Chapter 10

Bild 13. Oberes Ende eines an der Durchlochungsstelle abgebrochenen Zierstabes aus Renntierhorn aus dem Lagerplatz der Renntier- und Mammutjäger der frühen Nacheiszeit von Laugerie basse mit Köpfen eines männlichen und weiblichen Büffels (Wisent).1⁄3natürl. Größe.

Bild 13. Oberes Ende eines an der Durchlochungsstelle abgebrochenen Zierstabes aus Renntierhorn aus dem Lagerplatz der Renntier- und Mammutjäger der frühen Nacheiszeit von Laugerie basse mit Köpfen eines männlichen und weiblichen Büffels (Wisent).1⁄3natürl. Größe.

Im Sommer und Herbst lebt der Wisent in kleinen Trupps von 15–20 Stück an feuchten Orten des Waldes, gewöhnlich im Dickicht versteckt, nur im Winter zieht er höher gelegenes und trockenes Gehölz vor. Jede einzelne Herde hat ihren festen Standort und kehrt immer wieder dahin zurück. Nur alte Stiere leben, wie auch bei den übrigen Wildrindern, einsam für sich. Am liebsten weiden die Tiere in den Morgen- und Abendstunden, wobei sie verschiedene Gräser, Blätter, Knospen und Baumrinde fressen. Sie schälen gern die Bäume ab, soweit sie reichen können. Ihr Lieblingsbaum scheint die Esche zu sein, deren saftige Rinde sie jeder anderen bevorzugen. Ihr Gang ist ein rascher Schritt, der Lauf ein schwerer, aber schnell fördernder Galopp, wobei der Kopf zu Boden gesenkt, der Schwanz emporgehoben und ausgestreckt wird. Durch Sumpf und Wasser waten und schwimmen sie mit Leichtigkeit. Während jüngere Tiere muntere, lebhafte und verhältnismäßig gutmütige Tiere sind, erscheinen ältere Tiere, zumal Stiere, als ernste, leicht reizbare und jähzornige Wesen, mit denen nicht gut Streit anzufangen ist. Die Brunst fällt auf den August bis September. Während derselben kämpfen die Stiere untereinander um den Besitz der Weibchen. Neun Monate nach der Paarung, im Mai oder Anfang Juni, kalben die Kühe, nachdem sie sich von der Herde abgesondert und in ungestörter Wildnis einen geeigneten Platz aufgesucht haben, wo sie sich und ihr Kalb während der ersten Tage vor den Genossen verbergen. Jetzt sind sie für jedes Wesen, das sich ihnen nähert,gefährlich, indem sie zum Schutze des Jungen ohne Besinnen jeden Gegner angehen. Die Kälber sind anmutige Tiere, die nur sehr langsam wachsen, wahrscheinlich erst im 8. oder 9. Jahre ihre volle Größe erlangt haben und 30–40 Jahre alt werden.

Die ältesten Darstellungen des Wisent, die wir besitzen, rühren von den dieses Wild mit besonderem Eifer jagenden Eiszeitjägern des Solutréen und Magdalénien her. In großer Zahl finden sie sich nicht nur in Umrissen, sondern teilweise auch in bunten, mit den drei Farben: Rot, Braun und Schwarz gemalten Bildern in den nordspanischen und südfranzösischen Höhlen abgebildet. In großer Menge muß dieses Wildrind in der späteren Diluvialzeit neben dem Wildpferd in Europa gelebt haben und war, nach der Menge der von ihm herrührenden Knochen, eines der wichtigsten Beutetiere des Menschen. Auch die alten Germanen jagten es noch häufig und bereiteten aus seinem Gehörn Trinkgefäße, wie dies bis in unsere Tage im Kaukasus, wo sich dieses Wild in die Gegenwart in einigen Herden erhielt, geschieht. So dienten bei einem Gastmahl, daß ein kaukasischer Fürst dem russischen General Rosen zu Ehren gab, 50–70 mit Silber ausgelegte Wisenthörner als Trinkbecher.

Bild 14. Von Jägern der frühen Nacheiszeit in rotbrauner Farbe gemalter Büffel (Wisent) aus der Höhle von Font-de-Gaume in Südfrankreich. (1⁄12natürl. Größe.)

Bild 14. Von Jägern der frühen Nacheiszeit in rotbrauner Farbe gemalter Büffel (Wisent) aus der Höhle von Font-de-Gaume in Südfrankreich. (1⁄12natürl. Größe.)

Die Schriftsteller des Altertums erwähnen mehrfach den Bison. So schreibt der ältere Plinius in seiner Naturgeschichte, wie bereitserwähnt: „Germanien ist durch das Vorhandensein von zwei Arten wilder Rinder merkwürdig, nämlich durch den mit einer Mähne geschmückten Bison (Wisent) und den Ur, der sich durch Kraft und Schnelligkeit auszeichnet.“ Und der griechische Schriftsteller Oppianos spricht um 200 n. Chr. vom Wisent als einem entsetzlichen, in Thrakien lebenden, einem Ochsen ähnlichen Tiere, das eine Mähne wie der Löwe, und spitzige, krumme Hörner habe, mit denen es Menschen und wilde Tiere hoch emporschleudere. Seine Zunge sei sehr rauh, wie eine Feile, so daß sie die Haut durch Lecken aufreißen könne. Ferner sagt der Grieche Pausanias ums Jahr 150 n. Chr., sie seien von allen Tieren am schwersten zu fangen, denn kein Netz sei stark genug, sie zu halten. „Die Jagd auf sie wird demnach auf folgende Weise angestellt: Die Jäger bedecken eine Höhe, vor der sich ein Graben hinzieht, mit frischabgezogenen oder alten, geölten und dadurch schlüpfrig gemachten Häuten. Auf beiden Seiten davon wird ein starker Zaun errichtet. Dann treiben sie zu Pferd die Bisons an diesen Ort, woselbst sie auf den Häuten ausgleiten, sich überschlagen und in den Graben rollen. Dort werden sie binnen vier oder fünf Tagen vor Hunger matt. Will man sie dann etwa zahm machen, so bringt man ihnen Fichtenzapfen, weil sie anfangs kein anderes Futter nehmen. Endlich können sie gebunden und fortgeführt werden. — Der päonische König Dropion hat einen ehernen Bisonkopf nach Delphi geschickt.“

Bild 15. Jagdbild der frühen Nacheiszeit, worauf ein Mann auf allen Vieren kriechend einen ruhig äsenden Büffelbullen anschleicht und im Begriffe steht, einen Wurfspeer gegen ihn zu schleudern. Der die Waffe werfende Arm ist sehr ungeschickt angebracht, wie auch die menschliche Gestalt recht steif wiedergegeben ist, ein Beweis dafür, daß der Zeichner viel größere Übung in der Darstellung von Tieren als von Menschen besaß. Aus dem abri von Laugerie basse in der Dordogne, Südwestfrankreich. (4⁄9natürl. Größe.)

Bild 15. Jagdbild der frühen Nacheiszeit, worauf ein Mann auf allen Vieren kriechend einen ruhig äsenden Büffelbullen anschleicht und im Begriffe steht, einen Wurfspeer gegen ihn zu schleudern. Der die Waffe werfende Arm ist sehr ungeschickt angebracht, wie auch die menschliche Gestalt recht steif wiedergegeben ist, ein Beweis dafür, daß der Zeichner viel größere Übung in der Darstellung von Tieren als von Menschen besaß. Aus dem abri von Laugerie basse in der Dordogne, Südwestfrankreich. (4⁄9natürl. Größe.)

Im Nibelungenlied wird neben dem Ur der Wisent als Jagdbeute des Helden Siegfried genannt, als er im Wasgenwalde, den Vogesen westlich von Worms, jagte. Zu Karls des Großen Zeit fand er sichnoch häufig im Harze und im Sachsenlande. Nach den Benediktionen des Mönches Ekkehard I. muß er im 10. Jahrhundert noch ziemlich häufig auf den Tisch des Klosters St. Gallen gekommen sein. Noch verschiedene Ortsnamen in der Schweiz zeugen von seiner einstigen Anwesenheit in diesem Lande, so z. B. das Dorf Wiesendangen bei Winterthur, das in den ältesten Berichten der Chroniken als Wisonteswangun, d. h. Wisentanger angeführt wird. Gleicherweise haben wir in Süddeutschland Ortsnamen wie Wiesensteig (in mittelalterlichen Urkunden als Wisontessteiga) und Urach d. h. am Flüßchen des Ur. Ums Jahr 1373 lebte er noch ziemlich häufig in Pommern, im 15. Jahrhundert in Preußen, im 16. in Litauen und Polen, wo sich die Könige und Großen seine Erhaltung angelegen sein ließen, indem sie ihn, dort Zubr genannt, in besondern Wildparks hielten und nur selten einige Stücke einfingen, um sie als Geschenke an fremde Höfe zu benutzen. Eine allgemeine Seuche vernichtete am Anfang des 18. Jahrhunderts den größten Teil dieser Herden. In Ostpreußen wurde das letzte Exemplar zwischen Tilsit und Labiau im Jahre 1755 von einem Wilddieb erlegt. Die letzte Herde von einigen hundert Stück lebt, vom russischen Kaiser sorgfältig gehegt, in dem 200qkmgroßen unberührten Forste von Bjelowjesha im russisch-litauischen Bezirke Grodno. Von dort wurden von den früheren Kaisern, zuletzt von Alexander II., einige Paare an zoologische Gärten, meist nach Deutschland, abgegeben, wo sie sich leicht fortpflanzen. So besitzt der Berliner zoologische Garten einige Stück, und auch dem Fürsten Pleß gelang es, in seinem oberschlesischen Reviere Meserzitz einen kleinen Bestand heranzuhegen, so daß sogar auf den deutschen Geweihausstellungen noch ausgestopfte Wisentköpfe und Schädel erscheinen. Außerdem schweifen nachDr.Heck im Kaukasus noch einige vereinzelte Wisenttrupps umher; doch wandern sie so unstet, daß man sie in den letzten Jahren nicht mehr sah. Das Schicksal dieses Tieres ist auch im Forste von Bjelowjesha besiegelt; denn der Petersburger Säugetierforscher Büchner ist auf Grund eingehender Studien zum fatalen Ergebnisse gekommen, daß diese Tierart langsam, aber sicher, ihrem Erlöschen entgegengeht, nachdem ihr Vorkommen einmal so zerstreut und vereinzelt geworden ist, daß die Entartung infolge der Inzucht (Kleinheit der Tiere, Unfruchtbarkeit des weiblichen Geschlechts und Schwächlichkeit der Jungen) sich notwendigerweise immer stärker geltend machen muß. Dann wird Europa sein stolzestes Wild verloren haben, ohne daß ihm die Möglichkeit geboten war, der Domestikation durch den Menschen unterworfen worden zu sein.

Vom Menschen dagegen gezähmt und zu einem außerordentlich nützlichen Haustiere erhoben wurde derYakoderGrunzochse(Bos grunniens), der seiner kalten Heimat gemäß durch eine lange Behaarung, besonders am Bauche, die ihm beim Ruhen gleichsam als wärmendes Bett dient, ausgezeichnet ist. Von allen Rindern unterscheidet er sich auch dadurch, daß er einen vollständig gleichmäßig langbehaarten Schweif wie ein Pferd hat. Er bewohnt die Hochländer Tibets zwischen 4000 und 6000mund vermag dank seines langen, dichten, schwarzen Haarkleides die rasenden Schneestürme seiner unwirtlichen Heimat zu überstehen. In alten Männchen wird er 4,25mlang bei einer Höhe von 1,9mund einem Gewicht von 600kg, während alte Kühe kaum über 2,8mLänge bei 1,6mHöhe erreichen. Die Kühe bilden im Sommer, wenn sie in die grasigen Niederungen steigen, Herden von 10 bis 100 Stück, die von Männchen angeführt werden. Deren Mitglieder fressen zur Nachtzeit und am frühen Morgen, ziehen sich aber am Tage meist auf eine steile, öde Berglehne zurück, wo sie wiederkäuend viele Stunden ruhen. Alte Stiere, die meist einzeln oder nur in kleinen Gesellschaften von 3 bis 4 Stück angetroffen werden, lieben Ruheplätze mit weiter Umschau, um sich beizeiten vor Feinden zurückziehen zu können. Nur alle zwei Jahre bekommt die Kuh, neun Monate nach der Paarung, ein Kalb, das sie über ein Jahr lang säugt. Erst im 6. oder 8. Jahre ist es erwachsen und erreicht ein Alter von 25 Jahren.

Mit außerordentlicher Sicherheit bewegt sich der Yak auf dem schwierigsten Terrain, strauchelt, obschon schwer gebaut, nie und arbeitet sich mit großer Gewandtheit durch tiefe Schneemassen hindurch, wobei er den Kopf gleichsam als Schneepflug benützt. Seine Intelligenz ist nur schwach entwickelt. Verwundet nimmt er ungescheut den Jäger an und wird ihm mit seinen 80–90cmlangen Hörnern sehr gefährlich. Deshalb fürchten ihn die Tibeter gleich einem Ungeheuer, gehen ihm gern aus dem Wege und feuern, wenn sie sich wirklich zur Jagd auf ihn entschließen, nur aus sicherem Verstecke und gemeinschaftlich, ihrer 8–12. Sein Fleisch wird vom Engländer Kinloch als saftig und ausgezeichnet gerühmt; Zunge und Markknochen desselben bezeichnet er geradezu als Leckerbissen. Aber mehr noch als das Wildbret schätzt man in seiner baumlosen Heimat den Mist des Yaks, der getrocknet den einzigen in jenen kahlen Höhen zur Verfügung stehenden Brennstoff darstellt.

Die früheste Erwähnung des Yaks treffen wir bei dem zu Beginndes 3. Jahrhunderts n. Chr. in Rom lebenden Claudius Älianus an, der in seinem Werk über die Tiere sagt, daß die Inder ihren Königen nebst andern Tieren auch wilde Rinder darbringen, welche schwarz sind, aber weiße Schwänze haben, die zu Fliegenwedeln dienen. Tatsächlich bilden die Yakschwänze die von altersher vielberühmten Kriegszeichen der „Roßschweife“, die die Türken bis vor Wien trugen, und heute noch eine kostbare Trophäe sind, mit der sich besonders türkische Würdenträger zieren. Man stellt daraus außer Standarten besonders auch Pferdeschmuck her. Der römische Dichter Martial berichtet, daß die vornehmen römischen Damen unter Kaiser Domitian, dem zweiten Sohne Vespasians, der nach seines Bruders Titus’ Tode von 81 bis 96 n. Chr. regierte, daraus hergestellte äußerst kostbare Fliegenwedel benutzten. Damals wußte man noch, daß diese Haare vom Schwanze einer asiatischen Rinderart stammen, eine Kunde, die sich später völlig verlor.

Wann der Yak gezähmt wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Es muß dies aber schon vor längerer Zeit geschehen sein, da wie bei so vielen andern Haustieren sich bei ihm infolge Einwirkung der Domestikation bereits ein weitgehender Leucismus entwickelt hat, so daß rein schwarze zahme Yaks sehr selten geworden sind. Gewöhnlich zeigen auch diejenigen, welche den wilden am meisten ähneln, weiße Stellen. Meist sind sie ganz weiß, vielfach auch hornlos; außerdem trifft man braune, rote und gescheckte an. Der gezähmte Yak ist durchgehends kleiner als der wilde. Man hat schon durch Kreuzung mit andern Rinderarten mehrere Rassen von Bastarden gezüchtet. Hier und da sind die zahmen Yaks wieder verwildert und haben dann ihre schwarze Urfärbung wieder angenommen. Auch die zahmen Herden gedeihen nur in kalten, hochgelegenen Gebirgsteilen und gehen bei großer Wärme zugrunde, ertragen dagegen Kälte mit Gleichmut.

In Tibet und der Mongolei weiden die Yakherden fast ohne jede Aufsicht; den ganzen Tag tummeln sie sich auf den Weideplätzen umher und werden nur über Nacht zu den Zelten ihrer Besitzer getrieben. Selbst gezähmt behält der Yak stets einen gewissen Grad von Wildheit, der sich vornehmlich durch Angriffslust gegen Fremde äußert. Gegen seine Bekannten benimmt er sich ziemlich freundschaftlich, läßt sich berühren, reinigen und vermittelst eines durch seine Nase gezogenen Ringes an einem Stricke leiten. Er dient hauptsächlich als Lasttier, daneben aber auch vielfach als Reittier. Über die unwegsamsten Pässe der Hochgebirge trägt er Lasten von 120–150kgund vermittelt denVerkehr zwischen Tibet und China, der Mongolei und Nordindien. Nur auf sehr klippenreichen Pfaden ist er als Lasttier nicht zu gebrauchen, da dann seine schwere Last ihn hindert, über höhere Felsen zu springen. Im Westen reicht das Verbreitungsgebiet des gezähmten Yaks bis zur Bucharei, im Nordosten bis in die Mongolei und zu den nordöstlichen Nebenflüssen des Yang-tse-kiang. Auch in Südostsibirien werden vereinzelte Yaks gehalten. Als Gebirgstier fühlt es sich in Höhen unter 2000mnur wenig behaglich; sonst gedeiht es auch ohne jegliche Pflege und ist äußerst genügsam. Die außerordentlich fette Milch gilt als sehr wohlschmeckend und ist überaus gesucht. Um den Milchertrag zu vermehren, hat man ihn mit dem Hausrind von Zebuabstammung gekreuzt. Solche Kreuzungsprodukte sollen am Südabhange des Himalaja zahlreich vorkommen und fruchtbar sein; dagegen scheinen die aus denselben wirtschaftlichen Gründen gezüchteten Bastarde mit dem Primigeniusrind Sibiriens unfruchtbar zu sein. Außer Milch und Fleisch werden auch die langen Haare verwertet, indem man sie zu groben Geweben verarbeitet. Sehr geschätzt sind die Schwanzhaare wie bei den Türkvölkern, so auch in China, wo sie zu mannigfachem Putz Verwendung finden. Der Yak ist schon so lange domestiziert, daß es bei ihm außer gefleckten und leucistischen sogar hornlose Rassen gibt.

Erst spät ist dieses Haustier der innerasiatischen Hochländer in Europa näher bekannt geworden. Die ersten Yaks, zwölf an der Zahl, die nach Europa gelangten, erhielt im Frühjahr 1854 dieMénagerie du Musée d’histoire naturellein Paris. Da sie sich gut akklimatisierten und auch Nachkommen erzeugten, erhielten von Paris aus zahlreiche Tiergärten dieses Schaustück, das sich in unserm Klima besser hielt, als man hoffen durfte. Gleichwohl war die einst gehegte Hoffnung aussichtlos, den Yak als wertvolles und leistungsfähiges Haustier in unsern Gebirgsgegenden einzubürgern; denn hier liegen die Verhältnisse anders als in seinem Stammlande. Unsere Alpen und höheren Gebirge werden durch Rinder und Ziegen hinreichend ausgenutzt und der Verkehr mit Saumtieren ist mit der Entwicklung besserer Verkehrsmittel wesentlich eingeschränkt, so daß die Einführung des Yaks vom Standpunkte des Nutzens aus ganz zwecklos ist. Anders verhält es sich, wenn wir ihn als Luxustier in den von Fremden stark besuchten Gegenden einführen wollten, zumal ja die Tierwelt des Gebirges zum Bedauern jedes Freundes der Natur mehr und mehr verarmt. Da wären diese wie Gemsen kletternden Tiere eine prächtigeStaffage und könnten noch als Last- und Reittiere Verwendung finden. Gar mancher Fremde fände es wohl ganz nett, einmal einen Yak statt eines prosaischen Maultiers zu besteigen, um sich in verkehrsarmen Gegenden in die hehre Bergwelt hinauftransportieren zu lassen. Wer weiß, vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, da ein unternehmender Hotelier auf den Gedanken verfällt und damit ein neues Zugmittel für das nach allem Neuen begierigen Publikum beschafft, das sich in der Folge weitgehender Beliebtheit erfreuen dürfte. Schon im Jahre 1850 versuchte man ihn in der Auvergne anzusiedeln; doch hielt er sich hier nicht auf die Dauer, weil der betreffende Privatunternehmer bald das Interesse an dieser Zucht verlor.


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