Lith. Kunst-Anst. v. Aug. Kürth, LeipzigG. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, BerlinCHINESISCHESPAPIERGELDAUS DERMING-DYNASTIE(1368–1645).Facsimile Reproduction in ¼ der natürl. Größe (Original in Paris).❏GRÖSSERE BILDANSICHT
Lith. Kunst-Anst. v. Aug. Kürth, Leipzig
G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, Berlin
CHINESISCHESPAPIERGELDAUS DERMING-DYNASTIE(1368–1645).
Facsimile Reproduction in ¼ der natürl. Größe (Original in Paris).
❏GRÖSSERE BILDANSICHT
Die erste deutsche Uebersetzung erschien 1477 unter dem Titel: „Das ist der edel Ritter Marcho Polo von Venedig der große Landfahrer, der uns beschreibt die großen Wunder der Welt, die er selbr gesehenn hat. Von dem auffgang pis zu dem undergang der sunnen, dergleychen vor nicht meer gehort seyn. Diß hat gedruckt Friczs Creüßner zu Nurmberg nach cristi gepurdt 1477.“ Im 15. und 16. Jahrhundert wurde Polo’s Bericht von den Kartographen in ausgiebiger Weise gebraucht und auch misbraucht, indem man oft in unkritischer Methode seine Länder und Städte über die Erdräume vertheilte. Trotzdem bildete es das wichtigste Fundament für die Kenntniß des östlichen und südlichen Asien, bis seine unbestimmten Angabendurch bessere, auf mühsamen Landreisen gewonnene Resultate ersetzt werden konnten. Das schönste von allen Resultaten, meint Libri,[41]welches dem Einfluß Polo’s zu danken, sei dieses, daß Columbus durch seine Schilderungen zur Entdeckung der neuen Welt angeregt worden, und daß er, eifersüchtig auf Polo’s Ruhm, es für seine Lebensaufgabe gehalten, Zipangu zu erreichen, von dem der Italiener solche Wunderdinge berichtet habe.
Allein H. Yule (a. a. O. I, 103) bemerkt mit Recht dagegen, daß Columbus die Berichte Polo’s nur aus zweiter Hand kenne und zwar aus einem Briefe Toscanelli’s. Polo’s Namen nennt der Entdecker der neuen Welt nicht. Seine feste Ueberzeugung von der Schmalheit des westlichen Oceans leitet sich nicht aus der Berechnung der Entfernungen asiatischer Länderräume nach Polo’s Angaben her, wonach Ostasien bis weit in den großen Ocean hinein sich erstrecken müßte, sondern stammt von seinem beliebten Gewährsmann, dem Cardinal d’Ailly, welcher seinerseits sich wieder auf Roger Bacon berief.
Ob sich Karten, von Polo’s Hand entworfen, noch länger erhalten, bleibt zweifelhaft. Doch wird erzählt, daß der Prinz Pedro von Portugal 1426 von der venetianischen Signoria eine Karte erhielt, welche entweder ein Original oder eine Copie von einer durch Polo selbst gefertigten Karte gewesen sein soll.
Polo hatte in Asien eine Reihe von Nachfolgern, namentlich glaubenseifrige Mönche, welche zwar nicht so umfassende Reisen wie der venetianische Kaufmann machten, aber doch manche Ergänzungen seines Berichtes brachten und namentlich dazu beitrugen, daß noch längere Zeit das Interesse für die östliche Welt lebhaft erregt blieb.
Der erste unter diesen Missionaren war der FranziskanerJohann von Montecorvinoin Süditalien, geb. 1247, gest. um 1328. Derselbe befand sich zu gleicher Zeit mit den Poli in Asien. Im Jahre 1289 vom Pabste entsendet, ging er in Begleitung des Kaufmanns Petrus de Lucalongo nach Persien und weiter nach Indien, hielt sich dort bei den Thomaschristen längere Zeit auf und konnte über Land und Leute manches neue erzählen. Seine Erlebnisse und Beobachtungen sind in einem Briefe niedergelegt, welchen er von Maabar in Ober-Indien 1292 oder 1293 nach dem Abendlande sendete. Indien heißt bei ihm Maebar. Die Bewohner der dekhanischen Halbinsel sind eigentlich nicht schwarz, sondern olivenfarben und von schöner Gestalt. Ihre tägliche Nahrung besteht in Reis und Milch; Brot und Wein kennen sie nicht. Unter den Produkten werden Pfeffer, Ingwer und Bersi (Brasilholz) besonders erwähnt. Montecorvino ist der erste abendländische Reisende, welcher Zimmt als ein wichtiges Erzeugniß Ceylonsnennt. Auch kennt er die eigenthümliche Schrift auf Palmblätter. Die jahreszeitlichen Winde (die Monsune) regeln die Schifffahrt, auch die Regen sind an bestimmte Zeiten gebunden. Südlich vom indischen Meere gibt es kein Festland mehr, sondern nur Inseln, und zwar mehr als 12000,[42]von denen aber ein Theil unbewohnt ist.
Von Indien wandte sich Montecorvino nach China an den Hof Kublais; diesen Fürsten, den Gönner Polo’s, fand er aber nicht mehr unter den Lebenden. Kublai starb 1294.
Von Cambalu aus, wo 1305 eine Kirche gebaut und ein Kloster gegründet wurde und wo der Franziskaner das Oberhaupt der christlichen Gemeinde, im Range eines Erzbischofs[43]wurde, schrieb er noch zwei Briefe in die Heimat, im Januar 1305 und im Februar 1306. Ein dritter Brief, oder eigentlich der Schluß des zweiten Briefes, ist später von Menentillus von Spoleto mitgetheilt, woraus man früher die irrthümliche Folgerung zog, daß Menentillus selbst in China geweilt habe. Montecorvino scheint der erste und auch der letzte Erzbischof von Cambalu gewesen zu sein.[44]
Zwischen 1316 und 1318 folgte seinen Spuren ein anderer OrdensbruderOdorich von Pordenonein Friaul. Er nahm seinen Weg über Konstantinopel, Trapezunt und Armenien nach Tebris, wo zwischen 1284 und 1291 bereits ein Pisaner Kaufmann, Jolus oder Ozolus ansässig gewesen war. Ueber Sultanieh und Kaschan ging er nach Jesd. Auf Kreuz- und Querzügen, abseits von dem gewöhnlichen Karawanenwege, scheint er an den persischen Golf gekommen zu sein. Er schildert die beweglichen Sandmassen der Wüsten im Innern Persiens, rühmt die ausgezeichneten Feigen und grünen Trauben von Jesd, besuchte die öden Palasttrümmer von Comerum (wahrscheinlich Persepolis) und ging über Schiras ins Tigristhal hinab nach Bagdad. Am babylonischen Thurme vorbei gelangte er ans persische Meer und nach Ormuz, stieg hier zu Schiff und fuhr auf einem gebrechlichen Fahrzeuge, dessen Planken ohne Eisennägel nur durch Kokosfäden zusammengenäht waren, ähnlich wie es Polo und Montecorvino bereits beschrieben hatten, in 28 Tagen nach Tana auf Salsette nördlich von Bombay und von da nach Malabar (Minibar), wo der beste Pfeffer gedeiht. Dort blühten damals die Plätze Flandrina (Pandarani), eine jetzt verschwundene Stadt, nördlich von Kalikut, und Cyngilin, d. i. Kranganor, südlich von Kalikut, damals der Sitz einer der ältesten Dynastien in Malabar.[45]Um die Südspitze Vorder-Indiens herum ging die Fahrt weiter nach Mobar (Koromandel), wo nach der Ansicht Odorichs der Leib des heiligen Thomas begraben liegt. Auch Ceylon wurde besucht, wo es Vögel mit 2 Köpfen (Tukan) gibt, und von hier auch Mailapur (Madras) erreicht. Eine Seereisevon 50 Tagen brachte unsern Glaubensboten an den Nicobaren (Nicoveran) vorbei nach Lamori, einem Reiche von Sumatra.[46]Wegen der Hitze gehen die Einwohner nackt, es herrscht bei ihnen Weibergemeinschaft, wie auch auf der Insel Pagi oder Pagai westlich von Sumatra, und Landcommunismus, auch sind sie dem Canibalismus ergeben. Das Gebiet bringt Gold, Kampfer, Aloeholz, Reis und Weizen hervor. Weiter gegen Süden liegt das Reich Sumoltra. Hier begegnen wir zum ersten Male unverkennbar dem heutigen Namen der Insel, welcher von dem Königreiche auf das ganze Eiland übertragen ist. Nachdem Odorich noch verschiedene Häfen besucht hatte, wandte er sich nach der reichen Insel Java, welche nach seiner Vorstellung, eine arge Uebertreibung — gut 3000 Meilen Umfang hat. An Produkten lieferte diese zweitschönste von allen Inseln Kampfer, Kubeben, Kardamom- und sogar Muskatnüsse. Mit Gold und Silber geschmückte Tempel verkündeten die Macht und den Reichthum der Fürsten. Von hier kehrte Odorich nach dem Norden zurück, berührte die Südküste Borneos, wie sich aus den von ihm erwähnten Produkten Sagomehl, Palmwein, Bambus u. s. w. ergibt, besuchte das Königreich Zampa (Tschampa), wo der König viele gezähmte Elephanten besitzt, und endete in Kanton, im Lande Manzi (Südchina), welches auch Ober-Indien genannt wurde, seine Seereise. Er bezeichnet diesen berühmten Seehafen mit dem Namen Censcalan.[47]Die Stadt liegt eine Tagereise vom Meere entfernt an einem großen Flusse und treibt den ausgedehntesten Seehandel. „Ganz Italien besitzt nicht so viele Schiffe als diese eine Stadt.“ Die betriebsame, dichte Bevölkerung Chinas und seine zahlreichen Städte machten einen gewaltigen Eindruck. Odorich greift wohl etwas zu hoch, wenn er meint, es gäbe in Manzi 2000 Städte, welche größer als Vicenza oder Traviso seien. Allein eine annähernde Zahl von Städten besteht nach der Zusammenstellung Yules (Cathay I, 104) noch jetzt. Von Kanton wandte sich Odorich nach Zayton und von da nach dem Hafen Fuzo (Futscheu). Die weitere Landreise führte sodann durch manche Städte und über ein hohes Gebirge, in welchem zwei verschiedene Menschenrassen hausen, nordwärts zu einem großen Fluß, in welchem er zuerst die Kormoranfischerei kennen lernte, und dann nach Cansay, dem Quinsay Polo’s. In Bezug auf die Größe dieser Weltstadt übertreibt er noch mehr als sein Vorgänger. Die Stadt liegt in den Lagunen wie Venedig, hat 100 Meilen im Umfange und von den 12 Hauptthoren aus erstrecken sich die Vorstädte noch meilenweit ins Land hinein.
Von hier gelangte der Franziskaner nach Chilenfu (Nanking), wo zuerst die Könige von Manzi residirten. Damals hatten die Umfassungsmauern eine Länge von 40 Meilen,[48]jetzt nur die Hälfte. Auf dem großen StromeTalay (Ta kjang oder Yang tse kjang) ging die Fahrt an manchen Städten vorbei zum Schifffahrtscanal, und über den Hwangho endlich nach Cambalech (Peking), wo Odorich 3 Jahre verweilte und einer der von Montecorvino gegründeten Kirchen vorstand.
Als neue Beobachtungen des chinesischen Lebens, welche Polo unerwähnt gelassen, erzählt Odorich, es sei ein Zeichen der Vornehmen, sich lange Nägel wachsen zu lassen, bei einigen werde der Daumennagel so lang, daß er rund um die Hand gehe. Bei Frauen gelte es als Schönheit, sehr kleine Füße zu haben. Daher pflegten die Mütter den neugeborenen Mädchen die Füße fest zu umwickeln, daß dieselben nicht wachsen könnten. Auch beschreibt er zuerst die weißen Hühner mit wollhaarigem Gefieder, welche nur in China heimisch sind.[49]
Ueber den Weg, welchen Odorich auf seiner Heimreise einschlug, wissen wir nur soviel, daß er sich von Peking westwärts ins Binnenland, in das Land Tenduc, welches er für das Reich des Priesters Johann hielt, begab, vielleicht auch Singanfu besuchte und über die Hochgebirge nach Tibet und seiner Hauptstadt Lhasa vordrang. Hier verlieren sich alle Spuren; möglicherweise führte die Route durch Persien über Tebris wieder zurück. Um 1330 gelangte er wieder nach Venedig und starb im Januar 1331 in Udine. Auf einem Theile seiner Wanderung hatte er einen irischen Mönch Jakob zum Begleiter. Er war der erste Europäer, welcher Tibet sah.
Hand eines reichen Annamiten.
Hand eines reichen Annamiten.
Auch auf dem nördlichen Handelswege nach Centralasien fanden sich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts eifrige Glaubensprediger ein, denn der Pabst hatte allen, welche im Dienste der Kirche sich den Mühen und Gefahren unterzogen, unter den Tataren das Christenthum zu verbreiten, denselben Ablaß„a poena et a culpa“verheißen, wie denen, welche nach Jerusalem pilgerten. So zog 1338 auch der spanische FranziskanerPascal von Vittoriavon Venedig aus, fuhr übers schwarze Meer nach der Krim (Gazaria) und Asow (Tana) und begab sich dann in Gesellschaft einiger griechischer Händler zu Wagen nach Sarai (Sarray), wo er, wahrscheinlich im Ordenskloster der Stadt, über ein Jahr lang verweilte, dann die Wolga (Tygris) hinab ins Meer von Baku (Vatuk), d. i. das kaspische Meer gelangte und nach 12 Tagen Saraitschik (d. h. kleiner Palast) am Uralflusse erreichte.Der Ort liegt gegenwärtig in Ruinen. Pascal war im Stande, mit den Tataren in ihrer Sprache zu verkehren, denn er hatte in Sarai die kumanische (chamanische) Sprache und die uigurische Schrift, welche bis nach China verstanden wurde, sich angeeignet. Vom Uralflusse verfolgte er, nachdem sein bisheriger Begleiter Fra Gonsalvo Transtorna umgekehrt war, seinen Weg allein, ritt zu Kamel durch die turanische Steppe nach Chiwa (Urganth) und predigte dort in der Landessprache. Von da aus drang er ins Reich Tschagatai (Imperium Mediumder Abendländer), wurde durch Kriegsunruhen zwar mehrfach aufgehalten, kam aber doch endlich nach Almalik (Armalec) der Hauptstadt von Tschagatai, in der Nähe des heutigen Kuldscha, und verkündigte trotz aller Verfolgung glaubensmuthig die christliche Lehre. Von hier aus sandte er einen Brief, den einzigen, nach Europa, in welchem er über seine Reisen berichtete. Leider ist er, wahrscheinlich schon im nächsten Jahre, 1339 als Märtyrer gefallen.[50]In demselben Jahre erreichte auch ein Kaufmann, Wilhelm von Modena, die Stadt Almalik.
Die letzte große Wanderung quer durch Asien führte der FranziskanerJohann von Marignolli, ein geborener Florentiner (geb. 1290) aus. Auf einen Brief des Großchans, vom Juli 1336, welcher 1338 nach Avignon gelangte, schickte der Pabst Benedikt XIII. eine Gesandtschaft, aus 32 Personen bestehend, im December desselben Jahres von Avignon ab. Unter den Sendlingen befand sich auch Marignolli. Man kam auf dem bekannten Wege über Konstantinopel und Kaffa im Herbst 1339 nach Sarai, wo man überwinterte, und schlug dann die Handelsroute über Urgendsch nach Almalik (Armalec) ein. Hier blieb Marignolli bis 1341 und zog dann über Komul (Kamil) nach Peking, wo die Gesandtschaft bei dem Kaan eine Audienz hatte unter Vortragen des Kreuzes und unter dem Gesange:„Credo in unum deum.“ In Cambalu verweilten sie 3 bis 4 Jahre als Gesandte des Pabstes am kaiserlichen Hofe, dann ging die Wanderung weiter nach dem Hafen Zayton. Die Schilderung, welche Marignolli von China entwirft, ist etwas verworren. So hält er den Hwang ho und den Yang tse kjang für ein und denselben Strom. Von dem Lande Manzi, d. i. Südchina, welches früher unter dem NamenIndia maximabekannt war, sagt er, es habe 30,000 große Städte, unter denen Campsay (Quinsay) die schönste, größte, reichste und wunderbarste sei mit zahlreichen Prachtgebäuden und Götzentempeln, in denen bisweilen 1000 bis 2000 Mönche wohnten. Zu Ende des Jahres 1347 segelte Marignolli nach Indien. Unterwegs stattete er auch der Königin von Saba[51]einen Besuch ab und landete dann an der Küste Malabar in Indien in der Stadt Columbum (Quilon oder Kollam). Denn hier verkehrten auch chinesische Handelsschiffe. In Kollam existirte eine Gemeinde von Thomaschristen. Die Vorsteher derselben bewahrten in Folge eines altenPrivilegiums das Normalgewicht (statera), mit welchem Pfeffer und andere Spezereien gewogen wurden. Daher nennt Marignolli sie auch „die Herren des Pfeffers“.[52]Bei dieser Stadt errichtete er auch eine Marmorsäule mit Kreuz und salbte es mit Oel. An der Säule befanden sich die Wappen des Pabstes und Marignolli’s mit indischer und lateinischer Schrift. „Ich weihete es,“ erzählt der Bote des Pabstes, „und segnete das Denkmal in Gegenwart einer unendlichen Menschenmenge und wurde auf den Schultern von Häuptlingen in einem Palankin getragen.“ Von da begab sich Marignolli nach Ceylon; aber das Paradies, welches nach Mittheilungen der Eingebornen im Innern liegen sollte, hat er selbst nicht gesehen. Nach der Ansicht des Johannes Scotus ist das Paradies auf dem höchsten Punkte der Erde gelegen und reicht bis in die Mondsphäre hinein. Daher muß das Wasser, welches aus dem Garten Eden entspringt und die Bäume tränkt, mit starkem Falle herabstürzen. Die Singhalesen fanden daher auch bei Marignolli Glauben, wenn sie ihm erzählten, man könne das Rauschen der Paradiesquelle 40 Meilen weit hören. Auf der höchsten Spitze des Berges ist noch der Fußstapfen Adams und das Haus zu sehen, das er selbst gebaut hat.
Auf der Rückkehr von Ceylon nach der Koromandelküste fiel Marignolli mohammedanischen Seepiraten in die Hände und wurde aller Werthgegenstände, die er aus dem Osten mitgebracht, beraubt; aber man schonte seines Lebens und so konnte er über Ormuz, Bagdad, in dessen Nähe er die Ruinen des Thurmes zu Babel (d. h. den Mudschelibe) besuchte, über Mossul, wo er die Ruinen von Ninive gesehen, Haleb und Damaskus nach dem Abendlande heimkehren und 1353 dem Pabste in Avignon das Antwortschreiben des Großkaan überreichen.[53]
Die oft wiederholten Handels- und Missionsreisen zu den Residenzen der tatarischen Großfürsten machen es erklärlich, daß, lediglich um den praktischen Bedürfnissen der Kaufleute zu genügen, Beschreibungen des Weges mit Angabe der Entfernung und Kosten entworfen wurden. Ein solcherReiseführerist unter dem Titel„Libro di divisamenti di Paesi“von dem ItalienerPegolottizusammengestellt, welcher im Dienste der Handelsgesellschaft Bardi in Florenz zwischen 1315 und 1317 als Factor in Antwerpen und von 1324–27 in Cypern lebte. Daß Pegolotti die Reise nach China selbst gemacht habe, ist nicht erwiesen und auch nicht wahrscheinlich. Der damals übliche Weg ging über das schwarze Meer und durch Südrußland. Unter den allgemeinen Verhaltungsregeln ward als rathsam empfohlen, daß man sich zunächst einen langen Bart stehen lasse. Dann nehme man sich in Tana einen Dragoman und ein paar tüchtige Diener, welche kumanisch verstehen; auch empfiehlt es sich eine Frau mitzunehmen, welche womöglich gleichfalls kumanisch spricht. Dann versorge man sich mit Mehl und Salzfisch, dennFleisch findet man allenthalben genug. Bewaffneten Schutz braucht man nicht, da die ganze Straße bis China, Dank der Fürsorge der tatarischen Herren, sicher ist. Hat man etwa (nach unserem Geld berechnet) für 240,000 Mark an Waaren, so wird die ganze Reise etwa 3000 bis 4000 Mark kosten. Ein vierräderiger Ochsenkarren mit Filzdach trägt eine Last von 10 Centnern, ein Kamelwagen, zu dem drei Zugthiere gehören, gegen 30 Centner, ein Pferd zieht etwa 6½ Centner.
Was nun die Entfernung und Stationen betrifft, so rechnet man auf den Weg von Tana bis Astrachan (Gintarchan) mit Ochsenkarren 25 Tage, von da bis Sarai 1 Tag, von da bis Saraitschik (Saracanco) am Ural 8 Tage. Von hier kann man zu Land oder zu Wasser weiter reisen. Auf dem Landwege braucht man bis Organci (Chiva) mit Kamelkarren 20 Tage, weiter bis Otrar (Oltrare) an einem Nebenflusse des Syr-Darja südlich der Stadt Turkestan, unter 43° n. B., wieder 35–40 Tage. Von Saracanco direct nach Otrar kürzt sich der Weg auf 50 Tage ab. In Otrar nimmt man Packesel und reiset 45 Tage bis Armalec (bei Kuldscha) und 70 Tage bis Kan-tschou (Camexu). Dann reitet man zu Pferde 45 Tage, bis man an einen chinesischen Fluß[54]gelangt, auf welchem man nach Cassai (Quinsay) kommt und von hier in 30 Tagen die ganze Reise bis Gamalec (Cambalec, Peking) vollendet.
Leider war dieser aufblühende Verkehr mit dem Oriente nicht mehr von langer Dauer; denn als 1368 in China die mongolische Dynastie gestürzt worden war und eine einheimische Fürstenfamilie an die Spitze trat, wurde das Land gesperrt und der Handel völlig abgebrochen. Nur Indien blieb offen. Und hierher kam im 15. Jahrhundert noch ein venetianischer KaufmannNicolo de’ Conti, dessen Erzählung nur durch den seltenen Zufall sich erhalten hat, daß Conti auf der Heimreise nach Europa auf dem rothen Meere in die Hände von Piraten gefallen und aus Todesfurcht den Islam annahm, dann freigelassen, sich in seiner Gewissensangst um Ablaß an den Pabst Eugen IV. wandte, welcher von 1439–42 sich in Florenz aufhielt, und dessen Secretär Poggio (Poggius) die Erlebnisse des Reisenden niederschrieb.[55]Der ganze Bericht macht den Eindruck der Treue und Zuverlässigkeit, doch mag wohl Poggio manches auf eigne Hand hinzugefügt haben, so über die Insel Taprobane. Conti hatte sich in seiner Jugend in Aegypten aufgehalten, um Handel zu treiben, war dann flüchtig geworden, weil er das ihm von seinem Vater anvertraute Capital vergeudet hatte, und war mit einer großen Karawane von 600 Köpfen durch das steinige Arabien und über Chaldäa an den Euphrat gereist. Während des Zuges durch die syrische Wüste hatten sie, ähnlich wie Polo, seltsame Erscheinungen, welche nach Angabe von erfahrenenMännern, die dergleichen schon früher erlebt hatten, für Dämonenspuk ausgegeben wurden. Es war, als ob Reiterschwärme vorübersausten. Man wird bei der Schilderung unwillkürlich an das bekannte Gedicht von Freiligrath: Das Gesicht des Reisenden erinnert. Dann kam er nach der Stadt Babilonia am Euphrat, „welche die heutigen Bewohner Baldachia (Bagdad) nennen“.[56]Dann ging es den Fluß hinunter nach Basra (Balsera) und übers Meer nach Ormuz (Ormesia), damals bereits auf der Insel gelegen. Unterwegs berührte er den Hafen Colchum (bei Diego Ribero 1529 Conga, jetzt Kongun, südlich von Schiras).
In einem persischen Hafen, den er Calacatia[57]nennt, hielt er sich längere Zeit auf, um persisch zu lernen. Seine weitere Reise unternahm er dann in der Tracht eines Persers und fuhr in Gesellschaft seiner adoptirten Landsleute zu Schiff nach Cambaya (Cambahita), welches sie nach einer Fahrt von einem Monat erreichten. Cambaya war damals einer der bedeutendsten Hafenplätze Indiens. „Wenn die abendländische Welt zum Genuß hinterindischer und chinesischer Produkte gelangte, so verdankte sie dies zumeist den unternehmenden Kaufleuten und tüchtigen Seecapitänen von Cambaya und Kalikut.“[58]Eine Küstenfahrt führte Conti nach Süden in die Region, welche ausgezeichneten Ingwer liefert.
MAPAMONDIVOL DIR AYTANT CON YMAGE DEL MONDE DE LES REGIONS QVE SON SVS LA TERRA E DE DIVERSAS MANERAS DE GENS QVE EN ELA HABITAN(Westlicher Teil)❏GRÖSSERE BILDANSICHT
MAPAMONDIVOL DIR AYTANT CON YMAGE DEL MONDE DE LES REGIONS QVE SON SVS LA TERRA E DE DIVERSAS MANERAS DE GENS QVE EN ELA HABITAN
(Westlicher Teil)
❏GRÖSSERE BILDANSICHT
(Östlicher Teil)Lithogr. Kunst-Anst. v. Aug. Kärth, Leipzig.G. Grotesche Verlagsbuchhandlung, Berlin.Catalanische Erdkarte, für König Karl V. von Frankreich 1375 in Mallorca gezeichnet. (Paris, National-Bibliothek.) Zu Gunsten der Deutlichkeit sind einerseits die zahlreichen Compasslinien des Originals weggelassen und ist andererseits das Meer mit einem blauen Ton gedeckt.❏GRÖSSERE BILDANSICHT
(Östlicher Teil)
Lithogr. Kunst-Anst. v. Aug. Kärth, Leipzig.
G. Grotesche Verlagsbuchhandlung, Berlin.
Catalanische Erdkarte, für König Karl V. von Frankreich 1375 in Mallorca gezeichnet. (Paris, National-Bibliothek.) Zu Gunsten der Deutlichkeit sind einerseits die zahlreichen Compasslinien des Originals weggelassen und ist andererseits das Meer mit einem blauen Ton gedeckt.
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Mapamondi, das heisst das Bild der Welt und der verschiedenen Staaten der Welt und der Gegenden, welche auf der Erde sind, der verschiedenen Arten von Völkern, welche auf derselben wohnen. (Und besagtes Bild oder Figur ist rund wie ein Spielball und ähnlich einem Ei, getheilt in vier Elemente. Denn wie das ganze Ei von aussen von seiner Schale umgeben ist, wie die Schale das Eiweiss, und dieses den Dotter umgibt, und darauf der Tropfen des Embryo gebildet ist: so ist diese Welt auf allen Seiten vom Himmel umgeben, wie von der Eierschale, der Himmel umgibt die reine Luft, wie die Schale das Eiweiss; die trübe Luft ist umgeben von der reinen Luft, wie der Dotter vom Eiweiss u. s. w.)
Die Bewohner von Norwegen leben mehr von Fischen und von der Jagd als von Brot. Diese Gegend ist sehr rauh und kalt und gebirgig, wild und voll von Gebüschen. Viel Wild gibt’s hier: als Hirsche, weisse Bären und Gerfalken. Es gibt Hafer, aber nur sehr wenig, wegen der grossen Kälte.
Die Bewohner von Norwegen leben mehr von Fischen und von der Jagd als von Brot. Diese Gegend ist sehr rauh und kalt und gebirgig, wild und voll von Gebüschen. Viel Wild gibt’s hier: als Hirsche, weisse Bären und Gerfalken. Es gibt Hafer, aber nur sehr wenig, wegen der grossen Kälte.
In Irland gibt es viele merkwürdige Inseln, darunter ist eine kleine, wo die Menschen nicht sterben; aber wenn sie sehr alt sind, um zu sterben, trägt man sie von der Insel. Da gibt’s keine Schlange und keine Kröte und keine giftige Spinne; denn das ganze Land duldet kein giftiges Thier. (Da ist auch ein See und eine Insel. Noch mehr, es gibt dort Bäume, die tragen Vögel, wie andere Bäume reife Feigen tragen.) Desgleichen gibt es eine andere Insel in welcher die Frauen nicht niederkommen; wenn aber die Zeit der Entbindung kommt, schafft man sie, der Sitte gemäss, von der Insel fort.
In Irland gibt es viele merkwürdige Inseln, darunter ist eine kleine, wo die Menschen nicht sterben; aber wenn sie sehr alt sind, um zu sterben, trägt man sie von der Insel. Da gibt’s keine Schlange und keine Kröte und keine giftige Spinne; denn das ganze Land duldet kein giftiges Thier. (Da ist auch ein See und eine Insel. Noch mehr, es gibt dort Bäume, die tragen Vögel, wie andere Bäume reife Feigen tragen.) Desgleichen gibt es eine andere Insel in welcher die Frauen nicht niederkommen; wenn aber die Zeit der Entbindung kommt, schafft man sie, der Sitte gemäss, von der Insel fort.
Die glückseligen Inseln liegen in dem grossen Meere linker Hand, an der Grenze des Occidents, aber nicht fern im Meere. (Isidor spricht also in seinem 15. Buche: Diese Inseln heissen Fortunatae.) Denn sie sind reich an allen Gütern, Korn, Früchten, Kräutern, Bäumen und die Einwohner glauben, es sei hier das Paradies, wegen der milden Sonnenwärme und der Fruchtbarkeit des Bodens. (Isidor sagt auch) Die Bäume wachsen hier wenigstens 140 Fuss hoch und tragen viele Früchte und Vögel. Man findet hier Honig und Milch, vorzüglich in der Insel Capria, die nach der Menge der Ziegen, die es hier gibt, benannt ist. Dann ist hier die Insel Canaria, benannt nach den grossen und starken Hunden, welche dort sind. (Plinius, dieser Meister der Geographie, sagt, dass es unter den Fortunaten eine gibt, wo alle Güter der Welt wachsen, ebenso alle Früchte, ohne dass man sie zu säen und zu pflanzen braucht. Auf der Höhe der Gebirge sind sehr wohlriechende Bäume, zu jeder Zeit mit Blättern und Früchten bedeckt. Die Einwohner essen davon einen Theil des Jahres. Die Bewohner Indiens glauben, dass ihre Seelen nach dem Tode diese Inseln bewohnen werden und dass sie dort ewig leben werden von dem Wohlgeruch dieser Früchte. Sie glauben, dass dies ihr Paradies sei, aber, offen gestanden, es ist dies eine Fabel.)
Die glückseligen Inseln liegen in dem grossen Meere linker Hand, an der Grenze des Occidents, aber nicht fern im Meere. (Isidor spricht also in seinem 15. Buche: Diese Inseln heissen Fortunatae.) Denn sie sind reich an allen Gütern, Korn, Früchten, Kräutern, Bäumen und die Einwohner glauben, es sei hier das Paradies, wegen der milden Sonnenwärme und der Fruchtbarkeit des Bodens. (Isidor sagt auch) Die Bäume wachsen hier wenigstens 140 Fuss hoch und tragen viele Früchte und Vögel. Man findet hier Honig und Milch, vorzüglich in der Insel Capria, die nach der Menge der Ziegen, die es hier gibt, benannt ist. Dann ist hier die Insel Canaria, benannt nach den grossen und starken Hunden, welche dort sind. (Plinius, dieser Meister der Geographie, sagt, dass es unter den Fortunaten eine gibt, wo alle Güter der Welt wachsen, ebenso alle Früchte, ohne dass man sie zu säen und zu pflanzen braucht. Auf der Höhe der Gebirge sind sehr wohlriechende Bäume, zu jeder Zeit mit Blättern und Früchten bedeckt. Die Einwohner essen davon einen Theil des Jahres. Die Bewohner Indiens glauben, dass ihre Seelen nach dem Tode diese Inseln bewohnen werden und dass sie dort ewig leben werden von dem Wohlgeruch dieser Früchte. Sie glauben, dass dies ihr Paradies sei, aber, offen gestanden, es ist dies eine Fabel.)
Das Schiff des Jacob Ferrer ging in See nach dem Goldflusse am Tage des heil. Laurentius, am 10. August 1346.
Das Schiff des Jacob Ferrer ging in See nach dem Goldflusse am Tage des heil. Laurentius, am 10. August 1346.
Die Orkney-Inseln, in denselben ist 6 Monate Tag, während die Nacht hell ist, und 6 Monate Nacht, während der Tag trübe ist.
Die Orkney-Inseln, in denselben ist 6 Monate Tag, während die Nacht hell ist, und 6 Monate Nacht, während der Tag trübe ist.
Cap Finisterre, das Westcap Afrikas, hier beginnt (Afrika) und endigt in Alexandrien und Babilonia (Stadt in Aegypten) und umfasst die ganze Küste der Berberei und reicht (bis Alexandrien) gegen Mittag u. Aethiopien (und Aegypten. Man findet in diesem Lande viel Elfenbein wegen der Menge von Elephanten, die hier geboren werden und welche hier an den Strand kommen.)
Cap Finisterre, das Westcap Afrikas, hier beginnt (Afrika) und endigt in Alexandrien und Babilonia (Stadt in Aegypten) und umfasst die ganze Küste der Berberei und reicht (bis Alexandrien) gegen Mittag u. Aethiopien (und Aegypten. Man findet in diesem Lande viel Elfenbein wegen der Menge von Elephanten, die hier geboren werden und welche hier an den Strand kommen.)
Thal von Darha (Wadi Draa). Durch diesen Ort ziehen die Kaufleute, welche nach dem Lande der Neger von Guinea reisen.
Thal von Darha (Wadi Draa). Durch diesen Ort ziehen die Kaufleute, welche nach dem Lande der Neger von Guinea reisen.
Dieses ganze Gebiet haben Leute inne, welche sich so einhüllen, dass man nichts als die Augen sieht (Tuarez mit dem Lithmen oder Gesichtsschleier), sie leben in Zelten und reiten auf Kamelen. (Es gibt hier auch Thiere, welche Lemp(?) heissen, aus deren Haut man gute Schilde macht.)
Dieses ganze Gebiet haben Leute inne, welche sich so einhüllen, dass man nichts als die Augen sieht (Tuarez mit dem Lithmen oder Gesichtsschleier), sie leben in Zelten und reiten auf Kamelen. (Es gibt hier auch Thiere, welche Lemp(?) heissen, aus deren Haut man gute Schilde macht.)
Dieses ganze Gebirge wird in seiner Länge Carena von den Sarazenen genannt und von den Christen die Hellen Berge (vom Schnee) genannt, hat viele schöne Städte und Schlösser, die mit einander Krieg führen und hat Ueberfluss an Brot und an Wein und an Oel und an allen guten Früchten.
Dieses ganze Gebirge wird in seiner Länge Carena von den Sarazenen genannt und von den Christen die Hellen Berge (vom Schnee) genannt, hat viele schöne Städte und Schlösser, die mit einander Krieg führen und hat Ueberfluss an Brot und an Wein und an Oel und an allen guten Früchten.
Dieser Negerfürst heisst Mussemelly, Herr der Neger von Guinea. Dieser König ist der reichste u. vornehmste Herr dieses ganzen Landes, wegen der Menge Gold, die man in seinem Lande sammelt.
Dieser Negerfürst heisst Mussemelly, Herr der Neger von Guinea. Dieser König ist der reichste u. vornehmste Herr dieses ganzen Landes, wegen der Menge Gold, die man in seinem Lande sammelt.
Dieses Meer heisst das deutsche Meer und das Meer von Gotland und Schweden. Wisst, dass dieses Meer 6 Monate im Jahre gefroren ist, nämlich von Mitte October bis Mitte März, so dass man in dieser Zeit mit Ochsenwagen darüber fahren kann, wegen der Kälte des Nordens.
Dieses Meer heisst das deutsche Meer und das Meer von Gotland und Schweden. Wisst, dass dieses Meer 6 Monate im Jahre gefroren ist, nämlich von Mitte October bis Mitte März, so dass man in dieser Zeit mit Ochsenwagen darüber fahren kann, wegen der Kälte des Nordens.
Hier ist der mittlere Theil des Gebirges, über welches sarazenische Pilger ziehen, welche vom Abendlande aus nach Mekka walfahren.
Hier ist der mittlere Theil des Gebirges, über welches sarazenische Pilger ziehen, welche vom Abendlande aus nach Mekka walfahren.
Hier herrscht der König Organa, ein Sarazene, welcher fortwährend mit den Sarazenen an der Küste und mit den andern Arabern Krieg führt.
Hier herrscht der König Organa, ein Sarazene, welcher fortwährend mit den Sarazenen an der Küste und mit den andern Arabern Krieg führt.
In diesem Sumpf leben Orions und andere seltsame Fische.
In diesem Sumpf leben Orions und andere seltsame Fische.
Stadt Lemberg (Löwenberg); in diese Stadt kommen Kaufleute, welche aus dem Orient anlangen und sich durch das deutsche Meer nach Flandern begeben.
Stadt Lemberg (Löwenberg); in diese Stadt kommen Kaufleute, welche aus dem Orient anlangen und sich durch das deutsche Meer nach Flandern begeben.
Dieser König führt beständig Krieg mit den Christen in Nubien, welche dem Kaiser von Aethiopien im Lande des Priesters Johannes unterthänig sind.
Dieser König führt beständig Krieg mit den Christen in Nubien, welche dem Kaiser von Aethiopien im Lande des Priesters Johannes unterthänig sind.
Dieser Sultan von Babilonia ist gross und mächtig unter den andern dieser Gegend.
Dieser Sultan von Babilonia ist gross und mächtig unter den andern dieser Gegend.
Durch diese Meerenge gingen die Kinder Israels, als sie aus Aegypten auszogen.
Durch diese Meerenge gingen die Kinder Israels, als sie aus Aegypten auszogen.
In diese Stadt Chos (Kosser) bringt man die Spezereien, die von Indien kommen. (Man bringt sie dann nach Babylonia (Kairo) und Alexandrien.)
In diese Stadt Chos (Kosser) bringt man die Spezereien, die von Indien kommen. (Man bringt sie dann nach Babylonia (Kairo) und Alexandrien.)
Dieses Meer heisst das rothe Meer (hier zogen die zwölf Stämme Israels hindurch) und wisst, dass das Wasser nicht roth ist, sondern der Boden hat diese Farbe. Durch dieses Meer geht der grössere Theil der Spezereien, die von Indien (nach Alexandrien) kommen.
Dieses Meer heisst das rothe Meer (hier zogen die zwölf Stämme Israels hindurch) und wisst, dass das Wasser nicht roth ist, sondern der Boden hat diese Farbe. Durch dieses Meer geht der grössere Theil der Spezereien, die von Indien (nach Alexandrien) kommen.
Hier ist der Leib d. Jungfrau Katharina (Katharinenkloster). Der Berg Sinai, auf welchem Gott Moses das Gesetz gab.
Hier ist der Leib d. Jungfrau Katharina (Katharinenkloster). Der Berg Sinai, auf welchem Gott Moses das Gesetz gab.
Hier regiert der Kaiser dieser nördlichen Gegend, dessen Bereich in der Provinz Bolgar (an der Wolgar) beginnt u. in der Stadt Urgendsch endigt. Dieser Fürst heisst Jambech (1342–1356) Herr von Sarai.
Hier regiert der Kaiser dieser nördlichen Gegend, dessen Bereich in der Provinz Bolgar (an der Wolgar) beginnt u. in der Stadt Urgendsch endigt. Dieser Fürst heisst Jambech (1342–1356) Herr von Sarai.
Diese Stadt heisst das grosse Ninive, dieselbe wurde wegen ihrer Sünden zerstört.
Diese Stadt heisst das grosse Ninive, dieselbe wurde wegen ihrer Sünden zerstört.
Hier lag das grosse Babylon, wo Nebukadnezar war.
Hier lag das grosse Babylon, wo Nebukadnezar war.
In dieser Stadt ist das Grab Mohammeds, des Propheten der Sarazenen, welche aus allen Ländern dahin pilgern u. sie sagen, dass nachdem sie etwas so kostbares gesehen, es nichts mehr gebe, was des Ansehens werth wäre. Dann lassen sie sich zur Ehre Mohammeds blenden.
In dieser Stadt ist das Grab Mohammeds, des Propheten der Sarazenen, welche aus allen Ländern dahin pilgern u. sie sagen, dass nachdem sie etwas so kostbares gesehen, es nichts mehr gebe, was des Ansehens werth wäre. Dann lassen sie sich zur Ehre Mohammeds blenden.
Es heisst jetzt Bagdad. Wisst, dass man in diese Stadt viele Spezereien und schöne Sachen bringt, die von Indien kommen u. die man dann ins Land Syrien und besonders nach Damaskus schafft.
Es heisst jetzt Bagdad. Wisst, dass man in diese Stadt viele Spezereien und schöne Sachen bringt, die von Indien kommen u. die man dann ins Land Syrien und besonders nach Damaskus schafft.
Vor der Mündung des Flusses von Bagdad das Meer von Indien und Persien. Hier sind Fischereien von Perlen, welche man dann in die Stadt Bagdad bringt. (Und die Fischer sprechen, ehe sie auf den Grund tauchen, ihre Zaubersprüche, um die Fische zu verjagen.)
Vor der Mündung des Flusses von Bagdad das Meer von Indien und Persien. Hier sind Fischereien von Perlen, welche man dann in die Stadt Bagdad bringt. (Und die Fischer sprechen, ehe sie auf den Grund tauchen, ihre Zaubersprüche, um die Fische zu verjagen.)
Wisst, dass diejenigen, welche die Wüste durchreisen wollen, hier anhalten und eine ganze Woche ausruhen in einer Stadt Namens Lop (wo sie und ihre Thiere sich erholen), und wo sie sich mit allem Nöthigen für 7 Monate versehen; denn in der Wüste kann ein Mensch einen Tag und eine Nacht wandern, ehe er gutes Trinkwasser findet; (aber nach dieser Zeit von einem Tag und einer Nacht findet man) so viel, dass es für 50, für 100 Personen und noch mehr ausreicht. Und wenn es geschieht, dass ein Reisender bei Nacht auf dem Pferde einschläft, (oder aus einem andern Grunde seine Kameraden verlässt, so kommt es oft vor) dass er in der Luft zahlreiche Stimmen von Teufeln hört (die der Stimme seiner Gefährten gleichen); dann rufen sie ihn bei seinem Namen und endlich führen die Teufel ihn kreuz und quer durch die Wüste, dass er seine Gefährten nie wieder findet. — Diese Karawane reist vom Kaiserthum Sarai nach China.
Wisst, dass diejenigen, welche die Wüste durchreisen wollen, hier anhalten und eine ganze Woche ausruhen in einer Stadt Namens Lop (wo sie und ihre Thiere sich erholen), und wo sie sich mit allem Nöthigen für 7 Monate versehen; denn in der Wüste kann ein Mensch einen Tag und eine Nacht wandern, ehe er gutes Trinkwasser findet; (aber nach dieser Zeit von einem Tag und einer Nacht findet man) so viel, dass es für 50, für 100 Personen und noch mehr ausreicht. Und wenn es geschieht, dass ein Reisender bei Nacht auf dem Pferde einschläft, (oder aus einem andern Grunde seine Kameraden verlässt, so kommt es oft vor) dass er in der Luft zahlreiche Stimmen von Teufeln hört (die der Stimme seiner Gefährten gleichen); dann rufen sie ihn bei seinem Namen und endlich führen die Teufel ihn kreuz und quer durch die Wüste, dass er seine Gefährten nie wieder findet. — Diese Karawane reist vom Kaiserthum Sarai nach China.
Die Stadt Schiras, sonst Gracia genannt; hier wurde die Astronomie zuerst durch den sehr gelehrten Ptolemäus erfunden (?!)
Die Stadt Schiras, sonst Gracia genannt; hier wurde die Astronomie zuerst durch den sehr gelehrten Ptolemäus erfunden (?!)
Arabia Saba ist die Provinz, welche die Königin von Saba besitzt. Jetzt gehört sie arabischen Sarazenen. Es gibt dort viele Wohlgerüche als Myrrhe und Weihrauch, sie hat Ueberfluss an Gold, an Silber und kostbaren Steinen, auch findet man hier, wie man sagt, den Vogel Phönix.
Arabia Saba ist die Provinz, welche die Königin von Saba besitzt. Jetzt gehört sie arabischen Sarazenen. Es gibt dort viele Wohlgerüche als Myrrhe und Weihrauch, sie hat Ueberfluss an Gold, an Silber und kostbaren Steinen, auch findet man hier, wie man sagt, den Vogel Phönix.
(Diese Provinz heisst) Tarsia. Von hier zogen die drei weisen Könige aus, welche mit ihren Geschenken nach Bethlehem in Judäa kamen und Jesum Christum anbeteten; sie sind begraben in der Stadt Köln, zwei Tagereisen von Brügge.
(Diese Provinz heisst) Tarsia. Von hier zogen die drei weisen Könige aus, welche mit ihren Geschenken nach Bethlehem in Judäa kamen und Jesum Christum anbeteten; sie sind begraben in der Stadt Köln, zwei Tagereisen von Brügge.
Diese Stadt heisst Ormus. Hier beginnt Indien. Wisst, dass in diese Stadt Fahrzeuge kommen, welche 8–10 Masten haben mit Segeln von Rohr.
Diese Stadt heisst Ormus. Hier beginnt Indien. Wisst, dass in diese Stadt Fahrzeuge kommen, welche 8–10 Masten haben mit Segeln von Rohr.
Diese Schiffe heissen Dschonken (und haben 60 Ellen Kiel und wenigstens 34 Ellen Oberwerk.) Sie haben 4–10 Masten und ihre Segel sind aus Rohr und Palmblättern.
Diese Schiffe heissen Dschonken (und haben 60 Ellen Kiel und wenigstens 34 Ellen Oberwerk.) Sie haben 4–10 Masten und ihre Segel sind aus Rohr und Palmblättern.
In dem indischen Meere, wo die Fischereien sind, gibt es mehr reiche Inseln, aber die Fischer machen, ehe sie auf den Grund tauchen, ihren Zauber, wodurch sie die Fische vertreiben; und wenn die Fischer zufällig untertauchen, bevor sie ihren Zauber gemacht haben, werden sie von den Fischen gefressen. Das ist eine ausgemachte Sache.
In dem indischen Meere, wo die Fischereien sind, gibt es mehr reiche Inseln, aber die Fischer machen, ehe sie auf den Grund tauchen, ihren Zauber, wodurch sie die Fische vertreiben; und wenn die Fischer zufällig untertauchen, bevor sie ihren Zauber gemacht haben, werden sie von den Fischen gefressen. Das ist eine ausgemachte Sache.
Der König von Dehli. Hier ist ein grosser, mächtiger u. sehr reicher Sultan; dieser Sultan hat 700 Elephanten und 100,000 Reiter unter seinem Befehl. Er hat auch zahllose Truppen zu Fuss. In dieser Gegend der Erde gibt es viel Gold u. kostbare Steine.
Der König von Dehli. Hier ist ein grosser, mächtiger u. sehr reicher Sultan; dieser Sultan hat 700 Elephanten und 100,000 Reiter unter seinem Befehl. Er hat auch zahllose Truppen zu Fuss. In dieser Gegend der Erde gibt es viel Gold u. kostbare Steine.
Auf diesen Inseln gibt es viele gute Gerfalken und Falken, welche die Einwohner nur für den Bedarf des Gross-Chans zu fangen wagen, des Herrn und Kaisers von China.
Auf diesen Inseln gibt es viele gute Gerfalken und Falken, welche die Einwohner nur für den Bedarf des Gross-Chans zu fangen wagen, des Herrn und Kaisers von China.
Wisst, die Männer und Weiber dieses Landes, wenn sie gestorben sind, mit Musik und Freudenbezeugung zum Scheiterhaufen getragen werden. (Während die Verwandten des Todten wehklagen) geschieht es bisweilen, dass die Witwen sich ins Feuer stürzen zugleich mit ihren Männern; dagegen die Männer nie mit ihren (gestorbenen) Frauen.
Wisst, die Männer und Weiber dieses Landes, wenn sie gestorben sind, mit Musik und Freudenbezeugung zum Scheiterhaufen getragen werden. (Während die Verwandten des Todten wehklagen) geschieht es bisweilen, dass die Witwen sich ins Feuer stürzen zugleich mit ihren Männern; dagegen die Männer nie mit ihren (gestorbenen) Frauen.
Diese (Trompeten) sind von Metall. Alexander, der grosse mächtige König, liess sie machen. Die Gebirge von Badachschan. Diese Menschen sammeln Diamanten; aber da sie nicht in die Gebirge gelangen können, wo sich die Diamanten finden, so werfen sie sehr geschickt Fleischstücke dahin, wo die Edelsteine liegen und die Steine heften sich an das Fleisch und Vögel nehmen sie da weg. Dann fallen die (am Fleisch klebenden Steine) den Vögeln weg u. so werden sie gefunden, und so fand es Alexander.
Diese (Trompeten) sind von Metall. Alexander, der grosse mächtige König, liess sie machen. Die Gebirge von Badachschan. Diese Menschen sammeln Diamanten; aber da sie nicht in die Gebirge gelangen können, wo sich die Diamanten finden, so werfen sie sehr geschickt Fleischstücke dahin, wo die Edelsteine liegen und die Steine heften sich an das Fleisch und Vögel nehmen sie da weg. Dann fallen die (am Fleisch klebenden Steine) den Vögeln weg u. so werden sie gefunden, und so fand es Alexander.
Der See Issyk-Kul. In diesem See ist ein Kloster von armenischen Mönchen, in welchen, wie man sagt, der Leib des Heil. Matthäus, des Apostels und Evangelisten ist.
Der See Issyk-Kul. In diesem See ist ein Kloster von armenischen Mönchen, in welchen, wie man sagt, der Leib des Heil. Matthäus, des Apostels und Evangelisten ist.
Viele Städte, welche Alexander der Grosse, König v. Macedonien, baute.
Viele Städte, welche Alexander der Grosse, König v. Macedonien, baute.
Hier herrscht der König von Kollam, ein Christ. Provinz Kollam.
Hier herrscht der König von Kollam, ein Christ. Provinz Kollam.
Hier herrscht der König Chabech (Gabak oder Kapak, zwischen 1310 u. 1320), welchen man den Herrn des medischen Reiches nennt. Er war in Emaleck (?)
Hier herrscht der König Chabech (Gabak oder Kapak, zwischen 1310 u. 1320), welchen man den Herrn des medischen Reiches nennt. Er war in Emaleck (?)
Hier herrschte der König Stephan. Hier ist der Leib des Heil. Thomas, des Apostels. (Blicke nach der Stadt Butifilis (Motupalla)).
Hier herrschte der König Stephan. Hier ist der Leib des Heil. Thomas, des Apostels. (Blicke nach der Stadt Butifilis (Motupalla)).
In der Insel Jana (?) findet man viele Bäume, Aloëholz, Kampfer, Sandel, feine Spezereien, Galanga (eine Wurzel), Muskatnüsse, Zimmtbäume, wovon das kostbarste Gewürz von ganz Indien kommt; auch findet man dort Macis und Blätter.
In der Insel Jana (?) findet man viele Bäume, Aloëholz, Kampfer, Sandel, feine Spezereien, Galanga (eine Wurzel), Muskatnüsse, Zimmtbäume, wovon das kostbarste Gewürz von ganz Indien kommt; auch findet man dort Macis und Blätter.
Das kaspische Gebirge, in welchem Alexander so hohe Bäume sah, dass ihr Wipfel in die Wolken reichte. Und mit Hilfe seiner Kunst schloss er dort die Tartaren Gog und Magog ein (und für sie liess Alexander die eben beschriebenen Metallbilder machen.) Ebenso schloss er an diesem Orte auch verschiedene Arten von Menschen ein, die nicht rohes Fleisch essen sollten. Das ist das Menschengeschlecht, mit welchem der Antichrist kommen wird. (Sie werden endlich durch Feuer vernichtet, welches vom Himmel herabkommt, um sie zu vertilgen.)
Das kaspische Gebirge, in welchem Alexander so hohe Bäume sah, dass ihr Wipfel in die Wolken reichte. Und mit Hilfe seiner Kunst schloss er dort die Tartaren Gog und Magog ein (und für sie liess Alexander die eben beschriebenen Metallbilder machen.) Ebenso schloss er an diesem Orte auch verschiedene Arten von Menschen ein, die nicht rohes Fleisch essen sollten. Das ist das Menschengeschlecht, mit welchem der Antichrist kommen wird. (Sie werden endlich durch Feuer vernichtet, welches vom Himmel herabkommt, um sie zu vertilgen.)
Hier werden kleine Menschen geboren, welche nur 5 Palmen hoch sind (und obwohl sie klein und unfähig sind, schwere Arbeit zu thun, so sind sie doch im Stande und fähig zu weben und Vieh zu hüten.) Und wisst, dass diese Menschen, wenn sie das 12. Jahr erreicht haben, heirathen und gewöhnlich bis zum 40. Jahr leben.... Und sie vertheidigen sich kräftig gegen die Kraniche und nehmen sie und essen sie. (Hier endigt das Land der Herren von China.)
Hier werden kleine Menschen geboren, welche nur 5 Palmen hoch sind (und obwohl sie klein und unfähig sind, schwere Arbeit zu thun, so sind sie doch im Stande und fähig zu weben und Vieh zu hüten.) Und wisst, dass diese Menschen, wenn sie das 12. Jahr erreicht haben, heirathen und gewöhnlich bis zum 40. Jahr leben.... Und sie vertheidigen sich kräftig gegen die Kraniche und nehmen sie und essen sie. (Hier endigt das Land der Herren von China.)
Die Insel der nackten Menschen, in welcher Männer u. Frauen vorn und hinten ein Blatt tragen.
Die Insel der nackten Menschen, in welcher Männer u. Frauen vorn und hinten ein Blatt tragen.
Der grosse Fürst von Gog oder Magog. Dieser wird zur Zeit des Antichrists mit grossem Volke kommen.
Der grosse Fürst von Gog oder Magog. Dieser wird zur Zeit des Antichrists mit grossem Volke kommen.