Begreiflicherweise ist keine Schildkröte in engere Beziehungen zum Menschen getreten. Dagegen ist dies mit einigen anderen Reptilien der Fall, vor allem mit einigen Schlangen, die der Mensch teils aus heiliger Scheu wegen ihres überaus giftigen Bisses, teils aus praktischen Gründen, weil sie ihm bei der Bekämpfung der seinen Vorräten schädlichen Mäuse und Ratten gute Dienste leisten, in Kultpflege nahm. Bei manchen Volksstämmen Indiens und Afrikas sind verschiedene gefürchtete Giftschlangen geradezu heilige Tiere, denen regelmäßig Opfer von Milch dargebracht werden. Dies war schon im Altertum der Fall, wo beispielsweise in Ägypten die überaus giftigeHornviper(Cerastes cornutus), ein typischer sandfarbener Wüstenbewohner, als heiliges Tier in einigen Tempeln gehalten und vom Menschen gefüttert wurde. Gleicherweise geschah es im alten Athen mit der ungiftigenNatter, von welcher der Geschichtschreiber Herodot erzählt: „Die Athener sagen, als Schutzgeist wohne in ihrer Burg im Tempel der Athene eine große Schlange, und diese füttern sie alljährlich mit einem Honigkuchen. Als nun die Perser die Stadt mit Heeresmacht bedrohten, verkündete die Priesterin der Pallas, diesmal sei der sonst immer verzehrte Honigkuchen unberührt geblieben. Hieraus schlossen nun die Athener, die Göttin habe die Stadt verlassen; sie faßten demnach alsbald den Entschluß, ein Gleiches zu tun, schafften ihre Habe fort und begaben sich auf die Schiffe.“ Die Rolle, welche die harmloseÄskulapnatter(Coluber aesculapi) als heiliges Tier des Heilgottes Asklepios an dessen Heiligtümern in Griechenland und später, als sein Dienst bei Gelegenheit einer schweren, drei Jahre die Stadt heimsuchenden Seuche nach Rom überpflanzt wurde, im ganzen römischen Reiche spielte, ist zu bekannt, als daß hier näher darauf eingetreten zu werden brauchte. Diese zutrauliche Schlange wurde auch sonst in römischen Haushaltungen als guter Geist und Mäusefängerin gehalten und mit Milch gefüttert, so wie heute überall in Brasilien halbzahme ungiftige Hausschlangen an Stelle der Katzen zur Befreiung der Häuser von der lästigen Mäuseplage gehalten werden. Unter diesen ist die beliebteste eine Giboea genannte kleine Art Boa von etwa 4mLänge und der Dicke eines Arms. Diese wird z. B. aufden Märkten von Rio de Janeiro, Pernambuco und Bahia für 4 bis 5 Mark verkauft und findet stets Abnehmer. Die Schlange liegt den ganzen Tag schläfrig im Hausflur; erst bei Eintritt der Nacht beginnt sie ihre Jagd, gleitet geräuschlos den Mauern entlang und schnellt geschwind wie der Blitz auf eine Maus oder Ratte zu, die sie mit tödlicher Sicherheit ergreift. Sie begnügt sich aber nicht mit einem Fraß, sondern tötet die schädlichen Nager massenhaft aus bloßer Mordlust. Ihrem Herrn gegenüber wird sie vollständig zahm und bekundet große Anhänglichkeit an das Haus, das sie fast niemals verläßt, so daß eine gute Hausschlange für den Besitzer ein wahrer Schatz ist.
Von den Reptilien sind sonst einzig noch dieAlligatorenzu halben Haustieren erhoben worden, und zwar weil ihre Haut ein zur Mode gewordenes geschätztes Luxusleder, ihre Zähne einen beliebten Schmuck liefern und winzige Alligatorbabies nebst mit Edelsteinen gezierten kleinen Schildkröten, die gleicherweise als lebende Broschen getragen werden, die „Lieblingstiere“ der extravaganten reichen Amerikanerinnen geworden sind. Um nun diese durch die zunehmende Besiedelung immer seltener werdenden Tiere leichter erlangen zu können, haben findige Yankees begonnen, sie zu züchten. So gibt es in den Vereinigten Staaten, besonders in Kalifornien, eigentliche Alligatorenfarmen, in denen diese gefürchteten Saurier in besonderen Gehegen gehalten werden. Um sich vor Schaden zu schützen, legt der Farmer den bösartigsten dieser in Pflege genommenen Echsen einen regelrechten Maulkorb an. Im Monat Juli scharren sich die Weibchen aus Riedgras und Reisig ein primitives Nest zusammen und legen 30–40 längliche Eier hinein. Ist dies geschehen, so bedecken sie dieselben sorgfältig mit demselben Material und überlassen der Sonne das Ausbrüten ihrer Nachkommenschaft. Der Farmer aber entnimmt den Nestern alsbald die meisten Eier, um sie einem Brutapparat anzuvertrauen. Darin werden die Eier bei einer Temperatur von 70°C.unter täglicher Anfeuchtung in etwa 60 Tagen ausgebrütet. Haben die Jungen die Eischale verlassen, so sind sie schon eine gesuchte marktfähige Ware. Sie gedeihen ohne besondere Pflege und werden mit Fleischabfällen gefüttert. Ihr Wachstum geht außerordentlich langsam vor sich. So hat ein zwei Fuß langes Tier ein Alter von annähernd zehn Jahren, während ein zwölf Fuß langes oft das stattliche Alter von hundert Jahren aufzuweisen hat. Die großen Exemplare sind für Menagerien und zoologische Gärten sehr begehrt.