Das Kriegswesen.

Das Kriegswesen.§ 56. Das Landheer.Jeder Bürger muß im Heere dienen, die Klassen I bis III (s.§ 25) als Reiter bzw. Schwerbewaffnete, Klasse IV als Leichtbewaffnete oder Schiffsoldaten. Die Dienstpflicht[pg 132]dauert vom 18. bis 60. Jahre; frei vom Kriegsdienste sind nur Beamte, Ratsherren und Zollpächter. Nach der Aufnahme in die Gemeindebürgerliste (§§ 27.32) schwuren die jungen Athener in dem Tempel der Aglauros denFahnen-undBürgereid: „Ich will die Waffen nicht schänden, den Nebenmann im Kampf nicht im Stich lassen, für die Heiligtümer kämpfen und das Vaterland nicht gemindert, sondern größer und mächtiger, als ich es überkommen, hinterlassen; ich will den Befehlen der Vorgesetzten und den Gesetzen gehorchen, nicht dulden, wenn einer die Gesetze aufhebt oder ihnen nicht gehorcht, sondern sie verteidigen und die vaterländischen Heiligtümer ehren.“ Die Jünglinge eines Kreises lebten fortan gemeinsam unter der Aufsicht eines „Zuchtmeisters“ (σωφρονιστής), und wurden durch Turnlehrer (παιδοτρίβαι) und Waffenlehrer in Gymnastik und Waffenführung ausgebildet. Der Zuchtmeister erhält von der Gemeinde täglich eine Drachme, die Jünglinge 4 Obolen, wofür jener die Bedürfnisse des gemeinsamen Mittagsmahles einkauft. Nach Verfluß eines Jahres werden die Jünglinge im Theater dem Volke vorgestellt, wobei sie ihre Fertigkeit im Turnen und Exerzieren dartun, und erhalten hierauf von der Stadt Schild und Speer, um fortan ein Jahr lang in den festen Plätzen des Landes (Akte, Munychia, Phyle, Sunion, Eleusis u. a.) als Peripoloi (περίπολοι) Wachdienste zu tun.DieAushebungerfolgte auf Grund von Stammrollen, welche nach den Gemeindebürgerlisten (§§ 27.32) angefertigt waren. Jede Stammrolle enthält das vollständige Verzeichnis der in einem bestimmten Jahre in die Bürgerlisten Eingeschriebenen und am Kopf den Namen des in diesem Jahre amtierenden ersten Archon, welcher Eponymos hieß. Im ganzen gab es 42 dienstpflichtige Jahrgänge mit den Namen von ebenso vielen Archonten. Bei einerMobilmachungwird entweder einallgemeines Aufgebotder gesamten[pg 134]Kriegsmacht (πανδημεί, πανστρατιᾷ) erlassen, oder nur ein Teil derselbennach der Stammrolle(ἐκ καταλόγου) eingezogen. Im letzten Fall wird bekanntgemacht, von welchem Archon bis zu welchem die Mannschaft auszumarschieren habe; und zwar können die betreffenden Jahrgänge ganz (στρατεῖαι ἐν τοῖς ἐπωνύμοις) oder nur teilweise (στρ. ἐν μέρεσι) mobilisiert werden.Duris-SchaleDuris-Schale.Jeder der 10 Kreise stellt ein Regiment(τάξις) unter einem selbstgewählten Obersten8, Taxiarchos. Jedes Regiment gliedert sich in eine AnzahlKompagnien(λόχοι), welche von den Angehörigen eines oder mehrerer Demen gebildet und vonHauptleuten(λοχαγοί) kommandiert werden. Im Jahr 431 konnte Athen etwa 18 000 Hopliten aufbieten.Dietaktischen Manöverder attischen Hopliten unterschieden sich nicht wesentlich von denen der Spartaner (s.§ 19).Der Stolz der Athener war ihreReiterei, wie z. B. deren besonders liebevolle Darstellung auf dem großen Parthenonfries (§ 70) lehrt; übrigens hat sich dieselbe mehr bei Festparaden (besonders an den Panathenäen) als in Schlachten hervorgetan, und der Reiterdienst galt für sehr ungefährlich. Die Klassen I–II dienten als Reiter; dieselben wurden von einer Zehnerkommission (καταλογεῖς) ausgehoben, mit einem Equipierungsgeld (κατάστασις) versehen und alljährlich vom Rat wiederholt auf die Tauglichkeit ihrer Person und Pferde geprüft. Die Reiterei gliederte sich in 10 Schwadronen (φυλαί) zu 100 Pferden mit einem Rittmeister (φύλαρχος) an der Spitze; den Oberbefehl führten zwei Reitergenerale (ἵππαρχοι).[pg 135]Der Kriegsdiensteifer und die Mannszucht im Bürgerheer ließen im 4. Jahrhundert viel zu wünschen übrig; wir hören von Prozessen wegen eigenmächtigen Ausbleibens (ἀστρατείας), Fahnenflucht (λειποταξίου), Feigheit (δειλίας), welche die Feldherrn vor das Volksgericht zu bringen hatten. Den Reiterobersten rät Xenophon, mehr durch Überredung als durch Befehl auf die Reiter zu wirken. Doch hüte man sich, hieraus auf die Abnahme der kriegerischen Tüchtigkeit der Hellenen zu schließen; die Züge eines Kyros und Alexander bewiesen das Gegenteil. Überdies erfolgte zugleich mit demAufkommen des Söldnerwesenseine durchgreifende Neuordnung des Heerdienstes, welche Iphikrates in Athen einführte (392 v. Chr.).Das einzige griechische Heer, das wir genauer kennen, ist das ausXenophons Anabasisbekannte griechischeSöldnerheer des jüngeren Kyros, dessen größere Hälfte aus dem Peloponnes stammt und durchaus spartanische (vgl.§ 19) Kriegsordnung zeigt. Den Kern bilden dieSchwerbewaffneten(Hopliten) mit Helm (κράνος), Brustharnisch (θώραξ) oder Lederkoller (σπολάς), Beinschienen (κνημῖδες), schwerem Schild (ἀσπίς), Stoßlanze (δόρυ) und Schwert (ξίφος). Ihnen stehen am nächsten diePeltastenmit leichtem Schild (πέλτη), Wurfspießen (ἀκόντια) und Schwert. Zu denLeichtbewaffneten(ψιλοί, γυμνῆτης), die nur Angriffswaffen für die Ferne führen, gehören: Bogenschützen (τοξόται), meist Kreter, Schleuderer (σφενδονῆται) und Speerschützen (ἀκοντισταί).§ 57. Die Flotte.Die Stärke Athens war seineFlotte. Zwischen den Höhen von Akte und Munychia liegen tiefeingebuchtet die windgeschützten, wohlverschlossenen Häfen Munychia, Zea und der tiefe, geräumigePeiraieus, welcher noch heute einer[pg 136]großen Flotte, selbst den größten Kriegsschiffen, sichere Unterkunft bietet. Der innere Teil der Peiraieusbucht, dasEmporion, war für die Handelsflotte bestimmt, während der südwestliche Teil derselben, derKantharoshafen, ebenso wie die Buchten Zea und Munychia ausschließlich zur Aufnahme der Kriegsmarine diente. Seit Themistokles, Kimon und Perikles die ganze Halbinsel mit einer gewaltigen, noch in ihren heutigen Überresten staunenerregenden Befestigung umschlossen und mit Athen durch die „langen Mauern“ (σκέλη) verbunden hatten, welche 404 teilweise zerstört, aber von Konon 392 wiederhergestellt wurden, besaß Athen im Peiraieus den stärksten Kriegshafen der alten Welt, dem nur der von Syrakus im 4. Jahrh. v. Chr. annähernd gleichkam. Am Ufer der 3 Häfen Athens lagen dieWerften(νεώρια) mit ihrenSchiffsbauplätzen(ναυπῆγια), denSchiffshäusern(νεώσοικοι), in welchen die Schiffskörper samt dem sog. hölzernen Gerät (Masten, Rahen, Ruder usw.) gegen Sonne und Regen geschützt im Trocknen aufbewahrt wurden, und denZeughäusern(σκευοθῆκαι), die zur Unterbringung des hängenden Geräts (Segel, Taue) dienten.Während man in der älteren Zeit lange niedrige Schiffe mit nur 1 Ruderreihe (μονήρης) hatte, die nach der Gesamtzahl der Ruder alsTriakontoroi,Pentekontoroiusw. bezeichnet wurden, baute man später Fahrzeuge mit 2 oder 3 Ruderreihen: Dieren undTrieren. Aus letzteren bestanden seit den Perserkriegen ausschließlich dieKriegsflotten. Dieathenischewar bei Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs 300–400Trierenstark.DieTriere, ein leichtgebautes, 40–50 m langes (daherνῆες μακραί) und etwa 5 m breites Fahrzeug mit niedrigem Bord und geringem Tiefgang, hatte in geringem Abstand schräg übereinander 3 Ruderreihen. Ein eisenbe[pg 137]schlagenerSpornoderSchnabel(ἔμβολον) am Vorderteil (πρῷρα) diente dazu, dem feindlichen Schiffe beim Anrennen ein Leck beizubringen. Außer demGroßmastin der Mitte des Schiffes, der vor dem Gefecht regelmäßig umgelegt wurde, stand im Vorderschiff noch der kleineVormast; jeder trug an einer Rahe, d. i. an einer horizontal am Mast befestigten Stange, ein viereckiges Segel (ἱστίον). Am Hinterteil (πρύμνα) des Schiffes befanden sich die beiden großen Steuerruder (πηδάλια). Seit 330 kamen in der attischen Marine auchTetreren, seit 325 auchPenteren(mit 4und 5 Reihen) vor. Der Neubau von Trieren wurde unter derOberaufsicht des Rates und der 10 Werftaufseher(ἐπιμεληταὶ τῶν νεωρίων) ausgeführt. Bei einer Seeunternehmung lieferte der Staat den Schiffsrumpf und die Geräte, sowie Sold und Verpflegungsgeld für die Mannschaft; derTrierarch(§ 45) hatte das Schiff segelfertig zu machen, zu bemannen, ein Jahr lang zu unterhalten und nach den Befehlen des Admirals (eines Strategos) zu führen, und nach Ablauf seiner Zeit in gutem Stand an seinen Nachfolger zu übergeben.DieBemannung(πλήρωμα) einer Triere zählte etwa 200 Köpfe: Steuermann (κυβερνήτης), Proreus, der das Kommando auf dem Vorderdeck führte, Keleustes mit drei Pentekontarchen, welche die Ruderer kommandierten, die Matrosen für das Takelwerk, die Seesoldaten (ἐπιβάται, durchschnittlich nur etwa 10), etwa 170 Ruderer (ναῦται). Die Ruderer der 3 Reihen hießen (von unten nach oben):Thalamiten,ZygitenundThraniten; die letzten hatten mit den längsten Rudern die schwerste Arbeit und waren dementsprechend höher besoldet. Bei gewöhnlicher Fahrt wurde nur etwa vom dritten Teil derselben, doch in allen 3 Reihen zugleich gerudert unter Flötenspiel und gleichmäßigen Rufen, während die andern auf ihren Plätzen ausruhten. Die[pg 138]ganze Mannschaft stand unter dem Kommando des Trierarchen. Als Ruderer wurden ärmere Bürger, Metöken, Sklaven und angeworbene Ausländer verwendet; nur auf den beiden schnellsegelnden Ordonnanzschiffen, derParalosundSalamina, die allein von den athenischen Kriegsschiffen ständig im Dienst waren, bestand die ganze Mannschaft aus attischen Bürgern. Die Fahrgeschwindigkeit der Triere war verhältnismäßig bedeutend, aber stets von Wind und Wetter abhängig. Wie die heutigen „Hellenen“, waren die alten Griechen tüchtige Seeleute, aber – wie alle alten Völker – „Schönwetterpiloten“. Im Winter ruhte die Seefahrt, die Schiffe lagen abgetakelt in den Schiffshäusern.DieSeeschlacht(ναυμαχία) glich in der älteren Zeit ganz einer Landschlacht, indem man von den Verdecken der ruhig nebeneinander liegenden Schiffe kämpfte. Später wurde das Hauptgewicht auf geschicktes Manövrieren der Schiffe gelegt: man suchte möglichst viele feindliche Fahrzeuge kampfunfähig zu machen. Dies geschah entweder vermittelst desDurchfahrens(διέκπλους), indem man die gegnerische Aufstellung durchbrach und die Ruder des feindlichen Fahrzeugs in raschem Vorbeifahren abstreifte oder den Sporn in seine Flanke bohrte, oder vermittelst desUmfahrens(περίπλους), indem man dem feindlichen Schiffe von der Seite oder von hinten einen Spornstoß beibrachte.

Das Kriegswesen.§ 56. Das Landheer.Jeder Bürger muß im Heere dienen, die Klassen I bis III (s.§ 25) als Reiter bzw. Schwerbewaffnete, Klasse IV als Leichtbewaffnete oder Schiffsoldaten. Die Dienstpflicht[pg 132]dauert vom 18. bis 60. Jahre; frei vom Kriegsdienste sind nur Beamte, Ratsherren und Zollpächter. Nach der Aufnahme in die Gemeindebürgerliste (§§ 27.32) schwuren die jungen Athener in dem Tempel der Aglauros denFahnen-undBürgereid: „Ich will die Waffen nicht schänden, den Nebenmann im Kampf nicht im Stich lassen, für die Heiligtümer kämpfen und das Vaterland nicht gemindert, sondern größer und mächtiger, als ich es überkommen, hinterlassen; ich will den Befehlen der Vorgesetzten und den Gesetzen gehorchen, nicht dulden, wenn einer die Gesetze aufhebt oder ihnen nicht gehorcht, sondern sie verteidigen und die vaterländischen Heiligtümer ehren.“ Die Jünglinge eines Kreises lebten fortan gemeinsam unter der Aufsicht eines „Zuchtmeisters“ (σωφρονιστής), und wurden durch Turnlehrer (παιδοτρίβαι) und Waffenlehrer in Gymnastik und Waffenführung ausgebildet. Der Zuchtmeister erhält von der Gemeinde täglich eine Drachme, die Jünglinge 4 Obolen, wofür jener die Bedürfnisse des gemeinsamen Mittagsmahles einkauft. Nach Verfluß eines Jahres werden die Jünglinge im Theater dem Volke vorgestellt, wobei sie ihre Fertigkeit im Turnen und Exerzieren dartun, und erhalten hierauf von der Stadt Schild und Speer, um fortan ein Jahr lang in den festen Plätzen des Landes (Akte, Munychia, Phyle, Sunion, Eleusis u. a.) als Peripoloi (περίπολοι) Wachdienste zu tun.DieAushebungerfolgte auf Grund von Stammrollen, welche nach den Gemeindebürgerlisten (§§ 27.32) angefertigt waren. Jede Stammrolle enthält das vollständige Verzeichnis der in einem bestimmten Jahre in die Bürgerlisten Eingeschriebenen und am Kopf den Namen des in diesem Jahre amtierenden ersten Archon, welcher Eponymos hieß. Im ganzen gab es 42 dienstpflichtige Jahrgänge mit den Namen von ebenso vielen Archonten. Bei einerMobilmachungwird entweder einallgemeines Aufgebotder gesamten[pg 134]Kriegsmacht (πανδημεί, πανστρατιᾷ) erlassen, oder nur ein Teil derselbennach der Stammrolle(ἐκ καταλόγου) eingezogen. Im letzten Fall wird bekanntgemacht, von welchem Archon bis zu welchem die Mannschaft auszumarschieren habe; und zwar können die betreffenden Jahrgänge ganz (στρατεῖαι ἐν τοῖς ἐπωνύμοις) oder nur teilweise (στρ. ἐν μέρεσι) mobilisiert werden.Duris-SchaleDuris-Schale.Jeder der 10 Kreise stellt ein Regiment(τάξις) unter einem selbstgewählten Obersten8, Taxiarchos. Jedes Regiment gliedert sich in eine AnzahlKompagnien(λόχοι), welche von den Angehörigen eines oder mehrerer Demen gebildet und vonHauptleuten(λοχαγοί) kommandiert werden. Im Jahr 431 konnte Athen etwa 18 000 Hopliten aufbieten.Dietaktischen Manöverder attischen Hopliten unterschieden sich nicht wesentlich von denen der Spartaner (s.§ 19).Der Stolz der Athener war ihreReiterei, wie z. B. deren besonders liebevolle Darstellung auf dem großen Parthenonfries (§ 70) lehrt; übrigens hat sich dieselbe mehr bei Festparaden (besonders an den Panathenäen) als in Schlachten hervorgetan, und der Reiterdienst galt für sehr ungefährlich. Die Klassen I–II dienten als Reiter; dieselben wurden von einer Zehnerkommission (καταλογεῖς) ausgehoben, mit einem Equipierungsgeld (κατάστασις) versehen und alljährlich vom Rat wiederholt auf die Tauglichkeit ihrer Person und Pferde geprüft. Die Reiterei gliederte sich in 10 Schwadronen (φυλαί) zu 100 Pferden mit einem Rittmeister (φύλαρχος) an der Spitze; den Oberbefehl führten zwei Reitergenerale (ἵππαρχοι).[pg 135]Der Kriegsdiensteifer und die Mannszucht im Bürgerheer ließen im 4. Jahrhundert viel zu wünschen übrig; wir hören von Prozessen wegen eigenmächtigen Ausbleibens (ἀστρατείας), Fahnenflucht (λειποταξίου), Feigheit (δειλίας), welche die Feldherrn vor das Volksgericht zu bringen hatten. Den Reiterobersten rät Xenophon, mehr durch Überredung als durch Befehl auf die Reiter zu wirken. Doch hüte man sich, hieraus auf die Abnahme der kriegerischen Tüchtigkeit der Hellenen zu schließen; die Züge eines Kyros und Alexander bewiesen das Gegenteil. Überdies erfolgte zugleich mit demAufkommen des Söldnerwesenseine durchgreifende Neuordnung des Heerdienstes, welche Iphikrates in Athen einführte (392 v. Chr.).Das einzige griechische Heer, das wir genauer kennen, ist das ausXenophons Anabasisbekannte griechischeSöldnerheer des jüngeren Kyros, dessen größere Hälfte aus dem Peloponnes stammt und durchaus spartanische (vgl.§ 19) Kriegsordnung zeigt. Den Kern bilden dieSchwerbewaffneten(Hopliten) mit Helm (κράνος), Brustharnisch (θώραξ) oder Lederkoller (σπολάς), Beinschienen (κνημῖδες), schwerem Schild (ἀσπίς), Stoßlanze (δόρυ) und Schwert (ξίφος). Ihnen stehen am nächsten diePeltastenmit leichtem Schild (πέλτη), Wurfspießen (ἀκόντια) und Schwert. Zu denLeichtbewaffneten(ψιλοί, γυμνῆτης), die nur Angriffswaffen für die Ferne führen, gehören: Bogenschützen (τοξόται), meist Kreter, Schleuderer (σφενδονῆται) und Speerschützen (ἀκοντισταί).§ 57. Die Flotte.Die Stärke Athens war seineFlotte. Zwischen den Höhen von Akte und Munychia liegen tiefeingebuchtet die windgeschützten, wohlverschlossenen Häfen Munychia, Zea und der tiefe, geräumigePeiraieus, welcher noch heute einer[pg 136]großen Flotte, selbst den größten Kriegsschiffen, sichere Unterkunft bietet. Der innere Teil der Peiraieusbucht, dasEmporion, war für die Handelsflotte bestimmt, während der südwestliche Teil derselben, derKantharoshafen, ebenso wie die Buchten Zea und Munychia ausschließlich zur Aufnahme der Kriegsmarine diente. Seit Themistokles, Kimon und Perikles die ganze Halbinsel mit einer gewaltigen, noch in ihren heutigen Überresten staunenerregenden Befestigung umschlossen und mit Athen durch die „langen Mauern“ (σκέλη) verbunden hatten, welche 404 teilweise zerstört, aber von Konon 392 wiederhergestellt wurden, besaß Athen im Peiraieus den stärksten Kriegshafen der alten Welt, dem nur der von Syrakus im 4. Jahrh. v. Chr. annähernd gleichkam. Am Ufer der 3 Häfen Athens lagen dieWerften(νεώρια) mit ihrenSchiffsbauplätzen(ναυπῆγια), denSchiffshäusern(νεώσοικοι), in welchen die Schiffskörper samt dem sog. hölzernen Gerät (Masten, Rahen, Ruder usw.) gegen Sonne und Regen geschützt im Trocknen aufbewahrt wurden, und denZeughäusern(σκευοθῆκαι), die zur Unterbringung des hängenden Geräts (Segel, Taue) dienten.Während man in der älteren Zeit lange niedrige Schiffe mit nur 1 Ruderreihe (μονήρης) hatte, die nach der Gesamtzahl der Ruder alsTriakontoroi,Pentekontoroiusw. bezeichnet wurden, baute man später Fahrzeuge mit 2 oder 3 Ruderreihen: Dieren undTrieren. Aus letzteren bestanden seit den Perserkriegen ausschließlich dieKriegsflotten. Dieathenischewar bei Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs 300–400Trierenstark.DieTriere, ein leichtgebautes, 40–50 m langes (daherνῆες μακραί) und etwa 5 m breites Fahrzeug mit niedrigem Bord und geringem Tiefgang, hatte in geringem Abstand schräg übereinander 3 Ruderreihen. Ein eisenbe[pg 137]schlagenerSpornoderSchnabel(ἔμβολον) am Vorderteil (πρῷρα) diente dazu, dem feindlichen Schiffe beim Anrennen ein Leck beizubringen. Außer demGroßmastin der Mitte des Schiffes, der vor dem Gefecht regelmäßig umgelegt wurde, stand im Vorderschiff noch der kleineVormast; jeder trug an einer Rahe, d. i. an einer horizontal am Mast befestigten Stange, ein viereckiges Segel (ἱστίον). Am Hinterteil (πρύμνα) des Schiffes befanden sich die beiden großen Steuerruder (πηδάλια). Seit 330 kamen in der attischen Marine auchTetreren, seit 325 auchPenteren(mit 4und 5 Reihen) vor. Der Neubau von Trieren wurde unter derOberaufsicht des Rates und der 10 Werftaufseher(ἐπιμεληταὶ τῶν νεωρίων) ausgeführt. Bei einer Seeunternehmung lieferte der Staat den Schiffsrumpf und die Geräte, sowie Sold und Verpflegungsgeld für die Mannschaft; derTrierarch(§ 45) hatte das Schiff segelfertig zu machen, zu bemannen, ein Jahr lang zu unterhalten und nach den Befehlen des Admirals (eines Strategos) zu führen, und nach Ablauf seiner Zeit in gutem Stand an seinen Nachfolger zu übergeben.DieBemannung(πλήρωμα) einer Triere zählte etwa 200 Köpfe: Steuermann (κυβερνήτης), Proreus, der das Kommando auf dem Vorderdeck führte, Keleustes mit drei Pentekontarchen, welche die Ruderer kommandierten, die Matrosen für das Takelwerk, die Seesoldaten (ἐπιβάται, durchschnittlich nur etwa 10), etwa 170 Ruderer (ναῦται). Die Ruderer der 3 Reihen hießen (von unten nach oben):Thalamiten,ZygitenundThraniten; die letzten hatten mit den längsten Rudern die schwerste Arbeit und waren dementsprechend höher besoldet. Bei gewöhnlicher Fahrt wurde nur etwa vom dritten Teil derselben, doch in allen 3 Reihen zugleich gerudert unter Flötenspiel und gleichmäßigen Rufen, während die andern auf ihren Plätzen ausruhten. Die[pg 138]ganze Mannschaft stand unter dem Kommando des Trierarchen. Als Ruderer wurden ärmere Bürger, Metöken, Sklaven und angeworbene Ausländer verwendet; nur auf den beiden schnellsegelnden Ordonnanzschiffen, derParalosundSalamina, die allein von den athenischen Kriegsschiffen ständig im Dienst waren, bestand die ganze Mannschaft aus attischen Bürgern. Die Fahrgeschwindigkeit der Triere war verhältnismäßig bedeutend, aber stets von Wind und Wetter abhängig. Wie die heutigen „Hellenen“, waren die alten Griechen tüchtige Seeleute, aber – wie alle alten Völker – „Schönwetterpiloten“. Im Winter ruhte die Seefahrt, die Schiffe lagen abgetakelt in den Schiffshäusern.DieSeeschlacht(ναυμαχία) glich in der älteren Zeit ganz einer Landschlacht, indem man von den Verdecken der ruhig nebeneinander liegenden Schiffe kämpfte. Später wurde das Hauptgewicht auf geschicktes Manövrieren der Schiffe gelegt: man suchte möglichst viele feindliche Fahrzeuge kampfunfähig zu machen. Dies geschah entweder vermittelst desDurchfahrens(διέκπλους), indem man die gegnerische Aufstellung durchbrach und die Ruder des feindlichen Fahrzeugs in raschem Vorbeifahren abstreifte oder den Sporn in seine Flanke bohrte, oder vermittelst desUmfahrens(περίπλους), indem man dem feindlichen Schiffe von der Seite oder von hinten einen Spornstoß beibrachte.

Das Kriegswesen.§ 56. Das Landheer.Jeder Bürger muß im Heere dienen, die Klassen I bis III (s.§ 25) als Reiter bzw. Schwerbewaffnete, Klasse IV als Leichtbewaffnete oder Schiffsoldaten. Die Dienstpflicht[pg 132]dauert vom 18. bis 60. Jahre; frei vom Kriegsdienste sind nur Beamte, Ratsherren und Zollpächter. Nach der Aufnahme in die Gemeindebürgerliste (§§ 27.32) schwuren die jungen Athener in dem Tempel der Aglauros denFahnen-undBürgereid: „Ich will die Waffen nicht schänden, den Nebenmann im Kampf nicht im Stich lassen, für die Heiligtümer kämpfen und das Vaterland nicht gemindert, sondern größer und mächtiger, als ich es überkommen, hinterlassen; ich will den Befehlen der Vorgesetzten und den Gesetzen gehorchen, nicht dulden, wenn einer die Gesetze aufhebt oder ihnen nicht gehorcht, sondern sie verteidigen und die vaterländischen Heiligtümer ehren.“ Die Jünglinge eines Kreises lebten fortan gemeinsam unter der Aufsicht eines „Zuchtmeisters“ (σωφρονιστής), und wurden durch Turnlehrer (παιδοτρίβαι) und Waffenlehrer in Gymnastik und Waffenführung ausgebildet. Der Zuchtmeister erhält von der Gemeinde täglich eine Drachme, die Jünglinge 4 Obolen, wofür jener die Bedürfnisse des gemeinsamen Mittagsmahles einkauft. Nach Verfluß eines Jahres werden die Jünglinge im Theater dem Volke vorgestellt, wobei sie ihre Fertigkeit im Turnen und Exerzieren dartun, und erhalten hierauf von der Stadt Schild und Speer, um fortan ein Jahr lang in den festen Plätzen des Landes (Akte, Munychia, Phyle, Sunion, Eleusis u. a.) als Peripoloi (περίπολοι) Wachdienste zu tun.DieAushebungerfolgte auf Grund von Stammrollen, welche nach den Gemeindebürgerlisten (§§ 27.32) angefertigt waren. Jede Stammrolle enthält das vollständige Verzeichnis der in einem bestimmten Jahre in die Bürgerlisten Eingeschriebenen und am Kopf den Namen des in diesem Jahre amtierenden ersten Archon, welcher Eponymos hieß. Im ganzen gab es 42 dienstpflichtige Jahrgänge mit den Namen von ebenso vielen Archonten. Bei einerMobilmachungwird entweder einallgemeines Aufgebotder gesamten[pg 134]Kriegsmacht (πανδημεί, πανστρατιᾷ) erlassen, oder nur ein Teil derselbennach der Stammrolle(ἐκ καταλόγου) eingezogen. Im letzten Fall wird bekanntgemacht, von welchem Archon bis zu welchem die Mannschaft auszumarschieren habe; und zwar können die betreffenden Jahrgänge ganz (στρατεῖαι ἐν τοῖς ἐπωνύμοις) oder nur teilweise (στρ. ἐν μέρεσι) mobilisiert werden.Duris-SchaleDuris-Schale.Jeder der 10 Kreise stellt ein Regiment(τάξις) unter einem selbstgewählten Obersten8, Taxiarchos. Jedes Regiment gliedert sich in eine AnzahlKompagnien(λόχοι), welche von den Angehörigen eines oder mehrerer Demen gebildet und vonHauptleuten(λοχαγοί) kommandiert werden. Im Jahr 431 konnte Athen etwa 18 000 Hopliten aufbieten.Dietaktischen Manöverder attischen Hopliten unterschieden sich nicht wesentlich von denen der Spartaner (s.§ 19).Der Stolz der Athener war ihreReiterei, wie z. B. deren besonders liebevolle Darstellung auf dem großen Parthenonfries (§ 70) lehrt; übrigens hat sich dieselbe mehr bei Festparaden (besonders an den Panathenäen) als in Schlachten hervorgetan, und der Reiterdienst galt für sehr ungefährlich. Die Klassen I–II dienten als Reiter; dieselben wurden von einer Zehnerkommission (καταλογεῖς) ausgehoben, mit einem Equipierungsgeld (κατάστασις) versehen und alljährlich vom Rat wiederholt auf die Tauglichkeit ihrer Person und Pferde geprüft. Die Reiterei gliederte sich in 10 Schwadronen (φυλαί) zu 100 Pferden mit einem Rittmeister (φύλαρχος) an der Spitze; den Oberbefehl führten zwei Reitergenerale (ἵππαρχοι).[pg 135]Der Kriegsdiensteifer und die Mannszucht im Bürgerheer ließen im 4. Jahrhundert viel zu wünschen übrig; wir hören von Prozessen wegen eigenmächtigen Ausbleibens (ἀστρατείας), Fahnenflucht (λειποταξίου), Feigheit (δειλίας), welche die Feldherrn vor das Volksgericht zu bringen hatten. Den Reiterobersten rät Xenophon, mehr durch Überredung als durch Befehl auf die Reiter zu wirken. Doch hüte man sich, hieraus auf die Abnahme der kriegerischen Tüchtigkeit der Hellenen zu schließen; die Züge eines Kyros und Alexander bewiesen das Gegenteil. Überdies erfolgte zugleich mit demAufkommen des Söldnerwesenseine durchgreifende Neuordnung des Heerdienstes, welche Iphikrates in Athen einführte (392 v. Chr.).Das einzige griechische Heer, das wir genauer kennen, ist das ausXenophons Anabasisbekannte griechischeSöldnerheer des jüngeren Kyros, dessen größere Hälfte aus dem Peloponnes stammt und durchaus spartanische (vgl.§ 19) Kriegsordnung zeigt. Den Kern bilden dieSchwerbewaffneten(Hopliten) mit Helm (κράνος), Brustharnisch (θώραξ) oder Lederkoller (σπολάς), Beinschienen (κνημῖδες), schwerem Schild (ἀσπίς), Stoßlanze (δόρυ) und Schwert (ξίφος). Ihnen stehen am nächsten diePeltastenmit leichtem Schild (πέλτη), Wurfspießen (ἀκόντια) und Schwert. Zu denLeichtbewaffneten(ψιλοί, γυμνῆτης), die nur Angriffswaffen für die Ferne führen, gehören: Bogenschützen (τοξόται), meist Kreter, Schleuderer (σφενδονῆται) und Speerschützen (ἀκοντισταί).§ 57. Die Flotte.Die Stärke Athens war seineFlotte. Zwischen den Höhen von Akte und Munychia liegen tiefeingebuchtet die windgeschützten, wohlverschlossenen Häfen Munychia, Zea und der tiefe, geräumigePeiraieus, welcher noch heute einer[pg 136]großen Flotte, selbst den größten Kriegsschiffen, sichere Unterkunft bietet. Der innere Teil der Peiraieusbucht, dasEmporion, war für die Handelsflotte bestimmt, während der südwestliche Teil derselben, derKantharoshafen, ebenso wie die Buchten Zea und Munychia ausschließlich zur Aufnahme der Kriegsmarine diente. Seit Themistokles, Kimon und Perikles die ganze Halbinsel mit einer gewaltigen, noch in ihren heutigen Überresten staunenerregenden Befestigung umschlossen und mit Athen durch die „langen Mauern“ (σκέλη) verbunden hatten, welche 404 teilweise zerstört, aber von Konon 392 wiederhergestellt wurden, besaß Athen im Peiraieus den stärksten Kriegshafen der alten Welt, dem nur der von Syrakus im 4. Jahrh. v. Chr. annähernd gleichkam. Am Ufer der 3 Häfen Athens lagen dieWerften(νεώρια) mit ihrenSchiffsbauplätzen(ναυπῆγια), denSchiffshäusern(νεώσοικοι), in welchen die Schiffskörper samt dem sog. hölzernen Gerät (Masten, Rahen, Ruder usw.) gegen Sonne und Regen geschützt im Trocknen aufbewahrt wurden, und denZeughäusern(σκευοθῆκαι), die zur Unterbringung des hängenden Geräts (Segel, Taue) dienten.Während man in der älteren Zeit lange niedrige Schiffe mit nur 1 Ruderreihe (μονήρης) hatte, die nach der Gesamtzahl der Ruder alsTriakontoroi,Pentekontoroiusw. bezeichnet wurden, baute man später Fahrzeuge mit 2 oder 3 Ruderreihen: Dieren undTrieren. Aus letzteren bestanden seit den Perserkriegen ausschließlich dieKriegsflotten. Dieathenischewar bei Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs 300–400Trierenstark.DieTriere, ein leichtgebautes, 40–50 m langes (daherνῆες μακραί) und etwa 5 m breites Fahrzeug mit niedrigem Bord und geringem Tiefgang, hatte in geringem Abstand schräg übereinander 3 Ruderreihen. Ein eisenbe[pg 137]schlagenerSpornoderSchnabel(ἔμβολον) am Vorderteil (πρῷρα) diente dazu, dem feindlichen Schiffe beim Anrennen ein Leck beizubringen. Außer demGroßmastin der Mitte des Schiffes, der vor dem Gefecht regelmäßig umgelegt wurde, stand im Vorderschiff noch der kleineVormast; jeder trug an einer Rahe, d. i. an einer horizontal am Mast befestigten Stange, ein viereckiges Segel (ἱστίον). Am Hinterteil (πρύμνα) des Schiffes befanden sich die beiden großen Steuerruder (πηδάλια). Seit 330 kamen in der attischen Marine auchTetreren, seit 325 auchPenteren(mit 4und 5 Reihen) vor. Der Neubau von Trieren wurde unter derOberaufsicht des Rates und der 10 Werftaufseher(ἐπιμεληταὶ τῶν νεωρίων) ausgeführt. Bei einer Seeunternehmung lieferte der Staat den Schiffsrumpf und die Geräte, sowie Sold und Verpflegungsgeld für die Mannschaft; derTrierarch(§ 45) hatte das Schiff segelfertig zu machen, zu bemannen, ein Jahr lang zu unterhalten und nach den Befehlen des Admirals (eines Strategos) zu führen, und nach Ablauf seiner Zeit in gutem Stand an seinen Nachfolger zu übergeben.DieBemannung(πλήρωμα) einer Triere zählte etwa 200 Köpfe: Steuermann (κυβερνήτης), Proreus, der das Kommando auf dem Vorderdeck führte, Keleustes mit drei Pentekontarchen, welche die Ruderer kommandierten, die Matrosen für das Takelwerk, die Seesoldaten (ἐπιβάται, durchschnittlich nur etwa 10), etwa 170 Ruderer (ναῦται). Die Ruderer der 3 Reihen hießen (von unten nach oben):Thalamiten,ZygitenundThraniten; die letzten hatten mit den längsten Rudern die schwerste Arbeit und waren dementsprechend höher besoldet. Bei gewöhnlicher Fahrt wurde nur etwa vom dritten Teil derselben, doch in allen 3 Reihen zugleich gerudert unter Flötenspiel und gleichmäßigen Rufen, während die andern auf ihren Plätzen ausruhten. Die[pg 138]ganze Mannschaft stand unter dem Kommando des Trierarchen. Als Ruderer wurden ärmere Bürger, Metöken, Sklaven und angeworbene Ausländer verwendet; nur auf den beiden schnellsegelnden Ordonnanzschiffen, derParalosundSalamina, die allein von den athenischen Kriegsschiffen ständig im Dienst waren, bestand die ganze Mannschaft aus attischen Bürgern. Die Fahrgeschwindigkeit der Triere war verhältnismäßig bedeutend, aber stets von Wind und Wetter abhängig. Wie die heutigen „Hellenen“, waren die alten Griechen tüchtige Seeleute, aber – wie alle alten Völker – „Schönwetterpiloten“. Im Winter ruhte die Seefahrt, die Schiffe lagen abgetakelt in den Schiffshäusern.DieSeeschlacht(ναυμαχία) glich in der älteren Zeit ganz einer Landschlacht, indem man von den Verdecken der ruhig nebeneinander liegenden Schiffe kämpfte. Später wurde das Hauptgewicht auf geschicktes Manövrieren der Schiffe gelegt: man suchte möglichst viele feindliche Fahrzeuge kampfunfähig zu machen. Dies geschah entweder vermittelst desDurchfahrens(διέκπλους), indem man die gegnerische Aufstellung durchbrach und die Ruder des feindlichen Fahrzeugs in raschem Vorbeifahren abstreifte oder den Sporn in seine Flanke bohrte, oder vermittelst desUmfahrens(περίπλους), indem man dem feindlichen Schiffe von der Seite oder von hinten einen Spornstoß beibrachte.

Das Kriegswesen.§ 56. Das Landheer.Jeder Bürger muß im Heere dienen, die Klassen I bis III (s.§ 25) als Reiter bzw. Schwerbewaffnete, Klasse IV als Leichtbewaffnete oder Schiffsoldaten. Die Dienstpflicht[pg 132]dauert vom 18. bis 60. Jahre; frei vom Kriegsdienste sind nur Beamte, Ratsherren und Zollpächter. Nach der Aufnahme in die Gemeindebürgerliste (§§ 27.32) schwuren die jungen Athener in dem Tempel der Aglauros denFahnen-undBürgereid: „Ich will die Waffen nicht schänden, den Nebenmann im Kampf nicht im Stich lassen, für die Heiligtümer kämpfen und das Vaterland nicht gemindert, sondern größer und mächtiger, als ich es überkommen, hinterlassen; ich will den Befehlen der Vorgesetzten und den Gesetzen gehorchen, nicht dulden, wenn einer die Gesetze aufhebt oder ihnen nicht gehorcht, sondern sie verteidigen und die vaterländischen Heiligtümer ehren.“ Die Jünglinge eines Kreises lebten fortan gemeinsam unter der Aufsicht eines „Zuchtmeisters“ (σωφρονιστής), und wurden durch Turnlehrer (παιδοτρίβαι) und Waffenlehrer in Gymnastik und Waffenführung ausgebildet. Der Zuchtmeister erhält von der Gemeinde täglich eine Drachme, die Jünglinge 4 Obolen, wofür jener die Bedürfnisse des gemeinsamen Mittagsmahles einkauft. Nach Verfluß eines Jahres werden die Jünglinge im Theater dem Volke vorgestellt, wobei sie ihre Fertigkeit im Turnen und Exerzieren dartun, und erhalten hierauf von der Stadt Schild und Speer, um fortan ein Jahr lang in den festen Plätzen des Landes (Akte, Munychia, Phyle, Sunion, Eleusis u. a.) als Peripoloi (περίπολοι) Wachdienste zu tun.DieAushebungerfolgte auf Grund von Stammrollen, welche nach den Gemeindebürgerlisten (§§ 27.32) angefertigt waren. Jede Stammrolle enthält das vollständige Verzeichnis der in einem bestimmten Jahre in die Bürgerlisten Eingeschriebenen und am Kopf den Namen des in diesem Jahre amtierenden ersten Archon, welcher Eponymos hieß. Im ganzen gab es 42 dienstpflichtige Jahrgänge mit den Namen von ebenso vielen Archonten. Bei einerMobilmachungwird entweder einallgemeines Aufgebotder gesamten[pg 134]Kriegsmacht (πανδημεί, πανστρατιᾷ) erlassen, oder nur ein Teil derselbennach der Stammrolle(ἐκ καταλόγου) eingezogen. Im letzten Fall wird bekanntgemacht, von welchem Archon bis zu welchem die Mannschaft auszumarschieren habe; und zwar können die betreffenden Jahrgänge ganz (στρατεῖαι ἐν τοῖς ἐπωνύμοις) oder nur teilweise (στρ. ἐν μέρεσι) mobilisiert werden.Duris-SchaleDuris-Schale.Jeder der 10 Kreise stellt ein Regiment(τάξις) unter einem selbstgewählten Obersten8, Taxiarchos. Jedes Regiment gliedert sich in eine AnzahlKompagnien(λόχοι), welche von den Angehörigen eines oder mehrerer Demen gebildet und vonHauptleuten(λοχαγοί) kommandiert werden. Im Jahr 431 konnte Athen etwa 18 000 Hopliten aufbieten.Dietaktischen Manöverder attischen Hopliten unterschieden sich nicht wesentlich von denen der Spartaner (s.§ 19).Der Stolz der Athener war ihreReiterei, wie z. B. deren besonders liebevolle Darstellung auf dem großen Parthenonfries (§ 70) lehrt; übrigens hat sich dieselbe mehr bei Festparaden (besonders an den Panathenäen) als in Schlachten hervorgetan, und der Reiterdienst galt für sehr ungefährlich. Die Klassen I–II dienten als Reiter; dieselben wurden von einer Zehnerkommission (καταλογεῖς) ausgehoben, mit einem Equipierungsgeld (κατάστασις) versehen und alljährlich vom Rat wiederholt auf die Tauglichkeit ihrer Person und Pferde geprüft. Die Reiterei gliederte sich in 10 Schwadronen (φυλαί) zu 100 Pferden mit einem Rittmeister (φύλαρχος) an der Spitze; den Oberbefehl führten zwei Reitergenerale (ἵππαρχοι).[pg 135]Der Kriegsdiensteifer und die Mannszucht im Bürgerheer ließen im 4. Jahrhundert viel zu wünschen übrig; wir hören von Prozessen wegen eigenmächtigen Ausbleibens (ἀστρατείας), Fahnenflucht (λειποταξίου), Feigheit (δειλίας), welche die Feldherrn vor das Volksgericht zu bringen hatten. Den Reiterobersten rät Xenophon, mehr durch Überredung als durch Befehl auf die Reiter zu wirken. Doch hüte man sich, hieraus auf die Abnahme der kriegerischen Tüchtigkeit der Hellenen zu schließen; die Züge eines Kyros und Alexander bewiesen das Gegenteil. Überdies erfolgte zugleich mit demAufkommen des Söldnerwesenseine durchgreifende Neuordnung des Heerdienstes, welche Iphikrates in Athen einführte (392 v. Chr.).Das einzige griechische Heer, das wir genauer kennen, ist das ausXenophons Anabasisbekannte griechischeSöldnerheer des jüngeren Kyros, dessen größere Hälfte aus dem Peloponnes stammt und durchaus spartanische (vgl.§ 19) Kriegsordnung zeigt. Den Kern bilden dieSchwerbewaffneten(Hopliten) mit Helm (κράνος), Brustharnisch (θώραξ) oder Lederkoller (σπολάς), Beinschienen (κνημῖδες), schwerem Schild (ἀσπίς), Stoßlanze (δόρυ) und Schwert (ξίφος). Ihnen stehen am nächsten diePeltastenmit leichtem Schild (πέλτη), Wurfspießen (ἀκόντια) und Schwert. Zu denLeichtbewaffneten(ψιλοί, γυμνῆτης), die nur Angriffswaffen für die Ferne führen, gehören: Bogenschützen (τοξόται), meist Kreter, Schleuderer (σφενδονῆται) und Speerschützen (ἀκοντισταί).§ 57. Die Flotte.Die Stärke Athens war seineFlotte. Zwischen den Höhen von Akte und Munychia liegen tiefeingebuchtet die windgeschützten, wohlverschlossenen Häfen Munychia, Zea und der tiefe, geräumigePeiraieus, welcher noch heute einer[pg 136]großen Flotte, selbst den größten Kriegsschiffen, sichere Unterkunft bietet. Der innere Teil der Peiraieusbucht, dasEmporion, war für die Handelsflotte bestimmt, während der südwestliche Teil derselben, derKantharoshafen, ebenso wie die Buchten Zea und Munychia ausschließlich zur Aufnahme der Kriegsmarine diente. Seit Themistokles, Kimon und Perikles die ganze Halbinsel mit einer gewaltigen, noch in ihren heutigen Überresten staunenerregenden Befestigung umschlossen und mit Athen durch die „langen Mauern“ (σκέλη) verbunden hatten, welche 404 teilweise zerstört, aber von Konon 392 wiederhergestellt wurden, besaß Athen im Peiraieus den stärksten Kriegshafen der alten Welt, dem nur der von Syrakus im 4. Jahrh. v. Chr. annähernd gleichkam. Am Ufer der 3 Häfen Athens lagen dieWerften(νεώρια) mit ihrenSchiffsbauplätzen(ναυπῆγια), denSchiffshäusern(νεώσοικοι), in welchen die Schiffskörper samt dem sog. hölzernen Gerät (Masten, Rahen, Ruder usw.) gegen Sonne und Regen geschützt im Trocknen aufbewahrt wurden, und denZeughäusern(σκευοθῆκαι), die zur Unterbringung des hängenden Geräts (Segel, Taue) dienten.Während man in der älteren Zeit lange niedrige Schiffe mit nur 1 Ruderreihe (μονήρης) hatte, die nach der Gesamtzahl der Ruder alsTriakontoroi,Pentekontoroiusw. bezeichnet wurden, baute man später Fahrzeuge mit 2 oder 3 Ruderreihen: Dieren undTrieren. Aus letzteren bestanden seit den Perserkriegen ausschließlich dieKriegsflotten. Dieathenischewar bei Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs 300–400Trierenstark.DieTriere, ein leichtgebautes, 40–50 m langes (daherνῆες μακραί) und etwa 5 m breites Fahrzeug mit niedrigem Bord und geringem Tiefgang, hatte in geringem Abstand schräg übereinander 3 Ruderreihen. Ein eisenbe[pg 137]schlagenerSpornoderSchnabel(ἔμβολον) am Vorderteil (πρῷρα) diente dazu, dem feindlichen Schiffe beim Anrennen ein Leck beizubringen. Außer demGroßmastin der Mitte des Schiffes, der vor dem Gefecht regelmäßig umgelegt wurde, stand im Vorderschiff noch der kleineVormast; jeder trug an einer Rahe, d. i. an einer horizontal am Mast befestigten Stange, ein viereckiges Segel (ἱστίον). Am Hinterteil (πρύμνα) des Schiffes befanden sich die beiden großen Steuerruder (πηδάλια). Seit 330 kamen in der attischen Marine auchTetreren, seit 325 auchPenteren(mit 4und 5 Reihen) vor. Der Neubau von Trieren wurde unter derOberaufsicht des Rates und der 10 Werftaufseher(ἐπιμεληταὶ τῶν νεωρίων) ausgeführt. Bei einer Seeunternehmung lieferte der Staat den Schiffsrumpf und die Geräte, sowie Sold und Verpflegungsgeld für die Mannschaft; derTrierarch(§ 45) hatte das Schiff segelfertig zu machen, zu bemannen, ein Jahr lang zu unterhalten und nach den Befehlen des Admirals (eines Strategos) zu führen, und nach Ablauf seiner Zeit in gutem Stand an seinen Nachfolger zu übergeben.DieBemannung(πλήρωμα) einer Triere zählte etwa 200 Köpfe: Steuermann (κυβερνήτης), Proreus, der das Kommando auf dem Vorderdeck führte, Keleustes mit drei Pentekontarchen, welche die Ruderer kommandierten, die Matrosen für das Takelwerk, die Seesoldaten (ἐπιβάται, durchschnittlich nur etwa 10), etwa 170 Ruderer (ναῦται). Die Ruderer der 3 Reihen hießen (von unten nach oben):Thalamiten,ZygitenundThraniten; die letzten hatten mit den längsten Rudern die schwerste Arbeit und waren dementsprechend höher besoldet. Bei gewöhnlicher Fahrt wurde nur etwa vom dritten Teil derselben, doch in allen 3 Reihen zugleich gerudert unter Flötenspiel und gleichmäßigen Rufen, während die andern auf ihren Plätzen ausruhten. Die[pg 138]ganze Mannschaft stand unter dem Kommando des Trierarchen. Als Ruderer wurden ärmere Bürger, Metöken, Sklaven und angeworbene Ausländer verwendet; nur auf den beiden schnellsegelnden Ordonnanzschiffen, derParalosundSalamina, die allein von den athenischen Kriegsschiffen ständig im Dienst waren, bestand die ganze Mannschaft aus attischen Bürgern. Die Fahrgeschwindigkeit der Triere war verhältnismäßig bedeutend, aber stets von Wind und Wetter abhängig. Wie die heutigen „Hellenen“, waren die alten Griechen tüchtige Seeleute, aber – wie alle alten Völker – „Schönwetterpiloten“. Im Winter ruhte die Seefahrt, die Schiffe lagen abgetakelt in den Schiffshäusern.DieSeeschlacht(ναυμαχία) glich in der älteren Zeit ganz einer Landschlacht, indem man von den Verdecken der ruhig nebeneinander liegenden Schiffe kämpfte. Später wurde das Hauptgewicht auf geschicktes Manövrieren der Schiffe gelegt: man suchte möglichst viele feindliche Fahrzeuge kampfunfähig zu machen. Dies geschah entweder vermittelst desDurchfahrens(διέκπλους), indem man die gegnerische Aufstellung durchbrach und die Ruder des feindlichen Fahrzeugs in raschem Vorbeifahren abstreifte oder den Sporn in seine Flanke bohrte, oder vermittelst desUmfahrens(περίπλους), indem man dem feindlichen Schiffe von der Seite oder von hinten einen Spornstoß beibrachte.

§ 56. Das Landheer.Jeder Bürger muß im Heere dienen, die Klassen I bis III (s.§ 25) als Reiter bzw. Schwerbewaffnete, Klasse IV als Leichtbewaffnete oder Schiffsoldaten. Die Dienstpflicht[pg 132]dauert vom 18. bis 60. Jahre; frei vom Kriegsdienste sind nur Beamte, Ratsherren und Zollpächter. Nach der Aufnahme in die Gemeindebürgerliste (§§ 27.32) schwuren die jungen Athener in dem Tempel der Aglauros denFahnen-undBürgereid: „Ich will die Waffen nicht schänden, den Nebenmann im Kampf nicht im Stich lassen, für die Heiligtümer kämpfen und das Vaterland nicht gemindert, sondern größer und mächtiger, als ich es überkommen, hinterlassen; ich will den Befehlen der Vorgesetzten und den Gesetzen gehorchen, nicht dulden, wenn einer die Gesetze aufhebt oder ihnen nicht gehorcht, sondern sie verteidigen und die vaterländischen Heiligtümer ehren.“ Die Jünglinge eines Kreises lebten fortan gemeinsam unter der Aufsicht eines „Zuchtmeisters“ (σωφρονιστής), und wurden durch Turnlehrer (παιδοτρίβαι) und Waffenlehrer in Gymnastik und Waffenführung ausgebildet. Der Zuchtmeister erhält von der Gemeinde täglich eine Drachme, die Jünglinge 4 Obolen, wofür jener die Bedürfnisse des gemeinsamen Mittagsmahles einkauft. Nach Verfluß eines Jahres werden die Jünglinge im Theater dem Volke vorgestellt, wobei sie ihre Fertigkeit im Turnen und Exerzieren dartun, und erhalten hierauf von der Stadt Schild und Speer, um fortan ein Jahr lang in den festen Plätzen des Landes (Akte, Munychia, Phyle, Sunion, Eleusis u. a.) als Peripoloi (περίπολοι) Wachdienste zu tun.DieAushebungerfolgte auf Grund von Stammrollen, welche nach den Gemeindebürgerlisten (§§ 27.32) angefertigt waren. Jede Stammrolle enthält das vollständige Verzeichnis der in einem bestimmten Jahre in die Bürgerlisten Eingeschriebenen und am Kopf den Namen des in diesem Jahre amtierenden ersten Archon, welcher Eponymos hieß. Im ganzen gab es 42 dienstpflichtige Jahrgänge mit den Namen von ebenso vielen Archonten. Bei einerMobilmachungwird entweder einallgemeines Aufgebotder gesamten[pg 134]Kriegsmacht (πανδημεί, πανστρατιᾷ) erlassen, oder nur ein Teil derselbennach der Stammrolle(ἐκ καταλόγου) eingezogen. Im letzten Fall wird bekanntgemacht, von welchem Archon bis zu welchem die Mannschaft auszumarschieren habe; und zwar können die betreffenden Jahrgänge ganz (στρατεῖαι ἐν τοῖς ἐπωνύμοις) oder nur teilweise (στρ. ἐν μέρεσι) mobilisiert werden.Duris-SchaleDuris-Schale.Jeder der 10 Kreise stellt ein Regiment(τάξις) unter einem selbstgewählten Obersten8, Taxiarchos. Jedes Regiment gliedert sich in eine AnzahlKompagnien(λόχοι), welche von den Angehörigen eines oder mehrerer Demen gebildet und vonHauptleuten(λοχαγοί) kommandiert werden. Im Jahr 431 konnte Athen etwa 18 000 Hopliten aufbieten.Dietaktischen Manöverder attischen Hopliten unterschieden sich nicht wesentlich von denen der Spartaner (s.§ 19).Der Stolz der Athener war ihreReiterei, wie z. B. deren besonders liebevolle Darstellung auf dem großen Parthenonfries (§ 70) lehrt; übrigens hat sich dieselbe mehr bei Festparaden (besonders an den Panathenäen) als in Schlachten hervorgetan, und der Reiterdienst galt für sehr ungefährlich. Die Klassen I–II dienten als Reiter; dieselben wurden von einer Zehnerkommission (καταλογεῖς) ausgehoben, mit einem Equipierungsgeld (κατάστασις) versehen und alljährlich vom Rat wiederholt auf die Tauglichkeit ihrer Person und Pferde geprüft. Die Reiterei gliederte sich in 10 Schwadronen (φυλαί) zu 100 Pferden mit einem Rittmeister (φύλαρχος) an der Spitze; den Oberbefehl führten zwei Reitergenerale (ἵππαρχοι).[pg 135]Der Kriegsdiensteifer und die Mannszucht im Bürgerheer ließen im 4. Jahrhundert viel zu wünschen übrig; wir hören von Prozessen wegen eigenmächtigen Ausbleibens (ἀστρατείας), Fahnenflucht (λειποταξίου), Feigheit (δειλίας), welche die Feldherrn vor das Volksgericht zu bringen hatten. Den Reiterobersten rät Xenophon, mehr durch Überredung als durch Befehl auf die Reiter zu wirken. Doch hüte man sich, hieraus auf die Abnahme der kriegerischen Tüchtigkeit der Hellenen zu schließen; die Züge eines Kyros und Alexander bewiesen das Gegenteil. Überdies erfolgte zugleich mit demAufkommen des Söldnerwesenseine durchgreifende Neuordnung des Heerdienstes, welche Iphikrates in Athen einführte (392 v. Chr.).Das einzige griechische Heer, das wir genauer kennen, ist das ausXenophons Anabasisbekannte griechischeSöldnerheer des jüngeren Kyros, dessen größere Hälfte aus dem Peloponnes stammt und durchaus spartanische (vgl.§ 19) Kriegsordnung zeigt. Den Kern bilden dieSchwerbewaffneten(Hopliten) mit Helm (κράνος), Brustharnisch (θώραξ) oder Lederkoller (σπολάς), Beinschienen (κνημῖδες), schwerem Schild (ἀσπίς), Stoßlanze (δόρυ) und Schwert (ξίφος). Ihnen stehen am nächsten diePeltastenmit leichtem Schild (πέλτη), Wurfspießen (ἀκόντια) und Schwert. Zu denLeichtbewaffneten(ψιλοί, γυμνῆτης), die nur Angriffswaffen für die Ferne führen, gehören: Bogenschützen (τοξόται), meist Kreter, Schleuderer (σφενδονῆται) und Speerschützen (ἀκοντισταί).

Jeder Bürger muß im Heere dienen, die Klassen I bis III (s.§ 25) als Reiter bzw. Schwerbewaffnete, Klasse IV als Leichtbewaffnete oder Schiffsoldaten. Die Dienstpflicht[pg 132]dauert vom 18. bis 60. Jahre; frei vom Kriegsdienste sind nur Beamte, Ratsherren und Zollpächter. Nach der Aufnahme in die Gemeindebürgerliste (§§ 27.32) schwuren die jungen Athener in dem Tempel der Aglauros denFahnen-undBürgereid: „Ich will die Waffen nicht schänden, den Nebenmann im Kampf nicht im Stich lassen, für die Heiligtümer kämpfen und das Vaterland nicht gemindert, sondern größer und mächtiger, als ich es überkommen, hinterlassen; ich will den Befehlen der Vorgesetzten und den Gesetzen gehorchen, nicht dulden, wenn einer die Gesetze aufhebt oder ihnen nicht gehorcht, sondern sie verteidigen und die vaterländischen Heiligtümer ehren.“ Die Jünglinge eines Kreises lebten fortan gemeinsam unter der Aufsicht eines „Zuchtmeisters“ (σωφρονιστής), und wurden durch Turnlehrer (παιδοτρίβαι) und Waffenlehrer in Gymnastik und Waffenführung ausgebildet. Der Zuchtmeister erhält von der Gemeinde täglich eine Drachme, die Jünglinge 4 Obolen, wofür jener die Bedürfnisse des gemeinsamen Mittagsmahles einkauft. Nach Verfluß eines Jahres werden die Jünglinge im Theater dem Volke vorgestellt, wobei sie ihre Fertigkeit im Turnen und Exerzieren dartun, und erhalten hierauf von der Stadt Schild und Speer, um fortan ein Jahr lang in den festen Plätzen des Landes (Akte, Munychia, Phyle, Sunion, Eleusis u. a.) als Peripoloi (περίπολοι) Wachdienste zu tun.

DieAushebungerfolgte auf Grund von Stammrollen, welche nach den Gemeindebürgerlisten (§§ 27.32) angefertigt waren. Jede Stammrolle enthält das vollständige Verzeichnis der in einem bestimmten Jahre in die Bürgerlisten Eingeschriebenen und am Kopf den Namen des in diesem Jahre amtierenden ersten Archon, welcher Eponymos hieß. Im ganzen gab es 42 dienstpflichtige Jahrgänge mit den Namen von ebenso vielen Archonten. Bei einerMobilmachungwird entweder einallgemeines Aufgebotder gesamten[pg 134]Kriegsmacht (πανδημεί, πανστρατιᾷ) erlassen, oder nur ein Teil derselbennach der Stammrolle(ἐκ καταλόγου) eingezogen. Im letzten Fall wird bekanntgemacht, von welchem Archon bis zu welchem die Mannschaft auszumarschieren habe; und zwar können die betreffenden Jahrgänge ganz (στρατεῖαι ἐν τοῖς ἐπωνύμοις) oder nur teilweise (στρ. ἐν μέρεσι) mobilisiert werden.

Duris-SchaleDuris-Schale.

Duris-Schale.

Jeder der 10 Kreise stellt ein Regiment(τάξις) unter einem selbstgewählten Obersten8, Taxiarchos. Jedes Regiment gliedert sich in eine AnzahlKompagnien(λόχοι), welche von den Angehörigen eines oder mehrerer Demen gebildet und vonHauptleuten(λοχαγοί) kommandiert werden. Im Jahr 431 konnte Athen etwa 18 000 Hopliten aufbieten.

Dietaktischen Manöverder attischen Hopliten unterschieden sich nicht wesentlich von denen der Spartaner (s.§ 19).

Der Stolz der Athener war ihreReiterei, wie z. B. deren besonders liebevolle Darstellung auf dem großen Parthenonfries (§ 70) lehrt; übrigens hat sich dieselbe mehr bei Festparaden (besonders an den Panathenäen) als in Schlachten hervorgetan, und der Reiterdienst galt für sehr ungefährlich. Die Klassen I–II dienten als Reiter; dieselben wurden von einer Zehnerkommission (καταλογεῖς) ausgehoben, mit einem Equipierungsgeld (κατάστασις) versehen und alljährlich vom Rat wiederholt auf die Tauglichkeit ihrer Person und Pferde geprüft. Die Reiterei gliederte sich in 10 Schwadronen (φυλαί) zu 100 Pferden mit einem Rittmeister (φύλαρχος) an der Spitze; den Oberbefehl führten zwei Reitergenerale (ἵππαρχοι).

[pg 135]Der Kriegsdiensteifer und die Mannszucht im Bürgerheer ließen im 4. Jahrhundert viel zu wünschen übrig; wir hören von Prozessen wegen eigenmächtigen Ausbleibens (ἀστρατείας), Fahnenflucht (λειποταξίου), Feigheit (δειλίας), welche die Feldherrn vor das Volksgericht zu bringen hatten. Den Reiterobersten rät Xenophon, mehr durch Überredung als durch Befehl auf die Reiter zu wirken. Doch hüte man sich, hieraus auf die Abnahme der kriegerischen Tüchtigkeit der Hellenen zu schließen; die Züge eines Kyros und Alexander bewiesen das Gegenteil. Überdies erfolgte zugleich mit demAufkommen des Söldnerwesenseine durchgreifende Neuordnung des Heerdienstes, welche Iphikrates in Athen einführte (392 v. Chr.).

Das einzige griechische Heer, das wir genauer kennen, ist das ausXenophons Anabasisbekannte griechischeSöldnerheer des jüngeren Kyros, dessen größere Hälfte aus dem Peloponnes stammt und durchaus spartanische (vgl.§ 19) Kriegsordnung zeigt. Den Kern bilden dieSchwerbewaffneten(Hopliten) mit Helm (κράνος), Brustharnisch (θώραξ) oder Lederkoller (σπολάς), Beinschienen (κνημῖδες), schwerem Schild (ἀσπίς), Stoßlanze (δόρυ) und Schwert (ξίφος). Ihnen stehen am nächsten diePeltastenmit leichtem Schild (πέλτη), Wurfspießen (ἀκόντια) und Schwert. Zu denLeichtbewaffneten(ψιλοί, γυμνῆτης), die nur Angriffswaffen für die Ferne führen, gehören: Bogenschützen (τοξόται), meist Kreter, Schleuderer (σφενδονῆται) und Speerschützen (ἀκοντισταί).

§ 57. Die Flotte.Die Stärke Athens war seineFlotte. Zwischen den Höhen von Akte und Munychia liegen tiefeingebuchtet die windgeschützten, wohlverschlossenen Häfen Munychia, Zea und der tiefe, geräumigePeiraieus, welcher noch heute einer[pg 136]großen Flotte, selbst den größten Kriegsschiffen, sichere Unterkunft bietet. Der innere Teil der Peiraieusbucht, dasEmporion, war für die Handelsflotte bestimmt, während der südwestliche Teil derselben, derKantharoshafen, ebenso wie die Buchten Zea und Munychia ausschließlich zur Aufnahme der Kriegsmarine diente. Seit Themistokles, Kimon und Perikles die ganze Halbinsel mit einer gewaltigen, noch in ihren heutigen Überresten staunenerregenden Befestigung umschlossen und mit Athen durch die „langen Mauern“ (σκέλη) verbunden hatten, welche 404 teilweise zerstört, aber von Konon 392 wiederhergestellt wurden, besaß Athen im Peiraieus den stärksten Kriegshafen der alten Welt, dem nur der von Syrakus im 4. Jahrh. v. Chr. annähernd gleichkam. Am Ufer der 3 Häfen Athens lagen dieWerften(νεώρια) mit ihrenSchiffsbauplätzen(ναυπῆγια), denSchiffshäusern(νεώσοικοι), in welchen die Schiffskörper samt dem sog. hölzernen Gerät (Masten, Rahen, Ruder usw.) gegen Sonne und Regen geschützt im Trocknen aufbewahrt wurden, und denZeughäusern(σκευοθῆκαι), die zur Unterbringung des hängenden Geräts (Segel, Taue) dienten.Während man in der älteren Zeit lange niedrige Schiffe mit nur 1 Ruderreihe (μονήρης) hatte, die nach der Gesamtzahl der Ruder alsTriakontoroi,Pentekontoroiusw. bezeichnet wurden, baute man später Fahrzeuge mit 2 oder 3 Ruderreihen: Dieren undTrieren. Aus letzteren bestanden seit den Perserkriegen ausschließlich dieKriegsflotten. Dieathenischewar bei Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs 300–400Trierenstark.DieTriere, ein leichtgebautes, 40–50 m langes (daherνῆες μακραί) und etwa 5 m breites Fahrzeug mit niedrigem Bord und geringem Tiefgang, hatte in geringem Abstand schräg übereinander 3 Ruderreihen. Ein eisenbe[pg 137]schlagenerSpornoderSchnabel(ἔμβολον) am Vorderteil (πρῷρα) diente dazu, dem feindlichen Schiffe beim Anrennen ein Leck beizubringen. Außer demGroßmastin der Mitte des Schiffes, der vor dem Gefecht regelmäßig umgelegt wurde, stand im Vorderschiff noch der kleineVormast; jeder trug an einer Rahe, d. i. an einer horizontal am Mast befestigten Stange, ein viereckiges Segel (ἱστίον). Am Hinterteil (πρύμνα) des Schiffes befanden sich die beiden großen Steuerruder (πηδάλια). Seit 330 kamen in der attischen Marine auchTetreren, seit 325 auchPenteren(mit 4und 5 Reihen) vor. Der Neubau von Trieren wurde unter derOberaufsicht des Rates und der 10 Werftaufseher(ἐπιμεληταὶ τῶν νεωρίων) ausgeführt. Bei einer Seeunternehmung lieferte der Staat den Schiffsrumpf und die Geräte, sowie Sold und Verpflegungsgeld für die Mannschaft; derTrierarch(§ 45) hatte das Schiff segelfertig zu machen, zu bemannen, ein Jahr lang zu unterhalten und nach den Befehlen des Admirals (eines Strategos) zu führen, und nach Ablauf seiner Zeit in gutem Stand an seinen Nachfolger zu übergeben.DieBemannung(πλήρωμα) einer Triere zählte etwa 200 Köpfe: Steuermann (κυβερνήτης), Proreus, der das Kommando auf dem Vorderdeck führte, Keleustes mit drei Pentekontarchen, welche die Ruderer kommandierten, die Matrosen für das Takelwerk, die Seesoldaten (ἐπιβάται, durchschnittlich nur etwa 10), etwa 170 Ruderer (ναῦται). Die Ruderer der 3 Reihen hießen (von unten nach oben):Thalamiten,ZygitenundThraniten; die letzten hatten mit den längsten Rudern die schwerste Arbeit und waren dementsprechend höher besoldet. Bei gewöhnlicher Fahrt wurde nur etwa vom dritten Teil derselben, doch in allen 3 Reihen zugleich gerudert unter Flötenspiel und gleichmäßigen Rufen, während die andern auf ihren Plätzen ausruhten. Die[pg 138]ganze Mannschaft stand unter dem Kommando des Trierarchen. Als Ruderer wurden ärmere Bürger, Metöken, Sklaven und angeworbene Ausländer verwendet; nur auf den beiden schnellsegelnden Ordonnanzschiffen, derParalosundSalamina, die allein von den athenischen Kriegsschiffen ständig im Dienst waren, bestand die ganze Mannschaft aus attischen Bürgern. Die Fahrgeschwindigkeit der Triere war verhältnismäßig bedeutend, aber stets von Wind und Wetter abhängig. Wie die heutigen „Hellenen“, waren die alten Griechen tüchtige Seeleute, aber – wie alle alten Völker – „Schönwetterpiloten“. Im Winter ruhte die Seefahrt, die Schiffe lagen abgetakelt in den Schiffshäusern.DieSeeschlacht(ναυμαχία) glich in der älteren Zeit ganz einer Landschlacht, indem man von den Verdecken der ruhig nebeneinander liegenden Schiffe kämpfte. Später wurde das Hauptgewicht auf geschicktes Manövrieren der Schiffe gelegt: man suchte möglichst viele feindliche Fahrzeuge kampfunfähig zu machen. Dies geschah entweder vermittelst desDurchfahrens(διέκπλους), indem man die gegnerische Aufstellung durchbrach und die Ruder des feindlichen Fahrzeugs in raschem Vorbeifahren abstreifte oder den Sporn in seine Flanke bohrte, oder vermittelst desUmfahrens(περίπλους), indem man dem feindlichen Schiffe von der Seite oder von hinten einen Spornstoß beibrachte.

Die Stärke Athens war seineFlotte. Zwischen den Höhen von Akte und Munychia liegen tiefeingebuchtet die windgeschützten, wohlverschlossenen Häfen Munychia, Zea und der tiefe, geräumigePeiraieus, welcher noch heute einer[pg 136]großen Flotte, selbst den größten Kriegsschiffen, sichere Unterkunft bietet. Der innere Teil der Peiraieusbucht, dasEmporion, war für die Handelsflotte bestimmt, während der südwestliche Teil derselben, derKantharoshafen, ebenso wie die Buchten Zea und Munychia ausschließlich zur Aufnahme der Kriegsmarine diente. Seit Themistokles, Kimon und Perikles die ganze Halbinsel mit einer gewaltigen, noch in ihren heutigen Überresten staunenerregenden Befestigung umschlossen und mit Athen durch die „langen Mauern“ (σκέλη) verbunden hatten, welche 404 teilweise zerstört, aber von Konon 392 wiederhergestellt wurden, besaß Athen im Peiraieus den stärksten Kriegshafen der alten Welt, dem nur der von Syrakus im 4. Jahrh. v. Chr. annähernd gleichkam. Am Ufer der 3 Häfen Athens lagen dieWerften(νεώρια) mit ihrenSchiffsbauplätzen(ναυπῆγια), denSchiffshäusern(νεώσοικοι), in welchen die Schiffskörper samt dem sog. hölzernen Gerät (Masten, Rahen, Ruder usw.) gegen Sonne und Regen geschützt im Trocknen aufbewahrt wurden, und denZeughäusern(σκευοθῆκαι), die zur Unterbringung des hängenden Geräts (Segel, Taue) dienten.

Während man in der älteren Zeit lange niedrige Schiffe mit nur 1 Ruderreihe (μονήρης) hatte, die nach der Gesamtzahl der Ruder alsTriakontoroi,Pentekontoroiusw. bezeichnet wurden, baute man später Fahrzeuge mit 2 oder 3 Ruderreihen: Dieren undTrieren. Aus letzteren bestanden seit den Perserkriegen ausschließlich dieKriegsflotten. Dieathenischewar bei Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs 300–400Trierenstark.

DieTriere, ein leichtgebautes, 40–50 m langes (daherνῆες μακραί) und etwa 5 m breites Fahrzeug mit niedrigem Bord und geringem Tiefgang, hatte in geringem Abstand schräg übereinander 3 Ruderreihen. Ein eisenbe[pg 137]schlagenerSpornoderSchnabel(ἔμβολον) am Vorderteil (πρῷρα) diente dazu, dem feindlichen Schiffe beim Anrennen ein Leck beizubringen. Außer demGroßmastin der Mitte des Schiffes, der vor dem Gefecht regelmäßig umgelegt wurde, stand im Vorderschiff noch der kleineVormast; jeder trug an einer Rahe, d. i. an einer horizontal am Mast befestigten Stange, ein viereckiges Segel (ἱστίον). Am Hinterteil (πρύμνα) des Schiffes befanden sich die beiden großen Steuerruder (πηδάλια). Seit 330 kamen in der attischen Marine auchTetreren, seit 325 auchPenteren(mit 4und 5 Reihen) vor. Der Neubau von Trieren wurde unter derOberaufsicht des Rates und der 10 Werftaufseher(ἐπιμεληταὶ τῶν νεωρίων) ausgeführt. Bei einer Seeunternehmung lieferte der Staat den Schiffsrumpf und die Geräte, sowie Sold und Verpflegungsgeld für die Mannschaft; derTrierarch(§ 45) hatte das Schiff segelfertig zu machen, zu bemannen, ein Jahr lang zu unterhalten und nach den Befehlen des Admirals (eines Strategos) zu führen, und nach Ablauf seiner Zeit in gutem Stand an seinen Nachfolger zu übergeben.

DieBemannung(πλήρωμα) einer Triere zählte etwa 200 Köpfe: Steuermann (κυβερνήτης), Proreus, der das Kommando auf dem Vorderdeck führte, Keleustes mit drei Pentekontarchen, welche die Ruderer kommandierten, die Matrosen für das Takelwerk, die Seesoldaten (ἐπιβάται, durchschnittlich nur etwa 10), etwa 170 Ruderer (ναῦται). Die Ruderer der 3 Reihen hießen (von unten nach oben):Thalamiten,ZygitenundThraniten; die letzten hatten mit den längsten Rudern die schwerste Arbeit und waren dementsprechend höher besoldet. Bei gewöhnlicher Fahrt wurde nur etwa vom dritten Teil derselben, doch in allen 3 Reihen zugleich gerudert unter Flötenspiel und gleichmäßigen Rufen, während die andern auf ihren Plätzen ausruhten. Die[pg 138]ganze Mannschaft stand unter dem Kommando des Trierarchen. Als Ruderer wurden ärmere Bürger, Metöken, Sklaven und angeworbene Ausländer verwendet; nur auf den beiden schnellsegelnden Ordonnanzschiffen, derParalosundSalamina, die allein von den athenischen Kriegsschiffen ständig im Dienst waren, bestand die ganze Mannschaft aus attischen Bürgern. Die Fahrgeschwindigkeit der Triere war verhältnismäßig bedeutend, aber stets von Wind und Wetter abhängig. Wie die heutigen „Hellenen“, waren die alten Griechen tüchtige Seeleute, aber – wie alle alten Völker – „Schönwetterpiloten“. Im Winter ruhte die Seefahrt, die Schiffe lagen abgetakelt in den Schiffshäusern.

DieSeeschlacht(ναυμαχία) glich in der älteren Zeit ganz einer Landschlacht, indem man von den Verdecken der ruhig nebeneinander liegenden Schiffe kämpfte. Später wurde das Hauptgewicht auf geschicktes Manövrieren der Schiffe gelegt: man suchte möglichst viele feindliche Fahrzeuge kampfunfähig zu machen. Dies geschah entweder vermittelst desDurchfahrens(διέκπλους), indem man die gegnerische Aufstellung durchbrach und die Ruder des feindlichen Fahrzeugs in raschem Vorbeifahren abstreifte oder den Sporn in seine Flanke bohrte, oder vermittelst desUmfahrens(περίπλους), indem man dem feindlichen Schiffe von der Seite oder von hinten einen Spornstoß beibrachte.


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