Kabarett Nachtlicht — Wien

Der lieben MalerinLene Kainer

DieStraßen enden in Rundungen, tanzumschlingende Arme. Wir wandeln wie in einem endlosen Saal durch Wien. Es ist Nacht — die Mondkrone mit den vielen tausend Sternenkerzen brennt lustig über der Stadt der Walzer. Aber nur wenige Menschen begegnen uns, vom Vergnügen kehren die letzten heim, und ihre Gedanken drehen sich noch mit den blauen Donauklängen leichtfüßig über das spiegelblanke Leben. Aber die Wiener sind höflich gegen ihre Fremdlinge (wir suchen nämlich das Kabarett Nachtlicht), noch im Tanztaumel besinnen sie sich nach dem entferntesten Winkel, begleiten sogar den Suchenden bis an Ort und Stelle. Da steht’s ja: „Kabarett Nachtlicht“ — Erich Mühsam trägt gerade seine „Amanda“ vor. Er sieht noch lebenslässiger aus, wie in Berlin. Zwar sitzt sein Rock heute ohne Tadel, und seine Mähne, löwengelb, ist gepflegter wie an der Spree. Aber er bangt sich nach Ruhe, und auch die Jungfern seiner Verse mit dem nächtlichen unrechtlichen Geschick sind müde, sich hier weiter zu produzieren. „Ein Kunststück, seien Sie mal Schlußnummer — komme erst um 5 Uhr morgens in die Klappe.“ Nichtsdestoweniger will er uns noch ins Kasino begleiten. Dort tanzt eine schwarze Blondine, „Spaniens Madonna“, sagt Peter Altenberg imVorübergehen. Er ist im Begriff, gestützt auf seinen Knüppelstock, das Kabarett zu verlassen — ihm folgt die kleine Künstlergesellschaft.

Am anderen Abend sind wir zeitiger da. Es treten uns einige von den Mitwirkenden entgegen: Jener mit dem Monokle im Auge kommt mir bekannt vor. „Gewiß, Frau Lasker-Schüler, wir haben uns schon oft im Café Kurfürstendamm in Berlin gesehen.“ Er ist Roda Roda, der humoristische Schriftsteller. In eine der kleinen Logen setzen wir uns, seine scharmanten Humoresken zu hören. Das Publikum applaudiert, bevor er beginnt; es weiß, nun gibt’s was zu lachen. Im Kakaduton schäkert er mit ihnen wie mit einer Schar hörlustiger Kinder. Junge und alte Geschäftsleute, kleine Mädchen, Damen der Gesellschaft, Offiziere, selbst die Erzherzöge kommen, das Nachtlicht morgens auszublasen. In einer Rumpelkammer spinnwebgrau sitzen wir, unwillkürlich sucht man nach allerlei altmodischem Gerümpel. Bestaubte Figuren und Porträts, näher betrachtet von neuen Künstlern ausgeführt, hängen an den Wänden, und auf der Konsole über dem blonden Kopf eines Leutnants steht die Statuette von Madame Delvard, der Scharfrichterin. Sie ist die einzige, die den elf Scharfrichtern in München zur Hand ging. „Ich werde extra einige Chansons für Sie singen.“ Sie spricht zu mir — ich liebe ihre graziöse Stimme, dunkler vergrößern sich ihre graublauen Augen zwischen zitternden Lidern. Ihre Nervosität duftet. Sie isteine erwachte Klimtblume aus dem magischen Farbentraum des Meisters. Blasse Lichtchen werfen einen Schleier auf ihre beringten Hände, die schlaff herabhängen an ihrem überschlanken Samtstengelleib, wie weiße tauschimmernde Blätter. Und Wedekinds rotäugige Straßenlieder singt sie mit der Schüchternheit eines Kindes. So leicht kommt sie nicht von der Bühne herunter: ein Lied und immer noch eins — „Der Bauer wollt’ fahren ins Heu!“ Unwiderruflich das letzte — aber sie singt es mit frischer Kraft, sie singt es bedeutend, stößt es von sich, wie aufschießende Saat. Da steht keine ätherische Prinzessin mehr im Lichtschaum; Acker liegt unter ihrer Zunge, Peter Altenberg nickt zustimmend und setzt sich neben mich in die kleine Loge. Monsieur Henry, Madame Delvards Gatte, begleitet ihre Lieder am Klavier, aber auch er ist ein Vortragsmeister. Ich werde nie seine Ballade vom „Heiligen Nicolas“ vergessen, seine rauschige Schwermutsstimme. Monsieur Henry ist der gewandteste unter den blutigen Elfen in München gewesen, und ein Kavalier ersten Ranges. Wir wollen uns wieder vom Zuschauerraum an den Künstlertisch zurückziehen; doch Peter Altenberg hält mich auf meinem Platz zurück. „Das Meißnerfigürchen müssen Sie noch sehen und die drei Handwerksburschen.“ Sie stehen schon auf der Bühne in altfränkischen, goldknöpfigen Röcken, die Mützen geschmückt mit Eichenlaub. Ihr Wanderlied beglückt mich ebenso immer wieder wie meinenNachbar. Er ist nächtlich Gast des Kabaretts; die Umgebung dieser Künstlerkinder tut ihm wohl, der Aufenthalt auf der kleinen Künstlerinsel unter dem guten grünlich flackernden Miniaturstern. Ein kostbares Spitzengewebe ist seine Seele, jedes holprige Wort bleibt in ihren Seidenmassen hängen. Aber wen der gute Blick seines Schelmenauges trifft, der möchte ihn wohl ergreifen können und in ein Enveloppe als Andenken legen. Und sollte er sich nicht ärgern über die Breitheit der Menschen — „nichtsdestoweniger zerstreut es mich, nachmittags am Graben im Café zu sitzen und die bunte Bewegung anzusehen“. Ich möchte manchmal zu ihm sagen, so ganz unmotiviert: „Lieber Peter Altenberg.“ — — — Es ist gleich Morgen — wir wollen alle noch einmal Carmen tanzen sehen — — und dann lebt wohl, ihr lieben Künstler, so ball kemma ma nöt wieda zsamm.

DerKohinoor meines Nachbars tanzt hin und her, macht Sprünge auf seinem Zeichenblock wie die Clowns dort auf dem Rade. Jetzt nascht er von der Chansonette im honiggelben Frack. Einige von den Umrissen leben auf dem weißen Untergrund, neckisch, eckig hingeworfen, namentlich der eine von der Clowniade istvery finegetroffen. Ein Klatschwirbel holtthe english artistauf die Bühne zurück. Was ist mit ihm geschehen! Seine Stirn nach allen Richtungen hin zur Unförmigkeit aufgedunsen. Zweifellos hat er die englische Krankheit mit herüber gebracht. Es gibt keinen Spaß, den der nicht da gedacht hat, und ich muß ehrlich auch in diesem Essay gestehen, es kommt nun noch dazu, daß ich die Brüder aus London besonders mag, „ich hab’ noch nie so gelacht wie heute!“ Der Kohinoor meines Nachbars lauscht zugespitzt; die zwei ehrwürdigen Bordellmatronenwirtinnen vor mir erinnern sich gegenseitig ihres Amtes. Geliebter und Geliebtin blicken sich zu in der Loge wie die schillernden Demi-Monde auf dem Vorhang, der sich weltenseufzend spaltet und das Gemach der Sultana enthüllt. Nackte Frauen steigen (obere, kleine Bühne) aus ihrem Brunnenbade wie im wirklichen Harem eines Sultans. Am Fuß der Treppe, die zum eigentlichen Gemach der Herrin führt, wacht der Wächter armverschränkt. Endlich nahendie erfrischten Schönen, aber ihre Haare duften nicht nach Pharaonenblüten, auch sind ihre Glieder keineswegs ungelöste Geheimnisse. Und statt Sultana betritt Frau Betty das Gemach, die Freundin des amüsanten Frauendoktors, ihres wohlsituierten Mannes treue Tennispartnerin. Sie liest auch Romane — — schwüle mit Betthimmelpointen und Daunenliederbordüren, und ich fürchte, daß die Halbmonde der Dekoration vor Begierde rein zu Glotzmonden werden. Die Freundinnen beginnen endlich, indes Sultana ihren Leib dem Divan und dem Kissen gibt, mit ihren Tauchtänzen (kein Druckfehler), Schleier-Eiertänzen, man vernimmt Arm- und Beingegackel. Der Wächter tritt vor, er ist nicht „Asra“, er schreit nicht ia, furchtbar kracht sein Wort, sein Antlitz bleich, sein Turban — — Blut. Die Tänzerinnen vertanzen in den Keller. Jäh springt Sultana von ihrem Lager auf und stößt auf Jargon von sich: „Was willst du von mir, Hund!“ Der Sultan, dein Gebieter hat es so befohlen. Betty du mußt sterben ... Und deine Tändelei hört auf im Mondscheinvorhang. Leise nähert sich der Wächter ihrem Ohre, aber Sultana wählt lieber den Tod, als daß sie sich, Sultana bleibe stark, dem intriganten Schuften schenken mag. Diese temperamentvolle Charakterfeste, warum gastiert sie nicht bei Gebrüder Herrnfeld? Die zwei greisen Leopardinnen vor mir schnurren, der Kohinoor meines Freundes fällt bleischwer zu Boden. Männer ergreifen auf die Gebärde des Wächters erbarmungslosdie Geprüfte. Arme schicke Betty, tipptopp, peitschensiebenhiebenspaltig! Ob wir paar Geschworene im Zuschauerraum auch von deiner Unschuld überzeugt sind — — es nützt nichts. Markerschütternd verenden deine Hilferufe. Aber in weißen Tennisschuhen und weißem Flanellhemd steht die Taube von Gatte am Fußende des Ruhebetts. Statt der zunehmenden goldenen Viertel- und Halbkugeln — — Tapetengeknospe. Wärter: „Sultana“ ... und wieder ihr Name leise verbettelnd: Ein Tropfen des Turbans klebt auf der aufgeschlagenen Seite des Romans.

Wie eine Erlösung nun das Konzert auf dem Banjo derlovely,sweetMiß, ihr Spiel verbreitet hellen, herben Zauber. Und nach ihr der musikalische Clown mit der Entennase, er verabreicht kurzweg ein Konzert auf den Messingknöpfen eines Schirmständers, ich habe mich in der Zeit verliebt in ihn, — — — mein Herz sprach immer schon für einen August, über den man sich totlacht. Und Euch sparte ich mir bis zuletzt auf, edle, blonde Senora Fornarina, ich möchte Euch etwas besonders Schönes sagen, goldene Traube Spaniens.

Tierfabel

ZirkusBusch ist in seinem Extrazug von Berlin abgereist. Ich bin zu seinem Abschied auf die Bahn gekommen, früh am Morgen; der Komet stand noch über der Sternwarte, aber die Zirkussterne, Schulreiterinnen, Jongleure, Auguste, der Riese mit dem Zwerg, der große Bär, die Elefantin, das Dromedar, der glitzernde Galawagen, alle waren sie im Lauf und bald im vollsten Zuge. Noch lange hörte ich das Brüllen der Tigerinnen, nie haßte ein Mann so wütend das Weib wie der Bändiger dieser gestreiften Katzenleiber. Der Puls des Zirkus blieb stehn, trat der unerschrockene Sultan in das Gittergemach seiner brüllenden Sklavinnen. Er mißbraucht sie nicht zu Kunststücken, läßt er auch die Kunstreiterin seiner Tigerinnen durch einen Papierreifen springen. Wollust bereitet ihm, seine wutschäumenden Tigerweiber mit Stangen und Schüssen bis zur Wutekstase zu reizen und sie zu bezwingen. Schschschschschschsch — sch — die beiden eleganten Brüder Fillies und ihre graziöse Schwester werfen noch einen kurzen Blick auf den Perron, der Clown mit der genialen Ungeschicklichkeit verlangt auf idiotisch vom Zeitungsträger den „Ulk“ — Sch .... Berlin hat sein größtes Kind eine Weile verloren, den Zirkus; wo geht man nun hin, um zuzugucken? Wie ein Mensch soll der Affe sich imWintergarten benehmen. Herr Darwin, der Enkel des großen Zoologen, wird mich ins Varieté begleiten. Es ergreift ihn, so einen gebildeten Vorfahren seiner Baumzeit zu sehen. Ich bin ebenfalls von dem fletschenden Erzurgroßvater entzückt. Ein Gourmet ist der greise Herr, keineswegs lebt er von Luft und Erkenntnis. Der verwandte Künstler da oben verzehrte ein Menu von Dressel und regalierte sich an Heidsieck-Monopol. Mit Verbindlichkeit raucht er die Zigarette, die ihm ein Bewunderer verehrte. „Es ist Zeit“ noch prüft er die Zeiger auf seiner Uhr. — Ich möchte mich auch in ein solches Prachtbett legen — ich bin müde — die Nacht vorher brachte ich, mich verirrend, in der Kolonie Grunewald zu; im Rieselregen auf einer runden Sommerbühne, worauf die Gärtner Kiesel legen. Nasse Nacht, kein Komet mehr. Ich war trostlos. Plötzlich rief der Kuckuck — ich bezog es zuerst persönlich, aber so unhöflich sind nur die Kuckucksuhren. Dieser da zwischen jungem Grün, zwischen April und Mai, ist ein vortragender Künstler, ein wundervoller Komiker. Also gibt es wirklich Kuckucke? Ich dachte immer, es sei eine Fabel.

Meinem lieben blauen ReiterFranz Marcund seiner blauen Reiterin

Diejunge Reitkünstlerin Miß Ella kehrt in die Manege zurück und schlägt die ausgelassensten Purzelbäume. Und dann kommen Paolo, Luigi und Alberto, die drei Gigerl, und treiben aneinander Gymnastik mit der markigen Beweglichkeit großer Leonahrder Hunde. Vier braune, ungarische Pferdeprinzen, deren Haut unter dem Schein der vielen Kristallsterne wie Gold glänzt, tanzen mit wilder Anmut und königlicher Grandezza. „Als ob sie Musik in den schlanken Waden haben!“ sagt mein Begleiter zu mir. Und nun das Intermezzo der beiden Clowns. „Er ist mein Bruder,“ kreischt Aujust, der blöde Aujust, der amüsante Idiot. Wie ein Gänserich watschelt er in seinen sackweiten Hosen quer durch die Manege. Fräulein Marinka, die sanfte, graziöse Erzieherin auf einem ihrer zwei artigen Pferde sitzend — ringelrangelreihe singen die Geigen — und ihre beiden Zöglinge springen vor Vergnügen. Und wieder ertönt die Musik hoch oben vom Zirkus, das sind heiße Carmentöne, walzerartig in rundem Klingen geblasen. „Hier ist die Verunstaltung erträglich,“ sagt mein Begleiter zu mir, „es paßt zum Milieu.“ Und immer bunter werden die Klänge ... in schimmernde, mattfarbene Stoffe gehüllt kommen reizende Spanierinnen geritten und feurige, spanische Kavaliere.Heißer und tollkühner wird der tanzende Ritt; die bacchantischen Donnas sausen, wie Feuerstürme über den Sand, auf dem Rücken ihrer Zauberrosse liegend — indessen die Senores mit liebenswürdiger Höflichkeit aufrecht zu Pferde, dem Winke ihrer Damen harren.

Aujust! Aujust! Wo bist de, Aujust? Da steht er ja, versteckt hinter der niedrigen Brüstung der Manege und heult in Trompetentönen, daß alle Herzen Purzelbäume schlagen und immer höher wächst er, immer höher. „Det hat keenen juten Anbejinn und een langet Uffwehen,“ quitscht Aujusten sein Bruder mit den wulstigen Mehlbacken und der Haardüte auf dem spitzen Kopf, indessen Aujust die Manege in Melancholie, langsam wie ein wandelnder Turm durchschreitet. „Det Luder ist maschuche jeworden, weil der kleine Cohn sinn Vater is!“

Schon harren die drei blonden englischen Reiterinnen in blauer Seide;lovely Girls, drei holde Mädchenenzianen. Hei, wie sie springen, herauf und herunter von dem Rücken ihres wiehernden Vogels. Nun trägt er sie alle drei über den Sand in tausende Märchen, weithin, in blaue Gärten ... Ich entwand meinem Begleiter die weiße Rose, die über seinem Herzen blühte. „Miß here! catch it!“

10 Minuten Pause!

„Wie gefällt es dir!“ „Es ist wie ein blühendes Abenteuer. Es ist, als ob ich brausenden, dunklen Wein trinke, und ich vergesse alles was grau ist undhinkt. Ich sitze in einem bunten, jauchzenden Schoß, und um ihn herum wachsen ragende Gefahren, die aber lustige Kleider tragen.“ Wir gehen durch die weiten Korridorhallen. Galawagen auf Goldrädern, Riesendrachen aus Papiermaché, zusammengeklappte Bretterhäuser, Fässer, allerlei Gerümpel, Kostüme mit Silberfransen, Steinen und Perlen liegen in übermütiger Unordnung zwischen dem Mobiliar. Wir treten in die Ställe ein: da stehen die herrlichen Schimmel mit der silberschimmernden Haut und den Seidenschweifen, wie helle Rosen des Frühfrühlings. Und dort die finsteren Rappen mit den großen Feueraugen. Eine kleine Treppe führt uns abwärts in die Stallungen der Elefanten — diese grauen, schweren Gebäude aus Fleisch und Knochen mit den winzigen Guckaugenfensterchen. Als wir wieder auf unseren Plätzen saßen, war die Manege mit eisernen Gittern umzäunt. Zwei mächtige Löwen schreiten in den Käfig und hinter ihnen die anderen Könige der Kraft. „Nero! Herkules! Agamemnon! Odysseus! Hektor! Kambyses! Hierher! Dorthin! Willst du!Vite, vite! Ah, mon cher.“ — und dann wieder im gebrochenen Deutsch: „Aben Sie die Güte, mein Freund.“ Mademoiselle Claire, du grausamste Braut! Mit erhobenem Arm, mit drohender Liebenswürdigkeit beugt sie den Willen ihrer grimmigen Sklaven. Ihr weißer Hals lockt wie Süßigkeit, ihr blendender Hals, das Ideal ihrer brüllenden Verehrer. „Ah, messieurs!Hektor, Agamemnon, Kambyses,dînez s’il vousplaît.“ Und sie tafelt ihnen blutende Leckerbissen. Das gierige Brüllen und Knurren dröhnt durch die weiten Räume des Zirkus in aufwachsender Wildheit. Hastig eilt der Diener herein und wieder heraus aus dem Käfig, Gerätschaften bringt er, Kugeln, Stangen, Fässer holend, Stühle und Tische — aus Gauklern besteht die gefährliche Truppe. „Genug, Madame Claire!“ Nero muß sich noch auf dem Seil produzieren. Gewandt, wie ein Seiltänzer dreht er sich, in der Mitte des Seiles angelangt, um sich selbst. „Brav gemacht!“ Seine Brüder sind schon alle gefangen in der kleinen Nacht ihrer Wagenherberge, und er allein liegt noch ausgestreckt, wie im Sande der Wüste, und schlummert. „Nero, wache auf! Nero, ich muß bitten“ — aber Nero rührt sich nicht, er öffnet zwar seine gelben Augen — und ihn auf den Schultern nach Hause tragend, wie ein müdes Baby, durchschreitet die furchtbare Heilige, die heilige Kriegerin, eine Siegerin das Eisentor.

Als der Direktor seine zwei Perserhengste vorführte, sah ich zwischen den Tönen der tanzenden Musik noch die grimmige Pranke Agamemnons, die nach seiner Schönen ausholte und das schwärmerische Anschmiegen Neros.

Im Eingang der Manege stehen zwei Riesenelefanten, zwei Schulräte an Ruhe und Würde. Etliche helle und dunkle Pferdchen springen, fleißige Schulbuben hinter einigen größeren Apfelschimmeln, die ernst undgravitätisch in der Mitte des Zirkus haltmachen. Aber in fauler Gemütsruhe spazieren die kleinen Elefanten herbei, und dann ungeduldig die mutwilligen Zebras mit den glänzenden Streifen auf der Haut. Und nun laufen sie allesamt in verschiedenem Tempo, als ob sie kanonartig das Abc singen.

Tatrata tönen die Trompeten und die Hörner, Reiter und Reiterinnen in ziegelroten Tuchanzügen, galoppieren auf ihren schlanken Rennern über Zäune und Hecken, dem Edelwild nach, den Hirschen und leichtfüßigen Gazellen — und da läuft ja auch der Aujust in rasender Angst durch den weiten Manegeraum und hinter ihm ein Wild mit einer vielästigen Geweihkrone. Die Puste jeht Aujusten aus. Er stöhnt, er schreit und gestikuliert mit allen Vieren. „Herr Stallmeister, retten Sie mir!!!“ Und zum Schluß: Mr. Bob,the little gentleman, mit seiner kleinen sechsjährigen Dame auf dem Pferde ...

Noch in Hut und Mantel stehen die Zuschauer vor ihren Plätzen. — Es kann doch eigentlich noch gar nicht aus sein — tuuht, tuuht! Über die Manege des Zirkus senkt sich schwer von der Decke des Zirkus eine Riesenfeuerglocke. Aujust ist durchgebrannt!! Rotumhüllte Clowns, wie in Glut gebadet, wandeln knurrend über den Sand, immer auf und ab; die Anführer tragen Aujustens Herz aus kariertem Zucker auf einem roten Kattunkissen. Aber da steht er ja oben auf dem Olymp: „Aujust, sollst mal runter kommen!“ schallen tausend Stimmen durcheinander— aber Aujust steht drohend aufgerichtet, seine Nase ist weiß und spitz wie eine Nadel, seine Augen sind wutrot aus den Höhlen getreten. Düstere Zettel fliegen auf das Publikum. Er streikt, er beansprucht im Namen der Clowngesellschaft mit beschränkter Haft erhöhten Lohn — er droht mit juten Witzen. Und mit einem langen Purzelbaum setzt er über unzählige Köpfe lachender Hörer hinweg durch eine der Ausgangstüren. — Die vielen Lichter werden trübe, wie müde Augen — ich und mein Begleiter sind die letzten der Aufbrechenden — der große Zirkus ist ganz allein.

Der lieblichen FürstinHelle von Sontzo

DerTempel der Pferde ist der Zirkus, ich meine, jedes Pferd will spielen, und das heißt auf die Sprache des Wieherns, beten; alle Tiere wollen spielen, aber welche Tieraugen brennen vor Begeisterung so tief wie die des Rappen; die Schimmel sind fromme Pilger oder Heilige. Päpstinnen, wie Santa Anna, Leo ritt auf ihren unbefleckten, weißen Rücken zwischen frommen Hecken seiner päpstlichen Gärten. Ich gehe jeden Monat in den großen Zirkustempel Busch, zu jedem Feiertag der Pferde, zu ihrem Galadienst. Am liebsten sind mir ihreFeiern ohne vielerlei Äußerlichkeiten, wenn sie ungesattelt ohne Reiter oder Reiterinnen sich tanzend im Kreise bewegen, ihr eigenes Blut feiern nach Herzenslust. Gefallen lasse ich mir die drei Geschwister Fillis im Zirkus Busch, des berühmten, französischen Reiters Reitlinge. Die stören den Rhythmus des Pferdespiels nicht; ihre Gestalten sind selbst schlankgeweiht dem Ritt. Mademoiselle Fillis, die Schwester der beiden jungen Chevaliers ist verwachsen, wie ihre Brüder, mit dem Rücken ihres wiehernden Priesters. — Mein Vater und meine Mutter ritten durch die Akazienchausseen meiner Heimat; meiner Mutter Edelstute wallfahrtet oft durch meine Erinnerung und trägt mir dichterische Gedanken zu, und meines Vaters Hengst setzt über mein Blutund läßt es aufschäumen. Ich liebe euch, ihr Pferde mit den langen Seidenschweifen, Atlas ist eure Haut und feuerfarbener Samt eure Augen. Solche Schönheit ist die Frömmigkeit der Pferde, gezüchtet, spielfähig und buntgebenedeit. Ich wüßte keine andere Stätte, die den Namen Tempel der Pferde verdiente, wie den Zirkus. Etwa der Rennstall? Prostituiertes Pferdepriestertum. „Beten“ heißt „Spielen“ der Pferde und gibt es einen lustigeren, weihevolleren Sandtempel, als den Zirkus. — Hochmütig ihrer Zucht bewußt, schütteln die Herrenpferde ihre Mähnen, kehren verächtlich dem Liebesäugeln einer dreisten Lastpferdin oder einer brünstigen Dickschenkelin ihres Pferdevolkes den Rücken. Sie gehen keine Mesalliance ein. Glücklich macht mich der Anblick eines Reiters, paßt er sich dem Denken seines Trägers an. Wie denkt sein Pferd, sein wohlgepflegtes Pferd? Trabweise, sprungweise, gallopierend, immer in Gedanken, treu seiner Bewegung. Und das überträgt sich dem Kavalier und seiner Dame, Halbpriester der da oben, Halbpriesterin, die auf des Pferdes Rücken. Voll Spiellust sind die Füllen; jeden Morgen wartete ungeduldig so ein Nimmermüdes auf mich und meine Schulkameradin. Über den Zaun auf seine Wiese sprangen wir schulvergessend — wer von uns drei wohl am liebsten Zeck spielte! Darum empfinde ich schmerzlich jede Mißhandlung der Karrenpferde. Bang wie Regen fließen die dunklen Lider über ihre trüben Augen. Wie denkt so ein Pferd? Kummerbedrückt sein Herz und beugt seinen verhärmten Kopf. Manchmal tröstet der Braune den Schwarzen oder der Apfelschimmel die müde Apfelschimmelin. — Wie futterfreudig hingegen an ihren fetten Trog denken die markigen Erntepferde; an den Seiten des Kopfes tragen sie den blanken Messingschmuck. Zwei, vier Kinderhände, vom reichen Schulzen die Buben, halten sich an den Strähnen der Mähne des schnaubenden vierbeinigen Bauern fest, und einige Plumssäcke liegen auf dem Hinterviertel seines stampfenden, drallen Pferdeweibs. Ich liebe euch alle, ihr Pferde, auch die Zwergpferdchen aus Gullivers Zwerglande im Zirkus Busch.

„Wannfängt es an?“ Daß wir nur ganz pünktlich dort sind! Ich will lieber den ersten Aufzug einer Theaterpremiere versäumen als die Reiterin im Quastensattel. Es hieße eine Erinnerung schießen lassen. Erstaunte, großaufgetane Augen bekommt man im Zirkus, und die Lippen werden rot und runden sich. Und alle Menschen, die zugucken, sind Kinder. Das ist es: Zugucken soll man.

Nach dem Steppenritt — die liebenswürdige Schulreiterin im blauen Tuchkleid; ihr folgen weißbegossene Pudel, zwei Clowns. Beim Müller waren sie und wollen nun zum Bäcker in den Ofen. Hinter ihnen hilflos der wirkliche August in spitzen, amerikanischen Lackschuhen, gentlemanlike gekleidet. Auf einmal öffnet sich der Vorhang der oberen kleinen Bühne. An stählernen Recken strecken sich schmiegsame Menschenleiber, wie Katzen hin und her auf Samthänden und leisen Füßen. Aber unten in der Manege stampfen schon die schwarzen Zigeunerpferde. Ich liebe die Pferde. Es sind gestaltgewordene Sagen, Legenden, Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Wann setzen die wiehernden Paschas über den Bankzaun, im Kreis den Sand aufwirbelnd zur Wolke! Ihre Nacken schmückt der Halbmond mit dem Stern. Oben vom Gipfel des Zirkus braust ein Marsch. Ich hörte ihn schon am Bosporus; Abdul Hamids Sohn hat ihn vertont. — — —

Die Kristallkronen senken sich majestätisch, der bunte Riesenraum wird zu einem Krönungssaal. Die Ringer warten schon vor der Halle. Schlanke Königssöhne aus dem Norden, ihre Schultern sind dunkelvergoldet von der Mitternachtssonne. Dichtungen werden Wahrheiten. Johannes Josefsson, ein isländischer Achill, er führt den Heroentanz der Kraft auf. Ich muß an den schönen Halbgott denken, noch zwischen den Indianern, Farmern und Cowboys. Eine interessante Häuptlingspantomime. Man bekommt Lust, mitzupantomimen. Ich halte die übliche verzuckerte Nußstange noch unberührt in der Hand. — —

Morgen Mittwoch acht Uhr, große Galavorstellung.

Kurt Wolff Verlag, Leipzig (früher Ernst Rowohlt Verlag)Max BrodDie Höhe des GefühlsSzenen, Verse, Tröstungen25 Exemplare auf Bütten, vom Autor signiert in Ganzleder gebunden je Mark 15.—Geheftet Mark 3.—Gebunden Mark 4.50Berliner Tageblatt: Der Titel „Die Höhe des Gefühls“ bezeichnet einen Zustand außerordentlicher seelischer Steigerung, der ein Hinausgehen über die sonstigen Grenzen der lyrischen Form zum szenischen Bilde notwendig macht, indem der Träger des Gefühls sich selbst in den leidenschaftlichen Beziehungen zur Umwelt darstellen muß. Durch eine ins Großartige aufstrebende biblische Düsterkeit und Erlebniskraft erhebt sich das Schlußstück „Die Arche Noah“ zu einer Musik des Wortes und Sinnes, die man als ein poetisches Oratorium ansprechen möchte.Neue Freie Presse, Wien: Es dünkt mich das innigste, echteste und zugleich kühnste, selbstbewußteste der Brodschen Bücher. Hier gab der Dichter vielleicht sein Tiefstes: ein Paradigma der Menschheit, ihrer Irrungen und Versuchungen, ihrer Verstrickungen und Erlösungen in Form einer kurzen und gedrängten, phantasievoll vergegenwärtigten Szene. Irgendein Unsagbares schwingt hierbei noch mit, das ich nur durch das Wort „Musik“ anzudeuten vermag.Die Zeit, Wien: Etwas Weltabgewandtes, Abseitiges, nach innen Gekehrtes, das mit unserem Gefühls- und Gedankenleben mehr zu tun hat, als Krieg und Börse, zieht uns mit seltsamer Gewalt zu diesen Blättern und dennoch spürt man verhalten den heißen Atem unserer Zeit darin. Über die neue Gabe des jungen Prager Dichters wird man sich freuen: sie gehört zu den in unserer Zeit so seltenen reifen und harmonischen Büchern, die gleichweit von erdfernem Optimismus und kokett-ironischer Weltschmerzlichkeit entfernt sind.Prager Tageblatt: Brods Kunst erscheint hier wunderbar gesteigert, losgelöst vom stofflichen Zwang, wie auf Flügeln die Welt durchmessend. Der Verlag hat dem Werk übrigens ein ganz erlesenes Kleid gegeben.

Kurt Wolff Verlag, Leipzig (früher Ernst Rowohlt Verlag)

Max Brod

Die Höhe des Gefühls

Szenen, Verse, Tröstungen

25 Exemplare auf Bütten, vom Autor signiert in Ganzleder gebunden je Mark 15.—

Geheftet Mark 3.—Gebunden Mark 4.50

Berliner Tageblatt: Der Titel „Die Höhe des Gefühls“ bezeichnet einen Zustand außerordentlicher seelischer Steigerung, der ein Hinausgehen über die sonstigen Grenzen der lyrischen Form zum szenischen Bilde notwendig macht, indem der Träger des Gefühls sich selbst in den leidenschaftlichen Beziehungen zur Umwelt darstellen muß. Durch eine ins Großartige aufstrebende biblische Düsterkeit und Erlebniskraft erhebt sich das Schlußstück „Die Arche Noah“ zu einer Musik des Wortes und Sinnes, die man als ein poetisches Oratorium ansprechen möchte.

Neue Freie Presse, Wien: Es dünkt mich das innigste, echteste und zugleich kühnste, selbstbewußteste der Brodschen Bücher. Hier gab der Dichter vielleicht sein Tiefstes: ein Paradigma der Menschheit, ihrer Irrungen und Versuchungen, ihrer Verstrickungen und Erlösungen in Form einer kurzen und gedrängten, phantasievoll vergegenwärtigten Szene. Irgendein Unsagbares schwingt hierbei noch mit, das ich nur durch das Wort „Musik“ anzudeuten vermag.

Die Zeit, Wien: Etwas Weltabgewandtes, Abseitiges, nach innen Gekehrtes, das mit unserem Gefühls- und Gedankenleben mehr zu tun hat, als Krieg und Börse, zieht uns mit seltsamer Gewalt zu diesen Blättern und dennoch spürt man verhalten den heißen Atem unserer Zeit darin. Über die neue Gabe des jungen Prager Dichters wird man sich freuen: sie gehört zu den in unserer Zeit so seltenen reifen und harmonischen Büchern, die gleichweit von erdfernem Optimismus und kokett-ironischer Weltschmerzlichkeit entfernt sind.

Prager Tageblatt: Brods Kunst erscheint hier wunderbar gesteigert, losgelöst vom stofflichen Zwang, wie auf Flügeln die Welt durchmessend. Der Verlag hat dem Werk übrigens ein ganz erlesenes Kleid gegeben.

Kurt Wolff Verlag, Leipzig (früher Ernst Rowohlt Verlag)Max BrodÜber die Schönheit häßlicher BilderEin Vademecum für Romantiker unserer TageGeheftet Mark 3.50Gebunden Mark 4.50Ein ernstes und dabei bizarres Bekenntnisbuch Max Brods, das eigensinnige, höchst individuelle Credo dieses Dichters. Man kann sagen, daß sein Schaffen durch das vorliegende Buch, in dem der Dichter fast ausschließlich von sich selbst und seinen äußersten Gedankenverfaserungen spricht, in ganz neuem Lichte erscheint. Das Buch ist zum tieferen Verständnis der vorhergehenden Werke Brods unerläßlich. Wir sehn hier ein heftiges Temperament und seine Opposition gegen unser mechanisiertes, amerikanisiertes, philiströs-kaufmännisches Zeitalter äußern. Aber diese Opposition ist alles andere als griesgrämig. Sie versteckt sich oft sogar hinter einem lustigen Lob des Verabscheuten, ja sie baut eine ganze phantastische Theorie der „Schönheit des Geschmacklosen“ aus. Die Greuel kitschiger Bilder, Kino und Panorama, Chansonetten und Ausstattungsstücke, häßliche Möbel und konventionelle Schauspielkunst werden in unterhaltendster Paradoxie in den Himmel erhoben. Hinter dem komplizierten Gewebe von Spott und ironischer Verliebtheit schlägt aber immer wieder die Liebe zum Begeisternden, zu den Sternen, zu Smetana und Berlioz, zum Meister Flaubert und zu dem nach Ansicht des Dichters bedeutendsten Zeitgenossen Robert Walser durch. So ist dieses Buch eigentlich nur ein eigenwilliger, aber doch ein Weg zum Ideal und zur Befreiung des Menschen im Absoluten, im Reiche des Erhabenen und Schönen. Unbeirrbar steht hinter jedem der unberechenbaren Seitensprünge und humoristischen Exkursionen der große Ernst dieses Dichters. Max Brod hat in seinem gleichzeitig erschienenen (mit Dr. Felix Weltsch gemeinsam verfaßten) philosophischen Buch „Anschauung und Begriff“ die exakte Basis gegeben, auf der er sich so kühne Scherze erlauben darf, die in anderem Zusammenhange vielleicht frivol klängen, während sie hier nur von der unbefangenen, nietzschehaft heiteren Luft um diesen sicheren Tänzer Kunde geben.

Kurt Wolff Verlag, Leipzig (früher Ernst Rowohlt Verlag)

Max Brod

Über die Schönheit häßlicher Bilder

Ein Vademecum für Romantiker unserer Tage

Geheftet Mark 3.50Gebunden Mark 4.50

Ein ernstes und dabei bizarres Bekenntnisbuch Max Brods, das eigensinnige, höchst individuelle Credo dieses Dichters. Man kann sagen, daß sein Schaffen durch das vorliegende Buch, in dem der Dichter fast ausschließlich von sich selbst und seinen äußersten Gedankenverfaserungen spricht, in ganz neuem Lichte erscheint. Das Buch ist zum tieferen Verständnis der vorhergehenden Werke Brods unerläßlich. Wir sehn hier ein heftiges Temperament und seine Opposition gegen unser mechanisiertes, amerikanisiertes, philiströs-kaufmännisches Zeitalter äußern. Aber diese Opposition ist alles andere als griesgrämig. Sie versteckt sich oft sogar hinter einem lustigen Lob des Verabscheuten, ja sie baut eine ganze phantastische Theorie der „Schönheit des Geschmacklosen“ aus. Die Greuel kitschiger Bilder, Kino und Panorama, Chansonetten und Ausstattungsstücke, häßliche Möbel und konventionelle Schauspielkunst werden in unterhaltendster Paradoxie in den Himmel erhoben. Hinter dem komplizierten Gewebe von Spott und ironischer Verliebtheit schlägt aber immer wieder die Liebe zum Begeisternden, zu den Sternen, zu Smetana und Berlioz, zum Meister Flaubert und zu dem nach Ansicht des Dichters bedeutendsten Zeitgenossen Robert Walser durch. So ist dieses Buch eigentlich nur ein eigenwilliger, aber doch ein Weg zum Ideal und zur Befreiung des Menschen im Absoluten, im Reiche des Erhabenen und Schönen. Unbeirrbar steht hinter jedem der unberechenbaren Seitensprünge und humoristischen Exkursionen der große Ernst dieses Dichters. Max Brod hat in seinem gleichzeitig erschienenen (mit Dr. Felix Weltsch gemeinsam verfaßten) philosophischen Buch „Anschauung und Begriff“ die exakte Basis gegeben, auf der er sich so kühne Scherze erlauben darf, die in anderem Zusammenhange vielleicht frivol klängen, während sie hier nur von der unbefangenen, nietzschehaft heiteren Luft um diesen sicheren Tänzer Kunde geben.

Kurt Wolff Verlag, Leipzig (früher Ernst Rowohlt Verlag)Franz WerfelWir sindNeue GedichteIn vorzüglicher Ausstattung / Druck der Offizin W. DrugulinVorzugsausgabe: 15 numerierte vom Autor signierte Expl. auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M. 35.—Geheftet Mark 3.—Gebunden Mark 4.50Ein neues Buch von Franz Werfel, dem jungen, rasch berühmt gewordenen Lyriker. Was in Werfels ersten Versen bereits gestaltet war: die Fülle der Erscheinungen im Geiste des zeitgenössischen Poeten, wird hier gesteigert zu ungeheuerster Weltbeseelung. Aber nicht mehr im Irdischen will seine Dichtung beharren, sie versucht dem Göttlichen im Gefühl aller Menschheit näher zu kommen. So wird sein Singen prophetisch wie die Psalmen des Alten Testaments; sein Werk hat die Stärke und Verkündigung eines neuen Ethos.Urteile über Franz Werfel:Wilhelm Herzog: „... ein ganz junger, ganz großer Dichter. Wenn irgendwo, so ist hier die neue Kunst.“Frankfurter Zeitung: „... ein ganz großer Dichter, mit allem Ernste sei das gesagt.“Neue Rundschau: „... Withmans kosmische Liebe und Goethes unersättliche Lust zu fühlen, hat sich Werfel durch das Recht der Wiedergeburt zu eigen gemacht.“B. Viertel im „Strom“: „Diesem jungen Dichter fügt sich das Leben, indem es ihn entzückt, in leichte, zarte, schwebende Formen. Alles ist neu, alles ist noch Ereignis, ist Ekstase.“

Kurt Wolff Verlag, Leipzig (früher Ernst Rowohlt Verlag)

Franz Werfel

Wir sind

Neue Gedichte

In vorzüglicher Ausstattung / Druck der Offizin W. Drugulin

Vorzugsausgabe: 15 numerierte vom Autor signierte Expl. auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M. 35.—

Geheftet Mark 3.—Gebunden Mark 4.50

Ein neues Buch von Franz Werfel, dem jungen, rasch berühmt gewordenen Lyriker. Was in Werfels ersten Versen bereits gestaltet war: die Fülle der Erscheinungen im Geiste des zeitgenössischen Poeten, wird hier gesteigert zu ungeheuerster Weltbeseelung. Aber nicht mehr im Irdischen will seine Dichtung beharren, sie versucht dem Göttlichen im Gefühl aller Menschheit näher zu kommen. So wird sein Singen prophetisch wie die Psalmen des Alten Testaments; sein Werk hat die Stärke und Verkündigung eines neuen Ethos.

Urteile über Franz Werfel:

Wilhelm Herzog: „... ein ganz junger, ganz großer Dichter. Wenn irgendwo, so ist hier die neue Kunst.“

Frankfurter Zeitung: „... ein ganz großer Dichter, mit allem Ernste sei das gesagt.“

Neue Rundschau: „... Withmans kosmische Liebe und Goethes unersättliche Lust zu fühlen, hat sich Werfel durch das Recht der Wiedergeburt zu eigen gemacht.“

B. Viertel im „Strom“: „Diesem jungen Dichter fügt sich das Leben, indem es ihn entzückt, in leichte, zarte, schwebende Formen. Alles ist neu, alles ist noch Ereignis, ist Ekstase.“

Anmerkungen zur TranskriptionDie Schreibweise und Zeichensetzung des Originales wurden weitgehend beibehalten. Nur offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):... nehmensieals ein Luxusgeschenk hin, denn ich bin ...... nehmenSieals ein Luxusgeschenk hin, denn ich bin ...... blumenverziert. Dort ist ein Zeitwort aufdemKopf ...... blumenverziert. Dort ist ein Zeitwort aufdenKopf ...... sich an ihrer Schrift, unddenInhalt, den ...... sich an ihrer Schrift, undderInhalt, den ...... aber deren Inhalt voll Lebensprudeln; Handschriftkünstler, ...... aber deren Inhalt voll Lebensprudelt; Handschriftkünstler, ...... wie das Wasser aufspritzt. „Dasnur nicht die neuen ...... wie das Wasser aufspritzt. „Daßnur nicht die neuen ...... Besitzer dieser Fuhrunternehmentreffen. Vorwurfsvoll ...... Besitzer dieser Fuhrunternehmentrifft. Vorwurfsvoll ...... Kampfstimmung, er hattagüberAufsätze schreiben ...... Kampfstimmung, er hattagsüberAufsätze schreiben ...... Sitte.) „ReisenSie mich nicht immer aus meinen ...... Sitte.) „ReißenSie mich nicht immer aus meinen ...... teilte ihr meinen Entschluß, daß, falls sie mir das ...... teilte ihr meinen Entschlußmit, daß, falls sie mir das ...... am Nacken sei. Prangende Schlichtheit,geschmeidige...... am Nacken sei. Prangende Schlichtheit,geschmeidiger...... vordiesenpflanzt sich wild ein Herr auf mit einem ...... vordieserpflanzt sich wild ein Herr auf mit einem ...... dînez s’il vousplaït.“ Und sie tafelt ihnen ...... dînez s’il vousplaît.“ Und sie tafelt ihnen ...... liebsten sind mir ihreFeierohne vielerlei Äußerlichkeiten, ...... liebsten sind mir ihreFeiernohne vielerlei Äußerlichkeiten, ...

Anmerkungen zur Transkription

Die Schreibweise und Zeichensetzung des Originales wurden weitgehend beibehalten. Nur offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):


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