Erster Abschnitt.Die Landschaft des Obererzgebirges.

Erster Abschnitt.Die Landschaft des Obererzgebirges.

Wenn anr ins Gebörg rauf kimmtDort aus n Niedrland,Do möcht r alles ah su sah,Wie sinst in Bichrn stahnd.Do sölln da altn HammerschmiedIn gedn Nast rim stihUn Klipplmad mit KlipplsöckNär eitl hutzn gih.A Wammes un da PudelmitzUn ah da Ladrhus,Dos sölln da ganzn Leit noch trong,Geleich, öb kla, öb gruß.Do söll, wenn ah schuh Summer is,Dr Schnee zemstrim noch lieng,Da Kuhlnbrenner patznweisIn dickn Wald rim krieng.Na, na, ihr Leit, su is fei net,Es is viel anrsch wurn,Es wärd in darer itzing ZeitKa setts als Zeig geburn.Gebliem sei när da altn Barg,Es Wassr un dr Wind,Da Menschn sei was Anrsch wurn,Dos waß gedwedig Kind.Gebliem is ah da alta SprochNoch bun a feins paar Leit,Sa schnadln odr egal draIn darer itzing Zeit.Gebliem is ah dr viela RehngUn is halt egal reg,Is gu wos lus in Annebarg,Do hot's ah Niederschlög.Gebliem is odr ah noch wosIn unrn wing Geblit,Un söll ah bleim wie unra Barg:A orndlich guts Gemit!

Wenn anr ins Gebörg rauf kimmtDort aus n Niedrland,Do möcht r alles ah su sah,Wie sinst in Bichrn stahnd.

Do sölln da altn HammerschmiedIn gedn Nast rim stihUn Klipplmad mit KlipplsöckNär eitl hutzn gih.

A Wammes un da PudelmitzUn ah da Ladrhus,Dos sölln da ganzn Leit noch trong,Geleich, öb kla, öb gruß.

Do söll, wenn ah schuh Summer is,Dr Schnee zemstrim noch lieng,Da Kuhlnbrenner patznweisIn dickn Wald rim krieng.

Na, na, ihr Leit, su is fei net,Es is viel anrsch wurn,Es wärd in darer itzing ZeitKa setts als Zeig geburn.

Gebliem sei när da altn Barg,Es Wassr un dr Wind,Da Menschn sei was Anrsch wurn,Dos waß gedwedig Kind.

Gebliem is ah da alta SprochNoch bun a feins paar Leit,Sa schnadln odr egal draIn darer itzing Zeit.

Gebliem is ah dr viela RehngUn is halt egal reg,Is gu wos lus in Annebarg,Do hot's ah Niederschlög.

Gebliem is odr ah noch wosIn unrn wing Geblit,Un söll ah bleim wie unra Barg:A orndlich guts Gemit!

Röder-Johanngeorgenstadt.

Weise: Gott sei mit dir, mein Sachsenland.

Macht uns die Sorge still und mattAuf harter Lebensbahn,Sind wir des Kohlendunstes satt,Dann zieh'n wir flugs bergan:Hinauf, wo reine Lüfte weh'n,Im blauen Duft die fernen Gipfel steh'n,Hinauf, hinauf ins Bergrevier!O Greifenstein, o Morgenleit',Ihr locket mit Gewalt!O Auersberg im grünen Kleid,Du hoher Spiegelwald,Des Sonnenwirbels mächt'ger Thron:Ihr gebt dem Steiger schönsten Lohn;Seid uns gegrüßt vieltausendmal!Aus dunklen Forsten, treu gepflegt,Rinnt froh der reine Quell,Der Kuckuck ruft, der Finke schlägt,Die Amsel jubelt hell.Wie beut dem Aug' ein lieblich BildAm steilen Hang das edle Wild.Wie schön bist du, o Erzgebirg'!Mit Felsenboden mutig ringt,Nicht achtend Sturm und Eis,Bis er zur kargen Frucht ihn zwingt,Des Erzgebirgers Fleiß.Dein zahlreich Volk auf magerm Land,Wie rührt es froh und flink die Hand:Glückauf, Glückauf, du wackerer Stamm!Orangen wachsen dir nicht wild,Auch Myrte schwer gedeiht,Dafür belebet dein GefildLust und Zufriedenheit.Und wird auch rar dein glänzend Erz:Du machst gesund ein jeglich Herz:Behüt dich Gott, du fröhlich Land!

Macht uns die Sorge still und mattAuf harter Lebensbahn,Sind wir des Kohlendunstes satt,Dann zieh'n wir flugs bergan:Hinauf, wo reine Lüfte weh'n,Im blauen Duft die fernen Gipfel steh'n,Hinauf, hinauf ins Bergrevier!

O Greifenstein, o Morgenleit',Ihr locket mit Gewalt!O Auersberg im grünen Kleid,Du hoher Spiegelwald,Des Sonnenwirbels mächt'ger Thron:Ihr gebt dem Steiger schönsten Lohn;Seid uns gegrüßt vieltausendmal!

Aus dunklen Forsten, treu gepflegt,Rinnt froh der reine Quell,Der Kuckuck ruft, der Finke schlägt,Die Amsel jubelt hell.Wie beut dem Aug' ein lieblich BildAm steilen Hang das edle Wild.Wie schön bist du, o Erzgebirg'!

Mit Felsenboden mutig ringt,Nicht achtend Sturm und Eis,Bis er zur kargen Frucht ihn zwingt,Des Erzgebirgers Fleiß.Dein zahlreich Volk auf magerm Land,Wie rührt es froh und flink die Hand:Glückauf, Glückauf, du wackerer Stamm!

Orangen wachsen dir nicht wild,Auch Myrte schwer gedeiht,Dafür belebet dein GefildLust und Zufriedenheit.Und wird auch rar dein glänzend Erz:Du machst gesund ein jeglich Herz:Behüt dich Gott, du fröhlich Land!

T. S.

Das Erzgebirge ist seinem Hauptteile nach ein Kammgebirge. Untergegangen sind die Erinnerungen an die Wenden, bis auf einige Ortsnamen in ihrer Sprache. Auch sind im Aberglauben noch schwache Spuren des kleinen, schwarzhaarigen, fremdsprechenden Volkes, das im verschwiegenen Waldthale dem wenig freigebigen Boden mühsam Nahrung abrang, sich in selbstgewebte grobe Leinen kleidete und vielleicht mit dem behaarten Fell des bekämpften und erlegten Waldtieres gegen das rauhfeuchte Klima des Miriquidiwaldes schützte.

Germanen bewohnten das Gebirge erst vom 14. Jahrhundert an. Im 15. Jahrhundert werden Neustädtel, Schlema, Grünhain außer wendisch benannten Orten schon erwähnt. Da nur wenige zum Kamme vordrangen, blieb das wilde Waldgebirge eine Scheidewand zwischen den Wohnplätzen der Slaven in Böhmen und derer in Sachsen. Die Scheidewand erleichterte die Erhaltung und Einführung des Deutschtums und damit einer höheren Entwicklungsstufe.

Diese schützende Rolle spielte das Gebirge auch im Hussitenkriege. Die Gebirgsmauer hinderte die Unternehmungen der Hussiten sehr, indem sie von einem eigentlichen Besitzergreifen des Landes abgehalten wurden.

Als im 30jährigen Kriege Sachsen Kriegsschauplatz wurde, da hinderte das Gebirge den österreichischen Kaiser, das für ihn als Wiege der Reformation wichtige Land zu behaupten und unmittelbar Einfluß zu gewinnen.

Wie in geschichtlicher, so ist auch in natürlicher Beziehung das Gebirge wichtig für Sachsen. Noch heute finden wir stattliche Wälder. Der Wald aber ist der Vermittler zwischen Luft und Erde. Den rasenden Lauf der Stürme weiß der Wald zu besänftigen, die gefahrdrohende Gewitterelektrizität leitet er ab, das Wasser lenkt er in die Tiefe, aus der es in dem Seitenthale als Quelle hervorbricht, die Fluren des Landmanns tränkt er, dem Müller treibt er die Mühle und günstige Gelegenheit zur Ansiedlung bietet er allen denen, die der Wasserkraft bedürfen. Solche Ansiedlungen bergen die Thäler der Mulde, der Zschopau, der Sehma, der Chemnitz. Im Sommer dient das Gebirge als die Sparbüchse, die bei Wassermangel noch die Not lindern kann. Außer dem Wasser spendet das Gebirge auch dem Lande Holz, das als Brenn- und Bauholz verwertet wird. Zu erwähnen sind besonders die auf den Holzreichtum sich stützenden bodenständigen Gewerbe, so früher die Glasfabrikation, jetzt die Holzschleiferei und Spielwarenfabrikation. Auch die Eisenindustrie, die früher im Gebirge blühte, war auf den Holzreichtum zurückzuführen. Das Erlöschen derselben folgte auf die Verteuerung des Holzes. Wichtig sind auch die Torflager.

Aber auch im Innern birgt das Erzgebirge Schätze fürs Land. Im steinernen Gebirgskörper schlummerten Silberadern. Die Reichtümer verhalfen den Landesfürsten zur Hebung der Macht und des Einflusses unseres Landes. Es entstanden neue Bergorte, die vielfach für die Entwicklung des Landes auch in geistiger Beziehung wichtig geworden sind: wie Freiberg, Annaberg und andere Städte.

Mit dem Erzbergbau in Verbindung stehen die Blaufarbenwerke, die von bedeutendem Einfluß auf Handelsbeziehungen zum Auslande wurden. Ihren eigentlichen Ursprung haben die großartigen chemischen Fabriken in den Glashütten gehabt, die der Holzreichtum des Gebirges in Begleitung der Bergwerke entstehen ließ. 1822 erfand in SchneebergDr.Geitnerdie Bereitung des wichtigen Argentans oder Neusilbers. Eine Grube beiAuelieferteBöttcherden Stoff zu seinen Versuchen, deren Ergebnis die Porzellanerzeugung in Sachsen wurde.

Da die Bergleute Freunde des Bergmannssohnes Luther waren, so steht auch mit dem Bergbau in Verbindung die Einwanderung Vertriebener aus katholischen Ländern. Die Einwanderer brachten Gewerbefleiß und neue Beschäftigungsarten ins Gebirge. Selbst nach dem Erliegen des Bergbaues finden wir noch die Bodenbeschaffenheit wesentlich. Die dichte Bevölkerungszahl im Bergbaugebiete erleichterte das Entstehen der Hausindustrie, wie der Spitzenklöppelei und der Posamentenfabrikation.

Erst in neuerer Zeit sind die Kohlen, die am Fuße des Erzgebirges reichlich vorhanden sind, von so weittragender Bedeutung geworden. Im Zeitalter der Dampfkraft sind Kohle und Eisen Träger und Stützen der Industrie.

Aus alledem geht hervor, daß unser heimisches Gebirge bedeutenden Einfluß auf die Entwicklung unseres gesamten Vaterlandes geübt hat.

NachDr.Jacobi.

Das Erzgebirge zerfällt in das westliche, mittlere und östliche Erzgebirge. Das mittlere liegt zwischen Schwarzwasser und Freiberger Mulde. Elster und Gottleuba begrenzen das ganze Gebirge im Westen und Osten.

In der Richtung von Süd nach Nord unterscheidet man dasObereund dasNiedere Erzgebirge; jenes reicht von dem zusammenhängenden Kamme, der eine durchschnittliche Höhe von 800 m hat, etwa bis Falkenstein, Schneeberg, Thum, Wolkenstein, Frauenstein und Schmiedeberg; dieses von den genannten Orten bis in die Gegend von Zwickau, Lichtenstein, Chemnitz, Frankenberg, Hainichen, Nossen, Tharandt. Im mittleren Teile des Erzgebirges kommt der jähe Absturz nach Süden und die sanfte Abdachung nach Norden am meisten zur Geltung.

Das Gebirge besteht aus Urgebirgsarten: Thon- und Glimmerschiefer, Gneis und Granit. Gneis herrscht im Osten vor und reicht bis weit ins mittlere Erzgebirge nach Schlettau, Wolkenstein, Schellenberg. Der Gneis ist die wahre Erzmutter. Um Eibenstock herrscht der Granit. Besonders bemerkenswert sind die Basaltberge des Obererzgebirges: Pöhlberg, Bärenstein, Scheibenberg.

Aus Urgebirge bestehen: Keilberg (1238 m), Fichtelberg (1213 m), der Spitzberg bei Gottesgab (1107 m), der Auersberg bei Wildenthal (1021 m), der Kupferhügel bei Kupferberg (906 m), der Schneckenstein bei Gottesgab (874 m), die Morgenleite bei Schwarzenberg (808 m), der Greifenstein bei Geyer (731 m).

Die Basaltberge sind: der Haßberg bei Preßnitz (991 m), der Bärenstein bei Weipert (898 m), der Pöhlberg bei Annaberg (832 m), der Scheibenberg bei gleichnamiger Stadt (805 m), letztere drei in Grabhügelform.

Bei Eibenstock, Schwarzenberg und Crottendorf befinden sich große Staatsforsten. Fichtenwald herrscht vor, doch finden sich bei Marienberg und Steinbach auch zusammenhängende Buchenbestände.

Die wichtigsten Flußthäler des Obererzgebirges sind: das Schwarzwasserthal, das Zschopauthal, das Flöhathal, das Sehmathal. Das wildeste ist das der schwarzen Pockau.

Im Obererzgebirge sind folgende meteorologische Stationen zu merken: Annaberg, Oberwiesenthal, Reitzenhain. Dem Obererzgebirge ist bisher die Cholera fern geblieben. Bei Gottesgab und Oberwiesenthal erntet man nur Hafer und Kartoffeln.

Bei der Urbarmachung des Gebirges verfuhr man nach dem Grundsatze: »Wo der Pflug kann gehn, soll der Wald nicht stehn.« Am Kamme des Gebirges beträgt die Bevölkerungsdichtigkeit 90–95 auf den Quadratkilometer, am Abhange 145–155.

Wie anderwärts, so hat sich auch im Obererzgebirge jede Industrie in bestimmten Bezirken festgesetzt, demgemäß giebt es bestimmte Industriebezirke. Holzschleifereien, Sägemühlen, Baumwoll-, Woll- und Flachsspinnereien, also alles Fabriken, welche Wasserkraft brauchen, finden sich in den Thälern der Sehma, der Pöhla, der Preßnitz, der Zschopau, der Flöha.

Bei Eibenstock und Schwarzenberg finden sichHohöfenmit Gießereien, Hammer- und Walzwerken verbunden. Zinnhütten bestehen im Marienberger Gebiete, Blaufarbenwerke zu Oberschlema, Niederpfannenstiel und Zschorlau.

DerPosamentierbezirkumfaßt die Ortschaften Annaberg, Buchholz, Schlettau, Scheibenberg, Geyer, Ehrenfriedersdorf, Wolkenstein.

Der Spitzenklöppelbezirk erstreckt sich von Marienberg über Drehbach und Zwönitz bis Schneeberg und Eibenstock, und von da über Johanngeorgenstadt, Wiesenthal und Kupferberg bis Reitzenhain und Pobershau.

Eibenstock ist obererzgebirgischer Mittelpunkt des Näh- und Stickereibezirkes.

Noch sind einzelne Orte mit besonderen Erzeugnissen zu erwähnen: Annaberg, Buchholz, Scheibenberg fertigen Schnürleiber; Annaberg und Buchholz Sargverzierungen; Buchholz besondere Kartonagen; Johanngeorgenstadt Handschuhe; Karlsfeld Schwarzwälder Uhren. Annaberg liefert auch Leonische Waren, das sind unechte Gold- und Silbertressen. Wiesenthal fertigt Stecknadeln; Schönheide allerlei Bürsten, Pinsel und Kardätschen; Lauter, Beierfeld, Bernsbach, Grünhain stellen Blechwaren, besonders Blechlöffel, her; Zöblitz hat seine Serpentindrechselei; Bernsbach seine Feuerschwamm- und Bockau seine Medizinbereitung.

DasObererzgebirgewar nachLehmannehedem allenthalben mit dicken Wäldern bedeckt, mit Felsen und Bergen angefüllt, nach denen ihre Namen haben: Rauen-, Harten-, Wolken-, Lauter-, Bären-, Katzen-, Frauen-, Greifenstein, Pöhl-, Schwarzen-, Scheiben-, Keil-, Schotten-, Zechenberg u. s. w. Ferner waren unzählige Moräste, Sümpfe, Moosräume, Bruchwerke und Weiher in Räumen und Wäldern um und unter Platten, Gottesgab, Johanngeorgenstadt, um Scheibenberg, Grünhain, Elterlein, Schlettau, Geyer, Buchholz, Zöblitz, Lengefeld, Kühnhaide, bis die Wälder abgetrieben, die Waldpässe gebrückt, die Wildberge nach ihren Flügeln und Rundungen abgezogen, Floß- und andere Teiche angelegt und durch Röschen und Stolln die Wasser abgezapft wurden. An diese Beschaffenheit erinnern die Namen Moosraum, Rote Pfütze, Sauschwemme, Thörichter See, Filzsumpf.

Wilde Katzen, Marder, Wiesel, Fischottern, Iltisse, Bären, Hirsche, Wölfe, Wildschweine und Raubvögel bevölkerten die Gegend. Daher kommen vor im Crottendorfer Revier die Namen: Vogelleite, Hirsch- und Auerhahnpfalz, Sau- und Bärenfang, Lachsbach, Tier- und Saugarten; im Grünhainer aber: Bärenacker, Fuchs- und Wolfstein; im Lauterschen: Wolfslager, Dachslöcher, Hirschstein, Habichtsbüchel, Bärenstallung, Wolfsgarten, Rabenberg.

Nach den schauerlichen Wäldern und Gründen sind benannt: Teufelsgrund, Drachenleite, Teufelsstein u. a.

Nach feindlichen Einfällen und Kämpfen sind genannt: Streitknochen, Kriegwald, Hundsmarder, Haderwinkel.

Lehmannberichtet von den erzgebirgischen Wäldern: »Da hörte man nichts als der Raben Rappen, der Bären Brummen, der Wölfe Heulen, der Hirsche Börlen, der Füchse Bellen, der Auerhähne Pfalzen, der Ottern Zischen, der Frösche Quaken und Racken; das machte einen Reisenden so lustig, als hätte er Fliegenschwämme und Krähen gefressen. Das waren damals die Lauten, Zithern, Violen, Posaunen, Trompeten, Zinken, Flöten, Schalmeien, Schuarien, Baßgeigen, Clavicimbeln, Trommeln, Heerpauken, Sackpfeifen, Orgeln, Glocken und musikalische Waldinstrumente, welche unter dem Sausen der Winde, Grollen der Donner, Gebrülle der Bestien, Geschnatter der Enten, Geächze der Hohlkrähe, Uhuhen der Eulen, Schnarren der Schnarrer, Geschrei und Geschwirre der Buchfinken, der Quäker, der Zippen, der Schneppen und anderen Gevögels eine gräßliche Harmonie gegeben.«

JohannSalianusverwundert sich in einem dem Rate 1507 gewidmeten Gedichte, daß die Stadt Annaberg innerhalb 10 Jahren in dieser Wildnis mit Mauern, Wällen und Gräben, mit herrlichen Häusern, mit verständigen Ratsverwandten und bürgerlichen Rechten versehen und von einer so volkreichen Gemeinde bewohnt werde. Diese Stadt sei auf einem wilden, unfruchtbaren Boden, in Bergen und unter rauhem Himmel angelegt, da vormals Herzog Georg unter lauter rohem Wald viel hundert Stück Bären, Hirsche, Wölfe und andere wilde Tiere gejagt und niemand vermeint, daß daselbst eine Stadt sollte angelegt werden.

Unsere Berge sind nach Lehmanns Benennung Warten, Wetterpropheten, Zufluchtsorte, Jagdhausstellen, Grenzscheiden, Bollwerke, Wasserständer, Futterkästen, Schatzkästen, Lustplätze, Denkpfeiler Gottes!

Über dieUrzeitunseres Gebirges mag uns folgendesMärcheneines Naturforschers ein Bild entrollen. Das heutige Erzgebirge, etwa in der Gegend von Olbernhau, bildete ehemals einen großen Sumpf und See, in welchem die Bewohner auf Pfählen ihre Wohnungen errichtet hatten. In ihren Pfahlbauten übten die Männer das Töpfergewerbe aus, die Frauen fertigten Webstoffe an. Tauschhandel trieb man mit wandernden Phöniziern, die von dem Erzgebirge Zinn holten, dagegen Bernstein und Feuerstein aus dem Norden, sowie aus Griechenland Bronze, gefertigt aus Zinn und dem von Cypern kommenden Kupfer, brachten. Die Kleidung der Urbewohner war sonderbar genug; so bestanden die Beinlinge oder Hosen aus Birkenrinde. Wichtig waren die Waffen; sie bestanden aus Bogen von Taxus oder Eibenbaumholz und aus Pfeilen mit Spitzen von Knochen, Feuerstein, Bronze oder Eisen. Gewaltige Wurfspieße bildeten im Vereine mit diesen Waffen die Ausrüstung zur Jagd, bei welcher große Brakenhunde die Begleiter waren, während kläffende Nachkommen der Schakale zu Hause Wache hielten. Die Jagdbeute bestand in gewaltigen Tieren des Waldes: Elentieren oder Elch, Urochsen oder Wiesen- und Auerochsen; auch der grimme Schalch oder Riesenhirsch fand sich neben Bären und Wölfen in den ausgedehnten Waldungen vor. Hatte der Ansiedler Beute gemacht, so grub er die Rune, die er selbst auf seinem Körper hatte, in das erlegte Stück Wild und kennzeichnete es als sein Eigentum; dann nahm der kühne Jäger Leberund Herz, sowie den Herzknochen, welcher sich zwischen den Herzkammern befindet, mit nach Hause, wo er von seinen Angehörigen festlich empfangen wurde. Auch die Nachbarn fanden sich ein und es entwickelte sich das Gelage nach der Jagd, bei welchem mächtige Braten und eine Unmenge von Bier, Met oder Birkenschnaps vertilgt und dem alten Laster der Germanen, dem Würfelspiele, gefrönt wurde. Bei dieser Gelegenheit verspielte man oft Haus und Hof, Weib und Kind, sowie die Tiere und andere Habseligkeiten. Aber nicht zu ernst war der Verlust zu nehmen; denn am andern Morgen war alles wieder vergessen.

Nach Prof.Dr.Marshall.

Unseroberes Erzgebirgehat von jeher alsergiebiges Jagdgebietgegolten. Freilich ist es seit den Jahren 1831 und namentlich seit 1849 anders geworden, denn auch bei uns gehört es nun zu den Seltenheiten, einen Hirsch im Freien beobachten zu können, dieses stattliche Tier, den Stolz der Wälder und die Krone der Jagd. Die Kurfürsten von Sachsen waren seit den Tagen des landwirtlichen August Freunde der Jagd. Namentlich war Kurfürst Johann Georg I., welcher von 1611–1656 regierte, einer der gewaltigsten Jäger seiner Zeit. In der Königlichen öffentlichen Bibliothek zu Dresden befindet sich ein Verzeichnis in altsächsischer, schöner Schriftart, als ein stattlicher Band in grünem Samt gebunden mit prächtig gravierten goldenen Beschlägen, Ecken und Schließen versehen, es ist dies das Jagdbuch des Kurfürsten Johann Georg I. Nach demselben hat der Kurfürst in der Zeit von 1611–1653 u. a. 15 228 Hirsche, 29 196 Eber, 203 Bären, 1543 Wölfe, 200 Luchse, 11 811 Hasen und 18 957 Füchse erlegt. Der Kurfürst hatte sich in einem der Giebel des Residenzschlosses zu Dresden ein besonderes Zimmer eingerichtet, welches das Paradies genannt wurde. Die Wände waren mit Waldgegenden bemalt, dabei die Felsen der Bastei, auf denen Gemsen zu sehen waren. In der Mitte waren zwei die Decke stützende Säulen als Bäume mit ledernen Blättern geschmückt. Hier trieb der Kurfürst anatomische Studien an dem erlegten Wild. Schon die Vorgänger von Johann Georg hielten sich wegen der Jagd in unserem Gebirge auf, getreulich hat es Christian Lehmann in seinem Historischen Schauplatz berichtet. Herzog Heinrich fing in einer Stallung, also in einem umfriedigten Raum, inWolkensteinam 14. September 1516 nicht weniger als 43 Stück Wild, was zu jener Zeit als ein wahres Wunder angestaunt wurde. Das Wild kam zum Kindtaufsschmaus, den der glückliche Waidmann seinem Töchterlein, der Prinzessin Sibylle, in Freiberg ausrichtete. 1542 jagte Herzog Moritz im Gebirge und fing inGrumbachdrei »schreckliche« Bären. Wegen der Nutzbarkeit an Fleisch, Fett und Haut und wegen der mit seiner Erlegung verbundenen Gefahr gehörte die Bärenjagd zur wichtigsten Jagdart. Übrigens berichtet ein Augenzeuge weiter, daß Herzog Moritz außer den Bären in einer Stunde 7 Hirsche geschossen habe, er sei grün gekleidet gewesen, habe einen englischen Hund bei sich gehabt und seine Gemahlin habe mit 14 Frauenspersonen neben ihm gestanden. Nach der Bärenhetze ließ er den Bauern ein Faß Bier und den Bergleuten zwei Faß geben, weil sie das Beste gethan hatten. Die Lust an der Jagd führte auch den Kurfürsten Vater August in unser Gebirge, er scheint sich hauptsächlich inCrottendorfaufgehalten zu haben, da der Chronist sagt: »Anno1567 kam er (Kurfürst August) zu Crottendorf an, lag daselbst in Hackebeils Mühle, bejagte die Wälder, schoß auch eine Stallung ab zu Crottendorf auf David Georgens Feld, ließ das Wild da auswirken.« Als FriedrichWilhelm, Fürst zu Weimar, zehn Jahre lang Administrator in Kursachsen war, ließ er alles Wild im Gebirge, jung und alt, wegschießen, sodaß viele Jahre hindurch die Landleute zum Schutz ihrer Felder keiner Wildzäune mehr bedurften. Das sah der alte Jägermeister von Rabenstein nicht gern, denn er rief seinen Jägern zu: »Treibt fort, wenn gleich etliche Stücke auf die Seite springen, denn die jungen Herren müssen auch etwas behalten.« Herzog Johann Georg jagte im Jahre 1609 im Gebirge und hielt sich auf dem Fichtelberg auf, da kam ein grausam Wetter, daß auch der Donner in eine Tanne schlug, da zog der Herzog den Hut ab und sagte: »Gott ist ein Herr!« Den Tag hernach gastierte ihn Junker Rüdiger auf Sachsenfeld, und da ihn Nikol Klinger, Rüdigers Schwähervater, fußfällig empfing, sagte er mit Darreichung der Hand: »Alter, stehet auf!« Im Jahre 1609 im August lag dieser Herzog nieder auf dem Hirschpfalz in der Hauerwiesen hinter dem Fichtelberg, da mußte der Pfarrer ausWiesenthalam 19. August eine Wald- und Jagdpredigt thun.Anno1613 lag der Kurfürst Johann Georg acht Tage lang inCrottendorf, fischte und jagte nur in den Vorbüschen und schoß bei der Richterin Bretmühle ab, obgleich die Pest im Dorfe grassierte. Im Jahre 1625 kam der Kurfürst Johann Georg mit seiner Gemahlin, den jungen Prinzen und Fräulein am 11. Mai inAnnabergan und schoß den 7. Juni den Vogel ab. Der jungen Herrschaft wurde auch eine Vogelstange zur Lust in Wiesenbad aufgerichtet, woselbst sie den Vogel den 12. Juni abschossen. Der Kurfürst hielt auch ein Abschießen beiAnnabergim Hüttengrunde zwischen der Stadt und Frohnau, darunter war ein so großer und starker Hirsch, daß er unter 2300 Tieren, die in unterschiedlichen Stallungen auf dem Gebirge waren abgeschossen worden, das allerschwerste gewesen ist.

Im August desselben Jahres und, wie es scheint, noch auf derselben Jagdreise begriffen, wurde dem Kurfürsten und seiner Gemahlin angesagt, daß der Hammerherr Heinrich von Elterlein auf dem Löwenthal so schöne Fische in seinem Teiche und sonderlich große Forellen hätte, die er lange gemästet habe. Da ließ der Kurfürst mit seiner Familie sich anmelden, daß er dem Fischzug beiwohnen und denselben sehen wolle. Um 10 Uhr früh kam der Kurfürst selbst mit seinem Jägermeister und anderen Hofoffizieren und bestellte die Mahlzeit, mittlerweile wurde der Teich gefischt; von dem Fischzug bekam der Kurfürst 3 Mandel der schönsten Forellen, darunter war eine, die 8 Pfund wog. Es wurden die Fische in Gegenwart des Fürsten von Darmstadt, der um ein Fräulein aus dem kurfürstlichen Hause freite, gesotten und zuCrottendorfauf die Tafel getragen, darüber sich alle verwundert haben. In des Hammerherren Stube wurde auf zwei Tafeln gespeist unter grünen Birken, doch war der Fehler begangen worden, ehe sie sich zu Tische setzten, hatte man zwar Kannen und Gießbecken aufgesetzt, aber kein Wasser drein gethan. Da nun der Jägermeister dem Kurfürsten Wasser aufgießen wollte, war keins drinnen, da gab es ein gutes Gelächter. Der Kurfürst zeigte sich fröhlich, ritt spät von dannen, dankte mit der Hand, auch der Wirtin, die in der Küche geschäftig war. »Ei,« sagte er, »habt Ihr nicht eine räucherige Küche, doch die Küchen sind nicht anders. Gute Nacht!« Den 23. August hielt der Kurfürst ein Abschießen beiNeudorf, und es war kurzweilig dabei, denn dieCrottendorferhatten einen Bauern auf die Wache gestellt, damit er aufmerke, wenn der Kurfürst aufsäße und wieder nach Crottendorf wolle. Der Kurfürst allein und zu Fuß traf den Bauern auf einem Hügel sitzend an; letzterer aß ein Stück Brot und der Kurfürst setzte sich zu ihm. »Hast Du den Kurfürsten schon gesehen?«fragte er ihn. »Nein, ich soll aufsehen, wenn er wird auf sein.« »Wer, denkst denn Du, wer ich bin?« Der Bauer sieht ihn an, ohne den Hut zu ziehen und ohne eine Reverenz zu machen und spricht endlich: »Ich sehe wohl, daß Ihr ein Herr seid, Ihr habt doch Stiefel an.« Während des weiteren Gespräches kommen die Jäger hinzu und verwundern sich. Der Kurfürst aber lacht und spricht: »Einen solchen tölpischen Fichtelberger habe ich im Gebirge noch nicht gesehen«, und läßt ihm venedische Seife geben, d. i. ergänzt der Chronist, die Haare ein wenig zausen. Von Crottendorf schickte der Kurfürst zwei Waldhüter mit drei Wildtauben nachAnnabergund verehrte dem Superintendenten, dem Kapellenprediger und dem Hospitalpfarrer jedem eine. Als er inSteinbach300 Stück Wild abgeschossen und auch ein Abschießen inMauersberggehalten hatte, kam er von Crottendorf nachSchlettauund fischte daselbst zwei Teiche. Hier ereignete sich's, daß der Bäcker Auersbach auf dem Teichdamm einen Fußfall vor dem Kurfürsten that und um Verzeihung seinen Herrn anflehete. Er hatte nämlich an seinem Krautzaun ein Stück Wild am Fuß in einer Schlinge gefangen. Kurfürst: Was wolltest Du damit machen? Bäcker: Ach, gnädigster Kurfürst und Herr, ich wollte dem Stück Wild nichts am Leben thun, sondern nur ein paar Schläge geben, weil es mir das Kraut abgefressen hatte. Kurfürst: Ja, Dir sollte man Schläge geben. Wenn ich Deines grauen Kopfes nicht scheute, wollte ich Dir weisen, wie Du mein Vieh hegen solltest, laß ich doch Dein Vieh auf meinem Grund und Boden gehen und zürne nicht darum, gehe und hüte Dich.

Am 9. August 1628 hielt der Kurfürst ein Abschießen zwischenSteinbachundGrumbach, er erlegte dabei 570 Stück Wild. Er ließ auch den Herrn Peter Versmann, Pfarrer zu Arnsfeld, vor sich predigen, und da ihm seine Gaben wohl gefielen, versorgte er nicht allein sein Haus mit Wildbret, sondern er befahl auch seinen Leibärzten, sie sollten den armen Mann, weil er wassersüchtig war, doch heilen. Die Ärzte versuchten ihr Heil, trieben zwar das Wasser heraus, aber der Pfarrer fiel in die Schwindsucht, woran er starb. »Gesegne euch Gott, ihr Hölzer, ich sehe euch nicht wieder,« waren die Abschiedsworte des Kurfürsten an sein erzgebirgisches Jagdgebiet.

Die Fanfaren der kurfürstlichen Jäger sind in unserem Erzgebirge schon seit langer Zeit verstummt, der Reichtum an Wild ist verschwunden, dennoch ist die Poesie in unseren Wäldern nicht ganz dahin, denn noch hört man, wenn auch vereinzelt, in unseren Staatsforsten auf dem Kamme des Gebirges den Schrei des Hirsches und noch lacht in hoher Krone der Auerhahn!

Nach Lungwitz.

Eine große Last waren die Jagddienste, welche die Unterthanen zu leisten hatten. Im AmteCrottendorfhatten von 302 Mann die eine Hälfte die Seile in die Wildhecken einzubinden, wieder aufzuheben und vor den Seilen aufs Wild zu warten; die andere Hälfte hatte die Netze, Tücher und Seile aufzuhängen und zu trocknen, sowie das Jagdzeug auf die Wolfsjagd zu fahren. Zu den Netzfuhren mußten auch die Hammermeister Vorspann leisten und erhielten dann von den dienstpflichtigen Dorfschaften für 4 Pferde 16 Groschen, für 2 Pferde 8 Groschen. Außerdem hatten die Dorfschaften noch die Wildbretfuhren, die Abfuhr des erlegten Wildes, zu leisten, die Hammermeister, zwei Jäger mit Jägerburschen, Hundebuben und Hunden, nach Gelegenheit der angestellten Jagden mit Herberge und Mahl zu versorgen. Zu einer im Jahre 1564 beabsichtigten kurfürstlichen Jagd im Erzgebirge wurden erfordert: imAmteLauenstein6 Wagen und 268 Mann, im AmteAltenberg36 Wagen und 352 Mann, im AmteDippoldiswalde17 Geschirre ohne Lohn, 13 für 12 Groschen täglich und 64 Mann, im AmteStollberg77 Geschirre und 293 Mann, im ganzen also 155 Geschirre und 1277 Mann zu Fuß. Im AmteLautersteinwaren 700 Mann zu Jagddiensten verpflichtet. Von den Dorfschaften des AmtesAugustusburgmußten im Jahre 1585 Dorfschellenberg, Grünberg und Marbach zu den Netz- und Zeugfuhren jede zwei Wagen stellen. Genügte das nicht, so mußten die 482 Anspanner der anderen Amts-Dorfschaften helfen und erhielten dann für jeden Wagen täglich 1 Gulden. Die Gemeinden zu Krummhennersdorf, Dorfschellenberg, Euba, welche die Wolfsnetze und das im Amte gepirschte Wildbret auf die Augustusburg oder nach Zschopau fuhren, erhielten für jeden Schlitten 5 Groschen, eine Kanne Bier und ein Hofbrot. Die Richter zu Flöha, Gornau, Metzdorf mußten jeder einen Wagen stellen, die Anspanner von Hennersdorf im Winter für das Wild Heu in die Mörbitz und hinter das Schloß fahren und jährlich zweimal hinter dem Schlosse die Hirschlecken schlagen und erneuern, den Lehm dazu schlagen und erneuern. Sie erhielten täglich ein Hofbrot. Alle Einwohner des Amtes mußten zur Wolfsjagd als Läufer dienen, bei jeder dritten Reihe die Häusler, doch waren 100 Mann aus verschiedenen Dorfschaften ganz befreit.

Zur Erleichterung dieser Beschwerden, zur Verschonung der armen Unterthanen und Ersparung großer Kosten errichtete der Kurfürst 1560 in allen Kreisen Jagdzeughäuser, in welchen das für den betreffenden Kreis notwendige Jagdzeug verwahrt und wodurch die Nachführung desselben auf zu große Entfernungen vermieden wurde. Andere Erleichterungen suchten sich manche Gemeinden selbst zu verschaffen. So erboten sich die Untertanen des AmtesGrünhain, wenn ihnen die Fronen bei der Wolfsjagd erlassen würden, 100 Mann jährlich 5 Wochen lang zur Räumung der Wege im AmteSchwarzenbergauf eigene Kosten zu stellen und zu unterhalten. Auch die Erhaltung der Jagdhunde führte Belästigungen mit sich. Während der Zeit, in welcher die Hunde zur Jagd nicht gebraucht wurden, ließ derKurfürst Augustsie in die Ämter zur unentgeltlichen Verpflegung verteilen.

Nach Schlegel.

Im Jahre 1662 hieltChristian Ernst, Markgraf zu Brandenburg, mitErdmute Sophia, Kurfürstl. Prinzessin zu Sachsen, inDresdenHochzeit, bei welcher der damalige KurprinzJohann GeorgIII. und nachmalige Kurfürst einen Jägeraufzug ausführte.

Vor dem Oberhofjägermeister schritten drei Waidmänner mit Leithunden. Nachher kamen dreißig, je drei und drei, Oberförster, Forstburschen, Wildmeister, Hof- und Landjäger. Zwei Riesen traten in Gestalt wilder Männer auf. Ihnen zunächst folgten auf einem Festwagen, der einen künstlichen Berg darstellte, gleich einem Walde mit Tieren und Vögeln geziert, vier Personen mit Schalmeien. Seine prinzliche Durchlaucht ritt in Dianengestalt auf einem weißen Hirsche. Nymphen schritten an Lakeien statt vorauf, nebenher und hintennach. Dreißig nun folgende Jäger trugen Schweineisen und Birschbüchsen. Drei Personen waren als Löwenwärter in grüner Tracht und zwei Pfeifer wie Wilde gekleidet. Auf ihrem Wagen befanden sich fünf junge Bären. Es folgte ein Kasten mit zwei Tigertieren, je ein Käfig mit einem Löwen, einer Löwin, einem weißen Bären. Jägerburschen führten englische Hunde. Vier Oberförster begleitetenden größten, den brandenburgischen versinnbildlichenden Bären. Hernach führte manHerzog MoritzensBären. Auch die wilden Schweine fehlten nicht. Luchse, Wölfe und Füchse, Hasen, wilde Kaninchen und Eichhörnchen, Fischottern, Wildkatzen, Marder und Hamster zogen alle an den Augen der Schaulustigen vorüber. Auf Birschwagen waren Hirsche geladen, der Wendewagen mit Hasen und Füchsen behangen. Im ganzen Zuge befanden sich 265 Personen und 139 Pferde.

Nach Chr. Lehmann.

DieWildschützenhaben nach Lehmann »auf dem Gebirge«, besonders auf den hohen Wäldern um und hinter dem Fichtelberge großen Schaden verübt. Sie haben das Wild haufenweise weggeschossen, die Häute in Böhmen verkauft und sind so sicher gewesen, daß sie des Nachts bei den Köhlern im Kohlkram gelegen, gesotten und gebraten, ihnen ihr Brot mit Gewalt genommen haben und ihnen mit dem Tode drohten, wenn sie Verrat üben würden.

Die Strafen waren hart. Zur Zeit des Herzogs Moritz band man einen Wilderer auf einen lebendigen Hirsch und jagte das Tier in die Wildnis, sodaß er jämmerlich ausstehen mußte. Das geschah, weil vorherige Strafdrohungen nichts genützt hatten.

Als 1559 die Wälder mit der Herrschaft Crottendorf an Kursachsen kamen, wurde Wolf Windreuter zum Oberförster nach Crottendorf gesetzt, der 1566 einen Wildzaun um die Grenzen bauen ließ, worüber man ein Jahr brauchte und außer der Fron 1000 Thaler aufwendete. 1570 bis 1578 mußten kurfürstliche Trabanten die Wäldner bei ihren Umgängen um den Grenzzaun begleiten, um den Wildschützen gewachsen zu sein. Für jeden erschossenen Wilddieb erhielten sie 30, 40 bis 80 Thaler. Erschossene hing man an den ersten besten Baum auf und nagelte über das Haupt ein Hirschgeweih.

Als Eishöhlen im Erzgebirge sind bekannt: der Garische Stollen, die Ritterhöhle und die Stülpnerhöhle bei Ehrenfriedersdorf, die Binge bei Geyer und die »Alte Thiele« bei Buchholz im sächsischen, die Schneebinge bei Platten im böhmischen Erzgebirge. Diese Eishöhlen sind natürliche oder künstliche Hohlräume im Felsgestein, welche das ganze Jahr hindurch oder wenigstens während eines größeren Teiles desselben Eis enthalten, das sich in ihnen selbst gebildet hat. Die Stülpnerhöhle und die Ritterhöhle sind statische oder eigentliche Eishöhlen, auch Sackhöhlen genannt, indem sie, nach hinten zu sich senkend, am unteren Ende abgeschlossen sind, so daß die von außen eindringende kalte Luft nach der Tiefe sinkt und dort die Eisbildung bewirkt; beim Eintritt der wärmeren Jahreszeit aber hält sich durch das Schmelzen des Eises die Temperatur lange Zeit in der Nähe des Nullpunktes, der Eisvorrat geht daher nur ganz langsam seinem Ende entgegen. Der Garische Stollen gehört zu den dynamischen Eishöhlen oder den Windröhren, bei denen ein Spaltensystem, das vom Hintergrunde aus den Berg durchzieht, eine unterirdische Verbindung mit höher gelegenen Stollen ermöglicht, was zur Folge hat, daß sofort eine Luftströmung entsteht, wenn die Temperatur innerhalb und außerhalb der Höhle verschieden ist, und dadurch das Innere im Winter abgekühlt, im Sommer nur allmählich erwärmt wird, das Eis also lange erhalten bleibt. In den Windröhren herrscht meist ein starker Luftzug, während es in den Sackhöhlen im Sommer vollkommen windstill ist. Die »Alte Thiele« stellt sich als Übergang von denSackhöhlen zu den Windröhren dar, indem sie nach ihrer ganzen Anlage zu den ersteren gerechnet werden muß, aber durch ihre hintere Kammer, welche die Verbindung mit anderen Gängen herstellt, sich dem Charakter der letzteren nähert. Alle die genannten Eishöhlen des Erzgebirges verdanken ihren Ursprung dem Bergbau; denn sie befinden sich in Einsenkungen, welche durch den Zusammenbruch vom Bergbau geschaffener unterirdischer Hohlräume entstanden sind. Bis in den Mai und Juni hinein findet sich in ihnen Eis vor, in der Schneebinge bei Platten, der eisreichsten dieser Höhlen, noch länger. Dort wurde am 21. Juli 1894 die Tiefe des den Boden bedeckenden Firns auf 1,5 bis 3,00 Meter bestimmt. Schon lange ist die Schneebinge wegen ihres Eisreichtums im Sommer bekannt. In eisarmen Zeiten wird von ihr Eis nach Karlsbad geführt; im Jahre 1863 soll sogar nach Leipzig zum Turnfest Eis aus der Binge versendet worden sein. Gegenwärtig ist sie an eine Bierbrauerei in Platten verpachtet.

Nach Fitzner.

Im Zusammenhange mit den reichen Erzgängen des Obererzgebirges, welche Quarz, Hornstein, Jaspis, Chalcedon, Amethyst, Eisen- und Manganerze enthalten, stehen eine Anzahl von Mineralquellen. Solche Gänge, die als Quellengänge bezeichnet werden, sind die Wege, auf denen die verschiedenen mineralischen Wässer unserer Gegend aus der Tiefe hervorquellen.

Im freundlichen Zschopauthale bricht in einer Meereshöhe von 434 Meter aus dem Gneisgebiete auf dem Ausstriche eines fast eine Meile verfolgbaren Quarz- und Hornsteinganges, der häufig Amethyst führt, eine Mineralquelle hervor, die zur Gründung des gutbesuchten OrtesWiesenbadbei Annaberg führte. Das Wasser befindet sich in einem großen, einige Meter tiefen, überbauten Behälter und zeichnet sich durch außerordentliche Klarheit aus. Die fast fortwährend aufsteigenden Kohlensäureblasen vermögen beinahe den Eindruck hervorzurufen, als ob das Wasser siede. Es ist vollständig geruchlos. Die Quelle gehört zu den warmen alkalischerdigen Säuerlingen und hat eine Wärme von 21,75° C. Sie hat einen angenehmen, frischen Geschmack. In ihrer Wirkung entspricht die Quelle dem Warmbade bei Wolkenstein und Warmbrunnen in Schlesien. Überraschend sind die Wirkungen dieses Wassers bei skrophulösen Krankheiten, besonders wenn mit dem Baden eine Milchkur verbunden wird. Die Quelle wird besonders gegen Nervenschwäche, Gicht, Rheumatismus, Lähmungen und Hautkrankheiten empfohlen. Der alte berühmte Scheibenberger Geschichtsschreiber Christian Lehmann erzählt in seinem 1699 erschienenen »Schauplatz des Obererzgebirges« 70 Krankheiten auf, gegen die das Wasser helfen sollte. Die Entdeckung des Heilbrunnens soll sich von einem armen Manne herschreiben, der seine ungesunden Schenkel in dem Wasser in der sogenannten Rosenaue gewaschen hat und dann heil geworden ist.

HansFriedrich, ein reicher Fundgrübner und Bergherr aus Geyer, der das Dorf Wiesa besaß, faßte 1501 das Wasser in einem Kasten, ließ ein Badehaus erbauen und dasselbe durch ein Röhrwerk mit dem Quell verbinden. Er soll auch neben dem Bade ein Kirchlein zu Ehren des heiligen Jobs oder Hiobs, des Helfers der Kranken und Schwachen, errichtet haben, das vom Meißner Bischofe 1505 geweiht und vom Fürsten Georg reich begabt wurde.Ein Meßpriester mußte den Badegästen, ehe sie ins Bad gingen, eine Messe lesen. Im Jahre 1602 ließ sich die KurfürstinSophieein eignes Haus bauen, wahrscheinlich an Stelle der Kapelle, und man nannte darauf das Bad Sophienbad. Im Jahre 1699 aber finden wir auch die Bezeichnung Wiesenbad oder St. Jobsbad.

In einem Nebenthale des Zschopauthales, eine halbe Stunde von der Stadt Wolkenstein entfernt, 458 Meter über dem Meeresspiegel liegt ebenfalls in den Gneisformationen sehr geschütztWarmbad Wolkenstein. Die Quelle ist die wärmste Sachsens mit einer Wärme von 31 °C. Man nimmt an, daß sie auf dem im zweiglimmerigen Gneise aufsetzenden Eisensteingange »Neugeboren Kindlein« ihren Ursprung habe und bei dessen Abbau zufällig entdeckt worden sei. Sie bricht aus Drusen eines Erzganges hervor. Nach einer älteren Zeichnung soll sich daselbst ein Silbergang mit zwei Eisensteingängen kreuzen. Die ziemlich tief liegende Quelle ist in neuerer Zeit frisch gefaßt und dadurch gegen Zufluß von »wilden Wässern« geschützt worden. Mittels eines Hebewerkes wird das Wasser nach dem Badehause geleitet, von wo es nach weiterer Erwärmung in die einzelnen Zellen abfließt. Die Quelle spendet in jeder Minute 150 Liter warmen Wassers. Das Wasser ist ebenfalls den Säuerlingen zuzuzählen und hat große Ähnlichkeit mit dem Wiesenbader, wie mit den berühmten Warmquellen von Wildbad in Württemberg, Gastein und Pfeffers. Seine Wirkungen entsprechen dem Wiesenbader. Die Quelle war schon im 14. Jahrhundert als heilkräftig bekannt. Es fanden starke Wallfahrten nach dem Bade statt.

Das BadOttensteinbei Schwarzenberg liegt in einer Meereshöhe von 424 Meter im Glimmerschieferthale des Schwarzwassers. Die Anstalt ist nach Nordosten und Nordwesten durch hohe Felsmassen gegen kalte Winde geschützt. Die Quelle ist ein kaltes, an Kohlensäure nicht sehr reiches Eisenwasser mit mittlerem Eisengehalte, das in Form von Trink- und Badekuren Anwendung findet. Erfolgreich wurde das Bad bei Blutarmut, Reißen, Nervenkrankheiten, Lähmungen, Magen- und Lungenkrankheiten gebraucht.

Außer diesen genannten Bädern gedenken wir noch derjenigen Mineralquellen unserer Gegend, die ehemals zu Bädern benutzt wurden. Manche erfreute sich sogar eines gewissen Rufes.

InNiederzwönitzentspringen 580 Meter über dem Meere auf einer von Fichten- und Kiefernwald umschlossenen Wiese nebeneinander 3 Quellen, denen der Volksmund die Namen der »Gute Brunnen«, der »Krätzbrunnen« und der »Augenbrunnen« gegeben hat. Die Wirkungen des Guten Brunnen wurden bereits 1498 oder 1501 erkannt. 1608 wurde dieser Quell, nachdem er in Vergessenheit gekommen, wieder gereinigt. Den Krätzbrunnen entdeckte man 1646 und die Wirkungen des Augenbrunnens kamen 1717 zur Anerkennung. In der Nähe des »Guten Brunnens« soll ehemals eine der heiligen Anna geweihte Kapelle gestanden haben, weshalb man ihn auch »Annenbrunnen«, später aber »Tannenbrunnen« oder »Zu den drei Tannen« nannte. Man sagt, Kenner hätten versichert, daß die Kanne dieses Wassers einen Dukaten wert sei, wenn man das wilde Wasser davon scheiden könnte.

DasMarienbergerBad hatte die Quelle »Frischer Brunnen«, die 1553bekannt wurde. In der Nähe des Zschopauer Thores in Marienberg giebt es heute noch einen »Frischen Quell«, dessen Wasser jedoch nur als Trinkwasser benutzt wird.

Das BadRaschauwurde 1808 eingerichtet. Nach ihm führt noch ein Gasthaus in Raschau seinen Namen. Auch in der Nähe vonEhrenfriedersdorfgiebt es einen Mineralquell, der bald als Stahl-, bald als Sauerbrunnen bezeichnet wird. Im Jahre 1646 wurde in Grumbach bei Jöhstadt am Walde nahe dem »Thumshirn-Brunnen« ein Heilbrunnen entdeckt, dessen Wasser zu warmen Bädern gebraucht ward. Nach ihm war eine Zeit lang großer Zulauf aus Meißen und Böhmen. Es wurden bei ihm selbst Betstunden abgehalten. Auch in Neudorf und Crottendorf hat man aus einer nicht mehr vorhandenen Quelle zur Kur getrunken. Zwei eisenhaltige Quellen sollen vom Fichtelberge in den Zechengrund abfließen.

Mathesiussagt über die Gesundbrunnen und warmen Bäder des Erzgebirges: »Unser Herr Gott ist ein weiser Hausvater. Weil er denn weiß, daß arme Bergleute in Gruben und Hütten viel böses Wetter, koblichten Stank, kalte Dämpfe, feuchten Brodel und giftigen Rauch in sich ziehen, pflegt er neben die Bergwerke gemeiniglich eine eigene Apotheke anzurichten, damit die Bergleute eine Bergarznei hätten wider die Lähme und verschleimte Lunge, erkältete Mägen und verlähmte Glieder und was der Bergsucht und Beschwerungen mehr sind.«

Nach Köhler u. a.

Die Flüsse und Bäche Sachsens enthielten zu der Zeit, wo PetrusAlbinusausSchneebergseine 1590 erschienene »Meißnische Land- und Bergchronik« schrieb, noch einenFischreichtum, wie derselbe trotz unserer künstlichen Fischzucht und Fischereigesetze bei den durch Fabrikanlagen verunreinigten Gewässern, ihren Uferbauten und Regulierungen, den Entwaldungen unserer Berge und anderen schädigenden Einflüssen mehr, wohl kaum wieder erzielt werden dürfte.

Man fing in der Elbe bis zu 2 Zentner schwere Störe, und zwar galt als die beste Fangzeit die Zeit der Rosenblüte; ebenso fehlten auch die Welse nicht, die um Johannis am besten waren, »darnach,« so meldet Albinus, »verbargen sie sich in die Felsen, darinnen verhielten sie sich, bis sie die »Eglen«, d. h. wahrscheinlich die gemeinen Fischegel, stachen, hernach machten sie sich wieder heraus«. Brassen und selbst die noch jetzt aus der Ostsee in die Oder kommenden Zährten, ferner Barben, Hechte, Aale, Aalraupen, Lampreten und Neunaugen, sowie Lachse bevölkerten damals unsere Gewässer; in der Mulde fing man Barben bis zu 10 bis 15 Pfund, Lachse bis zu 18 Pfund, und zuweilen wurden 18pfündige Hechte gefangen. Erwähnt wird dabei, daß man 1544 in der Ill bei Straßburg einen Hecht von 26 Pfund und in dem Filzteiche bei Schneeberg einen so großen fing, daß derselbe nicht Raum in einem Bierfasse hatte. Dazu kamen noch in den Bächen zahlreiche Forellen, Steinbeißer und Schmerlen, Gründlinge und Kaulbarsche vor, so daß die Fische vor 300 Jahren einen nicht unwesentlichen Teil der Ernährung, selbst des ärmeren Volkes bilden konnten. Mit besonderer Vorliebe verweilt daher auch Albinus bei diesem Kapitel seiner Landeschronik, und er begnügt sich nicht, dabei nur die Namen der einzelnen Fische zu nennen, sondern durch verschiedene beigefügte Bemerkungen über Laichzeit, Nahrungswert, Schmackhaftigkeit und anderes mehr weiß er für seinen Gegenstand ein noch größeres Interesse zu erregen. Someint er, daß der Hecht von etlichen für den besten Fisch gehalten werde, doch scheint er der Forelle, von welcher eine schwarzgefleckte Art aus dem Schwarzwasser beiSchwarzenbergund aus Bächen umCrottendorfundAnnabergangeführt wird, den Vorzug zu geben, indem er sie den gesündesten und nahrhaftesten Fisch nennt, den man sogar in Wasserkästen groß ziehen könne, so daß er darin 4- und 5pfündig werde. Von dem Salm oder Lachs wird die Meinung damaliger Ärzte mitgeteilt, nach welcher dieser Fisch »stärkerer und gröberer Nahrung sei und gesalzen dem Magen schädlich sein solle«.

Im 16. Jahrhundert »sind die Bäche im Gebirge so fischreich gewesen, daß die Köhler und Holzhauer, wenn sie sich bei Sommerzeit in Bächen gebadet, sie die Waldforellen mit Händen gefangen haben. Nachdem aber das Seifen aufgekommen war und Erze gewaschen wurden, sind die Bäche verdorben, daß die Fische nicht mehr drinnen aufkommen mochten.«

Bereits zu Anfange des 18. Jahrhunderts finden wir die Erdäpfel auch im Erzgebirge. In unserer Gegend sind dieselben zuerst inCrottendorfangepflanzt worden. Bewohner dieses Dorfes brachten in den Jahren 1712 oder 1713 vonStützengrünundBärenwaldeSamenkartoffeln dahin. Bereits in den dreißiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde eine gewaltige Menge dieses Gewächses daselbst erbaut. In dem benachbartenSchlettauhat dann der Anbau der Kartoffeln zunächst Anklang gefunden, da dieses Städtchen bereits in jener Zeit einen nicht unbedeutenden Feldbau betrieb. Besondere Verdienste um die dortige Heimischwerdung derselben erwarb sich derAmtshauptmann Alexander Christian von Beulwitz, der daselbst 1715 bis 1725 wohnte und von dem ihm gehörigenErlbachim Vogtlande den erforderlichen Samen einführte. VonSchlettauging der Anbau über nachElterlein,Grünhain,Zwönitzund deren Nachbarschaft. Eine Teuerung, die im Jahre 1719 das Obergebirge drückte, wurde die Veranlassung zu immer ausgedehnterem Anbau. Der damaligeSuperintendentzuAnnaberg,Dr.Andreas Kunad, forderte sogar in dem genannten Jahre in einer Predigt auf, die Kartoffeln häufig zu bauen, »welches auch soviel ausgerichtet, daß man sich allhier mit mehrerem Ernste der Sache beflissen«. Namentlich im zweiten Viertel des vorigen Jahrhunderts wurden die Kartoffelfelder immer zahlreicher auch umAnnaberg. Der Ertrag war ein sehr reichlicher, indem man zehn- bis fünfzehnfältig erntete.

So war bereits vor der Mitte des vorigen Jahrhunderts der Anbau der Erdäpfel im Obergebirge ein verbreiteter, und die gebirgischen Kartoffeln galten schon damals als durch Geschmack und Größe ausgezeichnet. Sie verdrängten von den Fluren und aus dem Haushalte mehr und mehr die Erbsen, Linsen und andere trockene Gemüse. Der Preis war nach dem damaligen Geldwerte ein mittlerer. Der Scheffel kostete von den geringeren Sorten 8, 9 und 10, von den besseren 16, 18 und 20 gute Groschen.

Schon damals, um 1740, baute man verschiedene Sorten, von denen namentlich drei angeführt und beschrieben werden. Die sogenanntenJobsäpfel, die ihren Namen davon hatten, daß sie bereits zu Jakobi, 25. Juli, reif wurden; sie galten für die beste Sorte. Sie haben ziemlich große Knollen, eine dünne, gelbe Schale und in der Mitte eine kleine Höhlung mit ein wenig Feuchtigkeit. DieandereSorte ist kleiner, gleichfalls mit gelber Schale versehen, worübersich noch ein dünnes Häutchen befindet. Auch diese werden als mild und schmackhaft bezeichnet. DiedritteSorte hat eine rötliche Haut und eine etwas eckige Form, von Geschmack sind sie streng und unangenehm, sodaß sie lediglich als Viehfutter benutzt werden.

Ebenso allmählich wie die Verbreitung der Kartoffeln geschah, ebenso brach sich nur nach und nach der mannigfache Nutzen und Gebrauch derselben Bahn. Man baute sie zunächst mehr zur Mästung und zur Mehlbereitung. Das daraus gewonnene Mehl mischte man unter das Brotmehl und erlangte dadurch ein billigeres Gebäck. Man verwendete es als Stärke oder zu dem damals vielgebrauchten Puder. Das grün abgeschnittene Kraut gab man den Kühen zu fressen, und die Butter bekam dadurch, wie gesagt wird, einen guten Geschmack; getrocknet wurde es im Winter in die Schafe gefüttert. Zeitig benutzte man natürlich auch die besseren Sorten als Nahrungsmittel für die Menschen; aber es ging ziemlich langsam, ehe man entweder durch eigenen Scharfsinn oder durch Nachahmung fremder, namentlich bei den Engländern und Holländern angewendeter Zubereitungsarten anfing, die Kartoffel zu braten und zu rösten, mit Eiern zu vermischen und Klöße, Kuchen und »Strützel« daraus zu backen, sowie Branntwein daraus zu brennen.

NachDr.Spieß.

Es sind gelegen: Riesa 108m, Meißen 110m, Leipzig 111m, Dresden 113,4m, Pirna 116m, Strehla 118m, Wurzen 120m, Großenhain und Wehlen 123m, Markranstädt und Schandau 125m, Königstein 127m, Oschatz 129m, Grimma und Taucha 130m, Zwenkau und Trebsen 131m, Rötha 132m, Pegau 133m, Naunhof 134m, Groitzsch 137m, Nerchau 138m, Borna 142m, Regis 144m, Mügeln 147m, Brandis, Dahlen und Radeburg 150m, Colditz 155m, Frohburg 162m, Rochlitz 166m, Döbeln 170m, Königsbrück 171m, Lommatzsch 173m, Lausigk 175m, Dohna 177m, Lunzenau 179m, Waldheim 186m, Mutzschen 189m, Weißenberg 198m, Roßwein 205m, Kamenz 206m, Ostritz 207m, Tharandt 215m, Leisnig und Elster 218m, Bautzen 220m, Geithain 229m, Penig und Kohren 231m, Bernstadt 234m, Crimmitschau 236m, Radeberg 242m, Zittau und Meerane 246m, Nossen 256m, Waldenburg 257m, Geringswalde 259m, Mittweida und Hartha 260m, Frankenberg 262m, Glauchau 264m, Wilsdruff 265m, Zwickau und Schirgiswalde 267m, Löbau 268m, Pulsnitz 270m, Sebnitz 274m, Elsterberg 277m, Werdau 280m, Bischofswerda 290m, Berggießhübel 292m, Burgstädt 298m, Mylau 302m, Chemnitz und Hainichen 304m, Hohnstein 308m, Rabenau 311m, Lichtenstein 315m, Callnberg 318m, Siebenlehn und Neusalza 326m, Glashütte 330m, Neustadt und Liebstadt 333m, Zschopau und Gottleuba 338m, Aue 348m, Dippoldiswalde, Ernstthal und Hartenstein 350m, Plauen und Wildenfels 352m, Stolpen 360m, Kirchberg 363m, Limbach 371m, Hohenstein 374m, Oederan und Netzschkau 380m, Reichenbach 390m, Freiberg 401m, Oelsnitz und Lengenfeld 404m, Lößnitz 422m, Stollberg 423m, Pausa 446m, Auerbach 450m, Neustädtel 468m, Brand, Schneeberg und Wolkenstein 470m, Treuen und Schwarzenberg 471m, Lengefeld 481m, Adorf 482m, Mühltroff 483m, Bärenstein 490m, Markneukirchen 500m, Thum und Schellenberg 505m, Zwönitz 520m, Lauenstein 526m, Ehrenfriedersdorf 533m, Buchholz 557m, Schlettau 564m, Falkenstein 567m, Geising 590m, Geyer 592m, Zöblitz 600m, Annaberg602m, Marienberg und Elterlein 610m, Grünhain 630m, Eibenstock 643m, Frauenstein 650m, Scheibenberg 669m, Sayda 677m, Schöneck 735m, Johanngeorgenstadt 750m, Altenberg 751m, Jöhstadt 789m, Unterwiesenthal 868m, Oberwiesenthal 913m. Daraus geht hervor, daß 40 Städte zwischen 100 und 200m, 33 zwischen 200 und 300, 27 zwischen 300 und 400, 17 zwischen 400 und 500, 11 zwischen 500 und 600, 9 zwischen 600 und 700, 4 zwischen 700 und 800, 1 zwischen 800 und 900 und 1 zwischen 900 und 1000mgelegen sind. Chemnitz liegt z. B. 196mhöher als die am tiefsten gelegene Stadt (Riesa) und 609mtiefer als die am höchsten gelegene Stadt (Oberwiesenthal). Bautzen ist zweimal, Glashütte dagegen dreimal so hoch als Meißen gelegen. Neustadt und Liebstadt sind dreimal so hoch als Leipzig gelegen. Aue ist dreimal so hoch als Pirna gelegen. Stolpen ist dreimal so hoch als Wurzen gelegen. Zittau und Meerane sind zweimal so hoch als Großenhain und Wehlen gelegen. Markneukirchen ist viermal so hoch als Markranstädt und Schandau gelegen. Crimmitschau ist zweimal und Geising fünfmal so hoch als Strehla gelegen. Mittweida und Hartha sind zweimal, Reichenbach ist dreimal, Zwönitz viermal und Frauenstein fünfmal so hoch als Grimma und Taucha gelegen. Frankenberg ist zweimal so hoch als Zwenkau und Trebsen gelegen. Glauchau ist zweimal so hoch als Röda gelegen. Löbau ist zweimal so hoch als Naunhof gelegen. Sebnitz ist zweimal so hoch als Groitzsch gelegen. Zöblitz ist viermal und Johanngeorgenstadt ist fünfmal so hoch als Brandis, Dahlen und Radeburg gelegen. Dippoldiswalde, Ernstthal und Hartenstein sind zweimal so hoch als Lausigk gelegen. Falkenstein ist dreimal so hoch als Mutzschen gelegen. Neustädtel ist zweimal so hoch als Bernstadt und Zwönitz zweimal so hoch als Mittweida und Hartha gelegen. Von den höchstgelegenen Städten nimmt Oberwiesenthal die 1., Unterwiesenthal die 2., Jöhstadt die 3., Scheibenberg die 8., Elterlein die 12., Annaberg die 13., Geyer die 15., Schlettau die 18. und Buchholz die 19. Stelle ein.

Weise: Kimmt ä Bugerl u. s. w.


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