Chapter 16

Porträt von Nuno da Cunha.Aus den„Lendas da India“

Porträt von Nuno da Cunha.

Aus den„Lendas da India“

Mit Nuno da Cunha ging die ruhmreiche Zeit in Indien zu Ende.Noch lange nach seinem Tode, sagt Barros, erinnerte man sich der zehn Jahre seiner Regierung, so daß selbst diejenigen, die ihn ehedem befeindet hatten, seine Lobredner wurden.

Man muß sich erstaunt fragen, wie es gekommen, daß gerade die verdienstvollsten Männer für ihre Thaten in Indien mit Undank belohnt wurden. Nicht sie selbst allein beklagen sich darüber, die Geschichtsschreiber fällen dasselbe Urtheil und stimmen ihnen bei. Ohne Zweifel lag der Grund zum Theil darin, daß man von Portugal aus, ohne die Sachlage aus so weiter Ferne genau beurtheilen zu können, zu viele Wünsche, Verhaltungsmaßregeln und Befehle sandte, welche unmöglich sofort ausgeführt werden konnten; daß man ein selbständiges Handeln, selbst gegen die ertheilten Vorschriften, als ein Auflehnen gegen die königliche Macht, als ein bedenkliches Trachten nach Unabhängigkeit ansah. Dazu kam noch, daß viele portugiesische Edelleute den Dienst in Indien als ein willkommenes Mittel ansahen, sich möglichst rasch zu bereichern, und sei es auch auf ungerechte Weise. Wie oft ist nicht über Unterschleife geklagt und Untersuchung angestellt worden! Oder es wollten sich die vornehmen Herren den Befehlen des Generalgouverneurs nicht fügen und lehnten sich dagegen auf. Wurden sie dann ihrer Stellen entsetzt und nach Portugal zurückgeschickt, dann traten sie natürlich mit bitteren Klagen über die Oberleitung in Indien auf, und von ihren Gönnern bei Hofe unterstützt, fanden sie auch den Weg bis zu dem Ohr des Herrschers, der fast nur die entstellten Berichte zu hören bekam und so gerade die energischesten Statthalter mit Mißtrauen beobachten lernte oder sich gegen dieselben gewinnen ließ.

Ueberblicken wir noch einmal die politische Machtstellung der Portugiesen in Indien zur Zeit, als Nuno da Cunha starb, so lag der Mittelpunkt ihres Besitzes auf der Westküste jener asiatischen Halbinsel. Es wäre aber eine durchaus falsche Vorstellung, ihre Herrschaft sich über weite Ländereien auf dem Boden Indiens ausgedehnt zu denken. Der ursprüngliche Plan, den Weg zu den Gewürzländern zu finden und den Gewürzhandel ganz und allein in die Hand zu bekommen, blieb stets maßgebend und die einzige Richtschnur. Mit den einheimischen Fürsten wünschte man stets in Frieden zu leben; aber die Anhänger Mohammeds, diese Erzfeinde des christlichen Glaubens, und in den indischen Gewässern fast die alleinigen Zwischenhändler des Handels mit Europa, sei es über den persischen Golf oder durch den arabischen Meerbusen, mußten mit Waffengewalt verdrängt werden; ihre Kauffahrer sollten aus dem indischen Ocean verschwinden. Zu dem Zwecke mußten wachehaltende Kriegsschiffe auf dem Meere kreuzen, um die unter mohammedanischer Führung gehenden Gewürzfrachten abzufangen und ihnen alle Wege zu sperren, dazu dienten aber auch in den wichtigsten Handelsplätzen Indiens feste Citadellen zur Ueberwachung des Verkehrs.

Verstanden sich die indischen Fürsten dazu, daß in ihrem Gebiet eine von Portugiesen besetzte steinerne Festung errichtet wurde, dann traten sie indas Verhältniß der Bundesgenossenschaft, andernfalls waren sie beständigen Belästigungen und Angriffen von der Seeseite ausgesetzt.

Sonach besaßen zwar die Portugiesen eine größere Anzahl von Steinburgen in oder neben den Städten, aber die einheimischen Fürsten regierten im Lande. Nur an drei Punkten wurden den Portugiesen durch Verträge oder Eroberung Küstenstädte nebst dem umgebenden Lande abgetreten: Diu, Bassein mit Salsette und Goa. Und diese lagen sämmtlich an der Küste auf kleinen Inseln, welche von den Eroberern besser vertheidigt werden konnten. Hier waren die Portugiesen die alleinigen Herren und wußten im Laufe der Zeit sich, nach dem Vorgange Albuquerque’s in Goa, diese Positionen um so mehr zu sichern, als Europäer sich dort niederließen und die Städte ihren rein indischen Charakter verloren. Daher kommt es auch, daß noch jetzt die allerdings längst bedeutungslos gewordenen Städte Goa und Diu in portugiesischen Händen geblieben sind.

Außerhalb Indiens gehörte ihnen noch das mit bewaffneter Hand genommene Malaka, das aber nur mühsam bis ins nächste Jahrhundert behauptet wurde. Auch in Ormuz waren sie, obwohl die einheimische Herrschaft in der Stadt belassen wurde, doch die gebietende Macht, während eine Reihe von arabischen Küstenplätzen und ost-afrikanischen Häfen tributpflichtig gemacht wurde.

Die Verhältnisse auf den Molukken sollen im Folgenden noch eingehend betrachtet werden.

Die historischen Ereignisse in Vorder-Indien werden wir nicht weiter verfolgen, sondern richten unsere Blicke auf die östlichen Länder und Inseln Asiens, um zu sehen, wie sie allmählich entschleiert wurden, bis die neugewonnene Kenntniß einerseits bis nach Japan, andererseits bis hart an den Continent Australien reichte.

Im Südosten von Hinter-Indien breitet sich die große malayische Inselflur aus, welche aus der Sundawelt nebst Molukken und Philippinen besteht. Der Flächenraum, welchen die an tropischen Erzeugnissen überaus reich gesegneten und in malerischer Schönheit prangenden Inseln bedecken, ist so groß wie ganz Europa. Die Summe der Landmassen dieses Gebietes, welches in seiner ganzen Breite auf einer Strecke von 35 Meridianen oder 525 Meilen vom Aequator durchschnitten wird, beträgt etwa 36,000 Quadratmeilen; die Bevölkerung wird jetzt auf 35 Millionen Menschen geschätzt, ist also größer als die Einwohnerschaft von ganz Südamerika. Die Sundainseln gehören zu den größten Inseln der Erde: Bórneo nimmt einen größern Flächenraum ein als das deutsche Reich sammt den angrenzenden Staaten Schweiz, Belgien, Niederlande und Dänemark; Sumátra ist so groß wie Preußen und Bayern zusammen, Celebes läßt sich mit Großbritannien vergleichen, und Java stehtdem Staatencomplex von Süddeutschland nicht nach. Man macht sich von der Größe des ganzen Gebiets und der Ausdehnung dieser Inseln gewöhnlich eine zu geringe Vorstellung. „Der Reisende,“ sagt Wallace,[126]„segelt Tage, selbst Wochen längs den Uferneinerdieser Inseln, die oft so groß sind, daß deren Bewohner sie für ein ausgedehntes Festland halten. Er erfährt, daß man Touren zwischen diesen Inseln meist nur nach Wochen und Monaten berechnet und daß ihre verschiedenen Einwohner oft so wenig unter einander bekannt sind, wie die Eingebornen des nördlichen Festlandes von Amerika denen des südlichen. Bald gelangt er dahin, diese Region als eine von der ganzen übrigen Welt gesonderte anzusehen, mit ihren eignen Menschenrassen und ihren eignen Ansichten der Natur, mit ihren eignen Ideen, Empfindungen, Sitten und Sprachweisen, mit einem Klima, einer Vegetation, einer Thierwelt, alles von durchaus ihr eigenthümlichem Charakter.“

Nahe dem Ostrande dieses großen Gebietes, genau in einem Abstande von 25 Meridianen, von der Stadt Malaka aus gerechnet, liegen die eigentlichen Molukken oder Gewürzinseln an der Westküste der vielgegliederten Insel Halmahera oder Dschilolo zwischen dem ersten und zweiten Grade nördl. Br. Die wichtigsten darunter sind Ternate und Tidor. Zwei andere Gruppen von Eilanden, welche ebenfalls an Gewürz reich sind, liegen 60 bezüglich 80 Meilen südlich und südöstlich von der zuerst genannten Gruppe. Beide liegen im Süden der langgestreckten Insel Ceram, und zwar die Amboinen und Banda.

Hier ist die Heimat der Gewürznelken und der Muskatnuß. Im Gegensatz zu der namhaften Ausdehnung der Sundainseln gehören die Molukken zu den kleinsten Eilanden, so daß die kostbarsten Güter der Pflanzenwelt nur auf einem sehr beschränkten Raum gedeihen. Tidor umfaßt kaum 1½, Ternate etwas mehr als 1 Quadratmeile, und die Bandagruppe ist auch nicht größer. Dagegen nehmen die Amboinen einen Flächenraum von 17 Quadratmeilen ein. Gegenwärtig beträgt die Bevölkerung nicht ganz 100,000 Seelen, sie entspricht also annähernd der mittleren Dichtigkeit der Bevölkerung im deutschen Reiche.

Diese Inseln sind Glieder des großen vulkanischen Ringes, welcher von den Philippinen her gegen Süden über Banda hinaus und weiter gegen Westen und Nordwesten über Sumatra hin die größte aller in diesem Gebiete liegende Insel Borneo umfaßt. Sie sind sämmtlich vulkanisch und bestehen eigentlich nur aus 4- bis 5000 Fuß hohen Bergkegeln, in denen die eruptischen Gewalten des Erdinnern noch wach sind, und die theils durch verheerende Ausbrüche, theils durch heftige Erderschütterungen die Bewohner erschrecken. Aber die vulkanischen Aschen und die verwitterten Laven haben, von tropischem Regen getränkt, eine erstaunliche Fruchtbarkeit und eine üppigeBaumvegetation erzeugt, welche die Gehänge der Vulkane vollständig umhüllt. Auf den eigentlichen Molukken hat Tidor den größten und vollkommen konisch gestalteten Berg, der Berg auf Ternate ist fast ebenso hoch aber mit einer gerundeten und unregelmäßigen Spitze. Hier erhebt sich unmittelbar hinter der Stadt der riesige Berg, anfangs langsam ansteigend und mit dichten Hainen von Fruchtbäumen bedeckt, bald aber steiler werdend und von tiefen Furchen durchzogen. Fast bis zum Gipfel, dessen Oeffnung stets schwache Rauchwolken entsteigen, ist er mit Pflanzenwuchs bekleidet und sieht so ruhig und schön aus, obgleich er ein Feuer birgt, das gelegentlich in Lavaströmen ausbricht, aber sich häufiger durch Erdbeben bemerkbar macht, welche oftmals die Stadt verwüstet haben.[127]

Ueber den Fruchtbäumen erstreckt sich ein Gürtel von Lichtungen und bebautem Boden, welcher sich den Berg hinauf bis zu einer Höhe von zwei- bis dreitausend Fuß zieht, worauf Urwald folgt, der fast bis zum Gipfel reicht.

Die Küsten dieser kleinen Inseln haben steile, schwarze Gestade aus vulkanischem Sande oder sind mit zerrissenen Massen von Lava und Basalt belegt.[128]Nur hier auf den beiden genannten Inselbergen und den südlich darauf folgenden Inseln, welche ähnlich gestaltet sind, auf Motir und Makkian, sowie auf der südlichsten und größten, Batjan, gedieh die geschätzte Gewürznelke. Der spanische Seefahrer Urdaneta, welcher von 1526 bis 1535 dort weilte, schätzte zu seiner Zeit den jährlichen Ertrag in guten Jahren auf 11,600 Centner (Quintal), in schlechten Jahren auf 5- bis 6000 Centner. Als Urdaneta auf die Inseln kam, kostete ein Bahar (d. h. mehr als 4 Centner) 2 Dukaten, und zur Zeit, als er das Gebiet verließ, bezahlte man in Indien für dasselbe Maß bereits 10 bis 14 Dukaten.[129]

Die zweitwichtigste Gruppe bilden die drei kleinen Bandainseln. Barros[130]nennt sie einen Garten von Muskatbäumen, welche mit zahlreichen Pflanzen und Kräutern zu gleicher Zeit blühen und so die Luft mit einem unvergleichlichen Gemisch von Wohlgerüchen erfüllen. Wallace schildert sie mit gleichem Entzücken, als bedeckt mit einer ungewöhnlich dichten und brillianten grünen Vegetation. Banda ist ein lieblicher kleiner Fleck Erde; die drei Inseln schließen einen sichern Hafen ein, von dem kein Ausgang sichtbar ist, und der so durchsichtiges Wasser besitzt, daß lebende Korallen und selbst die kleinsten Gegenstände deutlich auf dem vulkanischen Sand und in einer Tiefe von 7 bis 8 Faden zu sehen sind. Der immer rauchende Vulkan thürmt seine nackte Spitze an einer Seite auf, während die zwei größeren Inseln mit Pflanzenwuchs bis an den Gipfel der Hügel bedeckt sind. Ungeachtet der Verluste, welche durch Erderschütterungen entstehen, und ungeachtet des geringen Umfanges und der isolirten Lage dieser kleinen Inseln sind sienoch der Haupt-Muskatnußgarten der Erde. Fast die ganze Oberfläche ist mit Muskatnüssen bepflanzt, welche unter dem Schatten der hohen Kanarienbäume (Kanarium commune) wachsen. Der vulkanische Boden, der Schatten und die außerordentliche Feuchtigkeit dieser Inseln, wo es mehr oder weniger jeden Monat im Jahre regnet, scheinen dem Muskatnußbaume gerade zuzusagen, welcher keinen Dünger und kaum der Pflege bedarf. Das ganze Jahr hindurch findet man Blumen und reife Früchte, und dazu sind wenige cultivirte Pflanzen schöner als Muskatnußbäume. Sie sind hübsch geformt und glattblättrig, 20 bis 30 Fuß hoch und tragen kleine gelbliche Blumen. Die reife dunkelbraune Nuß ist von der carmoisinrothen Muskatblüthe oder Macis als Samenhülle umgeben und bietet so einen reizvollen Anblick dar.[131]

Urdaneta schätzte zu seiner Zeit den Ertrag auf durchschnittlich 7000 Centner Nüsse und 1000 Centner Macis (macía). Ein Bahar (hier gleich 5 Centner) Nüsse kostete 5 Dukaten, Macis immer siebenmal soviel. Von beiden Gewürzen gelangten damals nur etwa 500 Centner Gewürznelken, 100 Centner Macis und 200 Centner Muskatnüsse nach Portugal.[132]

Die dritte und größte Gruppe endlich bilden die Amboinen südlich von Ceram, gegenwärtig dem Hauptpunkte der Molukken. Die Hauptinsel Amboina besteht aus zwei Halbinseln, die durch Seebuchten fast gänzlich von einander getrennt sind. Thätige Vulkane gibt es nicht mehr auf der Insel; früher kamen häufiger heftige Erdbeben vor. Seit 1824 ist der Vulkan auf der westlichen Seite der Insel still geworden. Der Seegrund, welcher die Insel umgibt, ist von einer wunderbaren Klarheit und von bezaubernder Schönheit der farbenprächtigen Korallenwelt, welche von zahlreichen blau, roth und gelb gefärbten Fischen und der Oberfläche näher von orangenen und rosigen, durchsichtigen Medusen belebt ist. Ueppiger Wald, von Kletterpflanzen durchwuchert, bedeckt das ganze Land, so weit es nicht für den Anbau gelichtet ist.[133]

Schon im sechzehnten Jahrhundert gediehen hier die Gewürznelken, wenn auch nicht in demselben Maße wie auf den Molukken, aber die Insel war damals bekannt wegen der Seetüchtigkeit der Bewohner. Die Malayen, welche diese Inselwelt größtentheils bewohnen, sind recht eigentlich ein Seevolk, und durch die Zersplitterung des heimischen Grundes in zahllose Berginseln, deren Gipfel weit über See aus blauer Ferne einladend winken, zum Seeleben erzogen. Die nur in ihrem Gebiete vorkommenden Gewürze steigerten den Verkehr und die Neigung zu weiten Wasserfahrten. Vom Süd- und Ostgestade des benachbarten asiatischen Festlandes kamen die arabischen, indischen, chinesischen Fahrzeuge zu ihnen, um die Gewürze zu holen. Da diese nun allein am äußersten Ende des Gebiets gediehen, mußten alle Meere innerhalb der Inselzone durchstreift werden und kundige Piloten sich an allen wichtigeren Sammelplätzen bilden. Aber über den scharfbegrenzten Südrand, über dievon Java und den kleinen Sundainseln gezogenen Barrieren ging die Schifffahrt ins offene indische Weltmeer nicht hinaus, ebensowenig aber auch weiter gegen Osten und Südosten, sodaß die Bewohner keine Kunde hatten von dem nahegelegenen australischen Festlande. Der Gewürzhandel führte nicht in jene ungastlichen Gewässer, und so sind auch die Portugiesen nach dieser Richtung nicht weiter vorgedrungen, als ihr einziges Ziel, die Gewürzinseln zu erreichen, sie führen konnte.

Es ist bereits oben (S. 174) kurz angedeutet, daß der große Albuquerque, nachdem er sich des Hafens von Malaka bemächtigt hatte, drei Schiffe unter dem OberbefehlAntonio’s d’Abreuabsandte, um die Molukken aufzusuchen. Es war das äußerste und letzte Ziel der portugiesischen Handelspolitik. Mit d’Abreu gingen als Capitäne der beiden anderen Schiffe Francisco Serrão und Simão Affonso Bisigudo. Im December 1511 stachen sie von Malaka aus in See, richteten ihren Cours zunächst nach der Nordküste von Java und gelangten von da nach Amboina. Serrão’s Schiff ging in einem Sturm unter, aber die Mannschaft konnte sich auf eines der anderen beiden Fahrzeuge retten. Auf Banda bot sich Gelegenheit, eine Dschunke zu erwerben als Ersatz für das verlorene Schiff; auch konnte man hier bereits eine Gewürzfracht eintauschen. Nach den eigentlichen Molukken kam d’Abreu nicht. Die Gewürzinseln im weiteren Sinne hatte er gefunden. Er begnügte sich mit dem ersten Erfolg, zumal da seine Schiffe sich in schlechtem Zustande befanden, und kehrte bald darauf zunächst nach Malaka und später mit Fernão Peres d’Andrade nach Portugal zurück. Aber bereits bald nach seiner Abreise von Banda verlor er die eben erst gekaufte Dschunke, denn Serrão hatte zum zweitenmale Unglück, indem sein Fahrzeug an den Korallenriffen von Nusa-Pinja (Luci-para), südlich von Amboina, strandete. Der portugiesische Capitän rettete sich nicht allein glücklich mit den Seinen ans Land, sondern wußte sogar mit List sich eines malayischen Raubschiffes zu bemächtigen, dessen Mannschaft ahnungsvoll ans Ufer gegangen war. Serrão hatte das Schiff ankommen sehen, lag mit seinen Leuten auf der Lauer im Versteck und bemeisterte sich ohne Mühe des fast unbewachten Fahrzeuges, einer sogen. Korra-korra. Wollten die Seeräuber nicht selbst gleichsam als Schiffbrüchige zurückbleiben, dann mußten sie sich bequemen, die Portugiesen wieder nach Amboina zu bringen. So gelangte Serrão zum zweiten Male dahin, und erfuhr hier, wo er freundliche Aufnahme fand, daß der Radscha oder Sultan von Ternate (denn die Gewürzinseln standen unter einzelnen Häuptlingen, unter denen der Herr auf Ternate der mächtigste war) bereits von dem unter d’Abreu nach seiner Insel beabsichtigten Zuge Kunde erhalten hatte und ihn zu sich einlud, um ihn mit seinen Leuten womöglich in seinen Dienst zu nehmen. Da sich auf diese Weise die sicherste Gelegenheit bot, die eigentlichen Gewürzinseln zu erreichen, so ging Serrão darauf ein, kam nach Ternate und wurde mit dem Sultan befreundet. Durch ein mit Gewürzfracht von dort abgehendes malayisches Schiff, welches nach Malaka bestimmt war, aberauf Java strandete, gelangte im Frühjahr 1513 die Nachricht von dem Schicksal Serrão’s nach jener hinter-indischen Hafenstadt. Um die so fern verschlagenen Landsleute abzuholen, wurde nun Antonio de Miranda d’Azevedo mit einem Geschwader nach den Molukken gesandt. Die Sultane von Ternate und dem benachbarten Tidor, eifersüchtig aufeinander, bewarben sich beide um die Freundschaft der zur See so mächtigen Fremdlinge, von deren Thaten in Indien man auch auf den Molukken natürlich längst gehört hatte, und erboten sich beide, den Portugiesen einen Platz zu ihrer Niederlassung anzuweisen, denn sie hofften beide, mit Hilfe dieser neuen Freunde den Rivalen überwältigen zu können. Vorläufig aber nahm Miranda seinem Auftrage gemäß nur die Mannschaft Serrão’s mit sich zurück, während dieser selbst auf Ternate blieb. Indeß gab Serrão dem abfahrenden Schiffe einige Briefe an seine Freunde in Indien mit, darunter einen an Fernão Magalhães, worin er ruhmredig die Entfernung der Gewürzinseln von Malaka noch übertrieb und von seinen Thaten in einer Weise berichtete, als ob er die Leistungen eines Vasco da Gama damit verdunkelt hätte. Dieser Brief ist deshalb von weittragender Bedeutung geworden, weil Magalhães, seinem Freunde trauend, aus den angegebenen Entfernungen den Schluß zog, die Molukken lägen nicht mehr auf der den Portugiesen zugewiesenen Erdhälfte, und weil er dann weiterhin daraus den Plan baute, auf westlichem Wege von Spanien aus die Gewürzinseln aufzusuchen, um sie für Kaiser Karl V. in Besitz zu nehmen.

Einen weiteren Besuch stattete 1518Dom Tristão de Menezesden Molukken ab. Er kam nach Ternate, wo er Serrão fand und wo der Radschah sich sofort anheischig machte, den Portugiesen eine feste Factorei zu bauen. Darüber entstanden, durch Eifersucht erregt, Streitigkeiten mit den benachbarten Herren von Tidor und Batjan. Da nun Menezes fürchtete, in diesem Zwiste möchte ihm die Gelegenheit verloren gehen, eine volle Gewürzladung zu bekommen, so lehnte er die Einladung des Gebieters von Ternate zunächst ab und erklärte, der König habe ihn nur gesandt, um sich in den Productionsländern der Gewürze umsehen und eine Fracht einzukaufen. So gelang es ihm, außer seinem eigenen Schiffe auch noch vier Dschunken beladen zu können. Serrão und ein Abgesandter des Radschah begleiteten ihn, die Dschunken wurden von Serrão, Simão Correa und Duarte da Costa geführt, gingen aber, als sie bald nach der Abfahrt von Ternate in einem Sturme von dem Hauptschiffe getrennt wurden, nach den Molukken zurück, während Menezes sich nach Banda flüchtete. Von da kehrte dieser, weil er den Aufenthalt der verlorenen Schiffe richtig vermuthete, nach Batjan zurück, fand dort aber seine Landsleute in einen Streit mit den Eingeborenen verwickelt, in welchem alle Mannschaft von der Dschunke Correa’s bis auf einen Einzigen erschlagen wurde. Serrão war wieder nach Ternate gelangt. Menezes wandte sich, da er dem Correa nicht mehr helfen konnte, nach Amboina, vervollständigte dort seine Ladung und gelangte glücklich nach Malaka, starb aber bald darauf.

Als diese Ereignisse in Portugal bekannt wurden, beschloß man ein größeres Geschwader nach den Gewürzinseln zu entsenden und übergab demAntonio de Britodie Leitung. Derselbe ging 1521 mit mehreren Schiffen ab, wandte sich zunächst, als er Indien erreicht hatte, nach Malaka, denn das war der natürliche Ausgangspunkt für alle weiteren Unternehmungen im fernen Osten, wo auch alle Nachrichten zusammenliefen, und steuerte dann nach Java. Hier gesellte sich noch Garcia Henriquez mit einem Schiffe und drei Dschunken zu ihm. Auf der weiteren Fahrt traf er ein von den Molukken kommendes javanisches Schiff, welches einen inspanischer Spracheihm ausgestellten Paß von dort mitbrachte.

Da nun Brito wußte, daß Fernão de Magalhães in spanische Dienste gegangen war und von Kaiser Karl V. Schiffe bekommen hatte, um auf dem westlichen Wege um Südamerika herum die Molukken zu erreichen (vgl. weiter unten 3. Buch, 3. Capitel), so schloß Brito mit Recht, daß spanische Schiffe wirklich den Weg bis zu den Gewürzinseln gefunden hätten. Seine Flotte wurde zwar durch einen Sturm auseinander gejagt, fand sich aber auf Banda wieder zusammen (Februar 1522). Hier schloß er mit dem Fürsten einen Handelsvertrag ab, indeß erlaubte derselbe nicht, daß die Portugiesen auf seinem Gebiete einen Wappenstein errichteten. Im Mai setzte er die Fahrt nach den Molukken weiter fort, züchtigte die Bewohner von Batjan für die Ermordung der Portugiesen und traf, als er bei Tidor vorüberfuhr, einen spanischen Factor Juan de Campos, welcher in der Meinung, die Ankömmlinge seien Spanier, arglos zu ihm herangekommen war. Vom Geschwader Magalhães’ hatten zwei Schiffe die Molukken in der That erreicht und waren von dem Radscha auf Tidor freundlich aufgenommen, während der Fürst von Ternate zu den Portugiesen hielt.

Nachdem die beiden spanischen Schiffe nach verschiedenen Richtungen hin die Gewürzinseln verlassen hatten, war Campos als Factor zurückgeblieben und nun aus Versehen in die Hände Brito’s gefallen, der ihn mit nach Ternate nahm. Serrão scheint damals nicht mehr am Leben gewesen zu sein. Auch der frühere Radscha war gestorben, und die Wittwe hatte für ihren minderjährigen Sohn, den Prinzen (Kaitjil) Taruwés (portugiesischCachil Daroës), einen Verwandten, als Mitregenten angenommen.

Der früher erhaltenen Zusage gemäß baute Brito eine Festung nahe der Stadt und nannte sie nach dem Tage der Grundsteinlegung am Johannistage S. João Bautista. Dann wurde ein weiterer Vertrag abgeschlossen über die Preise der Gewürze, wonach die Portugiesen für ein Bahar Gewürznelken 800 Reis in Geld, oder 1000 Reis (ein Milreis) in Waaren zu zahlen hatten. Indes gab dieser Vertrag bald zu allerlei Mißbrauch und Mißhelligkeiten Veranlassung. Andere Unruhen entstanden dadurch, daß Prinz Taruwés nach der Krone strebte und die Fürstin-Mutter verdächtigte, so daß diese sich genöthigt sah, nach Tidor zu entfliehen, während man ihren Sohn gefangen zurückbehielt. Daraus entstanden kriegerische Verwickelungen mit Tidor.

Im nächsten Jahre 1523 sandte Brito seinen Neffen Simão d’Abreu nach Malaka zurück. Derselbe mußte einen neuen, bisher von den Europäern noch nicht betretenen Weg einschlagen undnördlichum Borneo herumfahren, während die gewöhnliche Fahrbahn südlich an dieser Insel hinlief. Es sollte dadurch die Kenntniß in dem weiten Inselgebiet erweitert werden. d’Abreu stach im Juni in See und kam nach einer langen Fahrt von sechs Monaten glücklich nach Malaka.

In umgekehrter Richtung machte denselben Weg drei Jahre später Dom Jorge de Menezes auf Befehl des damaligen Gouverneurs von Malaka, Pero de Mascarenhas, weil, wie Barros ausdrücklich betonte, diese Route noch zu wenig bekannt war. Menezes ging am 22. August 1526 von Malaka ab, landete auf Borneo in einem Hafen etwa unter 5° nördl. Br., segelte dann zwischen Sulu und Mindanao hindurch und wurde hier vom Westmonsun weit über sein Ziel hinaus ostwärts bis an die Nordküste von Guinea verschlagen. So wurde er der Entdecker der Insel der Papuas, jener dunkelfarbigen Bewohner, welche wegen ihres dichten Wollhaares von ihren westlichen Nachbarn, den Malayen, den Spottnamen Papuas, d. h. Krausköpfe erhalten haben. Mehr als zwei Jahrhunderte galt Neu-Guinea als ein vorspringender Theil des großen unbekannten Südlandes. Von dort kam Menezes erst gegen Ende Mai 1527 an das Ziel seiner Bestimmung, nach Ternate; er hatte also zu seiner Fahrt volle acht Monate gebraucht. Man erkennt aber aus diesen Beispielen, wie zeitraubend die Verbindung zwischen Malaka und den Molukken war.

Im Jahre 1524 erhielt de Brito Verstärkungen, indem aus Indien die Schiffe des Martim Affonso de Mello Jusarte und des Martim Correa anlangten.

Nicht weit westlich von den Molukken springt die schlanke Halbinsel von Celebes vor. Diese eigenthümlich gegliederte Insel wurde damals, weil man die seichten und tiefgehenden Buchten noch nicht untersucht hatte, noch für eine Inselgruppegehalten und Ilhos des Celebes genannt. Zu ihrer Erforschung, denn es wurde viel von ihrem Goldreichthume berichtet, ging von Ternate eine Fuste ab; aber dieselbe wurde an mehreren Stellen bei Versuchen zu landen von den Einwohnern feindlich empfangen und wollte darum nach Ternate zurückkehren. Auf dem Heimwege trieb der Monsun das Fahrzeug weit nach Nordosten ins offene Meer und führte es nach einer Fahrt von 200 Meilen an das Gestade einer der Marianen oder Ladronen, welche Magalhães schon entdeckt hatte. Vier Monate wurde die Fuste hier durch widrigen Wind festgehalten und kam erst im Januar 1526 nach den Molukken zurück.

Um diese Zeit war Brito von seinem Posten abgerufen und wurde durch einen neuen Commandanten in der Person des Dom Garcia Henriquez ersetzt; dieser aber brachte durch seine falschen Maßnahmen die Portugiesen in mancherlei Ungelegenheit, weshalb an seine Stelle Menezes trat.

Es wirft ein eigenthümliches Licht auf die Handlungsweise des Henriquez, wenn wir lesen, daß derselbe zuerst seinen Nachfolger Menezes dadurch zu beseitigen hoffte, daß er ihn auf falsche Aussagen hin gefangen nehmen ließ und dann, als er genöthigt wurde, ihn wieder frei zu geben und als Statthalter anzuerkennen, doch ehe er das Fort verließ, die Kanonen desselben zu vernageln befahl, weil er fürchtete, Menezes würde, wenn er in See gehe, die Kanonen auf ihn richten und sein Schiff in den Grund schießen!

Ueber die weiteren Ereignisse auf den Molukken werden wir später zurückkommen, da sie ihr volles Verständniß erst im Zusammenhange mit von den Spaniern unternommenen Fahrten nach den Gewürzinseln erhalten (vgl. 3. Buch. 3. Capitel).

Zu allen Zeiten, wo durch weit ausgedehnte Eroberungszüge oder durch kühne Seefahrten große Strecken und Gebiete früher unbekannter Länder entdeckt worden sind, und dadurch der Gesichtskreis in kurzer Zeit bedeutend erweitert wurde, ist die Phantasie mächtig aufgeregt worden und hat neben den wahrheitsgetreuen Berichten von den fernen Ländern und Inseln auch den haltlosesten Gerüchten Glauben geschenkt, welche von unglaublichen Wunderwesen und Wunderlanden zu erzählen wußten. So ist es den Griechen nach dem Zuge Alexanders des Großen nach Indien gegangen, so erging es nun auch den Portugiesen in Indien und sollte es, wie wir später sehen werden, auch den Spaniern in Amerika ergehen.

Ein besonders interessantes Beispiel dafür ist das lockende Gespenst der Gold- und Silberinseln, um so mehr als darin ein Wahn aus dem Alterthum neu belebt wurde, welcher das ganze Mittelalter hindurch ein bescheidenes Dasein gefristet hatte.

Als unter den Nachfolgern Alexanders des Großen das vorderindische Land genauer bekannt wurde und einzelne Seefahrer auch den bengalischen Golf durchkreuzten bis zu den Gestaden Hinter-Indiens, wurde im Abendlande die Kunde von einer fern im Osten gelegenen Goldinsel (χρυσῆ νῆσος) verbreitet. Weiterhin belegte man die östlichsten asiatischen Länder nach ihren werthvollsten Erzeugnissen mit dem Namen des Goldlandes, des Silberlandes, des Kupferlandes.[134]Man hat darunter wohl die hinterindischen Staaten Birma und Siam zu verstehen. Ueber den Reichthum an edlen Metallen, wie er noch zu M. Polo’s Zeit von den Fürsten zur Schau getragen wurde, ist bereits (S. 64) berichtet. Auch die Halbinsel Malaka kannte das griechische Alterthum unter dem Namen des goldenen Chersoneses (χρυσῆ χερσόνησος); überdies nennt Ptolemäus auch noch eine goldene Insel. An der Fülle von Edelmetallen war also nicht zu zweifeln.

Bei den römischen Schriftstellern ging die Vorstellung bereits ins Phantastische und Unbestimmte über; man hielt sich namentlich an den Begriff der Gold- und Silberinseln, wollte aber nicht entscheiden, ob die Inseln nur Fundstätten des Metalles besäßen oder ganz und gar daraus beständen. Auch begnügte man sich nur mit der ungefähren Angabe der Lage. Aus den Lateinern schöpfte dann weiter das ganze Mittelalter.

Maßgebend war Plinius, denn die Griechen verstand man im Mittelalter bald nicht mehr. — Die Angaben des römischen Compilatoren und seines späteren Nachschreibers Solinus beherrschten die Ansichten über ein Jahrtausend. Plinius schreibt: Jenseit der Mündung des Indus liegen, glaube ich, die Inseln Chryse und Argyre (die Namen wurden also aus dem Griechischen beibehalten), welche reich an Metallen sind. Denn wenn einige berichtet haben, sie beständen ganz aus Gold und Silber, so dürfte das schwerlich zu glauben sein.

Solinus, welcher stets geneigt ist, das Wunderbare noch zu übertreiben, änderte den Bericht dahin, daß er schrieb, die Inseln seien so reich, daß wie die meisten (?) berichteten, der Boden ganz aus Gold und Silber bestehe. Viel vorsichtiger hatte sich Pomponius Mela ausgedrückt. Aber Plinius und Solinus blieben die maßgebenden Quellen für die Gelehrten des Mittelalters. Im 6. Jahrhundert schrieb Isidor von Sevilla: Chryse und Argyre sind reich an Gold und Silber. Dort (nämlich in Indien überhaupt) gibt es goldene Berge, die aber von Drachen und Greifen und menschlichen Ungeheuern bewacht werden, so daß man nicht zu ihnen gelangen kann.

Kurz erwähnt die Inseln weiterhin der Geograph von Ravenna im 7. Jahrhundert, ebenso Hrabanus Maurus im 8., sodann Hugo von St. Victor im 13. Jahrhundert und Petrus de Alliaco (Pierre d’Ailly), Cardinal von Cambray im Anfang des 15. Jahrhunderts.[135]

Der Glaube an diese Inseln war also allgemein verbreitet; sogar einegereimte Geographie aus dem dreizehnten Jahrhundert verherrlicht dieselben.[136]Die Weltbilder jener Zeit durften diese allgemein angenommenen Thatsachen nicht verschweigen. Bereits die Catalanische Weltkarte zeigt östlich von Indien die Inschrift: „In dem Meere von Indien sind 7548 Inseln, von denen wir hier nicht alle wunderbaren Reichthümer, die darin enthalten sind, vonGold, Silberund kostbaren Steinen aufzählen können.“ Der Globus von Laon, welcher im Jahre 1493 entstanden ist, (vgl.Bulletin soc. geogr. Paris.1860, 2) gibt östlich vom Ganges wenigstens eineArgentea R(egio)undAurea R(egio)an.

Es ist daher durchaus erklärlich, wenn auch die Portugiesen, sobald sie in jene Regionen kamen, nach den kostbaren Inseln suchten.

Der erste, welcher danach ausging, war Diogo Pacheco. Kaum war er 1519 mit seinem Bruder nach Malaka gekommen, als er, durch lockende Erzählungen von der Goldinsel, welche südlich von Sumatra liegen sollte, angespornt, sich erbot, eine Fahrt dahin zu wagen. Der Gouverneur von Malaka, Diogo Lopez de Sequeira, gab ihm zwei Schiffe, aber das eine ging schon an der Nordwestküste von Sumatra unter. Mit dem andern gelangte Pacheco bis zum Hafen von Baros, welches auf der Westseite jener Insel ungefähr unter gleicher Breite mit Malaka liegt. Dort erfuhr er, die Goldinseln lägen wenigstens noch hundert Meilen weiter[137]gegen Süden in der See; es seien niedrige von Korallenriffen umsäumte Eilande mit Palmenhainen und schwarzer Bevölkerung.

Pacheco kehrte für diesmal wieder um, um noch Beistand zu holen, stach aber im nächsten Jahre wieder in See in Begleitung einer Brigantine. Das Einlaufen in Baros wurde ihm durch mehrere feindliche Schiffe von Kambaja und von Sumatra verwehrt, und ein Sturm trennte seine beiden Schiffe von einander. Pacheco selbst ging wahrscheinlich unter. So kostete also der Versuch dem ersten Abenteurer, der das Geheimniß lüften wollte, das Leben. Aber damit waren die Unternehmungen keineswegs abgeschlossen. Als König Manuel davonhörte, gab er dem Gouverneur von Indien, Diogo Lopez, welcher die königlichen Briefe in Kalahat (Kalhat), an den Küsten Arabiens erhielt, den Auftrag, ein Geschwader von drei Schiffen zur Aufsuchung auszuschicken. Zuerst sollte Christovão de Menezes die Führung übernehmen, dann wurde Pedro Eanes damit betraut. Die drei Schiffe bildeten aber einen Theil der Flotte, welche unter Jorge Albuquerque nach Malaka bestimmt waren. Als man jedoch zu diesem vielumstrittenen Hafen kam, konnte man dort die Schiffe nicht entbehren, weil der kleine Seekrieg mit den Nachbaren fast ununterbrochen fortging, und so unterblieb noch bei Lebzeiten Manuels eine weitere Expedition.

Dagegen gingen 1527 unter Leitung eines portugiesischen Piloten drei Schiffe von Dieppe aus, um als Freibeuter das indische Meer zu durchstreifen. Zwei Schiffe kamen nach Diu, ein drittes, welches schon am Cap der guten Hoffnung von den anderen getrennt war, segelte aufs Gerathewohl, ohne den Weg zu kennen, weiter und gerieth an die Küste von Sumatra. Von hier aus forschte er nach der Goldinsel, wo der ganze Strand, Kies und Sand, aus purem Golde bestehen sollte. Dieselbe wurde als ein üppiges Land geschildert, mit schönen Bäumen und klaren Wasserbächen und mit vielerlei wohlschmeckenden Früchten. Das nackte, wilde Volk kleidete sich nur mit Baumblättern, zeigte sich aber den Fremden gegenüber freundlich. Händler aus Sumatra erzählten später in Malaka, das Schiff habe die Goldinsel wirklich gefunden, sich mit Gold beladen und sei dann wieder abgesegelt, habe aber, der Meere unkundig, vielfach umhergeworfen, an der Küste von Sumatra Schiffbruch gelitten und alle Mannschaft verloren. Die dortigen Fischer hätten das Gold an sich genommen.[138]Dadurch schien also die Existenz dieser Inseln außer Frage gestellt. Und so schickte denn der Generalgouverneur Martim Affonso de Sousa im Jahre 1543 wieder eine Galee mit zwei Fusten aus, im Meere westlich von Sumatra nach der Goldinsel auszuspähen. Jeronimo de Figueiredo wollte zu dem Zweck von Goa ausgehen, aber das Unternehmen scheiterte bereits vor Beginn, infolge einer Intrigue.[139]Die Lage der Insel glaubte man ziemlich sicher ansetzen zu können. Man wird darum auch nicht vergebens suchen, wenn man auf den älteren Karten nach der Lage der Goldinsel forscht. Ortelius führt in seinem Theatrum Orbis[140]westlich von Sumatra sowohlIsole d’or, alsisolas d’ourean. Im Atlas Mercators, 1613, lesen wir in derselben GegendAndramania id est aurea insula. Und Willem Blaeu führt in seinem Kartenwerke 1634, ebenso wie Hend. Hondius die Insel„de Ouro“an drei verschiedenen Stellen westlich von Sumatra an. Wenn man nun später auch etwas mehr Zweifel hegen mochte, so haben sich diese Fabelinseln doch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten. Eine von Homanns Erben 1748 veröffentlichte Karte unter dem TitelCartes des Indes orientalesführt auf der Linie von denMalediven nach Nord-Sumatra wiederum noch an drei Stellen die Inseln auf mit den Inschriften: 1)Ouro, juxta Anglos, positionis et existentiae incertae(südlich von Ceylon); 2)Iaeouro s. auri, juxta Batavos, pariter incertae; 3)Ouro, juxta Batavos.

Man erkennt auch hier wieder, daß Fabelwesen ein außerordentlich zähes Leben haben.

Daß man sich aber nicht blos unter den seefahrenden Nationen lebhaft mit diesen Inseln beschäftigte, beweist ein Brief, welcher (ohne Datum) an den Kurfürsten August von Sachsen gerichtet ist und folgendermaßen lautet: Es sind wahrhaftige (?) Zeitungen gekommen in kurzen Tagen aus Spania, wie daß der König habe eine neue Insel gefunden, Serieff, darin liegt nichts als lauter gediegen Gold, man hat zwei Gefangene aus den Königen allenthalben umhergeschickt, wer mit ihnen reden könnte, aber keinen gefunden, der sie hat verstehen können, vermeinend, man wolle viel erfahren durch sie, wie es um ihre Insel stehe. Sie sind aber bald gestorben. Der König hat wieder drei Schiffe verordnet, wie sie zu der Insel hinzufahren und zu besichtigen, wie sie zu gewinnen und zu erobern sei, nachfolgends will er erst ein Volk darauf verordnen. Er ist entschlossen, sie alle todt schlagen zu lassen, denn er könnte die Insel sonst vor ihnen nicht behalten, denn es ist ein rauhes, hartes und fahriges Volk.[141]

Wie alle solche Phantome, so wechselten auch diese Inseln ihre Stelle. Sie flackerten wie Irrlichter durch den großen Inselarchipel, tauchten einmal südlich von Timor auf und verloren sich schließlich in dem weiten fast insellosen Raum des nördlichen großen Oceans.

Es war am Ende des 16. Jahrhunderts, als Schiffer von der Insel Solor, nordwestlich von der Insel Timor, ins südliche Meer verschlagen wurden, und nun erzählten, sie hätten die Goldinsel gefunden. Als man dann zum zweitenmale die Entdeckung ausbeuten wollte, war das goldene Eiland nicht wieder zu finden. Aber die Kunde davon kam nach Malaka, wo damals Manoel Godinho de Eredia weilte, ein portugiesischer Mestize, welcher 1563 in Malaka geboren war und, nachdem er eine kurze Zeit dem Jesuitenorden angehört hatte, sich mit Kosmographie beschäftigte. Zuerst im Jahre 1594 schlug er vor, eine Expedition nach den langgesuchten Inseln auszurüsten und schrieb zu dem Zweck auch eine besondere Abhandlung.[142]Aber leider wurde der Plan zerstört, da zwei Jahre später Cornelis Houtman mit einer holländischen Flotte bei Sumatra erschien. Als dann nach Beseitigung dieser Gefahr für Malaka Godinho wieder Zurüstungen machte, wurde seine Vaterstadt 1601 zum zweitenmale von dem Holländer Jacob van Heemskerk angegriffen und Godinho wieder abgehalten, die Schätze der Goldinsel zu heben. Somit unterblieb der Zug überhaupt.[143]

Als dann kurz darauf die Holländer sich auf den Molukken und auf Java festsetzten, traten sie auch die Erbschaft bezüglich der Goldinseln an. Es war im Jahre 1635, als ein Beamter der holländischen Handelscompagnie, Willem Verstegen, dem holländischen Generalgouverneur Henricq Brouwer, dem Vorgänger des berühmten Antonio van Diemen, eine Schrift überreichte, worin er den Vorschlag machte, die Gold- und Silberinsel, welche östlich von Japan im großen Ocean unter 37½° nördl. Breite liegen sollte, für Holland in Besitz nehmen zu lassen. Brouwer mußte, da er 1636 abberufen wurde, die Ausführung seinem Nachfolger überlassen. Dieser war aber in den ersten Jahren durch wichtigere Angelegenheiten gegen seinen Willen (tegen ons gemoet) abgehalten, obwohl er die Wichtigkeit eines solchen Zuges nicht unterschätzte, und konnte erst 1639 zwei Schiffe unter dem Commandeur Matthys Quast aussenden mit dem Befehl, unter dem angegebenen Breitenparallel vierhundert Meilen nach Osten zu steuern, um die reichen Inseln aufzusuchen. Aber die ziemlich unglückliche Fahrt blieb resultatlos, da die Schiffe nur bis zu den Bonininseln kamen, welche südöstlich von Japan zwischen dem 20. und 30. Breitengrade liegen. Darum mußte der Versuch 1643 wiederholt werden. Wiederum sandte van Diemen zwei Fahrzeuge unter Martin de Vries aus, welcher zuversichtlich die so oft vergeblich gesuchten Inseln zu finden hoffte, da man sichere Kunde von ihrer Existenz in der bezeichneten Gegend zu haben meinte; denn die spanischen Schiffe, welche seit Jahren zwischen Manila und Mexiko verkehrten, hatten seit 1610 oder 1611 die Inseln schon gesehen. Es sollten hohe Gebirgsinseln sein, welche über die Maßen gold- und silberreich und von einem hellfarbigen, freundlichen, civilisirten Volke bewohnt wären. Unzweifelhaft liegt diesen Mittheilungen eine dunkle Nachricht von den hohen Sandwichinseln zu Grunde, deren Lage aber erst durch J. Cook, auf seiner dritten Reise, 1778, bestimmt wurde.

Die beiden Schiffe des Capitän Vries wurden an der Küste von Japan von einander getrennt; beide unternahmen daher selbständig die Forschungsreise. Vries wußte genau, wohin er zu steuern hatte, denn er besaß sogar eine japanische Karte, auf welcher an der Ostseite der Goldinsel ein Fluß verzeichnet war, in dem er ankern konnte. Vries drang 460 Meilen weit von Japan gegen Osten vor, das andere Schiff kam sogar 500 Meilen weit, aber das gesuchte Land blieb verborgen, denn die Sandwichinseln liegen nicht in der Nähe des 37. Parallelkreises, sondern nahe dem nördlichen Wendekreise.[144]

So blieb also der gehoffte Erfolg aus und man gab weitere Unternehmungen auf; aber zur Erweiterung der Kenntniß von den östlichen Meeren hatten auch diese fruchtlosen Fahrten beigetragen.

Mit den Söhnen aus dem Reiche der Mitte waren die Portugiesen zuerst in Malaka zusammengetroffen; es war eine durchaus friedliche Begegnung gewesen. Die Chinesen waren ohne Scheu, lediglich im Handelsinteresse, an die fremden Schiffe herangekommen, denn sie hatten sofort die nautische Ueberlegenheit der Portugiesen erkannt, und ebenso war es für diese wohlthuend gewesen, gegenüber dem schleichenden, unzuverlässigen Wesen der Malayen, in den Chinesen eine Klasse von Händlern zu finden, mit denen man auf gleichem Fuße verkehren konnte, und die auch nicht durch irgendwelche religiöse Satzungen an einem ungezwungenen Geschäftsleben gehindert wurden.

Es stand sicher zu erwarten, daß, sowie die Verhältnisse in Malaka etwas geregelter sich gestalteten, man zu weiterer Bekanntschaft gern die Hand bieten würde, um dadurch den begonnenen Handelsverkehr noch mehr zu beleben. Leider sollte man bald die Erfahrung machen, daß der Chinese in der Fremde weit zugänglicher ist als in seinem Heimatlande.

Im Juli 1514 war Jorge d’Albuquerque Befehlshaber in Malaka geworden, im folgenden Jahre sandte er den Rafael Perestrello mit zehn Leuten in einer chinesischen Dschunke nach China, um das Land zu erkunden, von da kehrte er in einer Brigantine, die er auf seine Kosten ausgerüstet hatte, mit reicher Ladung nach Kotschin zurück.[145]

Kurz vorher langte der neue Generalstatthalter Lopo Soarez aus Portugal an; in seiner Begleitung kam Fernão Perez d’Andrade, um auf Befehl der portugiesischen Regierung eine Flotte nach China zu führen.

Andrade begab sich zunächst nach Sumatra, um eine Ladung Pfeffer einzunehmen, welche man in China gegen andere Waaren vertauschen wollte. Leider wurde er durch den Verlust seines besten Schiffes, welches durch Feuer zerstört wurde, genöthigt, sich nach Malaka zu begeben, und brach von hier am 12. August 1516 von neuem auf, obwohl die beste Jahreszeit ihrem Ende entgegen ging; denn es lag dem neuen Statthalter von Malaka, de Brito, daran, zu erfahren, was aus Perestrello geworden sei, von dem man damals noch nichts gehört hatte. Andrade kam aber nur bis zur Küste von Kotschinschina, nahm auf der wichtigen Insel (Pulo) Kondor, welche vor der Mündung des Mechong liegt und gegenwärtig im Besitz der Franzosen ist, Wasser ein, und kehrte, durch Stürme genöthigt, über den Hafen Patani, an der Ostküste der Halbinsel Malaka, nach dem Hafen von Malaka zurück. Nur das Schiff des Duarte Coelho blieb aus; dasselbe lief in die Mündung des Menam in Siam ein, blieb dort während der schlechten Jahreszeit und ging dann von hier aus allein nach China, wo Andrade wieder mit ihm zusammentraf. In der Zwischenzeit war Perestrello hier eingelaufen und dann weiter nachKotschin gegangen. Der merkantile Erfolg seiner Reise spornte Andrade an, im Juli 1517 zum zweiten Male seine Fahrt nach China anzutreten. Ohne Zwischenfälle erreichte er am 15. August die Küste von Süd-China und ließ an der Insel Tamão (Tamong) die Anker fallen.[146]

Andrade’s Flotte bestand aus vier portugiesischen und vier malayischen Schiffen. An der Küste fand er chinesische Schiffswachten gegen die Piraten postirt. Auch bestand die Einrichtung, daß die Schiffe, welche in den Fluß einlaufen wollten, von den chinesischen Behörden mit Pässen versehen werden mußten. Nach mancherlei Verzögerungen und Plackereien von Seiten der chinesischen Beamten erhielt Andrade Lotsen, welche ihn nach Kanton brachten. Die Absendung einer Gesandtschaft, welche im Namen des Königs von Portugal dem Kaiser von China Geschenke überreichen sollte, zog sich aber in die Länge, weil der Statthalter von Kanton erst am kaiserlichen Hofe um die Genehmigung zur Abfertigung der Gesandtschaft nachsuchen mußte. In dem ungesunden Klima von Kanton starben viele Portugiesen, so daß Andrade es gerathen fand, nach der Insel Tamao zurückzugehen. Von hier sandte er den Duarte Coelho nach Malaka zurück, um über den günstigen Verlauf seines Unternehmens Bericht zu erstatten. Ein anderes Schiff unter Jorge Mascarenhas wurde auf Kundschaft weiter nach Norden geschickt, um Nachrichten über das Land der Lequios einzuziehen. Mascarenhas kam bis nach Tsiuan-tschau an der Fukianstraße, der Insel Formosa gegenüber, und fand in diesem weniger besuchten Hafen viel vortheilhaftere Handelsverhältnisse, da man die chinesischen Artikel viel billiger eintauschen und die mitgebrachten Waaren viel höher verwerthen konnte. Auch erfuhr Mascarenhas dort, daß das Land Lequia, worunter in engerem Sinne die zu Japan gehörigen Liukiu-Inseln und im weiteren Sinne das japanische Reich selbst zu verstehen ist, noch über hundert Meilen weiter nordwärts liege.

Nach einem Aufenthalte von vierzehn Monaten entschloß sich Andrade, China wieder zu verlassen. Dazu nöthigte ihn besonders die Nachricht, daß Malaka wieder von den malayischen Fürsten der Nachbarschaft ernstlich bedroht sei. Ehe er wieder in See ging, ließ er in Kanton und im Hafen von Tamao ausrufen, daß, wenn irgend ein Chinese von den Portugiesen geschädigt sei, derselbe sich melden und seine Entschädigung erhalten solle. Dieses Verfahren wurde von den Chinesen ihm hoch angerechnet und gab ihnen einen Begriff von der Gerechtigkeitsliebe der Fremden.[147]Der portugiesische Gesandte Thomas Perez blieb auf Tamao zurück, bis er endlich, nach dreimaliger Anfrage, die Erlaubniß erhielt, an dem kaiserlichen Hofe zu erscheinen. So konnte er erst im Januar 1520 seine Reise antreten. Inzwischen war aber im August 1519 Simão d’Andrade, der Bruder des Fernão Perez, miteinem zweiten Geschwader vor Tamao erschienen. Thomas Perez fuhr zuerst zu Schiffe bis an die südliche Grenze der Provinz Fukian und begab sich dann zu Lande nach Nanking und von da weiter nach Peking. Da der Kaiser sich aber zu jener Zeit noch in den nördlichen Grenzländern aufhielt, so erfolgte die Audienz erst im Jahre 1521. Während dieser Zeit waren aber über das Benehmen der Portugiesen höchst ungünstige Nachrichten eingelaufen, welche mit der von dem Fernão Perez d’Andrade laut verkündigten Ehrlichkeit und Gerechtigkeit in grellem Widerspruche standen. Simão d’Andrade, unvorsichtig und rücksichtslos, hatte die Zeit benutzt, um sich, ohne dazu von den chinesischen Behörden die Erlaubniß zu haben, auf Tamao zu befestigen, angeblich, um sich dadurch gegen die Angriffe von Seeräubern zu decken. Sodann wurde gemeldet, daß Simão d’Andrade vor seiner Abreise einige Kinder angesehener Eltern, allerdings ohne zu wissen, daß dieselben ihrer Familie gestohlen waren, aufgekauft und mit nach Indien genommen hatte. Endlich waren auch Abgesandte des Fürsten der Insel Bintang bei Malaka erschienen, welche ihren Herren als einen Lehnsmann des Kaisers bezeichneten, welcher ein Recht auf die Hilfe der Chinesen habe, da die Portugiesen ihm einen Theil seines Reiches genommen hätten, und welche erklärten, daß die letzteren nur zum Zweck der Eroberung ihre Fahrten bis China ausdehnten. Die Folge dieser Nachrichten war, daß der Kaiser Befehl gab, den portugiesischen Gesandten nach Kanton zurückzuschaffen und dort als Gefangenen zurückzuhalten, bis die Portugiesen in allen Stücken Ersatz geleistet hätten. Ihre Schiffe wurden gleichfalls mit Beschlag belegt und kein Portugiese mehr in einen Hafen zugelassen, denn der Kaiser wollte solche eigenmächtige, streitsüchtige und habgierige Leute in seinen Landen nicht dulden.[148]

Darum wurde Duarte Coelho, als er im Juni 1521 wieder mit zwei Schiffen vor Tamao erschien, von den Chinesen angegriffen. Er wies zwar mit seinen Kanonen den feindlichen Angriff zurück und befreite noch eins der portugiesischen Schiffe, aber Perez und sein Gefolge blieben als Gefangene zurück und wurden nicht freigegeben. Der abenteuernde Reisende Mendez Pinto wollte sogar im Jahre 1550 noch einige davon am Leben getroffen haben. Dagegen behauptet Barros, Thomas Perez sei mit allen seinen Mitgefangenen etwa ums Jahr 1523 hingerichtet. Ebenso schlug ein erneuter Versuch, welchen Martin Affonso de Mello Coutinho 1522 wagte, vollständig fehl, die Beziehungen zu China wieder anzuknüpfen. Die Chinesen griffen sein Geschwader von fünf Schiffen an, eroberten eins derselben und sprengten ein zweites in die Luft, so daß Coutinho die übrigen mit Mühe nach Malaka zurück rettete. So hatte also das unüberlegte Verfahren Simãos d’Andrade auf längere Zeit die nachtheiligsten Folgen.

Einzelne Schiffe wagten sich später wieder in die chinesischen Gewässer, wandten sich aber weiter nordwärts nach Ningpo, wo sie sich anfänglichvorsichtiger benahmen, um an dem lebhaften Handel der Stadt theilnehmen zu können. Aber mit den wachsenden Erfolgen stieg auch wieder der Uebermuth der Portugiesen; in Folge dessen sie in den vierziger Jahren wieder vertrieben wurden. Ningpo besaß aber eine lebhafte Verbindung mit Japan, und so gelangten die Portugiesen von hier nach jenem Inselreiche. In der Mitte des Jahrhunderts war China ihnen wieder verschlossen, nur aufMacaowußten sie sich zu behaupten und haben den kleinen Besitz auf der Halbinsel bis heute zu erhalten vermocht, von dem aus sie auch mit Kanton weiterhin in geschäftlicher Verbindung blieben, nachdem sie sich zur Zahlung einer Geldsumme bequemt hatten.

Die erste Bekanntschaft mitJapanmachten die Portugiesen im Jahre 1542. Leider fließt hier die wichtigste historische Quelle so trübe, daß Wahrheit und Dichtung schwer zu unterscheiden ist. Es ist der Reisebericht des Fernão Mendez Pinto,[149]welcher 1539 nach Malaka kam, und nachdem er mehrere abenteuerliche Streifzüge nach Sumatra ausgeführt hatte, sich im folgenden Jahre mit Antonio de Faria nach China begab.

Der Piratenzug, an welchem sich Pinto betheiligte, scheint ihn mehrere Jahre in der Nähe und an den Küsten Chinas beschäftigt zu haben. So mochte er vielleicht vernommen haben, daß von der Mannschaft des Diogo de Freitas, welcher sich im Jahre 1542 in der alten Residenz von Siam, in Ayuthia befand, mehrere Leute desertirten und auf einer chinesischen Dschunke versteckt, dem „himmlischen Reiche“ zusteuerten, aber von einem Sturme nordwärts geführt unter dem 32° nördl. Br. bis an die Inseln der Japaner geführt wurden, wo sie auf Nipongi freundliche Aufnahme fanden. Sie waren die ersten Europäer, durch welche die Japaner mit Feuerwaffen bekannt gemacht wurden.

Pinto, dessen Erzählung von Richthofen als „ein Meer von Lügen“ bezeichnet, „in welchem man einzelne Inseln der Wahrheit findet“,[150]eignete sich selbst den Ruhm der Entdeckung zu und behauptete, einer von jenen Matrosen gewesen zu sein, aber er verlegte das Ereigniß um zwei Jahre zu spät. Da aber seine Darstellung und die Angabe von Ortsnamen wirkliche Kenntniß von Japan verräth, so ist es nicht unmöglich, daß er selbst, nachdem er vielleicht in Ningpo die Nachricht von jener ersten Entdeckung erhalten hatte, den südlichen japanischen Inseln, Tamga-sima und Kiusiu einen Besuch abgestattet hat. Eine klarere Vorstellung von jenem Inselreiche gewann man bald, seit Franz Xaver als erster Glaubensbote 1549 das Land betrat und bis 1551 mit großem Erfolge wirkte. Aber über Nippon hinaus nordwärts blieb Meer und Land in Dunkel gehüllt.

Auch China wurde noch in demselben Jahrhundert durch Augustiner- und Franziskanermönche genauer bekannt, welche von den Philippinen her1577 zuerst in das große Reich eindrangen und ihr Bekehrungswerk begannen. So verdanken wir den Portugiesen nur die Kenntniß der Küsten, den spanischen Geistlichen die Kenntniß des Binnenlandes.

Die Thätigkeit der Portugiesen, welche in den ersten Decennien sowohl in Vorder-Indien als auch im Gebiet der Sunda-Inseln, einen so glänzenden Aufschwung genommen hatte, erlahmte sehr bald. Das kleine Reich hatte sich an Mitteln und Menschen erschöpft, es behauptete den errungenen Besitz nur noch mühsam, bis nach der Vereinigung Portugals mit Spanien im Jahre 1580 und nach der Vernichtung der spanischen Suprematie zur See die Holländer und Engländer in den indischen Gewässern erschienen und die ersten Entdecker der Gewürzländer aus ihrer Domäne verdrängten. Die Holländer übernahmen dann im folgenden Jahrhundert die Weiterführung der Entdeckungsfahrten, einerseits gegen Südosten nach Australien, andererseits gegen Nordosten über Japan hinaus bis an das ochotskische Meer und bis zu den Kurilen.


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