom beschloß er bei Krankenbesuchen nur das Nötigste zu sprechen und öffentlich nicht wieder aufzutreten, ja er wünscht sich, angewidert von dem Treiben der Großstadt, wieder in die Provinz zurück.Mag man aber über den Charakter Galens, wie immer, denken,dasversöhnt doch mit allen seinen aus dem wenig bescheidenen Zeitgeist erklärlichen Schwächen, daß der gesuchte Praktiker inmitten des geräuschvollen Lebens die Energie besaß, Werke zu schaffen, welche seinen dauernden Nachruhm begründet haben. So schrieb er damals die ersten sechs Bücher der „Lehrmeinungen des Hippokrates und Platon“, das erste Buch „über den Nutzen der Körperteile“, die Abhandlungen über die Knochen, über die Venen und Arterien, über die Nerven. Manches andere aus der literarischen Tätigkeit dieser Lebensepoche ist verloren gegangen: zwei Bücher über anatomisches Präparieren, zwei Bücher über die Ursachen des Atmens, vier Bücher über die Stimme, sechs Bücher über die Anatomie des Hippokrates, drei Bücher über die Anatomie des Erasistratos, zwei Bücher über Vivisektionen, ein Buch über die Sektion toter Tiere, eine Abhandlung über die Schädlichkeiten des Aderlasses.
Gestützt wahrscheinlich auf Tagebuchaufzeichnungen schildert Galen später in weitschweifiger und von Eigenlob triefender Darstellung die Kurerfolge und diagnostischen Kunststücke während der ersten römischen Jahre. Man ersieht daraus, daß er sich oft, wo die reine Wissenschaft ihn im Stiche ließ, durch schlaue Berücksichtigung zufälliger Umstände zu helfen wußte, daß er mit tiefer Menschenkenntnis dort suggestiv zu wirken verstand, wo der Arzneischatz versagte. „Oftmals,“ so spricht er zu seinen Schülern, „bietet uns der Zufall die Hand zur Berühmtheit, aber die meisten wissen aus Unkenntnis daraus keinen Nutzen zu ziehen.“ Wer den ärztlichen Beruf ausübt und erfahren hat, wie oft zufällige Umstände zur Diagnose führen, wie vorteilhaft und zum Wohle des Patienten namentlich eine verdeckte Suggestion wirkt, wird nicht vorschnell das Vorgehen Galens als Scharlatanerie verdammen -- einen abstoßenden Eindruck macht es aber für unser heutiges Empfinden, daß der große Arzt sich gar zu viel auf diese Seite seines Könnens zu gute tut, alles pomphaft aufbauscht und mit ätzendem Spott seine weniger klugen und weniger glücklichen Kollegen oft in unwürdigster Weise übergießt, ja seine wissenschaftlichen Abhandlungen unter fortwährendem Selbstlob geradezu pro domo schreibt. Freilich ist hierbei in Anschlag zu bringen, daß die scharfen Aeußerungen Galens mindestens teilweise sehr begründet waren und im Rahmen der Zeit auch milder zu beurteilen sind, ferner, daß ihm keiner der damaligen Aerzte an medizinischem Wissen und vielseitiger Ausbildung gleichkam. Typisch ist schon die erste Krankengeschichte, welche den berühmten Landsmann des Pergameners, den Peripatetiker Eudemos betrifft, bei welchem Galen das Aufhören einer Quartana genau auf den Tag voraussagte; hier wird den römischen Aerzten nicht nur Neid wegen der richtig gestellten Prognose, sondern Gewinnsucht, Schurkerei und Bosheit vorgeworfen. In der Darstellung eines anderen Falles, wo eine anfallsweise auftretende Melancholie beseitigt wurde, werden die angesehensten Kollegen als töricht, unwissend und frech gescholten u. s. w. Ein Beispiel für die kluge Benützung von zufälligen Umständen für die Diagnosenstellung bildet die Untersuchung eines leberkranken sizilischen Arztes, wobei Galen auf alles achtete, was im Krankenzimmer einen Schluß auf die Art des Leidens zuließ, sich aber den Anschein gab, als habe er alles aus dem Pulse erkannt. Mit dem gewissen savoir-faire wußte er unter anderem auch an einem der Söhne und an der Frau des Boethos eine „Wunderkur“ zu vollziehen — die ihm nicht weniger als 400 Goldstücke (10000 Kronen) eintrug, und selbstgefällig erzählt er mehrere Fälle, wo er scharfsinnig die psychische Ursache scheinbar schwerer Erkrankungenerriet; sehr günstig für sein Renommee war in dieser Hinsicht insbesondere die Behandlung einer vornehmen Römerin, der Frau des Justus, bei welcher er die Schlaflosigkeit auf unglückliche Liebe (zu dem Tänzer Pylades) zurückführen konnte. Das Verhältnis zu den Kollegen war unter solchen Umständen — die Schuld lag gewiß an beiden Teilen — bald getrübt. Und charakteristischerweise hält sich Galen in seiner Isolierung an die Laien. „Sie hätten doch wenigstens gesunden Menschenverstand, der jenen ‚Sophistenʻ abgeht, während ihm die Aerzte, ‚jene Menschenklasseʻ, wegen seiner glänzenden Erfolge nur Haß und Unverstand entgegenbrächten.“ Man kann sich vorstellen, welchen Neid der Glückliche erregte, als zu seinen öffentlichen Vorträgen über Physiologie, bei welchen auch Vivisektionen an Böcken und Schweinen vorgenommen wurden, die Leute von Rang und Bildung förmlich hinströmten. Schon im ersten Jahre seines Aufenthalts in Rom beschloß er bei Krankenbesuchen nur das Nötigste zu sprechen und öffentlich nicht wieder aufzutreten, ja er wünscht sich, angewidert von dem Treiben der Großstadt, wieder in die Provinz zurück.
Mag man aber über den Charakter Galens, wie immer, denken,dasversöhnt doch mit allen seinen aus dem wenig bescheidenen Zeitgeist erklärlichen Schwächen, daß der gesuchte Praktiker inmitten des geräuschvollen Lebens die Energie besaß, Werke zu schaffen, welche seinen dauernden Nachruhm begründet haben. So schrieb er damals die ersten sechs Bücher der „Lehrmeinungen des Hippokrates und Platon“, das erste Buch „über den Nutzen der Körperteile“, die Abhandlungen über die Knochen, über die Venen und Arterien, über die Nerven. Manches andere aus der literarischen Tätigkeit dieser Lebensepoche ist verloren gegangen: zwei Bücher über anatomisches Präparieren, zwei Bücher über die Ursachen des Atmens, vier Bücher über die Stimme, sechs Bücher über die Anatomie des Hippokrates, drei Bücher über die Anatomie des Erasistratos, zwei Bücher über Vivisektionen, ein Buch über die Sektion toter Tiere, eine Abhandlung über die Schädlichkeiten des Aderlasses.
Nach eigener Angabe von den Intrigen der Feinde das Schlimmste befürchtend — es soll vorgekommen sein, daß man den glücklichen Konkurrenten meuchlings beiseite schaffte — verließ Galen die mit so großer Erwartung betretene Hauptstadt nach ungefähr 4jährigem Aufenthalt im Jahre 166 im geheimen, ohne Abschied zu nehmen, wie ein Flüchtling. Es bleibt immerhin merkwürdig, daß die schleunige Abreise in einem Augenblick erfolgte, da ihm durch das Eingreifen seiner mächtigen Gönner der längst ersehnte Zutritt zum kaiserlichen Hofe unmittelbar bevorstand — unter solchem Schutze war doch nichts mehr zu befürchten —, und noch eigentümlicher berührt es, daß Galen von Rom gerade in jenem Augenblick fortzog, da sich mit Riesenschritten jene Seuche näherte, welche wie ein Strom des Unheils das Reich überschwemmte und in seinen Grundfesten zum Wanken brachte — die „Pest“. Es kann dem großen Arzte der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß er unter diesen Umständen an seinem Platze hätte ausharren müssen, mochten auch eingebildete oder wirkliche Gefahren drohen!
Die sogenannte „Pest“ des Antonin oder Galen wurde aus Syrien durch die römischen Heere verschleppt und dehnte sich allmählich über ganz Europa aus. In Rom brach sie im Jahre 166 n. Chr. aus. Die außerordentliche Kontagiosität derSeuche wird von allen zeitgenössischen Berichten hervorgehoben. Es scheint sich um verschiedenartige gleichzeitig auftretende Krankheitsprozesse gehandelt zu haben; die Schilderungen weisen vorwiegend auf blattern- und ruhrähnliche Affektionen hin, doch mangeln uns zureichende Anhaltspunkte für die sichere Beurteilung. Die „Pest“ begann 165 n. Chr., forderte unzählige Opfer und dauerte mindestens 15 Jahre fort. Galen gedenkt der Seuche in mehreren seiner Schriften.
Die sogenannte „Pest“ des Antonin oder Galen wurde aus Syrien durch die römischen Heere verschleppt und dehnte sich allmählich über ganz Europa aus. In Rom brach sie im Jahre 166 n. Chr. aus. Die außerordentliche Kontagiosität derSeuche wird von allen zeitgenössischen Berichten hervorgehoben. Es scheint sich um verschiedenartige gleichzeitig auftretende Krankheitsprozesse gehandelt zu haben; die Schilderungen weisen vorwiegend auf blattern- und ruhrähnliche Affektionen hin, doch mangeln uns zureichende Anhaltspunkte für die sichere Beurteilung. Die „Pest“ begann 165 n. Chr., forderte unzählige Opfer und dauerte mindestens 15 Jahre fort. Galen gedenkt der Seuche in mehreren seiner Schriften.
Die Rückreise in die Heimat zog sich lange hin, da Galen in verschiedenen Gegenden zu Studienzwecken kürzer oder länger verweilte. So lernte er z. B. in Kampanien den ausgezeichneten Luft- und Milchkurort Tabiae kennen, besuchte auf Cypern das Kupferbergwerk, nahm aus den dortigen Minen große Mengen heilkräftiger Erze mit und sammelte in Palästina Gileadbalsam, am Toten Meere Asphalt, in Phönizien einheimische und indische Drogen. In Pergamos war ihm nur ein kurzer Aufenthalt vergönnt, denn inzwischen durch ihre Umgebung auf den großen Arzt aufmerksam gemacht, beriefen ihn die beiden Kaiser Lucius Verus und Marcus Aurelius Antoninus brieflich von Aquileia aus, wo sie während der Vorbereitung zum Markomannenkriege verweilten, zu sich. Galen kam dem Befehle anscheinend nach einigem Zögern nach, reiste über Lemnos durch Thrakien und Makedonien und traf im Winter 168/9 in Aquileia ein. Der erneute Ausbruch der „Pest“, welcher das Heer dezimierte, nötigte die Kaiser, mit geringer Bedeckung nach Rom zu flüchten, unterwegs erlag Verus der Seuche. Marc Aurel forderte Galen, der ihm nach Rom gefolgt war, auf, ihn auf dem Feldzug gegen die Markomannen zu begleiten, doch (angeblich durch einen Traum, in dem ihm Asklepios erschien, gewarnt) wußte es der Pergamener durchzusetzen, daß der edle Herrscher auf seine Begleitung verzichtete und ihn statt dessen mit der ärztlichen Beaufsichtigung des jungen Commodus betraute. Die Tätigkeit am Hofe nahm jedenfalls so wenig Zeit in Anspruch, daß sich Galen den wissenschaftlichen Arbeiten ungestört widmen und im Zeitraum von 169-180 (Todesjahr des Marc Aurel) die meisten seiner umfangreichen und grundlegenden Schriften abfassen konnte.
Nach dem Tode des Leibarztes Demetrios, welcher während des Markomannenkrieges starb, ernannte Marc Aurel den Galen noch von der Donau her zu dessen Nachfolger; hauptsächlich bestand seine Tätigkeit in der Bereitung des beliebten Theriaks, von dem der Kaiser aus prophylaktischen Gründen täglich zu nehmen pflegte (in einer seiner Konstitution entsprechenden Zusammensetzung). Die zahlreichen Ingredienzien des Wundermittels mußten in vorzüglicher Qualität aus den verschiedensten Ländern herbeigeschafft werden. Bald nach Rückkunft des Kaisers (Ende 176) vollzog Galen an Marc Aurel eine Kur, auf welche er sich viel zu gute tat. Er findet selbst seine Diagnose „wirklich wunderbar“ und erzählt die Episode in seiner gewöhnlichen, deklamatorischen und prahlerischen Weise. Der Kaiser litt seit mehreren Tagen an einer akuten mit Fieber und schmerzhaften Entleerungen einhergehenden Affektion, welche die Leibärzte füreinen fieberhaften Paroxysmus hielten und mit Abführmitteln behandelt hatten. „Hierauf,“ berichtet Galen, „berief man mich ebenfalls im Palaste zu übernachten; es kam jemand mich zu rufen, als eben die Lampen angezündet waren, auf kaiserlichen Befehl. Drei hatten ihn in der Frühe und um die 8. Stunde gesehen, zwei ihm den Puls gefühlt, und allen schien es der Anfang eines Anfalls zu sein. Ich aber stand schweigend; da blickte mich der Kaiser an und fragte zuerst, warum ich ihm nicht wie die anderen den Puls gefühlt hätte. Ich entgegnete: ‚Zwei taten dies schon und haben wahrscheinlich schon während der Reise mit dir die Eigentümlichkeit deines Pulses kennen gelernt; deshalb, meine ich, erkennen sie besser den gegenwärtigen Zustandʻ. Als ich dies gesagt, forderte er mich auf, ihn zu fühlen, und da mir der Puls auch bei Berücksichtigung des Alters und der Konstitution von dem abzuweichen schien, der einen Fieberanfall bezeichnet, erklärte ich, es sei keiner zu befürchten, sondern der Magen werde von der eingenommenen Nahrung bedrückt, die von der Ausscheidung verschleimt wäre. Diese Diagnose veranlaßte sein Lob, und er sagte wörtlich dreimal hintereinander: ‚Das ist's, gerade das ist's, was du sagtest; ich fühle ja, daß mir die kältere Nahrung Beschwerde machtʻ. Darauf fragte er, was zu tun sei. Ich antwortete ihm frei heraus, wenn ein anderer der Patient wäre, so würde ich ihm nach meiner Gewohnheit Wein mit Pfeffer gegeben haben. ‚Bei euch Herrschern aber pflegen die Aerzte die unbedenklichsten Heilmittel zu gebrauchen; so genügt es Wolle mit warmem Nardenbalsam getränkt auf den Magenmund zu legen.ʻ Er sagte, auch sonst sei er gewöhnt, wenn er einmal über den Magen zu klagen habe, warmen Nardenbalsam auf Purpurwolle gestrichen aufzulegen, und befahl dem Peitholaos dies zu tun und mich zu entlassen. Als dieser ihn aufgelegt hatte, und seine Füße erwärmt worden waren durch Massieren mit warmen Händen, forderte er Sabinerwein, warf Pfeffer hinein und trank, und zu Peitholaos sagte er nun nach dem Trinken, er hätte nun einen Arzt und zwar einen sehr freimütigen, worauf er fortwährend über mich äußerte, von den Aerzten sei ich der erste und von den Philosophen der einzige; er hatte es ja schon mit vielen versucht, nicht allein geldgierigen, sondern auch ehr- und ruhmsüchtigen, neidischen und bösartigen. Wie ich nun schon erwähnte, glaube ich keine andere Untersuchung gemacht zu haben, die bewundernswerter wäre als diese ...“
Nach dem Tode des Leibarztes Demetrios, welcher während des Markomannenkrieges starb, ernannte Marc Aurel den Galen noch von der Donau her zu dessen Nachfolger; hauptsächlich bestand seine Tätigkeit in der Bereitung des beliebten Theriaks, von dem der Kaiser aus prophylaktischen Gründen täglich zu nehmen pflegte (in einer seiner Konstitution entsprechenden Zusammensetzung). Die zahlreichen Ingredienzien des Wundermittels mußten in vorzüglicher Qualität aus den verschiedensten Ländern herbeigeschafft werden. Bald nach Rückkunft des Kaisers (Ende 176) vollzog Galen an Marc Aurel eine Kur, auf welche er sich viel zu gute tat. Er findet selbst seine Diagnose „wirklich wunderbar“ und erzählt die Episode in seiner gewöhnlichen, deklamatorischen und prahlerischen Weise. Der Kaiser litt seit mehreren Tagen an einer akuten mit Fieber und schmerzhaften Entleerungen einhergehenden Affektion, welche die Leibärzte füreinen fieberhaften Paroxysmus hielten und mit Abführmitteln behandelt hatten. „Hierauf,“ berichtet Galen, „berief man mich ebenfalls im Palaste zu übernachten; es kam jemand mich zu rufen, als eben die Lampen angezündet waren, auf kaiserlichen Befehl. Drei hatten ihn in der Frühe und um die 8. Stunde gesehen, zwei ihm den Puls gefühlt, und allen schien es der Anfang eines Anfalls zu sein. Ich aber stand schweigend; da blickte mich der Kaiser an und fragte zuerst, warum ich ihm nicht wie die anderen den Puls gefühlt hätte. Ich entgegnete: ‚Zwei taten dies schon und haben wahrscheinlich schon während der Reise mit dir die Eigentümlichkeit deines Pulses kennen gelernt; deshalb, meine ich, erkennen sie besser den gegenwärtigen Zustandʻ. Als ich dies gesagt, forderte er mich auf, ihn zu fühlen, und da mir der Puls auch bei Berücksichtigung des Alters und der Konstitution von dem abzuweichen schien, der einen Fieberanfall bezeichnet, erklärte ich, es sei keiner zu befürchten, sondern der Magen werde von der eingenommenen Nahrung bedrückt, die von der Ausscheidung verschleimt wäre. Diese Diagnose veranlaßte sein Lob, und er sagte wörtlich dreimal hintereinander: ‚Das ist's, gerade das ist's, was du sagtest; ich fühle ja, daß mir die kältere Nahrung Beschwerde machtʻ. Darauf fragte er, was zu tun sei. Ich antwortete ihm frei heraus, wenn ein anderer der Patient wäre, so würde ich ihm nach meiner Gewohnheit Wein mit Pfeffer gegeben haben. ‚Bei euch Herrschern aber pflegen die Aerzte die unbedenklichsten Heilmittel zu gebrauchen; so genügt es Wolle mit warmem Nardenbalsam getränkt auf den Magenmund zu legen.ʻ Er sagte, auch sonst sei er gewöhnt, wenn er einmal über den Magen zu klagen habe, warmen Nardenbalsam auf Purpurwolle gestrichen aufzulegen, und befahl dem Peitholaos dies zu tun und mich zu entlassen. Als dieser ihn aufgelegt hatte, und seine Füße erwärmt worden waren durch Massieren mit warmen Händen, forderte er Sabinerwein, warf Pfeffer hinein und trank, und zu Peitholaos sagte er nun nach dem Trinken, er hätte nun einen Arzt und zwar einen sehr freimütigen, worauf er fortwährend über mich äußerte, von den Aerzten sei ich der erste und von den Philosophen der einzige; er hatte es ja schon mit vielen versucht, nicht allein geldgierigen, sondern auch ehr- und ruhmsüchtigen, neidischen und bösartigen. Wie ich nun schon erwähnte, glaube ich keine andere Untersuchung gemacht zu haben, die bewundernswerter wäre als diese ...“
Unter den nachfolgenden Herrschern scheinen seine Beziehungen zum Hofe loser gewesen zu sein, doch rühmt sich Galen in einer unter Septimius Severus abgefaßten Schrift, daß er bei allen Kaisern der Reihe nach in hohem Ansehen gestanden habe. Der Wissenschaft völlig hingegeben, bis ins Alter rastlos schriftstellerisch tätig, schon von der Mitwelt verehrt und für die Nachwelt schaffend, starb Galen 201 n. Chr. Wo er die letzten Lebensjahre zubrachte, ob in Rom oder in Pergamos, ist unbekannt.
Das Schrifttum Galens ist ein beispiellos umfangreiches und dabei zugleich vielseitiges; es bezog sich nicht ausschließlich auf die Medizin, sondern betraf nebstdem auch Philosophie, Philologie und Rhetorik. Die Ausarbeitung der Schriften ist eine ungleichmäßige, indem nur an einen Teil die letzte Feile gelegt ist, während andere bloß Entwürfe darstellen; manche besitzen einen sehr bedeutenden Umfang, andere sind bloß fragmentarische Abhandlungen; dem Inhalt nach sind es teils Kommentareund Kompilationen, teils Streitschriften und didaktische Werke; der Stil ist zumeist deklamatorisch, weitschweifig und stellenweise unklar. Da schon bei Lebzeiten Galens Unterschiebungen vorkamen, so verfaßte er selbst eine Uebersicht und eine Anleitung zum Studium seiner Werke — beide sind erhalten und geben uns die wichtigsten Anhaltspunkte, doch schrieb er nachher noch mehrere Werke. Die chronologische Reihenfolge konnte neuerdings annähernd bestimmt werden, jedenfalls ist es deutlich erkennbar, daß Galen in seinen medizinischen Schriften mit anatomisch-physiologischen Themen begann und später, in dem Maße als seine Erfahrung wuchs, sukzessive von der Pathologie zur Therapie aufstieg. Von den nichtmedizinischen sind nur ganz dürftige Reste vorhanden, von den medizinischen ist eine sehr beträchtliche Zahl verloren gegangen (hauptsächlich bei einer Feuersbrunst, welche kurz vor dem Tode des Commodus den Friedenstempel in Asche legte und auch die ἀποθήκη, wo Galenos seine Handschriften verwahrt hatte, zerstörte), vieles liegt noch unediert (besonders in arabischen und hebräischen Uebersetzungen) im Staube der Bibliotheken, anderseits sind zahlreiche auf den Namen des Pergameners lautende Abhandlungen unecht oder mindestens zweifelhaft.
Von der schriftstellerischen Fruchtbarkeit des Pergameners gebe folgendes Verzeichnis eine Vorstellung, wiewohl es nur den größten Teil derauf uns gekommenenund zur Medizin in Beziehung stehenden Werke und Abhandlungen aufführt. Die wichtigsten Gesamtausgaben sind: dieAldina, Venet. 1525, die ed.Basileensis, Basil. 1538 (beide griechisch); die ed.Juntina, Venet. 1541 (mit 9 Neuauflagen), dieFrobeniana, zuerst Basil. 1542 (beide lateinisch); die ed.Charterianamit lateinischer Uebersetzung herausgegeben von R. Chartier, Paris 1638 bis 1679; endlich (die gewöhnlich benützte) von C. G.Kühn, Leipzig 1821-1833, 22 Bände.Eine modernen Ansprüchen genügende Gesamtausgabe fehlt. Mehrere Schriften vereinigt erschienen in der Bibl. Teubner unter dem Titel Cl. G. scripta minora rec. Marquardt, I. Müller, Helmreich, I Lips. 1884, II 1891, III 1893. Einen noch heute brauchbaren Auszug aus den gesamten Schriften machte Lacuna: Epitome operum Galeni, Basil. 1551 u. ö.περὶ τῆς τάξεῶς των ἰδίων βιβλίων = de ordine librorum suorum = von Ordnung der eigenen Schriften. Neueste Ausgabe in Galeni Scripta minora ed. Iwan v. Müller, Marquardt und Helmreich, Bibl. Teubner, Lips. II.περὶ τῶν ἰδίων βιβλίων = de libris propiis = über die eigenen Schriften. Neueste Ausgabe l. c.
Von der schriftstellerischen Fruchtbarkeit des Pergameners gebe folgendes Verzeichnis eine Vorstellung, wiewohl es nur den größten Teil derauf uns gekommenenund zur Medizin in Beziehung stehenden Werke und Abhandlungen aufführt. Die wichtigsten Gesamtausgaben sind: dieAldina, Venet. 1525, die ed.Basileensis, Basil. 1538 (beide griechisch); die ed.Juntina, Venet. 1541 (mit 9 Neuauflagen), dieFrobeniana, zuerst Basil. 1542 (beide lateinisch); die ed.Charterianamit lateinischer Uebersetzung herausgegeben von R. Chartier, Paris 1638 bis 1679; endlich (die gewöhnlich benützte) von C. G.Kühn, Leipzig 1821-1833, 22 Bände.
Eine modernen Ansprüchen genügende Gesamtausgabe fehlt. Mehrere Schriften vereinigt erschienen in der Bibl. Teubner unter dem Titel Cl. G. scripta minora rec. Marquardt, I. Müller, Helmreich, I Lips. 1884, II 1891, III 1893. Einen noch heute brauchbaren Auszug aus den gesamten Schriften machte Lacuna: Epitome operum Galeni, Basil. 1551 u. ö.
περὶ τῆς τάξεῶς των ἰδίων βιβλίων = de ordine librorum suorum = von Ordnung der eigenen Schriften. Neueste Ausgabe in Galeni Scripta minora ed. Iwan v. Müller, Marquardt und Helmreich, Bibl. Teubner, Lips. II.
περὶ τῶν ἰδίων βιβλίων = de libris propiis = über die eigenen Schriften. Neueste Ausgabe l. c.
π. αἱρἐσεων τοῖς εἰσαγομένοις = de sectis ad eos, qui introducuntur = über die Sekten, an Anfänger. Neueste Ausgabe in Script. minor. III.π. τῆς ἀρίοτης αιρέσεως = de optima secta = von der besten Sekte.π. τῆς ἀρίοτης διδασκαλίας = de optima doctrina = von der besten Lehrmethode. Neueste kritische Ausgabe in Galeni Scripta minora I.ὁτι ὁ ᾰριστὁς ὶατρὸς καὶ φιλόσοφος = quod optimus medicus sit quoque philosophus = der beste Arzt ist zugleich Philosoph. Neueste Ausgabe in Galeni Scripta minora II.προτρεπτικος λόγος ἐπὶ τὰς τέχνας = oratio suasoria ad artes = Aufforderung zum Studium der freien Künste (der auf die Medizin gerichtete Teil ist verloren gegangen). Neueste Ausgabe. Scripta minora I. Georg Kaibel, Berl. 1894.περὶ συστάσεως ὶατρικῆς = de constitutione artis medicae = vom Wesen der ärztlichen Kunst.ὁτι ταῖς τοῦ σώματος κράσεσιν αί τῆς ψυχῆς δυνάμεις ἑπονται = quod animi mores corporis temperamenta sequantur = der Charakter richtet sich nach den körperlichen Temperamenten. Neueste Ausgabe in Scriptor. minor. II.περὶ τῶν ἰδίων ἑκάστω παθῶν καὶ ἁμαρτηματων τῆς διαγνώσεως = de propriorum animi cujusque affectuum et vitiorum diagnosi et curatione = Erkenntnis und Heilung der jedem einzelnen eigentümlichen Leidenschaften und Fehler. Neueste kritische Ausgabe in Galeni Scripta minora I.πρὸς τα ὑπὸ Ἰουλιανοῦ ἀντειρημένα τοῖς Ἱπποκράτους ἀφορισμοῖς = gegen die Widersprüche des Julianos wider die Aphorismen des Hippokrates.περὶ τῆς ὶατρικῆς ἐμπειριας = Dialog über die ärztliche Erfahrung (gegen die Empiriker gerichtet). 1901 wurde der zufällig aufgefundene Originaltext (Fragment) in den Sitzgber. d. phil.-histor. Klasse der kgl. preuß. Akad. d. Wissensch. veröffentlicht, während früher nur eine lateinische Uebersetzung bekannt war.ὑποτυπώσεις ἐμπείρικαί = de subfiguratione empirica = von der Vorstellungsweise der Empiriker (nur in lateinischer Uebersetzung erhalten). Bonnet, Diss., Bonn 1872.De iis, quae medice scripta sunt in Platonis Timaeo = von dem, was ärztlichen Inhaltes in Platons Timäos vorkommt. Kommentarstücke, Daremberg, Fragments du commentaire de Galien etc. Paris u. Leipz. 1848.Von den philosophischen Schriften engeren Sinnes kommen unter anderen auch für die medizinische Logik in Betracht:εἰσαγωγὴ διαλεκτική = Institutio logica = Einführung in die Logik. Von Kalbfleisch herausgegeben, Leipz. 1896. Bibl. Teubner.περὶ ἀποδείξεως (nur in unbedeutenden Bruchstücken und Zitaten erhalten) = de demonstratione = vom wissenschaftlichen Beweis, Iwan v. Müller, über Galens Werk v. w. Bew. München 1895.π. τῶν ἑαυτῷ δοκούντων = eigene Lehrmeinungen (nur in Fragmenten vorhanden); die erhaltene lateinische Uebersetzung de sententiis wird ediert werden.π. τῶν παρὰ τὴν λὲξιν σοφισμάτων = de captionibus penes dictionem libellus. Ausgabe C. Gabler, Rostock 1903 (Dissert.).ὁτι αἱ ποιότητες ἀσώματοι = quod qualitates incorporeae sint = die Qualitäten sind unkörperlich (gegen die Stoiker gerichtet).
π. αἱρἐσεων τοῖς εἰσαγομένοις = de sectis ad eos, qui introducuntur = über die Sekten, an Anfänger. Neueste Ausgabe in Script. minor. III.
π. τῆς ἀρίοτης αιρέσεως = de optima secta = von der besten Sekte.
π. τῆς ἀρίοτης διδασκαλίας = de optima doctrina = von der besten Lehrmethode. Neueste kritische Ausgabe in Galeni Scripta minora I.
ὁτι ὁ ᾰριστὁς ὶατρὸς καὶ φιλόσοφος = quod optimus medicus sit quoque philosophus = der beste Arzt ist zugleich Philosoph. Neueste Ausgabe in Galeni Scripta minora II.
προτρεπτικος λόγος ἐπὶ τὰς τέχνας = oratio suasoria ad artes = Aufforderung zum Studium der freien Künste (der auf die Medizin gerichtete Teil ist verloren gegangen). Neueste Ausgabe. Scripta minora I. Georg Kaibel, Berl. 1894.
περὶ συστάσεως ὶατρικῆς = de constitutione artis medicae = vom Wesen der ärztlichen Kunst.
ὁτι ταῖς τοῦ σώματος κράσεσιν αί τῆς ψυχῆς δυνάμεις ἑπονται = quod animi mores corporis temperamenta sequantur = der Charakter richtet sich nach den körperlichen Temperamenten. Neueste Ausgabe in Scriptor. minor. II.
περὶ τῶν ἰδίων ἑκάστω παθῶν καὶ ἁμαρτηματων τῆς διαγνώσεως = de propriorum animi cujusque affectuum et vitiorum diagnosi et curatione = Erkenntnis und Heilung der jedem einzelnen eigentümlichen Leidenschaften und Fehler. Neueste kritische Ausgabe in Galeni Scripta minora I.
πρὸς τα ὑπὸ Ἰουλιανοῦ ἀντειρημένα τοῖς Ἱπποκράτους ἀφορισμοῖς = gegen die Widersprüche des Julianos wider die Aphorismen des Hippokrates.
περὶ τῆς ὶατρικῆς ἐμπειριας = Dialog über die ärztliche Erfahrung (gegen die Empiriker gerichtet). 1901 wurde der zufällig aufgefundene Originaltext (Fragment) in den Sitzgber. d. phil.-histor. Klasse der kgl. preuß. Akad. d. Wissensch. veröffentlicht, während früher nur eine lateinische Uebersetzung bekannt war.
ὑποτυπώσεις ἐμπείρικαί = de subfiguratione empirica = von der Vorstellungsweise der Empiriker (nur in lateinischer Uebersetzung erhalten). Bonnet, Diss., Bonn 1872.
De iis, quae medice scripta sunt in Platonis Timaeo = von dem, was ärztlichen Inhaltes in Platons Timäos vorkommt. Kommentarstücke, Daremberg, Fragments du commentaire de Galien etc. Paris u. Leipz. 1848.
Von den philosophischen Schriften engeren Sinnes kommen unter anderen auch für die medizinische Logik in Betracht:
εἰσαγωγὴ διαλεκτική = Institutio logica = Einführung in die Logik. Von Kalbfleisch herausgegeben, Leipz. 1896. Bibl. Teubner.
περὶ ἀποδείξεως (nur in unbedeutenden Bruchstücken und Zitaten erhalten) = de demonstratione = vom wissenschaftlichen Beweis, Iwan v. Müller, über Galens Werk v. w. Bew. München 1895.
π. τῶν ἑαυτῷ δοκούντων = eigene Lehrmeinungen (nur in Fragmenten vorhanden); die erhaltene lateinische Uebersetzung de sententiis wird ediert werden.
π. τῶν παρὰ τὴν λὲξιν σοφισμάτων = de captionibus penes dictionem libellus. Ausgabe C. Gabler, Rostock 1903 (Dissert.).
ὁτι αἱ ποιότητες ἀσώματοι = quod qualitates incorporeae sint = die Qualitäten sind unkörperlich (gegen die Stoiker gerichtet).
Ἱπποκράτους γλωσσῶν ὲξήγη̈σις = Glossar zu Hippokrates, und fünfzehn Kommentare zu den hippokratischen Schriften: de fracturis, de articulis, aphorismi, prognosticum, prorrhetica, de crisibus, de diebus criticis, de victu in acutis, de victu salubri, de humoribus, de officina medici, de aere aq. et loc. de natura hominis, de alimentis, epidemiorum libri (zum Teil nur lateinisch und lückenhaft erhalten).
Ἱπποκράτους γλωσσῶν ὲξήγη̈σις = Glossar zu Hippokrates, und fünfzehn Kommentare zu den hippokratischen Schriften: de fracturis, de articulis, aphorismi, prognosticum, prorrhetica, de crisibus, de diebus criticis, de victu in acutis, de victu salubri, de humoribus, de officina medici, de aere aq. et loc. de natura hominis, de alimentis, epidemiorum libri (zum Teil nur lateinisch und lückenhaft erhalten).
περὶ χρείας τῶν ἐν ἀνθρώπου σώματι μορίων XVII =de usu partium corporis humani libriXVII = über den Nutzen der Körperteile. Deutsche Uebersetzung von Nöldeke, Oldenburg 1805, 1 Band; neueste kritische Ausgabe des 4. Buches, griechisch von Helmreich, Augsburg 1886.π. τῶν ἀνατομικῶν ἐγχειρήσεων XV = de anatomicis administrationibus libri XV = über anatomisches Präparieren. Griechisch sind nur die ersten 9 Bücher ganz erhalten, 10-15 sind in arabischer Uebersetzung vorhanden.π. τῶν Ἱπποκράτους καὶ Πλάτωνος δογμάτων IX = de Hippocratis et Platonis placitis libri IX = Lehrmeinungen des Hippokrates und Platon (ed. Iwan v. Müller, I, Lips. 1874).π. μήτρας ἀνατομῆς = de uteri dissectione = Uterusanatomie.π. μελαίνης χολῆς = de atra bile = die schwarze Galle (vielleicht nicht echt).π. φωνῆς IV = de voce et anhelitu (nur lateinisch erhalten; der lat. Text ist wahrscheinlich nach einer arabischen Uebertragung verfertigt worden).π. τῶν ὸστων τοῖς εἰσαγομένοις = de ossibus ad tirones = von den Knochen, für die Anfänger.π. φλεβῶν καὶ ἀρτηριῶν ἀνατομῆς = de venarum arteriarumque dissectione = Anatomie der Blut- und Schlagadern.π. νεύρων ἀνατομῆς = de nervorum dissectione = Nervenanatomie.π. μυῶν κινήσεως II = de motu musculorum libri II = Muskelbewegung.π. τῶν τῆς ἀναπνοῆς αἰτιῶν = de causis respirationis = von den Ursachen des Atmens.π. τῶν καθʹ Ἱπποκρἀτην στοιχείων = de elementis secundum Hippocratem = über die Elemente n. H. Neueste kritische Ausgabe de elementis ex Hippocratis sententia libri duo von Helmreich, Erlangen 1878.π. κράσεων III = de temperamentis libri III = die Mischungsverhältnisse. Neueste kritische Ausgabe von Helmreich, Leipz. 1904.π. φυσικῶν δυνάμεων III = de facultatibus naturalibus libri III = natürliche Kräfte (Physiologie). Neueste Ausgabe, G. Scripta minor III.π. οὐσιας τῶν φυσικῶν δυνάμεων = de substantia naturalium facultatum = vom Wesen der natürlichen Kräfte (Fragment).π. σπέρματος II = de semine libri II = über den Samen.π. ὀσφρήσεως ὀργάνου = de instrumento odoratus = Geruchsorgan.π. μυῶν ἀνατομῆς = de musculorum dissectione = Muskelanatomie.π. χρείας ἀναπνοῆς = de usu respirationis = über den Zweck der Atmung.εἰ κατὰ φύσιν εν ἀρτηρίαις αἶμα περὶέρχεται = an in arteriis natura sanguis contineatur = ob im natürlichen Zustande Blut in den Arterien enthalten sei.περὶ κυουμένων διαπλάσεως = de foetus formatione = über die Bildung der Leibesfrucht.π. έπταμήνων βρεφῶν = de septimestri partu = das Siebenmonatskind.An omnes partes animalis quod procreatur fiant simul = ob alle Teile des Tieres bei der Erzeugung zugleich entstehen (zweifelhafte Schrift, nur lateinisch veröffentlicht).
περὶ χρείας τῶν ἐν ἀνθρώπου σώματι μορίων XVII =de usu partium corporis humani libriXVII = über den Nutzen der Körperteile. Deutsche Uebersetzung von Nöldeke, Oldenburg 1805, 1 Band; neueste kritische Ausgabe des 4. Buches, griechisch von Helmreich, Augsburg 1886.
π. τῶν ἀνατομικῶν ἐγχειρήσεων XV = de anatomicis administrationibus libri XV = über anatomisches Präparieren. Griechisch sind nur die ersten 9 Bücher ganz erhalten, 10-15 sind in arabischer Uebersetzung vorhanden.
π. τῶν Ἱπποκράτους καὶ Πλάτωνος δογμάτων IX = de Hippocratis et Platonis placitis libri IX = Lehrmeinungen des Hippokrates und Platon (ed. Iwan v. Müller, I, Lips. 1874).
π. μήτρας ἀνατομῆς = de uteri dissectione = Uterusanatomie.
π. μελαίνης χολῆς = de atra bile = die schwarze Galle (vielleicht nicht echt).
π. φωνῆς IV = de voce et anhelitu (nur lateinisch erhalten; der lat. Text ist wahrscheinlich nach einer arabischen Uebertragung verfertigt worden).
π. τῶν ὸστων τοῖς εἰσαγομένοις = de ossibus ad tirones = von den Knochen, für die Anfänger.
π. φλεβῶν καὶ ἀρτηριῶν ἀνατομῆς = de venarum arteriarumque dissectione = Anatomie der Blut- und Schlagadern.
π. νεύρων ἀνατομῆς = de nervorum dissectione = Nervenanatomie.
π. μυῶν κινήσεως II = de motu musculorum libri II = Muskelbewegung.
π. τῶν τῆς ἀναπνοῆς αἰτιῶν = de causis respirationis = von den Ursachen des Atmens.
π. τῶν καθʹ Ἱπποκρἀτην στοιχείων = de elementis secundum Hippocratem = über die Elemente n. H. Neueste kritische Ausgabe de elementis ex Hippocratis sententia libri duo von Helmreich, Erlangen 1878.
π. κράσεων III = de temperamentis libri III = die Mischungsverhältnisse. Neueste kritische Ausgabe von Helmreich, Leipz. 1904.
π. φυσικῶν δυνάμεων III = de facultatibus naturalibus libri III = natürliche Kräfte (Physiologie). Neueste Ausgabe, G. Scripta minor III.
π. οὐσιας τῶν φυσικῶν δυνάμεων = de substantia naturalium facultatum = vom Wesen der natürlichen Kräfte (Fragment).
π. σπέρματος II = de semine libri II = über den Samen.
π. ὀσφρήσεως ὀργάνου = de instrumento odoratus = Geruchsorgan.
π. μυῶν ἀνατομῆς = de musculorum dissectione = Muskelanatomie.
π. χρείας ἀναπνοῆς = de usu respirationis = über den Zweck der Atmung.
εἰ κατὰ φύσιν εν ἀρτηρίαις αἶμα περὶέρχεται = an in arteriis natura sanguis contineatur = ob im natürlichen Zustande Blut in den Arterien enthalten sei.
περὶ κυουμένων διαπλάσεως = de foetus formatione = über die Bildung der Leibesfrucht.
π. έπταμήνων βρεφῶν = de septimestri partu = das Siebenmonatskind.
An omnes partes animalis quod procreatur fiant simul = ob alle Teile des Tieres bei der Erzeugung zugleich entstehen (zweifelhafte Schrift, nur lateinisch veröffentlicht).
ὑγιεινά VI = de sanitate tuenda libri VI = von der Erhaltung der Gesundheit.περὶ ἀρίστης κατασκευῆς τοῦ σώματος ἡμῶν = de optima corporis nostri constitutione = die beste Konstitution unseres Körpers.π. εὺεξίας = de bono habitu = Wohlbefinden.π. ἐθῶν = de consuetudine = Gewohnheiten. Neueste kritische Ausgabe in Scripta minora II.πότερον ἰατρικῆς ῆ γυμναστικῆς ἐστι τὸ ὑγιεινόν = utrum medicinae sit an gymnastices hygieine = ob die Lehre von der Erhaltung der Gesundheit zur Medizin oder zur Gymnastik gehöre. Neueste kritische Ausgabe, in Scripta minora III.π. τοῦ διὰ τῆς σμικρᾶς σφαἰρας γυμνασίου = de parvae pilae exercitio = von dem Spiel mit dem kleinen Ball. Neueste Ausgabe, in Scripta minora I.
ὑγιεινά VI = de sanitate tuenda libri VI = von der Erhaltung der Gesundheit.
περὶ ἀρίστης κατασκευῆς τοῦ σώματος ἡμῶν = de optima corporis nostri constitutione = die beste Konstitution unseres Körpers.
π. εὺεξίας = de bono habitu = Wohlbefinden.
π. ἐθῶν = de consuetudine = Gewohnheiten. Neueste kritische Ausgabe in Scripta minora II.
πότερον ἰατρικῆς ῆ γυμναστικῆς ἐστι τὸ ὑγιεινόν = utrum medicinae sit an gymnastices hygieine = ob die Lehre von der Erhaltung der Gesundheit zur Medizin oder zur Gymnastik gehöre. Neueste kritische Ausgabe, in Scripta minora III.
π. τοῦ διὰ τῆς σμικρᾶς σφαἰρας γυμνασίου = de parvae pilae exercitio = von dem Spiel mit dem kleinen Ball. Neueste Ausgabe, in Scripta minora I.
ἡ τῶν σφυγμῶνπραγματείαHandbuchπερὶ διαφορᾶς σφυγμῶν IV =de differentia pulsuum =vom Unterschied des Pulses.π. διαγνώσεως σ. IV =de dignoscendis pulsibus =von der Erkennung des Pulses.π. τῶν ἐν τοῖς σφυγμοῖς αῖτίων =de causis pulsuum =von den Ursachen des Pulses.π. προγνώσεως σφυγμῶν IV =de praesagitione ex pulsu =von der Prognostik aus dem Pulse.
περὶ τῶν σφυγμῶν τοῖς εἰσαγομένοις =de pulsibus ad tirones= über den Puls, für Anfänger.σύνοψις π. σφυγμῶν ἰδίας πραγματείας = Synopsis librorum suorum de pulsibus = Auszug aus dem eigenen Handbuch über den Puls.περὶ χρείας σφυγμῶν = de usu pulsuum = der Nutzen des Pulses.
περὶ τῶν σφυγμῶν τοῖς εἰσαγομένοις =de pulsibus ad tirones= über den Puls, für Anfänger.
σύνοψις π. σφυγμῶν ἰδίας πραγματείας = Synopsis librorum suorum de pulsibus = Auszug aus dem eigenen Handbuch über den Puls.
περὶ χρείας σφυγμῶν = de usu pulsuum = der Nutzen des Pulses.
περὶ λεπτύνουσης διαίτης = de attenuante victus ratione = von der mager machenden Diät. Neueste Ausgabe von Kalbfleisch, Leipz. 1898.π. πτισάνης = de ptisana = über die Ptisane.π. τροφῶν δυναμεως III = de alimentorum facultatibus libri tres = Wirkung der Nahrungsmittel.π. ευχυμιας καἰ κακοχυμίας τροφῶν = de probis pravisque alimentorum sucis = von den guten und schlechten Säften der Nahrungsmittel.
περὶ λεπτύνουσης διαίτης = de attenuante victus ratione = von der mager machenden Diät. Neueste Ausgabe von Kalbfleisch, Leipz. 1898.
π. πτισάνης = de ptisana = über die Ptisane.
π. τροφῶν δυναμεως III = de alimentorum facultatibus libri tres = Wirkung der Nahrungsmittel.
π. ευχυμιας καἰ κακοχυμίας τροφῶν = de probis pravisque alimentorum sucis = von den guten und schlechten Säften der Nahrungsmittel.
περὶ κράσεως καἰ δυναμεως τῶν ἁπλῶν φαρμάκων XI = de simplicium medicamentorum temperamentis et facultatibus libri XI = von der Mischung und den Kräften der einfachen Arzneimittel.π. συνθέσεως φαρμάκων τῶν κατὰ γένη VII = de compositione medicamentorum secundum genera libri VII = Zusammensetzung der Arzneimittel nach Arten.π. συνθέσεως φαρμάκων τῶν κατὰ τόπους X = de compositione medicamentorum secundum locos libri X = Zusammensetzung der Arzneimittel nach Körperteilen.De remediis parabilibus = von den leicht anzuschaffenden Arzneimitteln, beruht auf Galen (π. ευπορίστων = Hausmittel), ist aber unecht.π. ἀντιδότων II = de antidotis libri II = von den Gegengiften.πρὸς Πίσωνα π. τῆς θηριακῆς = de theriaca ad Pisonem = vom Theriak (wahrscheinlich unecht).
περὶ κράσεως καἰ δυναμεως τῶν ἁπλῶν φαρμάκων XI = de simplicium medicamentorum temperamentis et facultatibus libri XI = von der Mischung und den Kräften der einfachen Arzneimittel.
π. συνθέσεως φαρμάκων τῶν κατὰ γένη VII = de compositione medicamentorum secundum genera libri VII = Zusammensetzung der Arzneimittel nach Arten.
π. συνθέσεως φαρμάκων τῶν κατὰ τόπους X = de compositione medicamentorum secundum locos libri X = Zusammensetzung der Arzneimittel nach Körperteilen.
De remediis parabilibus = von den leicht anzuschaffenden Arzneimitteln, beruht auf Galen (π. ευπορίστων = Hausmittel), ist aber unecht.
π. ἀντιδότων II = de antidotis libri II = von den Gegengiften.
πρὸς Πίσωνα π. τῆς θηριακῆς = de theriaca ad Pisonem = vom Theriak (wahrscheinlich unecht).
περὶ τῶν πεπονθότων τόπων VI = de locis affectis libri VI = von den kranken Körperstellen.π. τύπων = de typis = von den (Fieber-)Typen.π. τῶν προκαταρκτικῶν αἰτίων = de causis procatarcticis = von den vorbereitenden Ursachen (nur lateinisch vorhanden).π. τῶν συνεκτικῶν αἰτίων = de causis continentibus = von den fortwirkenden Ursachen (nur lateinisch, ed. Kalbfleisch, Marburg 1904).π. ὰνωμάλου δυσκρασίας = de inaequali intemperie = von dem regelwidrigen schlechten Mischungsverhältnis.π. τρόμου καἰ παλμοῦ καἰ ῥίγους καἰ σπασμου = de tremore, palpitatione, rigore et convulsione = von Zittern, Herzklopfen, Starrfrost und Zuckungen.π. διαφορᾶς νοσημάτων = de differentiis morborum = Unterschiede der Krankheiten.π. τῶν ἐν τοῖς νοσήμασιν αἰτίων = de morborum causis = über die Krankheitsursachen.π. τῶν συμπτωμάτων διαφορᾶς = de symptomatum differentiis = Unterschied der Symptome.π. αἰτίων συμπτωμάτων III = de symptomatum causis libri III = die Ursachen der Symptome.π. δυσπνοίας III = de difficultate respirationes libri III = Atembeschwerden.π. πλήθους = de plenitudine = Plethora.π. διαφορᾶς πυρετῶν II =de differentiis febrium libriII = vom Unterschied der Fieber.π. τοῦ προγιγνώσκειν = de praenotione = die Vorhersage.π. τῆς ἐξ ἐνυπνίων διαγνώσεως = de dignotione ex somniis = von der Erkenntnis der Krankheiten aus den Träumen.π. τῶν ἐν ταῖς νόσοις καιρῶν = de morborum temporibus = Krankheitsstadien.π. τῶν ὁλου τοῦ νοσήματος καιρῶν = de totius morbi temporibus = Stadien im Gesamtverlauf der Krankheiten.π. κρίσεων III =de crisibusIII = von den Krisen.π. κρισίμων ἡμερῶν III = de diebus creticis III = von den kritischen Tagen.πρὸς τοὺς περὶ τύπων γράψαντες ἢ περὶ περιόδων = adversus eos, qui de typis scripserunt = gegen die Schriftsteller über Typen oder Perioden.πῶς δεῖ ἐξελέγχειν τοὺς προσποιουμένους νοσεῖν = quomodo morbum simulantes sint deprehendendi = wie man Simulanten entlarven muß.περὶ τῶν παρὰ φύσιν ὄγκων = de tumoribus praeter naturam = widernatürliche Geschwülste.
περὶ τῶν πεπονθότων τόπων VI = de locis affectis libri VI = von den kranken Körperstellen.
π. τύπων = de typis = von den (Fieber-)Typen.
π. τῶν προκαταρκτικῶν αἰτίων = de causis procatarcticis = von den vorbereitenden Ursachen (nur lateinisch vorhanden).
π. τῶν συνεκτικῶν αἰτίων = de causis continentibus = von den fortwirkenden Ursachen (nur lateinisch, ed. Kalbfleisch, Marburg 1904).
π. ὰνωμάλου δυσκρασίας = de inaequali intemperie = von dem regelwidrigen schlechten Mischungsverhältnis.
π. τρόμου καἰ παλμοῦ καἰ ῥίγους καἰ σπασμου = de tremore, palpitatione, rigore et convulsione = von Zittern, Herzklopfen, Starrfrost und Zuckungen.
π. διαφορᾶς νοσημάτων = de differentiis morborum = Unterschiede der Krankheiten.
π. τῶν ἐν τοῖς νοσήμασιν αἰτίων = de morborum causis = über die Krankheitsursachen.
π. τῶν συμπτωμάτων διαφορᾶς = de symptomatum differentiis = Unterschied der Symptome.
π. αἰτίων συμπτωμάτων III = de symptomatum causis libri III = die Ursachen der Symptome.
π. δυσπνοίας III = de difficultate respirationes libri III = Atembeschwerden.
π. πλήθους = de plenitudine = Plethora.
π. διαφορᾶς πυρετῶν II =de differentiis febrium libriII = vom Unterschied der Fieber.
π. τοῦ προγιγνώσκειν = de praenotione = die Vorhersage.
π. τῆς ἐξ ἐνυπνίων διαγνώσεως = de dignotione ex somniis = von der Erkenntnis der Krankheiten aus den Träumen.
π. τῶν ἐν ταῖς νόσοις καιρῶν = de morborum temporibus = Krankheitsstadien.
π. τῶν ὁλου τοῦ νοσήματος καιρῶν = de totius morbi temporibus = Stadien im Gesamtverlauf der Krankheiten.
π. κρίσεων III =de crisibusIII = von den Krisen.
π. κρισίμων ἡμερῶν III = de diebus creticis III = von den kritischen Tagen.
πρὸς τοὺς περὶ τύπων γράψαντες ἢ περὶ περιόδων = adversus eos, qui de typis scripserunt = gegen die Schriftsteller über Typen oder Perioden.
πῶς δεῖ ἐξελέγχειν τοὺς προσποιουμένους νοσεῖν = quomodo morbum simulantes sint deprehendendi = wie man Simulanten entlarven muß.
περὶ τῶν παρὰ φύσιν ὄγκων = de tumoribus praeter naturam = widernatürliche Geschwülste.
θεραπευτικὴ μέθοδος XIV =Methodi medendilibri XIV = Heilweise.πρὸς Γλαύκωνα θεραπευτικῶν II = ad Glauconem de medendi methodo libri II = über die Therapie.φλεβοτομίας θεραπευτικόν = de curandi ratione per venaesectionem.περὶ φλεβοτομίας πρὸς Ἐρασίστρατον = de venaesectione adversus E. = vom Aderlasse gegen E.π. φλεβοτομίας πρὸς Ἐρασιστρατείους τοὺς ἐν Ῥώμῃ = de v. adv. Erasistrateos Romae degentes = über den Aderlaß gegen die in Rom lebenden Anhänger d. E.π. τῆς τῶν καθαιρόντων φαρμάκων δυνάμεως = de purgantium medicamentorum facultate = die Wirkung der Abführmittel.π. μαρασμοῦ = de marcore = von der Entkräftung.Τῷ ἐπιλἡ(μ)πτω παιδὶ ὑποθήκη = pro puero epileptico consilium = Ratschläge für den epileptischen Knaben.περὶ βδελλῶν ἀντισπάσεως, σικύας καἰ ἐγχαράξεως καἰ κατασχασμοῦ = de hirudinibus, revulsione, cucurbitula, incisione et scarificatione = Blutegel, Revulsion, Schröpfköpfe, Einschneiden und Skarifizieren.
θεραπευτικὴ μέθοδος XIV =Methodi medendilibri XIV = Heilweise.
πρὸς Γλαύκωνα θεραπευτικῶν II = ad Glauconem de medendi methodo libri II = über die Therapie.
φλεβοτομίας θεραπευτικόν = de curandi ratione per venaesectionem.
περὶ φλεβοτομίας πρὸς Ἐρασίστρατον = de venaesectione adversus E. = vom Aderlasse gegen E.
π. φλεβοτομίας πρὸς Ἐρασιστρατείους τοὺς ἐν Ῥώμῃ = de v. adv. Erasistrateos Romae degentes = über den Aderlaß gegen die in Rom lebenden Anhänger d. E.
π. τῆς τῶν καθαιρόντων φαρμάκων δυνάμεως = de purgantium medicamentorum facultate = die Wirkung der Abführmittel.
π. μαρασμοῦ = de marcore = von der Entkräftung.
Τῷ ἐπιλἡ(μ)πτω παιδὶ ὑποθήκη = pro puero epileptico consilium = Ratschläge für den epileptischen Knaben.
περὶ βδελλῶν ἀντισπάσεως, σικύας καἰ ἐγχαράξεως καἰ κατασχασμοῦ = de hirudinibus, revulsione, cucurbitula, incisione et scarificatione = Blutegel, Revulsion, Schröpfköpfe, Einschneiden und Skarifizieren.
τέχνη ἰατρική =ars medica= von der Heilkunst.Leider sind sehr viele Abhandlungen, deren Titel wir kennen, verloren gegangen. Hingegen wurden nicht wenige Schriften fälschlich dem Galen unterschoben, darunter solche (z. B. anatomische), deren Entstehungszeit sehr spät im Mittelalter anzusetzen ist. Von allgemeinem Inhalt sind unter anderen die pseudogalenischen Schriften: ὁροι ἰατρικοί = medizinische Definitionen (pneumatische Theorie; übersetzt in Gurlts Gesch. d. Chirurgie, Berlin 1898, I, p. 443 ff.) und εἰσαγωγή ἢ ἰατρός = Einleitung oder der Arzt.Ohne hier auf die zahlreichen Handschriften und Kommentare, auf die Uebersetzungen und Einzelausgaben aus älterer Zeit einzugehen, verweisen wir nur auf einige Uebertragungen in moderne Sprachen: Galen, Vom Aderlassen gegen Erasistratus, übersetzt von Sallaba, Wien 1791; Fieberlehre mit Anmerkungen von Kurt Sprengel, Breslau 1788; Galens Werke I. Band, enthaltend „Vom Nutzen der Teile des menschlichen Körpers“, übersetzt von Nöldeke, Oldenburg 1805; Oeuvres anatomiques, physiologiques et médicales de Galien. etc. par Daremberg, Paris 1854-1857 (2 vol.). Enthält: quod optimus medicus sit quoque philosophus, oratio ad artes, quod animi mores corpor. temperamenta sequantur, de consuetudine, de usu part. corpor. humani, de facultatibus naturalibus, de motu musculorum, de sectis, de optima secta, de locis affectis, de medendi methodo ad Glauconem. Anatomische Werke des Rhuphos und Galenos, erste deutsche Uebersetzung von R. Ritter v. Töply, Wiesbaden 1904. Die Schrift Galens „Wie man Simulanten entlarven muß“ wurde 3mal ins Deutsche übersetzt (in Pyls Repertorium I, p. 39, Deutsche med. Wochenschr. 1888 [Pagel] und Friedreichs Blätter 1889 [Fröhlich]). Auf Pagels Anregung und unter seiner Leitung erschienen die Dissertationen: (1898) Brink, Die allgemeine Therapie des Galen (Uebersetzung von θεραπευτικὴ μέθοδος Lib. I, cap. 1-5; Carney, dasselbe Lib. III, cap. 1-3; Glaser, Zur Wund- und Geschwürsbehandlung nach Galen Lib. IV, cap. 1-3; ter Beek, Die allgemeine Therapie des Galen Lib. I, cap. 6 bis Schluß; Voigt, Fieberbehandlung nach Galen Lib. VIII, cap. 1-4; [1889] Beck, Zur diätetisch-physikalischen Therapie des Galen Lib. VIII, cap. 5-9; Meyer, Fr., Beitrag zur Therapie des Galen Lib. II, cap. 1-4; Szepansky Lib. XIV, cap. 8-19; Tietz, Beitrag zur Therapie des Galen Lib. XIV, cap. 1-7; Prüsman, Die Behandlung des Geschwürs nach Galen Lib. III, cap. 4-6; Wandersleben, Beitrag zur Kenntnis der Therapie des Galen Lib. II, cap. 5. u. 6.) - Das X. Buch de usu partium corp. h., enthaltend die Anatomie und Physiologie des Auges, wurde unter Leitung von J. Hirschberg ins Deutsche übertragen: „Die Augenheilkunde des Galenus“, Diss. von O. Katz, Berlin 1890. Die Abhandlung de attenuante diaeta erschien unter Leitung Koberts ins Deutsche übersetzt, Breslau 1903 unter dem Titel „Galens Schrift über die säfteverdünnende Diät“ von W. Frieboes und F. W. Kobert.Ueber seine schriftstellerische Tätigkeit gibt Galen selbst folgende Aufschlüsse: Ursprünglich sollten die Aufzeichnungen über wissenschaftliche, besonders medizinische Gegenstände, abgesehen von den Zwecken eigener Ausbildung, nur den Freunden, seine Diktate nur den Anfängern zur Belehrung dienen. Da aber doch viele seiner Schriften, ohne daß er es wollte, in die Oeffentlichkeit gedrungen waren, so sah er sich genötigt, vor dem großen Publikum als Schriftsteller aufzutreten. Diese Angaben sind wohl nur cum grano salis zu nehmen, ebenso wie seine pathetische Zurückweisung jedweder Ruhmsucht: „Der Beifall der Menge ist in gewisser Beziehung den Lebenden mitunter ganz nützlich, den Toten nützt er gar nichts. Wer ein beschauliches Dasein führen will in philosophischer Betrachtung, mit genügendem Unterhalt für des Leibes Pflege versehen, dem ist der Ruhm beim Volke kein geringes Hindernis, denn er lenkt ihn mehr als billig vom Besten ab. Das habe auch ich oft schmerzlich empfunden, wenn mich die Leute lange Zeit hintereinander so plagten, daß ich ein Buch nicht einmal anrühren konnte. Dabei verachtete ich seit früher Jugend merkwürdig, fanatisch, rasend, wie man es nun nennen will, den Ruhm bei der Menge und lechzte nach Wahrheit und Wissen, denn das hielt ich für den schönsten und göttlichsten Besitz des Menschen.“Die Schriften Galens machen eine Bibliothek für sich aus, die gründliche Beschäftigung mit ihnen würde das Lebenswerk eines einzelnen in seiner Gänze in Anspruch nehmen oder gar übersteigen. Aus diesem Grunde begnügte man sich zu Studienzwecken zumeist mit einer Auswahl der wichtigsten. Für die ärztliche Vorbildung zog man im Mittelalter namentlich folgende heran: „De usu partium corporis humani“, „De pulsibus“, „Methodus medendi“ („Megatechne“ genannt), „De crisibus“, „De differentiis febrium“,Kommentare zu hippokratischen Schriftenund „Ars parva“ (Mikrotechne). Die „Mikrotechne“, oder im Idiom der Latinobarbaren auch „tegni“ genannt, enthält gleichsam in nuce die theoretischen Grundsätze und praktischen Lehren des Pergameners, so daß sie sich ganz besonders als Lehrbuch zur raschen Einführung in die galenische Heilkunst eignete.
τέχνη ἰατρική =ars medica= von der Heilkunst.
Leider sind sehr viele Abhandlungen, deren Titel wir kennen, verloren gegangen. Hingegen wurden nicht wenige Schriften fälschlich dem Galen unterschoben, darunter solche (z. B. anatomische), deren Entstehungszeit sehr spät im Mittelalter anzusetzen ist. Von allgemeinem Inhalt sind unter anderen die pseudogalenischen Schriften: ὁροι ἰατρικοί = medizinische Definitionen (pneumatische Theorie; übersetzt in Gurlts Gesch. d. Chirurgie, Berlin 1898, I, p. 443 ff.) und εἰσαγωγή ἢ ἰατρός = Einleitung oder der Arzt.
Ohne hier auf die zahlreichen Handschriften und Kommentare, auf die Uebersetzungen und Einzelausgaben aus älterer Zeit einzugehen, verweisen wir nur auf einige Uebertragungen in moderne Sprachen: Galen, Vom Aderlassen gegen Erasistratus, übersetzt von Sallaba, Wien 1791; Fieberlehre mit Anmerkungen von Kurt Sprengel, Breslau 1788; Galens Werke I. Band, enthaltend „Vom Nutzen der Teile des menschlichen Körpers“, übersetzt von Nöldeke, Oldenburg 1805; Oeuvres anatomiques, physiologiques et médicales de Galien. etc. par Daremberg, Paris 1854-1857 (2 vol.). Enthält: quod optimus medicus sit quoque philosophus, oratio ad artes, quod animi mores corpor. temperamenta sequantur, de consuetudine, de usu part. corpor. humani, de facultatibus naturalibus, de motu musculorum, de sectis, de optima secta, de locis affectis, de medendi methodo ad Glauconem. Anatomische Werke des Rhuphos und Galenos, erste deutsche Uebersetzung von R. Ritter v. Töply, Wiesbaden 1904. Die Schrift Galens „Wie man Simulanten entlarven muß“ wurde 3mal ins Deutsche übersetzt (in Pyls Repertorium I, p. 39, Deutsche med. Wochenschr. 1888 [Pagel] und Friedreichs Blätter 1889 [Fröhlich]). Auf Pagels Anregung und unter seiner Leitung erschienen die Dissertationen: (1898) Brink, Die allgemeine Therapie des Galen (Uebersetzung von θεραπευτικὴ μέθοδος Lib. I, cap. 1-5; Carney, dasselbe Lib. III, cap. 1-3; Glaser, Zur Wund- und Geschwürsbehandlung nach Galen Lib. IV, cap. 1-3; ter Beek, Die allgemeine Therapie des Galen Lib. I, cap. 6 bis Schluß; Voigt, Fieberbehandlung nach Galen Lib. VIII, cap. 1-4; [1889] Beck, Zur diätetisch-physikalischen Therapie des Galen Lib. VIII, cap. 5-9; Meyer, Fr., Beitrag zur Therapie des Galen Lib. II, cap. 1-4; Szepansky Lib. XIV, cap. 8-19; Tietz, Beitrag zur Therapie des Galen Lib. XIV, cap. 1-7; Prüsman, Die Behandlung des Geschwürs nach Galen Lib. III, cap. 4-6; Wandersleben, Beitrag zur Kenntnis der Therapie des Galen Lib. II, cap. 5. u. 6.) - Das X. Buch de usu partium corp. h., enthaltend die Anatomie und Physiologie des Auges, wurde unter Leitung von J. Hirschberg ins Deutsche übertragen: „Die Augenheilkunde des Galenus“, Diss. von O. Katz, Berlin 1890. Die Abhandlung de attenuante diaeta erschien unter Leitung Koberts ins Deutsche übersetzt, Breslau 1903 unter dem Titel „Galens Schrift über die säfteverdünnende Diät“ von W. Frieboes und F. W. Kobert.
Ueber seine schriftstellerische Tätigkeit gibt Galen selbst folgende Aufschlüsse: Ursprünglich sollten die Aufzeichnungen über wissenschaftliche, besonders medizinische Gegenstände, abgesehen von den Zwecken eigener Ausbildung, nur den Freunden, seine Diktate nur den Anfängern zur Belehrung dienen. Da aber doch viele seiner Schriften, ohne daß er es wollte, in die Oeffentlichkeit gedrungen waren, so sah er sich genötigt, vor dem großen Publikum als Schriftsteller aufzutreten. Diese Angaben sind wohl nur cum grano salis zu nehmen, ebenso wie seine pathetische Zurückweisung jedweder Ruhmsucht: „Der Beifall der Menge ist in gewisser Beziehung den Lebenden mitunter ganz nützlich, den Toten nützt er gar nichts. Wer ein beschauliches Dasein führen will in philosophischer Betrachtung, mit genügendem Unterhalt für des Leibes Pflege versehen, dem ist der Ruhm beim Volke kein geringes Hindernis, denn er lenkt ihn mehr als billig vom Besten ab. Das habe auch ich oft schmerzlich empfunden, wenn mich die Leute lange Zeit hintereinander so plagten, daß ich ein Buch nicht einmal anrühren konnte. Dabei verachtete ich seit früher Jugend merkwürdig, fanatisch, rasend, wie man es nun nennen will, den Ruhm bei der Menge und lechzte nach Wahrheit und Wissen, denn das hielt ich für den schönsten und göttlichsten Besitz des Menschen.“
Die Schriften Galens machen eine Bibliothek für sich aus, die gründliche Beschäftigung mit ihnen würde das Lebenswerk eines einzelnen in seiner Gänze in Anspruch nehmen oder gar übersteigen. Aus diesem Grunde begnügte man sich zu Studienzwecken zumeist mit einer Auswahl der wichtigsten. Für die ärztliche Vorbildung zog man im Mittelalter namentlich folgende heran: „De usu partium corporis humani“, „De pulsibus“, „Methodus medendi“ („Megatechne“ genannt), „De crisibus“, „De differentiis febrium“,Kommentare zu hippokratischen Schriftenund „Ars parva“ (Mikrotechne). Die „Mikrotechne“, oder im Idiom der Latinobarbaren auch „tegni“ genannt, enthält gleichsam in nuce die theoretischen Grundsätze und praktischen Lehren des Pergameners, so daß sie sich ganz besonders als Lehrbuch zur raschen Einführung in die galenische Heilkunst eignete.
In seiner Totalität läßt sich das Wesen großer Individualitäten aus der empfangenen Bildung und aus dem Milieu nicht erklären; stets bleibt bei der psychologischen Analyse ein Rest zurück, ein Mysterium, in dem die Eigenart, die suggestive Wirkung und die geistige Macht eigentlich wurzelt. Immerhin wirft die Geschichte des Lebensgangs und der Zeit so manches Streiflicht auf das Schaffen einer Persönlichkeit, sie macht namentlich die eingeschlagene Richtung verständlicher, sie rückt die Größe und den Erfolg in kritische Sehweite. Dies trifft bei Galen in besonders weitem Ausmaß zu! Ja, man könnte sagen, die ganze vorausgegangene medizinische Entwicklung, die er ontogenetisch in seinem Studium wiederholte und ohne welche seine Größe undenkbar wäre, bildet das Piedestal für den Pergamener; der medizinische Synkretismus im Bunde mit der erneuten Pflege der exakten Hilfswissenschaften (Anatomie) und Untersuchungsmethoden (Pulslehre) zeichnete ihm den Weg für die Reform vor; der philosophische Eklektizismus mit seiner Tendenz zur Vereinigung des Platonismus mit der Peripatetik, mit seinem starken Richtzug von der Skepsis zur Teleologie und zum Monotheismusverleiht der galenischen Anschauungsweise die charakteristischen Farbentöne; die Zerfahrenheit der Verhältnisse, die Sehnsucht nach Beendigung des Gezänkes der widerstrebenden Sekten, die geringe Fähigkeit der Zeitgenossen zu kräftigen Leistungen, ebneten seinem Erfolg den Weg. Der Boden war gegeben für die fruchtbringende Saat, welche das überragende Talent, die immense Kombinationsgabe, der beispiellose Fleiß des Pergameners, wie aus einem Füllhorn ausstreute. Durch die Zeit war das Fundament gelegt, auf dem der mathematisch-philosophisch begabte und geschulte Sohn des Architekten Nikon als einer der größten Baumeister im Reich des Gedankens aus den Trümmern der vorausgegangenen sein eigenes, alles umschließendes System der Heilkunde errichten konnte - ein Symbol der überwölbenden Weltmacht des hellenischen Geistes und der römischen Tatkraft auf einem Einzelgebiete, ein Bau, der für die Medizin vieler Jahrhunderte und der verschiedensten Länder ausreichen sollte!
Das Ziel, welches Galen bei all seinen gelungenen oder verfehlten Bestrebungen unverrückbar vorschwebte, war die Umwandlung der Heilkunst in eine exakte Wissenschaft.An Versuchen hiezu hat es vor ihm gewiß nicht gemangelt, niemand vor ihm hat aber dieser Bestrebung eine so breite Grundlage gegeben.
Wiewohl vorzugsweise von Empirikern in die Medizin eingeführt, widerstrebten seinem logisch geeichten Geiste sehr bald die Grundsätze dieser Schule, die von vornherein auf rationelle Begründung verzichtete. Noch weniger konnte er am Methodismus Gefallen finden, der das Gesichtsfeld der ärztlichen Beobachtungen willkürlich und einseitig beschränkte, und dessen Anhänger zumeist der philosophischen Bildung gänzlich entbehrten[17]. So mußte er denn in den Hafen des Rationalismus einlaufen, welcher anscheinend das Postulat einer wahrhaft wissenschaftlichen Methode erfüllte. Als solche galt ihm nur jene, die analog der geometrischen Beweisführung aus sicheren Prämissen in streng logischer Weise Folgerungen ableitet; auf die Medizin angewendet, bedeutet diesdie Deduktion der Therapie aus der Kenntnis der Krankheit und aus der Einsicht in die Wirksamkeit der Heilmittel.