XXII.Der Badeaufenthalt.
Fremdling, sei behutsam!Du bist nicht sicher, traue mir!Th. Körner.
Fremdling, sei behutsam!Du bist nicht sicher, traue mir!Th. Körner.
Fremdling, sei behutsam!Du bist nicht sicher, traue mir!
Fremdling, sei behutsam!
Du bist nicht sicher, traue mir!
Th. Körner.
Th. Körner.
Wie ein commandirender Feldmarschall sein Hauptquartier in irgend einem Orte aufschlägt, um von da aus an die unterhabenden Corps seine Befehle zu versenden und ihre Bewegungen zu leiten, so hatte auch Lips Tullian das seinige in Dresden aufgeschlagen, von wo aus er seine Bande befehligte. In dieser kannte Niemand seinen Aufenthalt, als Sarberg, Hentzschel, Schöneck, Lehmann, Schickel und Eckold, und außer diesen Anführern kam kein Mitglied der zahlreichen Rotte zu ihm; nur diese Vertrauten fanden sich von Zeit zu Zeit bei ihm ein, als vornehme Personen, Bettelleute, Hausirer,reisende Handlungsdiener verkleidet, um Meldung zu machen, Befehle zu holen, ihm, dem Oberanführer, seinen Antheil von der gemachten Beute zu überbringen, und ihn bei sehr wichtigen Unternehmungen zur Anführung abzuholen.
Ganz Sachsen zitterte vor der schwarzen Garde, deren Oberhaupt als ein frommer, wohlthätiger, unbescholtener Mann in der Hauptstadt des zitternden Landes lebte und von den Einwohnern Dresdens sehr hoch geachtet wurde. Wer hätte auch in diesem ruhigen, schlichten Privatmanne, dessen eingezogene verbindungslose Lebensweise allgemein bekannt war, den furchtbaren Lips Tullian geahnet?
Ein Jahr hatte Lips Tullian in Dresden gelebt. Es kam die Badezeit, und mit ihr in ihm die Lust, in der Rolle eines reichen, vornehmen Mannes der Welt sich zu zeigen. Spaa wurde von ihm für die Badesaison gewählt.
Nach einem recht bürgerlichen, wort- und complimentereichen Abschiedsbesuche in der ganzen Nachbarschaft umher, ging er mit Marianen von Dresden ab, zu Fuße, den Bandkasten auf dem Rücken.
Die Felsenschlucht in der Oberlausitz wurde besucht, eine Parthie der vergrabenen Juwelen hervorgeholt, dann der Weg nach Leipzig eingeschlagen, wo Lips Tullian für sich und Marianendie prachtvollsten Kleider verfertigen ließ, Kammerfrau, Stubenmädchen, Jäger und Koch in Dienste nahm, einen kostbaren Reisewagen kaufte und mit vier Postpferden nach Spaa abfuhr.
Als Baron von Strombeck mit Gemahlin erschien er auf der Badeliste. Er machte einen fürstlichen Aufwand.
Am Vorabende seiner Rückkehr nach Dresden hatte er eine kleine Gesellschaft von jenen Badegästen, in deren Umgange er am angenehmsten gelebt hatte, zu sich gebeten, um noch mit diesen frohsinnigen Gesellschaftern einen recht heitern Abend zu genießen. Frau Bieberich, in die Freifrau von Strombeck umgewandelt, machte die Wirthin mit dem Anstande einer Dame von feinem Tone und der liebenswürdigsten Freundlichkeit; sie hatte nicht umsonst als Buchhändlerin mit den Frauen vornehmer Häuser verkehrt.
In dieser Gesellschaft befand sich ein junger Mann, der sardinische Uniform trug, in Spaa für einen Hauptmann galt und großen Aufwand machte. Er schlug nach dem Abendessen ein Spiel vor, und Philipp, in der Hoffnung, ein bedeutendes Reisegeld sich zu machen, wußte bald seine Gäste für den Vorschlag des Sardiniers zu gewinnen.
Man looste, wer die Bank halten sollte! das Loos traf den Sardinier. Um hohe Summen wurde gespielt, und Lips Tullian war vom Glücke so verlassen, daß er, als der Sardinier am lichten Morgen die letzte Taille abgezogen hatte, nicht mehr ein Goldstück besaß, ja sogar den größten Theil seiner Pretiosen zur Bezahlung seiner Spielschuld hingeben mußte.
An dem Sardinier hatte Lips Tullian seinen Meister gefunden.