XXIX.Der Brand von Libert.

XXIX.Der Brand von Libert.

Macht schnell, das Dorf muß rein geplündert seinUnd ganz in Flammen lodern.Th. Körner.

Macht schnell, das Dorf muß rein geplündert seinUnd ganz in Flammen lodern.Th. Körner.

Macht schnell, das Dorf muß rein geplündert seinUnd ganz in Flammen lodern.

Macht schnell, das Dorf muß rein geplündert sein

Und ganz in Flammen lodern.

Th. Körner.

Th. Körner.

Auf raschen Schwingen durchflog ganz Sachsen die Trauerkunde, daß Lips Tullian, das Oberhaupt der schwarzen Garde, es gewesen sei, der unerkannt, unter falschem Namen, auf dem Festungsbau zu Dresden gekarret und mit den Gefährlichsten seiner Bande durch den kühnsten Ausbruch sich frei gemacht habe.

Vom Dresdner Oberamte aus ergingen an alle Gerichte, an die Dorfgemeinden strenge Befehle, alle verdächtigen Leute aufzugreifen, und, im Falle Tullian oder einer der in den Steckbriefen bezeichneten Räuber darunter erkannt würde, selbe gleich nachDresden in schweren Banden und unter zahlreicher Bedeckung abzuliefern.

Auf Tullians Verhaftung war ein Preis von 200 Dukaten in Gold, und von 300 sächsischen Thalern auf die Einfangung eines jeden der mit ihm Entwichenen von der Landesregierung ausgesprochen.

In einem kleinen Walde, nahe bei dem Dorfe Libert, bemerkte ein Bauer, der bei Nacht von einem Geschäftsgange zurückkehrte, ein Feuer. „Das könnte wohl der Tullian mit seinem Gesindel sein,“ dachte er, und schlich, durch die Begierde nach dem ausgesprochenen Preise ermuthigt, dem Wäldchen zu. Unbemerkt kam er dem Feuer so nahe, daß er 8 Menschen zählte, wovon einige schliefen, die andern plauderten und einer großen Flasche tüchtig zusprachen.

Der Bauer schlich mit aller Vorsicht durchs Hölzchen zurück, lief aus Leibeskräften nach dem Dorfe, weckte in aller Stille die Muthigsten von seinen Nachbarn, kündigte ihnen die Nähe sehr verdächtiger Leute, wahrscheinlich des Tullians mit seinen Fluchtgefährten, an, und forderte sie mit großer Beredtsamkeit zur Aufhebung des Gesindels und zum Gewinn der zugesicherten Preise auf.

Mehr als 30 rüstige Männer hatten sich schnell mit Flinten, Gabeln und Knitteln bewaffnet. Es wurde Rath über den Angriff gehalten und diemeisten Stimmen sprachen: die eine Hälfte solle das Hölzchen umstellen, die andere geradezu auf das Gesindel losgehen, und, ohne viel zu fragen, gleich auf selbes feuern, stechen und schlagen. Die Männer zogen so still als möglich zum Angriff aus.

Das Hölzchen war umstellt, schweigend, aber rasch schlichen nun die Uebrigen dem Feuer zu. Ihr Anführer, ein ehemaliger Dragoner, hatte die gespannte Flinte im Arm. Er blieb mit dem Fuße an einer Baumwurzel hängen, schlug nieder und die Flinte ging los.

Der Schuß hatte die verdächtige Gesellschaft schnell auf die Beine gebracht.

Mit einem wilden Geschrei stürmten die Bauern heran. Sie wurden mit Schüssen empfangen, und zwei davon sanken schwer verwundet nieder.

Der Muth der Bauern war dahin. Sie flohen, sie riefen um Hilfe. Die Feigheit ließ sie ihre sterbenden Freunde vergessen; alles floh dem Dorfe zu.

Der Letzte der Fliehenden hatte das Unglück, in einen Graben zu stürzen. Er schrie erbärmlich, aber Niemand hörte ihn, Niemand kam ihm zu Hilfe, als er von den verfolgenden Räubern ergriffen und in das Hölzchen zurück geschleppt wurde.

Erst am recht lichten Morgen zog das ganze Dorf, die zitternden Weiber im Nachzuge, dem Hölzchen zu, um die Verwundeten und den Vermißten aufzusuchen. Unter den noch glimmenden Kohlen der Feuerstätte fanden sie die verbrannten Ueberreste der Verwundeten, am nächsten Baume die Leiche des Vermißten, und an ihm einen Zettel befestigt, der die mit Bleistift geschriebene Drohung schwerer Rache enthielt.

In der zweiten Nacht darauf, gerade als es heftig stürmte, brach in mehreren Scheunen von Libert Feuer aus. Nicht ein Haus wurde gerettet, das ganze Dorf war eine schauderhafte Brandstätte.

Der Bauer, von welchem die Bande zuerst gesehen, und die Nachbarschaft aus ihrem Schlafe geweckt und zum Angriffe aufgefordert wurde, verlor über den Verlust seiner Habe und aus tiefem Schmerze, dem ganzen Dorfe solch ein Verderben verursacht zu haben, den Verstand; man fand einige Tage darauf seine Leiche im nächsten Teiche.

Es war Lips Tullian mit seinen Vertrauten, der dem Angriffe eines ihm mehr als dreifach überlegenen Haufens so kräftig entgegengekämpft, die Fliehenden verfolgt, und durch Grausamkeit, durch Mord und Feueranlegung sich schauderhaft gerächt hatte. Im leinenen, armseligen Anzuge der Baugefangenen, ohne Waffen, ohne Geld war Lips Tullian mit den Seinigen aus dem Kerker der Kasematte vor kaum zwei Wochen entwichen, und schon waren sie gut gekleidet, mit Geld und mit Waffen versehen. Dem regen Eifer der muthigen, schlauen Mariane hatten sie Alles zu danken.


Back to IndexNext