Von 999 bis 1002 regierte in Böhmen HerzogBoleslaw III., Rothaar. Dieser gab bei Antritt seiner Regierung Befehl, seine Brüder Jaromir und Udalrich zu töten. Sie flohen hilfesuchend zu Kaiser Heinrich II. Die Schwäche des Böhmenherzogs erkannte auch der Polenherzog Boleslaw Chrobri, der, nachdem er früher schon Schlesien, Mähren und die Slowakei erobert hatte, in Böhmen einrückte, Boleslaw entthronte und seinen jüngsten Bruder zum Herzoge machte. Das war ein Tyrann und Trunkenbold; er starb 1003. Nach ihm nötigte der Polenherzog den Böhmen Rothaar wieder auf, welcher nun an seinen Feinden Rache nehmen wollte. Am 10. Februar 1003 lud er die Vornehmsten des Reiches zu einer Hoffestlichkeit ein, bei welcher er die Nichtsahnenden niedermetzeln ließ. Das Volk rief den Polenherzog, der gern kam, Rothaar gefangen nahm und ihn mit glühenden Blechen blenden ließ. Er starb in Polen in der Gefangenschaft. Der Polenherzog kümmerte sich nicht um die Brüder des Entthronten und dachte, ein großes Reich gegründet zu haben durch die Vereinigung Polens und Böhmens.
Da er nicht dem Kaiser huldigte, brach sofort der Reichskrieg gegen Polen aus.
KaiserHeinrich, auch von den vertriebenen Prinzen gedrängt, ließ für die Mitte August 1004 in Sachsen, Thüringen und Franken den Heerbann nach Merseburg ausschreiben. Man glaubte, er werde in Polen einfallen, er wandte sich aber plötzlich nach Süden und brach auf gänzlich unbekanntem Wege über das Erzgebirge in Böhmen ein.
Als man Boleslaw Chrobri bei einem Gastmahl nach Prag die Nachricht brachte, sagte er in anbetracht der bekannten Wildheit, Unwegsamkeit und der Sümpfe des Erzgebirges: »Ja, wenn sie Frösche wären, könnten sie wohl da hereinkommen, so aber nicht.«
Heinrich II. aber stand plötzlich vor Saaz, dessen polnische Besatzung er mit Hilfe der Saazer selbst leicht bezwang. Er rückte gegen Prag vor, das rasch erstürmt wurde. Jaromir ward auf Böhmens Thron erhoben. Der kühne Zug Heinrichs über das Erzgebirge bleibt eine denkwürdige geschichtliche That.
Man nimmt an, daß der Kriegszug über Chemnitz, Zschopau, Zöblitz, Göttersdorf, Görkau stattgefunden haben müsse.
Chemnitz war eine kaiserliche Stadt, wo auch wie auf der Burg Schellenberg kaiserliche Beamte und Vögte waren. Von dort aus trat der Kaiser, der mit kundigen Führern versehen war, seinen für damalige Zeit unerhörten Marsch durch die dichtesten Waldungen an, rückte über Zschopau gegen Zöblitz, einen kleinen, von den Sorben angelegten Weiler, vor. Von dort aus mögen einzelne Kühne bis zum Kamme vorgedrungen sein, bis wohin Jäger wohl schon einen Pfad nach Böhmen gebahnt hatten. Von solchen Führern unterstützt, muß der kühne Kriegszug von Zöblitz über Beerhübel, Göttersdorf, einen unzweifelhaftalten heidnischen Opferplatz, durchs »tiefe Thal« nach Görkau stattgefunden haben. Da Kaiser Heinrich von einer Seite in Böhmen einfallen wollte, wo noch nie zuvor ein Überfall geschehen war, so mußte er vorher sorgfältige Erkundigungen einziehen, wo der Zug durch den fast endlosen Wald am sichersten zu ermöglichen sein mochte. Selbstverständlich mußte ihm von seinen Beamten in der kaiserlichen Stadt Chemnitz, sowie dem Burgvogte von Schellenberg dieser Weg gegen Böhmen genannt worden sein.
Dieser Kriegszug war es, der Böhmen für die Dauer mit dem angrenzenden Meißenerlande in Verbindung brachte, wodurch die alte bekannte Meißener Straße entstand, die von Meißen über Natschung nach Böhmen, über den Beerhübel nach Göttersdorf, durchs »tiefe Thal« nach Görkau und von da über Buschenpelz nach Prag führte. Dieser Straßenzug verlor wieder an Bedeutung nach Eröffnung der Straße über Reitzenhain und Sebastiansberg.
Nach Fischer.
Ein sächsischer Ritter, Dietrich von Vitzthum, beherbergte auf dem uralten Schlosse zu Frauenstein eine Rotte von Raubgesindel und würdigte sich zum Räuberhauptmann herab, indem er mit seinen Leuten, größtenteils aus böhmischem Auswurf bestehend, am hellen Tage auf Raub und Mord ausging und die ganze Gegend bis unter Freiberg, sowie die Ortschaften, welche unter dem Kloster Altenzella standen, wie z. B. Erbisdorf, Nossen u. s. w., unsicher machte. Da die Klagen über den verwegenen Raubritter bis zum Kurfürsten von Sachsen drangen, so sendete dieser, damals Friedrich der Sanftmütige, einen Truppenteil nach Frauenstein. Die Räuber verteidigten sich tapfer; allein die Soldaten belagerten das Schloß und erstürmten es nach blutigem Kampfe. Das Raubschloß ging in Feuer auf und wurde zerstört bis auf zwei Türme, die zum Teil heute noch stehen. Dietrich von Vitzthum wurde auf dem Schloßhofe nach Urtel und Recht mit dem Schwert hingerichtet, die noch lebenden Räuber aber wurden an den Bäumen des Waldes aufgehenkt. Dies geschah im Dezember 1438. Die adelige Familie von Vitzthum warf aber seit jener Zeit einen unvertilgbaren Haß auf den Kurfürsten, der später eine Veranlassung zu dem verheerenden Bruderkrieg wurde.
Nach Müller.
Wir wollen ein Liedel heben an,Was sich hat angespunnen,Wie's in dem Meißnerlande gar schlecht war bestallt,Als sein jungen Fürsten geschah groß GewaltDurch den Kunzen von Kaufungen, ja Kaufungen.Der Adler hat uf den Fels gebautEin schönes Nest mit Jungen,Und wie er einst war geflogen aus,Holete ein Geier die jungen Vögel raus,Drauf wards Nest leer gefungen, ja gefungen.Wo der Geier uf dem Dache sitzt,Da trugen die Küchlein selten;Es wären mein weele ein seltsam Narrenspiel,Welcher Fürst sein Räten getrauet soviel,Muß oft der Herrschaft entgelten, ja entgelten.Altenburg, du bist zwar eine feine Stadt,Dich thät er mit Untreu meinen,Da in dir waren all Hofleut rauschend voll,Kam Kunze mit Leitern und Buben tollUnd holte die Fürsten so kleine, ja so kleine.Was blies Dich, Kunz, für Unlust an,Da Du ins Schloß mir steigest,Und stiehlst die zarten Herren rausAls der Kurfürst aber war nicht zu Haus',Die zarten Fürstenzweige, ja Fürstenzweige.Es war wohl als ein Wunderding,Wie sich das Land beweget,Was uf allen Straßen warn für Leut,Die den Räubern nachfolgeten in Zeit,Alles wibbelt, kribbelt, sich bereget, ja bereget.Im Walde dort ward Kunz ertappt,Da wollt he Beeren naschen,Were he in der Hast sacken fortgeritten,Das ihm die Köhler nit geleppischt hätten,Hett he sie kunt verpaschen, ja verpaschen.Aber sie wurden ihm wieder abgejagtUnd Kunz mit seinen GesellenUf Grünhain in unsers Herrn Abt GewaltGebracht und darnoch auch uf Zwickau gestalt,Und mußten sich lan prellen, ja lan prellen.Davon fiel ab gar mancher Kopf,Und keiner, der gefangen,Kam aus der Haft ganzbeinigt davon;Schwert, Rad, Zangen und Strick, die waren ihr Lohn,Man sah die Rümper hangen, ja hangen.So geht's, wer wider die ObrigkeitSich unbesonnen empöret;Wer es nicht meint, der schau an Kunzen,Sein Kopf thu zu Freiberg noch herußen schwungen,Und jedermann davon lehret, ja lehret.Gott thu der frommen Kurfürsten alls GutsUnd laß die jungen HerrenIn keines Feindes Hand mehr also komm,Geb auch der Frau Kurfürstin viel fromm,Das sie sich in Ruhe vermehren, ja vermehren.
Wir wollen ein Liedel heben an,Was sich hat angespunnen,Wie's in dem Meißnerlande gar schlecht war bestallt,Als sein jungen Fürsten geschah groß GewaltDurch den Kunzen von Kaufungen, ja Kaufungen.
Der Adler hat uf den Fels gebautEin schönes Nest mit Jungen,Und wie er einst war geflogen aus,Holete ein Geier die jungen Vögel raus,Drauf wards Nest leer gefungen, ja gefungen.
Wo der Geier uf dem Dache sitzt,Da trugen die Küchlein selten;Es wären mein weele ein seltsam Narrenspiel,Welcher Fürst sein Räten getrauet soviel,Muß oft der Herrschaft entgelten, ja entgelten.
Altenburg, du bist zwar eine feine Stadt,Dich thät er mit Untreu meinen,Da in dir waren all Hofleut rauschend voll,Kam Kunze mit Leitern und Buben tollUnd holte die Fürsten so kleine, ja so kleine.
Was blies Dich, Kunz, für Unlust an,Da Du ins Schloß mir steigest,Und stiehlst die zarten Herren rausAls der Kurfürst aber war nicht zu Haus',Die zarten Fürstenzweige, ja Fürstenzweige.
Es war wohl als ein Wunderding,Wie sich das Land beweget,Was uf allen Straßen warn für Leut,Die den Räubern nachfolgeten in Zeit,Alles wibbelt, kribbelt, sich bereget, ja bereget.
Im Walde dort ward Kunz ertappt,Da wollt he Beeren naschen,Were he in der Hast sacken fortgeritten,Das ihm die Köhler nit geleppischt hätten,Hett he sie kunt verpaschen, ja verpaschen.
Aber sie wurden ihm wieder abgejagtUnd Kunz mit seinen GesellenUf Grünhain in unsers Herrn Abt GewaltGebracht und darnoch auch uf Zwickau gestalt,Und mußten sich lan prellen, ja lan prellen.
Davon fiel ab gar mancher Kopf,Und keiner, der gefangen,Kam aus der Haft ganzbeinigt davon;Schwert, Rad, Zangen und Strick, die waren ihr Lohn,Man sah die Rümper hangen, ja hangen.
So geht's, wer wider die ObrigkeitSich unbesonnen empöret;Wer es nicht meint, der schau an Kunzen,Sein Kopf thu zu Freiberg noch herußen schwungen,Und jedermann davon lehret, ja lehret.
Gott thu der frommen Kurfürsten alls GutsUnd laß die jungen HerrenIn keines Feindes Hand mehr also komm,Geb auch der Frau Kurfürstin viel fromm,Das sie sich in Ruhe vermehren, ja vermehren.
Herder, Stimmen der Völker.
Der jetzigeFürstenbergtrug vor dem Prinzenraube 1455 den NamenSchmiedewald, welcher von den Geyerschen Schmieden herrührt, die das Holz darauf kauften und zu Kohlen brennen ließen. In Geyer war als einer alten Bergstadt das Schmiedehandwerk zahlreich und wohlhabend. Am Fürstenberge befanden sich Bergwerksgruben, so rechts von der Quelle die Fürstenberger Fundgrube, die auch Eisenstein baute, links von der Quelle Himmlisch Heer, der Frischglückstolln, der Mohrenstolln. Auf der Spitze der Berge befand sich ein Marmorbruch, dessen Marmor zu Kalk gebrannt wurde.
Auf dem Schmiedewalde hauste der KöhlerGeorg Schmidt, alsKunz von Kaufungenmit dem geraubten PrinzenAlbrechtnahe der böhmischen Grenze bei Schwarzenberg sich sicher fühlte und im Walde rastete. Am Brunnen trank der Prinz.Georg Schmidtgelang es, denselben zu befreien und mit seinen Gehilfen die Räuber gefangen zu nehmen und nach Grünhain ins Kloster zu bringen, wo der AbtLiboriusdas weitere besorgte. Seit diesem Ereignisse am Schmiedewalde führt der Berg den Namen Fürstenberg.
1480 besuchte Herzog Albrecht den Berg, um selbst an dem Orte seiner Errettung der Vorsehung zu danken. Zu jener Zeit lebten zuElterleinnoch Urban Schmidt, sowie die Köhler Wiland und Fischer. Ersterer war es, der als Köhlerbursche am Tage der Befreiung des Prinzen mit Lebensmitteln aus Geyer kam und den alten Schmidt mit der Ursache des Glockenstürmens bekannt machte; letztere halfen den Ritter Kunz mit überwältigen. Diese drei Männer mußten Herzog Albrecht nach dem Fürstenberge führen, um ihm daselbst den Ort seiner Befreiung zu zeigen. Albrecht beschenkte seine schwarzen Führer reichlich, kam auch nach Geyer und sah die zersprungene Glocke an.
Am 8. Juli des Jahres 1822 fand auf dem Fürstenberge zwischenGrünhainundRaschaueine merkwürdige Feier der hier am 8. Juli 1455 erfolgten Rettung des von Kunz von Kaufungen entführten Prinzen Albrecht statt.
An der Feierlichkeit der Weihe des errichteten Denkmals zur Erinnerung an die schöne That des Köhlers Schmidt nahm die ganze Umgegend teil. Die Schwarzenberger Bürgergarde marschierte schon vormittags 10 Uhr auf den Platz. Mehr als 10 000 Menschen drängten sich um die Pyramide herum, erkletterten Bäume, erstiegen die Dächer der erbauten Buden. Die Schützen von Crottendorf stellten sich auf dem Brunnenplatze auf. Diesen folgten 230 Bergleute mit Fahnen und Bergmusik. Um 1 Uhr donnerten Kanonen durch das Waldthal. Schon vorher waren Zwickauer und Schneeberger Offiziere angekommen. Wie am 8. Juli des Jahres 1455 in der Umgegend die Sturmglocken ertönten, um alles zur Rettung der Prinzen aufzubieten, so ertönten jetzt die Glocken der benachbarten Orte zum Dank- und Freudenfeste der Rettung für Erhaltung des Fürstenhauses.
Die Feier begann mit einem Weihelied und schloß mit einem solchen. Die Predigt hielt SuperintendentDr.Lommatzsch aus Annaberg. Die Sachsenhymne schloß die Feier.
Das Denkmal hat die Gestalt einer Pyramide, die auf einem Sockel von in Jaspis übergehenden braunrotem Thoneisenstein steht. Das Denkmal ist aus Granit in 13 Stufen und bei Schwarzenberg gehauen. Das Ganze umschließt an der Hinterseite eine steinerne Mauer, an der sich Ruhebänke befinden und die in der Mitte das Denkmal mit dem in dessen Sockel entspringenden Fürstenbrunnen einfaßt.
Zur Beaufsichtigung des Denkmals und der dasselbe umgebenden Waldungen errichtete man am Fürstenbrunnen für einen Köhler eine Hütte. Dazu hatte auch König Friedrich August II. samt seiner Gemahlin beigetragen. Am 27. September 1838 erfolgte die Hebung des Köhlerhauses. Die Bergmusikanten der benachbarten Grube »Gottesgeschick« hatten sich eingefunden. Pastor Richter aus Grünhain hielt die Rede. Schon am 1. November konnte es bezogen werden. Auch erhielt der Ort Schankerlaubnis. Die Vollendung des Baues erfolgte 1839.
Der Fürstenbrunnen erhielt noch vor Vollendung des Köhlerhauses landesherrlichen Besuch. Nachdem König Friedrich August II. samt seiner Gemahlin am 10. September 1838 in Annaberg übernachtet hatte, kam der König am 11. September über Schlettau, Scheibenberg, Elterlein, Zwönitz nach Grünhain mit Gefolge geritten, geruhte daselbst den Klostergarten in Augenschein zu nehmen, wo noch das Gefängnis, Fuchsturm genannt, zu sehen war, in dem Kunz von Kaufungen vom Abte Liborius festgehalten wurde, und ritt sodann nach »Gottesgeschick«, um daselbst höchstdero Frau Gemahlin, die von Scheibenberg kam und das Bergwerk besichtigt hatte, abzuholen, um gemeinsam nach dem Fürstenbrunnen zu fahren. Hier hatten sich zum Empfange die Schuljugend und der Frauenverein samt einer großen Menschenmenge versammelt. Die hohen Herrschaften geleitete der Amtshauptmann des Bezirks, Domherr Freiherr von Biedermannauf Niederforchheim. 12 Grünhainer Mädchen streuten Blumen. Die Bergleute brachten am Brunnen ein »Glückauf!« Einer von sieben Köhlern sprach ein Gedicht. Zwei Mädchen reichten dem Könige einen Teller mit Waldbeeren und der Königin einen Becher mit Wasser. In einer geschmückten Bude speisten die hohen Herrschaften. Unter Hochrufen setzte das Herrscherpaar die weitere Reise über Schwarzenberg nach Schneeberg fort.
Von der großen Glocke in dem alten Bergstädtchen Geyer, welche früher in einem uralten viereckigen Turme an der Kirche hing, erzählt die Sage, sie sei auf dem Geyersberge, an dessen Fuße die Stadt liegt, durch eine Sau mehrere Ellen tief aus der Erde herausgewühlt und von den Bürgern, welche sich dieses Fundes freuten, aufgehängt worden. Sie soll aber nicht eher einen reinen und vollen Klang gegeben haben, als bis ein Priester sie zu ihrer heiligen Bestimmung geweiht hatte.
Mit dem Reformationsfeste 1885 wurden es 350 Jahre, daß die jetzige Glocke der protestantischen Gemeinde zu Geyer ihre eherne Stimme geliehen hat. Sie trägt ein vortrefflich geschnittenes Rundbildnis desHerzogs Heinrich des Frommen. Ihr erstes, majestätisches Geläute hat sicher dem anwesenden Herzog Heinrich als Beförderer der evangelischen Wahrheit und dem Feste der vollendeten Reformation in Geyer zugleich gegolten. Die große Glocke hält 1,80mim Durchmesser und ist 1,60mhoch. Sie stammt höchst wahrscheinlich aus der Hilligerschen Gießhütte zu Freiberg. Sie trägt die ausgezeichnet geschnittene Umschrift:
»Also hot got dy welt geliebt, daß ehr seinen einigen son gab uf das alle dy an yn glauben nicht verloren werden sondern haben das ewige leben. Johann am III.MDXXXIX.«
»Also hot got dy welt geliebt, daß ehr seinen einigen son gab uf das alle dy an yn glauben nicht verloren werden sondern haben das ewige leben. Johann am III.
MDXXXIX.«
Das Metall zum Guß der Glocke, die nach der Schätzung von Sachverständigen gegen 63, nach dem Volksmunde aber 100 Zentner wiegt, lieferte seinerzeit die berühmte Prinzenglocke, welche vom Kurfürsten wegen des erfolgreichen Sturmläutens beim bekannten Prinzenraube der Stadt geschenkt wurde. Auf dieser Glocke waren die Bildnisse der beiden jungen Fürsten angebracht; auf der andern Seite sah man Kunz auf der Erde liegend und das Pferd haltend, daneben den Fürsten Albrecht und den Köhler. In der freieren Blüherschen Übersetzung lauten die Glockenverse:
1. »Kurt entführte die fürstlichen Prinzen; die himmlische Jungfrau –Diese Glocke bezeugt's – gab sie uns gnädig zurück.2. Ob des fliehenden Räubers der Prinzen laut stürmend zersprang ich,Doch aus fürstlichem Schatz ward ich wieder verjüngt.«
1. »Kurt entführte die fürstlichen Prinzen; die himmlische Jungfrau –Diese Glocke bezeugt's – gab sie uns gnädig zurück.
2. Ob des fliehenden Räubers der Prinzen laut stürmend zersprang ich,Doch aus fürstlichem Schatz ward ich wieder verjüngt.«
Im Jahre 1480 besichtigteHerzog Albrechtdie Glocke, die leider 1535 sprang. Wahrscheinlich auf Kosten desHerzogs Heinrichdes Frommen ist die jetzige Glocke umgegossen worden.
Nach dem Annaberger Wochenblatte.
Zwischen den Gebirgsstädtchen Schwarzenberg, Elterlein und Grünhain, unweit der Dörfer Waschleite und Haide, bei der Dudels- oder Oswaldkirche, liegt der geschichtlich merkwürdigeFürstenbrunnam Fürstenberge, der so genanntist, weil in dessen Gegend die Befreiung des PrinzenAlbertaus den Händen des Ritters Kunz von Kaufungen am 8. Juli 1455 stattgefunden haben soll. Zur Erinnerung an diese Begebenheit wurde am 8. Juli 1822 über dem sogenannten Fürstenbrunnen, einer Waldquelle, ein Granitobelisk mit eiserner Inschriften-Tafel errichtet. Auf dieser steht geschrieben:
Fürstenbrunn.Hier wurde Prinz Albert, Ahnherr des Kgl. S. Fürstenhauses,am 8. Juli 1455durch den Köhler Georg Schmidt, hernachTriller genannt, aus Kunzens vonKaufungen Räuberhand befreit.Angebracht, den 8. Juli 1822.
In einer Nische des Fußgestelles ergießt sich über Kristalldrusen der genannte Brunnen. Im Jahre 1838 wurde hier zum Schutze des Denkmals eine Wohnung für eine Bergmannsfamilie erbaut. Jetzt ladet ein Wirtshaus den Wanderer zur Ruhe ein.
Nach Elfried von Taura.
Neudorfs oberes Ende stößt an den Kretscham, welchen Namen der tiefere Teil des angrenzenden OrtesRothensehmaführt. Im engsten Sinne ist der Kretscham ein Gasthof mit Freigut, einer Mühle und vielen Vorrechten, auch zum Teil sehr altertümlicher Bauart. Nach einer Volkssage soll hier und nicht am Fürstenberge bei Grünhain desPrinzen AlbertsErrettung aus den Händen Kunzens von Kaufungen 1455 geschehen sein. Noch zeigt man im Westen, diesseits eines alten Marmorbruches, den Fürstenbrunnen und im Süden die Stätte des Kohlkrams, wo der mutige Köhler Schmidt, der Triller genannt, sich aufhielt, welcher später die Erlaubnis erhielt, hier an der böhmischen Straße den Kretscham oder Gasthof anzulegen.
Nach Herm. Grimm.
Nachdem die beiden sächsischen Prinzen Ernst und Albert ihrem Räuber, dem Ritter Kunz von Kaufungen, durch Gottes Hilfe glücklich entronnen waren, machte der ganze Hof eine Wallfahrt nach der Ebersdorfer Kirche bei Chemnitz, und der Kurfürst ließ daselbst die Kleider der beiden jungen Herrlein, so sie bei ihrer Entführung angehabt, wie auch des Köhlers Schmidt, der sie errettet hatte, Kittel und Kappe aufhängen. Bei den Kleidern wurden folgende Verse angeschrieben:
Kunz Kaufung, der viel wilde Mann,Im Meißnerland ist kommen an,Wohl auf das Schloß zu Altenborg,Sehr frech und kühn ohn' alle Sorg',Dem Fürsten allda seine KindEntführt hat listig und geschwind,Der Kleider noch sie hängen seht,Ein jeder der fürüber geht,Die dazumal bald nach der That,Der Vater hergehänget hat.
Kunz Kaufung, der viel wilde Mann,Im Meißnerland ist kommen an,Wohl auf das Schloß zu Altenborg,Sehr frech und kühn ohn' alle Sorg',Dem Fürsten allda seine KindEntführt hat listig und geschwind,Der Kleider noch sie hängen seht,Ein jeder der fürüber geht,Die dazumal bald nach der That,Der Vater hergehänget hat.
Die gegenwärtig in der Pfarre zu Ebersdorf aufbewahrten Kleider der Prinzen Ernst und Albert sind nur getreue Nachbildungen.
NachDr.Köhlers Sagenbuch.
Der Kampf gegen die Hussiten, dessen LastKaiser SigismundaufKurfürst Friedrichhauptsächlich abgewälzt hatte, begann nicht glücklich. 1425 erlitten die Meißner unter großen Verlusten eine Niederlage, sodaß »das Geschrei kam, wie die Hussiten willens wären, ins Meißner Land einzufallen. Darüber erhub sich ein großer Schrecken. Allenthalben wurde man rege, besserte Thore und Mauern aus, baute Schläge und Brustwehren.«
Die zweite große Niederlage des Kurfürsten beiAußig1426 vermehrte die allgemeinen Besorgnisse. Nach der von Kurfürst Friedrich aufgegebenen Belagerung vonMieß, wo auf dem Rückzuge an zehntausend Mann erschlagen worden sein sollen, drangen 1429 die Hussiten über das Gebirge in das Meißner Land.M.Chr. Lehmannberichtet, die Hussiten seien durch den Komotauer Paß und den Kriegwald nach Zöblitz und durch den Satzunger Paß und den Kriegwald an die Preßnitz gekommen. Sie haben Lößnitz angegriffen; ob aber dieses der hussitischen Tyrannei sich erwehrt, habe er nicht erfahren. Dagegen seien ringsum die Dörfer verwüstet worden. Stadt und Kloster Grünhain, Klösterlein, Aue, Schwarzenberg am Peler Passe sei ganz eingeäschert, seine drei Ellen dicke Stadtmauer abgebrochen, Crottendorf ganz ausgeplündert, Kraxdorf zerstört und als Neudorf wieder aufgebaut, Zwönitz verwüstet, Burgstädtel, Elterlein, Schlettau, Sehma, Cranzahl, die Waldhäuser am Bärensteine, in der Gegend des späteren Annaberg einige Dörfer, von der Schmalzgrube an bis Preßnitz 26 Hammerhütten zerstört, Flecken und Dörfer ringsum verwüstet, alles mit Brand, Zerstörung, Raub und Mord heimgesucht worden. Nur Zschopau und Scharfenstein haben sie nicht viel anhaben können.
Nach Chr. Lehmann.
1. Die Schrecknisse, welche die Züge der Hussiten mit sich brachten, leben noch vielfach in unserer Gegend in der Überlieferung fort, und die Sage hat manches dichtend hinzugefügt. So hat man die Begebenheiten in der Schlacht bei Außig auch in die Gegend von Preßnitz verlegt.
Im Osten vonJöhstadtverbreitet sich über steiles und hohes Gebirge zwischen dem Schwarzwasser und der Preßnitz der Kriegwald, dessen Name nicht ohne Wahrscheinlichkeit auf ein den Hussiten geliefertes, doch für Sachsen unglücklich ausgefallenes Treffen bezogen wird. Man hat ganze Haufen von Totengebeinen gefunden, die mit Moos so verwachsen waren, daß sie gleichsam wie Stücke alter Mauern erschienen. Ferner fand man daselbst viele Hufeisen, Pfeilspitzen, Hacken u. s. w. Das »rote Wässerchen« an der böhmischen Landstraße wurde nach der Volkssage von dem Blute benannt, das in jener Schlacht darin floß.
Wie die Hussiten sich Meister im Felde sahen, rüsteten sie sich 1426, um die entfremdeten Städte wieder zu erobern. Die Kurfürstin von Sachsen ließ, inzwischen ihr Gemahl, der Kurfürst Friedrich, in Ungarn war, bei Freiberg ein großes Heer sammeln, und als dasselbe über den Wald kam, fand man bei dem Dorfe Preslitz (Preßnitz) den Feind wohlgerüstet ihrer warten. Die Böhmen deckten sich mit ihren Schilden und hatten ihr Lager mit einer Burg von 500 Wagen mit Ketten umschlossen, führten auch lange Haken, mit denen sie dieReiter von den Pferden zogen. Wiewohl nun die Sächsischen sie tapfer angriffen, ihnen die Schilde mit Hellebarden vom Leibe zogen und lange fochten, mußten sie doch endlich, von der Hitze noch mehr ermüdet und vom Staube geblendet, die Flucht ergreifen. Der Graf von Gleichen und sein Leutnant, der Graf von Thun, wurden mit 9000 Mann erschlagen, darunter noch 12 Grafen, 4 Freiherren, viel Ritter und Edle, 21 derer von Köckeritz und einer von Schönborn mit 5 Söhnen, da der sechste daheim in der Wiege lag. Konrad von Einsiedel ward gefangen, kam in die Türkei, ward nach 30 Jahren vor Belgrad wieder gefunden und daheim von den Seinen fast nicht wieder erkannt. Es ward nachmals eine Kapelle gebaut an einem Bächlein, das mit dem Blute der Erschlagenen soll geflossen sein.
2. An die schreckliche Zeit der Hussiten erinnert uns auch die Erzählung von demMönchsgesichte an der Schlettauer Kirche. Der Pater Benno rettete vor dem mit Unheil drohenden Zuge der Hussiten ein silbernes Kruzifix, das noch allein auf dem Altar stehen geblieben war, indem er es um Mitternacht in die Kirchmauer vergrub; denn Altäre, Bilder und ander heilig Gerät zerstörten die Horden. Am andern Morgen wurde der Pater von den wilden Ketzern erschlagen. Dies träumte einem Priester, welcher die Stelle dem Küster offenbarte, der aber Diebstahl verübte und nun zur Strafe in der Mauer zu sehen ist. In einer Mauernische der Elterleiner Kirche steht ein Kästchen, welches drei Hussitenpfeile enthält.
3. Ebenso erinnern an die Züge der Hussiten dasKreuz und der Kelchin der Mitte der etwa 60mhohen, steilen Felsenwand, welche sich an der Zschopau erhebt und das SchloßWolkensteinträgt. Die beiden Wahrzeichen sind in Stein gehauen und sollen nach dem Volksmunde daran erinnern, daß im Jahre 1428 die Hussiten einen katholischen Priester töteten. Sie bedrohten ihn mit dem Tode. Er wollte aber gleichwohl seinen Glauben nicht abschwören. Da schleppten sie ihn an den Rand der steilen Felswand und stießen ihn dort hinab, von wo er in die Zschopau zerschmettert stürzte.
4. Als im Sommer 1427 ein starker Haufe Hussiten überOlbernhauundSaydadurch das Gebirge herunter nachOederanzog, galt es besonders dem Ottomar von Schönberg, welcher den Hussiten aus der Gefangenschaft entwichen war und nun in seinem Schlosse Reinsberg wohnte. Täglich wurde jetzt dieses Schloß drei Wochen lang von den Hussiten gestürmt. Da rettete den geängstigten Schönberg sein Knappe durch einen unterirdischen Gang, der sich in einem Busche vor dem Schlosse öffnete. Diese Stelle soll noch heute mit einem Denksteine, auf dem ein Kreuz eingehauen ist, bezeichnet sein. Ein bereit gehaltenes Roß trug den Ritter in der dunklen Nacht durch den Forst auf die nahe Straße nach Freiberg. Hier setzten ihm die wachsamen Hussiten nach, und hart vor Freiberg hatten sie den fast zum Tode Gehetzten beinahe eingeholt. Der Turmwächter auf dem Meißner Thore gewahrte in der Morgendämmerung diese Menschenjagd. Er öffnete dem nahenden Ritter, welcher ihm sein weißes Tuch entgegenschwang, einen Thorflügel, den er vor den heransprengenden Hussiten schnell wieder zuschlug. Innerhalb des Thores aber verließen den Ritter die Kräfte. Auf der Meißner Gasse stürzte er mit dem Pferde und wurde tot in das nächste Haus getragen. Auch diese Stelle ward mit einem Steine, den man später an die Stadtmauer gelehnt hat, zum traurigen Andenken bezeichnet.
5. 1429 zogProkopiusmit 300 der edelsten Hussiten aus der Lausitz nach Basel zu einem Friedensversuche. Unangefochten zog dabei der Furchtbare,vor dem die Kinder auf der Gasse davonliefen, über Dresden und Freiberg durch Oederan. Einer von seinem Gefolge, Bodowin von Horomirz wird er genannt, kam zwei Tage nachher ganz allein durch Oederan. Da wurde er sogleich von den Oederanern ergriffen, hinaus an das Weichbild an der Nossener Straße geschleppt, lebendig gespießt und ihm ein silberner Helm oben auf den Pfahl genagelt, an dem der Unglückliche verblutete. Weithin schimmerte in der Sonne diese Silberkappe, an der sich niemand zu vergreifen wagte. Erst zur Zeit der Reformation verschwand sie zugleich mit dem daneben errichteten Heiligenbilde.
6. Zur Zeit der Hussitenkriege zogen die Scharen des gefürchtetenZiska, nachdem sie die Stadt Komotau in Asche gelegt hatten, auch auf die StadtGörkauund das SchloßRotenhauslos, um unter den dortigen katholischen Bewohnern ebenfalls mit Blut und Mord aufzuräumen. Es war am Schutzengelfeste, als sie durch einen äußerst dichten Nebel auf ihrem Zuge dahin aufgehalten wurden und sich erst dann wieder in Bewegung setzten, als sie ein aus der Ferne herschallendes Hahnengeschrei vernahmen, welchem sie irre führte. Sie gelangten in die Gegend östlich von der Stadt und kehrten nicht zurück. Zur Erinnerung an diese wunderbare Errettung ließen die Bewohner von Görkau ein Kreuz anfertigen und auf dem Friedhofe aufstellen. Jetzt steht es an der Straße von Udwitz nach Görkau und bei ihm eine Linde.
7. Auf dem SchlosseHartenberglebte im Hussitenkriege eine schöne, achtzehnjährige Jungfrau. Der mutterlosen Waise entriß auch das Schwert eines wütenden Hussiten den Vater. Der noch vorhandene Anverwandte, Jodok von Pichlberg, war eifriger Kelchdiener und wollte sie, als sie ihn um Schutz anflehte, zum Übertritt bewegen. Sie wollte die Lehren ihrer Mutter nicht abschwören und vertraute Gott, dem Beschützer ihres Glaubens. Sie versah die Burg mit Lebensmitteln, ließ Mauern, Streittürme und Befestigungen ausbessern und Schießpulver herbeischaffen. – In einer finstern Nacht rötete sich der Himmel von mächtigen Feuersäulen, die aus den benachbarten, von den Hussiten in Brand gesteckten Dörfern emporstiegen. Bald begehrte ein Hussitenschwarm mit drohend grimmigen Worten Einlaß und Übergabe. Auf die Verweigerung aber schrien hundert Stimmen schimpfend nach Sturm, Pfeilen und Pechkränzen. Zdenka von Hartenberg ließ die Feuerschlünde donnern; Steinregen fiel auf die Stürmenden; heißes Pech troff auf sie herab. Da wiederholter Sturm nichts nützte, sollte die Burg ausgehungert werden. Bald trat Nahrungsmangel ein; denn das verzagte Landvolk, welches eine gegen die Wasserseite ausgesteckte Notfahne herbeirufen sollte, hatte die Gegend verlassen. In höchster Not ging die Jungfrau in die Burgkapelle und stärkte sich im Gebete. Das letzte Rehviertel wurde vors Thor geworfen, und durch Hornrufe wurden die Belagerer ins Schloß gelockt. Man wollte bei freiem Abzuge die Burg ergeben. Als die Brücke niederrasselte, zogen sechzehn alte, bleiche Männer mit der alten Wärterin ab, und der Hussitenführer stürzte herein mit seinen Horden. An einer Halle blieben sie stehen; denn in einem Gemache stand Zdenka in bräutlichem Schmucke mit lodernder Fackel neben einem Pulverfasse. Sie wollte die Burg in die Luft sprengen, um nicht den Feinden in die Hände zu fallen. Da wälzte sich ein brausendes Getöse gegen die Burg heran. Ein Haufen bewaffneten Landvolkes eilte zum Entsatze herbei und überwältigte die Feinde. Gott dankend, sank Zdenka auf die Knie.
8. In einem Gange des ehemaligen Benediktinerklosters zu Chemnitz befand sich ein hölzernesChristusbildmit einem krummen oder schiefen Munde.Da nun die Hussiten in das Kloster einfielen und alles darin verwüsteten, soll einer von ihnen das Bild verspottet haben. Von Stund' an hatte derselbe nun einen solchen Mund und ist stumm geworden.
Nach Chr. Lehmann,Dr.Spieß,Dr.Köhler.
1. Mancher Ort ist durch die Hussiten zerstört worden, und nur noch wüste Marken erinnern an sein einstiges Vorhandensein. Wo jetzt das DorfWaschleitebeiSchwarzenbergliegt, hat ehedem das Dorf Gleßberg am Fuße des Gleßberges oder des Schatzensteines gestanden. Es erstreckte sich am oberen Teile des Oswaldbaches hin. Die Hussiten haben es zerstört. Auf einem Teile der Gleßberger Fluren entstand das jetzige Dorf Waschleite. Seinen Ursprung und Namen hat es von den Erzwäschereien genommen, welche der reiche Hammerherr Kaspar Klinger 1500 nebst einer Schmelzhütte am Oswaldbache anlegte.
2. Vor der Gründung vonNeudorfan der Sehma, das mitten im Walde aus Holzarbeiter-, Köhler- und Flößerhütten entstand, soll in seiner Nähe nach Crottendorf zu ein Dorf mit Namen Kraxdorf oder Kraftsdorf gestanden haben, wovon früher, und zwar auf dem westlich im Walde gelegenen Morgenberge, noch Mauerreste, alte Schlösser und Schlüssel gefunden wurden.
In einem kleinen Thale, welches Neudorf oberhalb der Kirche von West nach Ost durchschneidet, hat man beim Wegräumen von Teichdämmen auf dem Grunde derselben berußte Steine gefunden, die ihre Schwärze sehr wahrscheinlich einst von einem Feuerherde erhalten hatten.
3. Unweit der Stadt Zöblitz, an den Ufern der Pockau, liegen die Ruinen der alten BurgenOber-undNiederlauterstein. Die Burg Oberlauterstein, welche eine Viertelstunde westlich von Zöblitz über dem rechten Pockauufer auf einer felsigen Bergecke liegt, wurde im Jahre 1430 von den Hussiten, die eben von der Verwüstung der Schneeberger Bergwerke herkamen, geschleift. Das Schloß Niederlauterstein, das nur einige Minuten unterhalb davon am linken Pockauufer liegt, erhielt sich über 20 Jahre länger. Vieles erzählt man sich von den früheren Besitzern desselben, den Herren von Berbisdorf, deren einer 1520 bei einem Brande des Schlosses auf schreckliche Weise sein Leben verlor. Es war Georg von Berbisdorf, ein gebrechlicher Greis von 90 Jahren. Um ihn vom Flammentode zu retten, wollte man ihn, in Tücher gewickelt, zu einem Fenster herablassen; allein die in Eile nicht festgeknüpften Knoten lösten sich und der unglückliche Alte wurde an den Felsen zerschmettert. 1559 kaufteKurfürst Augustdas Schloß von Kaspar von Berbisdorf und bestimmte es zum Sitze eines Amtes. Im dreißigjährigen Kriege wurde es zerstört.
4. Sachsens »Kirchengallerie« erzählt, daß man in der Gegend vonJohnsgrünöfters alte Schlüssel gefunden hat. Man schließt daraus, daß die Gegend von Johnsgrün vor der Zeit des Hussitenkrieges stark bevölkert gewesen sei.
5. BeiAugustusburggiebt es wüste Marken, die auch an Hussitengreuel erinnern. Zwischen Hennersdorf und Dorf Schellenberg verbreitet sich der von Augustusburg bis in die Nähe von Waldkirchen reichende, großeMörbitzwald, welcher von einem darin gestandenen Dorfe seinen Namen haben soll. – Der zwischen Borstendorf, Eppendorf, Lippersdorf, Reifland in der dortigen Gegend gelegene StaatswaldRöthenbachenthält eine Wüstung und einen Bach gleichen Namens, an welchem das im Hussitenkriege verschwundene, nach Borstendorf gepfarrt gewesene Dorf Röthenbach lag. – In dem im Staatsforste zwischenEuba, Bernsdorf und Flöha gelegenen »Strutwald« soll auch vor dem Hussitenkriege ein Dorf gestanden haben. Man hat dort beim Nachgraben Überreste von Häusern und selbst von Gassen, sowie Brunnen und andere Spuren gefunden.
6. Da wo Wüstenbrand bei Hohenstein-Ernstthal liegt, hat das DorfGecksdorfder Sage nach gelegen, welches auch im Hussitenkriege zerstört worden sein soll.
7. Der Sage nach ist der Anbau vonMittel-mitOber-undNiedersaydain der Zeit des Hussitenkrieges unter Ziska und Prokopius zwischen 1419 und 1435 geschehen, da viele der bedrängten Hussiten auswanderten und sich in den waldigen Gegenden des Erzgebirges anbauten. Noch in diesem Jahrhunderte lebten in Obersayda zwei Familien, die Seyfertsche und Zimmermannsche, deren Vorfahren zu den Ausgewanderten gehörten. Das wäre also ein seltenes Beispiel, wonach auch die Hussiten einen Ort errichteten, anstatt zu zerstören.
NachDr.Herzog,Dr.Köhler u. a.
Den Bauern drückten am Ende des Mittelalters allerhand Lasten weltlicher wie geistlicher Herren. Er hatte Frondienste, Zehnten, Zinsen und Abgaben aller Art zu leisten. Luther sagt: »Wenn der Acker eines Bauern so viel Thaler wie Ähren trüge, es würde nur die Ansprüche der Herren vergrößern.« Die Reformation sollte ihnen auch ihre Menschenrechte vor die Seele führen. Mannigfache Flugschriften erschienen, und bald entstand unter den Bauern eine Bewegung, die man denBauernkriegnannte. In 12 Artikeln waren die Forderungen der Bauern zusammengefaßt.
An der allgemeinen Bewegung nahm auch das Sachsenland und unser Obererzgebirge teil. Durch sein tyrannisches Wesen hatte sich besonders Ernst von Schönburg hervorgethan, der damals im oberen Erzgebirge ausgedehnte Besitzungen hatte. Ließ er doch zwei Annaberger Bürgern, die in seinem Gebiete Fischdiebstahl begangen hatten, die Augen ausstechen.
Wolf Göftel aus Buchholz und Andreas Ziehner, beides Bergknappen in Marienberg, machten den vogtländischen Aufrührern zu Waldkirchen bei Reichenbach die Artikel. Wir sehen, daß auch die Bergleute mit fortgerissen wurden von der Bewegung. Größere Ansammlungen von Bauern entstanden zunächst in Zwickau und Stollberg. Daher ist der Amtmann von Annaberg und Schellenberg, Anton von Kospoth, der in letzterem Orte seinen Wohnsitz hatte, bald in Annaberg, bald in Chemnitz, um Ruhe zu stiften. Er gab dem Herzog Georg den Rat, die Schätze der Annenkirche auf Schellenberg zu verwahren. Die Stadt aber blieb still und erklärte, zum Herzoge zu halten. An Annaberg erging von diesem das Ersuchen, sich dem Herzoge zum Kriegsdienste zu stellen. Feldhauptmann Utz von Solgau aus Annaberg sollte das Werbegeschäft besorgen. In Thum, Geyer und Ehrenfriedersdorf, auch in Joachimsthal forderten Maueranschläge zum Kriegsdienste auf. Kospoth schrieb über die Annaberger wegen ihrer Weigerung: »Es sei ein teuflisch Volk unter die Annaberger gekommen.«
Nachdem die aufrührerischen Bauern von Schneeberg, Aue, Schwarzenberg und Zwönitz, von Raschau, Steinberg, Kühnheide und anderen Orten Zuzugerhalten hatten, wandten sie sich gegen Klösterlein und Aue, tranken dem Probst das Bier weg, führten 16 Stück Vieh und sämtliches Getreide davon. Dann wandten sie sich gegen das Kloster Grünhain. Der Abt schickte eiligst zum Bergvogte Matthis Busch nach Buchholz um Hilfe. Dieser ritt mit wenigen nach Grünhain, wo er gegen 700 Bauern die Bewachung des Klosters übernahm. Abt und Mönche wandten sich nach Annaberg. Als das Kloster dem Richter und den Schöffen zu Grünhain zur Verwahrung gegeben war, wurde es bald eine Beute der Aufrührer, die es plünderten. Von Grünhain wandten sich die Haufen nach Schlettau, bemächtigten sich der Stadt und des Schlosses. Ein anderer Haufe zog nach Raschau und zerstörte die Kirche.
Herzog Heinrich verließ nach solchen Ereignissen Wolkenstein und siedelte nach Freiberg über.
Als in Annaberg Bergvogt Hans Rühling die Bergleute nach ihren Plänen fragte, erfuhr er, daß sie mit Leib und Leben für den Herzog einstehen wollten. Bürgerwachen an den Thoren hielten Zuzug fern.
In Joachimsthal hatten sich die Leute der Grafen von Schlick in gefahrdrohender Weise erhoben, das Schloß eingenommen und geplündert. Da vermittelte der Rat von Annaberg mit Glück durch Abgesandte zwischen den Streitenden.
Wolf Göftel und Andreas Ziehner waren immer unterwegs, um aufzuregen. Sie machten den erzgebirgischen Bauern die Artikel und verpflichteten sie, indem sie jeden eine Hand aufheben ließen, zum Zeichen, daß er bei ihnen stehen wolle.
Den Geyerschen versprach Göftel mit den Bauern Hilfe. Das Bestreben der Führer ging dahin, den Edelleuten ihre Sitze zu stürmen, den Fürsten ins Land zu fallen, die Obrigkeit zu vertreiben, Wildbret und anderes frei zu haben, die Klöster zu stürmen. Wenn sie in Grünhain, Marienberg und Wolkenstein Glück gehabt hätten, wollten sie nach Chemnitz und Kloster Zelle.
Zuerst fiel ihnen die Pfarre zu Mildenau zum Opfer. Die Mildenauer teilten den Königswaldern mit, daß die Pfarre leer stehe, da der Pfarrer geflohen sei; da zog der unternehmungslustige Richter Rebentisch mit einer Anzahl Gesellen Sonntag, den 14. Mai, nach Mildenau. Er kehrte um, aber die übrigen drangen in die Pfarre ein, plünderten und zerschlugen alles und tranken dem Pfarrer das Bier aus. Kospoth war auf diese Nachricht sofort mit 12 Pferden aufgebrochen. Bei seinem Erscheinen verliefen sich die Aufrührer, sodaß er nur einige von ihnen gefangen nehmen konnte. Weidenbach, der Wolkensteiner Amtmann, dem sie übergeben wurden, ließ sie frei. Da wurden die Marienberger nötig und überfielen die Rückerswalder Pfarre. Die Mildenauer zogen nach Schönbrunn. Sie nahmen die Pfarre ein und trieben allerlei Unfug. Lukas Merten aus Wolkenstein machte Butter in der Pfarre; dessen Sohn schlachtete eine Kuh und kochte auch sogleich das Fleisch; Eulner aus Neundorf zerschlug mit dem Berghammer ein Kruzifix und warf es ins Wasser; Petzold aus Neundorf hieb dem Johannisbilde, das in der Schönbrunner Pfarre hing, den Kopf ab, hing es an den Füßen auf und trug es im warmen Bade umher zur Freude des Wirtes.
In Geyer unterblieb die Erstürmung der Pfarre, da es zum Ausgleich kam. Die Drehbacher wollten sich gegen ihre Herren, die von Stangen auf Drehbach, erheben. Gegen 400 Mann zogen vor das Schloß und verlangten Freisprechung. Rudtloff von Stangen aber, ein furchtloser Mann, erklärte, würden sie ihm und seiner Mutter etwas nehmen, so würde er sie in Haus und Hof verbrennen. Da zogen sie ab.
In Zöblitz suchten zwei Häuer aus Marienberg Unruhe zu stiften. Sie fanden Anhang. Die Aufständischen hatten vor, die Zöblitzer Pfarre zu plündern, die aber geschützt wurde. Um diese Zeit ward auch die Pfarre zu Lauterbach geplündert.
Am 17. Mai ließen die Gemeinden, die Herzog Heinrich unterthan waren, als Schönbrunn, Neundorf, Wiesa, Drehbach, Venusberg, damals Feuchberg genannt, und Hilbersdorf ihre Beschwerden durch den Wolkensteiner Amtmann Balthasar von Weidenbach an den Herzog gelangen.
Erfüllt wurden die Forderungen der Bauern nicht. Nach der Niederlage bei Frankenhausen zerstreuten sich die Unruhestifter. Viele flohen, um harter Strafe zu entgehen, die auch nicht ausblieb. Herzog Georg erschien bald im Erzgebirge. Am härtesten verfuhr Ernst von Schönberg gegen die Aufständischen. Milde war Kurfürst Johann.
In Annaberg wurden vom Herzog Georg viele ausgewiesen oder in Gefangenschaft gesetzt. Andere mußten die Mauern um Annaberg bauen helfen. Herzog Heinrich ließ die Richter zu Mildenau, Arnsfeld und Schönbrunn köpfen. Die Geringswalder und Rückerswalder wurden gespießt, viele verloren ihre Güter.
Wolf Göftel, der Hauptführer im Erzgebirge, war entflohen. Ernst von Schönburg schrieb an Herzog Georg, er habe dem Pfarrer zu Penitz die Ohren abschneiden lassen. Zu Hartenstein ließ er einen henken und fünf köpfen. In Elterlein büßten ebenfalls sieben die Köpfe ein, fünf ließ er in der Scheibe einziehen, einen bei Rotensehma spießen und viele andere an Geld und Freiheit strafen. Das war das Ergebnis der bäuerlichen Bewegung.
NachDr.Wolf.
Eine allgemeine Gährung hatte sich der Gemüter bemächtigt. Wanderprediger und Flugschriften trugen die Gedanken in das Volk hinaus. Auf der einen Seite war lästig der Druck der Kirche und des verderbten Pfaffenwesens, auf der anderen der Druck der weltlichen Herren und die Vorrechte der Städte. Man darf sich nicht wundern, wenn die Bewegung nächst der religiösen auch bald eine politische und soziale Färbung annahm.
Die »zwölf Artikel« der Bauern geben ein Bild ihrer Forderungen. »Die Gemeinde soll das Recht haben, den Prediger zu wählen und zu entsetzen … Der Prediger soll das reine Evangelium lehren … Der große Zehnte vom Getreide soll dem Pfarrer zum Unterhalte dienen; der kleine Zehnte von den übrigen ländlichen Erzeugnissen und das Ehegeld soll abgeschafft sein … Sie wollen nicht unfrei sein, nicht Hörige, Lite, Lassen, sondern freie Männer … Die Frondienste sollen aufhören und mit ihnen die Belastung der Güter und die Hutungsrechte … Gemeindeäcker, Wiesen und Forsten sollen an die Gemeinden zurückgegeben werden … Jagd und Fischerei frei sein.« Allen auf die 12 Artikel gegründeten Forderungen war das Örtliche und Persönliche in reichem Maße beigemischt.
Das Thun und Treiben der Bauern stand in vollem Widerspruche zu ihren Erklärungen von Gehorsam, Gesetzlichkeit und Willigkeit, sich eines besseren belehren zu lassen. Lärmen, Toben, Saufen, Fressen, Unbotmäßigkeit, Plündern, Rauben, Verwüsten, Sengen und Brennen: das waren ihre Heldenthaten.
Lehmannerzählt von einem Sturme, der für Abergläubische als Anzeichen des Bauernkrieges galt. Ein Anzeichen war es, als am 15. Februar1525des Nachts das mit Riegeln, Ketten und Schlössern stark verwahrte Schloßthor in Joachimsthal von einem fast unnatürlich gewaltsamen Winde aufgestoßen und geöffnet wurde. Es wurde so getrennt, daß das Hinterteil des mittleren Riegels samt dem starken Thornagel und der eisernen Feder geborsten und das Vorlegeschloß samt dem Kloben, der das Thor mit einer starken eisernen Kette über dem Thorriegel geschränkt, eine Stube weit davon auf dem Schloßplatze verschlossen gelegen. Dieser ungemeine Sturm hat den damaligen Bauernkrieg nach sich gezogen.
Als derSchmalkaldische Bundsiegreich gegenKaiser Karl V.zog, fielHerzog Moritzin das Kurfürstentum Sachsen ein. Da trennte sich am 23. November 1546Kurfürst Johann Friedrichvon seinen Bundesgenossen, um sein eigenes Land wiederzuerobern. Nachdem er Leipzig vom 9. bis 27. Januar 1547 vergeblich belagert hatte, zog er mit seinem Hauptheere in die Gegend von Borna und Altenburg. Von da aus entsendete er einzelne Truppenabteilungen gegen die vonMoritzbesetzten Landesteile und Städte, sowohl des herzoglichen als aus kurfürstlichen Gebietes. Es gewannen Mitte Mai seine Heerhaufen die BergstädteAnnaberg,Marienbergund einige andere Orte dieser Gegend und drangen bisJoachimsthalvor.
In dem Schmalkaldischen Kriege scheint die StadtGeyerdurch ihre Doppelstellung zu dem albertinischen und ernestinischen Hause, die auch in betreff des Bergbaues Schwierigkeiten machte, wenigstens auf kurze Zeit in eine gefährliche Lage gekommen zu sein. Der KurfürstJohann Friedrichwar im Anfang März 1547 mit seinem Heere gegen Rochlitz aufgebrochen und hatte hier den MarkgrafenAlbrecht von Brandenburg-Kulmbach, damals des Herzogs Moritz Verbündeten, in einem Treffen geschlagen. WährendMoritzundAugustauf Dresden zurückgingen, wandte sich der Kurfürst gegen das erzgebirgische Oberland und nahm hier eine Stadt nach der andern, ohne aber seine glücklichen Erfolge thatkräftig genug auszubeuten. In dieser für das albertinische Haus gefahrvollen Zeit schrieb am 29. MärzKatharina, die Witwe des Herzogs Heinrich, die sich gleichfalls nach Dresden geflüchtet hatte, an ihre erzgebirgischen StädteGeyer,Ehrenfriedersdorf,Wolkensteinund warnte dieselben ernstlich, daß sie sich nicht wider ihre LandesherrenMoritzundAugustdurch den KurfürstenJohann Friedrichgebrauchen lassen sollten, von dessen Kriegsvolk sie vor etlichen Tagen überzogen worden seien.
NachDr.Spieß undDr.Falke.
Daß sich dieser Krieg, dessen Fäden beim Ausbruch in der Hauptsache nach Süddeutschland führten, im weiteren Verlaufe nach Sachsen spielen und dort zur Entscheidung kommen würde, hatte wohl niemand, die beteiligten Führer nicht ausgenommen, geahnt. Auch unser Erzgebirge mußte manche Sturzwelle desselben über sich ergehen sehen. Ganz besonders hatte die Stadt Zwickau zu leiden. Diese galt in der damaligen Zeit für eine ziemlich bedeutende Festung und wurde als Schlüssel zum Vogtland und zur böhmischen Grenze angesehen. Ihre Bürger waren gut kurfürstlich gesinnt. Ferdinand von Böhmen, derBruder des Kaisers, sollte zunächst die böhmischen Lehen des Kurfürsten Johann Friedrich einnehmen und dann dem kaiserlichen Bundesgenossen Herzog Moritz von Sachsen bei der Einnahme Zwickaus Hilfe leisten. Die Zwickauer hatten schon im Sommer ihre Stadt gerüstet; durch den kurfürstlichen Obristen Thumshirn waren Adelige, Bürger und Bauern der Gegend gemustert worden. Die großen Geschütze der Stadt wurden auf dem Anger vor der Stadtmauer versucht. Der Kurfürst schickte den Zwickauern 1000 Scheffel Korn zur Versorgung für eine voraussichtliche Belagerung. Die Besatzung bestand aus 7 Fähnlein Knechten, die sich aus einem Fähnlein wirklichem Kriegsvolk und 6 Fähnlein Bauern zusammensetzten. Die wohlgerüsteten Bürger sahen kampfesmutig der Gefahr entgegen. Herzog Johann Wilhelm, der Sohn des Kurfürsten, wurde um Hilfe angegangen, leider vergeblich. Er tröstete die Bittenden in einem Schreiben mit den Worten, Gott werde den boshaften Anschlägen wehren. Unterdessen zeigten sich die ersten Feinde im Erzgebirge. Die Bergwerke von Platten und Gottesgab wurden durch wilde Horden böhmischen Kriegsvolkes heimgesucht. Am 23. Oktober 1546 tauchten dort die gefürchteten und berüchtigten Husaren, vom Volke Hussern genannt, auf. Schrecken ging ihrem Erscheinen voraus, Schrecken verbreiteten sie allenthalben, wo sie sich zeigten. Es waren aber zumeist kroatische, walachische und polnische Grenzer. Leicht und ungerüstet saßen sie zu Roß, nur mit Spieß und Tartsche, einem kleinen Schilde, bewaffnet. Dem deutschen Landsknechte war nach Schilderungen der damaligen Zeit dieses wüste Raubgesindel in seinen viehischen Gelüsten über. Wie mögen die armen Gebirgler unter solchen Barbaren gelitten haben! Von diesen aus dem Gebirge anrückenden Truppen Ferdinands erging die erste Aufforderung an die Zwickauer, sich zu ergeben, wurde aber abgewiesen. Da nahte Herzog Moritz. Er hatte Dresden mit nur wenigen Reitern verlassen und eilte nach Annaberg. Dorthin rief er seine 9 Fähnlein Fußvolk, die während des Sommers in Chemnitz Quartier genommen hatten. Auf dem Zuge nach Lößnitz verstärkten sich diese so, daß Moritz vor Zwickau mit 12 Fähnlein Knechten und 600 Reitern ankam. Dort gedachte er sich mit den Böhmen zu vereinigen, die über Eger in das Vogtland eingefallen waren und dort unterdessen greulich hausten. Am 2. November ließ Moritz die Zwickauer zur Ergebung auffordern. Die Besatzung befand sich in verzweifelter Lage. Bei Adorf waren bereits sechs Stück der Stadt Zwickau gehörige Büchsen unter dem Hauptmann Erhard Zölchner verloren gegangen. Moritz stand wohlgerüstet vor den Thoren, und die Böhmen und Hussern rückten aus dem Vogtlande an. Der Kurfürst schickte Trostbriefe, aber die ersehnte Hilfe blieb aus. Dennoch dachten die Bürger nicht an Unterwerfung. Die Stadt wurde gegen ihren Willen durch die Befehlshaber Dolzig und Planitz übergeben. Am 6. November überreichte eine Abordnung von Ratsherren die Schlüssel der Stadt an Moritz, am 8. leisteten ihm die Bürger auf dem Kaufhause die Zwangshuldigung. Die Bauern verließen die Stadt, die kurfürstliche Besatzung erhielt dem Vertrage gemäß freien Abzug, sie rückte mit fliegenden Fahnen nach Wittenberg.
Moritz zog am andern Tage über Altenburg in nördlicher Richtung weiter, auf seinem Zuge die Zwangshuldigung der Werdauer und Crimmitschauer empfangend. Für die Bergstädte trat nun in gewissem Sinne Ruhe ein, abgesehen von den Reibungen, die fortgesetzt zwischen der evangelischen Bevölkerung und der katholischen Besatzung stattfanden; die Städte des Herzogs Moritz machten hierin keine Ausnahme, weil der Herzog allgemein als Judas an der guten lutherischen Sache angesehen wurde.
Unterdessen war der Kurfürst aus Süddeutschland über Naumburg, Jena, Weimar, Langensalza und Halle gekommen und hatte im Sturme seine verlorenen Städte wiedergenommen. Moritz geriet in Not. Seine einzige Hoffnung beruhte auf den festen Punkten Leipzig, Dresden, Freiberg und Zwickau, welche er noch in den Händen hatte. Aber von Zwickau trafen täglich Nachrichten ein, wie der gemeine Mann gegen die Besatzung »ganz seltsam und aufwägig« sei und durchaus dem alten Herrn anhinge. Der Annaberger Stadthauptmann schickte einige hundert Knechte für Moritz nach Zwickau, die Zwickauer weigerten sich, diese einzulassen. Der Stadtoberst Wolf von Ende sandte eine Klage über die andere an Moritz, bis dieser selbst in der Nacht zum 15. Januar 1547 über Freiberg und Chemnitz in Zwickau ankam.
Er besichtigte die Befestigungen, legte noch ein Fähnlein Hakenschützen und ein Geschwader Reiter in die Stadt und zwang die Bürger, ihm und dem Böhmenkönig noch einmal zu huldigen. Da traf die Nachricht ein, der Kurfürst, welcher 21 Tage vor Leipzig gelegen hatte, wolle in das Gebirge rücken. In seiner Bedrängnis befahl Moritz, das Landvolk solle sich in Dresden, Annaberg und Freiberg in seiner besten Wehr sammeln und für einen Monat Versorgung mitbringen. Die Gebirgler waren zumeist durch die Geistlichen gegen Moritz gestimmt und stellten sich nur in geringer Zahl. Anfang Februar waren 5 Fähnlein böhmischer Knechte nach Freiberg gekommen, um nach kurzer Rast weiterzuziehen, blieben aber liegen, weil sie ihren Sold, den die Offiziere in Dresden verspielt hatten, nicht bekamen. Natürlich mußten darunter die Freiberger bitter leiden. Zwischen den Berghäuern und Soldknechten kam es dort zu Thätlichkeiten, die selten unblutig abliefen. Als wenige Wochen darauf die Freiberger Besatzung gemustert wurde, waren nicht weniger als 150 Knechte entlaufen.
Schrecklich war es während dieser Zeit den Zwickauern ergangen. Dort war der Markgraf Albrecht von Brandenburg-Culmbach zur Sicherung der von den Bürgern bedrohten Besatzung eingerückt. Als er aber am 31. Januar nach Chemnitz beordert wurde, ließ er ohne weiteres die Bürger aus der Stadt ausweisen. Nur die zur Arbeit nötigen wurden zurückbehalten. Die Bürgerschaft zog an diesem Tage unter entsetzlichem Jammer der Weiber und Kinder bei großer Kälte aus der Heimat in die Nachbarstadt Schneeberg. In Zwickau wurde zum Zeichen des Kriegsregiments auf dem Markte der Galgen aufgerichtet. Die Vorstädte und 18 Dörfer der Umgegend legte die Besatzung in Asche. Die Plünderung war allgemein. Als Gegenstück, angeblich aus Rache gegen den Zwickauer Befehlshaber Wolf von Ende, Besitzer von Rochsburg, ließ der Kurfürst Rochsburg verbrennen und die Höfe von Kriebstein ausbrennen. Furchtbar litt das arme Sachsenland unter dem Vetternkriege, der sich immer mehr zu Ungunsten des Herzogs neigte. Dieser zog sich deshalb nach Freiberg zurück, um im Falle einer Niederlage Dresden oder Böhmen nahe zu sein. Ja, selbst in Freiberg fühlte er sich nicht sicher; er lebte in beständiger Furcht, daß ihm die Wege nach Böhmen versperrt werden könnten. Am 8. März wurde Chemnitz durch eine kurfürstliche Abteilung zur Übergabe aufgefordert, die Chemnitzer gaben gar keine Antwort und blieben vorläufig unbehelligt. Im Erzgebirge aber wurde der kurfürstliche Obrist Thumshirn, welcher von einem Streifzuge aus Franken her anrückte, mit offenen Armen aufgenommen.
Die Annaberger empfingen ihn mit Freude, die Wolkensteiner und Marienberger ergaben sich auf bloße Aufforderung. Die Ratsherren dieser Städte waren zwar gegen sofortige Ergebung, allein das Volk, das Moritz als Verräteransah, riß die Gewalt an sich. Oederan und Zschopau wurden am 27. und 28. März durch Thumshirn nach Annaberg zur Huldigung befohlen. Auch Joachimsthal nahm dieser ein und veranlaßte dadurch den Aufstand in Böhmen gegen Kaiser und König, der dort schon lange gärte. Wäre Thumshirn in der eingeschlagenen Richtung weiter vorgerückt, so hätte er Ferdinand und Moritz, die mit ihren Truppen von Freiberg über Lauenstein nach Teplitz und Brüx zogen, um sich in Eger mit dem Kaiser zu vereinigen, den Weg abschneiden können. Moritz selbst war als letzter aus Freiberg am 24. März abgezogen, um den üblen Eindruck seines fluchtartigen Aufbruchs zu verwischen. Sein Zug ging über Frauenstein, Sayda und Klostergrab nach Brüx. Thumshirn aber benutzte seinen Vorteil nicht, sondern plünderte das herzogliche Schloß zu Marienberg und zog weiter brandschatzend durch das sächsische Erzgebirge. Am 3. April fiel Chemnitz, am 8. Freiberg und das Amt Schellenberg bei Chemnitz.
Trotz dieser Erfolge zog sich das Verderben dunkel und drohend über die Kurfürstlichen zusammen. Lange hatte der Kaiser gezögert, ob er sich um seiner Krankheit willen pflegen oder ins Feld ziehen solle. Da verbreitete sich plötzlich die Nachricht, daß der Zug nach Sachsen beschlossen sei. In Eger war noch in Gegenwart des Kaisers das Osterfest feierlich begangen worden. Am 10. April rückte Herzog Moritz, dem das ganze kaiserliche Heer folgte, mit einem Vortrab im Vogtlande ein. Am 16. April unternahm der Obrist Kruda mit 800 Reitern, einigem Fußvolk und Geschütz einen Ausfall von Zwickau nach Schneeberg, das sich nach kurzer Gegenwehr ergab, worauf der Obrist das Ratskollegium und die höheren Bergbeamten mit fortschleppte und erst nach Erlegung einer Summe von 500 Gulden wieder losgab. Am 16. April war der Kaiser selbst in Werdau. Das nachbarliche Zwickau vermied er absichtlich, weil dort eine fürchterliche Seuche wütete. – Der weitere Verlauf des schmalkaldischen Krieges bis zu dem Unglückstage auf der Lochauer Haide bei Mühlberg an der Elbe ist allenthalben bekannt. Als die aufrührerischen Böhmen von der Niederlage des Kurfürsten hörten, unterwarfen sie sich kläglich und ließen Thumshirn mit seinen 4000 Fußknechten und 600 Reitern im Erzgebirge im Stich. Moritz beeilte sich nun, diesem Rest der kurfürstlichen Truppen die Erzgebirgspässe zu verlegen. Es gelang ihm nicht. Thumshirn brach durch und vereinigte sich mit des Kaisers Feinden. Bald ertönten die Friedensglocken auch im Erzgebirge, aber der ersehnte Frieden mochte nicht kommen. Lange noch raubten und plünderten die unbezahlten Söldnerscharen im armen, unglücklichen Lande.
Obgleich nun am 24. April schon der Kurfürst Johann Friedrich auf der Lochauer Haide Schlacht und Kurhut verloren hatte, so schwärmten doch noch später kurfürstliche Truppen unter dem bekannten Obersten von Thumshirn hier im Gebirge umher. Es war, wie es scheint, die Kunde von des Kurfürsten Mißgeschick sogar da noch nicht bis hierher gedrungen, als an einem schönen Frühlingstag, Sonntag Jubilate am 1. Mai um 10 Uhr vormittags, eine stattliche Reiterschar von Zwickau her durch die Zwickauer Gasse nach der sogenannten Fürstengasse, dem heutigen Fürstenplatz in Schneeberg, hereingetrabt kam. Es waren vornehme Kavaliere, unter ihnen ein Kaspar von Stadion, also wohl ein Württemberger. Die Schneeberger aber, die etwa bei der Hand waren, um die glänzenden Reiter anzustaunen, mögen thatsächlich wohl Mund und Nase aufgesperrt haben, denn von den lauten Reden, die die Herrenwechselten, als sie sich vor Wenzel Gassauers Gasthof – dem späteren Fürstenhaus, einem Gebäude, das wechselvolle Schicksale gehabt – von den Rossen schwangen, haben die Zuschauer wenig verstanden, da hauptsächlich Spanier und Italiener sich darunter befanden. Vielleicht ist einer von den Bergleuten, die in der Umgegend wohnten, dann später den Leuten des Thumshirn in die Hände gelaufen, oder es hat ein treuer Anhänger des Kurfürsten – und das scheint bei der damals in den Bergstädten vorhandenen Gesinnung gegenüber den katholischen Hilfstruppen des Herzogs Moritz wahrscheinlicher – Botschaft hinüber in die Annaberger Gegend, wo die kurfürstlichen Völker streiften, gesendet. Fast möchte man der Zeit nach freilich glauben, daß diese schon nach unserer Gegend her unterwegs waren, denn gerade als die 28 kaiserlichen Offiziere unter fröhlichem Scherzen und Lachen beim stattlichen Mahle waren, »etwan nach Mittags um 1 Uhr« heißt es in der Chronik, da kam ein starker Haufe der Thumshirnschen Reiter zum Hartensteiner Thor herein. Sie mögen wohl durch Nebengassen heranschleichend das Haus umstellt haben, einen Warner für die Schmausenden hat es aber nicht gegeben, denn urplötzlich brach das Verhängnis über sie herein. Kaum hatten sie Zeit, nach der Wehr zu eilen, ein fürchterliches Getöse entstand. Die Überraschten und vom Wein vielleicht schon etwas Bemeisterten vermochten nichts gegen die Übermacht. Ob sie sich auch tapfer zur Wehr setzten, einige auch die Thür gewannen und die Treppe hinab mit wuchtigen Hieben sich Bahn brachen, die Gegner waren zu stark, hier und da brach einer blutend zusammen, zwölf wurden ihrer niedergemacht und einer, der sich auf die Oberstube des Nebenhauses gerettet, dort zum Fenster heruntergestürzt; die übrigen gaben sich gefangen.
NachDr.Jakobi.
Schon im Jahre 1613, als die in Böhmen ausgebrochenen Religionsstreitigkeiten und Unruhen immer bedenklicher wurden, errichteteKurfürst Johann Georg I.von Sachsen für sein ganzes Land, um dasselbe möglichst wehr- und kriegsfähig zu machen, ein sogenanntesVerteidigungswerk, d. h. eine Art von Land- und Bürgerwehr, wozu durch besondere Ausmusterungen die kriegstüchtigen Männer aus den Städten und Dörfern ausgehoben und in besondere Haufen gebracht wurden.
So bestand dasFreibergerVerteidigungswerk aus der Mannschaft, die nicht allein aus der Stadt und dem Amtsbezirke, sondern auch aus demWolkensteiner,GrünhainerundTharandterAmte genommen war und zusammen 520 Mann ausmachte. Diese Mannschaften mußten von den betreffenden Städten mit den nötigen Waffen und den vorgeschriebenen Ausrüstungsstücken, nämlich grauen Röcken mit roten Aufschlägen, roten Tuchstrümpfen und schwarzen Hüten versehen werden. Zum Unterhalte dieser Verteidiger wurde im ganzen Lande eine Steuer ausgeschrieben, wozu jede Stadt nach Verhältnis beizutragen hatte. DieMarienbergerStadtgeschichte berichtet, daß von diesem Orte allein im Jahre 1631 nicht weniger als 513 Gld 9 Gr 2 Pf Angeld und 43 Scheffel 9½ Metze Hafer an das AmtAugustusburgabgegeben werden mußten. Im genannten Jahre, wo die Kriegsunruhen die sächsischen Grenzen bereits aufs schlimmste bedrohten, wurden von den erwähnten Verteidigern viele an die sächsisch-böhmische Grenze geschickt, um da in Gemeinschaft mit den gebirgischen Bewohnern alle Pässe zu verhauen oderwenigstens zu bewachen und das Eindringen von feindlichen Streifhorden aus Böhmen zu verhindern.
Nach Donat-Holzhaus.
Kaum hatten sich die unglücklichen BürgerAnnabergsvon den Schäden des großen Brandes 1604 notdürftig erholt, da hatten sie um die gerettete Habe wegen des in Böhmen 1618 ausgebrochenen Dreißigjährigen Krieges zu fürchten. Von 1622 an suchten verschiedene böhmische Protestanten in Annabergs Mauern eine Freistatt ihres bedrückten und verfolgten Glaubens. Dieser Zuzug steigerte sich wesentlich 1625–26. Namentlich viele Edelleute waren es, die sich hier niederließen. Zu ihnen gehörteSidonie von Hassenstein. Das gewöhnliche Volk bezog die Dörfer oder gründete neue Ansiedelungen. So ließen sich in damaliger Zeit eine Anzahl Flüchtiger inCranzahl,Bärenstein,Stahlbergund anderen Orten nieder. Aus einem Dorfe bei Elbogen hinter Karlsbad flüchtete ein vertriebener Bauer, Barthel Leibelt, in dieCranzahlerRichterschmiede. Bei dem glaubensfrischen Steiger Christian Päßler inStahlberg, der an seiner Kirche sein Paradies gehabt hat, ließen sich sehr viele nieder und bauten sich an. Wie groß die Glaubenstreue gewesen ist, ersieht man daraus, daß Georg Wagner, Richter amWeipert, 1643 als Apostata oder Abtrünniger erwähnt ist. Insbesondere mußten auch die Geistlichen, inJoachimsthalsogar 3, katholischen Priestern und Mönchen weichen. Der Weiperter Pfarrer vermochte sich bis 1625 zu halten. Als er da der Macht wich, zog er nachCranzahl. Seine Gemeinde ging mit ihm hier zur Kirche. Erwähnt sei noch, daß 1620 Michael Mahn und Joachim Petzelt vonCranzahlin Böhmen von Kriegsleuten angegriffen und ums Leben gebracht worden sind. Ihnen wurden wenigstens in Cranzahl Leichenreden gehalten.
NachP.Schultze und Finck.
Im Jahre 1629 wurde am 6. März zu Annaberg dasRestitutionsedikt, das die Herausgabe sämtlicher Kirchengüter forderte, veröffentlicht. Bis zum Jahre 1629 hatte man im Erzgebirge von dem großen Kriege in den deutschen Landen nur wenig bemerkt. Einige Durchmärsche der Kaiserlichen über das Gebirge brachten nur vorübergehende Unzuträglichkeiten. 1630 feierte man in allen protestantischen Kirchen das Jubeljahr der Übergabe desAugsburgischen Bekenntnisses. Die entscheidende Wendung brachte das Jahr 1631, nachGustav AdolfsSieg beiBreitenfeldam 7. September. KurfürstJohann Georg I.ließ nun Truppen werben. Die Erzgebirgspässe wurden besetzt. Der alteSlavenpaß, der überWeipertundKomotauin das Egerthal führt, bildete nun in dem wechselvollen Kriege eine viel benutzte Heerstraße. »Das gute Gebirge mußte alle Parteien von Freund und Feind erdulden, sie speisen, auslösen, fördern und hausen lassen.«
Meltzererzählt in seiner Stadtgeschichte Schneebergs von Wunderzeichen am Himmel, welche den Krieg anzeigten. Am 25. Januar oder Pauli Bekehrungstage 1630 hat man überall im Gebirge ein Feuer- und Wunderzeichen am Himmel gesehen, als wenn unterschiedene Kriegstruppen miteinander im Gefechte wären. Dergleichen hat man gehöret, als wenn Musketen losgingen, zur Begrüßung geschossen würde. Dies haben unzählige Personen mit Verwunderung und Schrecken beobachtet, aber auch mit seiner Bedeutung in erfolgten feindlichen Einfällen und Kriegsbewegungen erkannt.
Nach Meltzer u. a.
Drei Hauptpässe, erzähltChr. Lehmannin seinem »Schauplatze«, gehen über dieses Gebirge nach Böhmen, nämlich derRittersgrüner,PreßnitzerundReitzenhainer. DerRittersgrünerliegt in einer festen Enge, daß man den ganzen Grund mit einer Schanze sperren konnte, und hat Holck viel Mühe und Beschwerden gekostet, ehe er durch das enge und morastige Waldgebirge hat brechen können. Der Preßnitzer geht überKühberg,Paßbergund ist ein gut Stück gebrücket. Die 10 Minuten langen Schanzen amBlechhammersind noch jetzt zu erkennen. DerReitzenhainergeht überStollberg,ZschopauundMarienberghin, liegt mitten im Walde eine halbe Meile vonPaßbergund hat der reisenden Leute halber einen Gasthof.
Durch diese Pässe haben die Gebirger im Dreißigjährigen Kriege großen Schaden erlitten. Diese Waldpässe wurden im Jahre 1631 im September weit und breit verhauen, viel tausend Bäume gefället, daß sie meist mannshoch übereinander lagen, weder Roß noch Wagen durch konnten und Korn, Malz und Mehl, alles herübergetragen oder geschleppt und kümmerlich durchgezogen werden mußte.
Vor demReitzenhainer Paßwar eine böhmische Schanze und ein Vorratshaus von Böhmen besetzt, welche der sächsischeOberst Taubemit 1500 Mann zerstörte. An demPreßnitzer Paßhatte man zwei Schanzen angelegt. Die eine war nahe anWeipertam Grenzwasser beim Gasthofe. Man hatte den Hof und das Haus mit hohen Pfählen verschanzt, Schießlöcher durch die Ställe gemacht und den hohlen Weg zum Laufgraben gebraucht. Das Wachhaus war mit Pfählen hoch verschanzt und darüber eine kleine viereckige Schanze. Diesen Paß besetzte der aufPreßnitzliegendeHauptmann Krebsmit 50 Musketieren, setzte die nächsten Dörfer umher in Kriegskosten, gab Schutzwachen aus nachCrottendorf,Sehma,Cranzahl.
Ehe diese Pässe verhauen wurden, mußten die Gebirger vier Wochen lang in großer Anzahl davorliegen. DieWolkensteinerbewachten den Paß vonReitzenhainundKriegwald, dieAnnabergerundGrünhainerdenPreßnitzer, das AmtSchwarzenbergden Paß beiWiesenthalundRittersgrün.
Vor alters hatte man vonFreibergdie Pässe vonFrauenstein,Reitzenhain,Preßnitz. Durch diese sehr wilden und engen Pässe ist man nachHalle,Leipzigund demHarzegefahren und zwar nicht ohne große Mühe und Gefahr wegen des Morastes, des tiefen Schnees und der Räuber. Sie sind aber auf viertel, halbe und dreiviertel Meilen gebessert und gebrücket, auch darum mit Zöllen und Geleitgeldern beleget worden. Überdies findet man auch richtige Wege zur Jägerei und Anführung der Zeugwagen. BeiJoachimsthalließGeneral Holckeinen neuen Weg durch Aufhauung des Waldes räumen.