The Project Gutenberg eBook ofLieder von LessingThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: Lieder von LessingAuthor: Gotthold Ephraim LessingRelease date: November 1, 2004 [eBook #6822]Most recently updated: February 23, 2015Language: GermanCredits: Produced by Delphine Lettau*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LIEDER VON LESSING ***
This ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.
Title: Lieder von LessingAuthor: Gotthold Ephraim LessingRelease date: November 1, 2004 [eBook #6822]Most recently updated: February 23, 2015Language: GermanCredits: Produced by Delphine Lettau
Title: Lieder von Lessing
Author: Gotthold Ephraim Lessing
Author: Gotthold Ephraim Lessing
Release date: November 1, 2004 [eBook #6822]Most recently updated: February 23, 2015
Language: German
Credits: Produced by Delphine Lettau
*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LIEDER VON LESSING ***
Produced by Delphine Lettau
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Lieder von Lessing
Gotthold Ephraim Lessing
alphabetisch nach Titeln sortiert
AlexanderAn AmorAn den AnakreonAn den HorazAn den WeinAn die J. L***An die KunstrichterAn die LeierAn die SchwalbeAn eine kleine SchöneAntwort eines trunknen DichtersAuf sich selbstDas AlterDas Bild an Hrn. H.Das ErdbebenDas LebenDas ParadiesDas SchäferlebenDas UmwechselnDas aufgehobene GebotDer DonnerDer FauleDer FehlerDer Fehler der Natur an Hr. M.Der FlorDer GenußDer Geschmack der AltenDer HandelDer IrrtumDer RegenDer SchiffbruchDer SchlafDer SommerDer SonderlingDer TabakDer Tausch an Hr. W.Der TodDer VerlustDer Vetter und die MuhmeDer WunschDer alte und der junge WeinDer bescheidene WunschDer größte MannDer müßige PöbelDer neue Welt-BauDer philosophische TrinkerDer schwörende LiebhaberDer trunkne Dichter lobt den WeinDie 47ste Ode AnakreonsDie AbwechslungDie AntwortDie BeredsamkeitDie BetrübnisDie BieneDie DiebinDie Einwohner des MondesDie EnteDie FaulheitDie GespensterDie GewißheitDie HaushaltungDie KüsseDie KüsseDie Kunstrichter und der DichterDie LiebeDie MusikDie MutterDie NamenDie PlanetenbewohnerDie RedlichkeitDie Schöne von hintenDie SparsamkeitDie Stärke des WeinsDie TürkenDie VersteinerungDie WetterprophezeiungDie drei Reiche der NaturDie lügenhafte PhyllisDie lehrende AstronomieDie schlafende LauraDie schlimmste FrauDie verschlimmerten ZeitenDie wider den Cäsar verschworne HeldenEine GesundheitFür wen ich singeHeldenlied der SpartanerIchJungfer Lieschens KnieKüssen und TrinkenLiedLied aus dem SpanischenLob der FaulheitNach der 15. Ode AnakreonsNiklasPhillisPhyllis an DamonPhyllis lobt den WeinRefutatio PapatusSalomonTrinkliedWem ich zu gefallen suche, und nicht suche[Aus einem Abschiedsgedicht an Mylius]
Alexander
Der Weise sprach zu Alexandern."Dort, wo die lichten Welten wandern,Ist manches Volk, ist manche Stadt."Was tut der Mann von tausend Siegen?Die Memme weint, daß dort zu kriegen,Der Himmel keine Brücken hat.
Ists wahr, was ihn der Weise lehret,Und finden, was zur Welt gehöret,Daselbst auch Wein und Mädchen statt:So lasset, Brüder, Tränen fließen,Daß dort zu trinken und zu küssen,Der Himmel keine Brücken hat.
An Amor
Amor, soll mich dein BesuchEinst erfreuen—O so lege dein GefiederUnd die ganze Gottheit nieder.Diese möchte mich erschrecken,Jenes möchte Furcht erwecken,Furcht, nach flatterhaften Küssen,Meine Phyllis einzubüßen.Komm auch ohne Pfeil und Bogen,Ohne Fackel angezogen…Stelle dich, um mir lieb zu sein,Als ein junger Satyr ein.
An den Anakreon
Anakreon singt, alles fühlet:Und alles gähnt wenn Codrus spielet.Anakreon, sprich, wie man spielt,Daß niemand gähnt, daß alles fühlt.
Du schweigst? Doch mit beredtern Blicken,Die mich in Bacchus Laube schicken,Sprichst du: Mein Lehrer war der Wein.Wohl! Wohl! Er soll auch meiner sein!
An den Horaz
Horaz, wenn ich mein Mädchen küsse,Entflammt von unserm Gott, dem Wein,Dann seh ich, ohne kritsche Schlüsse,Dich tiefer als zehn Bentleys ein.
Dann fühl ich sie, die süßen Küsse,Die ein barbarscher Biß verletzt,Sie, welche Venus, nebst dem Bisse,Mit ihres Nektars Fünfteil netzt.*
Dann fühl ich, mehr als ich kann sagenDie Göttin, durch die Laura küßt,Wie sie sich Amathunts entschlagen,Und ganz in mich gestürzet ist.**
Sie herrscht im Herzen, sie gebietet;Und Laura löscht die Phyllis aus.Sie herrscht im Herzen? nein, sie wütet;Denn Laura hält mich ab vom Schmaus.
*—dulcia barbare Laedentem oscula, quae Venus Quincta parte sui Nectaris imbuit.
**-in me tota ruens Venus Cyprum deseruit.
An den Wein
Wein, wenn ich dich itzo trinke,Wenn ich dich als Jüngling trinke,Sollst du mich in allen SachenDreist und klug, beherzt und weise,Mir zum Nutz, und dir zum Preise,Kurz, zu einem Alten machen.
Wein, werd ich dich künftig trinken,Werd ich dich als Alter trinken,Sollst du mich geneigt zum Lachen,Unbesorgt für Tod und Lügen,Dir zum Ruhm, mir zum Vergnügen,Kurz, zu einem Jüngling machen.
An die J. L***
Natürlichs Ebenbild der Liebe!Nimm hier dein künstlich Ebenbild;Das, wenn man dich auch drüber schriebe,Doch seines Meisters Schwäche schilt.Dem Maler laß es nicht entgelten,Wenn dir dies Bild zu wenig gleicht:Nur auf das Urbild mußt du schelten,Wenn dich sein Pinsel nicht erreicht.Dich, ähnlichstes von allen Bildern,Hat die Natur hervorgebracht:Jedoch wie kann ein Künstler schildern,Was die Natur vollkommen macht?
An die Kunstrichter
Schweigt, unberauschte, finstre Richter!Ich trinke Wein, und bin ein Dichter.Tut mir es nach, und trinket Wein,So seht ihr meine Schönheit ein.Sonst wahrlich, unberauschte Richter,Sonst wahrlich seht ihr sie nicht ein!
An die Leier
Töne, frohe Leier,Töne Lust und Wein!Töne, sanfte Leier,Töne Liebe drein!
Wilde Krieger singen,Haß und Rach und BlutIn die Laute singen,Ist nicht Lust, ist Wut.
Zwar der HeldensängerSammelt Lorbeern ein;Ihn verehrt man länger;Lebt er länger? Nein.
Er vergräbt im LebenSich in Tiefsinn ein:Um erst dann zu leben,Wann er Staub wird sein.
Lobt sein göttlich Feuer,Zeit und Afterzeit!Und an meiner LeierLobt die Fröhlichkeit.
An die Schwalbe
Die 12te Ode Anakreons.
Schwatzhafteste der Schwalben, sprich,Was tu ich dir? wie straf ich dich?Soll ich dich um die SchwingenMit meiner Schere bringen?Soll ich, zu deiner Pein,Ein andrer Tereus sein?Und willst du gern der Progne gleichen?Mußt du, zu frühe Schwätzerin,Mußt du von meiner SchäferinMir meinen schönen Traum verscheuchen?
An eine kleine Schöne
Kleine Schöne, küsse mich.Kleine Schöne, schämst du dich?Küsse geben, Küsse nehmen,Darf dich itzo nicht beschämen.Küsse mich noch hundertmal!Küß und merk der Küsse Zahl.Ich will dir, bei meinem Leben!Alle zehnfach wiedergeben,Wenn der Kuß kein Scherz mehr ist,Und du zehn Jahr älter bist.
Antwort eines trunknen Dichters
Ein trunkner Dichter leerteSein Glas auf jeden Zug;Ihn warnte sein Gefährte:Hör auf! du hast genug.Bereit vom Stuhl zu sinken,Sprach der: Du bist nicht klug;Zu viel kann man wohl trinken,Doch nie trinkt man genug.
Auf sich selbst
Ich habe nicht stets Lust zu lesen.Ich habe nicht stets Lust zu schreiben.Ich habe nicht stets Lust zu denken;Kurzum, nicht immer zu studieren.
Doch hab ich allzeit Lust zu scherzen.Doch hab ich allzeit Lust zu lieben.Doch hab ich allzeit Lust zu trinken;Kurz, allezeit vergnügt zu leben.
Verdenkt ihr mirs, ihr sauern Alten?Ihr habt ja allzeit Lust zu geizen;Ihr habt ja allzeit Lust zu lehren;Ihr habt ja allzeit Lust zu tadeln.
Was ihr tut, ist des Alters Folge.Was ich tu, will die Jugend haben.Ich gönn euch eure Lust von Herzen.Wollt ihr mir nicht die meine gönnen?
Das Alter
Nach der 11ten Ode Anakreons.
Euch, lose Mädchen, hör ich sagen:"Du bist ja alt, Anakreon.Sieh her! du kannst den Spiegel fragen,Sieh, deine Haare schwinden schon;Und von den trocknen WangenIst Blüt und Reiz entflohn."—Wahrhaftig! ob die WangenNoch mit dem Lenze prangen,Wie, oder ob den WangenDer kurze Lenz vergangen,Das weiß ich nicht; doch was ich weiß,Will ich euch sagen: daß ein Greis,Sein bißchen Zeit noch zu genießen,Ein doppelt Recht hat, euch zu küssen.
Das Bild an Hrn. H.
Das, Maler, ist dein Meisterstücke!Ja, H**, ja; an Anmut reich,Sieht dies Kind meinem Kinde gleich.Das ist sein Haar; dies seine Blicke;Das ist sein Mund; das ist sein Kinn.
O Freund, o laß dichs nicht verdrüssen,Und sieh auf jene Seite hin:Ich muß, ich muß das Bildchen küssen.Wie zärtlich nimmts den Kuß nicht an:Nur schade, daß es ihn nicht wiedergeben kann.
Das Erdbeben
Bruder, Bruder, halte mich!Warum kann ich denn nicht stehen?Warum kannst du denn nicht gehen?Bruder geh, ich führe dich.
Sachte Bruder, stolperst du?Was? Du fällst mir gar zur Erden?Halt! ich muß dein Retter werden.Nu? Ich falle selbst dazu?
Sieh doch Bruder! Siehst du nicht,Wie die lockern Wände schwanken?Sieh, wie Tisch und Flasche wanken!Greif doch zu! das Glas zerbricht!
Himmel, bald, bald werden wirNicht mehr trinken, nicht mehr leben!Fühlst du nicht? des Grunds ErbebenDroht es Bruder mir und dir.
Limas Schicksal bricht herein!Bruder, Bruder, wenn wir sterben,Soll der Wein auch mit verderben?Der auf heut bestimmte Wein?
Nein, die Sünde wag ich nicht.Bruder, wolltest du sie wagen?Nein, in letzten LebenstagenTut man gerne seine Pflicht.
Sieh, dort sinket schon ein Haus!Und hier auch! Nun muß man eilen!Laß uns noch die Flasche teilen!Hurtig! Hurtig! trink doch aus!
Das Leben
Sechs Tage kannt ich sie,Und liebte sie sechs Tage.Am siebenten erblaßte sie,Dem ersten meiner ewgen Klage.Noch leb ich, zauderndes Geschick!Ein pflanzengleiches Leben.O Himmel, ist für den kein Glück,Dem du Gefühl und Herz gegeben!Oh! nimm dem Körper Wärm und Blut,Dem du die Seele schon genommen!Hier, wo ich wein, und wo sie ruht,Hier laß den Tod auf mich herab gebeten kommen!Was hilft es, daß er meine JahreBis zu des Nestors Alter spare?Ich habe, trotz der grauen Haare,Womit ich dann zur Grube fahre,Sechs Tage nur geliebt,Sechs Tage nur gelebt.
Das Paradies
Sein Glück für einen Apfel geben,O Adam, welche Lüsternheit!Statt deiner hätt ich sollen leben,So wär das Paradies noch heut.—
Wie aber, wenn alsdann die TraubeDie Probefrucht gewesen wär?Wie da, mein Freund?—Ei nun, ich glaube—Das Paradies wär auch nicht mehr.
Das Schäferleben
Komm Freund! wir wollen Schäfer werden.Dies stille Volk besitzet nochDie süße Ruh, das Glück der Erden.Was zauderst du? Komm Freund! komm doch!Dort blüht bei aufgeräumten SinnenNoch alte Treu und Redlichkeit,Auch in den schönsten Schäferinnen.Dort, dort ist noch die güldne Zeit.
Wird dir es schwer, die Stadt zu lassen,Wo nichts als falsche Mägdchen sind?Bedenke, Phyllis will mich hassen,Das flatterhafte böse Kind.
Auch Phyllis kann die Treue brechen,Und windet sich aus meiner Hand.Ja, diese Falschheit muß ich rächen.Komm mit! Ich geh ins Schäferland.
Du schwärmst, mein Freund. Laß mich zufrieden.Was geht mich deine Phyllis an.Dem ist ein größer Glück beschieden,Der sich gleich mir betrinken kann.
Wo hast du den Verstand gelassen?Du hast gewiß noch keinen Rausch?Den Wein, den Wein für Milch zu hassen?Den Wein für Milch? Das wär ein Tausch.
Recht Freund! verzeih mir diese Possen.Wie albern denkt und redt man nicht,Wenn man noch keinen Wein genossen,Wenn folglich der Verstand gebricht.
Drum eile, Freund! mir einzuschenken.Trink mir es zu, und mach mich klug.Nun lern ich wieder richtig denken.Nun seh ich meinen Selbstbetrug.
O schade für die falschen Kinder!Laßt sie nur unbeständig sein.Ich lache nun, und bins nicht minder.Den Rat, den Rat gibt mir der Wein.
Nun soll mich Phyllis nicht betrüben,Laßt sie nur unbeständig sein,Von nun an will ich auch so lieben.Den Rat, den Rat gibt mir der Wein.
Das Umwechseln
Der BruderLiebe Schwester, wer ist die?Deine Freundin? darf ich küssen?O wie frei, wie schön ist sie!Liebe Schwester darf ich küssen?
Die SchwesterPfui! Ihr Bruder ist ja hier.Willst du, daß ers sieht, sie küssen?Schäm dich! diesesmal wird dirWohl die Lust vergehen müssen.
Der BruderSchwester, geh zum Bruder hin;Laß dich von dem Bruder küssen;Dann, weil ich dein Bruder bin,Darf ich seine Schwester küssen.
Das aufgehobene Gebot
Elise.Siehst du Wein im Glase blinken,Lerne von mir deine Pflicht:Trinken kannst du, du kannst trinken;Doch betrinke dich nur nicht.
Lysias.Wallt dein Blut von Jugendtrieben,Lerne von mir deine Pflicht:Lieben kannst du, du kannst lieben;Doch verliebe dich nur nicht.
Elise.Bruder! ich mich nicht verlieben?
Lysias.Schwester! ich mich nicht betrinken?
Elise.Wie verlangst du das von mir?
Lysias.Wie verlangst du das von mir?
Elise.Lieber mag ich gar nicht lieben.
Lysias.Lieber mag ich gar nicht trinken.
Beide.Geh nur, ich erlaub es dir.
Der Donner
Es donnert!—Freunde, laßt uns trinken!Der Frevler und der Heuchler HeerMag knechtisch auf die Kniee sinken.Es donnert!—Macht die Gläser leer!Laßt Nüchterne, laßt Weiber zagen!Zeus ist gerecht, er straft das Meer:Sollt er in seinen Nektar schlagen?
Der Faule
Rennt dem scheuen Glücke nach!Freunde, rennt euch alt und schwach!Ich nehm teil an eurer Müh:Die Natur gebietet sie.Ich, damit ich auch was tu,—Seh euch in dem Lehnstuhl zu.
Der Fehler
Angelika ist jung und reich.An Schönheit meiner Phyllis gleich.Ich kann nichts Schöners nennen;Das wissen die, die Phyllis kennen.Sie redet ungezwungen rein;Sie scherzt empfindlich und doch fein;Ihr biegsam redlich Herze fühlt;Sie tanzt, sie singt, sie spielt.Wenn meine Phyllis untreu wird—O werde sie es nie!Wenn sie es aber wird,So lieb ich keine sonst als sie.Doch—hab ichs auch bedacht?Nein, einen Fehler treff ich an,Der alles nichtig macht.Sie liebet ihren Mann.
Der Fehler der Natur an Hr. M.
Freund! du erforschest die Natur.Sprich! Ists nicht wahr, sie spielt nicht nur,Sie fehlt auch oft in ihren Werken.Ja, ja sie fehlt. Oft in der EilVersetzt sie dies und jenes Teil.Ich selbst kann meinen Satz bestärken.Denn hätt sich ihre Götterhand,Als sie mich baute, nicht verloren;So wär ich an der Mosel Strand,Wo nicht doch in Burgund geboren.O Mosler, o Burgunderwein,Ich, ich sollt euer Landsmann sein!
Der Flor
O Reize voll Verderben!Wir sehen euch, und sterben.O Augen, unser Grab!O Chloris, darf ich flehen?Dich sicher anzusehen,Laß erst den Flor herab!
Der Genuß
So bringst du mich um meine Liebe,Unseliger Genuß? Betrübter Tag für mich!Sie zu verlieren,—meine Liebe,—Sie zu verlieren, wünscht ich dich?Nimm sie, den Wunsch so mancher Lieder,Nimm sie zurück, die kurze Lust!Nimm sie, und gib der öden Brust,Der ewig öden Brust, die beßre Liebe wieder!
Der Geschmack der Alten
Ob wir, wir Neuern, vor den AltenDen Vorzug des Geschmacks erhalten,Was lest ihr darum vieles nach,Was der und jener Franze sprach?Die Franzen sind die Leute nicht,Aus welchen ein Orakel spricht.
Ich will ein neues Urteil wagen.Geschmack und Witz, es frei zu sagen,War bei den Alten allgemein.Warum? sie tranken alle Wein.Doch ihr Geschmack war noch nicht fein;Warum? sie mischten Wasser drein.
Der Handel
Des wuchernden Tumultes satt,Freund, fliehst du aus der vollen Stadt?Flieh nur allein; ich bleib zurücke,Die Messe wag ich noch mein Glücke.Nun handl ich auch: doch soll alleinMein Handel mit den Schönen sein.
Itzt, Mägdchens, ist mir alles feil,Mein Vater—und mein Mutterteil,Haus, Bücher, Garten, Wald und Felder.Kommt nur, und bringt die rechten Gelder!Kommt nur und fangt den Handel an;Glaubt, daß ich euch nicht trügen kann.
Ihr kommt?Wie teuer ist dein Feld?Mein Feld verkauf ich nicht für Geld. Dir, Mägdchen, biet ichs hundert Küsse.Und deinen Wald?Zweihundert Küsse.Und dieses Buch?Für einen Kuß.Und dieses Lied?Für einen Kuß.
Wenn ich mit Schönen handeln muß,Gilt alles bei mir einen Kuß.Denn Küsse sind die besten Gelder.Nicht nur Haus, Garten, Wald und Felder;Mein Vater—und mein Mutterteil,Ich selber bin für Küsse feil!
Der Irrtum
Den Hund im Arm, mit bloßen Brüsten,Sah Lotte frech herab.Wie mancher ließ sichs nicht gelüsten,Daß er ihr Blicke gab.
Ich kam gedankenvoll gegangen,Und sahe steif heran.Ha! denkt sie, der ist auch gefangen,Und lacht mich schalkhaft an.
Allein, gesagt zur guten Stunde,Die Jungfer irrt sich hier.Ich sah nach ihrem bunten Hunde:Es ist ein artig Tier.
Der Regen
Der Regen hält noch immer an!So klagt der arme Bauersmann;Doch eher stimm ich nicht mit ein,Es regne denn in meinen Wein.
Der Schiffbruch
"Gewagt! Freund, komm mit mir aufs Meer!Das Trinken macht den Beutel leer,Drum hol ich mir in fernen Landen,Die unsre Väter niemals fanden,Gold, Silber, Berlen, Edelstein;Und folglich Wein."
Nein Freund! nein Freund, dies wag ich nicht.Gesetzt, daß unser Schiff zerbricht,So müssen wir ins Wasser sinken,Und Wasser wohl gezwungen trinken.Und Wasser, Wasser schmecket schlecht.Hab ich nicht recht?
Ja, wär im Meere lauter Wein,So gäng ich, Freund, die Schiffahrt ein.O Freund! o Freund, mit FreudenWollt ich gar Schiffbruch leiden.Doch dies ist nicht. Drum bleibe hier.Man borget dir.
Der Schlaf
Ich trinke bis um Mitternacht.Wenn neben mir der Geizhals wacht,Und mit bekümmertem VerlangenForscht, ob dem Schatze nichts entgangen?Da trink ich noch, und freue mich,Und trinkend Bacchus lob ich dich.Da flieht der Durst! da flieht der Kummer!Doch wärst du nicht, du süßer Schlummer,Wenn sollt ich wieder durstig werden?Und würd ich nicht mehr durstig sein,So tränk ich ja auch nicht mehr Wein.O Schlaf, welch Gut bist du der Erden!
Der Sommer
Brüder! lobt die Sommerszeit!Ja, dich, Sommer, will ich loben!Wer nur deine Munterkeit,Deine bunte Pracht erhoben,Dem ist wahrlich, dem ist nur,Nur dein halbes Lob gelungen,Hätt er auch, wie Brocks, gesungen,Brocks, der Liebling der Natur.
Hör ein größer Lob von mir,Sommer! ohne stolz zu werden.Brennst du mich, so dank ichs dir,Daß ich bei des Strahls Beschwerden,Bei der durstgen Mattigkeit,Lechzend nach dem Weine frage,Und gekühlt den Brüdern sage:Brüder! lobt die durstge Zeit!
Der Sonderling
Sobald der Mensch sich kennt,Sieht er, er sei ein Narr;Und gleichwohl zürnt der Narr,Wenn man ihn also nennt.
Sobald der Mensch sich kennt,Sieht er, er sei nicht klug;Doch ists ihm lieb genug,Wenn man ihn weise nennt.
Ein jeder, der mich kennt,Spricht: Welcher Sonderling!Nur diesem istseinDing,Wie ihn die Welt auch nennt.
Der Tabak
Dich, Tabak, lobt der Medikus,Weil uns dein fleißiger GenußAn Zahn und Augen wohl kurieret,Und Schleim und Kolster von uns führet.
Dich lobet der Philosophus,Wenn er scharf meditieren muß;Weil er, so lang er dich genießet,Des Geistes Flatterkeit vermisset.
Dich lobet der TheologusDurch einen homiletschen Schluß,Wenn er in deinem Rauch entzücketEin Bild der Eitelkeit erblicket.
Ich lob an dir als ein Jurist,Was rechtens an dir löblich ist;Daß, wenigstens wie mir es dünket,Man mehr und öfter bei dir trinket.
Der Tausch an Hr. W.
Ein Mägdchen, das Verstand und GeistGemeiner Schönen Zahl entreißt,Ein Mägdchen, das bei Büchern schwitzet,Wenn Phyllis vor dem Spiegel sitzet,Das ihrer Seelen Schönheit bessert,Wenn die die leibliche vergrößert,Das gründlich denkt und gründlich scherzt,Platonisch liebt, platonisch herzt:Freund, so ein Mägdchen ist für dich,Und nicht für mich.
Ein Mägdchen, dessen zärtlich BildMit Zärtlichkeit die Herzen füllt,Ein Mägdchen mit beredten Blicken,Mit Füßen, die versteckt entzücken,Mit Händen, die liebkosend schlagen,Und drückend, dich nur lieb ich, sagen,Mit schwarzem Haar, mit voller Brust,Gemacht zu dauerhafter Lust:Freund, so ein Mägdchen ist für mich,Und nicht für dich.
Das Glück ist ungerecht und blind;Wenn nicht die Dichter Lügner sind.Wie oft hat es mit deinem Hoffen,Wie oft mit meinem eingetroffen?Wie wenn es, dich und mich zu kränken,Dir mein, und mir dein Kind wird schenken?O Freund, was soll die Rache sein?Der Tausch, o Freund, der Tausch allein.Doch gibst du, geb ich meine dir,Auch deine mir?
Der Tod
Gestern, Brüder, könnt ihrs glauben?Gestern bei dem Saft der Trauben,(Bildet euch mein Schrecken ein!)Kam der Tod zu mir herein.
Drohend schwang er seine Hippe,Drohend sprach das Furchtgerippe:Fort, du teurer Bacchusknecht!Fort, du hast genug gezecht!
Lieber Tod, sprach ich mit Tränen,Solltest du nach mir dich sehnen?Sieh, da stehet Wein für dich!Lieber Tod verschone mich!
Lächelnd greift er nach dem Glase;Lächelnd macht ers auf der Base,Auf der Pest, Gesundheit leer;Lächelnd setzt ers wieder her.
Fröhlich glaub ich mich befreiet,Als er schnell sein Drohn erneuet.Narre, für dein Gläschen WeinDenkst du, spricht er, los zu sein?
Tod, bat ich, ich möcht auf ErdenGern ein Mediziner werden.Laß mich: ich verspreche dirMeine Kranken halb dafür.
Gut, wenn das ist, magst du leben:Ruft er. Nur sei mir ergeben.Lebe, bis du satt geküßt,Und des Trinkens müde bist.
Oh! wie schön klingt dies den Ohren!Tod, du hast mich neu geboren.Dieses Glas voll Rebensaft,Tod, auf gute Brüderschaft!
Ewig muß ich also leben,Ewig! denn beim Gott der Reben!Ewig soll mich Lieb und Wein,Ewig Wein und Lieb erfreun!
Der Verlust
Alles ging für mich verloren,Als ich Sylvien verlor.Du nur gingst nicht mit verloren,Liebe, da ich sie verlor!
Der Vetter und die Muhme
O fluche, Freund, nicht alles WetterAuf deinen eigensinngen Vetter.Schmält er manchmal; so laß es sein.Er hat ja guten Wein.
Auch fluche nicht der alten Muhme.Man muß ihr Brummen, sich zum Ruhme,Mit stiller Sanftmut übergehn.Die Tochter ist ja schön.
Der Wunsch
Wenn ich, Augenlust zu finden,Unter schatticht kühlen LindenSchielend auf und nieder gehe,Und ein häßlich Mädchen sehe,Wünsch ich plötzlich blind zu sein.
Wenn ich, Augenlust zu finden,Unter schatticht kühlen LindenSchielend auf und nieder gehe,Und ein schönes Mädchen sehe,Möcht ich lauter Auge sein.
Der alte und der junge Wein
Ihr Alten trinkt, euch jung und froh zu trinken:Drum mag der junge WeinFür euch, ihr Alten, sein.
Der Jüngling trinkt, sich alt und klug zu trinken:Drum muß der alte WeinFür mich, den Jüngling, sein.
Der bescheidene Wunsch
Der Pfennig, den man andachtsvollDem Priester beichtend geben soll,Gilt mehr als im gemeinen LebenEin Pfennig, den wir Iro geben.Die Klügsten müssen durch DukatenDen Sinn des kleinen Worts erraten.Man nehm es nicht buchstäblich an,Der Buchstab bringet Tod und Bann.
"Ach! schenkte mir mein lieber GottNur einst mein liebes bißchen Brot;Ich wollte mich begnügen lassenUnd keinen Reichen neidisch hassen."Oh, das ist Staxen leicht zu sagen,Doch, wollt ihr eine Wette wagen,Stax schließet Fische, Braten, WeinMit in den Wunsch des Brotes ein.
O Liebste! machet dir mein MundDen heißen Wunsch nach Küssen kund,So wisse, daß ich mehr begehretAls dir mein scheuer Mund erkläret.Ein Kuß bei mir ist—Soll ichs sagen?Doch still! Du willst mich heimlich fragen.Komm! jener Lustwald ruft dir zu:O Mägdchen! was du tun willst, tu!
Der größte Mann
Laßt uns den Priester Orgon fragen:Wer ist der größte Mann?Mit stolzen Mienen wird er sagen.Wer sich zum kleinsten machen kann.
Laßt uns den Dichter Kriton hören:Wer ist der größte Mann?Er wird es uns in Versen schwören:Wer ohne Mühe reimen kann.
Laßt uns den Hofmann Damis fragen:Wer ist der größte Mann?Er bückt sich lächelnd; das will sagen:Wer lächeln und sich bücken kann.
Wollt ihr vom Philosophen wissen,Wer ist der größte Mann?Aus dunkeln Reden müßt ihr schließen:Wer ihn verstehn und grübeln kann.
Was darf ich jeden Toren fragen:Wer ist der größte Mann?Ihr seht, die Toren alle sagen:Wer mir am nächsten kommen kann.
Wollt ihr den klügsten Toren fragen:Wer ist der größte Mann?So fraget mich; ich will euch sagen:Wer trunken sie verlachen kann.
Der müßige Pöbel
Um einen Arzt und seine BühneStand mit erstaunungsvoller MieneDie leicht betrogne MengeIn lobendem Gedränge.Ein weiser Trinker ging vorbei,Und schriee: welche Polizei!So müßig hier zu stehen?Kann nicht das Volk zu Weine gehen?
Der neue Welt-Bau
Der Wein, der Wein macht nicht nur froh,Er macht auch zum Astronomo.Ihr kennt doch wohl den großen Geist,Nach dem der wahre Welt-Bau heißt?Von diesem hab ich einst gelesen,Daß er beim Weine gleich gewesen,Als er der Sonne Stillestand,Die alte neue Wahrheit fand.
Der Wein, der Wein macht nicht nur froh,Er macht auch zum Astronomo.Hört! hört, ihr Sternenfahrer, hört,Was mir der Wein, der Wein gelehrt!So kann der Wein den Witz verstärken!Wir laufen selbst, ohn es zu merken,Von Osten täglich gegen West!Die Sonne ruht. Die Welt steht fest!
Der philosophische Trinker
Mein Freund, der Narr vom philosophschen Orden,Hat sich bekehrt, und ist ein Trinker worden.Er zecht mit mir und meinen Brüdern,Und fühlet schon in unsern LiedernMehr Weisheit, Witz und Kraft,Als Jacob Böhm und Newton schafft.Doch bringt er seine spitzgen Fragen,Die minder als sie sagen, sagen,Noch dann und wann hervor,Und plagt mit Schlüssen unser Ohr.Jüngst fragt er mich am vollen Tische,Warum wohl in der Welt der Fische,In Flüssen und im Meer,Nicht Wein statt Wassers wär?Ohn Ursach, sprach er, kann nichts sein.Die Antwort fiel mir schwer;Ich dachte hin und her,Doch endlich fiel mirs ein."Die Ursach ist leicht zu erdenken",Sprach ich mit aufgestemmtem Arm.Und welche? schrie der ganze Schwarm."Damit, wenn Esel davon tränken,Die Esel, nur verdammt zu Bürden,Nicht klüger als die Menschen würden."Die Antwort, schrie man, läßt sich hören.Drum trinket eins der Weltweisheit zu Ehren!
Der schwörende Liebhaber
Ich schwör es dir, o Laura, dich zu hassen;Gerechten Haß schwör ich dir zu.Ich schwör es allen Schönen, sie zu hassen;Weil alle treulos sind, wie du.Ich schwör es dir, vor Amors Ohren,Daß ich—ach! daß ich falsch geschworen.
Der trunkne Dichter lobt den Wein
Mit Ehren, Wein, von dir bemeistert,Und deinem flüßgen Feur begeistert,Stimm ich zum Danke, wenn ich kann,Ein dir geheiligt Loblied an.
Doch wie? in was für kühnen WeisenWerd ich, o Göttertrank, dich preisen?Dein Ruhm, hör ihn summarisch an,Ist, daß ich ihn nicht singen kann.
Die 47ste Ode Anakreons
Alter tanze! Wenn du tanzest,Alter, so gefällst du mir!Jüngling, tanze! Wenn du tanzest,Jüngling, so gefällst du mir.
Alter, tanze, trotz den Jahren!Welche Freude, wenn es heißt:Alter, du bist alt an Haaren,Blühend aber ist dein Geist!
Nachahmung dieser Ode
Jüngling, lebst du nicht in Freuden,Jüngling, o so haß ich dich!Alter, lebst du nicht in Freuden,Alter, o so haß ich dich!
Jüngling, trauerst du in Jahren,Wo die Pflicht sich freuen heißt?—Schäme dich! so frisch an Haaren,Jüngling, und so schwach an Geist!
Die Abwechslung
Ich trinke nicht stets einen Wein.Das möchte mir zu ekel sein.Wein aus Burgund, Wein von der Mosel Strande,Einheimschen Wein, Wein aus dem Frankenlande,Die wechsl ich täglich mit Bedacht,Weil Wechseln alles süßer macht.
Und mich soll nur ein artig Kind,Wenn mehrere zu finden sind,Durch süßen Zwang gepriesner Liebe binden?Oh, dies zählt ich mit unter meine Sünden.Nein, nein, ich folge meinem Brauch,Mit artgen Kindern wechsl ich auch.
Die Antwort
Der Nachbarin ClimeneSchrieb ich von Lieb und Glut.Die christlich holde SchöneWar allen Menschen gut.Sie hat den Brief bekommen,Voll Sehnsucht angenommen,Geküßt und aufgemacht,Gelesen und gelacht.Ach Gott, das gute Kind!
Sie wird wohl wieder schreiben?Nein; schreiben kann sie nicht.Nur sich die Zeit vertreiben,Ist ihre Kunst und Pflicht.Doch ohne Trost mich lassen,Hieß meine Liebe hassen;Drum kömmt sie selbst zu mir,Durch unsre Hintertür.Ach, gar zu gutes Kind!
Die Beredsamkeit
Freunde, Wasser machet stumm:Lernet dieses an den Fischen.Doch beim Weine kehrt sichs um:Dieses lernt an unsern Tischen.Was für Redner sind wir nicht,Wenn der Rheinwein aus uns spricht!Wir ermahnen, streiten, lehren;Keiner will den andern hören.
Die Betrübnis
Der Dichter und sein Freund.
Der Freund.Freund! welches Unglück, welche ReueMacht dir so bittern Schmerz?
Der Dichter.Ach Freund! sie flieht, die Ungetreue!Und sie besaß mein Herz.
Der Freund.Um eine Falsche dich betrüben?Du bist ja klug genug.
Der Dichter.O schweig! das heißt nicht lieben,Läßt uns die Liebe klug.
Die Biene
Als Amor in den goldnen ZeitenVerliebt in SchäferlustbarkeitenAuf bunten Blumenfeldern lief,Da stach den kleinsten von den GötternEin Bienchen, das in Rosenblättern,Wo es sonst Honig holte, schlief.
Durch diesen Stich ward Amor klüger.Der unerschöpfliche BetrügerSann einer neuen Kriegslist nach:Er lauscht in Rosen und Violen;Und kam ein Mädchen sie zu holen,Flog er als Bien heraus, und stach.
Die Diebin
(1745)
Du Diebin mit der Rosenwange,Du mit den blauen Augen da!Dich mein ich!—wird dir noch nicht bange?Gesteh nur, was ich fühlt und sah!
Du schweigst? Doch deine RosenwangeGlüht schuldig, röter, als vorhin,O Diebin mit der Rosenwange,Wo ist mein Herz, wo kam es hin?
Die Einwohner des Mondes
Die Mägdchen die in sechzehn JahrenNoch nicht das leckre Glück erfahren,Wozu sie ihre Mütter sparen;Das Stutzerchen, das was gelernt;Das Weib, das nie sich aus den SchrankenDer ehelichen Pflicht entfernt,Und um den Mann die Welt vergißt;Der Bettler, der bei dem BedankenSo höflich wie beim Bitten ist;Der Dichter, welcher nie gelogen,Dem stets der Reim, und niemals er,Dem lieben Reime nachgezogen;Der Pfaffe, der stolz auf sein Amt,Um Kleinigkeiten nicht verdammt,Und weiß durch Taten zu ermahnen;Der Edle, der von seinen AhnenIn unzertrennter Ordnung stammt,Ohn daß ein wackrer BauerknechtNicht oft das Heldenblut geschwächt;Ein Arzt, der keinen tot gemacht;Der Krieger, der mehr kämpft als fluchet;Der Hagestolz, der in der Nacht,Was er am Tage flieht, nicht suchet;Das fromme Weib, das nie geschmält;Der reiche Greis, dem nichts gefehlt;Und hundert andre schöne Sachen,Die unsern Zeiten Ehre machen:Wo trifft man die?—Vielleicht im Mond,Wo jedes Hirngespinste wohnt.
Die Ente
Ente, wahres Bild von mir,Wahres Bild von meinen Brüdern!Ente, jetzo schenk ich dirAuch ein Lied von meinen Liedern.
Oft und oft muß dich der NeidZechend auf dem Teiche sehen.Oft sieht er aus TrunkenheitTaumelnd dich in Pfützen gehen.
Auch ein Tier—o das ist viel!Hält den Satz für wahr und süße,Daß, wer glücklich leben will,Fein das Trinken lieben müsse.
Ente, ists nicht die Natur,Die dich stets zum Teiche treibet?Ja, sie ists; drum folg ihr nur.Trinke, bis nichts übrig bleibet.
Ja, du trinkst und singst dazu.Neider nennen es zwar schnadern;Aber, Ente, ich und duWollen nicht um Worte hadern.
Wem mein Singen nicht gefällt,Mag es immer Schnadern nennen.Will uns nur die neidsche WeltAls versuchte Trinker kennen.
Aber, wie bedaur ich dich,Daß du nur mußt Wasser trinken.Und wie glücklich schätz ich mich,Wenn mir Weine dafür blinken.
Armes Tier, ergib dich drein.Laß dich nicht den Neid verführen.Denn des Weins Gebrauch alleinUnterscheidet uns von Tieren.
In der Welt muß Ordnung sein.Menschen sind von edlern Gaben.Du trinkst Wasser, und ich Wein:So will es die Ordnung haben.
Die Faulheit
Fleiß und Arbeit lob ich nicht.Fleiß und Arbeit lob ein Bauer.Ja, der Bauer selber spricht,Fleiß und Arbeit wird ihm sauer.Faul zu sein, sei meine Pflicht;Diese Pflicht ermüdet nicht.
Bruder, laß das Buch voll Staub.Willst du länger mit ihm wachen?Morgen bist du selber Staub!Laß uns faul in allen Sachen,Nur nicht faul zu Lieb und Wein,Nur nicht faul zur Faulheit sein.
Die Gespenster
Der AlteO Jüngling! sei so ruchlos nicht,Und leugne die Gespenster.Ich selbst sah eins beim MondenlichtAus meinem Kammerfenster,Das saß auf einem Leichenstein:Drum müssen wohl Gespenster sein.
Der JünglingIch wende nichts dawider ein;Es müssen wohl Gespenster sein.
Der AlteAls meiner Schwester Sohn verschied,(Das sind nunmehr zehn Jahre!)Sah seine Magd, die trefflich sieht,Des Abends eine Bahre,Und oben drauf ein Totenbein:Drum müssen wohl Gespenster sein.
Der JünglingIch wende nichts dawider ein;Es müssen wohl Gespenster sein.
Der AlteUnd als mein Freund im Treffen blieb,Das Frankreich jüngst verloren,Hört seine Frau, wie sie mir schrieb,Mit ihren eignen OhrenZu Mitternacht drei Eulen schrein:Drum müssen wohl Gespenster sein.
Der JünglingIch wende nichts dawider ein;Es müssen wohl Gespenster sein.
Der AlteIn meinem Keller selbst gehts um.Ich hör oft ein Gesause;Doch werden die Gespenster stumm,Ist nur mein Sohn zu Hause.Denk nur, sie saufen meinen Wein:Das müssen wohl Gespenster sein.
Der JünglingIch wende nichts dawider ein;Doch wünscht ich eins davon zu sein.
Der AlteAuch weiß ich nicht, was manche NachtIn meiner Tochter KammerSein Wesen hat, bald seufzt, bald lacht;Oft bringt mirs Angst und Jammer.Ich weiß das Mädchen schläft allein;Drum müssen es Gespenster sein.
Der JünglingIch wende nichts dawider ein;Doch wünscht ich ihr Gespenst zu sein.
Die Gewißheit
Ob ich morgen leben werde,Weiß ich freilich nicht:Aber, wenn ich morgen lebe,Daß ich morgen trinken werde,Weiß ich ganz gewiß.
Die Haushaltung
Zankst du schon wieder? sprach Hans LauZu seiner lieben Ehefrau."Versoffner, unverschämter Mann"—Geduld, mein Kind, ich zieh mich an—"Wo nun schon wieder hin?" Zu Weine.Zank du alleine.
"Du gehst?—Verdammtes Kaffeehaus!Ja! blieb er nur die Nacht nicht aus.Gott! ich soll so verlassen sein?—Wer pocht?—Herr Nachbar?—nur herein!Mein böser Teufel ist zu Weine:Wir sind alleine."
Die Küsse
Der Neid, o Kind,Zählt unsre Küsse:Drum küß geschwindEin Tausend Küsse;Geschwind du mich,Geschwind ich dich!Geschwind, geschwind,O Laura, küsseManch Tausend Küsse:Damit er sichVerzählen müsse.
Die Küsse
Ein Küßchen, das ein Kind mir schenket,Das mit dem Küssen nur noch spielt,Und bei dem Küssen noch nichts denket,Das ist ein Kuß, den man nicht fühlt.
Ein Kuß, den mir ein Freund verehret,Das ist ein Gruß, der eigentlichZum wahren Küssen nicht gehöret:Aus kalter Mode küßt er mich.
Ein Kuß, den mir mein Vater giebet,Ein wohlgemeinter Segenskuß,Wenn er sein Söhnchen lobt und liebet,Ist etwas, das ich ehren muß.
Ein Kuß von meiner Schwester LiebeSteht mir als Kuß nur so weit an,Als ich dabei mit heißerm TriebeAn andre Mädchen denken kann.
Ein Kuß, den Lesbia mir reichet,Den kein Verräter sehen muß,Und der dem Kuß der Tauben gleichet:Ja, so ein Kuß, das ist ein Kuß.
Die Kunstrichter und der Dichter
Die KunstrichterIhr Dichter! seid des Stoffes voll,Den eure Muse singen soll:Alsdann gerät das Lied euch wohl.
Der DichterWohl! wohl! ihr Herren Richter, wohl!Seht her! ich bin des Stoffes voll,Den meine Muse singen soll;Ich bin, ich bin des Weines voll:Und doch gerät kein Lied mir wohl.
Die KunstrichterDu bist des Stoffes allzu voll,Den deine Muse singen soll:Darum gerät kein Lied dir wohl.
Die Liebe
Ohne LiebeLebe, wer da kann.Wenn er auch ein Mensch schon bliebe,Bleibt er doch kein Mann.
Süße Liebe,Mach mein Leben süß!Stille nie die regen TriebeSonder Hindernis.
Schmachten lassenSei der Schönen Pflicht!Nur uns ewig schmachten lassen,Dieses sei sie nicht.
Die Musik
Ein Orpheus spielte; rings um ihn,Mit lauschendem GedrängeStand die erstaunte Menge,Durchs Ohr die Wollust einzuziehn.Ein Trinker kam von ungefähr,Und taumelte den Weg daher.Schnell faßt' er sich, blieb horchend stehn,Und ward entzückt, und schriee: Schön!So schön, als wenn bei meinem wackern WirteDas helle Paßglas klirrte!
Die Mutter
Strenge Phyllis dich zu küssen,Dich ein einzigmal zu küssen,Hab ich dich nicht bitten müssen!Und doch darf ich dich nicht küssen.Sagst du? "Meine Mutter spricht:Phyllis, Tochter küsse nicht!"Ist es so was Böses, küssen?Liegt kein Trieb dazu im Blut?Doch—weg mit den schweren Schlüssen!Laß sie warnen! kurz und gut;Was geht der die Mutter an,Die selbst Mutter werden kann?
Die Namen
Ich fragte meine Schöne:Wie soll mein Lied dich nennen?Soll dich als Dorimene,Als Galathee, als Chloris,Als Lesbia, als Doris,Die Welt der Enkel kennen?
Ach! Namen sind nur Töne:Sprach meine holde Schöne.Wähl selbst. Du kannst mich Doris,Und Galathee und Chloris,Und—wie du willst mich nennen;Nur nenne mich die Deine.
Die Planetenbewohner
Mit süßen Grillen sich ergötzen,Einwohner in Planeten setzen,Eh man aus sichern Gründen schließt,Daß Wein in den Planeten ist:Das heißt zu früh bevölkern.
Freund, bringe nur zuerst aufs reine,Daß in den neuen Welten Weine,Wie in der, die wir kennen, sind:Und glaube mir, dann kann ein KindAuf seine Trinker schließen.
Die Planetenbewohner
Mit süßen Grillen sich ergötzen,Einwohner in Planeten setzen,Eh man aus sichern Gründen schließt,Daß Wein in den Planeten ist:Das heißt zu früh bevölkern.
Freund, bringe nur zuerst aufs reine,Daß in den neuen Welten Weine,Wie in der, die wir kennen, sind:Und glaube mir, dann kann ein KindAuf seine Trinker schließen.
Die Redlichkeit
So weit sich läßt die Welt durchwandern,Klagt ein verlarvter Schelm dem andernDie selbstverschuldte SeltenheitDer nie geübten Redlichkeit.
Und doch flucht ihre Lust zum Schätzen—Da seht die Torheit ihrer Herzen!Seht, klagen sie nicht bloß zum Schein?Doch fluchen sie auf dich, o Wein!
So klagen, und dem Trinken fluchen,Heißt Zwecke sonder Mittel suchen.Nun, Brüder, red ich nicht gelehrt?Wie man es kaum von Wolfen hört.
Wer hat die Redlichkeit erhobenOhn unsre Väter mit zu loben?Ja, ja, die trunken wacker Wein,Wie konnten sie nicht redlich sein?
Drum, Brüder, bleibet euern Ahnen,Die euch, so oft euch durstt, ermahnen,An Treu und Trunke kindlich gleich.Trinkt redlich aus und küsset euch!
Die Schöne von hinten
Sieh Freund! sieh da! was geht doch immerDort für ein reizend Frauenzimmer?Der neuen Tracht Vollkommenheit,Der engen Schritte Nettigkeit,Die bei der kleinsten Hindrung stocken,Der weiße Hals voll schwarzer Locken,Der wohlgewachsne schlanke Leib,Verrät ein junges artges Weib.
Komm Freund! komm, laß uns schneller gehen,Damit wir sie von vorne sehen.Es muß, triegt nicht der hintre Schein,Die Venus oder Phyllis sein.Komm, eile doch!—O welches Glücke!Jetzt sieht sie ungefähr zurücke.Was wars, das mich entzückt gemacht?Ein altes Weib in junger Tracht.
Die Sparsamkeit
Von nun an muß ich sparsam werden.Warum denn das? Der Wein schlägt auf.So gehts, das Beste dieser ErdenErhält man nur durch teuren Kauf.
Wer pocht? Ei der verwünschte SchneiderMacht mich fast durch sein Mahnen toll.Da seht die Menschenliebe! leider,Daß man doch stets bezahlen soll.
"Beliebet morgen einzusprechen.Die Wechsel laufen später ein."Er geht? Geh! geh! nun kann ich zechen.Seht! seht! so muß man sparsam sein.
Die Stärke des Weins
Wein ist stärker als das Wasser:Dies gestehn auch seine Hasser.Wasser reißt wohl Eichen um,Und hat Häuser umgerissen:Und ihr wundert euch darum,Daß der Wein mich umgerissen?
Die Türken
Die Türken haben schöne Töchter,Und diese scharfe Keuschheitswächter;Wer will kann mehr als eine frein:Ich möchte schon ein Türke sein.
Wie wollt ich mich der Lieb ergeben!Wie wollt ich liebend ruhig leben,Und—doch sie trinken keinen Wein;Nein, nein, ich mag kein Türke sein.
Die Versteinerung
Holz und BeineWerden SteineDurch des Wassers Kraft.Werden Holz und BeineDurch des Wassers Kraft,Werden die zu Steine:Sagt, ihr Wasserfreunde,Sagt, ihr Rebenfeinde,Werden eure HerzenNicht versteinert sein?
Mark und BeineFühlen, Weine,Eures Feuers Kraft.Wenn mein Liebster trinket,Trinkt er Rebensaft,Bis er sich betrinket.Sollt ich ihn nicht lieben?Ja, ich will ihn lieben,Weil sein Herz erhitzet,Nicht versteinert wird.
Die Wetterprophezeiung
Das Wetter ist veränderlich,Veränderlich, wie meine Schönen.Umsonst, o Freund, bemüht man sich,Nach Regeln beide zu gewöhnen.Drum laß dein Wetterprophezein,Wie ich mein treues Lieben, sein.
Doch, kannst du deiner Wissenschaft,Gelehrter Wolkenseher! trauen:Wohl gut! so laß von ihrer KraftMich stracks ein kleines Beispiel schauen.Du sollst—du sollst mir prophezein:Wird heuer ein gut Weinjahr sein?*
* Ja!
Die drei Reiche der Natur
Ich trink, und trinkend fällt mir bei,Warum Naturreich dreifach sei.Die Tier und Menschen trinken, lieben,Ein jegliches nach seinen Trieben:Delphin und Adler, Floh und HundEmpfindet Lieb und netzt den Mund.Was also trinkt und lieben kann,Wird in das erste Reich getan.
Die Pflanze macht das zweite Reich,Dem ersten nicht an Güte gleich:Sie liebet nicht, doch kann sie trinken;Wenn Wolken träufelnd niedersinken,So trinkt die Zeder und der Klee,Der Weinstock und die Aloe.Drum, was nicht liebt, doch trinken kann,Wird in das zweite Reich getan.
Das Steinreich macht das dritte Reich;Und hier sind Sand und Demant gleich:Kein Stein fühlt Durst und zarte Triebe,Er wächset ohne Trunk und Liebe.Drum, was nicht liebt noch trinken kann,Wird in das letzte Reich getan.Denn ohne Lieb und ohne Wein,Sprich, Mensch, was bleibst du noch?—Ein Stein.
Die lügenhafte Phyllis
Mein Damon spricht:Kind, lüge nicht!Sonst werd ich strafen müssen,Und dich zur Strafe küssen.Er droht mir, sieht verdrüßlich aus,Und strafet mich schon im voraus.
Sonst log ich nicht.Nur seit er spricht:Du sollst mir fein mit KüssenDie losen Lügen büßen,Red ich kein wahres Wörtchen mehr.Nun, Schwestern, sagt, wo kömmt das her?
Die lehrende Astronomie
Dank sei dem Schöpfer, der mein HauptAuf hohe feste Schultern baute,Und mir die Pracht zu sehn erlaubt,Die nie ein hängend Tieraug schaute!Hier lern ich mich und ihn erkennen,Und hier mich nichts, ihn alles nennen.Was bin ich? Ich bin groß genung,Bin ich ein Punkt der Welt zu nennen.Mein Wissen ist Verwunderung;Mein Leben leichter Blitze Brennen.Und so ein Nichts, verblendte Toren,Soll sein zum Herrn der Welt geboren?
Der Stolz, der Torheit Eigentum,Verkennt, zu eignem Trost, sich gerne;Die Demut ist des Weisen Ruhm,Und die lernt er bei euch, ihr Sterne!Und wird nur groß, weil er euch kennet,Und euern Gott auch seinen nennet.
Auch wenn sein Unglück ihn den Weg,Den harten Weg der Prüfung führet,Und wenn, auf dem einsamen Steg,Sich Lieb und Freund von ihm verlieret,Lernt er bei euch, durch süße Grillen,Oft allzuwahre Schmerzen stillen.
O Tugend! reizend Hirngedicht,Erdachte Zierde unsrer Seelen!Die Welt, o Tugend, hat dich nicht:Doch wirst du auch den Sternen fehlen?Nein, starbst du gleich bei uns im Abel,Du selbst bist viel zu schön zur Fabel.
Dort seh ich, mit erstauntem Blick,Ein glänzend Heer von neuen Welten;Getrost, vielleicht wird dort das GlückSo viel nicht, als die Tugend, gelten.Vielleicht dort in Orions GrenzenWird, frei vom Wahn, die Wahrheit glänzen!
"Das Übel", schreit der Aberwitz,"Hat unter uns sein Reich gewonnen."Wohl gut, doch ist des Guten SitzIn ungezählten größern Sonnen.Der Dinge Reihen zu erfüllen,Schuf jenes Gott mit Widerwillen.
So, wie den Kenner der NaturAuch Quarz und Eisenstein vergnügen,Nicht Gold- und Silberstufen nurIn Fächern, voller Lücken, liegen:So hat das Übel Gott erlesenDer Welt zur Füllung, nicht zum Wesen.
O nahe dich, erwünschte Zeit,Wo ich, frei von der Last der Erde,In wachsender Glückseligkeit,Einst beßre Welten sehen werde!O Zeit, wo mich entbundne SchwingenVon einem Stern zum andern bringen!
Gedanken! fliehet nur voran!Verirrt euch in den weiten Sphären,Bis ich euch selber folgen kann.Wie lang, Geschick, wird es noch währen!O Lust, hier seh ich schon die Kreise,Die Wege meiner ewgen Reise!
Drum kränkt der blinde Damon sichNur in der Nacht um sein Gesichte.Geruhig, Tag, vermißt er dich,Und deine Eitelkeit im Lichte;Und wünscht sich, von der Weltlust ferne,Ein fühlend Aug nur für die Sterne.
O selge Zeit der stillen Nacht,Wo Neid und Bosheit schlafend liegen,Und nur ein frommes Auge wacht,Und sucht am Himmel sein Vergnügen!Gott sieht die Welt in diesen Stunden,Und spricht, ich hab sie gut gefunden!
Berlin.L.
Die schlafende Laura
Nachlässig hingestreckt,Die Brust mit Flor bedeckt,Der jedem Lüftchen wich,Das säuselnd ihn durchstrich,Ließ unter jenen LindenMein Glück mich Lauren finden.Sie schlief und weit und breitSchlug jede Blum ihr Haupt zur Erden,Aus mißvergnügter Traurigkeit,Von Lauren nicht gesehn zu werden.Sie schlief, und weit und breitErschallten keine Nachtigallen,Aus weiser Furchtsamkeit,Ihr minder zu gefallen,Als ihr der Schlaf gefiel,Als ihr der Traum gefiel,Den sie vielleicht itzt träumte,Von dem, ich hoff' es, träumte,Der staunend bei ihr stand,Und viel zu viel empfand,Um deutlich zu empfinden,Um noch es zu empfinden,Wie viel er da empfand.Ich ließ mich sanfte nieder,Ich segnete, ich küßte sie,Ich segnete, und küßte wieder:Und schnell erwachte sie,Schnell taten sich die Augen auf.Die Augen?—nein, der Himmel tat sich auf.
Die schlimmste Frau
Die Weiber können nichts als plagen.Der Satz sagt viel und ist nicht neu.Doch, Freunde, könnt ihr mir nicht sagen,Welch Weib das schlimmste sei?
Ein Weib, das mit dem Manne scherzetWie ein gebildter Marmorstein,Das ohne Glut und Reiz ihn herzet,Das kann kein gutes sein.
Ein Weib, das wie ein Drache geizet,Und gegen Kind und Magd genau,Den Dieb, mich zu bestehlen reizet,O eine schlimme Frau!
Ein Weib, das gegen alle lachet,In Liebesstreichen frech und schlauUns täglich neue Freunde machet,O eine schlimmre Frau!
Ein Weib, das nichts als bet und singet,Und bei der Kinder ZeitvertreibMit Seufzen ihre Hände ringet,O ein noch schlimmer Weib!
Ein Weib, das stolz aufs Eingebrachte,(Und welche nimmt der Stolz nicht ein?)Den Mann sich gern zum Sklaven machte,Das muß ein Teufel sein!
Ein Weib, das ihrem Manne fluchet,Wenn er Gesellschaft, Spiel und Wein,Wie heimlich sie Liebhaber, suchet,Das muß—ein Weibsbild sein!
Die verschlimmerten Zeiten
Anakreon trank, liebte, scherzte,Anakreon trank, spielte, herzte,Anakreon trank, schlief, und träumteWas sich zu Wein und Liebe reimte:Und hieß mit Recht der Weise.
Wir Brüder trinken, lieben, scherzen,Wir Brüder trinken, spielen, herzen,Wir Brüder trinken, schlafen, träumen,Wozu sich Wein und Liebe reimen:Und heißen nicht die Weisen.
Da seht den Neid von unsern Zeiten!Uns diesen Namen abzustreiten!O Brüder, lernet hieraus schließen,Daß sie sich stets verschlimmern müssen;Sie nennen uns nicht weise.
Die wider den Cäsar verschworne Helden
Cassius. Decimus. Brutus. Cimber.
Cassius.Jetzt, Helden, laßt uns rühmlich sterben,Eh Rom noch Königsfesseln trägt.Wer sollte nicht mit Lust verderben,Wenn ihn der Staat mit niederschlägt?
Decimus.Ja—aber ohne Rache sterben,Und ohne Nutz dem Vaterland—Freund, das heißt pöbelhaft verderben.Und wozu hätt ich Mut und Hand?
Cassius.O Brutus! voller tiefen SorgenSeh ich dein Herz für Rom zerteilt.O Freund! noch einen freien Morgen,So hat die Knechtschaft uns ereilt.
Brutus.Wenn Cäsar Rom will unterdrücken,Muß Brutus ihn zur Strafe ziehn.Ich will den Dolch ins Herz ihm drücken:Mit Zittern zwar, doch drück ich ihn.
Cassius.Du? deinem Freunde? Brutus! Götter!Rom steht, wenn Brutus Brutus ist.Schon war ein Brutus Roms Erretter;Komm! zeige, daß du beide bist.
Cimber.Auch ich will alles mit euch wagen;Auch ich muß ohne König sein.Denn könnt ich einen Herrn ertragen,Ertrüg ich allererst den Wein.
Eine Gesundheit
Trinket Brüder, laßt uns trinkenBis wir berauscht zu Boden sinken;Doch bittet Gott den Herren,Daß Könige nicht trinken.
Denn da sie unberauschtDie halbe Welt zerstören,Was würden sie nicht tun,Wenn sie betrunken wären?
Für wen ich singe
Ich singe nicht für kleine Knaben,Die voller Stolz zur Schule gehn,Und den Ovid in Händen haben,Den ihre Lehrer nicht verstehn.
Ich singe nicht für euch, ihr Richter,Die ihr voll spitzger GründlichkeitEin unerträglich Joch dem Dichter,Und euch die Muster selber seid.
Ich singe nicht den kühnen Geistern,Die nur Homer und Milton reizt;Weil man den unerschöpften MeisternDie Lorbeern nur umsonst begeizt.
Ich singe nicht, durch Stolz gedrungen,Für dich, mein deutsches Vaterland.Ich fürchte jene Lästerzungen,Die dich bis an den Pol verbannt.
Ich singe nicht für fremde Reiche.Wie käm mir solch ein Ehrgeiz ein?Das sind verwegne Autorstreiche.Ich mag nicht übersetzet sein.
Ich singe nicht für fromme Schwestern,Die nie der Liebe Reiz gewinnt,Die, wenn wir munter singen, lästern,Daß wir nicht alle Schmolken sind.
Ich singe nur für euch, ihr Brüder,Die ihr den Wein erhebt, wie ich.Für euch, für euch sind meine Lieder.Singt ihr sie nach: o Glück für mich!