Weiterhin haben wir von den Menschen nützlichen Weichtieren dieHolothurienoderSeegurkenzu nennen, die bei den als Feinschmecker berühmten Chinesen wie die eßbaren Vogelnester der Salangane als sehr gesuchte Leckerbissen teuer bezahlt werden. In den malaiischen Meeren beschäftigen sich Tausende von Fahrzeugen ausschließlich mit dem Fang der Seegurken, die, auf die verschiedenste Weise zubereitet, unter dem NamenTrepang(franz.biche de mer) nach China ausgeführt werden. Es sind dies wurmartig verlängerte Stachelhäuter mit einer bis auf kleine Reste zurückgebildeten Verkalkung der Außenschicht. Sie benutzen zur Fortbewegung nur drei Füßchenreihen wie dieeßbare Seegurke(Holothuria edulis), haben vom Wassergefäßsystem der Seeigel nur die Fühler bewahrt und sind Zwitter. Die Geschlechtsdrüsen liegen nicht radiär wie bei den übrigen Stachelhäutern, sondern sind als lange Schläuche nur in einem der fünf Interradialräume vorhanden. Sie leben im sandigen Schlamm des Meergrundes, wo sie von allerlei tierischer und vegetabilischer Nahrung leben, die sie sich mit Hilfe ihrer Fühler zum Munde führen.
Die Zahl der Seegurkenarten, die im Handel unterschieden werden, ist eine ziemlich große, und ihre Namen wechseln je nach der Mundart der chinesischen Stadt, wohin sie ausgeführt werden. Sie werden von den Eingeborenen der Molukken, Philippinen, Neuguineas, ganz besonders aber der Inseln des Stillen Ozeans in großen Mengen erbeutet und für den Verkauf an die Händler präpariert, indem man sie zuerst in Meerwasser kocht und dann auf hölzernen Gestellen an der Sonne trocknet. Dabei schrumpfen sie gewaltig ein. In der Folge werden sie zur vollständigen Auslaugung des Meerwassers noch einige Male in etwas Süßwasser gedünstet und in großen, eigens dazu erbauten Schuppen an rauchenden Feuern getrocknet. Erst kurze Zeit vor der Verladung in die Schiffe werden sie, in Säcke verpackt, an die Händler verkauft, die in kleinen Küstenfahrzeugen von selten mehr als 100–120 Tonnen Gehalt die Ansiedelungen der Eingeborenen anlaufen, um von diesen den Trepang gegen allerlei Tauschartikel einzuhandeln. Wollen die Chinesen sie verspeisen, so reinigen sie den Trepang gründlich und lassen ihn 24–38 Stunden im Süßwasser aufquellen, wobei er eine schmutziggraue Farbe annimmt. Nach mehrmaligem Waschen und sorgfältiger Entfernung der Eingeweide werden sie in kleine Stückchen geschnitten und in starkgewürzten Suppen oder mit verschiedenen anderen Speisen gegessen. Sie erscheinen dann als milchig aussehende Gallertklumpen und sind sehr leicht verdaulich. Sie sollen reizend auf die Genitalsphäre wirken, weshalb sie von den sinnlich veranlagten Chinesen so überaus geschätzt werden.
Auch von den an den Meeresküsten verbreitetenSeeigeln, so in den Mittelmeergegenden von dem überall gemeinenSteinseeigel(Echinus saxatilis), werden wenigstens die Geschlechtsdrüsen als leckere Speise gern gegessen. Besonders schmackhaft sollen die fünf gelben traubenförmigen Eierstöcke der Weibchen sein. Von ihnen sollen allein in Marseille 100000 Dutzend auf den Markt gebracht und das Dutzend zu 20–60 Centimes verkauft werden. Schon die alten Griechen undRömer aßen die Seeigeleierstöcke gern und man fand Schalenreste deseßbaren Seeigels(Echinus esculentus) in Küchen des einst vom Vesuv verschütteten Pompeji. Diese Art erwähnt schon Aristoteles unter dem Namenechínosals eßbar und sagt, daß man von ihr die großen sogenannten Eier genieße. Älian um 180 n. Chr. meint: „Der Seeigel bietet eine vorzüglich gesunde Speise und stärkt den geschwächten Magen. Bestreicht man Leute, welche an Krätze leiden, mit ihm, so werden sie geheilt; samt der Schale verbrannt, dient er zum Reinigen der Wunden.“ Und Palladius um 380 n. Chr. sagt: „Den ganzen Winter hindurch wird das Fleisch der Seeigel eingesalzen.“
Endlich haben wir noch die für den Menschen nützlichen Korallen und Schwämme kurz zu erwähnen. Von ersteren kommt nur dieEdelkoralle(Corallium rubrum) in Betracht, deren Vorkommen auf das Mittelmeer und das Adriatische Meer nördlich bis Sebeniko, die Nordwestküste von Afrika und die Küsten der Kapverdischen Inseln beschränkt ist. Sie lebt in Tiefen von 40–240m, meistens aber in solchen von 80–180 und ist gewöhnlich in abwärts gerichteter Stellung an Felsen, namentlich an der Unterseite überhängender Vorsprünge festgewachsen. Die mehr oder weniger verzweigten, bis zu 30cmlangen Stöcke besitzen ein rotes, rosenfarbenes bis fast weißes Kalkskelett, in dessen roter bis orangefarbiger Rinde die kleinen weißen, völlig in die Rinde zurückziehbaren Einzelindividuen oder Polypen stecken. Die Stöcke tragen meist entweder nur männliche oder nur weibliche, bloß ganz ausnahmsweise zwitterige Individuen. Ihre wichtigsten Standorte liegen an der Küste von Algerien und Tunis, bei den Balearen, bei Sardinien und Sizilien, wobei besonders von Torre del Greco bei Neapel aus alljährlich hunderte von Barken zu dem mühseligen Betrieb der Korallenfischerei hinausfahren. Die Fahrzeuge variieren von 6–12 Tonnen Gehalt und 4–12 Mann Besatzung; danach richtet sich auch die Größe und Schwere des Gestells und Netzes, womit die Korallen vom felsigen Grunde, an dem sie fest angewachsen sind, abgelöst werden. Dieses besteht aus zwei übers Kreuz gelegten und stark verfestigten, bis 3mlangen Balken, die an der Kreuzungsstelle mit einem großen Steine oder besser noch mit einem Eisen beschwert werden. Daran hängen 34–38 Bündel grobmaschiger Netze in Form von Beuteln oder Wischern, wie sie auf Schiffen zum Reinigen des Bodens gebraucht werden. Dieser an einem starken Seile befestigte Apparat wird nun vor dem Winde geschleppt und je nach der Größe von Hand oder mit einer auf demHinterteil des Fahrzeugs befindlichen Winde heraufgezogen und auf den Grund gelassen. Da die Edelkorallen nur auf sehr unebenem Felsboden, am liebsten unter Vorsprüngen, unter welche die Arme des Kreuzes eindringen sollen, wachsen, so gehört das Festsitzen des Schleppapparates zu den täglichen und stündlichen Vorkommnissen und das fortwährende Flottmachen desselben zu den anstrengendsten und aufreibendsten Arbeiten, zumal die Fischerei der Edelkoralle unausgesetzt während der heißen Jahreszeit betrieben wird.
Die von den vorzugsweise italienischen Korallenfischern erbeuteten, einen jährlichen Erlös von mehreren Millionen Franken darstellenden Korallen werden zunächst von der dünnen lebendigen Rinde gereinigt, nach der Farbe sortiert und namentlich in Neapel, Livorno und Genua, aber auch in Marseille zu allerlei Schmuck verarbeitet. Die von den Felsen abgerissenen, oft von Würmern und Schwämmen durchbohrten Basisstücke kosten 5–20 Franken daskg. Der Preis der guten Ware ohne solche Beschädigungen schwankt zwischen 45 und 70 Franken daskg. Für daskgausgewählter dicker und besonders rosenrot gefärbter Stücke, die manals peau d’angebezeichnet, werden 400, ja 500 und mehr Franken bezahlt. Die Stücke, welche entweder nur bis zu einer gewissen Tiefe oder durch und durch schwarz sind und als „schwarze Korallen“ gesondert zu 12–15 Franken daskgverkauft werden, kommen nicht etwa von einer besondern Art, sondern sind Edelkorallen, die einst abgerissen wurden, versanken und längere Zeit vom Schlamm bedeckt in der Tiefe lagen, wobei die rote Farbe durch einen chemischen Vorgang in eine schwarze verändert wurde. Im Indischen Ozean und im Roten Meer gibt es aber eine von Hause aus mit schwarzem Kalkskelett versehene Art Rindenkoralle. Es ist dies dieschwarze Koralle(Plexaura antipathes). Sie hat einen dickwurzeligen, buschig verzweigten, schwarzen, nur an den dünnen Endreisern braunroten, bis zu 35cmhohen, an der knolligen Wurzel 3 bis 5cmdicken Stock mit graugelber Rinde, der im Orient zu allerlei Schmuckgegenständen verarbeitet, auch zu Amuletten als Schutz gegen Verzauberung getragen wird. Schon Plinius kannte beide Arten, glaubte aber irrtümlicherweise, daß die aus den Korallen gearbeiteten Perlen, die man schon damals an Schnüren aufgereiht als Schmuck trug, Früchte des am Meeresboden wachsenden Korallenstrauchs seien und erst an der Luft von Weiß in Rot übergingen. Daß die Koralle ein Tier und keine Pflanze sei, diese Erkenntnis blieb ja erst unserer Zeit vorbehalten. Wenn auch bereits im Jahre 1723 von Peyhsonel ihretierische Natur erkannt wurde, so dauerte es doch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, bis diese Tatsache allgemein anerkannt wurde.
Der römische Dichter Ovid gibt uns die landläufige Ansicht des Altertums über diese Wesen in folgendem Ausspruche: „Die Koralle ist, solange sie im Wasser lebt, ein weiches Kraut, wird aber im Augenblicke hart, wie sie an die Luft kommt.“ Und Plinius schreibt über sie in seiner Naturgeschichte: „Die Korallen des Roten Meeres sind schwärzlich; die im Persischen Meer heißenjace. Die beliebtesten Sorten finden sich im Gallischen Meerbusen bei den Stöchadischen Inseln (jetzt Iles d’Hyières bei Marseille), im Sizilischen Meere bei den Äolischen Inseln (im Norden Siziliens) und bei Drepanum (dem heutigen Trapani, der bekannten Stadt an der Westküste Siziliens); sie kommen auch bei Graviscä (an der etrurischen Küste) und an der Küste Kampaniens bei Neapel vor. Die von Erythräa (einer Stadt Kleinasiens gegenüber der Insel Chios) sind vorzüglich rot, aber weich und daher wertlos. Die Korallen haben die Gestalt eines Strauches und eine grüne Farbe. Ihre Beeren sind unter dem Wasser schneeweiß und weich; herausgenommen werden sie sofort hart und rot und gleichen an Ansehen und Größe den Früchten des Kornelkirschbaums. Schon durch bloße Berührung sollen sie, wenn sie noch frisch am Stamme hängen, zu Stein werden. Man fischt die Korallen mit Netzen oder haut sie mit einem scharfen eisernen Werkzeug ab. Am liebsten hat man die vollkommen roten und recht ästigen Korallenstämme, nur dürfen sie nicht rauh oder mit Wurmgängen besetzt oder hohl sein oder vertiefte Stellen haben. In Indien werden die Korallenbeeren so hoch geschätzt wie bei uns die Perlen; ihre Priester halten sie, wenn sie getragen werden, für ein Schutzmittel gegen Gefahren. Sie werden dort demnach als Schmuck und Amulett zugleich getragen. Ehe man sie nach Indien zu verkaufen wußte, schmückten die Gallier (Kelten) ihre Schwerter, Schilde und Helme damit. Jetzt aber ist solcher Mangel an verkäuflichen Korallen, daß man sie selbst da, wo sie gefunden werden, nur selten sieht. Man hängt übrigens die kleinen Zweige den Kindern als Schutzmittel an, braucht sie auch innerlich und äußerlich als Arznei.“ Jedenfalls sind die Korallenhalsbänder unserer Kinder und Erwachsenen aus Amuletten hervorgegangen, wie sie noch die gebildeten, aber sehr abergläubischen Römer trugen. Noch Solinus schreibt: „Man arbeitet aus Korallen mancherlei Schmuck; denn sie enthalten, wie Zoroastres (der Gesetzgeber im medisch-baktrischen Reich, der Verfasser des Zend-Avesta) sagt, eine heilsame Kraft. Gewöhnlichnennt man siecuralium, Metrodoros (ein Schüler des athenischen Philosophen Epikur, der von 342–270 v. Chr. lebte) nennt siegorgoniaund behauptet, sie widerständen den Wirbelwinden und Blitzen.“ Noch viel üppiger als im Altertum schossen im Mittelalter solche abergläubische Ansichten über die Korallen ins Kraut; doch können wir hier nicht näher darauf eingehen. Wenden wir uns vielmehr zu den Schwämmen.
Bei den Schwämmen, deren tierische Natur noch schwerer als bei den Korallen nachzuweisen war, kommt als schon im Altertum wie heute verwendetes Nutztier des Menschen einzig der allbekannteBadeschwamm(Spongia usitatissima) in Betracht. Das Netzwerk von elastischen Hornfasern, das wir als Schwamm benutzen, ist ja nur das skelettartige Gerüst, das übrigbleibt, wenn man den frisch aus dem Meere genommenen, wie die Koralle mit einem lebenden Überzuge versehenen Schwamm so lange knetet und drückt, bis er von den die Maschen ausfüllenden und die Poren und Auswurfsöffnungen bekleidenden weichen Zellen befreit ist. Solche Hornschwämme finden sich in der kalten Zone gar nicht. Auch in der nördlichen Hälfte der gemäßigten Zone trifft man sie nur vereinzelt und verkümmert; dagegen ist schon das Mittel- und Adriatische Meer reich an verschiedenen Sorten, von den feinsten bis zu den gröbsten Schwämmen. Eine Einteilung derselben in gute Arten ist sehr schwer. Die Schwammhändler nehmen nach der gröberen oder feineren Beschaffenheit des elastischen Netzwerks 16 Sorten nutzbarer Schwämme an, die von verschiedenen Gegenden des Mittelmeers stammen.
Die durch ganz besondere Weichheit und häufige Becherform ausgezeichnete, schön blaßgelbe Sorte des Badeschwamms wird an der syrischen Küste erbeutet. Fünf andere Sorten der sog.éponge finewerden im östlichen Teile des Mittelmeers, bei Tripolis und an der Ostküste des Adriatischen Meeres in Tiefen von 2–180mgefischt. Sie sind etwas dunkler gelb und weniger fein als die erstgenannte Sorte. Noch dunkler, nämlich dunkelbraungelb, und gröber in der Textur ist der mehr flache und dichtere Zimokkaschwamm, der im Griechischen Inselmeer, an der Küste der Berberei und in der Adria gewonnen wird. Er wird im Handel alséponge durebezeichnet. Dieéponge communedes Handels, die geringste Schwammsorte, ist der einer andern Gattung angehörendegemeine Pferdeschwamm(Hippospongia equina), der meist brotlaibförmig ist und besonders von der afrikanischen Mittelmeerküste kommt.
Im Griechischen Meere und an der Küste Syriens gewinnt man die Schwämme aus einer Tiefe von 20–50mdurch Taucher, deren gewöhnlich vier außer dem Gehilfen in einem Boote sind. An einem Seile, das der Taucher in einer Hand hält, wird er, sobald er ein Zeichen gegeben hat, schnell mit seiner in einem Netze geborgenen Beute zur Oberfläche des Wassers emporgezogen. An der istrischen und dalmatinischen Küste werden die oberflächlicher liegenden Schwämme nicht durch Taucher, sondern von einem langsam fahrenden Boote aus mit einer langen vierzinkigen Gabel, wie wir sie auf alten Bildwerken als Wahrzeichen des Meergottes Neptun erblicken, vom Grunde heraufgeholt. In den starken Barken, die während der guten Jahreszeit die zerrissene und inselreiche Küste absuchen, befinden sich in der Regel nur zwei Mann. Am Vorderdeck, der einen viereckigen Ausschnitt hat, stellt sich der die Gabel führende Mann auf, um, über Bord gebeugt, den Oberkörper sicher balancieren zu können. Der zweite Mann führt die Ruder, deren Stützpunkte auf einem die Bordseite überragenden Balken liegen, wodurch die notwendigen feinen Bewegungen des Bootes leichter und sicherer werden. Während er nun das Boot hart am Felsenufer über einem Grunde von 4–13mTiefe langsam dahintreibt, späht jener scharfen Auges nach den durch ihre schwarze Farbe sich verratenden Schwämmen. Am günstigsten ist natürlich der Fang bei völliger Windstille, da dann die Schwämme am besten gesehen werden können. Bei mäßig bewegtem Meer wird die Oberfläche des Wassers mit Öl geglättet. Zu diesem Zwecke liegt stets auf der Spitze des Bootes ein Haufen glatter Kiesel und daneben steht ein Gefäß mit Öl. Will nun der Schwammfischer die unruhige Meeresoberfläche glätten, so taucht er einige der Steine mit der Spitze in das Öl, meist Olivenöl, und wirft sie einzeln in einem Halbkreise um sich. Alsbald breitet sich von den getroffenen Stellen eine feine Ölschicht aus, die die kleinen Wellen besänftigt, so daß das Auge nicht mehr durch die sich kreuzenden Brechungen und Spiegelungen geblendet und im Sehen gestört wird. Der Schwammfischer muß aber die Schwämme nicht bloß mit den Augen erspähen; da sie am liebsten unter Felsenvorsprüngen gedeckt wachsen, muß er mit seiner 7–14mlangen Gabel zwischen und wenn möglich unter die Felsen tasten und sie nach dem Aufspießen durch Drehen der Gabel von der Unterlage loszulösen versuchen. Kehren die Boote mit Beute beladen zurück, so werden die Schwämme am Ufer so lange getreten, dann mit den Händen geknetet und ausgedrückt und wiederholt gewaschen, bis dieschwarze Oberhaut und alle zwischen den Hornfasern gelegene lebende Substanz abgegangen ist. Bevor sie in Gebrauch genommen werden können, müssen sie dann nochmals in lauem süßem Wasser gereinigt werden. Der Sand, den man stets in den gekauften Schwämmen findet und den man vor deren Ingebrauchnahme zu entfernen hat, wird erst nachträglich zu betrügerischen Manipulationen von den Händlern hineingetan, da die Schwämme nach Gewicht verkauft werden. Zu diesem Zwecke werden die ganz rein aufgekauften Schwämme in den Magazinen der Großhändler mit Sand durcheinandergeschaufelt, um sie künstlich zu beschweren und so mehr daraus zu lösen. Ganz so wie diese weniger feinen adriatischen Badeschwämme werden übrigens auch die feinen syrischen und griechischen Schwämme von den dortigen Fischern behandelt.
Es leuchtet ein, daß bei der in der oben geschilderten Weise betriebenen Schwammfischerei der Fang immer weniger ergiebig wird. Es ist daher ein großes Verdienst von Prof. Oskar Schmidt, daß er bei seinen von 1863–1872 zur Hebung der Schwammfischerei an der Küste Dalmatiens angestellten Studien dazu kam, die Schwämme künstlich zu züchten. Bei der ungemein großen Regenerationsfähigkeit dieser Tiere war das Verfahren ein sehr einfaches. Er zerschnitt den frischen Badeschwamm in kleinere Stücke und befestigte diese auf hölzerne Gestelle, die er an geschützten Orten ins Meer versenkte. Er hatte die Freude, daß die Anlagen gut gediehen und die Schwämme vortrefflich wuchsen. Leider scheiterte der Versuch trotzdem, da einmal unzählige Pfahlwürmer das Holzwerk der Anlage zerstörten, andererseits aber die Küstenbewohner und Schwammfischer selbst sich nicht nur vollkommen gleichgültig gegen die Neuerung, die ihnen doch nur Nutzen bringen sollte, verhielten, sondern sogar die Anlagen zu zerstören suchten. So scheiterte in diesem Falle wie so oft das redlichste und Erfolg versprechende Unternehmen an der Beschränktheit und Indolenz der Menschen, die schließlich, wenn ihre Schwammgründe bei ihrer unsinnigen Methode abgefischt sein werden, was in absehbarer Zeit der Fall sein wird, doch zu der Neuerung der künstlichen Schwammzucht gezwungen sein werden; denn trotz der außerordentlichen Vermehrung des Badeschwammes werden die Schwämme immer seltener, da die unvernünftigen Fischer schon im Frühjahr, wenn der Schwamm mit jungen, bald ausschwärmenden Larven angefüllt ist, Schwämme stechen und auf diese Weise ungezählte Millionen junger Tiere vernichten. Vielleicht wird man aber in späterer Zukunft sich mit künstlichen Schwämmen aus porösem Gummi behelfen und so nach und nach das natürliche Produkt entbehren können.
Neuerdings hat der Lyoner Physiologieprofessor Raphaël Dubois durch seine vieljährigen Versuche in Tamaris der künstlichen Aufzucht von Badeschwämmen neue Wege gewiesen. Da er mit dem Wachstum in kleine Stücke geschnittener Schwämme, die er auf allerlei Gegenständen mit einer Schnur befestigte und, vor zu greller Sonne geschützt, in 2–3mTiefe heranwachsen ließ, keine besonders günstigen Resultate erzielte, begann er mit der Aufzucht der in großer Menge von den Mutterschwämmen gewonnenen Larven, die von sehr gutem Erfolg war und für die systematische Aufzucht besonders feiner Schwammarten große Vorteile bietet, so daß wohl diesem Verfahren die Zukunft gehört. Damit dürfte es nicht schwer fallen, die durch vieljährigen Fang von Schwämmen entvölkerten Küsten wieder mit neuem gutem Material zu bevölkern.
Schon das Altertum kannte die heute bei uns übliche Verwendung des Badeschwammes bei den Mittelmeervölkern. Plinius berichtet uns, daß er durch Taucher gewonnen werde, die Taucher aber großen Gefahren, besonders von seiten der Haifische, ausgesetzt seien. Er schreibt darüber wörtlich: „Den Tauchern, welche Badeschwämme am Meeresgrunde holen, werden Haifische gefährlich, die sich oft in Menge einfinden. Die Taucher erzählen, es zeige sich oft über ihrem Kopfe eine wie ein flacher Fisch aussehende Wolke, welche sie niederdrücke und am Auftauchen hindere; deshalb führten sie spitze Dolche bei sich, weil die Wolke nicht Platz mache, wenn sie nicht durchstochen werde. Das alles mag wohl nur Wirkung der Dunkelheit und Furcht sein; aber jedenfalls setzt es mit den Haifischen einen harten Kampf ab und kann man sich nur dadurch retten, daß man mutig auf sie losgeht und sie auf diese Weise in Schrecken versetzt. In der Tiefe ist der Vorteil von beiden Seiten gleich; kommt aber der Taucher an die Oberfläche, so ist die Gefahr für ihn groß, weil er nun das Wasser verlassen will und daher dem Haifisch nicht mehr entgegengehen kann. In diesem Falle muß er sich ganz auf die Hilfe seiner Kameraden verlassen, welche ihn an einem unter den Armen hindurchgezogenen Seil aufwärtsziehen. Sobald der Kampf unter dem Wasser beginnt, schüttelt der Taucher mit der Linken am Seile und zeigt dadurch die Gefahr an, seine Rechte aber kämpft mit dem Dolche. Man zieht ihn nur langsam in die Höhe; sobald er aber dem Schiffe nahe ist, muß er schnell durch einen starken Ruck auf das Schiff geschleudert werden, sonst wird erdoch noch verschlungen. Oft wird er vom Ungeheuer noch aus der Luft geschnappt, wenn er sich nicht in eine Kugel zusammenzieht. Aus dem Schiffe hält man zwar dem Haifisch dreizackige Gabeln entgegen, allein er weiß ihnen pfiffig genug auszuweichen, indem er sich unter dem Schiffe verbirgt und von da aus, ohne sich einer Gefahr auszusetzen, angreift. Am sichersten kann man übrigens da tauchen, wo man platte Fische sieht; denn wo diese sind, findet man niemals Raubtiere. Deshalb werden die ersteren heilige Fische genannt.“
Drei Menschenalter nach Plinius berichtet uns der griechische Sophist Oppian über die Schwammfischerei: „Am schlimmsten sind diejenigen Leute dran, die nach Badeschwämmen (spóngos) tauchen. Zu ihrem Geschäfte bereiten sie sich dadurch vor, daß sie wenig essen und trinken, wodurch der Atem freier wird, auch schlafen sie viel. Bevor sie ans Werk gehen, bitten sie die Götter, ihnen Schutz gegen gefährliche Seetiere zu verleihen. Sehen sie irgendwo den Kallichthys (d. h. Schönfisch), so sind sie frohen Mutes und wissen, das kein gefährliches Tier in der Nähe ist. Wollen sie tauchen, so haben sie ein Seil um den Leib, in der linken ein Bleigewicht, in der rechten eine Sichel, im Munde Öl. Das Blei bringt sie schnell auf den Grund, das Öl spucken sie aus, wo sie einen Schwamm sehen; denn Öl macht das Wasser durchsichtig. Die Schwämme sind an Felsen angewachsen. Der Taucher schneidet eiligst ab, was er erreichen kann, zuckt dann schnell am Seil, damit ihn die Kameraden wieder hinaufziehen. Kommt er glücklich an die Oberfläche, so ist er doch vor Angst und Anstrengung ganz elend; oft aber wird er in der Tiefe von den Ungeheuern verwundet oder ganz zerrissen.“ Daß alle Autoren so einstimmig über die großen Gefahren von seiten der Haie bei der Schwammfischerei berichten, beweist, daß diese Tiere im Altertum in den Mittelmeergegenden viel häufiger waren als heute, da man diesen gefährlichen Raubfischen mit allen Mitteln entgegentritt und sie so viel als möglich auszurotten sucht.
Hier könnten noch die ausschließlich das Meer an der Oberfläche oder in größeren Tiefen als Plankton lebenden einzelligenRadiolarienerwähnt werden, deren Kieselschalen alsKieselguroderInfusorienerdeals eine farblose oder gefärbte mehlartige Masse oft mächtige Lager bildet wie in der Lüneburger Heide, am Vogelsberg bei Franzensbad, in Ungarn, Toskana, Schweden, Finnland, Virginia usw. Sie dient zur Bereitung von Dynamit, indem das Nitroglyzerin damit getränkt wird, von Wasserglas, Ultramarin, von Tonwaren aller Art, Papiermaché, Siegellack, zum Kitten, als Formsand und Poliermittel,zur Umhüllung von Dampfkesseln und feuerfesten Schränken als schlechter Wärmeleiter statt Asbest usw. In Schweden und Finnland wird sie sogar dem Brote beigemischt. Bei vielen unkultivierten Völkern bildet sie alseßbare Erde, rein oder mit andern Stoffen vermischt, eine nicht nur in Zeiten von Hungersnot, sondern auch sonst beliebte Speise. Es sei hier nur an die südamerikanischen Erdesser, die Otamaken, erinnert, über die Alexander von Humboldt in seinem Buche: Reise in die Äquinoktialgegenden des neuen Kontinents eingehend berichtet. Dort sind alle bis dahin bekannten Erde essenden Stämme zusammengestellt, so daß wir alle Interessenten darauf verweisen können. Zu dieser sind im Laufe des 19. Jahrhunderts noch zahlreiche neue hinzugekommen, so daß wir heute sagen können, daß diese Sitte fast über die ganze Erde verbreitet ist und eine größere Rolle spielt, als man bis dahin glaubte. Außer dem mageren Kieselgur werden auch die verschiedensten fetten Erden, besonders Tonarten, mit Behagen und ohne irgend welche Nachteile verspeist, vorausgesetzt, daß die Gesamternährung durch allzugroße Zufuhr dieses natürlich nicht nahrhaften Balastes nicht leidet.