VIII.Samuel Schickel, der Brett-Bauer.

VIII.Samuel Schickel, der Brett-Bauer.

Ha! gräßlich wird es Tag in meiner Brust!Ich Rasender, daß ich von Glücke träumte! —Fahr’ hin, du letzter Glaube an die Menschheit! —Welt, wir sind quitt! Du hast dein Spiel verloren!Th. Körner.

Ha! gräßlich wird es Tag in meiner Brust!Ich Rasender, daß ich von Glücke träumte! —Fahr’ hin, du letzter Glaube an die Menschheit! —Welt, wir sind quitt! Du hast dein Spiel verloren!Th. Körner.

Ha! gräßlich wird es Tag in meiner Brust!Ich Rasender, daß ich von Glücke träumte! —Fahr’ hin, du letzter Glaube an die Menschheit! —Welt, wir sind quitt! Du hast dein Spiel verloren!

Ha! gräßlich wird es Tag in meiner Brust!

Ich Rasender, daß ich von Glücke träumte! —

Fahr’ hin, du letzter Glaube an die Menschheit! —

Welt, wir sind quitt! Du hast dein Spiel verloren!

Th. Körner.

Th. Körner.

Im sächsischen Dorfe Schönfeld, zur Gerichtsbarkeit des Amtes Frauenstein gehörig, lebte ein Fuhrmann, Christoph Schickel, der zwar nicht unter die reichen, wohl aber unter die vermögenden Leute gehörte, den größten Theil des Jahres mit seinen vier Rappen über Land war und sich nie lange zu Hause aufhielt, da sein Weib eben nicht den sanftesten Charakter, dabei eine wahre Leidenschaft zum Widerspruche hatte, vorzüglich aber, sobald ihr Mann in’s Haus trat, ein unerschöpfliches Klagelied über ihre Kinderlosigkeit anstimmte, oft mit beißenden Bemerkungen über des Mannes eheliche Kälte ausgestattet, wo es dann auch nicht an sehr trivialen Anspielungen auf Ausschweifungen während des Umherziehens im Lande und des Aufenthaltes bei hübschen Wirthsfrauen und Mägden gebrach. Christoph Schickel, mit einer wahren Fuhrmannsnatur begabt, dabei durch den steten Umgang mit der rohesten Volksklasse eben nicht sehr verfeinert, begrüßte meistentheils bei seiner Heimkunft die klagende, widersprechende, giftig anspielende Ehefrau mit der Peitsche und wiederholte öfters im Laufe seines Aufenthaltes zu Hause dieses Fest des zärtlichen Wiedersehens.

In der ganzen Umgegend von Schönfeld war die Sehnsucht der Frau Schickel nach einem süßen Pfand ihrer ehelichen Liebe recht wohl bekannt, und als sie sich nun auch gegen die Schönfelder Klatschschwestern äußerte, selbst ein fremdes Kind annehmen und mit der herzlichsten Mutterliebe erziehen zu wollen, so kam eine Dirne aus Schönfeld ihren Wünschen zuvor, indem diese wegen ihrer Schwangerschaft aus dem Hause der Eltern verstoßen und von dem armen aber herzensguten Dorfhirten aufgenommen, ihr neugebornes Kind in Lumpen hüllte, der Frau Schickel nächtlicher Weile vor die Thüre legte und sich auf und davon machte, nachdem sie dem Hirten vertraut hatte, welches Geschenk sie der kindersüchtigen Kärnerin hinterlassen habe.

Frau Schickel war anfangs sowohl gegen das Kind, als auch dessen unberufene Geberin sehr erbost, jedoch bald, trotz ihres sonst langwährenden Zürnens, durch den Anblick des wohlgestalteten, kräftigen Kindes besänftigt, und als nun auch ihr Ehemann bei seiner Heimkehr von einer Magdeburger Fahrt das gar hübsche Büblein mit freundlichem Auge betrachtete, auf seine Arme nahm und herzte und kußte, und als nun Frau Schickel über die Erfüllung ihres liebsten Wunsches allmählich die üble Gewohnheit des Wiederbellens und der beißenden Bemerkungen ablegte, so begann von Tag zu Tag der Friede und die Eintracht in diesem Hause einheimischer zu werden, und beide Eheleute liebten den Findling um so mehr, da er ihnen gleichsam zum Spender häuslicher Ruhe, Zufriedenheit und Friedfertigkeit geworden war. Gleich nach der Taufe, wobei ihm der Name Samuel gegeben wurde, gingen die Schickel’schen Eheleute zum Amte und ließen über ihre Erklärung, den Findling an Kindes Statt anzunehmen und einst alle ihre Habe auf ihn zu vererben, eine gerichtliche Urkunde aufnehmen.

Alles, was in einer Dorfschule an Unterricht ertheilt werden kann, lernte Schickels Pflegesohn mit großem Eifer und entwickelte recht viele Fähigkeiten. Der Schule entwachsen, wurde er in der Landwirthschaftunterrichtet, begleitete aber schon von seinem vierzehnten Jahre an den Nährvater auf seinen Fahrten und leistete, an körperlicher Kraft und Größe beinahe ein Jüngling, dabei wachsam, klug und geschäftslustig, recht gute Dienste.

Das Umherziehen auf dem Lande, der fast ununterbrochene Aufenthalt in Wirthshäusern, wie auch die so viel gesehenen Beispiele der Sittenlosigkeit, des Betruges, der Rohheit, des Karten- und Würfelspiels, der Völlerei und Unzucht, untergruben immer mehr Samuels Moralität, die ohnehin nicht auf Felsen gebaut war. Noch nicht volle siebzehn Jahre alt, hatte der schöne, kräftige Bursche schon die Schule der Unkeuschheit und der damit verschwisterten Laster durchgemacht, überbot die tüchtigsten Trinker, betrog im Spiele mit Karten und Würfeln, im Handel und Wandel, bestahl seine Pflegeältern und begann sich zu einem um so gefährlichern Bösewicht auszubilden, da er die Verstellungskunst im höchsten Grade besaß und zu heucheln und gleißen auf das Meisterhafteste verstand.

Eines Tages saß Samuel in einer Schenke bei Dresden, wohin der Pflegevater ihn mit einer Ladung von Pferdehäuten gesandt hatte, und ließ sich vorsetzen, was gut und theuer war. Während er es sich recht wohl schmecken ließ und dabei einige Burschenseines Gelichters mit Bier und Branntwein bewirthete, trat eine armselig gekleidete Weibsperson an seinen Tisch und bat um ein Almosen. Samuel zog eine Hand voll Geld aus der Tasche und warf der Bettlerin mit prahlerischer Gebehrde einen Thaler hin. Sie dankte, betrachtete Samuel mit einem langen, höchst freundlichen Blicke und setzte sich dann an einen gegenüber stehenden Tisch, wo sie bei ihrem Kruge Bier Samuel nicht aus dem Auge ließ. Bald darauf ging dieser in den Stall, um nach den Pferden zu sehen, und unbegrenzt war sein Erstaunen, als die Bettlerin in den Stall trat, die Thüre verschloß und mit den Worten: „Grüß Dich Gott, lieber Sohn!“ — auf ihn zueilte. Aber bald war er überzeugt, seine Mutter vor sich zu sehen, da ihm diese alle Umstände genau angab, von ihrer Kindheit und ihrem Leben in Schönfeld an bis zum Augenblicke, wo sie ihn, einige Stunden nach seiner Geburt, an der Thürschwelle des Fuhrmanns Schickel ausgesetzt hatte.

War Samuel auch ein roher, lasterhafter Mensch, so erwuchs in ihm doch gegen seine Mutter ein wirklich zärtliches Gefühl. Er schämte sich nicht ihrer Lumpen und ihrer durch Armuth und Kummer zerrütteten Gestalt. Mit Herzlichkeit reichte er ihr die Hand und drang in sie, sich an seinen Tisch zu setzen,damit er sie auf das Beste bewirthen, dann für bessere Kleidung sorgen und über ihre Unterkunft und künftige Ernährung mit ihr Rath halten könne. Das lehnte seine Mutter ab, die sich schämte, neben ihrem wohlgekleideten Sohne und seinen Zechgenossen in ihrem zerlumpten Anzuge Platz zu nehmen. Sie bat ihn um etwas Geld, um im nächsten Dorfe bei Schönfeld sich einige Tage bei einer Base aufhalten zu können, wo er sie heimlich besuchen und dann erfahren solle, was sie zur Begründung ihres künftigen Unterhalts bereits ausgedacht habe. Von dem Sohne reichlich beschenkt, eilte sie fort, kehrte aber schnell wieder zurück und bat ihn auf das Dringendste, gegen Jedermann ihr Dasein auf das Sorgfältigste zu verschweigen.

Als Samuel zu Hause angekommen, und Rechnung über Fracht und Ausgabe abgelegt war, ging er, unter dem Vorwande großer Müdigkeit, gleich nach Einbruch des Abends in seine Schlafkammer, stieg leise aus dem Fenster und lief dem Aufenthalte seiner Mutter zu.

„Lieber Samuel,“ — sprach diese zum Eintretenden, und reichte ihm ein volles Glas Branntwein — „ich habe ein Plänchen gemacht, durch dessen glückliche Ausführung mein Lebensunterhalt geborgen sein wird. Läuft auch etwas Schelmereidabei mit, so bin ich nicht so einfältig, Gewissensbisse darüber zu befürchten; der alte Schickel hat Geld, ich aber keines, und noch dazu die trostreiche Aussicht, verhungern zu müssen, da ich zu schwerer Arbeit weder Kräfte noch Lust habe. Höre nun, was ich erdachte.“

„Schickel ist Dein Vater nicht, ungeachtet er in jener Zeit mit mir im Geheimen eine vertraute Bekanntschaft hatte, und wir uns gerade nicht Zwang anthaten. Aber jetzt soll er Dein leiblicher Vater werden, wenigstens im Wahne. Du besorgst, daß Schickel morgen Nachmittags hierher gehe. An einem klugen Vorwande, ihn zu diesem Gange zu bewegen, ohne daß er meine Nähe ahnet, wird es Dir nicht mangeln. Im Erlengebüsche am Mühlteiche lauere ich auf ihn, komme dann hervor und erkläre ihm mit aller Festigkeit, daß er Dein Vater und dadurch verbunden ist, sich mit mir abzufinden, außerdem ich geradezu die ganze Geschichte seinem Weibe entdecke und gegen ihn bei Gericht Klage führe. Ich kenne die Eifersucht seines Weibes und dessen Bosheit, Zanksucht und Unversöhnlichkeit. Es leben zwar beide, wie ich von der Base hörte, jetzt recht friedlich, aber der häusliche Friede wird schnell zu Krieg und Feuer, wenn so eine Kindsgeschichte wie eine zündende Kugel ins Haus fällt. Schickelist älter geworden, an eheliche Friedfertigkeit gewohnt, und giebt lieber das Letzte im Geheimen hin, um Ruhe im Hause und keine höhnische Nachrede von der Nachbarschaft zu haben.“

„Nun habe ich Dir vertrauet, wie ich für mich sorgen will. Dein Geschäft sei, mir den Alten in die Erlengebüsche zu schaffen. Jetzt wollen wir trinken und gegenseitig unsere Schicksale erzählen!“ —

So verderbt und liederlich Samuel war, so erröthete er doch oft bei den Erzählungen seiner Mutter, die, vom Branntwein erhitzt und von aller Schamhaftigkeit verlassen, dem eigenen Sohne ihre unzüchtigen Verirrungen, Betrügereien, Gaunerstreiche und Diebstähle mit der frechsten Offenherzigkeit unter ausgelassenem Gelächter erzählte.

Der Betrügerin gelang es wirklich, den alten Schickel durch die ihm angelogene Vaterschaft, durch die Drohung der Entdeckung und der Klage bei Gericht so einzuschüchtern, daß er ihr zum Unterhalte jährlich 60 Thaler zusicherte, wofür sie das tiefste Stillschweigen geloben mußte.

Zwei Meilen von Schönfeld hatte Samuels Mutter in einem abgelegenen Häuschen, das einer kinderlosen Wittwe gehörte, Wohnung genommen. Die Wittwe, alt und gebrechlich, überließ ihr die Benutzung des kleinen, aus einem Gemüse- undObstgarten, aus einem Krautfelde und zwei Aeckern bestehenden Grundstücks, wobei sich ein Paar Kühe und einige Schafe befanden, gegen die Verbindlichkeit, sie zu ernähren und bei eintretender Krankheit zu pflegen. Katharina hatte nun ihr gutes Auskommen, und das sonst so stille Häuschen wurde bald der Tummelplatz der Ausgelassenheit und der Schwelgereien, da Samuel in jeder Woche dort ein Paar Nächte zubrachte, stets begleitet von einigen liederlichen Dirnen und Cameraden, wo nun von dem Gelde, daß er durch Betrug gewann oder seinen Pflegeeltern abstahl, auf zügellose Weise geschwelgt wurde.

Jetzt starb Samuels Pflegemutter und der alte Schickel übergab Samuel seine ganze Wirthschaft, mit Vorbehalt einiger Grundstücke, die er verpachtete, und den Pachtschilling zu seinem Lebensunterhalte verwendete. Katharina, Samuels Mutter, wußte Schickel so zu kirren, daß sie ihn bewog, ihr die Geschäfte seiner Wirthschafterin zu übertragen. Sie zog in sein Haus, und bald wetteiferten Mutter und Sohn, sich in dem zügellosesten Treiben, in Völlerei und Arbeitsscheu zu überbieten. Der alte Schickel, dem es gar zu bunt wurde, und der, sonst ein ziemlich heilloser Patron, sich seit einigen Jahren an Ordnung und Wirklichkeit gewöhnthatte, verwies anfangs zur Arbeitsamkeit und zu einem genügsamen, ehrbaren Leben. Seine Ermahnungen, seine Bitten wurden verhöhnt, die Wiederholungen mit den rohesten Beschimpfungen, sogar von Samuel, in Folge einer Aufreizung von seiner Mutter, mit grausamen Schlägen erwiedert, und Schickel, zuerst aus Aerger, dann immer eifriger aus überwiegender Neigung, nahm seine Zuflucht zur Branntweinflasche und trank sich nach einem Jahre in das Grab.

Samuel brauchte eine Hausfrau, aber auch das ärmste Mädchen versagte dem allgemein Verrufenen ihre Hand. Knechte und Mägde, in deren Innerem nur noch ein Funke von Zucht, Arbeitsliebe, Ehrbarkeit und Gottesfurcht glomm, gingen aus dem Dienste, und bald bestand Samuels Gesinde aus dem Auswurfe der dienenden Classe.

Es konnte nicht anders geschehen, als daß bei solcher Bewirthschaftung des Hauswesens und der Felder, bei solch einem schwelgerischen Leben die Schulden sich so häuften, daß von den Gerichten eingeschritten und das ganze Grundstück mit Einrichtung, Vieh und Fahrniß verkauft wurde.

Am Abende vor der Uebergabe des Grundstücks an den neuen Besitzer saß Samuel mit seiner Mutter, nun die einzigen Bewohner des beinaheleeren Hauses, bei der Branntweinflasche und zechten bis tief in die Nacht hinein, während sie immer in die heftigsten Verwünschungen sich ergossen, aber nicht über ihr höchst liederliches Leben, über ihre gar zu liederliche Wirthschaft, ihre unsinnige Verschwendung, sondern über das Gericht, von dem das Grundstück verkauft worden, und über die Leute, die es erkauft hatten.

„Was Teufel,“ — lallte die trunkene Furie und stieß das geleerte Glas mit Heftigkeit auf den Tisch, — „wir, die rechtmäßigen Besitzer, sollen dieses bequeme Haus mit seinen schönen Stuben, Kammern und Stallungen räumen und so einem fremden Gesindel Platz machen? — Komm, Samuel, wir packen das Bischen, das uns die verdammte Justiz noch übrig gelassen hat, in ein paar Säcke und ziehen jetzt ab. Damit wir aber bei unserer nächtlichen Wanderung in dieser Dunkelheit nicht über Stock und Steine fallen, so werde ich ein Lichtchen anzünden, an dem man sich noch einige Tage hindurch wärmen kann. Ist hier unseres Bleibens nicht mehr, so soll es auch für Andere nicht wohnlich sein. Auf, Samuel!“ —

Um das gehörig aufzufassen, was das entsetzliche Weib thun wollte, hatte sich Samuel schon zu sehr um seine Sinne getrunken. Mit geschäftigerHand packte Catharina die armseligen Reste des frühern Ueberflusses in zwei Säcke, und Samuel, dem sie zu seiner Ermunterung ein Glas Wasser ins Gesicht geschüttet hatte, hockte die Säcke auf und taumelte zum Hause hinaus.

Schon war er eine Strecke gegangen, als er seine Mutter vermißte. Er wandte sich zurück, da sah er am Scheuerdache ein Flämmchen aufschlagen; das Flämmchen wurde zur Flamme, zum prasselnden Feuer. Mit unwillkürlichem Schauder blickte der Ernüchterte auf das lichterloh brennende Haus hin. — „Hilfe! um Gotteswillen Hilfe!“ tönte ihm das gellende Gekreisch seiner Mutter entgegen, die am Fenster des obern Geschosses die Hände nach ihm ausstreckte. Samuel warf die Säcke ab und stürzte dem Hause zu. In vollen Flammen stand die Treppe; nur ein Sprung aus dem Fenster konnte die Mutter retten. Er rief ihr zu, es zu thun; sie hatte nicht den Muth dazu, bis die Flamme die Stube ergriff. Jetzt wagte sie den Sprung. Ihre Stunde hatte geschlagen. Mit zerschmettertem Kopfe röchelte die Mordbrennerin zu ihres Sohnes Füßen das verbrecherische Leben aus.

Wie von allen Geistern der Hölle verfolgt, floh Samuel über Felder, Wiesen, durch Sümpfe dahin, bis er ohne Bewußtsein niederstürzte.

Von einer kräftigen Faust zum Leben aufgerüttelt, sah sich Samuel in einer ganz unbekannten Gegend und einem Manne gegenüber, dessen geschwärzte Gestalt und der schwere Hebebaum auf den breiten Schultern ihm den Kohlenbrenner verkündigten. Als Samuel sich mit Mühe gesammelt hatte, folgte er dem Köhler, der, ohne nach seinen Verhältnissen zu fragen, ihn zu einem Morgenimbiß in seine nahe Hütte einlud.

Auf dem Wege dahin überzeugte sich Samuel, daß er in seinem überreizten Gemüthszustande einen Weg von mehreren Meilen zurückgelegt haben müsse, da der Köhler und sein Weib von einem Orte, der Schönfeld heiße, nicht das Mindeste wußten.

Kaum hatte Samuel einige Bissen genossen, als er sich so ermattet fühlte, daß er vom Stuhle sank. Der Köhler und sein Weib schleppten ihn nach einer Kammer auf eine Strohschütte, wo er schon nach einigen Augenblicken im tiefen Schlafe lag. Es war schon Nacht, als er erwachte. Aus der Tiefe scholl ihm Gemurmel und Gläsergeklirre dumpf entgegen. Neugierig, was da unter ihm vorgehe, kroch er in der Kammer umher, hörte in einer Ecke das Geräusch aus der Tiefe viel deutlicher und fand nach sorgfältigem Suchen in der Bodendiele einen beweglichen Pflock. Leise zog er diesen in die Höhe, einLichtstrahl drang ihm entgegen, und er sah durch die Oeffnung an einem Tische seinen Hauswirth mit fünf Männern und drei Weibspersonen essen und zechen. Das Aussehen der Männer, die schamlose Kleidung, die frechen Gebehrden der Dirnen, da und dort aufgehangene Waffen und zwei große Fanghunde, die an den zugeworfenen Knochen nagten, überzeugten ihn auf den ersten Blick, daß dieses unterirdische Gemach die Zechbude einer Räuberbande sei.

Jedes Wort vernahm er nun deutlich, und das Blut stockte ihm in den Adern, als er den Köhler zu seiner Genossenschaft sagen hörte: „Es bleibt also dabei, daß wir den fremden Kerl todtschlagen. Ohne Zweifel ist er ein Fleischmann[7], deren jetzt viele zum Verderben der tuften Tschoren[8]umherlauern. Entrinnen kann er nicht, also frisch hinauf und den Hund todtgeschlagen, so haben wir nichts mehr zu befürchten!“

Der Schrecken, die Angst schufen in Samuel einen raschen Entschluß. — „Was nützt Euch mein Tod?“ — rief er durch die Oeffnung der Gesellschaft zu — „während Ihr von meinem Leben gewißVortheil ziehen könnt. Nehmt mich in Eure Kameradschaft auf, und Ihr sollt es nie bereuen, mich zu Eurem Gefährten gemacht zu haben!“ —

Ueberrascht blickten alle nach Oben. Sie flüsterten zusammen. Der Köhler holte Samuel in die Versammlung. Er schwur den Eid der Treue und ward ein Mitglied der Räuberbande.

Als diese nach einem Jahre bis auf ihn und den Köhler ergriffen wurden, machte er mit diesem jenseits der Grenze gemeinschaftliche Sache, stahl, raubte, brannte und mordete und erschlug den Köhler in einem Streite über die Theilung geraubter Waaren.

Den Beinamen: „Brettbauer“ erhielt er, weil er in Böhmen einen Bauer, der ihm bei einem Einbruche mit einem Beile eine tiefe Kopfwunde schlug, an Händen und Füßen an ein Brett genagelt und in der Moldau ersäuft hatte.

[7]Spion der Gerichte.[8]Wackeren Diebe.

[7]Spion der Gerichte.

[7]Spion der Gerichte.

[8]Wackeren Diebe.

[8]Wackeren Diebe.


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