XXXVIII.Margarethens Untreue.
Des Mädchens Flamme währet,Bis Lunens Hochlicht zweimal wiederkehret;Dann sucht sie neuen Zeitvertreib.Seume.
Des Mädchens Flamme währet,Bis Lunens Hochlicht zweimal wiederkehret;Dann sucht sie neuen Zeitvertreib.Seume.
Des Mädchens Flamme währet,Bis Lunens Hochlicht zweimal wiederkehret;Dann sucht sie neuen Zeitvertreib.
Des Mädchens Flamme währet,
Bis Lunens Hochlicht zweimal wiederkehret;
Dann sucht sie neuen Zeitvertreib.
Seume.
Seume.
Unter Lips Tullians Spielgefährten zeichnete sich ein junger Mensch durch Schönheit, durch die heiterste Laune und ein fast ununterbrochenes Spielglück vorzüglich aus.
Schon in der ersten Nacht wurde Lips Tullian auf ihn sehr aufmerksam, da er recht gut bemerkt hatte, daß dieser gewandte Betrüger durch seine feinen Künste das Glück zu fesseln wisse. Gleich hatte Lips Tullian die Idee, sich näher an ihn anzuschließen, ihn zur Reise nach Wien zu bewegen, und zur gemeinschaftlichen Sache in den dortigen geheimen Spielhäusern.
Daß der junge Mensch sich Baron von Strahl aus Litthauen nenne, hörte er im Laufe der gesellschaftlichen Unterhaltung, von dem Wirthe aber in vertrauter Mittheilung, daß dieser Baron Strahl ein entlaufener Friseur aus Berlin, ein Matador unter den falschen Spielern und vielseitig zu gebrauchen sei.
Lips Tullian wünschte sich Glück, seinen Mann gefunden zu haben, und bald war unter beiden die innigste Freundschaft geschlossen.
Nie besuchte Lips Tullian das Spielhaus, ohne von Margarethen begleitet zu sein. In einer höchst freien Kleidung, mit süßem Lächeln, mit feurigen Blicken und anmuthigen Bewegungen wandelte sie an der Seite junger Gecken und alter Thoren, die nicht des Spieles wegen hierher kamen, sondern mit den jungen gefälligen Aufwärterinnen ihr Geld und ihre Gesundheit verschleuderten, manche Stunde in den Gängen des Gartens auf und nieder, fachte in den Gemüthern der Sinnlichen die heißesten Begierden an, gab nie mehr als einen Kuß, eine Hoffnung für die Zukunft, und wußte auch bei aller Härte der Versagung ihre Verehrer so an sich zu fesseln, daß die Schlaue in kurzer Zeit sich im reichen Besitze von werthvollen Ringen, Perlen und Stoffen sah.
Es war Lips Tullians Anweisung, die verschwenderische Großmuth dieser Lüstlinge zu benutzen, und die gelehrige Schülerin übertraf seine Erwartungen.
Aber dieses trügerische Spiel währte nicht lange. Margarethe hatte für ihre freigebigen Verehrer bald kein süßes Lächeln, bald keine bezaubernden Küsse, bald keine beglückenden Hinwinke auf lohnreiche Zukunft mehr.
Ueber ihrer, bis zur Leidenschaft erwachsenen Liebe für den schönen, immer fröhlichen Strahl vergaß sie die huldigende Umgebung, ja, sie war von dieser Leidenschaft so beherrscht, daß sie Lips Tullian offen gestand, ihm nichts mehr sein zu können, als seine unerschütterliche Freundin, da ihr Herz, all ihr Sinnen, all ihre Träume sich nur dem Geliebten weihen.
Lips Tullian, nur ein roher Wollüstling, der nach gestillten Begierden auch die Reizendste mit Gleichmuth verließ, freute sich dieser Mittheilung, da er mit Zuversicht hoffen durfte, durch die Liebe und die Hingebung der reizenden Margarethe den jungen, sinnlichen Menschen mit immer festern Banden an sich zu fesseln.
Strahl wurde auch von Margarethens blühender Schönheit, von dem Zauber ihrer Anmuth,ihres lieblichen Frohsinnes und von dem Feuer ihrer Umarmungen so begeistert, daß er jeder Gesellschaft, jedem Genusse sich versagte, und nur für das Ideal seines Herzens lebte.
Daß Lips Tullian ihn so viele Stunden mit Margarethen allein ließ, daß er die Huldigungen nicht zu beachten schien, die der Liebende der Geliebten immer sichtbarer weihte, hielt er für Kälte des Ehemannes; er ahnte nicht in seinem Sinnenrausche, daß Lips Tullians Benehmen auf seine Pläne sich gründete.
Mit ihm und Margarethen reiste Strahl von Prag ab, in einem eleganten Wagen, den er um eine hohe Summe gekauft hatte, da Margarethe einst den Wunsch äußerte, recht bequem und glänzend die Reise nach Wien zu machen. Auch hatte der Gefällige, zu Margarethens Bedienung, in Prag ein Mädchen gedungen, welches die Reise nach Wien mitmachte und mit Strahl schon länger bekannt zu sein schien.
Lips Tullian war der nachsichtigste Ehemann von der Welt. Leckere Gerichte, gute Weine, ein trauliches Kosen mit Margarethens Mädchen, das sehr schön und gegen ihn nichts weniger als spröde war, nahmen den Schwelger zu sehr in Anspruch, um Margarethe und Strahl zu stören.
Margarethe äußerte den Wunsch, über Olmütz und Brünn zu reisen, um diese Städte zu sehen. Die Reise ging dahin. In Olmütz kaufte Strahl ein Paar schöne flüchtige Wagenpferde, mit denen er nun selbst fuhr, da, seiner Versicherung gegen Lips Tullian gemäß, kein Kutscher sich gefunden hatte, der ihm tauglich geschienen hätte. Es wurden nur kleine Tagereisen gemacht.
Lips Tullian sehnte sich nach Wien, und sah recht sauer, als Strahl bei der Ankunft in Brünn erklärte, hier eine volle Woche bleiben zu wollen, da er in der Nähe dieser Stadt einige Gutsbesitzer kenne, denen er schon lange seinen Besuch zugesagt habe.
Strahl war auch wirklich während des achttägigen Aufenthaltes in Brünn nur auf wenige Stunden sichtbar.
Endlich kam der Vorabend des Tages, mit dessen Anbruche die Reise fortgesetzt werden sollte.
An diesem Abende wurde Lips Tullian von Strahl heimlich gebeten, ihn, sobald Margarethe zu Bette sei, nach einem Kaffeehause zu begleiten, wo man vortrefflichen Punsch trinke und zwei allerliebste Mädchen nicht nur den Dienst der Hebe versehen, sondern auch als Gnidias reizende Priesterinnen dem Opfer sich weihen.
Solch eine Einladung von sich zu weisen, war Lips Tullian nicht gewohnt. Er ging mit Strahl, und nachdem sie Arm in Arm mehrere Hauptstraßen und eine Menge Seitengassen und Nebengäßchen durchwandelt hatten, blieb endlich Strahl vor einer Spelunke stehen, in welche Lips Tullian einzutreten zauderte, da er beim Laternenschimmer umsonst nach dem bezeichnenden Mohren mit der langen Gypspfeife und der Kaffeekanne oder nach einem Aushängeschild sich umgesehen. Strahl hob seine Bedenklichkeiten mit der Versicherung, dieser Eingang führe in das Hinterhaus, wo man recht artige Zimmerchen, und darin Punsch und Mädchen, wie auch recht angenehme, ungestörte Stunden finde, da der Billardsaal und die Gemächer des Vorderhauses, des öffentlichen Anstandes wegen, dergleichen Privatunterhaltungen nicht gestatten. Lips Tullian folgte seinem Freunde, fand ein recht trauliches Stübchen, ein paar schlanke, hochgeschürzte Nymphen in schamloser Kleidung und mit frechem Entgegenkommen, fand vortrefflichen Punsch und eine dieser Phrynen so anziehend, daß er unter ihren Liebkosungen unmäßig trank und sich bald um seine Sinne getrunken hatte.