Goethes BriefeanJoh. Jac. Riese.

Belohnung! ja sie kann uns hier nicht fehlen,Hier, wo sich früh, vor mancher deutschen Stadt,Geist und Geschmack entfaltete, die BühneZu ordnen und zu regeln sich begann.Wer nennt nicht still bei sich die edlen Namen,Die schön und gut aufs Vaterland gewirkt,Durch Schrift und Rede, durch Talent und Beispiel?Auch jene sind noch unvergessen, dieVon dieser Bühne schon seit langer ZeitNatur und Kunst darbietend herrlich wirkten;Gleicht jener Vorzeit nicht die Gegenwart?

Belohnung! ja sie kann uns hier nicht fehlen,Hier, wo sich früh, vor mancher deutschen Stadt,Geist und Geschmack entfaltete, die BühneZu ordnen und zu regeln sich begann.Wer nennt nicht still bei sich die edlen Namen,Die schön und gut aufs Vaterland gewirkt,Durch Schrift und Rede, durch Talent und Beispiel?Auch jene sind noch unvergessen, dieVon dieser Bühne schon seit langer ZeitNatur und Kunst darbietend herrlich wirkten;Gleicht jener Vorzeit nicht die Gegenwart?

Belohnung! ja sie kann uns hier nicht fehlen,

Hier, wo sich früh, vor mancher deutschen Stadt,

Geist und Geschmack entfaltete, die Bühne

Zu ordnen und zu regeln sich begann.

Wer nennt nicht still bei sich die edlen Namen,

Die schön und gut aufs Vaterland gewirkt,

Durch Schrift und Rede, durch Talent und Beispiel?

Auch jene sind noch unvergessen, die

Von dieser Bühne schon seit langer Zeit

Natur und Kunst darbietend herrlich wirkten;

Gleicht jener Vorzeit nicht die Gegenwart?

Er sprach auch gegen Rochlitz die Erwartung aus, wie belehrend dieser Aufenthalt in Leipzig für die Schauspieler sein würde, und später seine Freude, daß dieses theatralischeUnternehmen glücklich vollendet und mit Ehre und Vortheil belohnt worden sei; auch fand er es sehr artig, daß sogar das kleine Schäferspiel, das er 1768 in Leipzig geschrieben, auch noch auftauchen mußte und gut empfangen ward, eine Aufführung (am 29. Aug. 1807), bei der wohl Käthchen selbst gegenwärtig gewesen ist.

Wenn uns bisher eine hervorragende Persönlichkeit nicht entgegengetreten ist, welche einen bestimmenden Einfluß auf Goethe ausgeübt hätte, so finden wir diese auf dem Gebiet der bildenden Kunst inAdam Friedrich Oeser, der seit 1763 als Director der Kunstakademie in Leipzig lebte und dort als Maler und Bildhauer wie als Mensch in hoher Achtung stand. Goethe, dessen glückliche Naturanlagen für die bildende Kunst bereits im väterlichen Hause sorgfältig gepflegt waren, suchte sie auch in Leipzig weiter auszubilden und nahm bei Oeser Unterricht im Zeichnen, an welchem auch der nachmalige StaatskanzlerHardenberg,[25]der FürstLievenundGröningaus Bremen Theil nahmen. Später begnügte er sich mit dem Zeichnen nicht, sondern wurde durch den Verkehr mit dem KupferstecherStock— dessen TöchterMinna, später die GattinKörners, undDoranachmals zu Schiller in ein so inniges Verhältniß traten — veranlaßt, sich auch mit dem Radiren zu beschäftigen, wovon noch jetzt kleine Platten für Schönkopf und Käthchen geätzt um ihre Bücher zu zeichnen,[26]und zwei größere Radirungen Zeugniß geben.[27]Oesers Verdienste als Künstler, welche seine Zeitgenossen überschätzten, hat Goethe später richtig gewürdigt; sein Einfluß auf Goethe aber reichte weit über die Belehrung von bildender Kunst hinaus; in seinem Verkehr war es ihm einleuchtend geworden, „daß die Werkstatt des großen Künstlers mehr den keimenden Philosophen, den keimenden Dichter entwickelt, als der Hörsaal des Weltweisen und des Kritikers.“ Er war ein sinniger, denkender Mann von kräftiger Eigenthümlichkeit und nicht geringer Bildung, durch hingeworfene Andeutungen mehr anregend als aufklärend, frisch und derb, heiter und jovial, kurz ein Mann, der auf die Jugend ungemein wirken mußte. Durch aufmunternde Anerkennung gewann er Goethes Vertrauen und Neigung und gab ihm in der bildenden Kunst einen sicheren Ausgangspunkt für die Erkenntniß des Schönen, um welche Goethe eifrig bemüht war, um sie auch aufanderen Gebieten fruchtbar zu machen. Oeser warWinckelmannsvertrauter Freund gewesen und hatte auch auf dessen Ansichten von der Kunst großen Einfluß geübt; die Begeisterung, mit welcher Winckelmann allgemein verehrt wurde, ließ Oeser in einem höheren Licht glänzen und der persönliche Eindruck dieses Mannes gab auch der Verehrung für Winckelmann einen bestimmten gleichsam persönlichen Charakter. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf daher alle die Nachricht von Winckelmanns Tode zu der Zeit, da man eben seinem Besuch entgegensah. Auch auf diesem Gebiet war esLessing, der durch seinen Laokoon ein ungeahntes helles Licht in die jüngern Geister warf, und reinigend und stärkend wie kein anderer sie ergriff, indem er ihnen nicht sowohl die Wahrheit als den Weg zeigte, auf welchem sie zu derselben gelangen konnten, und mit sittlichem Ernst von ihnen verlangte, daß sie den Schweiß und selbst den Schmerz der Anstrengung nicht scheueten, um die Wahrheit zu erringen. Noch können wir die Spuren erkennen, mit welchem Eifer Goethe Lessing zu studiren und an ihm sich weiter zu bilden bestrebt war.[28]

Für Goethes ganze spätere Entwickelung ist es von der größten Bedeutung, daß er schon jetzt durch Oeser indem Sinne mit der Kunst, und ganz besonders der des Alterthums, vertraut gemacht wurde, welchen er sein ganzes Leben hindurch bewahrt hat. Er hat lange zwischen der Dichtkunst und der bildenden Kunst geschwankt, und erst spät mit Schmerzen die Einsicht gewonnen, daß er in der letzteren nur Dilettant sein könne;[29]allein das plastische Element seiner Poesie hing mit dieser Richtung auf die bildende Kunst so eng zusammen, daß die Anschauung und Einsicht, welche er auf diesem Gebiet in früher Jugend gewann, fortwährend einflußreich und maßgebend gewesen ist. Mit der hingebendsten Dankbarkeit und einer wahrhaft ehrfurchtsvollen Liebe spricht er sich in seinen Briefen gegen Oeser aus und an Reich[30]schreibt er: „Oesers Erfindungen haben mir eine neue Gelegenheit gegeben, mich zu seegnen, dassich ihn zum Lehrer gehabt habe. Er drang in unsere Seelen und man musste keine haben um ihn nicht zu nutzen. Sein Unterricht wird auf mein ganzes Leben Folge haben. Er lehrte mich, das Ideal der Schönheit sei Einfalt und Stille.“[31]Später wurde die Bekanntschaft von Weimar aus wieder erneuet. „Wie süß ist es,“ schreibt er an Frau von Stein (25. December 1782),[32]„mit einem richtigen, verständigen, klugen Menschen umgehn, der weis wie es auf der Welt aussieht und was er will, und der, um dieses Leben anmuthig zu genießen, keinen superlunarischen Aufschwung nöthig hat, sondern in dem reinen Kreise sittlicher und sinnlicher Reize lebt. Denke Dir hinzu, daß der Mann ein Künstler ist, hervorbringen, nachahmen und die Werke anderer doppelt und dreifach genießen kann, so wirst Du wohl nicht einen glücklichern denken können[33]. So ist Oeser, und was müßte ich Dir nicht sagen, wenn ich sagen wollte, was er ist.“ Ähnliche Äußerungen wiederholen sich, so oft er Oeser sieht undbezeugen, wie tief er auch in seinen Mannesjahren Oesers Werth empfand. Durch Goethe mit dem Weimarschen Hofe bekannt gemacht, ward er dem HerzogCarl Augustwie der HerzoginAmaliadurch seine Kunstkenntniß und Erfahrung werth; die letztere gewann ihn besonders lieb und veranlaßte ihn zu wiederholten Besuchen in Weimar, wo seine lebensfrische, geistreiche Jovialität und seine weltmännische Klugheit ihn zu einem stets willkommenen Gast machten.

Durch Oeser waren Goethe die Kunstsammlungen Leipzigs, von denen dieWinklerscheeinen großen Ruf mit Recht behauptete, geöffnet, um ihn sammelte sich ein Kreis von Kunstfreunden und Kennern, unter denen besonders nebenHubersichKreuchauffauszeichnete, der früher Kaufmann gewesen war, später nur seinem Interesse für die Kunst lebte, das er auch durch Schriften bewährte. Dieser Kreis pflegte sich in Oesers überaus gastfreiem Hause in der Pleißenburg, im Sommer auf dem Landsitz, den er inDölitzbesaß, in ungezwungener Heiterkeit zu versammeln. Eine Predigt im Frankfurter Judendialekt, welche Goethe dort vorzutragen liebte, von ihm selbst aufgeschrieben, ist ein harmloses Zeugniß der jugendlichen Fröhlichkeit, welche dort herrschte. Die Seele dieser Gesellschaft war, für die Jugend zumal, Oesers älteste TochterFriederike Elisabeth,geboren im Jahr 1748, unvermählt hierselbst gestorben im Jahre 1829. Von Jugend auf war sie der Liebling des Vaters gewesen und selbst wenn er arbeitete in seiner Gesellschaft. Durch ihren Muthwillen, welchen ihr phlegmatischer Bruder besonders empfinden mußte, ergötzte sie ihn als Kind, später stand sie ihm durch Verstand und Bildung nahe; er bediente sich ihrer Feder und ließ fast seine ganze Correspondenz von ihr führen. Ihr volles Gesicht mit dem Stumpfnäschen und den lebendigen braunen Augen stimmte zu ihrer kleinen raschen Figur, und wenn auch durch Blatternarben entstellt verrieth es lebhaften Geist und Verstand, und die fröhliche Heiterkeit ihrer Laune, womit sie dem Jüngling neckisch und übermüthig zusetzte, zu hart und unbarmherzig, wie er meinte, wenn er sich unglücklich und leidend fühlte. Denn zu ihr nahm er seine Zuflucht, wenn Liebe und Eifersucht ihn quälten, und sie hatte um so eher ein gewisses Übergewicht über ihn, da hier keine leidenschaftliche Neigung ins Spiel kam. In den nächsten Jahren nach seinem Fortgehen von Leipzig unterhielt er mit ihr eine belebte Correspondenz und schickte ihr ein Bild seiner geliebten SchwesterCornelie, das er auf einen Correcturbogen desGötzflüchtig gezeichnet hatte, als ein Zeichen seiner Anhänglichkeit. Im Wald und auf denWiesen von Dölitz erging er sich gern in dichterischen Streifereien, und war auch Käthchen oder wie sie dem Dichter hieß, Annette, meistens Veranlassung und Gegenstand seiner Lieder, so wurden sie der fein gebildeten und scharf urtheilenden Friederike zur Prüfung vorgelegt. Eine Sammlung „Lieder mit Melodien Mademoiselle Friederike Oeser gewiedmet von Goethen,“ das älteste und eigenthümlichste Denkmal Goethescher Poesie, wird noch handschriftlich in einer Goethe-Bibliothek in Leipzig aufbewahrt. Als dieselben „davon ein Theil das Unglück hatte, ihr zu mißfallen“ — man kann wohl errathen weshalb — durch andere vermehrt später gedruckt wurden, „würde er sich vielleicht unterstanden haben, ihr ein unterschriebenes Exemplar zu wiedmen, wenn er nicht wüßte, daß man sie durch einige Kleinigkeiten leicht zum schimpfen bewegen könnte.“ Diese neuen Lieder in Melodien gesetzt vonBernh. Theod. Breitkopferschienen 1770 ohne Goethes Namen.Hiller, der sie anzeigte, meinte, wenn man sie läse, werde man gestehen, daß es dem Dichter keineswegs an einer glücklichen Anlage zu dieser scherzhaften Dichtungsart fehle[34]— für uns sind sie ein schönes, ächtes Denkmal seines Leipziger Aufenthalts. Die Zueignung, welche den Schluß derselben macht:

„Da sind sie nun! Da habt ihr sie!Die Lieder ohne Kunst und MühAm Rand des Bachs entsprungen.Verliebt und jung und voll GefühlTrieb ich der Jugend altes SpielUnd hab sie so gesungen.Sie singe, wer sie singen mag!An einem hübschen FrühlingstagKann sie der Jüngling brauchen.Der Dichter blinzt von Ferne zu,Jetzt drückt ihm diätätsche RuhDen Daumen auf die Augen.Halb scheel, halb weise sieht sein Blick,Ein bißgen naß auf euer GlückUnd jammert in Sentenzen.Hört seine letzten Lehren an,Er hat's so gut wie ihr gethanUnd kennt des Glückes Gränzen.“

„Da sind sie nun! Da habt ihr sie!Die Lieder ohne Kunst und MühAm Rand des Bachs entsprungen.Verliebt und jung und voll GefühlTrieb ich der Jugend altes SpielUnd hab sie so gesungen.

„Da sind sie nun! Da habt ihr sie!

Die Lieder ohne Kunst und Müh

Am Rand des Bachs entsprungen.

Verliebt und jung und voll Gefühl

Trieb ich der Jugend altes Spiel

Und hab sie so gesungen.

Sie singe, wer sie singen mag!An einem hübschen FrühlingstagKann sie der Jüngling brauchen.Der Dichter blinzt von Ferne zu,Jetzt drückt ihm diätätsche RuhDen Daumen auf die Augen.

Sie singe, wer sie singen mag!

An einem hübschen Frühlingstag

Kann sie der Jüngling brauchen.

Der Dichter blinzt von Ferne zu,

Jetzt drückt ihm diätätsche Ruh

Den Daumen auf die Augen.

Halb scheel, halb weise sieht sein Blick,Ein bißgen naß auf euer GlückUnd jammert in Sentenzen.Hört seine letzten Lehren an,Er hat's so gut wie ihr gethanUnd kennt des Glückes Gränzen.“

Halb scheel, halb weise sieht sein Blick,

Ein bißgen naß auf euer Glück

Und jammert in Sentenzen.

Hört seine letzten Lehren an,

Er hat's so gut wie ihr gethan

Und kennt des Glückes Gränzen.“

drückte seine Stimmung so wahr und tief, so einfach und schön aus, wie schon damals kaum ein anderer Dichter es vermochte.

So ging er von Leipzig am 28. August 1768 fort. Weder er selbst noch seine Freunde ahnten in ihm die künftige Größe, zu der wir jetzt bewundernd hinaufschauen. Leipzig hat Goethe nicht den Lorbeer ins Haar gewunden, aber noch hat der Blumenstrauß, den der Jüngling hier gepflückt, frischen, unvergänglich frischen Duft.

[1]Briefe anZelterII: S. 306. (28. Aug. 1816.)[2]Morgenblatt 1815 N. 69 (März).[3]Bis in die neueste Zeit gehörten alle Mitglieder der Universität, Docenten wie Studenten, einer der vier bei der Stiftung bestimmten Nationen an, dermeißnischen,sächsischen,bayrischenoderpolnischen. Als Frankfurter wurde Goethe der bayrischen zugeschrieben.[4]Schöll, Briefe und Aufsätze von Goethe S. 20 ff.[5]Ich theile hier das durch Horn abgeänderte Gedicht mit, wie es Christ. Heinrich Schmid in der Vorrede zu J. C. Rosts vermischten Gedichten (1769) hat abdrucken lassen:„O Händel! dessen Ruhm vom Süd zum Norden reicht,Vernimm den Päan, der zu deinen Ohren steigt,Du bäckst, was Gallier und Britten ämsig suchen,Mit schöpfrischem Genie, originelle Kuchen.Des Kaffees Ocean, der sich vor dir ergießt,Ist süsser als der Saft, der von dem Hybla fließt.Dich ehrt die Nation, abwechselnd sanft in Moden,Ihr Tribunal verbannt hin zu den Antipoden,In trauriges Exil, den Kopf leer von VerstandDer kein Elysium in deinem Garten fand.Dein Haus ist ein Trophä von Spoljen unsrer Beutel,Strahlt gleich kein Diadem dir um den hohen Scheitel,Erhebt zu deinem Ruhm sich gleich kein Monument:Auch ohne Purpur ehrt dich dennoch der Student —Glänzt deine Urn' dereinst in majestätschem Pompe,Dann weint der Patriot an deiner Katakombe;Wann dann ein Autor dich uns im Kothurne zeigt,Und du Sentenzen sprichst, wird unser Herz erweicht.Wär es dem Marmor gleich, so darfst du uns erscheinen,WieMedonuns erschien und Myriaden weinen.Doch leb! Dein Torus sei von edler Brut ein Nest,Steh hoch, wie der Olymp, wie der Hymettus fest;Kein Phalanx Griechenlands, nicht Römische BalistenVermögen je dein Glück, o Händel, zu verwüsten!Dein Wohl ist unser Wohl, dein Leiden unser SchmerzUnd Händels Tempel ist der Musensöhne Herz.“[6]Eckermann Gespräche II. S. 328 vgl. I. S. 340. Riemer Mittheilungen II. S. 663 f.[7]Riemer Mittheilungen II. S. 60. Er starb 1809 in Dessau, unverheirathet, sechzig Jahre alt.[8]Eckermann Gespräche II. S. 175 ff.[9]Blum, ein Bild aus den Ostseeprovinzen S. 29.[10]Originalien 1832 Nr. 83 f.[11]„Wir würden uns doch gewiß recht gut dargestellt haben, denn ich hätte mir ein Postamentgen machen lassen“ schreibt Horn an Käthchen Schönkopf, und ein anderes Mal: „Auf der Reise wäre ich bald unglücklich gewesen, denn meine krummen Beine, wie die Mamsell spricht, hatten sich so mit den Andräischen verwickelt, daß man sie um uns zu trennen beynahe hätte zerbrechen müssen.“[12]Das Haus liegt im Brühl Nr. 79 neben dem goldenen Apfel und ist bis vor wenig Jahren im Besitz der Familie geblieben; seitdem es in andere Hände gekommen ist, ist es fast ganz umgebaut worden.[13]„Ich wünschte, daß ich diesen Abend bei Ihnen Punsch trinken könnte“ schreibt Horn, und ein andermal: „Was wollte ich darum geben, wenn ich nur noch einmal mit Ihnen Punsch trinken könnte!“[14]Frl. v. Göchhausen schreibt (Riemer Mitth.II.S. 85 f.): „Gestern (20. Mai 1779) hat uns der Herr Geh. Leg. Rath ein Schäferspiel,die Launen des Verliebten, hier (in Ettersburg) aufgeführt, das er sagt in seinem 18. Jahr gemacht zu haben, und nur wenig Veränderung dazu gethan. Es bestand nur aus vier Personen, welche derDoctor,Einsiedel, das Frl. v.Wöllwarthund Mlle.Schrödervorstellten. Es ist von einem Act mit einigen Arien, welche der Kammerherr v.Seckendorfcomponirt hat. Es wurde recht sehr gut gespielt, und wir waren den ganzen Tag fröhlich und guter Dinge.“[15]Horn schreibt am 9. April: „Hr.Dr.Kanne wird noch bei Ihnen seyn. Geben Sie ihm diesen Brief zu lesen. Er wird es nicht übel nehmen, daß ich nicht besonders an Ihn geschrieben habe. Im Grunde glaube ich ist es auch einerley ob ich an Sie oder an Ihn schreibe, denn so lange wir noch in Ihrem Hause wohnten, machten wir doch immer ein Stück von der Familie aus und Er hat noch ein größeres Recht dazu als ich, denn er ist ..... älterer Student.“[16]Briefe an Frau v. SteinI.S. 19 f. 21.[17]„Goethe accompagne le clavecin de Mme (Brentano) avec la basse.“ Merck BriefeIII.S. 86. Vgl. Eckermann GesprächeI.S. 79: „Goethe antwortete: Aber Sie finden kein Wort über Musik (in den Reisenotizen), weil das nicht in meinem Kreise lag.“[18]Goethes WerkeXXXII.S. 335.[19]Briefwechsel mit ZelterVI.S. 129.[20]Briefe an Frau v. SteinI. S. 20 f.[21]WerkeXXVII. S. 467 ff.[22]Briefe an Frau v. SteinII. S. 69.[23]Schöll Briefe und Aufsätze von Goethe S. 7 ff.[24]Goethe bot die in Frankfurt nachgefeiltenMitschuldigendem dortigen BuchhändlerFleischervergebens zum Verlag an, sie wurden erst 1787 gedruckt, vorher aber wurden sie wiederholt auf dem Weimarschen Liebhabertheater gespielt, woGoethedenAlcest,BertuchdenSöller,MusäusdenWirth,Corona SchröterdieSophiegab. Riemer MittheilungenII. S. 36. 54. Briefe an Frau v. SteinII. S. 13. Böttiger litter. ZuständeI. S. 277. Peucer in Weimars Album S. 72. Als ein Curiosum mag bemerkt werden, daß die Mitschuldigen in Leipzig zuerst in einer prosaischen Bearbeitung vonAlbrechtaufgeführt worden sind, Blümner, Geschichte des Theaters zu Leipzig S. 302.[25]Werke VI. S. 440 f.[26]Die erste istuntenals Vignette mitgetheilt.[27]Fragmente aus einer Goethe-Bibliothek S. 16 f.[28]Vgl. Schöll Briefe und Aufsätze von Goethe S. 108.[29]Riemer MittheilungenII.S. 301: „Von meinem längeren Aufenthalt in Rom werde ich den Vortheil haben, daß ich auf das Ausüben der bildenden Kunst Verzicht thue.“ Eckermann GesprächeI.S. 132: „Was ich aber sagen wollte, ist dieses, daß ich in Italien in meinem vierzigsten Jahre klug genug war, um mich selber insoweit zu kennen, daß ich kein Talent zur bildenden Kunst habe, und daß diese meine Tendenz eine falsche sei.“ S. 139: „Ich sage dieses, indem ich bedenke, wie viele Jahre es gebrauchte, bis ich einsah, daß meine Tendenz zur bildenden Kunst eine falsche sei, und wie viele andere, nachdem ich es erkannt, mich davon loszumachen.“[30]Briefe an Lavater S. 164 f.[31]Schöll Briefe und Aufsätze von Goethe S. 107 f.: „Rede bei Eröffnung der Londoner Akademie von Reynolds. Enthält fürtreffliche Erinnerungen eines Künstlers über die Bildung junger Maler; er dringt besonders auf die Correktion und auf das Gefühl der Idealischen stillen Größe. Er hat recht. Genies werden dadurch unendlich erhaben und kleine Geister wenigstens etwas.“[32]Briefe an Frau v. SteinII.S. 279.[33]WerkeXXIV.S. 210.[34]Fragmente aus einer Goethe-Bibliothek S. 1 f.

[1]Briefe anZelterII: S. 306. (28. Aug. 1816.)

[1]Briefe anZelterII: S. 306. (28. Aug. 1816.)

[2]Morgenblatt 1815 N. 69 (März).

[2]Morgenblatt 1815 N. 69 (März).

[3]Bis in die neueste Zeit gehörten alle Mitglieder der Universität, Docenten wie Studenten, einer der vier bei der Stiftung bestimmten Nationen an, dermeißnischen,sächsischen,bayrischenoderpolnischen. Als Frankfurter wurde Goethe der bayrischen zugeschrieben.

[3]Bis in die neueste Zeit gehörten alle Mitglieder der Universität, Docenten wie Studenten, einer der vier bei der Stiftung bestimmten Nationen an, dermeißnischen,sächsischen,bayrischenoderpolnischen. Als Frankfurter wurde Goethe der bayrischen zugeschrieben.

[4]Schöll, Briefe und Aufsätze von Goethe S. 20 ff.

[4]Schöll, Briefe und Aufsätze von Goethe S. 20 ff.

[5]Ich theile hier das durch Horn abgeänderte Gedicht mit, wie es Christ. Heinrich Schmid in der Vorrede zu J. C. Rosts vermischten Gedichten (1769) hat abdrucken lassen:„O Händel! dessen Ruhm vom Süd zum Norden reicht,Vernimm den Päan, der zu deinen Ohren steigt,Du bäckst, was Gallier und Britten ämsig suchen,Mit schöpfrischem Genie, originelle Kuchen.Des Kaffees Ocean, der sich vor dir ergießt,Ist süsser als der Saft, der von dem Hybla fließt.Dich ehrt die Nation, abwechselnd sanft in Moden,Ihr Tribunal verbannt hin zu den Antipoden,In trauriges Exil, den Kopf leer von VerstandDer kein Elysium in deinem Garten fand.Dein Haus ist ein Trophä von Spoljen unsrer Beutel,Strahlt gleich kein Diadem dir um den hohen Scheitel,Erhebt zu deinem Ruhm sich gleich kein Monument:Auch ohne Purpur ehrt dich dennoch der Student —Glänzt deine Urn' dereinst in majestätschem Pompe,Dann weint der Patriot an deiner Katakombe;Wann dann ein Autor dich uns im Kothurne zeigt,Und du Sentenzen sprichst, wird unser Herz erweicht.Wär es dem Marmor gleich, so darfst du uns erscheinen,WieMedonuns erschien und Myriaden weinen.Doch leb! Dein Torus sei von edler Brut ein Nest,Steh hoch, wie der Olymp, wie der Hymettus fest;Kein Phalanx Griechenlands, nicht Römische BalistenVermögen je dein Glück, o Händel, zu verwüsten!Dein Wohl ist unser Wohl, dein Leiden unser SchmerzUnd Händels Tempel ist der Musensöhne Herz.“

[5]Ich theile hier das durch Horn abgeänderte Gedicht mit, wie es Christ. Heinrich Schmid in der Vorrede zu J. C. Rosts vermischten Gedichten (1769) hat abdrucken lassen:

„O Händel! dessen Ruhm vom Süd zum Norden reicht,Vernimm den Päan, der zu deinen Ohren steigt,Du bäckst, was Gallier und Britten ämsig suchen,Mit schöpfrischem Genie, originelle Kuchen.Des Kaffees Ocean, der sich vor dir ergießt,Ist süsser als der Saft, der von dem Hybla fließt.Dich ehrt die Nation, abwechselnd sanft in Moden,Ihr Tribunal verbannt hin zu den Antipoden,In trauriges Exil, den Kopf leer von VerstandDer kein Elysium in deinem Garten fand.Dein Haus ist ein Trophä von Spoljen unsrer Beutel,Strahlt gleich kein Diadem dir um den hohen Scheitel,Erhebt zu deinem Ruhm sich gleich kein Monument:Auch ohne Purpur ehrt dich dennoch der Student —Glänzt deine Urn' dereinst in majestätschem Pompe,Dann weint der Patriot an deiner Katakombe;Wann dann ein Autor dich uns im Kothurne zeigt,Und du Sentenzen sprichst, wird unser Herz erweicht.Wär es dem Marmor gleich, so darfst du uns erscheinen,WieMedonuns erschien und Myriaden weinen.Doch leb! Dein Torus sei von edler Brut ein Nest,Steh hoch, wie der Olymp, wie der Hymettus fest;Kein Phalanx Griechenlands, nicht Römische BalistenVermögen je dein Glück, o Händel, zu verwüsten!Dein Wohl ist unser Wohl, dein Leiden unser SchmerzUnd Händels Tempel ist der Musensöhne Herz.“

„O Händel! dessen Ruhm vom Süd zum Norden reicht,Vernimm den Päan, der zu deinen Ohren steigt,Du bäckst, was Gallier und Britten ämsig suchen,Mit schöpfrischem Genie, originelle Kuchen.Des Kaffees Ocean, der sich vor dir ergießt,Ist süsser als der Saft, der von dem Hybla fließt.Dich ehrt die Nation, abwechselnd sanft in Moden,Ihr Tribunal verbannt hin zu den Antipoden,In trauriges Exil, den Kopf leer von VerstandDer kein Elysium in deinem Garten fand.Dein Haus ist ein Trophä von Spoljen unsrer Beutel,Strahlt gleich kein Diadem dir um den hohen Scheitel,Erhebt zu deinem Ruhm sich gleich kein Monument:Auch ohne Purpur ehrt dich dennoch der Student —Glänzt deine Urn' dereinst in majestätschem Pompe,Dann weint der Patriot an deiner Katakombe;Wann dann ein Autor dich uns im Kothurne zeigt,Und du Sentenzen sprichst, wird unser Herz erweicht.Wär es dem Marmor gleich, so darfst du uns erscheinen,WieMedonuns erschien und Myriaden weinen.Doch leb! Dein Torus sei von edler Brut ein Nest,Steh hoch, wie der Olymp, wie der Hymettus fest;Kein Phalanx Griechenlands, nicht Römische BalistenVermögen je dein Glück, o Händel, zu verwüsten!Dein Wohl ist unser Wohl, dein Leiden unser SchmerzUnd Händels Tempel ist der Musensöhne Herz.“

„O Händel! dessen Ruhm vom Süd zum Norden reicht,

Vernimm den Päan, der zu deinen Ohren steigt,

Du bäckst, was Gallier und Britten ämsig suchen,

Mit schöpfrischem Genie, originelle Kuchen.

Des Kaffees Ocean, der sich vor dir ergießt,

Ist süsser als der Saft, der von dem Hybla fließt.

Dich ehrt die Nation, abwechselnd sanft in Moden,

Ihr Tribunal verbannt hin zu den Antipoden,

In trauriges Exil, den Kopf leer von Verstand

Der kein Elysium in deinem Garten fand.

Dein Haus ist ein Trophä von Spoljen unsrer Beutel,

Strahlt gleich kein Diadem dir um den hohen Scheitel,

Erhebt zu deinem Ruhm sich gleich kein Monument:

Auch ohne Purpur ehrt dich dennoch der Student —

Glänzt deine Urn' dereinst in majestätschem Pompe,

Dann weint der Patriot an deiner Katakombe;

Wann dann ein Autor dich uns im Kothurne zeigt,

Und du Sentenzen sprichst, wird unser Herz erweicht.

Wär es dem Marmor gleich, so darfst du uns erscheinen,

WieMedonuns erschien und Myriaden weinen.

Doch leb! Dein Torus sei von edler Brut ein Nest,

Steh hoch, wie der Olymp, wie der Hymettus fest;

Kein Phalanx Griechenlands, nicht Römische Balisten

Vermögen je dein Glück, o Händel, zu verwüsten!

Dein Wohl ist unser Wohl, dein Leiden unser Schmerz

Und Händels Tempel ist der Musensöhne Herz.“

[6]Eckermann Gespräche II. S. 328 vgl. I. S. 340. Riemer Mittheilungen II. S. 663 f.

[6]Eckermann Gespräche II. S. 328 vgl. I. S. 340. Riemer Mittheilungen II. S. 663 f.

[7]Riemer Mittheilungen II. S. 60. Er starb 1809 in Dessau, unverheirathet, sechzig Jahre alt.

[7]Riemer Mittheilungen II. S. 60. Er starb 1809 in Dessau, unverheirathet, sechzig Jahre alt.

[8]Eckermann Gespräche II. S. 175 ff.

[8]Eckermann Gespräche II. S. 175 ff.

[9]Blum, ein Bild aus den Ostseeprovinzen S. 29.

[9]Blum, ein Bild aus den Ostseeprovinzen S. 29.

[10]Originalien 1832 Nr. 83 f.

[10]Originalien 1832 Nr. 83 f.

[11]„Wir würden uns doch gewiß recht gut dargestellt haben, denn ich hätte mir ein Postamentgen machen lassen“ schreibt Horn an Käthchen Schönkopf, und ein anderes Mal: „Auf der Reise wäre ich bald unglücklich gewesen, denn meine krummen Beine, wie die Mamsell spricht, hatten sich so mit den Andräischen verwickelt, daß man sie um uns zu trennen beynahe hätte zerbrechen müssen.“

[11]„Wir würden uns doch gewiß recht gut dargestellt haben, denn ich hätte mir ein Postamentgen machen lassen“ schreibt Horn an Käthchen Schönkopf, und ein anderes Mal: „Auf der Reise wäre ich bald unglücklich gewesen, denn meine krummen Beine, wie die Mamsell spricht, hatten sich so mit den Andräischen verwickelt, daß man sie um uns zu trennen beynahe hätte zerbrechen müssen.“

[12]Das Haus liegt im Brühl Nr. 79 neben dem goldenen Apfel und ist bis vor wenig Jahren im Besitz der Familie geblieben; seitdem es in andere Hände gekommen ist, ist es fast ganz umgebaut worden.

[12]Das Haus liegt im Brühl Nr. 79 neben dem goldenen Apfel und ist bis vor wenig Jahren im Besitz der Familie geblieben; seitdem es in andere Hände gekommen ist, ist es fast ganz umgebaut worden.

[13]„Ich wünschte, daß ich diesen Abend bei Ihnen Punsch trinken könnte“ schreibt Horn, und ein andermal: „Was wollte ich darum geben, wenn ich nur noch einmal mit Ihnen Punsch trinken könnte!“

[13]„Ich wünschte, daß ich diesen Abend bei Ihnen Punsch trinken könnte“ schreibt Horn, und ein andermal: „Was wollte ich darum geben, wenn ich nur noch einmal mit Ihnen Punsch trinken könnte!“

[14]Frl. v. Göchhausen schreibt (Riemer Mitth.II.S. 85 f.): „Gestern (20. Mai 1779) hat uns der Herr Geh. Leg. Rath ein Schäferspiel,die Launen des Verliebten, hier (in Ettersburg) aufgeführt, das er sagt in seinem 18. Jahr gemacht zu haben, und nur wenig Veränderung dazu gethan. Es bestand nur aus vier Personen, welche derDoctor,Einsiedel, das Frl. v.Wöllwarthund Mlle.Schrödervorstellten. Es ist von einem Act mit einigen Arien, welche der Kammerherr v.Seckendorfcomponirt hat. Es wurde recht sehr gut gespielt, und wir waren den ganzen Tag fröhlich und guter Dinge.“

[14]Frl. v. Göchhausen schreibt (Riemer Mitth.II.S. 85 f.): „Gestern (20. Mai 1779) hat uns der Herr Geh. Leg. Rath ein Schäferspiel,die Launen des Verliebten, hier (in Ettersburg) aufgeführt, das er sagt in seinem 18. Jahr gemacht zu haben, und nur wenig Veränderung dazu gethan. Es bestand nur aus vier Personen, welche derDoctor,Einsiedel, das Frl. v.Wöllwarthund Mlle.Schrödervorstellten. Es ist von einem Act mit einigen Arien, welche der Kammerherr v.Seckendorfcomponirt hat. Es wurde recht sehr gut gespielt, und wir waren den ganzen Tag fröhlich und guter Dinge.“

[15]Horn schreibt am 9. April: „Hr.Dr.Kanne wird noch bei Ihnen seyn. Geben Sie ihm diesen Brief zu lesen. Er wird es nicht übel nehmen, daß ich nicht besonders an Ihn geschrieben habe. Im Grunde glaube ich ist es auch einerley ob ich an Sie oder an Ihn schreibe, denn so lange wir noch in Ihrem Hause wohnten, machten wir doch immer ein Stück von der Familie aus und Er hat noch ein größeres Recht dazu als ich, denn er ist ..... älterer Student.“

[15]Horn schreibt am 9. April: „Hr.Dr.Kanne wird noch bei Ihnen seyn. Geben Sie ihm diesen Brief zu lesen. Er wird es nicht übel nehmen, daß ich nicht besonders an Ihn geschrieben habe. Im Grunde glaube ich ist es auch einerley ob ich an Sie oder an Ihn schreibe, denn so lange wir noch in Ihrem Hause wohnten, machten wir doch immer ein Stück von der Familie aus und Er hat noch ein größeres Recht dazu als ich, denn er ist ..... älterer Student.“

[16]Briefe an Frau v. SteinI.S. 19 f. 21.

[16]Briefe an Frau v. SteinI.S. 19 f. 21.

[17]„Goethe accompagne le clavecin de Mme (Brentano) avec la basse.“ Merck BriefeIII.S. 86. Vgl. Eckermann GesprächeI.S. 79: „Goethe antwortete: Aber Sie finden kein Wort über Musik (in den Reisenotizen), weil das nicht in meinem Kreise lag.“

[17]„Goethe accompagne le clavecin de Mme (Brentano) avec la basse.“ Merck BriefeIII.S. 86. Vgl. Eckermann GesprächeI.S. 79: „Goethe antwortete: Aber Sie finden kein Wort über Musik (in den Reisenotizen), weil das nicht in meinem Kreise lag.“

[18]Goethes WerkeXXXII.S. 335.

[18]Goethes WerkeXXXII.S. 335.

[19]Briefwechsel mit ZelterVI.S. 129.

[19]Briefwechsel mit ZelterVI.S. 129.

[20]Briefe an Frau v. SteinI. S. 20 f.

[20]Briefe an Frau v. SteinI. S. 20 f.

[21]WerkeXXVII. S. 467 ff.

[21]WerkeXXVII. S. 467 ff.

[22]Briefe an Frau v. SteinII. S. 69.

[22]Briefe an Frau v. SteinII. S. 69.

[23]Schöll Briefe und Aufsätze von Goethe S. 7 ff.

[23]Schöll Briefe und Aufsätze von Goethe S. 7 ff.

[24]Goethe bot die in Frankfurt nachgefeiltenMitschuldigendem dortigen BuchhändlerFleischervergebens zum Verlag an, sie wurden erst 1787 gedruckt, vorher aber wurden sie wiederholt auf dem Weimarschen Liebhabertheater gespielt, woGoethedenAlcest,BertuchdenSöller,MusäusdenWirth,Corona SchröterdieSophiegab. Riemer MittheilungenII. S. 36. 54. Briefe an Frau v. SteinII. S. 13. Böttiger litter. ZuständeI. S. 277. Peucer in Weimars Album S. 72. Als ein Curiosum mag bemerkt werden, daß die Mitschuldigen in Leipzig zuerst in einer prosaischen Bearbeitung vonAlbrechtaufgeführt worden sind, Blümner, Geschichte des Theaters zu Leipzig S. 302.

[24]Goethe bot die in Frankfurt nachgefeiltenMitschuldigendem dortigen BuchhändlerFleischervergebens zum Verlag an, sie wurden erst 1787 gedruckt, vorher aber wurden sie wiederholt auf dem Weimarschen Liebhabertheater gespielt, woGoethedenAlcest,BertuchdenSöller,MusäusdenWirth,Corona SchröterdieSophiegab. Riemer MittheilungenII. S. 36. 54. Briefe an Frau v. SteinII. S. 13. Böttiger litter. ZuständeI. S. 277. Peucer in Weimars Album S. 72. Als ein Curiosum mag bemerkt werden, daß die Mitschuldigen in Leipzig zuerst in einer prosaischen Bearbeitung vonAlbrechtaufgeführt worden sind, Blümner, Geschichte des Theaters zu Leipzig S. 302.

[25]Werke VI. S. 440 f.

[25]Werke VI. S. 440 f.

[26]Die erste istuntenals Vignette mitgetheilt.

[26]Die erste istuntenals Vignette mitgetheilt.

[27]Fragmente aus einer Goethe-Bibliothek S. 16 f.

[27]Fragmente aus einer Goethe-Bibliothek S. 16 f.

[28]Vgl. Schöll Briefe und Aufsätze von Goethe S. 108.

[28]Vgl. Schöll Briefe und Aufsätze von Goethe S. 108.

[29]Riemer MittheilungenII.S. 301: „Von meinem längeren Aufenthalt in Rom werde ich den Vortheil haben, daß ich auf das Ausüben der bildenden Kunst Verzicht thue.“ Eckermann GesprächeI.S. 132: „Was ich aber sagen wollte, ist dieses, daß ich in Italien in meinem vierzigsten Jahre klug genug war, um mich selber insoweit zu kennen, daß ich kein Talent zur bildenden Kunst habe, und daß diese meine Tendenz eine falsche sei.“ S. 139: „Ich sage dieses, indem ich bedenke, wie viele Jahre es gebrauchte, bis ich einsah, daß meine Tendenz zur bildenden Kunst eine falsche sei, und wie viele andere, nachdem ich es erkannt, mich davon loszumachen.“

[29]Riemer MittheilungenII.S. 301: „Von meinem längeren Aufenthalt in Rom werde ich den Vortheil haben, daß ich auf das Ausüben der bildenden Kunst Verzicht thue.“ Eckermann GesprächeI.S. 132: „Was ich aber sagen wollte, ist dieses, daß ich in Italien in meinem vierzigsten Jahre klug genug war, um mich selber insoweit zu kennen, daß ich kein Talent zur bildenden Kunst habe, und daß diese meine Tendenz eine falsche sei.“ S. 139: „Ich sage dieses, indem ich bedenke, wie viele Jahre es gebrauchte, bis ich einsah, daß meine Tendenz zur bildenden Kunst eine falsche sei, und wie viele andere, nachdem ich es erkannt, mich davon loszumachen.“

[30]Briefe an Lavater S. 164 f.

[30]Briefe an Lavater S. 164 f.

[31]Schöll Briefe und Aufsätze von Goethe S. 107 f.: „Rede bei Eröffnung der Londoner Akademie von Reynolds. Enthält fürtreffliche Erinnerungen eines Künstlers über die Bildung junger Maler; er dringt besonders auf die Correktion und auf das Gefühl der Idealischen stillen Größe. Er hat recht. Genies werden dadurch unendlich erhaben und kleine Geister wenigstens etwas.“

[31]Schöll Briefe und Aufsätze von Goethe S. 107 f.: „Rede bei Eröffnung der Londoner Akademie von Reynolds. Enthält fürtreffliche Erinnerungen eines Künstlers über die Bildung junger Maler; er dringt besonders auf die Correktion und auf das Gefühl der Idealischen stillen Größe. Er hat recht. Genies werden dadurch unendlich erhaben und kleine Geister wenigstens etwas.“

[32]Briefe an Frau v. SteinII.S. 279.

[32]Briefe an Frau v. SteinII.S. 279.

[33]WerkeXXIV.S. 210.

[33]WerkeXXIV.S. 210.

[34]Fragmente aus einer Goethe-Bibliothek S. 1 f.

[34]Fragmente aus einer Goethe-Bibliothek S. 1 f.

Leipzig20. Oktober 1765.

Morgends um 6.

Riese, guten Tag!

den 21. Abends um 5.

Riese, guten Abend!

Gestern hatte ich mich kaum hingesetzt um euch eine Stunde zu widmen, Als schnell ein Brief von Horn kam und mich von meinem angefangnen Blate hinweg riß. Heute werde ich auch nicht länger bey euch bleiben. Ichgeh in die Commoedie. Wir haben sie recht schön hier. Aber dennoch! Ich binn unschlüßig! Soll ich bey euch bleiben? Soll ich in die Commödie gehn? — Ich weiß nicht! Geschwind! Ich will würfeln. Ja ich habe keine Würfel! — Ich gehe! Lebt wohl! —

Doch halte! nein! ich will da bleiben. Morgen kann ich wieder nicht da muß ich ins Colleg, und Besuchen und Abends zu Gaste. Da will ich also jetzt schreiben. Meldet mir was ihr für ein Leben lebt? Ob ihr manchmahl an mich denkt. Was ihr für Professor habt. & cetera und zwar ein langes & cetera. Ich lebe hier, wie — wie — ich weiß selbst nicht recht wie. Doch so ohngefähr

So wie ein Vogel, der auf einem AstIm schönsten Wald, sich, Freiheit athmend wiegt.Der ungestört die sanfte Luft genießt.Mit seinen Fittichen von Baum zu Baumvon Bußch zu Bußch sich singend hinzuschwingen.

So wie ein Vogel, der auf einem AstIm schönsten Wald, sich, Freiheit athmend wiegt.Der ungestört die sanfte Luft genießt.Mit seinen Fittichen von Baum zu Baumvon Bußch zu Bußch sich singend hinzuschwingen.

So wie ein Vogel, der auf einem Ast

Im schönsten Wald, sich, Freiheit athmend wiegt.

Der ungestört die sanfte Luft genießt.

Mit seinen Fittichen von Baum zu Baum

von Bußch zu Bußch sich singend hinzuschwingen.

Genug stellt euch ein Vögelein, auf einem grünen Ästelein in allen seinen Freuden für, so leb ich. Heut hab ich angefangen Collegia zu hören.

Was für? — Ist es der Mühe wehrt zu fragen?Institutiones imperiales. Historiam iuris. Pandectasund einprivatissimumüber die 7 ersten und 7 letzten Titel des Codicis. Denn mehr braucht man nicht, das übrige vergißt sich doch. Nein gehorsamer Diener! das ließen wirschön unterwege. — Im Ernste ich habe heute zwei Collegen gehört, die Staatengeschichte bey Professor Böhmer, und bei Ernesti über Cicerons Gespräche vom Redner. Nicht wahr das ging an. Die andre Woche gehtCollegium philosophicum et mathematicuman. —

Gottscheden hab ich noch nicht gesehen. Er hat wieder geheurathet. Eine Jfr. Obristleutnantin. Ihr wißt es doch. Sie ist 19 und er 65 Jahr. Sie ist 4 Schue groß und er 7. Sie ist mager wie ein Häring und er dick wie ein Federsack. — Ich mache hier große Figur! — Aber noch zur Zeit bin ich kein Stutzer. Ich werd es auch nicht. — Ich brauche Kunst um fleißig zu sein. In Gesellschaften, Concert, Comoedie, bei Gastereyen, Abendessen, Spazierfahrten so viel es um diese Zeit angeht. Ha! das geht köstlich. Aber auch köstlich, kostspielig. Zum Henker das fühlt mein Beutel. Halt! rettet! haltet auf! Siehst du sie nicht mehr fliegen? Da marschierten 2 Louisdor. Helft! da ging eine. Himmel! schon wieder ein paar. Groschen die sind hier, wie Kreuzer bei euch draußen im Reiche. — Aber dennoch kann hier einer sehr wohlfeil leben. Die Messe ist herum. Und ich werde recht menageus leben. Da hoffe ich des Jahrs mit 300 Rthr. was sage ich mit 200 Rthr. auszukommen.NB. das nicht mitgerechnet, was schon zum Henker ist. Ich habe kostbaaren Tißch. Merkt einmahlunser Küchenzettel. Hüner, Gänße, Truthahnen, Endten, Rebhüner, Schnepfen, Feldhüner, Forellen, Haßen, Wildpret, Hechte, Fasanen, Austern u. s. w. Das erscheinet Taglich. Nichts von anderm groben Fleischut suntRind, Kälber, Hamel u. s. w. das weiß ich nicht mehr wie es schmeckt. Und die Herrlichkeiten nicht teuer, gar nicht teuer. — Ich sehe, daß mein Blat bald voll ist und es stehen noch keine Verse darauf, ich habe deren machen wollen. Auf ein andermahl. Sagt Kehren daß ich ihm schreiben werde. Ich höre von Horn, daß ihr euchob absentiam puellarum forma elegantiumbeklagt. Laßt euch von ihm das Urteil sagen daß ich über euch fällete.

Goethe.

[35]Joh. Jac. Riesewar ein Jugendfreund Goethes und studirte in Marburg, während Goethe in Leipzig war. Bei seinem späteren Aufenthalt in Frankfurt verkehrte er wiederum lebhaft mit Riese (WerkeXXII. S. 68 f.). Ein Portrait desselben in Lebensgröße in schwarzer Kreide von Goethe ausgeführt befindet sich noch im Besitze seines Neffen, Herrn J.Riesein Frankfurt; die Goetheschen Briefe sind leider alle bis auf diese Studentenbriefe vernichtet, welche H.Königin Lewalds Europa (1837,I. S. 145 ff.) in buchstabengetreuer Copie bekannt gemacht hat; danach sind sie hier wiederholt. Die Handschrift der ersten beiden Briefe ist stumpf und derb, ohne viel Unterscheidungszeichen, im dritten viel zierlicher, die Feder scheint frisch geschnitten.

[35]Joh. Jac. Riesewar ein Jugendfreund Goethes und studirte in Marburg, während Goethe in Leipzig war. Bei seinem späteren Aufenthalt in Frankfurt verkehrte er wiederum lebhaft mit Riese (WerkeXXII. S. 68 f.). Ein Portrait desselben in Lebensgröße in schwarzer Kreide von Goethe ausgeführt befindet sich noch im Besitze seines Neffen, Herrn J.Riesein Frankfurt; die Goetheschen Briefe sind leider alle bis auf diese Studentenbriefe vernichtet, welche H.Königin Lewalds Europa (1837,I. S. 145 ff.) in buchstabengetreuer Copie bekannt gemacht hat; danach sind sie hier wiederholt. Die Handschrift der ersten beiden Briefe ist stumpf und derb, ohne viel Unterscheidungszeichen, im dritten viel zierlicher, die Feder scheint frisch geschnitten.

[35]Joh. Jac. Riesewar ein Jugendfreund Goethes und studirte in Marburg, während Goethe in Leipzig war. Bei seinem späteren Aufenthalt in Frankfurt verkehrte er wiederum lebhaft mit Riese (WerkeXXII. S. 68 f.). Ein Portrait desselben in Lebensgröße in schwarzer Kreide von Goethe ausgeführt befindet sich noch im Besitze seines Neffen, Herrn J.Riesein Frankfurt; die Goetheschen Briefe sind leider alle bis auf diese Studentenbriefe vernichtet, welche H.Königin Lewalds Europa (1837,I. S. 145 ff.) in buchstabengetreuer Copie bekannt gemacht hat; danach sind sie hier wiederholt. Die Handschrift der ersten beiden Briefe ist stumpf und derb, ohne viel Unterscheidungszeichen, im dritten viel zierlicher, die Feder scheint frisch geschnitten.

Leipzig, d. 30ten Octbr. 1765.

Lieber Riese.

Euer Brief vom 27ten, der mich äuserst vergnügt hat, ist mir eben zugestellet worden. Die Versicherung daß ihr mich liebt, und daß euch meine Entfernung leid ist, würde mir mehr Zufriedenheit erweckt haben; wenn sie nicht in einem so fremden Tone geschrieben wäre.Sie! Sie!das lautet meinen Ohren so unerträglich, zumahl von meinen liebsten Freunden, daß ich es nichtsagen kann. Horn hat es auch so gemacht, ich habe mit ihm gekeift. Fast hatte ich Lust, mit euch auch zu keifen. Doch!Transeat!Wenn ihr es nur nicht wieder tuht. —

Ich lebe hier recht zufrieden. Ihr könnt es aus beiliegendem Briefe sehen, der schon lange geschrieben ist; ihr würdet ihn schon längst haben; wenn Horn nicht vergessen hätte mir eure Addresse zu senden. Die Beschreibung von Marpurg ist recht komisch.

Das beste Trauerspiel Mädgen sah ich nicht mehr. Wenn ihr nicht noch vor eurer Abreise erfahret, was sie von Belsazar denkt; so bleibt mein Schicksal unentschieden. Es fehlt sehr wenig; so ist der Fünfte Aufzug fertig. In 5füßigen Jamben.

Die Versart, die dem Mädgen wohl gefielder ich allein, Freund, zu gefallen wünschte.Die Versart, die der große Schlegel selbstund meist die Kritiker für's Trauerspieldie schicklichsten und die bequemsten halten.Die Versart, die den meisten nicht gefällt,Den Meisten deren Ohr sechsfüßigeAlexandriner noch gewohnt. Freund, die,die ist's die ich erwählt mein Trauerspielzu enden. Doch was schreib ich viel davon.Die Ohren gällten dir gar manchesmahl,von meinen Versen wieder drum mein Freund,Erzähl ich dir was angenehmeres.Ich schaute Gellerten, Gottscheden auchund eile jetzt sie treu dir zu beschreiben.Gottsched ein Mann so groß alß wär er vom alten GeschlechteJenes der zu Gath im Land der Philister gebohren,Zu der Kinder Israels Schrecken zum Eichgrund hinabkam.Ja so sieht er aus und seines Cörperbaus GrößeIst, er sprach es selbst, sechs ganze Parisische Schue.Wollt ich recht ihn beschreiben; so müßt ich mit einem ExempelSeine Gestalt dir vergleichen, doch dieses wäre vergebens.Wandeltest du geliebter auch gleich durch Länder und LänderVon dem Aufgang herauf biß zu dem Untergang nieder,Würdest du dennoch nicht einen der Gottscheden ähnlichte finden.Lange hab ich gedacht und endl. Mittel gefundenDir ihn zu beschreiben doch lache nicht meiner, Geliebter.Humano capiti, cervicem jungens equinamDerisus a Flacco non sine jure fuit.Hinc ego Kölbeliis imponens pedibus magnis,Immane corpus crassasque Scalpulas Augusti,[36]Et magna, magni, brachiaque manusque Rolandi,Addensque tumidum morosi Rostii[37]caput.Ridebor forsan? Ne rideatis amici.Dieß ist das wahre Bild von diesem großen Mann,So gut als ich es nur durchs Beyspiel geben kann.Nun nimm geliebter Freund die jetzt beschriebnen StückeSo zeiget glaub es mir sich Gottsched deinem Blicke.Ich sah den großen Mann auf dem Catehder stehn,Ich hörte was er sprach und muß es dir gestehn.Es ist sein Fürtrag gut, und seine Reden fließenSo wie ein klarer Bach. Doch steht er gleich den Riesen,Auf dem erhabnen Stuhl. Und kennte man ihn nichtSo wüßte man es gleich weil er steets prahlend spricht.Genug er sagte viel von seinem KabinetteWie vieles Geld ihn das und jen's gekostet hätte.

Die Versart, die dem Mädgen wohl gefielder ich allein, Freund, zu gefallen wünschte.Die Versart, die der große Schlegel selbstund meist die Kritiker für's Trauerspieldie schicklichsten und die bequemsten halten.Die Versart, die den meisten nicht gefällt,Den Meisten deren Ohr sechsfüßigeAlexandriner noch gewohnt. Freund, die,die ist's die ich erwählt mein Trauerspielzu enden. Doch was schreib ich viel davon.Die Ohren gällten dir gar manchesmahl,von meinen Versen wieder drum mein Freund,Erzähl ich dir was angenehmeres.Ich schaute Gellerten, Gottscheden auchund eile jetzt sie treu dir zu beschreiben.Gottsched ein Mann so groß alß wär er vom alten GeschlechteJenes der zu Gath im Land der Philister gebohren,Zu der Kinder Israels Schrecken zum Eichgrund hinabkam.Ja so sieht er aus und seines Cörperbaus GrößeIst, er sprach es selbst, sechs ganze Parisische Schue.Wollt ich recht ihn beschreiben; so müßt ich mit einem ExempelSeine Gestalt dir vergleichen, doch dieses wäre vergebens.Wandeltest du geliebter auch gleich durch Länder und LänderVon dem Aufgang herauf biß zu dem Untergang nieder,Würdest du dennoch nicht einen der Gottscheden ähnlichte finden.Lange hab ich gedacht und endl. Mittel gefundenDir ihn zu beschreiben doch lache nicht meiner, Geliebter.Humano capiti, cervicem jungens equinamDerisus a Flacco non sine jure fuit.Hinc ego Kölbeliis imponens pedibus magnis,Immane corpus crassasque Scalpulas Augusti,[36]Et magna, magni, brachiaque manusque Rolandi,Addensque tumidum morosi Rostii[37]caput.Ridebor forsan? Ne rideatis amici.Dieß ist das wahre Bild von diesem großen Mann,So gut als ich es nur durchs Beyspiel geben kann.Nun nimm geliebter Freund die jetzt beschriebnen StückeSo zeiget glaub es mir sich Gottsched deinem Blicke.Ich sah den großen Mann auf dem Catehder stehn,Ich hörte was er sprach und muß es dir gestehn.Es ist sein Fürtrag gut, und seine Reden fließenSo wie ein klarer Bach. Doch steht er gleich den Riesen,Auf dem erhabnen Stuhl. Und kennte man ihn nichtSo wüßte man es gleich weil er steets prahlend spricht.Genug er sagte viel von seinem KabinetteWie vieles Geld ihn das und jen's gekostet hätte.

Die Versart, die dem Mädgen wohl gefiel

der ich allein, Freund, zu gefallen wünschte.

Die Versart, die der große Schlegel selbst

und meist die Kritiker für's Trauerspiel

die schicklichsten und die bequemsten halten.

Die Versart, die den meisten nicht gefällt,

Den Meisten deren Ohr sechsfüßige

Alexandriner noch gewohnt. Freund, die,

die ist's die ich erwählt mein Trauerspiel

zu enden. Doch was schreib ich viel davon.

Die Ohren gällten dir gar manchesmahl,

von meinen Versen wieder drum mein Freund,

Erzähl ich dir was angenehmeres.

Ich schaute Gellerten, Gottscheden auch

und eile jetzt sie treu dir zu beschreiben.

Gottsched ein Mann so groß alß wär er vom alten Geschlechte

Jenes der zu Gath im Land der Philister gebohren,

Zu der Kinder Israels Schrecken zum Eichgrund hinabkam.

Ja so sieht er aus und seines Cörperbaus Größe

Ist, er sprach es selbst, sechs ganze Parisische Schue.

Wollt ich recht ihn beschreiben; so müßt ich mit einem Exempel

Seine Gestalt dir vergleichen, doch dieses wäre vergebens.

Wandeltest du geliebter auch gleich durch Länder und Länder

Von dem Aufgang herauf biß zu dem Untergang nieder,

Würdest du dennoch nicht einen der Gottscheden ähnlichte finden.

Lange hab ich gedacht und endl. Mittel gefunden

Dir ihn zu beschreiben doch lache nicht meiner, Geliebter.

Humano capiti, cervicem jungens equinam

Derisus a Flacco non sine jure fuit.

Hinc ego Kölbeliis imponens pedibus magnis,

Immane corpus crassasque Scalpulas Augusti,[36]

Et magna, magni, brachiaque manusque Rolandi,

Addensque tumidum morosi Rostii[37]caput.

Ridebor forsan? Ne rideatis amici.

Dieß ist das wahre Bild von diesem großen Mann,

So gut als ich es nur durchs Beyspiel geben kann.

Nun nimm geliebter Freund die jetzt beschriebnen Stücke

So zeiget glaub es mir sich Gottsched deinem Blicke.

Ich sah den großen Mann auf dem Catehder stehn,

Ich hörte was er sprach und muß es dir gestehn.

Es ist sein Fürtrag gut, und seine Reden fließen

So wie ein klarer Bach. Doch steht er gleich den Riesen,

Auf dem erhabnen Stuhl. Und kennte man ihn nicht

So wüßte man es gleich weil er steets prahlend spricht.

Genug er sagte viel von seinem Kabinette

Wie vieles Geld ihn das und jen's gekostet hätte.

Und andre Dinge mehr, genug mein Freund Ich muß schließen. Du weißt doch er hat eine Frau. Er hat wieder geheurahtet, der alte Bock! Ganz Leipzig verachtet ihn. Niemand geht mit ihm um.

Apropos. Hast du nicht gehört? Der Hofraht beklagt sich über den Mangel der Mädgen zu Göttingen.

Zu was will er ein Mädchen?Um die retohrischen Figuren auszuübenUnd nach der neuesten Art recht hübnerisch[38]zu liebenZu sehn ob die Protase ein hartes Herz erweicht.Zu sehn ob man durch Reglen der Liebe Zweck erreichtZu sehn ob Mimesis, die Ploce, die SarkasmenSo voller Reitzung sind wie Neukirchs[39]PleonasmenUnd ob er in dem Tohne, wie er den Ulfo singt,Mit des Corvinus[40]Versen, das Herz der Schönen zwingt.Und ob — Mein Blat ist voll ich werde schließen müssen.Die Mädgen meiner Stadt und Kehren sollt ihr grüßen.

Zu was will er ein Mädchen?Um die retohrischen Figuren auszuübenUnd nach der neuesten Art recht hübnerisch[38]zu liebenZu sehn ob die Protase ein hartes Herz erweicht.Zu sehn ob man durch Reglen der Liebe Zweck erreichtZu sehn ob Mimesis, die Ploce, die SarkasmenSo voller Reitzung sind wie Neukirchs[39]PleonasmenUnd ob er in dem Tohne, wie er den Ulfo singt,Mit des Corvinus[40]Versen, das Herz der Schönen zwingt.Und ob — Mein Blat ist voll ich werde schließen müssen.Die Mädgen meiner Stadt und Kehren sollt ihr grüßen.

Zu was will er ein Mädchen?

Um die retohrischen Figuren auszuüben

Und nach der neuesten Art recht hübnerisch[38]zu lieben

Zu sehn ob die Protase ein hartes Herz erweicht.

Zu sehn ob man durch Reglen der Liebe Zweck erreicht

Zu sehn ob Mimesis, die Ploce, die Sarkasmen

So voller Reitzung sind wie Neukirchs[39]Pleonasmen

Und ob er in dem Tohne, wie er den Ulfo singt,

Mit des Corvinus[40]Versen, das Herz der Schönen zwingt.

Und ob — Mein Blat ist voll ich werde schließen müssen.

Die Mädgen meiner Stadt und Kehren sollt ihr grüßen.

d. 6. Nov. 1765.

Goethe.

[36]Du kennst ihn doch? den dicken Schornsteinfeger.[37]Du wirst dich noch des Fuchsens Vaters erinnern.[38]Joh. Hübner, der bekannte Geograph und Historiker, hatte auch „Fragen aus der Oratorie“ (Leipzig 1726-30. 5 Bde.) geschrieben.[39]Benjamin Neukirch, Schlesischer Dichter, st. 1729.[40]Corvinus, Advokat und Poet in Leipzig, st. 1746.

[36]Du kennst ihn doch? den dicken Schornsteinfeger.

[36]Du kennst ihn doch? den dicken Schornsteinfeger.

[37]Du wirst dich noch des Fuchsens Vaters erinnern.

[37]Du wirst dich noch des Fuchsens Vaters erinnern.

[38]Joh. Hübner, der bekannte Geograph und Historiker, hatte auch „Fragen aus der Oratorie“ (Leipzig 1726-30. 5 Bde.) geschrieben.

[38]Joh. Hübner, der bekannte Geograph und Historiker, hatte auch „Fragen aus der Oratorie“ (Leipzig 1726-30. 5 Bde.) geschrieben.

[39]Benjamin Neukirch, Schlesischer Dichter, st. 1729.

[39]Benjamin Neukirch, Schlesischer Dichter, st. 1729.

[40]Corvinus, Advokat und Poet in Leipzig, st. 1746.

[40]Corvinus, Advokat und Poet in Leipzig, st. 1746.

Lieber Riese.

Ich habe euch lange nicht geschrieben. Verzeiht es mir. Fragt nicht nach der Ursache! Die Geschäfte warenes wenigstens nicht. Ihr lebt vergnügt in M. ich lebe hier eben so. Einsam, Einsam, ganz einsam. Bester Riese diese Einsamkeit hat so eine gewisse Traurigkeit in meine Seele gepräget.

Es ist mein einziges Vergnügen,Wenn ich entfernt von jedermann,Am Bache, bey den Büschen liegen,An meine Lieben denken kann.

Es ist mein einziges Vergnügen,Wenn ich entfernt von jedermann,Am Bache, bey den Büschen liegen,An meine Lieben denken kann.

Es ist mein einziges Vergnügen,

Wenn ich entfernt von jedermann,

Am Bache, bey den Büschen liegen,

An meine Lieben denken kann.

So vergnügt ich aber auch da bin, so fühle ich dennoch allen Mangel des gesellschaftlichen Lebens. Ich seufze nach meinen Freunden und meinen Mädgen, und wenn ich fühle daß ich vergebens seufze

Da wird mein Herz von Jammer voll,Mein Aug wird trüber,Der Bach rauscht jetzt im Sturm vorüber,Der mir vorher so sanft erscholl.Kein Vogel singt in den Gebüschen,Der grüne Baum verdorrtDer Zephir der mich zu erfrischenSonst wehte, stürmt und wird zum Nord,Und trägt entrissne Blüten fort.Voll zittern flieh ich dann den Ort,Ich flieh und such in öden MauernEinsames Trauern.

Da wird mein Herz von Jammer voll,Mein Aug wird trüber,Der Bach rauscht jetzt im Sturm vorüber,Der mir vorher so sanft erscholl.Kein Vogel singt in den Gebüschen,Der grüne Baum verdorrtDer Zephir der mich zu erfrischenSonst wehte, stürmt und wird zum Nord,Und trägt entrissne Blüten fort.Voll zittern flieh ich dann den Ort,Ich flieh und such in öden MauernEinsames Trauern.

Da wird mein Herz von Jammer voll,

Mein Aug wird trüber,

Der Bach rauscht jetzt im Sturm vorüber,

Der mir vorher so sanft erscholl.

Kein Vogel singt in den Gebüschen,

Der grüne Baum verdorrt

Der Zephir der mich zu erfrischen

Sonst wehte, stürmt und wird zum Nord,

Und trägt entrissne Blüten fort.

Voll zittern flieh ich dann den Ort,

Ich flieh und such in öden Mauern

Einsames Trauern.

Aber wie froh bin ich, ganz froh. Horn hat mich durch seine Ankunft einem Teil meiner Schwermuht entrissen. Er wundert sich daß ich so verändert bin.

Er sucht die Ursach zu ergründen,Denkt lächlend nach, und sieht mir ins Gesicht.Doch wie kann er die Ursach finden,Ich weiß sie selbsten nicht.

Er sucht die Ursach zu ergründen,Denkt lächlend nach, und sieht mir ins Gesicht.Doch wie kann er die Ursach finden,Ich weiß sie selbsten nicht.

Er sucht die Ursach zu ergründen,

Denkt lächlend nach, und sieht mir ins Gesicht.

Doch wie kann er die Ursach finden,

Ich weiß sie selbsten nicht.

Euer Brief redet von Geyern. Glaubt denn der ehrliche Mann, daß hier die Auditores hundert weise säßen. Er war ja ehemals in Leipzig. Aber, nicht wahr, wie leer waren seine Hörsäle.

Ich muß doch ein wenig von mir selbst reden.

Ganz andre Wünsche steigen jetzt als sonstGeliebter Freund in meiner Brust herauf.Du weißt, wie sehr ich mich zur Dichtkunst neigte,Wie großer Haß in meinem Bußen schlug,Mit dem ich die verfolgte, die sich nurDem Recht und seinem Heiligthume weihtenUnd nicht der Mußen sanften LockungenEin offnes Ohr und ausgestreckte HändeVoll Sehnsucht reichten. Ach du weißt mein Freund,Wie sehr ich (und gewiß mit Unrecht) glaubte,Die Muße liebte mich und gäb mir oftEin Lied. Es klang von meiner Leyer zwarManch stolzes Lied, das aber nicht die Musen,Und nicht Apollo reichten. Zwar mein StolzDer glaubt es, daß so tief zu mir herabSich Götter niederließen, glaubte, daßAus Meisterhänden nichts Vollkommners käme,Als es aus meiner Hand gekommen war.Ich fühlte nicht, daß keine Schwingen mirGegeben waren, um empor zu rudern.Und auch vielleicht, mir von der Götter Hand,Niemals gegeben werden würden. DochGlaubt ich, ich hab sie schon und könnte fliegen.Allein kaum kam ich her, als schnell der NebelVon meinen Augen sank, als ich den RuhmDer großen Männer sah, und erst vernahm,Wie viel dazu gehörte, Ruhm verdienen.Da sah ich erst, daß mein erhabner Flug,Wie er mir schien, nichts war als das BemühnDes Wurms im Staube, der den Adler siehtZur Sonn sich schwingen, und wie der hinaufSich sehnt. Er sträubt empor, und windet sich,Und ängstlich spannt er alle Nerven anUnd bleibt am Staub. Doch schnell entsteht ein Wind,Der hebt den Staub in Wirbeln auf. Den WurmErhebt er in den Wirbeln auf. Der glaubtSich groß, dem Adler gleich, und jauchzet schonIm Taumel. Doch auf einmahl zieht der WindDen Odem ein. Es sinkt der Staub hinab,Mit ihm der Wurm. Jetzt kriecht er wie zuvor.

Ganz andre Wünsche steigen jetzt als sonstGeliebter Freund in meiner Brust herauf.Du weißt, wie sehr ich mich zur Dichtkunst neigte,Wie großer Haß in meinem Bußen schlug,Mit dem ich die verfolgte, die sich nurDem Recht und seinem Heiligthume weihtenUnd nicht der Mußen sanften LockungenEin offnes Ohr und ausgestreckte HändeVoll Sehnsucht reichten. Ach du weißt mein Freund,Wie sehr ich (und gewiß mit Unrecht) glaubte,Die Muße liebte mich und gäb mir oftEin Lied. Es klang von meiner Leyer zwarManch stolzes Lied, das aber nicht die Musen,Und nicht Apollo reichten. Zwar mein StolzDer glaubt es, daß so tief zu mir herabSich Götter niederließen, glaubte, daßAus Meisterhänden nichts Vollkommners käme,Als es aus meiner Hand gekommen war.Ich fühlte nicht, daß keine Schwingen mirGegeben waren, um empor zu rudern.Und auch vielleicht, mir von der Götter Hand,Niemals gegeben werden würden. DochGlaubt ich, ich hab sie schon und könnte fliegen.Allein kaum kam ich her, als schnell der NebelVon meinen Augen sank, als ich den RuhmDer großen Männer sah, und erst vernahm,Wie viel dazu gehörte, Ruhm verdienen.Da sah ich erst, daß mein erhabner Flug,Wie er mir schien, nichts war als das BemühnDes Wurms im Staube, der den Adler siehtZur Sonn sich schwingen, und wie der hinaufSich sehnt. Er sträubt empor, und windet sich,Und ängstlich spannt er alle Nerven anUnd bleibt am Staub. Doch schnell entsteht ein Wind,Der hebt den Staub in Wirbeln auf. Den WurmErhebt er in den Wirbeln auf. Der glaubtSich groß, dem Adler gleich, und jauchzet schonIm Taumel. Doch auf einmahl zieht der WindDen Odem ein. Es sinkt der Staub hinab,Mit ihm der Wurm. Jetzt kriecht er wie zuvor.

Ganz andre Wünsche steigen jetzt als sonst

Geliebter Freund in meiner Brust herauf.

Du weißt, wie sehr ich mich zur Dichtkunst neigte,

Wie großer Haß in meinem Bußen schlug,

Mit dem ich die verfolgte, die sich nur

Dem Recht und seinem Heiligthume weihten

Und nicht der Mußen sanften Lockungen

Ein offnes Ohr und ausgestreckte Hände

Voll Sehnsucht reichten. Ach du weißt mein Freund,

Wie sehr ich (und gewiß mit Unrecht) glaubte,

Die Muße liebte mich und gäb mir oft

Ein Lied. Es klang von meiner Leyer zwar

Manch stolzes Lied, das aber nicht die Musen,

Und nicht Apollo reichten. Zwar mein Stolz

Der glaubt es, daß so tief zu mir herab

Sich Götter niederließen, glaubte, daß

Aus Meisterhänden nichts Vollkommners käme,

Als es aus meiner Hand gekommen war.

Ich fühlte nicht, daß keine Schwingen mir

Gegeben waren, um empor zu rudern.

Und auch vielleicht, mir von der Götter Hand,

Niemals gegeben werden würden. Doch

Glaubt ich, ich hab sie schon und könnte fliegen.

Allein kaum kam ich her, als schnell der Nebel

Von meinen Augen sank, als ich den Ruhm

Der großen Männer sah, und erst vernahm,

Wie viel dazu gehörte, Ruhm verdienen.

Da sah ich erst, daß mein erhabner Flug,

Wie er mir schien, nichts war als das Bemühn

Des Wurms im Staube, der den Adler sieht

Zur Sonn sich schwingen, und wie der hinauf

Sich sehnt. Er sträubt empor, und windet sich,

Und ängstlich spannt er alle Nerven an

Und bleibt am Staub. Doch schnell entsteht ein Wind,

Der hebt den Staub in Wirbeln auf. Den Wurm

Erhebt er in den Wirbeln auf. Der glaubt

Sich groß, dem Adler gleich, und jauchzet schon

Im Taumel. Doch auf einmahl zieht der Wind

Den Odem ein. Es sinkt der Staub hinab,

Mit ihm der Wurm. Jetzt kriecht er wie zuvor.

Werdet nicht über meinen Galimathias böse. Lebt wohl. Horn will meinen Brief einschließen. Grüßt den Kehr. Schreibt. Habt mehr Collegia in Zukunft. Horn soll 5 nehmen. Ich 6. Lebt wohl. Gewöhnt euch keine academistische Sitten an. Liebt mich. Lebt wohl. Lebt wohl.

Leipzigd. 28 Ap. 1766.

Goethe.

d 1. Octb. 1768.

Ihr Diener Hr. Schönkopf, wie befinden Sie sich Madame, Guten Abend Mamsell, Petergen guten Abend.

NB.Sie müssen sich vorstellen dass ich zur kleinen Stubentühre hineinkomme. Sie Hr. Schönkopf sitzen auf dem Canapee am warmen Ofen, Madame in Ihrem Eckgen hinterm Schreibetisch, Peter liegt unterm Ofen, und wenn Käthgen auf meinem Platze am Fenster sitzt; so mag sie nur aufstehen, und dem Fremden Platz machen. Nun fange ich an zu discouriren.

Ich binn lange Aussengeblieben, nicht wahr? fünf ganze Wochen, und drüber dass ich Sie nicht gesehen, dass ich Sie nicht gesprochen habe, ein Fall der in drittehalbjahren nicht ein einzigmal passirt ist, und hinführo leider oft passiren wird. Wie ich gelebt habe, das mögten Sie gerne wissen. Eh das kann ich Ihnen wohl erzälen, mittelmäsig sehr mittelmäsig.

Apropos, daß ich nicht Abschied genommen habe werden Sie mir doch vergeben haben. In der Nachbarschafft war ich, ich war schon unten an der Türe, ich sah die Laterne brennen, und ging biß an die Treppe, aber ich hatte das Herz nicht hinaufzusteigen. Zum letztenmal, wie wäre ich wieder herunter gekommen.

Ich tuhe also jetzt was ich damals hätte tuhn sollen, ich danke Ihnen für alle Liebe und Freundschafft, die Sie mir so beständig erwiesen haben, und die ich nie vergessen werde. Ich brauche Sie nicht zu bitten Sich meiner zu erinnern, tausend Gelegenheiten werden kommen, bei denen Sie an einen Menschen gedencken müssen, der drittehalb Jahre ein Stück Ihrer Famielie ausmachte, der Ihnen wohl oft Gelegenheit zum Unwillen gab, aber doch immer ein guter Junge war, und den Sie hoffentlich manchmal vermissen werden. Wenigstens ich vermisse Sie offt — Darüber will ich weggehen, denn das ist immer für mich ein traurigesCapitel. Meine Reise ging glücklich, und mittelmäsig, alles habe ich hier gesund angetroffen außer meinen Großvater, der zwar wieder an der, durch den Schlag gelähmten Seite ziemlich hergestellt ist, aber doch mit der Sprache noch nicht fortkann.Ich befinde mich so gut als ein Mensch der in Zweifel steht ob er die Lungensucht hat oder nicht, sich befinden kann; doch geht es etwas besser, ich nehme an Backen wieder zu, und da ich hier weder Mädgen noch Nahrungssorgen habe die mich plagen könnten, so hoffe ich von Tag zu Tage weiter zu kommen.

Hören Sie Mamsell hat Ihnen mein Verwalter neulich die geringen Kleinigkeiten zugestellt die ich Ihnen auf Abschlag schickte, und wie haben Sie sie aufgenommen,[42]die übrigen Commissionen sind alle nicht vergessen, wenn sie gleich nicht alle ausgerichtet sind. Das Halstuch ist mit dem größten Gusto fertig, und wird mit ehster Gelegenheit folgen, Verlangen sie eines von inliegender Farbe, so dürfen Sie nur befehlen, und auch was für eine Farbe sie drauf haben wollen. Der Fächer ist in der Arbeit, er wird fleischfarb der Grund, mit lebendigen Blumen. Halten die Schue noch? Machen Sie mit Ihrem Schuster aus ober sie, wenn sie recht fest gemahlt sind, so in acht nehmen will dass er sie nicht verdirbt, wenn er sie macht, und dann schicken Sie mir Ihr Schuemuster und da will ich Ihnen mahlen so viel sie wollen, und von was Farben Sie wollen, denn es geht geschwind. Was andere Dinge mehr sind wird die Zeit fügen. Schreiben Sie mir wann Sie wollen nur noch Vorm ersten November, denn da schreibe ich wieder an Sie und mehr, ich weiß doch Lieber Hr. Schönkopf dass sie nicht selbst schreiben, aber treiben Sie Käthgen ein Bißgen, dass ich bald Nachricht von euch kriege. Nicht wahr Madame das wäre unbillig wenn ich nicht wenigstens alle Monate einen Brief aus dem Hause bekäme, wo ich bißher alle Tage drinne war. Und schreibt ihr mir nicht; so tuhts nichts den ersten November schreib ich wieder.

Empfelungen, an Mad. Oberm. Hr. Obermann Madslle Obermann ganz besonders, Hr. Reich, Hr. Junius, ferner Madslle Weidemann die Sie um Vergebung bitten müssen dass ich nicht Abschied genommen habe. Adieu alle zusammen. Käthgen wenn Sie mir nicht schreiben so sollen Sie sehen.

fortgeschickt d 3ten Octbr.


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