Der vierzehnte Brief

d. 28. Aug. Guten Morgen Gustgen! Wie ich aus dem Bette steige guten Morgen. Ein herrlich schöner Tag aber kühl. Die Sonne liegt schon auf meinen Wiesen! — Der Thau schwebt noch über dem Fluss. Lieber Engel warum müssen wir so fern von einander seyn. Ich will hinüber ans Wasser gehn und sehn ob ich ein Paar Enten schiesen kann.

Gegen 12. Ich verspätete mich auf der Jagt. Erwischte eine Ente. Kam drauf gleich in das Getreibe des Tags und bin nun ganz zerstreut. Adieu indess.

Nachmittag 4. Ich erwarte Wiel[an]ds Frau und Kinder. Habe heut viel an dich gedacht.

Abends 7. Sie gehn eben von mir weg! — Und nun nichts mehr. — Gott sey Danck ein Tag an dem ich gar nicht gedacht, an dem ich mich blos den sinnligen Eindrücken überlassen habe. Nun Adieu für heut bestens.

d. 30. Es geht mir wie dir Gustgen, ich hab auch was auf dem Herzen, also heraus damit.

Von Friz hab ich noch keinen Brief. Der Herzog glaubt nocher komme, und man fragt nach ihm und ich kann nichts sagen. Lieb Gustgen mir ist lieber für Frizzen dass er in ein würckendes Leben kommt, als dass er sich hier in Cammerherrlichkeit abgetrieben hätte. Aber Gustgen — er nimmt im Frühjahr den Antrag des Herzogs an, wird öffentlich erklärt, in allen unsern Etats steht sein Nahme, er bittet sich noch aus den Sommer bey seinen Geschwistern zu seyn, man lässt ihm alles, und nun kommt er nicht. Ich weis auch dass Dinge ein Geheimniss bleiben müssen — Aber — Gustgen ich habe noch was auf dem Herzen das ich nicht sagen kann — — — — Und die, die man so behandelt, ist Carl August Herzog zu Sachsen, und dein Goethe Gustgen. Lass mich das iezt begraben, wir wollen dran wegstreichen. Adieu Engel ich muss den Brief schliessen. Ich mach einekleine Reisesonst kriegst du ihn wieder lang nicht.

G.

Danck Gustgen dass du aus deiner Ruhe mir in die Unruhe des Lebens einen Laut herüber gegeben hast.

Alles geben Götter die unendlichenIhren Lieblingen ganzAlle Freuden die unendlichenAlle Schmerzen die unendlichen ganz.

Alles geben Götter die unendlichenIhren Lieblingen ganzAlle Freuden die unendlichenAlle Schmerzen die unendlichen ganz.

Alles geben Götter die unendlichenIhren Lieblingen ganzAlle Freuden die unendlichenAlle Schmerzen die unendlichen ganz.

Alles geben Götter die unendlichen

Ihren Lieblingen ganz

Alle Freuden die unendlichen

Alle Schmerzen die unendlichen ganz.

So sang ich neulich als ich tief in einer herrlichen Mondnacht aus dem Flusse stieg der vor meinem Garten durch die Wiesen fliest; und das bewahrheitet sich täglich an mir. Ich muss das Glück für meine Liebste erkennen, dafür schiert sie mich auch wieder wie ein geliebtes Weib. DenTodt meiner Schwesterwirst du wissen. Mir geht in allem alles erwünscht, und leide allein um andre. Leb wohl grüseHenrietten! Ist das noch eine eurer Schwestern? oderChristelsFrau? zwar sie hat der Brüder Handschrifft! Wenn ich einmal wieder ans Schreiben komme, will ich ia wol sehn ob ich dadrüber was sagen kan was sie will. Grüse die Brüder und behaltet mich lieb.

Weimar d. 17. Jul. 77.

Goethe.

Beste! heute nur ein Wort, und ein paar Lieder von mir, komponirt von einem liebenJungen, dem Fülle im Herzen ist. Hier auch ein Schattenriss von Klopstock. Die Lieder lassen Sie nicht abschreiben auch nicht die Melodien. Nächstens kriegen Sie mehr. Hier indess eine Grabschrifft.

Ich war ein Knabe warm und gutAls Jüngling hatt ich frisches BlutVersprach einst einen MannGelitten hab ich u. geliebtUnd liege nieder ohnbetrübtDa ich nicht weiter kann.

Ich war ein Knabe warm und gutAls Jüngling hatt ich frisches BlutVersprach einst einen MannGelitten hab ich u. geliebtUnd liege nieder ohnbetrübtDa ich nicht weiter kann.

Ich war ein Knabe warm und gutAls Jüngling hatt ich frisches BlutVersprach einst einen MannGelitten hab ich u. geliebtUnd liege nieder ohnbetrübtDa ich nicht weiter kann.

Ich war ein Knabe warm und gut

Als Jüngling hatt ich frisches Blut

Versprach einst einen Mann

Gelitten hab ich u. geliebt

Und liege nieder ohnbetrübt

Da ich nicht weiter kann.

den 17. Merz 78.

G.

Für ihr Andencken liebes Gustgen danck ich Ihnen recht herzlich. Die kleine guteSchardtwill ein Zettelgen von mir, sieist in meinem Garten mit mehr Gesellschafft an einem schönen schwülen Abend. Lange hab ich mir vorgesetzt Ihnen etwas zu schicken und zu sagen, es ist aber kein stockigerer Mensch in der Welt als ich wenn ich einmal ins stocken gerathe. Grüsen Sie die Brüder, schreiben mir wieder einmal von sich, und knüpfen Sie wenn Sie mögen den alten Faden wieder an, es ist ia dies sonst ein weiblich Geschäfft. Adieu. Den 3. Juny 1780.

G.

Ihr Brief meine Beste hat mich beschämt, und mich meine Nachlässigkeit verwünschen gemacht.

Zu Anfang des Jahrs redete ich mit derkleinen Schardtab, Ihnen ein Portefeuille zu mahlen und es zumGeburtstagzu schicken. Es stand lange gestickt in meiner Stube und ich konnte nicht dazu kommen, daß endlich der 15te verstrich. Wäre es fertig geworden so hätten Sie es den Tag drauf als Ihr Brief abgegangen war erhalten. Nun hat es Frau v. Stein gemahlt, ist aber auch nicht glücklich gewesen der Atlas floss, er war zu dünne, es ist eben kein Glück und Segen dabey.

Behalten Sie mich lieb, grüsen Sie die Brüder! alles Glück demneuen Paare! Ich bin wohl und noch immer in meinem Thale. Geniesen Sie des Lebens.

Weimar den 4. März 82.

Goethe.

B: d:15t:October 1822.

Würden Sie, wenn ich mich nicht nennte, die Züge der Vorzeit, die Stimme die Ihnen sonst willkommen war, wieder erkennen? nun ja ich bins — Auguste — die Schwester der so geliebten, soheiß beweinten, so vermißten BrüderStolberg. Könten doch diese aus der Wohnung ihrer Seeligkeit, vondortwo sie denschauen, an den siehier glaubten— könten doch diese, mit mir vereint, Sie bitten: »Lieber Lieber Goethe, suchen Sie den, der sich so gerne finden läßt, glauben Sie auch an den, an den wir unser Lebe lang glaubten« Die seelig Schauenden würden hinzu fügen, »den wir nun schauen«! und ich sage: »der das Leben meines Lebens ist, das Licht in meinen trüben Tagen, und uns allen dreyen, Weg, Wahrheit, und Leben, unser Herr, und unser Gott, war.« und nun, ich rede auch im Nahmen der Verklärten Brüder die so oft den Wunsch mit mir aussprachen: »Lieber Lieber Goethe, Freund unsrer Jugend! Genießen auch Sie das Glük, waß schon im irrdischen Leben uns zu Theil ward, Glaube, Liebe, Hofnung!« und die Vollendeten setzen hinzu: »Gewißheit, und ewiger seeliger Frieden harrt denn auch deiner hier« — Ich lebe zwar nur noch in Hofnung deßen waß zukünftig ist, aber in seeliger Hofnung die mir so zur Gewißheit geworden ist, daß ich Mühe habe, die unendliche Sehnsucht darnach zu stillen — Ich las in diesen Tagen wieder einmal alle Ihre Briefe nach —the Songs of other times— die Harfe von Selmaertönte — Sie waren der kleinen Stolberg sehr gut — und ich Ihnen auch so herzlich gut — das kan nicht untergehen — muß aber für die Ewigkeit bestehen — diese unsre Freundschaft — die Blüthe in unsrer Jugend, muß Früchtefür die Ewigkeit tragen, dachte ich oft — und so ergrif es mich beym Lesen Ihrer Briefe, und so nahm ich die Feder — Sie bitten mich einmal in Ihrem Briefe, »Sie zu retten« — nun maaße ich mir wahrlich nichts an, aber so ganz Einfältigen Sinns bitte ich Sie, retten Sie sich selbst. nicht wahr Ihre Bitte giebt mir dazu einiges Recht? — und ich bitte Sie immer, hören Sie in meinen Worten, die Stimme, meiner Brüder, die Sie so herzlich liebten — Ich habe denn meinen Wunsch, meinen dringenden Wunsch, ausgesprochen, den ich so oft wollte laut werden laßen: O ich bitte, ich flehe Sie Lieber Goethe! abzulaßen, von allem waß die Welt, Kleines, eitles, Irrdisches, und nicht gutes hat — Ihren Blik, und Ihr Herz zum Ewigen zu wenden — Ihnen ward viel gegeben, viel anvertraut. wie hat es mich oft geschmerzt, wenn ich in Ihren Schriften fand, wodurch Sie so leicht andern Schaden zu fügen — O machen Sie das gut, weil es noch Zeit ist — Bitten Sie um höhern Beystand, und er wird Ihnen, so wahr Gott ist, werden — Ich dachte oft, ich könte nicht ruhig sterben, wenn ich nicht mein Herz so gegen den Freund meiner Jugend, ausgeschüttet hätte — und ich denke ich schlafe ruhiger darum ein, wenn mein Stündlein schlägt — Die Jahre nicht nur, sondern viel früher haben, unsägliche Leiden, meine Haare schnee weiß gebleicht — aber nie wankte in mir das feste Vertrauen zu Gott, und die Liebe zu meinem Erlöser — bey allem waß mich traf, tönte es tief, und stark in meinem Innern: »Der Herr hat alles wohl gemacht!« Der Gott meiner Jugend, ist auch der Gott meines Alters — Als wir uns schrieben, war ich eins der glüklichsten Geschöpfe auf Erden, wie reich war ich! Früh durch die besten Eltern — Geliebt von den besten Geschwistern — später,das Geliebte Weibdes Mannes meines Herzens — Mutter der bestenKinder— Aber welcheTrübsale wurden mir zu Theil — der einzig von mir gebohrne Knabe — ein Kind von 4 Jahren, der die Wonne der Eltern, und der Stolz der Mutter war — ich sage nicht daß ich ihn verlohr — waß für ihn Gewinn war, sah mein Mutter-Herz nie als Verlust an — er gewann den Himmel, und nur mir ward der unsägliche Schmerz, zu Theil — und so konte ich selbst im heißen Schmerz, Gott danken und später —verlohr ich den Angebeteten Gatten— O dieß war noch ein ganz neuer, eigener, mit nichts zu vergleichender Schmerz — mir blieben noch die lieben Geschwister. Ach die herrlichen die unaussprechlich Geliebten Brüder!Ein Sturm riß den Jüngern hin— und zerstörte, die vorher noch Jugend volle Lebenskraft des Aeltern — durch diesen doppelten, so schnell auf einander folgenden Verlust, fühle ich mich, wie aufs neue verwaißt — Aber dennoch preise ich Gott — Ich finde sie ja alle wieder — Eltern, Geschwister, Freunde, Kinder, und den Geliebten Gatten — So gerne nähme ich auch die Hofnung mit mir hinüber, Sie Lieber Goethe, auch einst da kennen zu lernen — Noch Einmal bitte ich Sie — schlagen Sie es der nicht ab, die Sie einst Freundin, Schwester, nannten — Ich bete für Sie, daß Sie es ganz erfahren mögen, wie freundlich, und gütig der Herr ist, wie glüklich die auf Ihn trauen.

Bitte laßen Sie dieß unter uns bleiben — wollen Sie mir antworten? Ich mögte wißen wo Sie sind, waß Sie treiben. ich lebe meistens still auf dem Lande — meine liebe Enkelin, Tochter meines jüngsten Sohnes ist bey mir — sie ist 13 Jahr — meine Liebe, und meine Freude. Ich reiche Ihnen freundschaftlich meine Hand. Ihr Andenken ist nie in mir erloschen, und meine Theilnahme für Sie immer Lebendig geblieben — meine Wünsche für Ihr wahres Wohl, auch. Manches betrübte mich oft — Ich will so lange ich lebe, noch rechtfür Sie beten — mögten Sie sich doch darin noch recht mit mir vereinigen — Mein Erlöser ist ja auch der Ihrige, es ist auch in keinem andern Heil, und Seeligkeit zu finden. Ob Sie wohl noch an mich dachten? Bitte schreiben Sie ein paar Worte

an

Auguste Bernstorff-Stolberg.

Meineadresseist: inBordesholm

durch Hamburg.

d: 23 st:

Sie bitten mich in einem Ihrer Briefe, nachdem Sie lange geschwiegen hatten: »den Alten Faden wieder anzuspinnen, es sey dieß ja ohnehin ein Weibliches Geschäft.« Da ist er denn wieder angesponnen, und o! möge er sich denn nun biß in die Ewigkeit hineinspinnen! — So leben Sie denn wohl, und verkennen Sie meine Absicht nicht — Laßen Sie, ich bitte Sie, dieß ganz unter uns bleiben —

Von der frühsten, im Herzen wohlgekannten, mit Augen nie gesehenen theuren Freundin endlich wieder einmal Schriftzüge des traulichsten Andenkens zu erhalten, war mir höchst erfreulich-rührend; und doch zaudere ich unentschlossen, was zu erwidern seyn möchte. Lassen Sie mich im Allgemeinen bleiben, da von besondern Zuständen uns wechselseitig nichts bekannt ist.

Lange leben heißt gar vieles überleben, geliebte, gehaßte, gleichgültige Menschen, Königreiche, Hauptstädte, ja Wälderund Bäume, die wir jugendlich gesäet und gepflanzt. Wir überleben uns selbst und erkennen durchaus noch dankbar, wenn uns auch nur einige Gaben des Leibes und Geistes übrig bleiben. Alles diesem Vorübergehende lassen wir uns gefallen; bleibt uns nur das Ewige jeden Augenblick gegenwärtig, so leiden wir nicht an der vergänglichen Zeit.

Redlich habe ich es mein Lebelang mit mir und andern gemeint und bey allem irdischen Treiben immer auf's Höchste hingeblickt; Sie und die Ihrigen haben es auch gethan. Wirken wir also immerfort, so lang es Tag für uns ist; für andere wird auch eine Sonne scheinen, sie werden sich an ihr hervorthun und uns indessen ein helleres Licht erleuchten.

Und so bleiben wir wegen der Zukunft unbekümmert! In unseres Vaters Reiche sindviel Provinzen, und da er uns hier zu Lande ein so fröhliches Ansiedeln bereitete, so wird drüben gewiß auch für beyde gesorgt seyn; vielleicht gelingt alsdann, was uns bis jetzo abging, und angesichtlich kennen zu lernen und uns desto gründlicher zu lieben. Gedenken Sie mein in beruhigter Treue.

Vorstehendes war bald nach der Ankunft Ihres lieben Briefes geschrieben, allein ich wagte nicht, es wegzuschicken, denn mit einer ähnlichen Aeußerung hatte ich schon früher Ihren edlen, wackern Bruderwider Wissen und Willen verletzt. Nun aber, da ich von einertödtlichen Krankheitin's Leben wieder zurückkehre, soll das Blatt dennoch zu Ihnen, unmittelbar zu melden: daß der Allwaltende mir noch gönnt, das schöne Licht seiner Sonne zu schauen; möge der Tag Ihnen gleichfalls freundlich erscheinen und Sie meiner im Guten undLieben gedenken, wie ich nicht aufhöre, mich jener Zeiten zu erinnern, wo das noch vereint wirkte, was nachher sich trennte.

Möge sich in den Armen des allliebenden Vaters alles wieder zusammen finden.

wahrhaft anhänglich

Weimar den 17. Apr. 1823.

Goethe.

Der erste Brief.Adresse:Der theuern Ungenandten. Goethe weiß somit noch nicht, mit wem er es zu tun hat; siehe die Adresse des zweiten Briefes. Sein Schreiben hat er sicherlich durch die Brüder Stolberg befördert, durch deren Vermittlung er auch Gustchens anonymen Brief Mitte Januar erhalten haben wird. —Musste er Menschen machen nach seinem Bild: 1. Mos. 1, 26. —wenn wir Brüder finden: »Brüder« prägnant für das allgemeinere »Geschwister«; Goethe meint eben seine unbekannte Korrespondentin.

Der zweite Brief.Adresse:Der teuern Ungenannten. Doch geht aus dem letzten Absatz des Briefes hervor, daß dem Schreiber Namen und Aufenthaltsort Gustchens (durch deren Brüder?) bekannt geworden sind; der dritte Brief redet sie an »liebe Auguste«; siehe auch die Adresse des vierten. —einer niedlichen Blondine: Lili Schönemann (geb. 23. Juni 1758), die Tochter eines vermögenden Frankfurter Bankherrn, die Goethe zu Anfang des Jahres kennen gelernt hatte. Die Schilderung, die er hier von dem Gesellschaftstreiben im Hause der Geliebten entwirft, kehrt wieder im Gedichte »An Belinden« (»Warum ziehst du mich unwiderstehlich Ach, in jene Pracht?«): »Bin ich's noch, den du bei so viel Lichtern An dem Spieltisch hältst? Oft so unerträglichen Gesichtern Gegenüber stellst?« —dumpfe tiefe Gefühle: »dumpf« ein Lieblingswort des jungen Goethe zur Bezeichnung gefühlsschwerer, ahnungsvoller, unruhig treibender und schwellender Seelenstimmung. —Dramas: Claudine von Villa Bella, Erwin und Elmire (vgl. S.22), Stella (vgl. S.18,34), Faust (vgl. S.30).

Der dritte Brief.—Auf dem Land bey sehr lieben Menschen: in Offenbach oberhalb Frankfurts in der Familie des Komponisten Johann André (1741-1799), der, ursprünglich Seidenfabrikant, seit 1774 dort einen Musikverlag besaß; er hat Goethes »Erwin und Elmire« komponiert. Zu dem Offenbacher Kreise gehörte ferner der Kaufmann Jean George d'Orville, ein Onkel Lilis, mit seiner Gattin Jeanne Rahel, geb. Bernard, sodann der reformierte Pfarrer Joh. Ludw. Ewald (1747-1822), der sich späterhin, vom Rationalismus zu biblisch-positivem Glauben bekehrt, in einflußreichen geistlichen Stellungen als gefälliger, lebhafter, vielseitiger, aber allzu redseliger Vielschreiber, namentlichauf pädagogischem Gebiet im Sinne Pestalozzis, beträchtliche Verdienste um Bildung und Gesittung des Volkes erworben hat. Siehe S.30,31. —in Erwartung: Lilis, die etwa am 9. eingetroffen sein wird. —Heut ist der 6. März: nein! Goethe schreibt am 7., einem Dienstag, an dessen Morgen er nach Offenbach hinausgewandert war. —aufgewegt: veraltete Form statt »aufgeregt«, »erregt«. —an meine Schwester schreiben: Schwester Cornelia, seit 1. November 1773 mit Joh. Georg Schlosser vermählt, lebte seit Ende Juni 1774 in Emmendingen (Baden), wo ihr Gatte, zunächst vertretungsweise, dann (seit Juni 1775) als Oberamtmann, der Regierung der badischen Markgrafschaft Hochberg vorstand. —Lavaters Phisiognomischer Glaube: Joh. Kaspar Lavater (1741-1801), Diakonus in Zürich, seit 1775 Pfarrer an der Waisenhauskirche daselbst, Schriftsteller tiefster Empfindung und verstiegenen Ausdrucks, in wundergläubiger Christusschwärmerei und religiöser Überspannung befangen, begabt mit dem Zauber hinreißender persönlicher Liebenswürdigkeit und der Werbekraft enthusiastischer Überzeugung, suchte in seinen vierbändigen »Physiognomischen Fragmenten« dem Versuche, die Linien des Menschengesichtes für Erkennung des Charakters zu verwerten, wissenschaftliche Methode zu geben; Goethe, seit August 1773 mit ihm in Verbindung, hatte ihn hierin durch Zeichnungen und Silhouetten, namentlich aber auch durch Charakterschilderungen und Profildeutungen unterstützt. —schick ich Ihnen eins geschrieben: Stella (vgl. S.16). —Freu[den] und Kinder: die zweite Silbe des ersten Wortes hat Goethe beim Übergang von einer Zeile in die folgende irrtümlich ausgelassen: Freu-. Die Schrift ist nicht deutlich; »Frau-« oder »Frauen« steht jedenfallsnichtda. Wenige Zeilen weiter nennt Goethe seine Arbeiten die »aufbewahrten Freuden seines Lebens«. —seziren meines armen Werthers: Goethe denkt namentlich an die im Januar erschienene »Berichtigung der Geschichte des jungen Werthers« des früheren Juristen in Wetzlar, damaligen hannoverschen Gardeleutnants Karl Wilh. Frhr. v. Breidenbach (1751-1813). —Berliner ppp Hundezeug: die von dem Berliner Buchhändler und Aufklärungsschriftsteller Friedrich Nicolai (1733-1811) verfaßten »Freuden des jungen Werthers«, gleichfalls im Januar 1775 herausgekommen; in diesem geschickt geschriebenen Erzeugnis hausbackener Nüchternheit, das von Goethe zeitlebens eines besonderen Grimmes gewürdigt worden ist, wurden Werthers Pistolen »mit 'ner Blase vollBlut« geladen, das den Helden beim Schusse aufs schmählichste besudelt; »'s von 'em Huhn, das heute Abend mit Lotten verzehren solt«, tröstet ihn Albert, der ihm Lotten zu nicht immer erfreulich ausfallender Ehe abtritt. —die Kinder tollen: des Ehepaares André. —Paradiesgärtlein: des braunschweigisch-lüneburgischen Generalsuperintendenten Joh. Arndt in Celle (1555-1621) viel benutzte erbauliche Sammlung von Gebeten und Gebetliedern »Das Paradiesgärtlein voll christlicher Tugenden«. —Bergere: Sofa. —Stube: Goethes dreifenstriges, der Straße zugekehrtes Wohnzimmer im Dachgeschoß des väterlichen Hauses.

Der vierte Brief.Adresse:Augusten. —zu einem verdrüslichen Geschäfft: doch wohl seiner Anwaltspraxis. —beygehendes Zettelgen: ist verloren. —Ehlers: Martin Ehlers (1732-1800), damals Gymnasialrektor zu Altona, später Professor in Kiel, pädagogisch-philosophischer Schriftsteller; ein Brief an ihn ging am 14. April ab. —innigen Freundin: v. Oberg, Stiftsdame im Stifte Ütersen (unterhalb Altona unweit vom rechten Ufer der Elbe). —Fieber: zu Gustchens Krankheitsanfällen siehe noch S.34.

Der fünfte Brief.In der Zeit dieses Briefes (April) ist Goethes Verhältnis zu Lili durch die Einwilligung der beiderseitigen Familien zur förmlichen Verlobung gediehen. —Liedgen: die Arie Erwins »Ihr verblühet süße Rosen« aus »Erwin und Elmire« (vgl. S.16), für die Goethes Freund, der Frankfurter Komponist Philipp Kayser (1755-1823), eine Melodie des französischen Opernkomponisten A. E. Grétry (1741-1813) umgebildet hatte. —Ihre Brüder kommen: aufgefordert von ihrem Göttinger Studiengenossen, dem Baron Kurt v. Haugwitz, dem späteren Grafen und preußischen Minister (1752-1831), hatten sich die Grafen Christian und Friedrich Leopold zu einer Reise in die Schweiz entschlossen. Sie trafen etwa am 9. Mai in Frankfurt ein, wo sie von Haugwitz erwartet wurden. Gleich nach ihrer Ankunft erschien Goethe bei ihnen. Er erklärte sich alsbald bereit, die neuen Freunde auf ein großes Stück des geplanten Weges zu begleiten; er hoffte im Wechsel frischer Natureindrücke sein stürmendes Herz zu beruhigen und durch eine Trennung seine quälend-beseligenden Gefühle für Lili sich klären und entscheiden zu lassen. Am 14. Mai 1775 ward die Reise angetreten. —zweiten Band der Iris: die von dem Anakreontiker Joh. Georg Jacobi (1740-1814) in Düsseldorf herausgegebene Vierteljahrsschrift»Iris« enthielt in des zweiten Bandes erstem Stück (Januar 1775) das Gedicht »Kleine Blumen, kleine Blätter«, das »Maifest« (»Wie herrlich leuchtet«) und den »Neuen Amadis« (»Als ich noch ein Knabe war«), in des zweiten Bandes drittem Stück (März 1775) außer »Erwin und Elmire« die Gedichte: »An Belinden« (»Warum ziehst du mich unwiderstehlich«, vgl. S.50), »Neue Liebe, neues Leben« (»Herz, mein Herz, was soll das geben«), »Willkommen und Abschied« (»Es schlug das Herz, geschwind zu Pferde«).

Der sechste Brief.Ein unvollendeter Brief, der vielleicht mit dem siebenten, wenn nicht noch später abgeschickt worden ist. —Wie weit ists nun: Gustchen war von einer Reise nach Hamburg nach Kopenhagen zurückgekehrt. —wieder in Franckfurt: seit dem 22. Juli. Die Briefe, die Goethe von der Reise an Gustchen gerichtet haben wird, sind nicht überliefert. —in Zürch getrennt: etwa am 6. Juli. Die Stolberge setzten durch die Schweiz ihre Reise fort, die sie an den Comer und Genfer See führte. —im Wolckenbade: auf dem St. Gotthard. —Ich litt mit ihm: in Straßburg (am 25. Mai) hatte Fritz Stolberg die Nachricht erhalten, daß Sophie Hanbury, eine junge Engländerin in Hamburg, der er seine Liebe gewidmet, seine Neigung nicht erwidern könne: vgl. S. 25. —Gräfin Bernsdorf: Gustchens Schwester Henriette Friederike, die erste Gattin des hochverdienten dänischen Ministers Andreas Petrus Bernstorff (1735-1797), dem nach dem Tode der Schwester (1782) Gustchen dann selbst die Hand zur Ehe gereicht hat. —Zettelgen: gemeint ist nicht etwa eine Beilage, sondern der ganze sechste Brief.

Der siebente Brief.—Hier: in Offenbach, im Hause d'Orvilles, vor Lilis Schreibtisch. —der Brief liegt in der Stadt: jedenfalls Brief Nr.6(S.23), der dann gelegentlich mit dem Vermerk: »Hier ein altes verlohrnes Zettelgen« abgeschickt worden ist. —Ihm ist wohler: weil für ihn die Entscheidung gefallen (vgl. S. 23). —Schlacht bey Bergen: am 13. April 1759 zwischen Herzog Ferdinand von Braunschweig und den Franzosen unter Marschall Broglie; sie ward die Ursache des im dritten Buche von »Dichtung und Wahrheit« geschilderten Zusammenstoßes zwischen Goethes Vater und dem Königsleutnant Grafen Thoranc. —Pannier: Reifrock. —vier Heumans Kinder: die vier Genossen der Schweizer Reise, die gleich Rainald von Montalban und seinen drei Brüdern, den Helden der »Schönen Historie von denvier Haimonskindern, samt ihrem Roß Bayart« auf Abenteuer ausgezogen waren. Nach der Mutter der Haimonskinder hat Goethes Mutter den Namen »Frau Aja« erhalten. —stechen lassen: die Silhouetten Goethes, der Stolberge, des Barons v. Haugwitz finden sich in Lavaters »Physiognomischen Fragmenten«, im dritten Versuch (1777), auf der Kupfertafel zu S. 35. — Statt der Unterschrift ein Schnörkel.

Der achte Brief.—Schlang im Grase: nach dem Worte des Vergil:latet anguis in herba(Bucol. 3, 93). —Trompte: veraltet statt »Trompete«. —Ubalds Schild: in Tassos »Befreitem Jerusalem« erkennt Rinaldo, den die schöne Zauberin Armida in Liebe und Wohlleben gefesselt hält, in dem ihm vorgehaltenen demantenen Schilde des Ritters Ubaldo sein durch Tand und weibischen Putz entwürdigtes Wesen. —zwey Fürstinnen: vermutlich die verwitwete Markgräfin Sophie Karoline von Brandenburg-Bayreuth (geb. 1737) und die verwitwete Herzogin Charlotte Amalie von Sachsen-Meiningen (geb. 1730). —iunges Paar: Pfarrer Ewald (vgl. S.17) hatte sich am 10. September mit Rachel Gertrud du Fay, der Tochter eines Frankfurter Kaufmanns, vermählt. Zur Hochzeitfeier hatte Goethe das »Bundeslied« (»In allen guten Stunden«) gedichtet. —iunge Frau liegt auf dem Bette: Frau André, die am 6. Oktober einen Knaben (Joh. Anton) zur Welt brachte. —Verliebelte ... mit einem Mädgen: Lottchen Nagel, ein Mädchen anscheinend niederen Standes, in ärmlicher, kellerartiger Behausung wohnend, aber wohl durch Anmut, Ursprünglichkeit und urwüchsigen Geist den naturhungrigen Genossen der Frankfurter Geniezeit ein Gegenstand verliebter Bewunderung. Goethe hat sogar die Grafen Stolberg bei ihr eingeführt, an sie das Gedicht »An Lottchen« (»Mitten im Getümmel mancher Freuden«) gerichtet. —Ratte die Gift gefressen: Umschreibung des Liedes »Es war eine Ratt im Kellernest« in der Szene »Auerbachs Keller« des »Faust«. Aus dieser Übereinstimmung ist nicht zu schließen, daß die »Faust«-Szene, die Goethe am Morgen gedichtet, eben die Szene »Auerbachs Keller« gewesen sei. —war Lili hier: zum Hochzeitfeste Ewalds. —süsen Geschöpfe zu lieb: unbestimmbare Persönlichkeit; vgl. S.33. —Geist der reinheit: man gedenkt der Worte, die Goethe in sein Weimarer Tagebuch unterm 7. August 1779 eingeschrieben: »Möge die Idee des Reinen, die sich bis auf den Bissen erstreckt, den ich in Mund nehme, immer lichter in mir werden.«

Der neunte Brief.Unmittelbare Fortsetzung des achten, begonnen am 20. September. In den letzten Tagen des Septembers scheint sich das Verhältnis zu Lili endgültig gelöst zu haben. Lili hat sich 1778 mit dem Bankherrn Bernhard Friedrich v. Türckheim in Straßburg vermählt. Die Charakterstärke und Seelengröße, die sie später in den Stürmen der Französischen Revolution als Gattin und Mutter bewährt hat, zeigen, daß Goethe die Liebeskraft seines Dichterherzens an keine Unwürdige verschwendet hat. Sie ist 6. Mai 1817 gestorben. —Prinzen von Meinungen: Herzog August Friedrich Karl von Sachsen-Meiningen (1754-1782) und sein Bruder Georg Friedrich (1761-1803), die mit ihrer Mutter (vgl. S.28) in Frankfurt weilten. —ums Thor: um die Stadtmauer. —Manns von Geist: nicht bestimmbar. —tolles Zeug: vermutlich jenes Mißverständnis, das Goethe (mit irrtümlicher Festsetzung des Zeitpunktes?) im 20. Buch von »Dichtung und Wahrheit« erzählt. Am 11. Dezember 1774 hatte Goethe den Erbprinzen Carl August von Sachsen-Weimar und Eisenach (1757-1828) kennen gelernt. Am 3. September 1775 großjährig geworden und zur Regierung gelangt, weilte Herzog Carl August wiederum etwa 20.-22. September in Frankfurt, auf der Durchreise nach Karlsruhe, wo am 3. Oktober seine Vermählung mit der Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt (1757-1830) stattfand. Für den 22. September nun hatte Goethe eine Einladung zur Tafel von den Prinzen von Meiningen erhalten, glaubte jedoch, es handele sich um eine Einladung zu Carl August. Er suchte diesen auf, fand ihn bei den Prinzen von Meiningen, von denen sich Carl August zur Weiterfahrt verabschieden wollte, und verließ mit ihm die Prinzen nach kurzem Besuch, um dann selbst auf der Straße vom Herzog, der den Reisewagen bestieg, entlassen zu werden. —erwarte den Herzog v. Weimar: der mit seiner Gemahlin am 12. Oktober wiederum in Frankfurt eintraf. —nach Hamburg: Goethe wollte mit den Grafen Stolberg, die, von ihrer Schweizer Reise (vgl. S.23) zurückkehrend, ihn in Weimar abholen sollten, Klopstock und Gustchen besuchen. —Weimar: hier war er am 7. November angekommen. —erwarte deine Brüder: sie langten am 26. November in Weimar an und verließen es am 3. Dezember 1775, ohne Goethe, der, vom Herzog zurückgehalten, dann am 11. Juni 1776 aus einem Gaste des Herzogs als Geh. Legationsrat sein vertrauter Beamter geworden ist.

Der elfte Brief.—Kranck: die Nachricht von der schwerem ErkrankungGustchens im März 1776 hat Goethe vermutlich durch Fritz Stolberg erhalten; noch Ende April war sie nicht ganz wiederhergestellt; vgl. S.22. —Stella: vgl. S.16; Ende Januar 1776 hatte Goethe die gedruckten Exemplare dieses »Schauspieles für Liebende« erhalten und wird alsbald eines an Gustchen gesendet haben. —Mittwoch nach Ostern: 10. April.

Der zwölfte Brief.—das ist alles was ich thun kann: um sie, die in ihrem Briefe vermutlich ihrer Sorge über das angeblich wilde Weimarer Treiben (vgl. S.40) Ausdruck gegeben hatte, durch genaue Darstellung seines Lebens von der Haltlosigkeit des bösen Gerüchtes zu überzeugen.

Der dreizehnte Brief.—In meinem Garten: in unmittelbarer Nähe des Parks, am Abhang eines mäßigen Höhenzuges, unweit des rechten Ilmufers gelegen, ein Geschenk des Herzogs, das Goethe am 21. April 1776 in Besitz genommen hat. —Rittmeister: Friedr. Ernst v. Lichtenberg, Rittmeister des weimarischen Husarenkorps. —Frau v. Stein: Goethe hat sie Mitte November 1775 kennen gelernt. —Ihr Mann: Oberstallmeister des Herzogs Frhr. Gottlob Ernst Josias Friedrich v. Stein auf Kochberg (1735-1793). —ihr Bruder: der Regierungsrat Ernst Karl Constantin v. Schardt. —Ilten: Karoline v. Ilten und ihre Schwester Sophie. Karoline stand in leidenschaftlichen Beziehungen zum Prinzen Constantin, die vom Herzog mißbilligt wurden: Sophie ist 1778 Gattin des Rittmeisters v. Lichtenberg geworden. —Herzoginn Mutter: Anna Amalia (1739-1807). —dem Prinzen: Carl Augusts jüngerer Bruder Constantin (1758-1793). —Ich hab das ausgestrichen: ausgestrichen ist im Briefe von »mich dahin zu stellen« (Seite36, 3. Zeile v. u.) bis »als Vorbereitung an«. —Philipp: Goethes vertrauter Diener Philipp Seidel. —Krause: Georg Melchior Kraus, der Leiter der Weimarer Zeichenschule. —Guiberts Tacktick: des französischen Generals und Militärschriftstellers Jacques Antoine Hippolyte Grafen v. Guibert (1743-1790) damals vielbeachteter zweibändiger »Essai général de tactique«. —eines meiner Freunde: vielleicht Joh. Heinrich Jung, gen. Stilling (1740-1817), der, ursprünglich Schneidergeselle, in Straßburg, wo er Goethes Tischgenosse gewesen, Medizin studiert hatte und damals als Arzt in Elberfeld lebte. Goethe hat seine von tiefster religiöser Empfindung getragene Selbstbiographie 1777 zum Druck befördert. —Tiefurt: unterhalb Weimars am linkenIlmufer. —Friz wird gute Tage mit uns haben: vom Herzog zum Kammerherrn ernannt, wurde er zum Antritt seines Amtes in Weimar erwartet; vgl. S.40. —in ihrer Einsamkeit: Cornelia fühlte sich in ihrer Ehe nicht glücklich. —Habe viel ausgestanden: durch den leitenden Minister Jacob Friedrich v. Fritsch, der sich der Anstellung Goethes widersetzte, und durch die Liebe zu Charlotte v. Stein.

Der vierzehnte Brief.—Von Friz .. noch keinen Brief: Fritz wurde von der Übernahme seiner Weimarer Verpflichtung durch Klopstock abgehalten, den übertreibende Gerüchte vom zügellosen Leben des Herzogs und seines Freundes erregt hatten. —kleine Reise: nach Ilmenau.

Der fünfzehnte Brief.—Todt meiner Schwester: Cornelie war am 8. Juni 1777 gestorben. —Henrietten: die Gräfin Bernstorff, Gustchens Schwester (vgl. S.23,27). —Christels Frau: Luise, geb. Gräfin Reventlow.

Der sechzehnte Brief.—Jungen: der Weimarer Kammerherr Karl Friedr. Sigismund Frhr. v. Seckendorff (1744-1785).

Der siebzehnte Brief.—Schardt: Sophie Friederike Eleonore v. Schardt, als Gattin des Regierungsrates v. Schardt (vgl. S.36) Schwägerin der Frau v. Stein, war als Tochter des Kanzleidirektors Andreas v. Bernstorff in Hannover mit Gustchens Schwager und späterem Gatten, dem Grafen Andr. Petr. Bernstorff verwandt.

Der achtzehnte Brief.—kleinen Schardt: vgl. S.42. —Geburtstag: 7. Januar. —neuen Paare: Fritz Stolberg hatte sich mit Agnes v. Witzleben verlobt.

Gräfin Auguste an Goethe.—heiß beweinten, so vermißten Brüder: Friedrich Leopold war am 5. Dezember 1819, Christian am 18. Januar 1821 gestorben. —the Songs of other times—die Harfe von Selma: Anspielung auf die Ossian-Übersetzung, die Goethe seinem »Werther« eingefügt hatte. —das Geliebte Weib: sie hatte am 8. August 1783 den Grafen A. P. Bernstorff, ihren verwitweten Schwager, geheiratet. —Kinder: Stiefkinder, sieben Söhne und drei Töchter. —verlohr ... den Gatten: Graf Bernstorff starb 21. Juni 1797. —Ein Sturm riß den Jüngern hin: Fritz, schon lange schwer leidend, starb, wie man sagte in der Erregung über den grimmigen Angriff, den sein einstiger Studienfreund Joh. Heinr. Voß in derSchrift »Wie ward Fritz Stolberg ein Unfreier?« 1818 gegen ihn anläßlich seines (schon 1. Juni 1800 vollzogenen) Übertritts zum Katholizismus und der dadurch bedingten schriftstellerischen und praktischen Wirksamkeit zugunsten katholisch-aristokratischer Tendenzen gerichtet hatte.

Letzter Brief Goethes.—viel Provinzen: Ev. Johannis 14,2. —wider Wissen und Willen verletzt: am 2. Februar 1789 hatte Goethe, als am 15. November 1788 Fritz die geliebte Gattin Agnes (vgl. S. 43) verloren hatte, ihm geschrieben: »Wenn ich auch gleich für meine Person an der [materialistischen] Lehre des Lucrez mehr oder weniger hänge und alle meine Prätensionen in den Kreis des Lebens einschließe, so erfreut und erquickt es mich doch immer sehr, wenn ich sehe, daß die allmütterliche Natur für zärtliche Seelen auch zartere Laute und Anklänge in den Undulationen ihrer Harmonien leise tönen läßt und dem endlichen Menschen auf so manche Weise ein Mitgefühl des Ewigen und Unendlichen gönnt.« —tödtlichen Krankheit: am 17. Februar 1823 war Goethe plötzlich an Herzbeutelentzündung erkrankt, die ihn innerhalb einer Woche an den Rand des Grabes stellte; er erholte sich langsam im Verlauf des März.

Gedruckt bei Breitkopf und Härtel in Leipzig


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