XXXX.Lips Tullians abermalige Gefangenschaft.

XXXX.Lips Tullians abermalige Gefangenschaft.

Nur zu! Sie rückenMit Schwert und Feuer auf uns an.Schiller.

Nur zu! Sie rückenMit Schwert und Feuer auf uns an.Schiller.

Nur zu! Sie rückenMit Schwert und Feuer auf uns an.

Nur zu! Sie rücken

Mit Schwert und Feuer auf uns an.

Schiller.

Schiller.

In einer Waldschlucht, zwei Meilen von Iglau, lag Lips Tullian mit seinen Gesellen um ein hochaufschlagendes Feuer herum, an welchem gesotten und gebraten wurde. Da gab es Geflügel aller Art, einige Schafe, ein paar Kälber, auch an Wildpret gebrach es nicht, und ein Fäßchen Branntwein versprach, das leckere Mahl zu würzen. Aber die Räuber hatten nicht allein für den Magen, sondern auch sonst für das Leben gesorgt. Einige ausgeraubte Kirchen, Edelsitze und Bauerhäuser hatten viele gute und werthvolle Sachen in diese Waldschlucht geliefert, und ein Säckchen mit Gold- und Silbermünzen erfreute die glückliche Bande.

Die Kochtöpfe wurden in den Kreis der Hungernden gebracht, die Braten vom Spieße genommen, und die Becher gefüllt. Gesang und Geplauder verstummte, und nur das Löffelgeklapper und Messergeklirre der Essenden unterbrach die Stille.

Da erscholl hinter Lips Tullians Rücken ein lautes Lachen, und als er jetzt zurück blickte, meinend, einer der Kameraden wolle ein tolles Stückchen erzählen, und durch eigenes Gelächter die Versammlung auf seinen Witz aufmerksam machen, da entsank ihm im Schrecken der ersten Ueberraschung das Messer.

Es waren die drohenden Mündungen einer Doppelbüchse, in die er sah. Und die Mündungen von Büchsen und gezogene Hirschfänger waren der verderbliche Kreis, den Soldaten und Jäger, rasch hinter den Bäumen hervor tretend, um die erstarrte Gesellschaft geschlossen.

Einer der Räuber sprang auf; im Augenblicke stürzte er, von einer Kugel in die Brust getroffen, entseelt nieder.

„Wer sich vom Flecke bewegt, ist des Todes!“ — herrschte der Mann mit der Doppelbüchse den Räubern zu. Ketten klirrten, Hunde knurrten, undGerichtsdiener traten in den Kreis, entrissen den Räubern Pistolen, Messer, Säbel und Knittel, legten ihnen Fuß- und Handschellen an, und trieben die Gefesselten mit Stockhieben zum Aufbruche an.

Einige Bauern, mit blassen Gesichtern und scheuen Tritten kamen auf den Ruf des Anführers aus den Gesträuchen hervor, und folgten, mit dem Raube beladen, den Dahinziehenden.

Die Nacht dunkelte heran, als Lips Tullian mit seinen Cameraden durch das gewaltige Thor eines festen Bergschlosses in den innern Hofraum trat, wo ein stattlicher Mann, die Begleitung mit großem Lobe, die Bande mit furchtbaren Drohungen begrüßend, den Befehl gab, die Räuber einzeln in die sichersten Gefängnisse zu bringen.

Einer der Gerichtsdiener bezeichnete ihm Lips Tullian als den Hauptmann der Räuber, und der Schloßherr bestimmte für diesen das tiefste Gefängniß und die schwersten Ketten. Lips Tullian wurde viele Stufen hinab in einen finstern, dumpfen Kerker gebracht, und mit einem Leibringe belegt, dessen Kette mit der der Fußschelle an einem Ringe in der Mauer befestigt wurde.

Schlaflos, im Ersinnen der Mittel zur Rettung sich erschöpfend, zählte Lips Tullian die dumpfen Schläge der Thurmuhr, und so eben war der letzteSchlag der Mitternachtstunde verklungen, da deuchte es ihm, an seiner Kerkerthüre Geräusch zu hören.

Die Riegel rasselten, das Schloß klirrte, die Thüre that sich auf, ein helles Licht drang in das Rabendunkel des Gefängnisses, und eine hohe, schlanke Frauengestalt, das Gesicht von einem dichten Schleier umhüllet, eine hochlodernde Fackel in der Linken, schritt im feierlich langsamen Gange auf ihn zu.

Die Gestalt stand; sie hob die Fackel, sie warf den Schleier zurück, und starrte schweigend mit scharfem Blicke auf Lips Tullian hin.

„Geist meiner Josephine!“ — stöhnte der Bebende, und sank bewußtlos zurück.


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