[253]Vier Zeichnungen von Goethe, jetzt im Besitze des HerrnKeil.
[253]Vier Zeichnungen von Goethe, jetzt im Besitze des HerrnKeil.
[253]Vier Zeichnungen von Goethe, jetzt im Besitze des HerrnKeil.
Ew. Wohlgeboren
danke verbindlichst für den übersendeten Catalog, und bitte mir die Erlaubniß aus, gegen Michael dieselben mit einigen Aufträgen beschweren zu dürfen.
Bey Gemälden, noch mehr aber bey Zeichnungen, kommt alles auf die Originalität an. Ich verstehe hier unter Originalität, nicht, daß das Werk gerade von dem Meister sey, dem er zugeschrieben wird, sondern daß es ursprünglich so geistreich sey, um die Ehre eines berühmten Namens allenfalls zu verdienen.
Die Nummern des Catalogs, auf welche ich meine Aufmerksamkeit richte, werde ich Ew. Wohlgeboren übersenden, mit besondern Bemerkungen dabey, was ich nach der Analogie hoffe oder erwarte. Mögen Ew. Wohlgeboren hiernach die Blätter beschauen, berutheilen und würdern, und solche erstehen oder erstehen lassen,so werd' ich es dankbar erkennen, und alles was Sie beschlossen und angeschafft ohne Weiteres mit Vergnügen genehmigen, überzeugt, daß ich mich selber nicht besser hätte berathen können. Anweisung auf eine proportionirte Summe erfolgt zugleich.
Diese Bemühungen wage ich um desto eher, Ihnen, mein verehrter Freund! anzusinnen, als Sie durch eine so gütige auszeichnende Aufnahme meines biographischen Versuchs, Sich gleichsam als meinen wohlwollenden Schuldner bekennen. Fahren Sie fort mich auf meinem Wege mit guten Wünschen und Theilnahme zu begleiten. Der Verlust den wir alle mehr oder weniger erlitten haben, und der Sie, leider! so hart betroffen, kann nur verschmerzt werden, wenn wir uns immer treuer an einander schließen, und der Deutsche immer mehr einsehen lernt, daß nirgends für ihn Heil zu finden sey als bey seinen Landleuten. Unter diesen frommen Wünschen und Vorsätzen, dürfen wird freylich nicht an's Öffentliche denken, welches leider schon durch die traurigsten Spaltungen zu zerfallen droht. Möge dies Glück wenigstens Privatpersonen aufbewahrt seyn, daß sie fortfahren einander zu schätzen und zu lieben.
Weimar den 27. Febr. 1815.
ergebenstGoethe
Mit Beantwortung Ew. Wohlgeboren freundlichen Schreibens, vom 29 July komme leider erst nach dem Feste. Hätte ich gleich im Frühjahr die Aufträge, wie ich sie zu geben gedachte niedergeschrieben, so würden Ew. Wohlgeb. solche entweder selbst oder durch einen Freund, gewiß zu meiner Zufriedenheit haben ausrichten lassen. Nun aber hielt mich meine Reise zu lange am Rhein und Mayn, und in den ersten Augenblicken meines Hierseyns konnte zu keiner Fassung gelangen, und leider entschlüpfte mir so die schönste Gelegenheit meine Sammlung abermals mit bedeutenden Kunstwerken zu vermehren. Nehmen Sie jedoch auch in dem gegenwärtigen Falle meinen aufrichtigen Dank für Ihre gütigen Bemühungen, und die aufrichtige Erklärung, in welcher ich Ihren längst erprobten Charakter aufs neue mit besonderer Rührung anerkannt. Seyn Sie überzeugt, daß ich in ähnlichen Fällen mich vollkommen beruhigen werde, wenn Sie, oder diejenigen denen Sie Ihr Vertrauen schenken, zu meinem Vortheile würken mögen. Gegenwärtig aber würden Sie mir eine besondere Gefälligkeit erweisen, wenn Sie mir einen Catalog mit beygefügten Preißen für die Gebühr verschaffenmöchten. Die Durchsicht desselben, wenn sie mir auch hie und da vielleicht eine unangenehme Empfindung erregte, würde für mich auf alle Fälle belehrend seyn, und ich werde Ihnen dieses, sowie so manches andere Gute herzlich verdanken.
Mit Bitte, mich allen werthen Gönnern und Freunden angelegentlichst zu empfehlen
Weimarden 23. Octbr.1815.
ergebenst!Goethe
Ew. Wohlgeb.
schöne Gabe[254]ward mir schon längst und diente mir in trüben Stunden zur angenehmsten Erheiterung, besonders gab die Schreckensgeschichte jener Schlachttage einen bedeutenden Wink, wie man geringeren Übeln nicht unterliegen solle, da der Mensch die größten besteht und aus ihnen oft gerettet wird.[255]
Die Bildung Ihres Charakters und Styls, erscheint hier im vortheilhaftesten Lichte: es thut immer einegroße Wirkung, wenn der Mann auch seine schlimmsten Erfahrungen würdig darzustellen weiß.
Mit dem Altern ist es freylich so eine Sache. Die Jahre könnte man allenfalls noch wohl ertragen, wenn sie flüchtig wie die früheren vorüber gingen, da sie aber so manches, auch von Außen, heranschleppen, womit sich die Jugend selbst nicht befaßen möchte, so spürt man freylich den Mangel an Kraft und Ausdauer doppelt und dreyfach. Hat man indeßen so lange des Guten genoßen und sich in das Schlimme gefügt, so bleibt wohl nichts übrig, als daß man seine Kräfte zusammen nehme, um bis ans Ende etwas werth zu seyn.
Erhalten Sie mir Ihre Theilnahme und bleiben der meinigen gewiß. Empfehlen Sie mich den werthen Ihrigen und auch in dem Löhrisch-Keilischen Hause.
Schließlich, da ich mich zu Ihnen versetzt hatte, fällt mir noch ein Wunsch ein: könnten Sie mir gelegentlich eine recht gute Federzeichnung von Guercin um billigen Preiß verschaffen, es sey Landschaft, Kopf, oder Halbfigur, so geschähe mir ein ganz besonderer Gefalle. In jener von mir versäumten Auction waren deren mehrere.
Nochmals mich bestens empfehlend.
Weimar d 10. Decbr.1816.
ergebenstGoethe
[254]Neue Erzählungen von Fr. Rochlitz. Leipz. 1816.[255]„Der Tag der Gefahr,“ vgl.XLVI.WerkeXXVII.S. 319.XXXII.S. 336 f.
[254]Neue Erzählungen von Fr. Rochlitz. Leipz. 1816.
[254]Neue Erzählungen von Fr. Rochlitz. Leipz. 1816.
[255]„Der Tag der Gefahr,“ vgl.XLVI.WerkeXXVII.S. 319.XXXII.S. 336 f.
[255]„Der Tag der Gefahr,“ vgl.XLVI.WerkeXXVII.S. 319.XXXII.S. 336 f.
Ew. Wohlgebornen
geneigtes Schreiben hat mir viel Freude gemacht, ich sehe daraus daß mein Andenken bey Ihnen lebendig ist, und daß Sie auf die freundschaftlichste Art meine Neigung zu befriedigen wünschen und mir für belehrende Unterhaltung Sorge tragen wollen. Ich nehme daher das Anerbieten wegen des Guercin. Bildes dankbar auf, bitte mir solches zu senden, und nicht zu verhehlen was ich dafür schuldig werde.
Die geschnittenen Steine betreffend, so laßen Sie Sich nicht reuen mir davon gemeldet zu haben. Seine Waare muß man ausstellen, ausbieten, wenn man sie los werden will. Unsere gnädigsten Herrschaften sind gegenwärtig nicht geneigt dergleichen anzuschaffen; ich habe jedoch einen andern Gedanken: Wir stehen mit den Hanauer Goldarbeitern[256]in gutem Verhältniß theils wegen des Falkenordens, theils wegen mancher Geschenke welche die Fürsten öfters abreichen müßen. Solche Fabriken haben hunderterley Gelegenheit auf Dosen, bey Schmuck, Ringen und d. gl. dergleichen anzubringen. Möchten Sie mir ein detaillirtes Verzeichnißzusenden, was die Steine vorstellen, von welcher Größe sie sind, vielleicht legten Sie auch einige Gypsabgüsse der größten, oder für vorzüglich gehaltenen bey; so wollt ich das alles nächstens nach Hanau spediren, da ich ohne dem etwas dort zu bestellen habe. Es sollte mir Freude seyn Ihren Wünschen hiedurch entgegen zu kommen.
Möchte ich vernehmen daß Sie sich wohl und heiter befinden.
Weimar d. 20. März1817.
ergebenstGoethe
[256]Vgl. WerkeXX.S. 181.
[256]Vgl. WerkeXX.S. 181.
[256]Vgl. WerkeXX.S. 181.
Ew. Wohlgeb.
können, mitten in Leipzig, umgeben von eignen Kunstschätzen und Sammlungen andrer, Sich unmöglich einen Begriff machen wie es mir zu Muthe sey, in dem zwar geistvollen; doch gestaltlosen Jena, auf einmal eine so liebwerthe Erscheinung zu sehen als das Bild, mir zur freundlichsten Gabe dargereicht.[257]Es hat mich schon zu hundert Betrachtungen veranlaßt, und soll immer vor meinen Augen, michan Ihr Verdienst und Ihre Neigung zu mir täglich erinnern.
Nehmen Sie meinen vorläufigen eiligen Danck und verzeihen wenn ich das schöne Geschenck nicht so unbewunden annahm als Sie es anboten. Wer sich fast unabläßig mit der wilden Welt herumbalgen muß vermißt oft das Zarte Gefühl den Händedruck eines Freundes gebührend zu erwiedern; lassen Sie mich also doppelt und dreyfach Ihren ethischen Schuldner bleiben.
Jena d. 9 Apr. 1807.
ergebenstGoethe
Herr Angermann hatte die Artigkeit mir das Kästchen hier persönlich zu überreichen.
Wegen der Gemmen nächstens.
[257]WerkeXXVII.S. 332.
[257]WerkeXXVII.S. 332.
[257]WerkeXXVII.S. 332.
Ew. Wohlgeboren
herzlicher, aus freier Brust geschriebener Brief, hat mir große Freude gemacht.[258]Ich hatte freilich auf Sie gezählt, daß Sie aber so schnell, augenblicklich, unmittelbar sich äusern, dafür weiß ich Ihnen den größten Danck. Freund Meyer, dessen Um-und Übersicht alter und neuer Zeit, Sie in dem kühnen Aufsatze[259]nicht verkennen werden, trägt mit mir diese Gesinnungen schon viele Jahre auf dem Herzen, und es schien gerade der rechte Augenblick, wo das Absurde sich selbst überbietet, wo alle ächte Gleichzeitigen, besonders die Väter und Pfleger talentvoller, durch diesen Zeitwahnsinn verrückter Söhne, in Verzweiflung sind, mit historischem, billigem, das Talent würdigendem die Abweichung scharf bezeichnendem Vortrag aufzutreten. Tausend und aber Tausend Wohldenkende, werden sich gewiß schnell versammeln, der reine Menschen- und Kunstverstand wird laut werden, und wir kommen auch denen zu statten, die jetzt wider Willen dem Strohm in den sie sich eingelassen haben gehorchen.
Von dem Überschwenglichen der Tollheit wie Sie es mir schildern, hatten Wir freilich noch keinen Begrif, da Wir aber, es entstehe daraus was wolle, immer auf diesen Fleck zu schlagen gedenken, so haben Sie die Gefälligkeit, mich von Zeit zu Zeit von dem Besondern zu unterrichten. Wir mögten, wie auch schon in dem ersten Aufsatz geschehen, das talentvolle Individuum schonen und fördern, wie Sie auch thun und gethan haben, aber auf die falschen, kranckhaften und im tiefsten Grundeheuchlerischen Maximen, derb und unerbittlich loßgehen, und, wie sie ganz richtig anrathen und verlangen, dasjenige immer und dümmer[260]wiederholen, was würcken soll. Das nächste dritte Heft wird nicht allein in diesem Fache, sondern auch in andern aufrichtig seyn.
Haben Sie die Güte mir alles anzuzeigen, was Sie von Persönlichkeiten und Individualitäten wissen, ich mache keinen Gebrauch davon, ehe ich Ihnen die Redaction vorgelegt habe. Es ist eine Gewissenssache mit der wir zusammen würcken müssen. Die Masse ist breit, aber schwach, und ich denke ihnen noch, von ein paar andern Seiten in die Flancke zu fallen.
Hievon nur diese Andeutung! Wie erfreulich ist mir, der reine, freie Ausdruck Ihres Briefes, auch nur als Sprachäusserung betrachtet, und zu welchen ekelhaften, befremdeten[260]Narrheiten, wollen uns die Deutschen Männer zwingen! auch gegen die werden wir auftreten, und welche wackere junge Theilnehmende wir für unsere Überzeugung hoffen können, davon zeugt beiliegendes Heftchen.
Kennen Sie schon den Aufsatz? so ist es Ihnen wohl angenehm ihn zu besitzen, und Freunden mitzutheilen. Man muß jetzt auch Parthei machen das Vernünftige zu erhalten, da die Unvernunft so kräftig zu Werckegeht. Lassen Sie uns bedenken, daß wir dies Jahr das Reformationsfest feiern, und daß wir unsern Luther nicht höher ehren können, als wenn wir dasjenige was wir für Recht, der Nation und dem Zeitalter ersprießlich halten, mit Ernst und Kraft, und wäre es auch mit einiger Gefahr verknüpft, öffentlich aussprechen, und wie Sie ganz richtig urgiren, öfters wiederholen.
Das mir geneigt gespendete Bild, gewährt mir immer viel Freude. Aus einem Kunstwerk, das wahrhaft gut ist, läßt sich viel heraussehen, und was es anregt ist immer unendlich.
Ich weiß nicht ob ich schon gemeldet habe, daß meine Vorliebe fürs Sechszehende Jahrhundert mich auch verleitet hat, eine ansehnliche Sammlung Majolika aus Nürnberg mir eigen zu machen,[261]welche, glücklich angekommen, einen vergnüglichen Anblick geben, dabey aber auch aussagen, daß dergleichen subalterne Kunstwerke nur in Masse können beurtheilt werden, wo sowohl ihre Vorzüge als ihre Mängel zur Schau stehen. Finden Sie, um billige Preise, von dieser Art in Leipzig, so erzeigen Sie mir den Gefallen davon Notiz zu geben.
Die Abdrücke der Sammlung geschnittener Steine sende in diesen Tagen zurück. Zu jenem ersten Vorschlagbewog mich die Meynung[262]es sei eine Sammlung Cameen, die zu Schmuck, Putz und Modezwecken, für Kenner und Nichtkenner brauchbar sind. Mit Intaglios will man siegeln, und da möchte man interessante beliebte Personen, deren sich, besonders für die neue Denkweise, unter der Folge römischer Kaiser wohl wenige finden möchten.
Den Abdruck eines Titelblatts sende hiebey, vielleicht bald nach Johanni das Heft selbst.[263]Meinen längern Aufenthalt in Jena, benutze, da ich gerade nicht Lust zu frischem Thun empfinde, zum Wiederabdruck älterer, auf Natur sich beziehende Schriften. Zu Sichtung und Redaction aufgehäufter Manuscripte. Bey dieser Gelegenheit erscheint, beinahe zum Entsetzen, wie wir von den disparatesten Gegenständen afficirt, aufgeregt, hingerissen werden können. Hiedurch nun, werde ich genöthigt mancherley Stückwercke mit Lebensereignißen in Verbindung zu bringen, damit das Ganze nicht allzu verworren und seltsam aussehe. Und gerade diese Mittelglieder sind es die ich Ihrem Antheil empfehlen möchte. Lassen Sie zunächst unsere wechselseitige Unterhaltung auf das lebhafteste würken, es giebtEpochen, wo es räthlich ja unvermeidlich ist das Eisen gemeinschaftlich zu schmieden.
Mit vielem Antheil und Vergnügen höre ich, daß Sie Konnewitz[264]wieder hergestellt, und sich und den Ihrigen einen angenehmen Aufenthalt bereitet haben. Ich mußte mehrmals meine Existenz aus ethischem Schutt und Trümmern wieder herstellen, ja Tag täglich begegnen uns Umstände, wo die Bildungskraft unserer Natur, zu neuen Restaurations-Reproductions-Geschäften aufgefordert wird, helfe der Geist nach, so lange es gehen will.
Hier also ein Abschluß weil doch einmal zu schließen ist. Baldige Erwiederung hoffend
Jenaden 1. Juny1817.
ergebenstGoethe
[258]Goethe theilte Rochlitz's Brief sogleich H.Meyermit. Riemer Briefe von und an Goethe. S. 108 ff.[259]Kunst und AlterthumI.2. S. 7 ff.: „Neudeutsche, religiös-patriotische Kunst.“[260]Kein Druckfehler, aber gewiß ein Schreibfehler.[261]Vgl. WerkeXXVII.S. 332.[262]Vgl.S. 329.[263]ZurNaturwissenschaftüberhaupt, von Goethe. Erster Band. Stuttg. u. Tüb. 1817.[264]Ein Dorf, eine Stunde von Leipzig, wo Rochlitz ein Landhaus besaß.
[258]Goethe theilte Rochlitz's Brief sogleich H.Meyermit. Riemer Briefe von und an Goethe. S. 108 ff.
[258]Goethe theilte Rochlitz's Brief sogleich H.Meyermit. Riemer Briefe von und an Goethe. S. 108 ff.
[259]Kunst und AlterthumI.2. S. 7 ff.: „Neudeutsche, religiös-patriotische Kunst.“
[259]Kunst und AlterthumI.2. S. 7 ff.: „Neudeutsche, religiös-patriotische Kunst.“
[260]Kein Druckfehler, aber gewiß ein Schreibfehler.
[260]Kein Druckfehler, aber gewiß ein Schreibfehler.
[261]Vgl. WerkeXXVII.S. 332.
[261]Vgl. WerkeXXVII.S. 332.
[262]Vgl.S. 329.
[262]Vgl.S. 329.
[263]ZurNaturwissenschaftüberhaupt, von Goethe. Erster Band. Stuttg. u. Tüb. 1817.
[263]ZurNaturwissenschaftüberhaupt, von Goethe. Erster Band. Stuttg. u. Tüb. 1817.
[264]Ein Dorf, eine Stunde von Leipzig, wo Rochlitz ein Landhaus besaß.
[264]Ein Dorf, eine Stunde von Leipzig, wo Rochlitz ein Landhaus besaß.
Ew. Wohlgeboren
verpflichten mich abermals durch ein so freyes und wohlgedachtes Schreiben, das so viele reine Erfahrung und gemüthliche Thätigkeit voraussetzt. Wie sehr freut mich, daß die Hoffnung der WeimarischenKunstfreunde auf lebendige Mitwirkung gleich denkender Männer so schön erfüllt wird. Von dem Mitgetheilten werde mit Vorsicht später hin Gebrauch machen, denn es möchte gut seyn vor der Hand zuzusehen wie jene Äußerung im Publikum wirkt und wo man am schicklichsten nachhilft.
Nun eine kleine Bitte: In dem Catalog vonDautheS. 92. No. 81 (das Blättchen lege bey,) stehn dieCartons aus Hampton-Court. Da nun die Worte hinzugefügt sind:vortreffliches Werk, so vermuthe ich daß es gute Abdrücke sind und als dann möcht' ich sie gerne besitzen. Gäben Sie wohl jemand den Auftrag welcher die Abdrücke beurtheilen könnte und sie für mich acquirirte, so geschäh mir ein besonderer Gefalle. Zehn bis Zwölf Thaler wohl auch mehr wollte ich dafür geben. Die Auslage ersetze sogleich dankbar.
Da ich zu Ende July, vielleicht Anfang August, wahrscheinlich nach Carlsbad gehe, so hab' ich das Vergnügen Sie in Franzensbrunn zu treffen und hoffe einen Abend mit Ihnen zuzubringen, worauf ich mich von Herzen freue. Mögen Sie, nach Ihrer Ankunft daselbst, mir ein Wort schreiben: wie es dort aussieht, so werden Sie mir einen Vorschmack unseres Zusammentreffens geben.
Das Kästchen mit den Siegelabdrücken ist wohl durch die Post schon zu Ihren Händen gelangt? — Mehr sag ich nicht denn auch ich bin sehr gedrängt manches zu arrangiren, das, wo nicht geendigt doch gefördert werden muß.
Möge die persönliche Erneuerung und Anfrischung unseres schönen Verhältnisses uns bald gegönnt seyn
Weimar d. 26. Juny1817.
in Hoffnung!G
Anfragende Nachschrift.
Sollte nicht in der seltsamen Sammlung des Bauschreiber Dedike irgend etwas befindlich seyn das einen Kunstfreund erfreuen könnte? es ist fast unmöglich daß ein Sammler zeitlebens dem Absurden nachjage, ohne daß ihm nicht auch einmal irgend was Schätzbares in die Hände liefe. Haben nicht vielleicht einen Freund fähig dergleichen zu beurtheilen und gefällig es zu erstehen? Unter den kleinen bronzenen Figuren sollte sich vielleicht etwas finden, vielleicht auch unter den getriebenen halb oder schwach erhobenen Bildern, wo nicht von alter doch von neuer guter Kunst, sollte nicht unter den Tellern etwas von Majolika stecken? Da diese Dinge schwerlich zu hohen Preißen weggehen, so würde man kaum irren können
Weimar d. 27 Juny 1817.
G
Verzeihen Sie, werthester, daß ich erst spät auf Ihre Anfrage zur Antwort komme; ich führe jetzt ein etwas unstätes Leben, und spielerouge et noir[265]zwischen Weimar und Jena[266], wo es an beiden Enden zu thun giebt, zwar nicht außer meiner Sphäre, doch auch innerhalb derselben nicht ganz erfreulich.
Haben Sie herzlichen Danck für alle Bemühung und Theilnahme, auch für Ihre Betrachtung über mein Thun und Wesen. Das Liebste muß ich immer liegen lassen, und für lauter Treiben und Arbeiten komme ich zu keinem Genuß, am wenigsten zu einer Besinnung, was man erhalten, fördern, fahren lassen, oder verbrennen soll. Wir wollen sehen wie lange wir's treiben, und was wir noch vor uns bringen. Gönnen Sie mir Ihre Theilnahme für und für, und erhalten mir und meinem Andenken guten Willen in Ihrem Wirkungskreise.
Das übersendete Kupfer ist leider wie Sie selbst sehen, keineswegs trostreich; dem guten Manne der so wunderlich aus dem Blättchen heraussieht, wird dasDenken äußerst schwer, und der Beschauer kann sich einer peinlichen Empfindung nicht erwehren. Der Fehler, den die Künstler durch Vergleichung selbst gefunden haben, ist freilich sehr entstellend. Der Keim zu allen diesem, lag schon im Original, das ich den wackern Boisseres übersendete, von Copie zu Copie ist es immer schlimmer damit geworden.
Mögen Sie das mit Schonung an die guten Leute bringen, die mit so vielem reinen Willen ihre Kunst geopfert haben, denn der Stich ist wircklich verdienstlich. Ich selbst muß die Sache ignoriren, denn als ich hier einigen Freunden das Blatt vorzeigte, wurde ich übel angelassen. Dieses wenige zu sagen, finde ich in Jena gerade eine ruhige Stunde; kommen Sie in Fall mir etwas zu schicken oder zu fragen, so senden Sie es nach Weimar, und bleiben meiner Theilnahme und Danckbarkeit versichert.
Jenaden 24 Novembr.1817.
ergebenstGoethe
[265]Briefw. m. Jacobi S. 262.[266]Briefw. m. ZelterII.S. 415.
[265]Briefw. m. Jacobi S. 262.
[265]Briefw. m. Jacobi S. 262.
[266]Briefw. m. ZelterII.S. 415.
[266]Briefw. m. ZelterII.S. 415.
Daß Ew. Wohlgeboren nicht schon längst auf Ihren werthen Brief geantwortet, ist der verspätete Druck beykommenden Heftes eigentlich Schuld. Nehmen Sie es freundlich auf und gedenken dabei vergangener Zeiten.
Briefe, wie Sie solche wünschen, finden sich wohl unter meinen Papieren. Leider verbrannte ich 1797 eine zwanzigjährige geheftete Sammlung aller eingegangener Briefe, die ich mir bei meinen biographischen Arbeiten sehnlichst zurückwünschte; die neueren, bis auf wenige Jahre, stehen in Kisten geschlagen in Bodenkammern, wo jetzt unmöglich zu arbeiten ist. Ferner habe ich eine schöne Sammlung eigenhändiger Briefe der Schriftzüge wegen gesammelt,[267]auch diese will ich durchgehen um etwas für Sie herauszufinden. Nur gegenwärtig bitte um Geduld! Außer mancherley äußern Zudrang habe ich noch meinen Divan auf die Messe zu bringen und was dergleichen mehr ist.
Nun noch eine vertrauliche Frage, die ich mir baldigst zu beantworten bitte. Nach der augenblicklichen Erschütterung von Jena möchten wohl auch dieGriechendaselbst, zwölf an der Zahl, auswandern. Ich kenne mehrere davon, vorzügliche, fleißige und stille Menschen.[268]Sollten sie wohl sämmtlich oder zum Theil in Leipzig Unterkommen finden wenn sie sich gebührend meldeten? Sagen Sie mir, da Sie die dortige Constellation kennen, wie Sie hierüber denken, es soll, was Sie mir vertraulich äußern, niemand erfahren. Über die wunderlichen Zustände des Tages kein Wort, jeder muß diese Vorfälle bei sich selbst verarbeiten.
Mit unwandelbarer Neigung und Vertrauen
Weimar d. 4. April1819.
Goethe
[267]WerkeXXVII.S. 212. Briefw. m. ZelterI.S. 350.[268]WerkeXXVII.S. 337 f. 353.
[267]WerkeXXVII.S. 212. Briefw. m. ZelterI.S. 350.
[267]WerkeXXVII.S. 212. Briefw. m. ZelterI.S. 350.
[268]WerkeXXVII.S. 337 f. 353.
[268]WerkeXXVII.S. 337 f. 353.
Ew. Wohlgeboren
danke nur mit wenig Worten für die gegebene Nachricht. Können Sie gelegentlich diesen jungen Männern ohne Beschwerde einige Freundlichkeit erzeigen, so werden Sie ein gutes Werk thun. Empfehlungsschreiben, wie sie wohl verdienten, habe ich ihnen nicht mit gegeben. Dagegen habe einem Stuttgarder Musikus, NamensKocher, Sie in meinem Namen zu begrüßen aufgetragen; er hat mir durch musikalischenVortrag und Gespräch wirklich Interesse abgewonnen. Mögen Sie ihm einige Aufmerksamkeit schenken und mir Ihre Gedanken über ihn und seine Composition eröffnen da ich mir in einer fremden Kunst wohl Antheil aber kein Urtheil erlaube.[269]
Wegen gewünschter Briefe ging mir in diesen Tagen der Gedanke bei: meinen Freund von Knebel, in Jena, deshalb anzusprechen. Er führt seit vielen Jahren mit allen deutschen Literatoren Correspondenz und vielleicht gewinnen wir da einige Ausbeute.
Mit den herzlichen Wünschen
Weimar den 15 April 1819.
aufrichtig ergeben,Goethe
[269]Vgl.S. 40.
[269]Vgl.S. 40.
[269]Vgl.S. 40.
Es ist der Mühe werth gelebt zu haben wenn man sich von solchen Geistern und Gemüthern begleitet sieht und sah; es ist eine Lust zu sterben wenn man solche Freunde und Liebhaber hinterläßt, die unser Andenken frisch erhalten, ausbilden und fortpflanzen. Nehmen Sie meinen herzlichsten Dank für Ihren herrlichen Brief, dessen ich mich als des schönsten Zeugnisses zu rühmen habe. Nächstens erhalten Sie ein ExemplarmeinesDivans, dem ich gleichfalls eine günstige Aufnahme versprechen darf.
Wahrscheinlich kommen meine Kinder auf einer kleinen Reise[270]durch Leipzig, die ich in Ihr Connewitz[271]zu führen bitte, damit sie mir, nach dem Augenschein, die Wiederherstellung Ihres so lieben und auf eine zeitlang verleideten Lustsitzes bescheinigen.
Weimar d. 18. Aprl.1819.
und so fort und ewiglichverbundenGoethe
[270]Briefw. m. ZelterIII.S. 10 ff.[271]Vgl.S. 336.
[270]Briefw. m. ZelterIII.S. 10 ff.
[270]Briefw. m. ZelterIII.S. 10 ff.
[271]Vgl.S. 336.
[271]Vgl.S. 336.
Ew. Wohlgeb.
erhalten hiebey eine geringe Ausbeute, der ersten beiden Buchstaben meiner Handschrift Sammlung, damit ich vorläufig meinen guten Willen beweise. Diese vier Briefe haben wenigstens das Interesse, daß man in gewiße Zeiten, Zustände und Charaktere hineinsieht, von denen wir kaum mehr einen Begriff haben. Bodmers Hand zu entziffern möchte wohl die größte Schwierigkeit seyn, doch ist es interessant genug zu sehen welche Bücher man damals zulesen anrieth. Finden sie diese Blätter einer Abschrift zu künftigem Gebrauche werth, so erbitte sie mir sodann zurück. Ich gehe die Sammlung nach und nach durch und sende mehr vielleicht auch Bedeutenderes.
Weimarden 27. May.1819.
Mit aufrichtigen Wünschendanckbar anhänglichJ W Goethe
Sie haben mich, theurer, trefflicher Mann, mit immer gleichem Schritt und unverwandter Gesinnung durchs Leben begleitet und mich, der ich so viele Mißklänge von außen zu vernehmen hatte, stets mit reiner, wahren, ächten Theilnahme erfreut, daß ich sehr undankbar sein müßte wenn ich nicht eine darbietende Gelegenheit ergriffe, meinen Dank endlich auszusprechen. Nehmen Sie daher im Ganzen freundlich auf, was Ihnen im Einzelnen zusagte[272]und gedenken mein jetzt und künftig in Geist und Liebe.
Lassen Sie mich noch eine Bemerkung hinzufügen welche einem alten Autor wohl ziemen mag. Es giebt dreierley Arten Leser: Eine, die ohne Urtheil genießt,eine dritte, die, ohne zu genießen urtheilt, die mittlere die genießend urtheilt und urtheilend genießt; diese reproducirt eigentlich ein Kunstwerk aufs neue. Die Mitglieder dieser Classe, wozu Sie gehören, sind nicht zahlreich, deshalb sie uns auch werther und würdiger erscheinen. Ich sage nichts Neues, Sie haben hierüber gleichfalls erfahren und gedacht.
Leben Sie recht wohl und seyen meinen Kindern freundlich, wenn sie auf ihrer Rückreise von Berlin[273]in Leipzig verweilen sollten wovon ich noch keine gewisse Nachricht habe.
Weimar d. 13 Juny.1819.
und so fort und ewigverbundenGoethe
[272]Die Ausgabe von Goethes Werken in 20 Bänden war in diesem Jahr vollendet.[273]Briefw. m. ZelterIII.S. 19.
[272]Die Ausgabe von Goethes Werken in 20 Bänden war in diesem Jahr vollendet.
[272]Die Ausgabe von Goethes Werken in 20 Bänden war in diesem Jahr vollendet.
[273]Briefw. m. ZelterIII.S. 19.
[273]Briefw. m. ZelterIII.S. 19.
Nichts Angenehmeres hätte vor meiner Abreise nach Carlsbad bey mir einlangen können als ein Brief von Ihrer Hand, mein Theuerster, überschrieben. Die Lesung des Vorigen erregte mir ein Gefühl das ich in ähnlichen Fällen mehrmals empfand, das nämlich, daß mich keine Furcht für Sie anwandlen wollte. Eben aber, die Reise nach Böhmen anzutreten endlich bestimmt, wollte ich, zu meiner Beruhigung bey andernanfragen und in demselben Augenblick erfahre ich, von freyen Stücken, durch Sie selbst, Ihre Genesung. Lassen Sie mich dazu aufrichtig Glück wünschen und nach einem solchen Sturze eine dauerhafte Gesundheit hoffen. Der vielfache Drang vor meiner Abreise verbietet mir mehr zu sagen, deshalb ich auch auf Ihren ferneren geneigten Antrag zu antworten bis auf meine Rückkunft verschiebe: denn dergleichen überraschende, wohlmeynende Gesinnungen anzunehmen oder abzulehnen ist gleich bedenklich. Leben Sie inzwischen recht wohl und empfangen meinen aufrichtigen Dank, sowohl für baldige Nachricht Ihrer Beßerung, als die sogleich gegen uns gewendete Neigung Ihres lieben Gemüthes.
Möge ich bey meiner Rückkehr das Gute und Beßere von Ihrem Befinden vernehmen.
Jenaden 23. August.1819.
treulichst verbundenGoethe
Nun möchte denn doch auch wieder einmal Zeit seyn bey Ihnen, mein werthester Herr und Freund, theilnehmend anzuklopfen nach Ihrer Thätigkeit zu fragen, damit man doch wieder als mitlebend erscheine. Seit dem August vorigen Jahrs hab' ich mir viel auferlegtund ist mir viel auferlegt worden, so daß diese Zeit, ob ich gleich gar keiner Zerstreuung Raum gebe und der entschiedensten Einsamkeit genieße, auch Tag und Stunde zu nützen suche, ich dennoch immer in Rückstand verbleibe. So schleicht sich denn auch die Erfahrung ein, daß das Alter weniger fördert als die Jugend und man nicht mehr von einer Thätigkeit zur andern so schnell übergehen kann.
Nehmen Sie ein Exemplar meines Divans als Zeichen des Zutrauens und der Hochachtung. Da ich mich einmal in jene Regionen gewagt, so hab ich, wie es auf Reisen zu gehen pflegt, mich länger verweilt, mehr Zeit und Kräfte verwendet, als billig, auch zuletzt keine Anstrengung gescheut um nur endlich wieder nach Hause zu kommen. Sagen Sie mir nun auch etwas von sich und wie es mit Ihren literarischen- und Kunstbeschäftigungen geht? Herr Weigel schreibt mir mit Entzücken von den Abenden, wo Sie Freunden eine Beschauung Ihrer Schätze gewähren. Möcht ich doch auch Theil daran nehmen können!
Weimarden 3. April1820.
treulichstGoethe
Ihre werthe Sendung mein Theuerster, ist mir keineswegs klein: denn sie sagt mir, daß Sie meiner gedenken, und nicht etwa nur im Augenblick des Schreibens, sondern auch in Zuständen, wo unser Wollen und Vollbringen im Conflict ist. Da ich nun auch auf gleiche Weise, mich gegen das Leben verhalten muß, in bewegter Ruhe, in ruhiger Bewegung, wenn nicht gar die ganze Weltgeschichte, wie schon ein paar mal geschehen, über uns herpoltert; so nehme ich immer im Stillen reinen Antheil an denen, die mit mir, früher oder später, heran kamen, gleiche Gesinnungen gehegt und gleiche Schicksale erlebt haben.
Und so sey Ihnen Dank für das niedliche Stück,[274]das Gelegenheit gab Ihrem Schreiben. So viele Jahre früher wäre es schon aufgeführt, unter gegenwärtigen Umständen habe es den zeitigen Machthabern eingehändigt, welche sich deßen gerne bedienen und auf die Fortsetzung begierig seyn werden.
Aus beyliegendem nehmen Sie auch freundlich Ihren Antheil.
Jenaden 3. Octobr.1820.
treulichst verbundenGoethe
[274]Die Freunde, Schauspiel in 1 Akt. Auswahl Th.V.
[274]Die Freunde, Schauspiel in 1 Akt. Auswahl Th.V.
[274]Die Freunde, Schauspiel in 1 Akt. Auswahl Th.V.
Ew. Wohlgeb.
verzeihen wenn ich erst späte und nur mit wenigen Worten vermelde: daß wirklich an dem ersten Band von Wilhelm MeistersWanderjahrengedruckt wird, damit er Ostern erscheinen könne. Auch dieser wunderlichen, verspäteten Production erbitte Gunst und Antheil.
Ihren auserlesenen Arbeiten[275]werde gern manche ruhige Stunde widmen und, wie sonst, daraus mannigfaltiges Vergnügen schöpfen. Erhalten Sie mir ein geneigtes Andenken! Gedrängt von vielen Seiten! Eiligst.
Weimarden 18. Febr.1821.
aber treulichstGoethe
[275]Auswahl aus Fr. Rochlitz's sämmtlichen Schriften. Züllich. 1821. 22.
[275]Auswahl aus Fr. Rochlitz's sämmtlichen Schriften. Züllich. 1821. 22.
[275]Auswahl aus Fr. Rochlitz's sämmtlichen Schriften. Züllich. 1821. 22.
Wenn der Unglaube, wie das Alte und Neue Testament behauptet, die größte Sünde ja die Sünde der Sünden ist, so haben Sie, mein Werthester, viel abzubüßen, da sie an der guten Wirkung Ihrer allerliebstenProductionen immerfort Zweifel hegen. Gerade im Gegentheil kann ich versichern daß ich in den mitgetheilten werthen Bänden mich mit ältern Freunden und Bekannten gar gern unterhalten, neuere mit Heiterkeit begrüßt und so die angenehmsten Stunden verlebt habe.
Nehmen Sie nun von Ihrer Seite meinen Wanderer freundlich auf, wie er sich denn hiermit bescheiden und heiter darstellt. Da es uns Deutschen nun einmal nicht gegönnt ist in entschieden geistreicher Gesellschaft des Lebens zu genießen und uns gegenwärtig in Person an einander auszubilden: So möge denn was dem Einsamen gelingt zuletzt gesellig zusammentreten und uns empfinden lassen wie wir nachbarlich mit einander gelebt und uns wechselseitig liebend gefördert. Erhalten Sie mir ein fortdauerndes freundliches Andenken.
Weimarden 21. Juny1821.
treulichstGoethe
Erlauben Sie noch Anfrage und Bitte. Bei Ihrem Mitbürger Fr. Peters sind Streicherische Flügel zu haben in Mahagonie Holz für 245 Thlr. in Nußbaum 200 Thlr. Conventionsgeld. Gewiß kennen Sie Mann und Waare, dürfte ich Sie ersuchen die Gegenwärtigenanzusehen und zu prüfen, mir auch alsdann Ihr Urtheil zu eröffnen, da ich denn eher einen Entschluß faßen könnte als auf allgemeine Empfehlung. Verzeihen Sie dies Bemühen; wir werden dagegen in unserm häuslichen Kreise desto öfters dafür erinnert werden.
Ew. Wohlgebornen
unterlasse nicht zu vermelden, daß der empfohlene Flügel gestern glücklich angekommen,[276]sogleich von Herrn Hartknoch, einem Schüler unseres verdientesten Capellmeister Hummel, geprüft und, sowohl von ihm, als den sämmtlichen Zuhörern probat befunden worden. Nehmen Sie den besten Dank: mir eine so schöne Acquisition versichert zu haben und seyn überzeugt daß wir uns bey manchem Genusse Ihrer freundlichen Theilnahme dankbar erinnern werden.
Möge Ihr Sommer-Aufenthalt in dem herrlichen Schandau durch gute Witterung und Gesellschaft beglückt seyn. Ich hoffe gleiches in Böhmen, wohin ichmich, mehr der Veränderung und Zerstreuung als der Cur willen, nächstens begebe.
Lassen Sie, nach beiderseitiger Rückkehr uns von einander vernehmen.
Weimar d. 15 July1821.
treulichstGoethe