II.Der erste Raubmord.
Und wie mit EisenschlingenUmfaßt den Gegner er,Umsonst ist alles Ringen,Umsonst die Gegenwehr.Matzerath.
Und wie mit EisenschlingenUmfaßt den Gegner er,Umsonst ist alles Ringen,Umsonst die Gegenwehr.Matzerath.
Und wie mit EisenschlingenUmfaßt den Gegner er,Umsonst ist alles Ringen,Umsonst die Gegenwehr.
Und wie mit Eisenschlingen
Umfaßt den Gegner er,
Umsonst ist alles Ringen,
Umsonst die Gegenwehr.
Matzerath.
Matzerath.
Nach Beute umherspähend, sah er einen wohlgekleideten Mann gemächlich daher reiten.
Im Augenblicke ward der Unglückliche vom Pferde gerissen. Er schrie um Hilfe und ein gräßlicher Schlag mit einem schweren Steine, von des Räubers kräftiger Hand nach dem Kopfe gethan, machte ihn für immer verstummen. Dieser raubte ihm Uhr und Börse, warf sich auf das Pferd und sprengte über eine Wiese dem nächsten Walde zu.
Mit Raub und Mord hatte er den schrecklichen Cyclus seiner Gräuelthaten eröffnet.
Schon ein paar Stunden war er auf einem Fahrwege dahin geritten, und noch immer wollte sich das Ende des Waldes nicht zeigen.
Dagegen fühlte er sich von Augenblick zu Augenblick unwohler; er wurde so matt, daß er beinahe vom Pferde sank; es klebte ihm die Zunge am Gaumen, und sein Durst wurde so brennend, daß er für einen frischen Trunk gern die geraubte Börse hingegeben hätte.
Den Zügel des Pferdes am Arme, schleppte er sich tiefer in den Wald hinein, eine Quelle zu suchen. Lange war er fruchtlos umher geirrt, und vermochte nicht weiter zu gehen. Er wollte unter einem Baume sich lagern, als er den rückwärts am Sattel angeschnallten Mantelsack bemerkte. Ohne selbst zu wissen, warum, da er in diesem Augenblicke gewiß nicht an eine Beute, sondern nur an Rettung vor dem Verschmachten dachte, schnallte er den Mantelsack ab, warf sich damit aufs Moos und öffnete ihn.
Er schrie laut auf vor Freude; der Mantelsack war ein tragbares Speisegewölbe, ein portativer Keller. Nicht ein Stückchen von Kleidern oder Wäsche befand sich darin, wohl aber ein Magazin von Würsten, Schinken und verschiedenen Braten,denen drei Flaschen Wein und eine Flasche Rum, feines Gebäcke und Brot beigesellt waren.
L. Oeser in Neusalza.Der schwarze Wenzel u. Lips Tullian.❏GRÖSSERES BILD
L. Oeser in Neusalza.Der schwarze Wenzel u. Lips Tullian.
❏GRÖSSERES BILD
Der vorige Besitzer dieses Magazins mochte wohl aus Geiz, um in den Wirthshäusern wenig zu verzehren, oder aus Furcht, auf der Reise zu verhungern, sich so reichlich versehen haben.
Schnell hatte er eine Flasche Wein geleert, ein tüchtiges Stück Braten gegessen, und beschloß nun, frisch fort zu traben, da er befürchten mußte, daß die Leiche des von ihm erschlagenen Mannes bereits gefunden und das Gerücht von dem Morde vielleicht schon in weiter Umgebung verbreitet worden sei. Er befestigte den Mantelsack und wollte eben zu Pferde steigen, als er rücklings ergriffen und im Augenblicke zu Boden gerissen war.
Ein baumlanger, breitschulteriger Kerl stand vor ihm, mit hochgeschwungenem Knittel, und forderte Uhr und Geld[2].
Sein erster heftiger Schrecken bei dem Gedanken, von der Faust eines Häschers gefaßt und keiner Gegenwehr mächtig zu sein, war schnell bei der barschen Forderung nach Uhr und Geld verschwunden; er sah, mit wem er es zu thun habe; eine ganze Räuberbande wäre ihm minder furchtbargewesen, als ein einziger, tüchtiger Diener der Gerechtigkeit.
Mit einer Ruhe und einer Offenherzigkeit, die den Räuber erstaunen, und den zum tödtlichen Schlage erhobenen Arm sinken machte, begrüßte er ihn, erzählte, vor einigen Stunden, nicht fern von der polnischen Gränze, einen Reiter erschlagen, ihm Uhr, Börse und Pferd genommen zu haben, und erbot sich nicht nur allein zur Theilung, sondern auch zu künftiger Gemeinschaft und Genossenschaft.
Schweigend hatte ihm der Räuber zugehört, er betrachtete jetzt das Pferd.
„Was Teufel!“ — rief er, und lachte laut auf — „das ist ja der Brandfuchs des Herrn von Liebenstein. Alle wackern Gesellen sollen Dich auf den Händen tragen, daß Du dieser Bestie den Garaus gemacht hast. Der Schuft war mit seinen Jägern und Gerichtsdienern immer hinter uns her. Nun, dafür sollst Du auch belohnt werden, so wahr als ich derschwarze Wenzelheiße. Du bist der tüchtigste Kerl, vor dem ich selbst Reverenz mache, und wenn Dir Dein voriger Antrag, mit mir Gemeinschaft zu pflegen, Ernst war, so soll es Dir nicht an Gelegenheit mangeln, auf Kosten anderer Leute in Saus und Braus zu leben. Schlag ein, Bruderherz, und sey der Unsrige!“ —
Mit wilder Lust schlug dieser ein, riß den Mantelsack vom Pferde, und unter den lasterhaftesten Gesprächen wurde getafelt und gezecht, bis der Abend hereinbrach und das Wiehern und Stampfen des nach Futter und Wasser verlangenden Pferdes zum Aufbruch nach einer Herberge mahnte.
„Wohin nun,“ — fragte der neue Räuber — „um nichts befürchten zu dürfen, denn die Kunde von der Ermordung des Liebensteiner mag schon weit herumgekommen und jeder Gastwirth gegen den Unbekannten argwöhnisch sein, der mit keinem Passe versehen ist. Auch macht mir das Pferd Sorge, da vielleicht Mancher es erkennen möchte.“
„Sei unbekümmert,“ tröstete der Spießgeselle, „Dich erwartet eine Nachtherberge, wo Du gute Bewirthung und ein lustiges Treiben finden wirst, wo Du sicherer bist, als in Abrahams Schoos. Wir haben eine gute Meile zu machen, und ich werde Dich Wege führen, wo Du und der Brandfuchs ungesehen bleiben. Nun folge mir!“
[2]Siehe dieAbbildung.
[2]Siehe dieAbbildung.
[2]Siehe dieAbbildung.