Bild 2. Darstellungen verschiedener Hunderassen auf altägyptischen Denkmälern.(Nach den Wandmalereien zusammengestellt von Wilkinson.)2 u. 6 Jagdhunde mit Hängeohren als Beweis einer weitgehenden Einwirkung der Domestikation, 3 Weibchen einer dachshundartigen Rasse, 1, 4, 5 u. 7 Windhunde.
Bild 2. Darstellungen verschiedener Hunderassen auf altägyptischen Denkmälern.(Nach den Wandmalereien zusammengestellt von Wilkinson.)
2 u. 6 Jagdhunde mit Hängeohren als Beweis einer weitgehenden Einwirkung der Domestikation, 3 Weibchen einer dachshundartigen Rasse, 1, 4, 5 u. 7 Windhunde.
In Europa erscheinen die dieser Rasse angehörenden zahmen Hunde spät. Noch zur Bronzezeit fehlten sie hier gänzlich. Auch in Asien vermissen wir sie in den ältesten für uns nachweisbaren Kulturperioden, so auch in der altbabylonischen Zeit. Im alten Ägypten dagegen finden wir schon zur Zeit der 4. Dynastie (2930–2750 v. Chr.) neben demauch hier die ursprünglich verbreitete Hunderasse darstellenden Torfhund, dem Spitz von Schakalabstammung, einen hochbeinigen, glatthaarigen, stehohrigen Windhund auf den alten Grabdenkmälern abgebildet. Die aufrechtstehenden Ohren weisen darauf hin, daß die Domestikation noch nicht allzusehr auf ihn eingewirkt hatte. Zuerst vermutete der Pariser Zoologe Geoffroy St. Hilaire und nach ihm der Züricher Konrad Keller, daß der langbeinige, spitzschnauzigeabessinische Wolf(Canis simensis) der Stammvater des altägyptischen Windhundes sei. Er sei schon zu Ende des 4. vorchristlichen Jahrtausends irgendwo in Nubien gezähmt und zum Haustier erhoben worden. Dem entgegen machen die meisten Autoren geltend, daß die Windhunde, die uns allerdings in Ägypten zuerst entgegentreten, nicht einheitlichen Stammes sein können, daß die größeren und kleineren Formen verschiedenen Ursprungs seien. Letztere stammen zweifellos aus dem Niltal; doch meint neuerdings M. Hilzheimer, daß nicht der abessinische Wolf, sondern eine auffallend schlanke Schakalart,Canis lupaster, der Ausgangspunkt dieser Rasse sei. Dieser Schakal sei dem schakalköpfig dargestellten altägyptischen Gotte Anubis, dem Geleiter und Schützer der Toten, heilig gewesen, und man habe in Assiut Schädel bei Hundemumien gefunden, die denjenigen dieses schlanken Schakals außerordentlich ähneln. Diese aus Nubien stammenden kleineren Windhunde der Ägypter werden auf den Grabdenkmälern mit dünnem, teilweise geringeltem Schwanze abgebildet. Sie wurden dann durch die Phönikier nach Syrien gebracht und gelangten von da wohl über Kleinasien zu den Griechen, dann auch nach Mittelitalien zu den Etruskern und später durch die Römer in die Länder nördlich der Alpen.
Die größeren Windhunde dagegen führt M. Hilzheimer auf einen im Nordwesten des Schwarzen Meeres heimischen hochgestelltenSteppenwolfzurück, der vom Menschen gezähmt und zu seinem Jagdgehilfen erhoben wurde. Noch heute ist er als solcher für die Jagd in der Steppe unentbehrlich. Auf diesen Wolf sei der alsBarsoibezeichnete langhaarige russische Windhund, wie auch die gleichfalls für die Jagd benutzten großen Windhunde, der persischeTasiund der durch ganz Nordafrika verbreiteteSlughi, zurückzuführen. Der westlichste Vertreter derselben ist der englischeGreyhound, der in ganz ähnlicher Gestalt schon auf etruskischen Grabdenkmälern erscheint. Also muß diese Windhundart schon frühe aus Westasien nach Südeuropa gelangt sein.
Der älteste stehohrige Windhund Altägyptens ist aus ganz Nordafrika verschwunden. Nach Keller hat er sich nur noch auf den Balearen östlich von Spanien imIbizahunderhalten, so genannt, weil er nach den Kennern von der Insel Ibiza stammt, wohin er wohl von Nordafrika her durch die Karthager gebracht wurde. Auf die Frage, weshalb sich der Pharaonenwindhund ganz abseits vom Niltal auf den spanischen Inseln des Mittelmeeres bis heute erhalten konnte, während er sonst überall verschwand, antwortet Keller: „Es ist das Kaninchen, das uns diesen alten Windhund gerettet hat. Die Balearen waren schon im Altertum ihres Kaninchenreichtums wegen berühmt. Die dort angesiedelten römischen Kolonisten wandten sich, wie Plinius berichtet, an ihr Mutterland, damit dieses Soldaten schicke, um die Kaninchenplage zu beseitigen. Aber viel wirksamer erwiesen sich die von den Pityusen eingeführten Ibizahunde, die dem schädlichen Nager mit großem Geschick zu Leibe gehen. Dieser ausgesprochene Jagdinstinkt hat sich vererbt, und wir erfahren ja durch das bekannte Gemälde, das Prisse d’Avennes unter dem Titel ‚Rückkehr von der Jagd‘ aus der Nekropole von Theben veröffentlicht hat, daß die altägyptischen Windhunde zur Jagd auf Hasen verwendet wurden.“
Derselbe Autor hat, wie 1906 den Ibizahund auf den Balearen, so später auf der Insel Mallorka auch einen stehohrigen dachsartigen Hund, wie er im alten Ägypten gezüchtet wurde, gefunden. Diesen führt er, wie alleDachshundeüberhaupt, auf den altägyptischen Windhund zurück, der durch vererbte Rachitis die ihm eigentümlichen kurzen, gekrümmten Beine erhielt. Nun sind allerdings schon im 3. vorchristlichen Jahrtausend niedrige, langgestreckte, stehohrige Hunde unter dem Namentrqu, was etwa Feuriger, Heißer bedeutet, zur Jagd gebraucht worden. Doch ist es durchaus nicht sicher, wie Keller annimmt, daß unser deutscherTeckelauf diesen zurückgeführt werden darf. Leider ist die Geschichte dieses letzteren durchaus noch im dunkeln. Heute haben die Dachshunde, die den feinen Spürsinn der Jagdhunde besitzen, daneben sehr intelligent und bei der Jagd äußerst ausdauernd sind, als Zeichen einer uralten Kultur typische Hängeohren.
Weit besser geklärt als die Geschichte der Wind- und Dachshunde ist diejenige derDoggen. Kann man erstere ihrem geistigen Wesen nach als Sanguiniker bezeichnen, so sind letztere mehr die Choleriker unter den Hunden. Ihr vehementer Angriff ist zu fürchten und zeugt von bissigem Wesen, das dem Feinde gefährlich wird; aber dem eigenen Herrn gegenüber sind sie fügsam und treu. Auch im Körperbau sind sie in ihrer massigen Erscheinung das reine Gegenstück zu den zierlichen, schlanken Windhunden. Ihre gedrungene Gestalt mit ungemein kräftiger Muskulatur trägt einen schwergebauten Schädel mit relativ langem Gehirn- und kurzem, breitem Schnauzenteil. Am Kopf erscheinen die Ohren hoch angesetzt und am verkürzten Gesichtsteil legt sich die Haut gern in Falten, welche in den Lippen schlaff herabhängen. Auch die Augenlider sind vielfach schlaff und kehren unten die rote, nackte Bindehaut heraus, was dem Gesicht einen eigentümlichen Ausdruck verleiht. An den kurzen Hals schließt sich eine breite Brust an, die Weichen sind wenig hoch aufgezogen, die Beine mittelhoch und mit kräftiger Muskulatur versehen. Ursprünglich war die Körperbehaarung lang, fast zottig, als Beweis, daß diese Hunderasse von einer in einem kalten Klima lebenden Wolfsart abstammt. Auch der Schwanz war buschig. Doch sind später aus diesen langhaarigen auch kurzhaarige Doggen entstanden, deren Schwanz auch nur kurz behaart ist.
Im vorgeschichtlichen Europa und im alten Ägypten fehlen diese gewaltigen Hunde vollständig, dagegen treffen wir sie schon in kurzhaarigen Formen in Vorderasien bei den alten Assyriern in der ersten Hälfte des letzten Jahrtausends v. Chr. an. Und zwar scheinen die Assyrier diese Hunde aus Indien erhalten zu haben, das sie seinerseits aus dem Hochlande von Tibet bezog. Nach Prof. Konrad Keller ist zweiffellos der auffallend große, schwarzeTibetwolf(Canis niger) der Stammvater dieser mächtigen, ebenfalls zottig schwarz behaarten Hunde, die im warmen Indien und Vorderasien ihre lange Behaarung bald verloren und kurzhaarig wurden. Der große, schwarze Wolf — den Sclater 1874 zuerst als reichlich 1mlangen Wildhund beschrieb —, der im durchschnittlich Mont Blanc-Höhe aufweisenden Hochlande von Tibet neben dem gemeinen grauen Wolfe vorkommt, ist in den kräftig bemuskelten Beinen auffallend tief gestellt, hat an Hals und Brust eine auffallend lange Behaarung von schwarzer Farbe, alles Merkmale die auch die Tibetdoggen aufweisen, nur daß diese neben dem schwarzen Haarkleid häufig einen weißen Bruststern und weiße Pfoten aufweisen. Von den Abkömmlingen dieser Hunderassen waren nach den vorliegenden literarischen Quellen auch die altassyrischen Doggen und die von diesen abzuleitenden Molosserhunde der Griechen und später der Römer vorwiegend schwarz, teils einfarbig, teils auch mit weißen Flecken. Die späteren davon abweichenden Färbungen sind offenbar erst sekundär erworben worden.
Die großen Tibetdoggen sind heute noch in Europa wenig bekannt. Die ältesten Angaben über dieselben findet man in der chinesischen Literatur, nämlich im Schu-king, demzufolge 1121 v. Chr. ein Tibethund, der auf die Menschenjagd dressiert war, als Geschenk an den Kaiser von China gelangte. Heute bringen tibetische Händler solche häufig nach dem chinesischen Reich. Nach Europa gelangte die erste Kunde von diesen gewaltigen Tibethunden zu Ende des 13. Jahrhunderts durch den Venezianer Marco Polo, der erzählte, daß er die Größe eines Esels erreiche und zur Jagd auf wilde Ochsen (Yaks) verwendet werde. Fünf Jahrhunderte hindurch hörte man nichts mehr von ihm, bis der Engländer Samuel Turner um 1800 auf einer Gesandschaftsreise im Auftrage der Ostindischen Kompanie nach Tibet diese starken Hunde von 70–80cmSchulterhöhe antraf, die er als bösartig bezeichnet. Nach ihm gab Bryan Hodgson eine genauere Beschreibung von ihnen. Er bezeichnet die Hunde von Tibets Hauptstadt Lhassa als die schönsten; sie seien von schwarzer Farbe mit braunen Beinen. Nach Hooker wird diese Dogge bei den Karawanen der Tibeter vielfach zum Lasttragen benützt. Diese Rasse, die nur vereinzelt über Tibet hinausgeht und z. B. in den Vorbergen des Himalajas vereinzelt angetroffen wird, steht schon durch die ziemlich wenig verkürzte Schnauze der Stammform am nächsten.
Die Geschichte der Doggen ist kurz folgende: Der Bildungsherd, in welchem durch Zähmung des großen, schwarzen Tibetwolfes die ältesten Doggen hervorgingen, ist Tibet. Von hier drangen diese durch ihre Stärke geschätzten Nutztiere nach Nepal und Indien, vereinzelt auch nach China vor. Von Indien aus gelangten sie frühe nach Persien und von da bereits in einer kurzhaarigen Form in der ersten Hälfte des letzten vorchristlichen Jahrtausends nach Assyrien und Babylonien, wo wir sie mehrfach als Jagdhunde, teils an einem Riemen geführt, teils frei dahinstürmend, abgebildet finden. So finden wir eine höchst charakteristische Darstellung der assyrischen Dogge auf einer Topfscherbe aus Birs Nimrud. Noch viel wahrheitsgetreuer sind die auch künstlerisch viel höher stehenden Basreliefs von dem aus dem Jahre 668 v. Chr. stammenden Palast Asurbanipals in Kujundschik, die nun ebenfalls im Britischen Museum sind. Auf der einen Darstellung sehen wir den Auszug zur Jagd. Einige Jäger schreiten mit den Fangnetzen voran; ihnen folgen andere, eine kampfbegierig vorwärtsstürmende Dogge an der Leine führend. Auf der andern erblicken wir, wie vier bissige Doggen mit kräftigen Halsbändern ein Wildpferd anfallen und es niederzureißen versuchen.
Später erwähnt Herodot um die Mitte des 5. vorchristlichen Jahrhunderts, ein Satrap von Babylon habe die Einkünfte von vier Städten auf den Unterhalt solcher Hunde verwendet, was auf eine größere Zahl derselben schließen läßt. Zu seiner Zeit gab es ähnlich große Hunde auch in Epirus, wohin sie nach Keller aus den Euphratländern durch den Zug des Xerxes gekommen sein sollen. Nachschübe dieser Doggen erfolgten durch den Eroberungszug Alexanders des Großen nach Indien, indem dieser makedonische König ihm vom Könige Porus und andern indischen Fürsten geschenkte gewaltige Hunde nach seiner Heimat Makedonien sandte. Über die Leistungsfähigkeit dieser indischen Hunde, die nur Tibeter gewesen sein können, erzählt der römische Geschichtschreiber Curtius Rufus auf griechische Quellen gestützt folgendes: Nach Überschreitung des Hydaspes und nach Besiegung des Porus kam Alexander ins Gebiet des Königs Sopites. „In diesem Lande gibt es sehr vortreffliche Jagdhunde, die, wie man sagt, beim Anblick eines Wildes sogleich zu bellen aufhören und besonders für die Löwenhatz sehr gut sind. Um Alexander davon zum Augenzeugen zu machen, ließ Sopites einen außerordentlich großen Löwen bringen und ihn bloß von vier Hunden hetzen, die sogleich den Löwen anpackten. Ein Hatzknecht nahm hierauf einen dieser Hunde, die am Löwen hingen, bei einem Bein und suchte ihn loszureißen. Als er nicht loslassen wollte, hieb er ihm dieses ab. Da er aber auch dies nicht beachtete, hieb er ihm ein zweites Bein ab, und, weil er noch immer den Löwen festhielt, schnitt er ihm ein Glied nach dem andern vom Rumpfe, und trotzdem hielt der Hund, obschon inzwischen tot, noch den Löwen mit den Zähnen fest. So hitzig sind diese Tiere von Natur auf die Jagd!“
Etwas abweichend von diesem Berichte erzählt der griechische Geschichtschreiber Diodorus Siculus zur Zeit Cäsars und Augustus: „Der indische König Sopites kam aus seiner Residenz dem Alexander entgegen, bewirtete dessen Soldaten einige Tage hindurch aufs glänzendste und schenkte ihm außer vielen andern wertvollen Dingen 150 Hunde von außerordentlicher Größe und Stärke. Um nun eine Probe von ihren Heldentaten zu geben, ließ er vor Alexander einen großen Löwen in ein Gehege bringen, und ließ dann auch zwei der schwächlichsten der geschenkten Hunde hinein. Diesen war der Löwe überlegen. Jetzt wurden noch zwei andere Hunde hineingelassen, und bald hatten die vier Hunde den Löwen so gepackt, daß sie ihn überwältigten. Darauf schickte Sopites einen Mann ins Gehege, der ein großes Messer trug, um einem der Hunde das rechte Bein abzuschneiden. Als Alexander das sah, schrie er voll Entsetzen auf, und Leute seinerLeibwache eilten hin, dem Inder Einhalt zu gebieten. Sopites aber versprach dem Alexander, er wolle ihm drei andere Hunde für den einen geben; und so schnitt denn der Inder dem Hunde ganz langsam das Bein ab, ohne daß dieser sich muckste. Er hielt im Gegenteil den Löwen mit seinen Zähnen so lange fest, bis er sich verblutet hatte und starb.“ Nebenbei bemerkt kommt es auch heute nicht selten bei Sauhatzen vor, daß sich Hunde so fest in das Beutetier verbeißen, daß sie von selbst nicht wieder loskommen können. Für diesen Fall muß der Hatzmeister dem Hunde einen stets bei sich geführten fußlangen Holzknebel von der Seite in den Mund schieben, indem er diesen behutsam öffnet.
Einen weiteren Bericht über die außerordentliche Leistungsfähigkeit dieser indischen Doggen hat uns der ältere Plinius in seiner Naturgeschichte überliefert. Er schreibt nämlich: „Als Alexander (der Große) nach Indien zog, hatte ihm der König von Albanien einen Hund von ungeheurer Größe geschenkt. Das gewaltige Tier gefiel ihm, und er ließ erst Bären, dann Eber und endlich Antilopen zu ihm; aber der Hund blieb ruhig liegen und blickte sie mit Verachtung an. Erbittert über dessen Faulheit ließ ihn der Eroberer töten. Dies erfuhr der König von Albanien und sandte ihm einen anderen, mit der Aufforderung, ihn nicht an schwachen Tieren, sondern an Löwen und Elefanten zu versuchen; er habe nur zwei solcher Hunde gehabt und dieses sei der letzte. Ohne sich lange zu besinnen, ließ Alexander einen Löwen los; diesen machte der Hund augenblicklich nieder. Darauf befahl er, einen Elefanten vorzuführen, und nie sah er ein Schauspiel mit größerem Vergnügen an als das, das sich ihm jetzt darbot: Der Hund sträubte alle seine Haare, bellte furchtbar donnernd, erhob sich, sprang bald links, bald rechts gegen den Feind, bedrängte ihn und wich wieder zurück, benutzte jede Blöße, die er sich gab, sicherte sich selbst vor dessen Stößen und brachte es so weit, daß der Elefant vom immerwährenden Umdrehen schwindelig niederstürzte, so daß bei seinem Falle die Erde erdröhnte.“ Jedenfalls waren diese indischen Hunde von einer den Griechen bis dahin für unmöglich gehaltenen Tapferkeit und Stärke.
In Griechenland erfreuten sich die großen epirotischen Hunde neben den lakonischen von ägyptischer Windhundabstammung, die zur Jagd dienten, und den vom westasiatischen Schakal stammenden Spitzhunden, die als getreue Wächter des Hauses gehalten wurden, in der klassischen Zeit der größten Wertschätzung. Der 389 v. Chr. verstorbene attische Dichter Aristophanes berichtet, daß die starken epirotischen Hunde vonfürsorglichen Ehemännern zur Hut der Frauengemächer benutzt wurden. Wie grimmig diese dreingeschaut haben müssen, beweist die Tatsache, daß der finsterblickende Höllenhund Kerberos von den Dichtern zum Stammvater der epirotischen Zuchten erklärt wurde.
Von den Griechen erhielten dann die Römer die hochgeschätzte epirotische Dogge, die sieMolosser(canis molossus) nannten. Eine eingehende Beschreibung des Tieres gibt der römische Ackerbauschriftsteller Columella um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., und hebt den mächtigen Kopf des Tieres hervor. Diesen gewaltigen Hund, den sie mit Vorliebe bei den blutigen Tierhetzen im Amphitheater verwendeten und mit dem sie gewiß bei den Helvetiern und Germanen Aufsehen erregten, brachten die Römer zu Beginn der christlichen Zeitrechnung auch in ihre Kolonien nördlich der Alpen. So fand man vor einem Jahrzehnt im römischen Standlager von Vindonissa (dem heutigen Windisch am Zusammenfluß von Aare und Reuß) auf mehreren offenbar an Ort und Stelle hergestellten Tonlämpchen ein vollständiges Hundebild, das gut auf den antiken Molosser paßt. Es stellt einen sehr kräftig gebauten, hängeohrigen Hund dar, dessen Kopf eine dicke Schnauze aufweist. Der Körper erscheint langhaarig und der starkbehaarte Schwanz erinnert lebhaft an denjenigen unserer Bernhardinerhunde. Bemerkenswert und ebenfalls für den Doggencharakter sprechend ist der Umstand, daß an der Hinterpfote eine deutliche Wolfsklaue gezeichnet ist. Später kam eben dort auch ein wohlerhaltener Molosserschädel zum Vorschein, der nun in der Landwirtschaftlichen Sammlung in Zürich aufbewahrt wird.
Tafel 3.„Vor dem Hunde wird gewarnt.“Mosaik aus einem Hausflur in Pompeji.
Tafel 3.
„Vor dem Hunde wird gewarnt.“Mosaik aus einem Hausflur in Pompeji.
Tonlampe mit Molosserhund aus Vindonissa.(Nach Keller, Die Abstammung der ältesten Haustiere.)
Tonlampe mit Molosserhund aus Vindonissa.(Nach Keller, Die Abstammung der ältesten Haustiere.)
Tafel 4.Jäger des Assyrerkönigs Assurbanipal (668–626 v. Chr.) mit Jagdhunden und Fangnetzen.(Nach einer Photographie von Mansell & Cie. in London.)⇒GRÖSSERES BILD
Tafel 4.
Jäger des Assyrerkönigs Assurbanipal (668–626 v. Chr.) mit Jagdhunden und Fangnetzen.(Nach einer Photographie von Mansell & Cie. in London.)
⇒GRÖSSERES BILD
Tafel 5.Darstellung eines altägyptischen Hundes der Windhundrasse.Im Museum des Louvre.⇒GRÖSSERES BILD
Tafel 5.
Darstellung eines altägyptischen Hundes der Windhundrasse.Im Museum des Louvre.
⇒GRÖSSERES BILD
Tafel 6.Altägyptische Windhunde.Aus dem Ti-Grab in Sakkarah. 5. Dynastie, 2750–2625 v. Chr.(Nach Konrad Keller.)
Tafel 6.
Altägyptische Windhunde.Aus dem Ti-Grab in Sakkarah. 5. Dynastie, 2750–2625 v. Chr.(Nach Konrad Keller.)
Die Hündin von Gabii. Römische Marmorfigur im Louvre zu Paris.
Die Hündin von Gabii. Römische Marmorfigur im Louvre zu Paris.
Daß nun bei dem wiederholten Import einzelne Exemplare des Molossers in verschiedene entlegene Alpentäler Helvetiens gelangten und hier vor Kreuzung mit anderen Rassen und damit vor Vernichtung bewahrt blieben, ist weiter nicht wunderbar. Ebenso begreiflich ist es, daß sie hier vortrefflich gediehen. Boten doch die Alpenländer Verhältnisse, die klimatisch denen ihrer Urheimat in Tibet sehr ähnlich sind. So wurde in den abgeschiedenen Hochtälern der Alpen die alte Rasse weitergezüchtet und lieferte die in den Alpen und Voralpen gehaltenenSennenhundevon ziemlich primitivem Charakter. Durch sorgfältige Reinzucht aber ging aus diesem Material der nach dem Hospiz des großen St. Bernhard benannte edleBernhardinerhundhervor, der seiner vortrefflichen Eigenschaften wegen unter allen Doggen am höchsten geschätzt wird. Dort, auf dem Simplon- und Gotthardhospiz, auf der Grimsel usw., wurde der durch guten Spürsinn ausgezeichnete Hund,dessen Gutmütigkeit und Treue fast sprichwörtlich geworden ist, zum Aufsuchen verirrter Wanderer benutzt. Der berühmteste aller Hospizhunde war Barry vom Hospiz auf dem Großen St. Bernhard, der im ganzen 44 Personen das Leben gerettet hat und nunmehr ausgestopft im Naturhistorischen Museum zu Bern zu sehen ist.
Gegenüber dem von den Römern in das Alpenland importierten Molosser ist der Schädel wie der ganze Körper des Bernhardinerhundes größer, was wohl als Folge der besseren Haltung und Pflege durch den Menschen, unterstützt von dem ihm sehr zusagenden Hochgebirgsklima, erklärt werden kann. Von diesem prächtigen Hunde sind aus den früheren Jahrhunderten in der Schweiz keine schriftlichen Mitteilungen auf uns gekommen, weil er offenbar dort so bekannt war, daß man ihn nicht zu erwähnen brauchte; nur als Helmzier und als Wappen schweizerischer Edelleute tritt uns sein prächtiger Kopf entgegen. Im schweizerischen Landesmuseum in Zürich befindet sich eine Wappenrolle aus dem 14. Jahrhundert mit zahlreichen Bernhardinern, die uns den Beweis liefern, daß die schönen Hunde besonders beim Adel gehalten wurden. Noch heute lassen sich manche seiner Zuchten von den Hunden der Grafen de Rougemont, de Pourtalès, von Graffenried, von Judd usw. ableiten. Später kamen sie dann im schweizerischen Tiefland in Vergessenheit, wurden aber nicht nur auf dem Hospiz des Großen St. Bernhard in von den Mönchen für ihre menschenfreundlichen Zwecke geschenkten und rasserein gehaltenen Exemplaren, sondern auch auf anderen Alpenpässen und in vielen Alpentälern gezüchtet.
Die ersten, die in der Neuzeit die Bedeutung dieses Hundes erkannten, waren die Engländer. Sie lernten ihn, wie wir zuerst aus dem Jahre 1778 erfahren, auf dem Hospiz des St. Bernhard kennen und exportierten ihn schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nach England. Hier tauften sie ihnholy breed, d. h. heilige Zucht. Da ihn ein allerdings verdienter Nimbus umgab, wurde aus verständlichen Gründen der von einem Heiligenschein umschwebte Name Bernhardiner der am schärfsten ausgeprägten und berühmtesten Familie der gesamten Rasse beigelegt. Im Jahre 1863 wurde zum erstenmal in England ein Bernhardiner prämiiert. Offenbar wurde er zunächst in der Absicht, die einheimischen Mastiffs zu verbessern, nach England eingeführt. Später wurde er auch direkt gezüchtet, so daß er dort heute einen besonderen, von dem schweizerischen abweichenden Rassentypus darstellt.
Durch die Erfolge der Engländer, dann auch Franzosen und Deutschen aufmerksam geworden, begannen einige Schweizer Züchter, an ihrer Spitze Schuhmacher in Holligen bei Bern, in letzter Stunde bestes Zuchtmaterial vor der Auswanderung nach dem Auslande zu retten und treffliche einheimische Rassen hochzuzüchten, die die früheren weit übertreffen. Und zwar wird eine kurz- und langhaarige Bernhardinerrasse gezüchtet, deren getrennter Bestand sich bis zum Anfang des vorigen Jahrhunderts zurückverfolgen läßt. In der Ebene wird dem langhaarigen Typus der Vorzug gegeben, während die Hospizmönche den kurzhaarigen ziehen, dessen Behaarung sehr dicht ist. Der letztere besitzt bei einer Schulterhöhe von 70cmbeim Rüden und von 65cmbei der Hündin einen in richtigem Verhältnis zum kräftigen Körper stehenden Kopf mit verhältnismäßig schwachem Gebiß. Der Hals wird steil getragen, ist im übrigen kurz und breit, der Rücken gerade, der Bauch weit aufgezogen. Die weiblichen Tiere sind feiner als die männlichen gebaut. Bei den langhaarigen Bernhardinern ist der Körper gestreckter, die Brust etwas tiefer, der Schwanz lang und etwas buschig behaart. Die Behaarung ist schlicht oder leicht gewellt und stimmt in der Färbung (weiß mit rotgelb) mit dem vorigen Typus überein. Gekräuseltes oder stark gelocktes Haar gilt als fehlerhaft. Erst in neuerer Zeit sind die großen Formen des Bernhardiners gezüchtet worden.
In bezug auf äußere Erscheinung schließen sich auch dieNeufundländereng an die Tibethunde an. Sie erreichen eine Schulterhöhe von 63–69cm, sind kräftig gebaut, mit breitem, langem Kopfe, etwas verdickter Schnauze, ziemlich hohen, starken Beinen und sehr dichter Behaarung von äußerst feinen, weichen, tiefschwarz bis rotbraun gefärbten Haaren. Die Behaarung des Kopfes ist kurz, am übrigen Körper, auch am Schwanz buschig. Die Zehen der breiten Pfoten sind durch Bindehäute verbunden, so daß das Tier gewandt und ausdauernd zu schwimmen vermag. Es schwimmt leidenschaftlich gern und mit der größten Leichtigkeit, taucht wie ein Wassertier und kann stundenlang im Wasser aushalten. Schon oft wurden durch den Neufundländer Menschen vor dem Tode durch Ertrinken gerettet. Mit größter Treue und Anhänglichkeit verbindet er bedeutenden Verstand und außerordentliche Gelehrigkeit, ist sehr gutmütig, sanft und dankbar für empfangene Wohltaten. Die Stammrasse ist in England gezüchtet worden und scheint mit der Insel Neufundland, die ihr den Namen gab, gar nichts zu tun zu haben. So wenig wie im Jahre1622, als die Engländer nach jener Insel gelangten, ist später dieser Hundetypus dort einheimisch gewesen. Wie er aber in England gezüchtet wurde, das konnte bis jetzt nicht in Erfahrung gebracht werden.
Schlanker gebaut, mit höheren Beinen und weniger plumpem Kopf als die echten Doggen sind diedeutschenunddänischen Doggen, die vermutlich Kreuzungsprodukte von großen Windhunden mit echten Doggen darstellen; denn in Gestalt und Eigenschaften halten sie die Mitte zwischen beiden inne. Namentlich die deutschen Doggen bieten in edlen Vertretern eine wahrhaft wunderbare Vereinigung an sich widerstreitender Eigenschaften dar, nämlich Größe und Flüchtigkeit mit Kraft und Eleganz. Wie schon der selbstverständlich vom englischendogsich ableitende deutsche Name Dogge beweist, so führt auch die Geschichte der deutschen Dogge wie diejenige der edlen Jagdhunde auf die „englischen Hunde“ zurück, die seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts von den jagdliebenden deutschen Fürsten und Adligen besonders für die Sauhatz von England importiert wurden. Im 17. Jahrhundert wurden sie auch in Deutschland gezüchtet, hießen aber noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts bei uns „englische Hunde“ zum Unterschied von den leichteren, spitzschnauzigen „Rüden“ einheimischen Schlages, die, unter die Bevölkerung verteilt, von dieser auf höheren Befehl unterhalten und während der Jagdzeit den Herren zur Verfügung gestellt werden mußten. Zu großen Meuten vereinigt, hatten diese ungefügigen, bissigen Köter die Wildschweine rege zu machen und zu treiben, während die größeren und schwereren englischen Hunde, die Doggen, durch gepolsterte, mit Fischbein gesteifte „Jacken“ geschützt, bei den Herrenjägern blieben und, auf ein bestimmtes Stück losgelassen, dieses an den Ohren fingen und festhielten, bis es mit der „Saufeder“ gestochen und so getötet war. Dafür waren sie auch die Lieblinge ihrer hohen Herren, mit denen besonders auserwählte Exemplare der Gattung als „Leib- und Kammerhunde“ immer zusammen sein und sogar das Schlafgemach teilen durften. Als sie dann später durch Umgestaltung der Jagd bei dieser überflüssig wurden, wandte sich die Liebhaberei ihnen zu und züchtete aus ihnen herrliche Tiere, die mit Recht den Stolz ihres Besitzers darstellen. Die lichtgelbe Färbung mancher deutscher Doggen ist jedenfalls auf den Einfluß des Windhundblutes zurückzuführen.
Den Übergang zu ausgesprochen schweren und breitköpfigen Doggenformen bildet die echtedänische Dogge, so genannt, weil sie seit etwa 50 Jahren mit einer gewissen Vorliebe in Dänemark gezüchtet wird,zumal in Gestalt des gelben, schwarz maskierten Broholmers. Auch dieser ist von englischer Abstammung und wurde in seiner ursprünglichen Heimat im englischenMastiffzu einem wahren Klotz von Hund gezüchtet, der dank seiner Größe und Stärke einen geradezu unüberwindlichen Schutzbegleiter darstellt. Solche Schutz- und Kampfhunde hat es ja bereits im Altertum, wenn auch nicht in solchen gewaltigen Ausmaßen, gegeben. Man denke nur an die Hunde der Zimbern und Teutonen, die mit den Weibern die Wagenburg der Auswanderer aufs getreuste bewachten und mit denen die Römer nach Besiegung der Männer in offener Schlacht noch einen harten Strauß zu bestehen hatten.
Ebenfalls Produkte englischer Zucht sind die dem Mastiff nahe stehendenBullenbeißer, deren ausgezeichnetste Rassen heute noch in Irland hervorgebracht werden. Zu ihrer Stärke und Entschlossenheit besitzen sie einen geradezu unglaublichen Mut, so daß sie sich zu schwerer und gefährlicher Jagd, wie auch zu Kämpfen mit wilden Tieren besonders eignen. Ihre geistigen Fähigkeiten sind nicht so ausgezeichnet wie die der übrigen gescheiten Hunde, keineswegs aber so tiefstehend, als man gemeinhin glaubt; denn jeder Bullenbeißer gewöhnt sich leicht an den Menschen und opfert ohne Bedenken sein Leben für ihn. Er eignet sich vortrefflich zum Bewachen des Hauses und verteidigt das ihm Anvertraute mit wirklich beispiellosem Mute. Als Reisebegleiter in gefährlichen, einsamen Gegenden ist er gar nicht zu ersetzen. Man erzählt, daß er seinen Herrn gegen fünf bis sechs Räuber mit dem besten Erfolge verteidigte, und kennt Geschichten, in denen er als Sieger aus solchen ungleichen Kämpfen hervorging, trotz unzähliger Wunden, welche er dabei erhielt. Auch als Wächter bei Rinderherden wird er verwendet und versteht es, selbst den wildesten Stier zu bändigen, indem er sich alsbald in die Oberlippe seines großen Gegners einbeißt und so lange dort fest hängt, bis der Riese sich der Übermacht des Hundes gefügt hat. Auch zum Kampfe gegen große Raubtiere, wie Bären, Wölfe usw., läßt er sich abrichten. Früher waren Tierhetzen sehr beliebt, indem solche Hunde gegen gefangene Bären oder wilde Stiere in Bären- oder Hetzgärten genannten geschlossenen Räumen gehetzt wurden und das Volk sich an dem beispiellosen Mute dieser verhältnismäßig kleinen Hunde ergötzte. In England spitzten sich diese öffentlichen, gegen Eintrittsgeld zugänglichen Schaustellungen später so zu, daß gegen einen angeseilten Stier nur ein einziger, kleiner Hund losgelassen wurde, der ihn an der Nase zu fassen hatte.
Auf dem plumpen, kräftigen Körper des Bullenbeißers sitzt auf kurzem, dickem Hals der dicke, runde, hinten sehr breite, zwischen den Augen eingesenkte Kopf mit stumpfer, aufgeworfener Schnauze. Infolge der starken Verkürzung des mittleren Teiles der Oberlippe und Nase hat sich die Gesichtshaut in Falten gelegt und sind die vorderen Zähne unbedeckt, während die Lippen seitlich davon überhängen und von Geifer triefen. In den extremsten Fällen ist der Hund zu einer wahren Karikatur gezüchtet worden, die in ihrer Vierschrötigkeit und grinsenden Mine mehr Mitleid als Freude erweckt.
Eine große Bullenbeißerrasse richtete man früher dazu ab, Menschen einzufangen, niederzuwerfen und sogar umzubringen. Schon bei der Eroberung Mexikos wandten die Spanier derartige Hunde als Mitkämpfer und Aufspürer gegen die Indianer an. Unter ihnen war besonders Beçerillo berühmt, dessen Kühnheit und Klugheit außerordentlich waren. Er wurde unter allen seinen Genossen ausgezeichnet und erhielt doppelt so viel Futter als die übrigen. Beim Angriff pflegte er sich in die dichtesten Haufen der Indianer zu stürzen, diese beim Arme zu fassen und sie so gefangen wegzuführen. Gehorchten sie, so tat ihnen der Hund weiter nichts, weigerten sie sich aber, mit ihm zu gehen, so riß er sie augenblicklich zu Boden und würgte sie. Indianer, welche sich unterworfen hatten, wußte er genau von Feinden zu unterscheiden und berührte sie nie. Noch im Jahre 1798 benutzte man solche „Bluthunde“ zum Fangen von Menschen, und zwar waren es nicht Spanier, sondern Engländer, welche mit ihnen die Menschenjagd betrieben.
Die deutsche Bulldogge ist derBoxer, der noch nicht zu solchem Zerrbild wiethe old english bulldogüberzüchtet wurde. Auch er hat eine breite Brust und einen muskulösen Körper, aber sein Kopf ist nicht so extrem verkürzt, so daß er seine Kiefer vortrefflich zum Beißen verwenden kann. Ungemein bissig und herrschsüchtig, ordnet er sich seinem Herrn gegenüber unter und zeigt ihm Treue und Anhänglichkeit; doch muß er diesen vollkommen kennen gelernt und erfahren haben, daß dessen geistige Energie seine leibliche Kraft unter allen Umständen unterjochen kann und sich unbedingten Gehorsam zu erzwingen versteht. Was der Boxer einmal gefaßt hat, läßt er so leicht nicht wieder los. Hat man ihn in einen Stock oder in ein Tuch beißen lassen, so kann man ihn an diesem Gegenstande in die Höhe heben, auf den Rücken werfen oder andere Dinge mit ihm vornehmen, ohne daß er sein Gebiß öffnet. Es gibt von ihm auch Zwergformen, dieuns zumMopsehinleiten. Dieser ist ein Bullenbeißer im kleinen, mit ganz eigentümlich abgestumpfter Schnauze und schraubenförmig gerolltem Schwanz. Auch zeigt er das mißtrauische, mürrische Wesen der Bulldoggen, wurde aber dennoch früher gerne von alten Jungfern mit großer Zärtlichkeit gehätschelt und als Schoßhund gehalten, wobei er eine oft sprichwörtliche Fettleibigkeit entwickelte. Diese einst sehr verbreitete Form ist jetzt fast ausgestorben; dagegen sind neuerdings edlere Rassen dieses Luxushundes aufgekommen, die sich wiederum großer Beliebtheit erfreuen, obschon auch sie launenhaft und im ganzen wenig angenehme Gesellschafter des Menschen sind.
Wie in den Alpen kommen auch in den Abruzzen, bei den Basken in den Pyrenäen und bei den Albanesen in Nordgriechenland große Hunde vor, die zweifellos in verwandtschaftlicher Beziehung zum alten Molosser stehen, aber Kreuzungsprodukte mit anderen Hunden sind. Überhaupt sind im Laufe der Jahrhunderte so viele Kreuzungen bei den Gebrauchshunden vorgekommen, daß sich ihre Abstammung im einzelnen nie mehr feststellen läßt.
Neuerdings will Hilzheimer die Doggen von einem im mittleren Schweden heimischen mächtigen, dickköpfigen und kurzköpfigen Wolf mit starkem Stirnabsatz ableiten. Diese Annahme ist jedoch nicht genügend begründet, um die ältere, viel wahrscheinlichere zu verdrängen. Immerhin darf zugegeben werden, daß ein solcher starker nordischer Wolf den Ausgangspunkt der von den eigentlichen Doggen zu trennendenHirtenhundebildet, denen im Gegensatz zu den Schäferhunden, die die Herde hüten, nur die Bewachung der Herde gegen den Angriff starker Raubtiere oder böswilliger Menschen obliegt. Sie zeichnen sich gegenüber den Doggen durch kaum verkürzte Schnauze und geringen Stirnabsatz aus. Sie sind langhaarig, weiß, grau oder braun gefärbt, vielfach auch gescheckt, und kommen in verschiedenen Ländern Europas in typischen Vertretern vor. Früher aber waren sie, solange es reißende Tiere von den Herden abzuhalten gab, weit verbreiteter als heute, da sie sich nur noch in zerstreuten Inseln vorfinden. Nach Hilzheimer soll Blut von diesem nordischen Wolfe auch in den Pudel übergegangen sein, dem früher besprochenen Abkömmlinge des Schäferhundes, der wahrscheinlich auch Blut vom Laufhunde in sich aufgenommen hat.
Wie in der Alten Welt so sind auch in der Neuen durch Zähmung verschiedener Wildhunde Haushunde von den Indianern gewonnen worden, soweit sie sich über die primitive Stufe der Sammler undJäger erhoben hatten und zu einiger Ansässigkeit als Hackbauern gelangt waren. So fanden die Europäer bei ihrer Ankunft bei verschiedenen Volksstämmen zahme Hunde. Alle Indianersprachen an der Westküste von Südamerika hatten eigene Bezeichnungen für den Hund, und der spanische Geschichtschreiber Garcilasso de la Vega berichtet, daß in der ältesten Zeit das Volk der Huanca, bevor es noch von den Inkas unterjocht wurde, ein Hundebild anbetete und leidenschaftlich gerne Hundefleisch aß. Der St. Galler J. J. von Tschudi fand als Beweis der Urexistenz des Hundes in Peru in alten, vorkolumbischen Gräbern Skelette und Mumien von Hunden, welche meist quer vor den Füßen der mitbestatteten sitzenden Menschenkadaver lagen. Identisch mit diesen Mumienhunden ist der heute noch in den Ansiedelungen des Gebirges der Anden bei den Hirten und in den Indianerhütten verbreiteteInkahund, der als ein bissiges, einen besonderen Widerwillen gegen die Europäer zeigendes Tier von ziemlich kleiner Gestalt mit rauhem Pelz von dunkelockergelber Farbe, am Bauch und auf der Innenseite der Beine heller, geschildert wird. Der zierliche Kopf ist scharf zugespitzt, die Ohren sind aufrecht, spitz und klein, der Schwanz ist stark behaart und gerollt. Auf Grund der Gräberfunde besonders von Ancon vermochte Alfred Nehring nachzuweisen, daß schon bei den alten Inkas drei verschiedene Rassen des Inkahundes gezüchtet wurden, die als Wacht-, Hirten- und Jagdhunde Verwendung fanden, und daß der Stammvater dieser südamerikanischen Hundeart dernordamerikanische Wolf(Canis occidentalis) war. Es ist also dieser Hund mit dem Volk von Norden her nach Süden eingewandert und kam auch in den Tropen in den kühlen Höhenlagen recht gut fort. Interessant ist, daß das recht hoch kultivierte Volk der alten Peruaner bereits Rassenzucht trieb und aus dem ursprünglichen Wolfshunde, den verschiedenen Zwecken, zu denen er verwendet wurde, entsprechend, eine schäferhundartige, eine dachshundartig durch erblich gewordene Rachitis verkümmerte und eine bulldoggähnliche mit verkürztem Oberkiefer züchtete.
Von demselben nordamerikanischen Wolfe stammt der ihm sehr ähnelnde Hund der Indianer Nordamerikas ab. Diese verbessern ihre Zuchten von Zeit zu Zeit durch Kreuzung mit Wölfen, wobei die Halbzuchtwölfe im allgemeinen leicht zähmbar sind. Der eigentümliche Hasenindianerhund mit kurzem Gesicht und kurzen Läufen ist demPräriewolf(Canis latrans) nahe verwandt und wurde zweifellos durch Zähmung aus diesem gewonnen.
In Südamerika gibt es Hunde, die demMaikong(Canis cancrivorus) gleichen und jedenfalls auch von ihm abstammen. Die Kreuzung derselben mit der wilden Stammart kommt häufig vor.
Auf den westindischen Inseln, in Mexiko und an den Küsten des nördlichen Südamerika lebt ein kleiner, fuchsartiger Hund, dessen schwärzlicher bis dunkelgrauer Körper fast haarlos ist. Es ist dies derKaraibenhund, den schon Kolumbus bei seiner Ankunft antraf und der von den Altmexikanern Xoloitzcuintli genannt wurde. Sein Stammvater ist eine kleine Schakalart der Antillen, die durch spezielle Zucht ihr Haarkleid im warmen Klima mehr und mehr reduzierte. Wichtig sind den Feuerländern ihre Hunde, da sie ihnen beim Fang der Seeotter helfen. Darwin sagt daher von ihnen, „sie wollten in der Not lieber ihre alten Weiber als ihre Hunde töten und essen“. Übrigens wußten auch diese niedrig stehenden Wilden die Vorzüge der europäischen Hunde zu schätzen und trachteten danach, sie mit den größten Opfern anzuschaffen.
Mit dem Vordringen der Europäer nach der Neuen Welt gelangten selbstverständlich auch die verschiedensten altweltlichen Hunde dahin und fühlten sich dort sehr bald heimisch. Dabei mischten sie sich vielfach mit den vorgefundenen zahmen Hunden und gaben zu den buntesten Mischrassen Veranlassung. Solche unentwirrbare Kreuzungsprodukte gibt es ja auch in der Alten Welt genug. Sie gehen immer wieder, meist ungewollt, hervor und machen sich überall, oft unliebsam genug, bemerkbar; doch wird von den Kennern stets das reine Blut diesen Mischlingen vorgezogen werden.
Schon bei den Schriftstellern des Altertums finden wir gelegentlich Geschichten, die uns die hohe Wertschätzung des Hundes als Haustier und Gefährten des Menschen beweisen, die auch zeigen, wie sich dieses Tier oft für seinen Herrn opferte und ihm Treue über den Tod hinaus hielt. So berichtet u. a. der ältere Plinius in seiner Naturgeschichte: „Man erzählt von einem Hunde, der für seinen Herrn gegen Räuber kämpfte und, obgleich selbst schwer verwundet, dessen Leichnam doch nicht verließ, sondern gegen Vögel und Raubtiere verteidigte. Einen König der Garamanten holten 200 Hunde aus der Verbannung zurück und schlugen dessen Widersacher in die Flucht. Die Kolophonier und Kastabalenser hielten ganze Meuten von Hunden, die im Kriege die erste Schlachtreihe bildeten und sich nie feig erwiesen; sie waren die treusten Hilfstruppen und dienten ohne Sold. Als die Zimbern erschlagen waren, verteidigten noch Hunde ihre auf Wagen stehendenZelte. Als der Lycier Jason getötet war, wollte sein Hund nicht mehr fressen und hungerte sich zu Tode. Ein Hund, den Duris (ein griechischer Schriftsteller aus Samos zur Zeit des Ptolemäos II. Philadelphos, 285–247 vor Chr.) Hyrkanus nennt, stürzte sich in die Flammen, als König Lysimachus verbrannt wurde. Dasselbe tat der Hund des Königs Hiero. Bei uns wurde Volcatius, ein Edelmann, der zu Pferd von seinem Landhaus zurückkehrte, als er abends von einem Räuber angefallen wurde, durch seinen Hund verteidigt; ebenso der Senator Coelius, als er zu Placentia (dem heutigen Piacenza) krank lag und von Bewaffneten überfallen wurde. Erst als der Hund erschlagen war, erhielt er eine Wunde. Über alles erhaben ist aber folgender Zug, der zu unserer Zeit in den Jahrbüchern des römischen Volkes, als Appius Junius und Publius Silius Konsuln waren, aufgezeichnet wurde: Als Titius Sabinus samt seinen Sklaven wegen des an Nero, dem Sohn des Germanicus, begangenen Mordes zum Tode verurteilt war, konnte der Hund eines dieser Unglücklichen nicht vom Gefängnis weggetrieben werden, verließ auch dessen Leiche nicht, als sie auf die Straße geworfen wurde, heulte kläglich und trug, als einer aus der versammelten Volksmenge ihm ein Stück Fleisch hinwarf, dieses zum Munde seines toten Herrn. Als dann die Leiche in den Tiber geworfen wurde, schwamm er mit ihr und suchte sie über Wasser zu erhalten, während das Volk am Ufer seine Treue bewunderte.
Der Hund ist das einzige Tier, das seinen Herrn kennt, Bekannte von Unbekannten unterscheidet, auf seinen Namen hört und seine Hausgenossen schon an der Stimme kennt. Die längsten Wege finden sie wieder, wenn sie sie einmal gemacht haben, und überhaupt ist ihr Gedächtnis nach dem des Menschen das beste. Wenn sie auch noch so wütend sind, kann man ihnen doch Einhalt tun, wenn man sich auf die Erde niedersetzt (was nach Schatter tatsächlich von Erfolg begleitet ist). Der Mensch hat an ihnen schon viele nützliche Eigenschaften aufgefunden; am nützlichsten werden sie aber durch ihren Eifer und ihren Spürsinn auf der Jagd. Sie suchen und verfolgen die Fährte des Wildes, ziehen den Jäger an der Leine hinter sich her, zeigen das Wild heimlich und schweigend, indem sie zuerst mit dem Schwanze, dann mit der Schnauze ein Zeichen geben. Selbst alt, blind und schwach leisten sie noch Dienste, indem man sie auf dem Arm trägt und durch den Geruch das Lager des Wildes aufsuchen läßt.
Die Hündin bekommt zweimal jährlich Junge. Dieselben werden blind geboren und werden um so später sehend, je reichlicher sie gesäugtwerden, doch nie vor dem 7. oder 21. Tage. Die Weibchen von der ersten Hecke sollen die Eigenschaft haben, Faune (Waldgeister) sehen zu können. Unter den Jungen ist dasjenige das beste, das zuletzt zu sehen beginnt oder das die Mutter zuerst ins Lager trägt. (Noch heute gilt dieser Glaube bei manchen Hundeliebhabern. Diese nehmen der Hündin die Jungen, legen sie in einiger Entfernung nieder und halten das für das beste, das von ihr zuerst ins Lager zurückgetragen wird.) Die Alten hielten saugende junge Hunde für eine so reine Speise, daß sie dieselben sogar den Göttern als Sühnopfer darbrachten. Noch jetzt opfert man der Göttin Genita Mana ein Hündchen und trägt, wenn die Götter bewirtet werden sollen, Hundefleisch auf. Man glaubt auch, daß Hundeblut das beste Mittel gegen Pfeilgift ist.“
Der um die Mitte des ersten christlichen Jahrhunderts von Spanien nach Rom gekommene Ackerbauschriftsteller Columella schreibt in seinem Buch über den Landbau: „Der Hund liebt seinen Herrn mehr als irgend ein anderer Diener, ist ein treuer Begleiter, unbestechlicher und unermüdlicher Wächter und beharrlicher Rächer.
Der Wachthund für ein Landhaus muß sehr groß sein, gewaltig und laut bellen, so daß er nicht bloß durch seinen Anblick, sondern auch durch seine Donnerstimme den Dieb erschreckt. Man wähle dafür einen solchen mit einfacher Farbe, am besten schwarzer. Bei Tage fürchtet sich der Dieb mehr vor dem schwarzen Hund, bei Nacht sieht er ihn nicht und wird leichter von ihm gepackt. Der Hund des Hirten soll dagegen weiß sein, damit er bei Tag und Nacht leicht vom wilden Tiere unterschieden werden könne, also beim Kampf von seinem Herrn nicht so leicht verwundet werde. Der Wachthund des Landhauses soll ferner weder zu sanft sein, denn sonst schmeichelt er selbst den Spitzbuben, noch allzuscharf, sonst ist er selbst den Hausbewohnern gefährlich. Die Hauptsache bleibt immer, daß er wachsam ist, sich nicht herumtreibt, keinen falschen Lärm macht, sondern nur dann anschlägt, wenn er sicher etwas Fremdes merkt. Der Hirtenhund soll so stark sein, daß er den angreifenden Wolf bekämpfen, und so schnell sein, daß er den fliehenden einholen und ihm die Beute abjagen kann. — Die Hauptnahrung der Hunde ist Brot, am besten aus Gerste gebackenes. Den Wacht- und Hirtenhunden gebe man zweisilbige Namen. Für Männchen paßt z. B. Skylax, Ferox, Laco, Celer, für Weibchen Spude, Alke, Rome, Lupa, Cerva, Tigris.“
Der Grieche Arrian im 2. Jahrhundert n. Chr. rühmt in einem längeren Passus seine kluge, anhängliche und schnelle Hündin Horme,die er geradezu als göttlich bezeichnet; sie nehme es bisweilen mit vier Hasen auf. Sie sei immer guter Laune, verlasse ihn und seinen Jagdgefährten Megillos nie und gebe ihnen alle ihre Wünsche zu verstehen. Seitdem sie einmal die Peitsche zu kosten bekommen habe, ducke sie sich gleich, wenn man die Peitsche nur nenne, komme schmeichelnd herbei, springe an einem in die Höhe und höre nicht eher mit ihren Liebkosungen auf, als bis man wieder freundlich mit ihr tue.
Schon im Altertum wurden die Hunde auf verschiedene Weise dressiert und zu Kunststücken abgerichtet. So erzählt der griechische Geschichtschreiber Plutarch: „Folgendes habe ich mit eigenen Augen gesehen. In Rom war ein Tausendkünstler, der im Theater des Marcellus einen merkwürdig dressierten Hund zeigte. Dieser führte erst allerlei Kunststückchen aus und sollte zuletzt zum Schein Gift bekommen, davon betäubt werden und sterben. Er nahm also das Brot, worin das Gift verborgen sein sollte, an, fraß es auf, begann dann zu zittern, zu wanken, senkte den Kopf, als ob er ihm zu schwer würde, legte sich endlich, streckte sich, schien tot zu sein, ließ sich hin und her schleppen und tragen, ohne sich zu regen. Endlich rührte er sich wieder ein wenig, dann allmählich mehr, tat wie wenn er aus tiefem Schlafe erwache, hob den Kopf, sah er sich um und ging endlich freundlich wedelnd zu dem, der ihn rief. Alle Zuschauer waren gerührt; unter ihnen befand sich auch der alte Kaiser Vespasian.“
Älius Spartianus schreibt, daß der römische Kaiser Hadrian Pferde und Hunde so lieb hatte, daß er ihnen Grabdenkmäler setzen ließ, was ja auch heute von den Reichen vielfach geübt wird, so daß um die Städte London und Paris geradezu Hundefriedhöfe entstanden sind. Der Geschichtschreiber Lampridius berichtet, daß der römische Kaiser Heliogabal seine Hunde mit Gänselebern fütterte, auch vier große Hunde vor seinen Wagen spannte und mit ihnen in seiner königlichen Wohnung und auf seinen Landgütern herumkutschierte. Wie im Leben, so spielte der Hund auch in den Sprichwörtern der Alten eine wichtige Rolle; doch würde es uns zu weit führen, darauf einzutreten. Die schon damals bei diesem Tiere auftretende Tollwut wurde nach dem Arzte Celsus am besten so behandelt, daß man das Gift mit Schröpfköpfen herauszog, die Wunde dann brannte oder, wenn die Stelle dazu nicht passend schien, mit Ätzmitteln behandelte. Nachher ließ man die Gebissenen schwitzen und gab ihm drei Tage hindurch tüchtig starken Wein zu trinken. Lauter törichte Sympathiemittel gibt dagegen Plinius an.
Heute ist die Tollwut dank der scharfen staatlichen Kontrolle auf ein Minimum eingeschränkt und kann zudem nach Übertragung durch Biß eines tollen Hundes auf den Menschen dank der wertvollen Entdeckung von Louis Pasteur in fast allen Fällen leicht geheilt werden, ohne daß sie zum Ausbruch gelangt. Jedenfalls ist sie für den Menschen weit weniger gefährlich und verhängnisvoll als der winzige, nur 4mmlang werdende Hundebandwurm (Taenia echinococcus), dessen Finne eine ganz bedeutende Größe aufweisen kann. Aus seinen Eiern entwickelt sich nämlich der von stecknadelkopf- bis kindskopfgroße Hülsenwurm (Echinococcus), der sich in den verschiedensten Organen des Menschen, am häufigsten aber in der Leber festsetzen und die schwersten Erkrankungen, ja selbst den Tod herbeiführen kann. Überhaupt gilt für alle Hundefreunde wegen ihres großen Parasitenreichtums, der unter Umständen für den Menschen sehr verhängnisvoll sein kann, der alte vielfach in Mosaik an der Türschwelle angebrachte römische Zuruf:cave canem, d. h. hüte dich vor dem Hund! allerdings in anderem Sinne als einst. Man sei freundlich, aber nicht zu intim mit ihm, da man solches vielleicht mit langem Siechtum und Tod zu büßen hat. Lieber als einen rasselosen Köter mit allen möglichen Untugenden halte man sich einen gut gezogenen wertvollen Rassehund, der geistige und körperliche Vorzüge besitzt, die dem Bastard versagt sind. Es gibt ja deren, die allen möglichen Ansprüchen, sei es solchen der Jagd, des Schutzes, sei es denen des Land- oder beengteren Stadtlebens sehr gut angepaßt sind und sich darin seit vielen Generationen bewährt haben.
Andere Wildhunde als die hier aufgezählten sind nicht dauernde Gesellschafter des Menschen geworden. Es hätte dies aber sehr wohl der Fall sein können, da auch solche, jung eingefangen und vom Menschen gut behandelt und gezähmt, sich an den Umgang mit diesem leicht gewöhnen. Wie heute noch in Syrien, Ägypten und Nordafrika wurden schon bei den alten Ägyptern jung eingefangene wildeSchakalewie Haushunde erzogen und so direkt in die Haustierschaft übergeführt. In den Grabgemälden des alten Reiches in der ersten Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. ist mehrfach dargestellt, wie gezähmte Schakale die Stelle von Haushunden bei dem noch als lebend dargestellten Grabinhaber einnehmen oder sich als gute Freunde unter dessen Hunde mischen. In einer Darstellung eines Grabes zu Beni Hassan aus der 12. Dynastie (2000–1788 v. Chr.) sieht man einen solchen gezähmten Schakal sogar an der Jagd teilnehmen. Solche direkteÜberführungen aus dem wilden in den gezähmten Zustand sind aber schon damals eben solche Ausnahmen gewesen, wie in unserer Zeit die Zähmung eines jung eingefangenen Wolfes zum Freunde und Begleiter seines Herrn.
Selbst derHyänenhund(Canis pictus), jener heute noch vom südlichen Nubien an in großen Teilen Afrikas vorkommende Wildhund mit buschigem Schwanz und weißen bis ockerfarbigen, stets schwarz umsäumten Flecken auf kurz- und glatthaarigem Fell, wurde von den alten Ägyptern in den Haustierstand übergeführt, ohne sich allerdings längere Zeit darin zu erhalten. Dieser in hohem Grade anziehende Steppenhund, der in Meuten bis zu 60 Stück mit ungeheurer Ausdauer allerlei Wild, besonders Antilopen jagt, so daß selbst die größten Tiere ermatten und von ihm überwältigt werden, wird von Brehm als für die Zähmung vielversprechendes Raubtier bezeichnet, das einen vortrefflichen Spürhund abgeben würde. Georg Schweinfurth sah in einer Seriba im Bongolande ein in hohem Grade gezähmtes Stück, das seinem Herrn gegenüber die Folgsamkeit eines Hundes an den Tag legte. Brehm, der einige derselben gefangen hielt, bezeichnet sie als ungestüm mutwillig mit einem unbezähmbaren Drang zum Beißen. Er ist ungemein regsam und lebhaft und frißt vom erwürgten Wild fast nur die Eingeweide. Seine Vorzüge für die Antilopen- und Gazellenjagd veranlaßte schon die Ägypter des alten Reiches (2980 bis 2475 v. Chr.) ihn vielfach unter ihrer Meute von Jagdhunden zu halten. An den Wänden zahlreicher Gräber finden wir ihn als gezähmtes Tier nebst andern Jagdhunden abgebildet, so in denjenigen des Nub hotep und des Ran ken der 4. Dynastie (2930–2750 v. Chr.), dann des Aseskef ank und des Pta hotep der 5. Dynastie (2750 bis 2625 v. Chr.). In des letzteren Grabe in Sakkara sehen wir die Jagddiener des Verstorbenen mit der gemachten Beute von der Jagd zurückkehren. An ihrer Seite sehen wir als Chef derselben einen als Num hotep bezeichneten Mann mit zwei Windhunden und zwei Hyänenhunden an der Leine schreiten, bereit, sie auf allfällig angetroffenes Wild loszulassen. In demselben Grab des Pta hotep, das uns den Hyänenhund gezähmt und im Dienste des Menschen zeigt, sehen wir an der gegenüberliegenden Wand den wilden Hyänenhund mitten unter Antilopen in der Steppe lebend und von Windhunden angegriffen. Man sieht, daß der Künstler die Szene nach eigener Anschauung wiedergegeben hat. Später wurde weder im mittleren noch im neuen Reiche je wieder der Hyänenhund, sei es wild oder gezähmt,abgebildet, so daß wir annehmen dürfen, daß er damals weder als Haustier gehalten wurde, noch auch in den Gegenden, in denen die Großen des Reichs zu jagen pflegten, wild vorkam. Er muß sich damals schon mit der Abnahme der Antilopenherden weiter südlich gehalten haben; denn auch der Römer Pomponius Mela, der dieses Tier unter der Bezeichnunglycaongenau beschreibt, kennt ihn nur aus Äthiopien. Heute trifft man ihn erst in den obersten Nilländern und von da an südwärts bis zum Kap der Guten Hoffnung.