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„Meine sind froh, wenn sie mich los sind,“ entgegnete sie, „aber diese hier lassen mich nicht mehr weg.“

„Wenn der Habicht kommt, fliegt selbst die Krähe vom Neste, und um zwei solche Grasmücken sollt’ ich mich kümmern?“

„Sie haben das Kind zum Erben bestimmt. So ein Glück kommt nicht wieder.“

„Ich habe ihm auch einen Hof zu vererben, wenn ich das will.“

„Hier geht es nicht nach deinem Willen, das weißt du sehr gut. Denn eigene Kinder kommen zuerst.“

Der Jozup war rasch von Begriffen. Er sah gleich ein: wenn er nicht drohte, kam er zu nichts.

„Na, gut,“ sagte er, „dann muß ich doch wohl meiner Mutter erzählen, was zwischen uns passiert ist an jenem Sturmtag, als dem Jurris sein Kahn koppheister schoß. Was weiter geschieht, dafür wirdsiedann schon sorgen.“

Die Marinke sah vor sich nichts als Schmach und Beschmutzung. Und auch des Jurris’ Andenken würde beschmutzt sein bis in die Ewigkeit. Darum wurde sie stark in ihrer Schwäche und sagte: „Ein Eid gilt dir nichts,“ — daß er auch ihr einmal wenig gegolten hatte, daran dachte sie nicht — „und so schwör’ ich erst gar nicht. Aber was ich jetzt sage, das ist so wahr, wie daß der Jurris nicht wiederkommt. Wenn du mich heiraten willst, so werd’ ich nicht widerstehen und werd’ auch das Kind bei mir behalten, bis wir beide ein eigenes kriegen. Dann muß es zu denen zurück, die es beerben wird. Sagst du aber deiner Mutter oder sonst einem auf der Welt, was du mir angetan hast, dann nehm’ ich mir am selbigen Tage den ersten besten Kahn von denen, die am Ufer stehen, und fahre hinaus und komme nicht anders wieder, als einstmals der Jurris kam. Nun weißt du’s.“

Damit hob sie den Wäschekorb auf und schritt an ihm vorüber dem Hofraum zu.

Er aber hatte seinen Willen. Und was heute noch daran fehlte, das mußte die Zukunft ihm bringen, wenn die Marinke erst ganz in seiner Gewalt war.

Am nächsten Vormittag kam die Alte auf Freischaft.

Sie sah noch böser, noch verdrossener aus, und als sie die Marinke küßte, war’s ihr, als gösse der blankzähnige Mund ein Gift über sie aus.

Aber sie widerstand nicht mehr.

Mochte die gute Mutter ihr auch weinend Rücken und Hände streicheln, mochte der gnitschige Vater ihr ein Viertel von seinem Vermögen versprechen, — sie blieb fest. Und auch was mit dem Kinde werden sollte, bestimmte sie nach ihrem Willen.

Der alte Enskys hatte schon alles besorgt, was nötig war, um den Enkel an eigener Kindesstatt anzunehmen, aber das durfte nun erst in Kraft treten, wenn Marinkes Leib von neuem gesegnet war. Bis dahin sollte der Kleine bei seiner Mutter verbleiben, und der Jozup durfte die Vaterrechte ausüben, wie jeder Stiefvater es tat.

So wurde es festgemacht, und niemand sagte mehr Nein.

Die Hochzeit wurde bald nach dem Erntedankfest gefeiert. Die alten Enskys hatten sieausgerichtet, besser noch, als ob die Marinke ihres Sohnes richtige Frau gewesen wäre. Wer einen Stein auf ihre Sittsamkeit hatte werfen wollen, dem fiel er nun aus der Hand. Und nur die alte Wölfin grollte und kicherte höhnisch in sich hinein.

Am Morgen des ersten Tages — lange vor Sonnenaufgang — war Marinke auf den Kirchhof gegangen, um von dem Grabe des Jurris Abschied zu nehmen, denn daß ihre Gänge hierher von nun an nicht gern gesehen sein würden, das ahnte sie wohl. Sie betete und stärkte sich für das schwere Leben, das vor ihr lag. Auch bat sie ihm noch einmal alles Unrecht ab, das sie ihm im geheimen angetan hatte und wodurch er auch schließlich zu Tode gekommen war.

Sie wußte, daß ihr künftiges Dasein wohl nichts wie eine große Buße sein würde, und die nahm sie auf sich mit Freuden.

Am frühen Vormittag kamen ihre Eltern angefahren. Auch die zwei erwachsenen Brüder fanden sich ein, die waren zu Pferde gekommen.

Obgleich alle vier sie oftmals herzten und küßten, erschienen sie ihr nur wie weitläufige Verwandte. Sie hatte sie ja auch seit Jahren kaum noch gesehen.

Die Stiefmutter, deren Mißgunst sie einst von hinnen getrieben hatte, schämte sich einwenig, daß die Hochzeit nicht im Vaterhause ausgerichtet worden war, und erzählte jedem, mit dem sie bekannt wurde, es wäre nur der weiten Entfernung wegen nicht geschehen und außerdem, weil die Eltern des verstorbenen Bräutigams durchaus darauf bestanden hätten, das Fest an Ort und Stelle zu feiern. Und noch drei oder vier sonstige Gründe führte sie an.

Der Vater hatte das Heiratsgut gleich mitgebracht und trug den Beutel mit den vielen Goldstücken immer in der Hand. Er blickte bei jeder Gelegenheit nach der Stiefmutter hinüber, und man erkannte wohl, daß er keinen anderen Willen besaß als den, den sie ihm eingab.

Sobald sie eingesehen hatte, daß die Marinke in diesem Hause wie eine Tochter geehrt wurde und die Gefahr, sie könne vielleicht einstmals hilfesuchend bei ihr anklopfen, nicht bestand, trat sie an sie heran, umarmte sie und sagte, so laut, daß die Enskene es hörte: „Du wirst hoffentlich dessen gedenk sein, meine Tochter, daß du in deinem Elternhause eine Zuflucht hast und keine Fremden brauchst, dich zu beschützen.“

Und die Enskene erwiderte darauf: „Ebenso wirst du hoffentlich dessen gedenk sein, meine Tochter, wer eigentlich die Fremden sind.“

Obgleich die Stiefmutter durch diese Gegenrede gedemütigt wurde, schwieg sie ganz still, denn sie hatte erreicht, was sie wollte.

Das Kind begehrte keiner von der Familie zu sehen, und es wurde ihnen auch nicht gezeigt.

In der Kirche sah die Marinke den Jozup an diesem Tage zum ersten Male, denn es war damals in manchen Orten noch Sitte, daß Braut und Bräutigam — jeder mit seinem Anhang — gesondert zur Kirche fahren und nicht früher zueinandertreten, als bis der fromme Gesang zu Ende ist und der Pfarrer vor dem Altare steht, den Segen über sie zu sprechen.

Auf der rechten Seite saßen die Brautgäste, und die auf der linken, die zu dem Bräutigam gehörten, sahen feindlich herüber.

Die hatte die Alte schon alle aufgehetzt, weil die Marinke keinen Rautenkranz trug, sondern bereits das dunkle Frauentuch angelegt hatte, das ihre blonden Haare umschlang und verdeckte.

Und das kam daher, daß sie eine Entweihte war, wie die alte Wölfin jedem zuraunte, der es längst wußte und nichts dabei gefunden hatte, bis die Verachtung so in ihm wach wurde.

Der Jozup sah und hörte nichts von dem allen. Er starrte bloß immer mit einem wilden und freudigen Leuchten des Auges zu der Marinke herüber, als wollte er ihr zurufen: „Hab’ ich dich endlich?“

Und sie neigte den Kopf in Ergebung, als müßte sie ihm erwidern: „Ja, nun hast du mich ganz.“

Und als der Pfarrer hernach das Jawort von ihr verlangte, sprach sie es so hell und deutlich, als hätte statt des Jozup der Jurris an ihrer Seite gestanden.

Die Enskene aber schluchzte hell auf. Auch sie gedachte dessen, der in der Erde lag.

Die alte Sitte hierorts verlangt, daß Braut und Bräutigam vom Kruge aus, wo die Trauung begossen wird, ein jeder gesondert nach Hause fahren, um erst am zweiten Tage der Feierlichkeiten fürs Leben zusammenzukommen; aber der folgte man nicht mehr, sondern schlug, wie es jetzt immer üblicher wurde, gemeinsam den Weg zur Brautwohnung ein.

Der Jozup saß neben seiner jungen Frau. Er sprach nicht zu ihr und sah sie nicht an, aber wenn beim Fahren ihre Achsel gegen die seine schlug, zitterte er wie ein Kranker, so daß ihr angst und bange wurde. Und noch bänger wurde ihr, wenn sie sich umwandte und auf dem zweiten Wagen die Alte sitzen sah, die die Lippen eingekniffen hatte und deren Blick sie durch und durch stach.

„Er wird mich mit seiner Liebe fressen,“ dachte sie, „und die Alte mit ihrem Haß.“

In dem Hochzeitshause war alles aufs Beste gerichtet. Die Türrahmen mit Gewinden umgeben und Ehrenpfosten bis an das Hoftor. Die Tische konnten all die guten Gerichte nicht fassen.Da gab es Rindfleisch mit Reis und Pflaumen mit Klößen, auch Schweinebraten gab es und Neunaugen, gewürzt und gesäuert. Und noch vieles andere mehr, von dem süßen Fladen gar nicht zu reden. Zum Trinken war da: Braunbier und Alaus und Kirschen- und Kornschnaps — alles sehr reichlich.

Im Brautwinkel, wo neben dem jungen Paare die vornehmsten Gäste sitzen, stand sogar in hochhalsigen Flaschen der teure Portwein; der war aus Memel extra verschrieben.

Aber allen diesen Herrlichkeiten zum Trotz wollte eine behagliche oder gar freudige Stimmung nicht aufkommen. Die Verwandten des Bräutigams hielten sich abseits von den Verwandten der Braut, giftige Blicke flogen hin und her, und wer beiden Seiten freundlich gesinnt war, der sah mit Sorge, daß, wenn das Haderwasser erst seinen Dienst tat, giftige Reden nachfolgen würden.

Zum Überfluß hetzte die alte Wilkene noch immer. Ihr Sohn habe was Besseres verdient, als Jungfernkinder großzuziehn, und niemandem könne es als Ehre gelten, auf einer Hochzeit zugegen zu sein, bei der die Brauteltern, anstatt sie auszurichten, sich als Gäste breitmachen.

Die beiden Wirtsleute mühten sich umsonst, den drohenden Sturm zu verscheuchen. Die gute Mutter schleppte Teller und Gläser, als wäresie die letzte der eigenen Mägde, und wie mißtrauisch der Alte auch sonst die Schätze seiner Truhen hütete, heute öffnete er die Deckel weit und verteilte Handschuhe und Handtücher in Menge, selbst seidengewebte Jostbänder verteilte er. Die lagen seit hundert Jahren in dunklem Verstecke.

Aber nichts wollte helfen. Die Magila, die Göttin des Zornes, saß schon im Rauchfang, und fuhr sie hernieder mit Ruten und Peitsche, dann wehe!

Die arme Marinke traute sich nicht mehr zu reden, zu lächeln, und der Jozup saß da mit eingekniffenen Fäusten und Augen, die flammten nach rechts und nach links, als wolle er bald dem, bald jenem stracks an den Hals.

Und immerzu ging das Getuschel der Alten. Wie ein Messerstich hierhin und dorthin flog schon ab und zu ein häßliches Wort durch die eintretende Stille.

Wäre der Pfarrer zugegen gewesen, dann hätte sich wohl alles anders gestaltet. Er war ja auch geziemend geladen, aber er hatte gleich abgesagt, und jeder mochte sich denken, weshalb.

Als einziger Deutscher saß der Lehrer unter den Gästen, aber der war noch sehr jung und besaß nicht Ansehen genug, die Seelen sich untertänig zu machen.

So konnte das Unheil weiter gedeihen.

Einer der Nachbarn, sonst ein verträglicher Mann, der harmlos gekommen war, sich zu vergnügen, hob mit einemmal sein Glas und rief zu dem Brautvater hinüber: „Du — prost auf die billige Hochzeit!“

Das gab natürlich den Anstoß zu bösem Gelächter. Der alte Tamoszus sprang auf und wollte dem Höhnenden sein Glas an den Kopf werfen, andere fielen ihm in den Arm, ein großes Lärmen hub an, — das Schlimmste schien nun gekommen.

Da geschah etwas, was niemand geahnt oder für möglich gehalten hätte. Wäre der Herrgott vom Himmel herniedergestiegen, um Frieden zu stiften, keiner hätte sich mehr gewundert als jetzt.

Und es war ja auch eine Art von Herrgott, ein „Wieszpatis“ war es, der sich selber bemühte.

Wer kannte nicht die zwei weißen Trakehner, die plötzlich herangebraust kamen? Wer kannte nicht den Mikas auf dem Bock mit der Mardermütze und der rotsamtnen Troddel? Wer kannte nicht das Lacklederverdeck mit den silbernen Bügeln?

Und wer kannte nicht den Mann, der fünf Fuß zehn Zoll hoch mit blitzendem Auge unter buschigen Brauen und auseinandergestrichenem dunklem Barte schwer und gewaltig den blautuchenen Polstern entstieg, um sich dann umzuwendenund einer Dame im seidenen Schleier und seidenen Mantel aus dem Innern zu helfen?

Ja, wennderzur Hochzeit kam! Der und die Frau, die alle liebten, wie man einstmals die Milda geliebt hat, die Göttin, die nicht bloß schön war, sondern in ihrem Gutsein sich auch zu den Demütigen neigte!

Wenndasgeschah, dann gab es nicht Hadern mehr und nicht Hochmut. Dann gab es keine Entweihte mehr mit dem Frauenkopftuch, da wo der Rautenkranz und die silberne Krone hingehört hätten. Dann gab es nur Frieden und Glück und Geehrtsein.

Alle, die vor der Tür und im Hausflur tafelten, erhoben sich stumm von den Sitzen, und so betraten beide suchend die Stube, in der sein Kopf die Decke durchstoßen hätte, wenn er sich ganz hätte aufrichten wollen. Auf den Brautwinkel gingen sie zu und gaben der Marinke freundlich die Hand, die blutübergossen und stumm den Blick auf die Dielen geheftet hielt. Und auch den Jozup begrüßten sie — glückwünschend, daß er solch eine Frau, deren Wert sie ja kannten, sich zu eigen genommen. Und dann begrüßten sie die Wirtsleute wie alte Freunde, und sie, die Herrin, wechselte einen ernsten Blick mit der Mutter, den nur sie beide verstanden, und die Marinke, die gerade erst aufzusehen wagte.

Ihre Stiefmutter, die eine ansehnliche undimmer noch hübsche Frau war, drängte sich vor, um auch einen Gruß zu bekommen, aber die Herrschaften achteten ihrer nicht mehr, als ob sie ein Unkraut gewesen wäre.

Und auch die alte Wilkene erkannten sie nicht, oder vielleicht wußten sie gar nicht, daß eine Bräutigamsmutter noch da war.

Dann setzten sie sich dem jungen Ehepaar gegenüber, und er, der Wieszpatis, zog einen Kasten unter dem Arme vor und reichte ihn hin. Der war innen mit Seide gefüttert, und auf der hellblauen Seide lagen silberne Messer und Gabel und Löffel, die kosteten hundert Taler und mehr. Das war sicher.

Noch niemals hatte man jemand gekannt, dem zur Hochzeit solch eine Gabe beschert worden war.

Und der Herr sagte: „Ihr alle sollt daraus erfahren, wie treu die Marinke mir einstmals gedient hat und wie hoch meine Frau und ich ihre Dienste heute noch schätzen.“

Sie aber, die Herrin, sagte auf Deutsch, denn Litauisch konnte sie nicht: „Es muß ein besonderes Glück für Sie sein, Herr Wilkat, daß Sie dem Kindchen ihres toten Freundes den Vater ersetzen dürfen.“

Da fuhr die Marinke erschrocken hoch, denn des Kindes war heute noch niemals von einem gedacht worden.

Und die Herrin fragte: „Kann man es sehen, Marinke?“

Da lief die Mutter Enskys rasch in die Kammer, wo die Wiege versteckt war, und brachte es angetragen in seinen rotbunten Kissen.

Und die Herrin nahm es auf ihre Arme und schaukelte es und sagte: „Ein hübsches Jungchen. Es ähnelt dem Vater, soweit ich mich an ihn erinnere. Findest du nicht auch, John?“

Der Wieszpatis wollte das gleiche aussprechen, da gewahrte er, daß die Augen der Marinke sich auf ihn richteten mit einem Blicke so voller Inbrunst und Angst, daß er ganz stutzig wurde, und darum nickte er nur bedächtig und nachsinnend vor sich hin. Nachdem sie dann ein Glas Wein auf das Wohl des jungen Paares geleert hatten, nahmen die Herrschaften freundlichen Abschied und fuhren von dannen.

Das Kind und das Silberbesteck aber gingen noch lange Zeit bei den Gästen von einem Schoß auf den andern und wurden abwechselnd bekuckt und bewundert.

Und nur die alte Wilkene, die murmelnd und kichernd draußen herumlief, wollte von beiden nichts wissen.

Das Gehöft, das die Leute das „Wolfsnest“ nannten, lag ein wenig abseits vom Dorfe undwar gewiß die stattlichste Wirtschaft unter den fünfen, denen man Hochachtung schuldete. Aber man sah nicht viel davon, denn es war auf drei Seiten von einem Erlengehölze so dicht umgeben, daß man höchstens bei Nacht die Lichter durchschimmern sah.

Was darinnen vorging, blieb jedem Nachbarn verborgen. Und nur wer von der Landseite herfuhr, gewahrte die roten Ziegeldächer, die als Wahrzeichen des Wohlstandes selbst Stall und Scheune bedeckten.

Wer durch das Gittertor eintrat, wurde erst recht überrascht durch die schönen Maschinen, die auf dem Hofe der Reihe nach standen.

Hier die Wirtin zu sein, mußte jede mit ehrfürchtigem Stolze erfüllen, die auf Arbeit hielt und auf Ordnung.

Die Marinke fand sich rasch in das neue Leben, und war sie von Kindesbeinen an fleißig und tüchtig gewesen, wie hätte sie’s hier nicht sein sollen, wo sie auf eigenem Boden stand?

Das erkannte voll Ingrimm sogar die Schwiegermutter an, wenn sie vom Fenster der Altsitzerstube aus, bereit zu Tadel und Zank, das Wirken der Hausfrau verfolgte. Und sie hütete sich wohl, sich an ihr zu vergreifen oder den Sohn gegen sie aufzubringen. Beides versparte sie sich auf günstigere Zeit. Nur daß sie niemals zur Mahlzeit erschien und ohne Gruß aus und ein ging.

Die Marinke kümmerte sich nicht viel um ihr feindseliges Benehmen, denn sie hatte ja Schlimmeres erwartet. Wie Jozup sich stellen würde, wenn es zwischen ihr und der Alten zu offenem Zwiste kam, das wußte sie nicht. Ob er ihr auch in heißer Liebe zugetan war, der Mutter würde er doch wohl nicht Unrecht geben, denn er mußte ihr ewiglich dankbar sein, weil sie ihn in der Erbfolge den älteren Brüdern vorgezogen hatte. Der eine war Schutzmann in Berlin, und der andere stand kurz vor dem Versorgungsschein. Schreiben taten sie beide nicht mehr.

Mit dem Jozup war’s eine eigene Sache. Manchmal, wenn er dasaß und sie ansah halbe Stunden lang, ganze Stunden lang, ohne ein Wort zu reden, und sie gleichsam aufzehrte mit seinen schwarzen Rauschbeerenaugen, dann dachte sie innerlich schaudernd: „Das ist zu viel, das darf nicht sein, das geht wider Gottes Macht und Willen.“

Und wenn er bei ihr lag und zitterte vor allzugroßer Liebe und ihr nicht nahe zu kommen wagte, dann dachte sie wieder: „Das ist die Strafe, weil er sich an dem Jurris vergangen hat.“ Bis er sich dann auf sie stürzte wie ein wildes Tier, so daßsienun zitterte vor seiner allzugroßen Liebe. Und manchmal dachte sie dabei: „Vielleicht ist er wirklich ein Werwolf undheißt nicht bloß so.“ Aber dann warf sie die Furcht wieder ab und tröstete sich: „Das kommt bloß daher, daß er zu lange nach mir begehrt hat und ganz ohne Hoffnung gewesen ist. Und nun kann er’s noch immer nicht fassen.“

Und dann war es ihr manchmal, als könnte sie ihn mit der Zeit auch wiederlieben. Aber ihr Herz war immer noch auf dem Kirchhof, dort, wo der Jurris lag. Und hätte sie sich getraut, ab und zu an das Grab zu gehen, ihr wäre manches leichter geworden.

Auch auf das Kind übertrug der Jozup seine wilde Liebe. Ob es sein eigenes war oder nicht, darüber hatten sie beide nicht mehr geredet, und Marinke war wohl darauf bedacht, ihm seinen Glauben zu lassen, denn sie wußte, wenn’s anders käme, würd’ es ihr schlecht gehn.

Er nannte den Kleinen auch nicht „Jurris“, wie er getauft war, sondern „Wilkiutis“ oder „Wilkytis“, was gar kein christlicher Vorname ist, sondern das „Wölfchen“ bedeutet. Und er war ganz zornig, wenn die Dienstboten nicht taten wie er. Nur die Marinke durfte seinen wirklichen Namen noch in den Mund nehmen, aber schließlich brachte sie’s auch nicht mehr übers Herz und nannte ihn immer bloß „Kindchen“ oder auch „Liebling“.

Der Kleine wuchs rasch heran und konnte gehen und sprechen, noch ehe das erste Ehejahrum war. Und der Jozup spielte mit ihm wie der Wolf mit seiner Brut vor der Höhle im Sonnenschein. Lag lang auf der Erde und ließ ihn klettern über sich her und hob ihn hoch in die Luft, und dann mußte er sehen, wie er von den Handflächen wieder herabkam.

Um das Erlengehölz aber schlichen oft in der Dämmerung zwei alte Leute und kuckten sich die Augen entzwei nach dem künftigen Erben, und kuckten nicht minder nach der Marinke, ob ihr Leib noch immer nicht Spuren zeige von kommendem Segen, damit alsbald der Vertrag in Kraft treten könne, der ihnen den Enkel zurückgab.

Den Hof zu besuchen, war ihnen verboten, obwohl der Alte die Vormundschaft hatte, und ebenso durfte Marinke nie mehr zu ihnen gehen. Oft hätte sie gern ihren Kopf auf den Schoß der Mutter gelegt und sich streicheln lassen von ihren verständigen Händen, aber um des lieben Friedens willen entbehrte sie auch das.

Um wenigstens etwas von ihr und dem Kinde zu haben, hatten die Alten es auf sich genommen, den Milchwagen, der ja zum Verladen der Kannen bei den Besitzern immer reihum fuhr, selbst zu kutschieren, wenn ihre Woche gekommen war. Aber der Jozup ließ die Kannen schon vorher an den Rand des großen Weges bringen, wo sie herrenlos standen, bis der Wagen sie auflud, undals die Alten sich dumm stellten und unter diesem oder jenem Vorwand doch aufs Gehöft fuhren, da machte er kurzen Prozeß und trat aus der Genossenschaft aus. Und das tat er um so lieber, als er selber nicht gerne mehr nach Augustenhof hinwollte. Den Grund sagte er nicht, und vielleicht besaß er auch keinen. Aber den Wieszpatis nannte er nur noch „den Deutschen“, und das schöne Besteck sah er nicht an. Das lag auf dem Grunde des Schrankes und zehn Schichten Kleider darübergefliehen.

Nun war der liebe Jurris schon zwei Jahrchen tot, und der Tag seines Sterbens kam heran.

Ob der Jozup sich dessen erinnerte oder auch nicht, kurz, um die Stunde, in der damals das alles geschehen war, erklärte er plötzlich, er wolle aufs Haff hinaus, mit dem Keitelnetz ein Gericht Fische zu fangen. Er tat das sehr selten, denn den Fischer zu spielen war er zu stolz. Und wie er die Marinke zum Abschied küßte, da war Triumph in seinem Auge, so daß sie sich dachte: „Jetzt geht er Gott danken und sich freuen an seiner Gewalttat.“

Und weiter dachte sie: „Soll der arme Jurris nun ganz allein da liegen und denken, ich hab’ ihn vergessen?“

Sie wußte, die Eltern gingen nicht gern auf den Kirchhof, und der Vorwurf in ihr sprach lauter und lauter.

Darum nahm sie den kleinen Jurris kurzweg bei der Hand, denn es mußte ja aussehen wie ein ganz kleiner Spaziergang. Sobald sie aber hinter den Erlen war und die Alte ihr nicht mehr nachblicken konnte, hob sie ihn auf den Arm und schritt, so rasch sie konnte, dem Kirchhof zu, der wohl eine halbe Stunde entfernt lag.

Das Grab war ziemlich verfallen. Frische Blumen lagen nicht darauf, und auch sie hatte ja keine mitbringen können. Darum pflückte sie Blätter von den Ahornbäumen, und weil sie zufällig ein Knäulchen Zwirn in der Tasche hatte, machte sie sich daran, eine schöne Girlande zu winden, die den Grabhügel der Länge und Breite nach festlich umrahmen sollte. Zeit hatte sie genug, und der Kleine grub artig im Sande.

Ihm die Zeit zu vertreiben, sang sie ein Lied, und auch weil ihr hier an dem Grabe so wohl war.

Sie sang:

„Dort unter den LindenIn jenem Grabe,Da liegt und schlummertMein lieber Knabe.Auf seinem DenkmalStehet zu lesen,Wie schön und tapferEr einst gewesen.Mit Blumen schmück’ ich’sIn jedem Lenze,Sitz’ auf dem GrabeUnd flecht’ ihm Kränze.Und ranke GrünesRings um die KantenUnd pflanze GoldlackUnd Amaranten.Und klag’ und weine,Weil sie den KnabenMir aus dem BrautbettGerissen haben.Doch aus dem HerzenStiehlt ihn mir keine,Und jeden AbendKomm’ ich und weine.“

„Dort unter den LindenIn jenem Grabe,Da liegt und schlummertMein lieber Knabe.Auf seinem DenkmalStehet zu lesen,Wie schön und tapferEr einst gewesen.Mit Blumen schmück’ ich’sIn jedem Lenze,Sitz’ auf dem GrabeUnd flecht’ ihm Kränze.Und ranke GrünesRings um die KantenUnd pflanze GoldlackUnd Amaranten.Und klag’ und weine,Weil sie den KnabenMir aus dem BrautbettGerissen haben.Doch aus dem HerzenStiehlt ihn mir keine,Und jeden AbendKomm’ ich und weine.“

„Dort unter den LindenIn jenem Grabe,Da liegt und schlummertMein lieber Knabe.

„Dort unter den Linden

In jenem Grabe,

Da liegt und schlummert

Mein lieber Knabe.

Auf seinem DenkmalStehet zu lesen,Wie schön und tapferEr einst gewesen.

Auf seinem Denkmal

Stehet zu lesen,

Wie schön und tapfer

Er einst gewesen.

Mit Blumen schmück’ ich’sIn jedem Lenze,Sitz’ auf dem GrabeUnd flecht’ ihm Kränze.

Mit Blumen schmück’ ich’s

In jedem Lenze,

Sitz’ auf dem Grabe

Und flecht’ ihm Kränze.

Und ranke GrünesRings um die KantenUnd pflanze GoldlackUnd Amaranten.

Und ranke Grünes

Rings um die Kanten

Und pflanze Goldlack

Und Amaranten.

Und klag’ und weine,Weil sie den KnabenMir aus dem BrautbettGerissen haben.

Und klag’ und weine,

Weil sie den Knaben

Mir aus dem Brautbett

Gerissen haben.

Doch aus dem HerzenStiehlt ihn mir keine,Und jeden AbendKomm’ ich und weine.“

Doch aus dem Herzen

Stiehlt ihn mir keine,

Und jeden Abend

Komm’ ich und weine.“

„Wennichhier mit meinem Kinde an jedem Abend ein Stündchen sitzen könnte,“ dachte sie, „ich wollte, weiß Gott, nicht weinen, sondern immer vergnügt sein.“

Und wie sie sich noch an ihrer Geborgenheit freute, da wurden mit einemmal vom Kirchhoftor Schritte laut, schwere, unsichere Schritte, und ein Klappern dabei — das kannte sie wohl.

Sie ließ die Girlande liegen, nahm das Kind auf den Arm und ging der Schwiegermutter entgegen.

Die schwang die Krücke und schrie: „So also bist du dem Jozup treu, du Allerweltsfrauenzimmer, daß du selbst mit den Gräbern buhlen gehst? Ohne Jungfernschaft bist du ins Haus gekommen, den Muturis“ — das Frauenkopftuch— „hat die Pestgöttin dir umgelegt und nicht ich. Aus der Mistpfütze bist du gekrochen, und nicht eher werde ich ruhen, als bis ich dich dahin zurückgeprügelt habe.“

Und sie schlug mit dem Krückstock auf die Marinke los.

Die dachte nur daran, den kleinen Jurris zu schützen, der bitterlich zu weinen begann, weil einer der Schläge auch ihn getroffen hatte, und ging davon ohne ein Wort der Erwiderung.

Die Alte kam nachgehumpelt und setzte sich vor das Hoftor, um dem Jozup aufzupassen.

Und als er um die Dämmerstunde vom Haffe zurückkam, erzählte sie ihm alles. „So hat sie dich beseift,“ sagte sie. „Nun strafe sie, wie sich’s gebührt.“

Er zog die Augenbrauen noch dicker zusammen und kämpfte lange mit sich. „Warum soll ich sie strafen?“ sagte er dann. „Es ist besser, ihr Zeit zu lassen, damit das Andenken an jenen aussauern kann aus ihrem Gemüte.“

„Bist du ein Mann oder ein Stöpsel?“ fragte höhnisch die Alte.

„Weil ich ein Mann bin,“ entgegnete er, „weiß ich, was ich zu tun habe.“

Aber sie ließ ihm keine Ruhe. „Weiche Äpfel faulen bald,“ sagte sie, „und wer bloß Krumen essen will, bricht sich am ehesten die Zähne entzwei. Darum tu deine Schuldigkeit an ihr.“

Aber er liebte die Marinke zu sehr, um sie zu schelten. Nur fernhalten tat er sich von ihr, und auch das Kind sah er nicht an wohl eine Woche lang.

Und die Alte wühlte und hetzte bei jedem Begegnen, denn jetzt hatte sie einen Grund.

Und da sie den Krückstock gegen die Schwiegertochter schon einmal gehoben hatte, ohne daß ihr ein Übles geschehen war, so wagte sie es alsbald von neuem und fiel über sie her, allemal, wenn sie ihr nicht entweichen konnte.

Zuerst ließ die Marinke sich alles gefallen und war auf nichts weiter bedacht, als den Kleinen zu schützen. Da sie aber immer häufiger angefallen wurde, mußte sie sich wohl zur Wehr setzen. Und eines Tages — nicht weit vom Herde — riß sie der Krüppligen den Stock aus der Hand und warf sie gegen den hängenden Kessel, so daß ein wenig von dem kochenden Wasser herausspritzte.

Die Alte hub sofort furchtbar zu heulen an. Die Schwiegertochter habe sie geschlagen und verbrüht, und sie zeigte den Dienstboten die Blasen an Hals und an Händen. Und als der Jozup vom Felde kam, zeigte sie sie auch ihm und klagte, sie sei schon seit langem ihres Lebens nicht sicher.

Da geschah es zum ersten Male, daß er sich an seinem Weibe vergriff. Er schlug sie nicht,wozu ein zorniger Mann wohl das Recht hat, sondern warf sie schweigend über den Tisch und schüttelte und würgte sie, wie man mit einem bissigen Hunde tut.

Als er sie losgelassen hatte, nahm sie den kleinen Jurris auf den Arm und rannte in ihrer Seelennot zu der Mutter Enskys, obwohl ihr ja jeder Verkehr verboten war.

Die küßte zuerst den kleinen Jurris halbtot und rief dann den Alten herbei. Der tat desgleichen, und als Marinke ihnen alles erzählt hatte, wollten sie sie sogleich bei sich behalten.

Aber die Marinke willigte nicht darein. „Von hier holt er mich schon morgen vormittag,“ sagte sie, „und wenn ich mich wehre, schleppt er mich womöglich an den Haaren zurück. Aber ich weiß jetzt, was ich ihm sagen werde, wenn ich auch nicht danach tun kann.“

Damit ging sie zurück. Der Alte bat sich aus, ihr den Kleinen noch eine Strecke zu tragen, und als sie es nicht erlaubte, lief er auf seinen Schlorren hinter ihr drein und machte mit leeren Armen Eiapopeia.

Am nächsten Morgen wollte der Jozup schweigend von dannen gehen, aber sie hielt ihn zurück und sagte: „Ich habe es satt, mich schlecht behandeln zu lassen. Ein Kind hat uns der Himmel bisher nicht geschenkt, es hält uns also auch nichts zusammen. Wenn ich auch eine böseStiefmutter habe, geprügelt oder gewürgt werd’ ich dort nicht, und darum ist es das Beste, ich gehe nach Hause. Die fünfhundert Taler kannst du behalten.“

Er wurde weiß wie der Kalk an der Wand und entgegnete drauf: „Das Einzige ist, ich teile ihr mit, wessen Blut in den Adern des Kleinen fließt. Dann wird sie’s vielleicht weitererzählen, aber im Hause wird Ruhe sein.“

Da sagte die Marinke: „Gestern vor vierzehn Tagen war des Jurris’ Todestag, und heute wirdmeinTodestag, wenn du das tust, so wahr ich dein Weib bin.“

Der Jozup wußte nun, daß in dieser Sache ihr Sinn unveränderlich war und daß er nie und nimmermehr daran würde rühren dürfen. Darum sagte er: „Ich werde nachsinnen, ob es ein anderes Mittel gibt.“

Und die Marinke sagte: „Du kannst nachsinnen, soviel du willst. Ein anderes Mittel, als daßsieaus dem Hause geht oder ich, wirst du nicht finden.“

Der Jozup lief in der Stube umher und schrie: „Sie hat mich vorgezogen, seit ich im Kinderkleid war — sie hat die Brüder hinausgejagt, damit ich hier Herr bin. Verlange du nicht zu viel von mir!“

Und die Marinke erwiderte: „Ich verlange ja nichts.“

An demselben Morgen ging er in die Altsitzerstube und blieb dort länger als eine Stunde. Und das Ende war, daß gegen Mittag die Alte herauskam, das Gesicht wie behonigt, und zu der Marinke sagte: „Setze meinen Teller auch auf den Tisch, liebe Tochter. Damit Friede wird, will ich fortan mit euch zusammen essen.“

Aber die Marinke traute ihr nicht, und als die Alte den Kleinen ihren „Putytis“, ihr Hähnchen, nannte und ihn gar auf den Arm nehmen wollte, zog sie ihn rasch auf die Seite.

Von diesem Tage an war die Wilkene wie umgewandelt, und niemand konnte wissen, wodurch es geschehen war.

Die Mutter Enskys aber, die alle Freitagabend im Erlengebüsch auf Marinke lauerte — — denn so war es jüngst ausgemacht worden —, sagte zu ihr: „Paß gut auf, daß sie nicht an den Herd kommt. Ich will mich rösten lassen wie Flachs, wenn sie nicht darauf sinnt, dich und das Kind zu vergiften.“

Die Alte aber saß allabendlich am Rande des Sumpfteichs hinter dem Roßgarten, um Fischbrut zu käschern, wie sie sagte, für die Angeln, die nächstens ausgelegt werden sollten, und in der Dunkelheit kam sie mit Kräutern beladen nach Hause, die sie niemandem zeigte.

Am Sumpfteich wuchs neben der Hundsromei und dem Kalmus auch Wasserschierlingin Menge. Das ganze Dorf hätte man ausrotten können, so viel Schierlingsstauden standen dort mit ihren weißlichen Schirmchen.

Ja, die Marinke paßte gut auf.

Daß die Alte Spiritus wollte zum Einreiben gegen die Gicht, das hatte nichts auf sich, aber daß sie sich auch das Kesselchen holte mitsamt dem Kocher, während sie doch jetzt immer am Tische aß, das gab schon mehr zu bedenken. Und stundenlang saß sie am Herde, um sich die Glieder zu wärmen, obwohl die Luft noch ganz sommerlich war.

Vom Wasseransetzen bis zur fertigen Mahlzeit wich die Marinke nicht von der Stelle. Kaum den Kopf zu wenden traute sie sich, und schließlich wurd’ ihr ganz wirblig von dem ewigen Argwohn.

Und eines Abends, als es Kürbisbrei gab mit Zucker und Rosinen, da fiel ihr ein fremder Geruch auf, der aus der Schüssel emporstieg. Der Jozup mochte wie viele den Kürbis nicht und kriegte was Anderes, die Alte aber bekam mit einemmal die Kolik, ging zu Bett und ließ sich Melissentee kochen, so daß nur sie selbst und das Kind noch übrigblieben, davon zu essen, denn den Leuten war schon vorher zugeteilt worden.

Darum tat sie nur so, als ob sie aß, und gab auch dem Kinde nichts, füllte aber, soviel sie konnte, in eine breithalsige Flasche und liefheimlich damit zu der Mutter Enskys, damit sie nun tue, was not war.

Und als der Freitagabend herankam, da sagte die Mutter: „Ich bin in Heydekrug gewesen beim alten Settegast, der hat den Brei untersucht und gesagt, der Pons Stootsanwalts, wenn man’s dem anzeigen wollte, wär’ mit der Hälfte zufrieden. Und hier auf dem Zettel steht alles.“

Die Marinke nahm den Zettel und ging zum Jozup. „Deine Mutter ist mir die rechte,“ sagte sie.

„Wieso?“ fragte er und ließ die Halsbinde los, denn er zog sich eben die Kleider vom Leibe.

„Weil sie mich hat vergeben wollen — mich und das Kind.“

Er wurde so rot, als müsse er an ihren Worten ersticken, und riß sich das Hemd am Halse entzwei.

„Ich habe das Versprechen getan, dich niemals zu schlagen,“ sagte er, „aber du machst es einem recht schwer.“

„Hier ist der Zettel,“ sagte sie.

Er las den Namen des alten Settegast, den jeder ehrte weit und breit, und so rot, wie er gewesen war, so blaß wurde er nun. Und dann ließ er sich alles von ihr erzählen. Auch daß die Mutter Enskys die Probe zur Apotheke getragen hatte, verschwieg sie ihm nicht. „Straf mich, wenn du willst,“ sagte sie, „aber das Kind mußt’ ich am Leben erhalten, gleichviel, wer sein Vaterist. Und das Beste wird sein, du läßt mich jetzt gehen, sonst gelingt es mir doch nicht.“

„Du und das Kind bleiben hier,“ erwiderte er.

„Gut,“ sagte sie, „dann muß deine Mutter fort, oder ich zeige sie an.“

„Du zeigst sie an?“ fragte er, als ob er nicht recht gehört hätte.

„So wahr ich ein Kind habe, ich zeige sie an.“

Da lief er hinaus, halbnackt wie er war, und kam die ganze Nacht nicht mehr wieder. Auch am nächsten Morgen war er nirgends zu sehen, erst gegen Mittag trat er mit einemmal aus der Altsitzerstube. Er zitterte am ganzen Leibe und sagte: „Ich habe mit der Mutter gesprochen. Was sie jetzt tun muß, das habe ich ihr schon damals prophezeit und habe für alle Fälle mit den Brüdern das Nötige geordnet. Sie werden die Hälfte aller Einkünfte bekommen und sie dafür in Pflege nehmen, solange sie lebt. Siehst du nun wohl, wie lieb du mir bist — du und das Kind?“

Drei Tage später fuhr die Alte ab. Sie hatte kaum einen Widerspruch zu leisten gewagt, denn sie wußte, die Anzeige drohte.

Als sie auf dem Wagen saß, mit dem der Jozup sie zur Bahn brachte, reckte sie noch einmal den Krückstock nach der Marinke und schrie ihr den schwersten Fluch an den Hals: „Mag der Perkuhns dich treffen nach Bartholomä!“

Und da es bis zum nächsten Bartholomä noch lange hin war, verbesserte sie sich: „Nein, noch vorher, jetzt gleich soll der Perkuhns dich treffen.“

Da zogen die Pferde an, und sie fuhr in die Weite, dorthin, wo kein Litauergott mehr donnert.

Nun folgten vier Ehejahre, die konnte man glückliche nennen.

In Marinkes Herzen wurde das Bild des Jurris allmählich blasser und blasser. Da eine Aufpasserin nicht mehr vorhanden war, hätte sie manches liebe Mal nach seinem Grabe sehen können, aber es drängte sie nichts mehr dorthin.

Der Kleine wuchs zu einem kräftigen Strampler heran, der sich die Butter vom Brote nicht nehmen ließ und seinen Willen vom Morgen bis zum Abend in die Welt hinauskrähte.

Der Jozup konnte nicht satt werden, ihn darin zu bestärken, und wenn der Junge recht unartig war, sagte der Vater: „So ist’s gut, mein Lümmelchen. Pech und Teer sind Verwandte.“

Er lehrte ihn Schweine treiben und die Kühe zur Weide führen und setzte ihn jedem Tier auf den Rücken, das gerade zur Hand war. Mit vier Jahren ritt er bereits auf der bockigenSchimmelstute, und die war auch sonst nicht die frömmste.

Von Monat zu Monat wurde das Leben inniger zwischen den beiden, und als der fünfte Frühling herankam und die künftige Schulzeit schon drohte, da nahm der Jozup ihn morgens sogar auf das Feld mit. Er ließ ihn die Lenkstange der Pflugschar anfassen, er gab ihm einen Zipfel des Säelakens zu tragen und meinte: „Das muß das Erste sein, was ein Wirtssohn erlernt, sonst nützt ihm kein Schreiben und Rechnen.“

Ein Glück war’s — ein unaussprechliches und nie besprochenes —, daß noch immer kein Zeichen sich meldete, der kleine Jurris werde ein Brüderchen oder ein Schwesterchen kriegen. Es war gerade so, als ob der Himmel selbst darüber wachte, daß in dieses ängstliche Wohlsein Bestand und Ruhe allmählich einkehrte.

Im Enskysschen Hause aber lagen allabendlich zwei alte Leute auf ihren Knieen und flehten zum lieben Gott, er möge sie davor behüten, einsam in die Grube zu fahren, und ihnen den Großsohn und Erben zurückgeben.

Und endlich, endlich wurde ihr Gebet erhört. Die Marinke mochte sich noch so sorgsam verstecken, die Dienstleute trugen es doch hinaus, und bald wußte das ganze Dorf, daß sie gesegneten Leibes war.

Der Jozup ging umher wie ein Wüterich und erklärte, wer ihm den Knaben nehmen wolle, den schieße er nieder.

Aber als die beiden Enskys von seinen Reden hörten, da lachten sie nur, denn sie hatten es schriftlich.

Und eines Tages waren sie dreist genug und erschienen beide im Hoftor.

Die Marinke, die im achten Monat war und nur noch leichte Gartenarbeit verrichten konnte, saß hinten in den Zuckerschoten und ließ die Alten unbemerkt an den Staketen vorbeiziehen. Die aber hatten sie wohl gesehen und wollten gerade in den Garten einbiegen, da stießen sie auf den Jozup, der eben aus dem Hause trat.

„Ihr wollt wohl, daß ich den Hund losmache?“ sagte er ihnen zum Gruße.

Die Großelternliebe war stärker in ihnen als jegliche Angst, und obwohl der Alte sich ein wenig hinter der Mutter verkroch, soviel Klugheit hatte er doch, um zu sagen: „Ich würde an deiner Stelle versuchen, dich mit uns zu verständigen, denn vor den Behörden bist du ja machtlos.“

Da dachte er nicht anders, als sie würden wohl mit sich handeln lassen, und lud sie ein, in die Stube zu treten.

Aber bald sah er ein, daß sie auf ihrem Scheine bestanden und nur Gewißheit haben wollten, wann sie das Kind heimholen könnten.

Vor seinem Sinn stand nur der eine Gedanke: wie sich den Sohn erhalten, an dem seine Seele hing. Für einen Augenblick stieg wohl der Wunsch in ihm hoch, das Heimliche zu offenbaren, das ihn mit dessen Leben verband, aber er warf ihn sogleich wieder von sich, denn er hatte inzwischen wohl erkannt, daß, wenn die Marinke, mochte sie sonst noch so weich sein, zu einer Sache entschlossen war, nichts auf der Welt sie davon abbringen konnte.

Und ihren Leichnam aus dem Haffe fischen — das wollte er doch nicht.

In seiner wilden Ratlosigkeit suchte er hin und her, ob nicht ein einziger Grund sich finden ließe, mit dem er sein Fleisch und Blut sich für immer erobern könnte. Aber es fiel ihm kein anderer ein als der, mit dem er sein Weib nun schändete.

„Jurris habt ihr ihn ja genannt,“ sagte er, „aber was wißt ihr, ob er wirklich dem Jurris sein Kind ist?“

Die Mutter Enskys hob die gefalteten Hände zu ihm auf, als wollte sie ihn anflehen, den Schlagnichtzu tun, der ihnen die Hoffnung raubte. Der Alte aber tanzte um den Jozup herum und schrie immerzu: „Wer ist es? Wer ist es? Wer ist es?“

Und er — mehr aufs Geratewohl, als weil er sich eines bestimmten Verdachtes bewußt war— entgegnete dieses: „Nun — es kann ja zum Beispiel — der — Wieszpatis gewesen sein. Nicht umsonst hat er Kinder sitzen weit und breit — und sie ist drei Jahre lang bei ihm auf dem Hofe gewesen.“

Die Mutter sank auf den Stuhl wie vom Blitze getroffen, der Alte aber rannte spornstreichs hinaus und in den Garten — dorthin, wo die Marinke vorhin gearbeitet hatte.

Erschrocken erhob sie sich von der Erde, denn sie dachte, der Jozup wolle dem Alten zu Leibe, da schrie er auch schon: „Nun ist es heraus, du Weibsbild! Dem Wieszpatis Seine bist du gewesen. Und das Kind ist von ihm. Gesteh, daß das Kind von ihm ist!“

In ihrer großen Überraschung dachte sie nicht anders, als es sei durch ein Unglück alles ruchbar geworden, was sie sich selber kaum eingestand, und den Kopf auf die Brust herabneigend entgegnete sie: „Wenn du es weißt, warum fragst du mich erst?“

Da rannte er spornstreichs zurück und schrie es durch Garten und Hof: „Sie hat gestanden, daß der Wieszpatis der Vater ist. Sie hat es eben gestanden.“

Der Jozup, der aus dem Hause trat, wurde so gelb wie die Asche im Eimer. Er nahm den Alten beim Wickel und schleppte ihn vor das Hoftor. Dort gab er ihm noch einen Stoß mit demAbsatz und überließ ihn seinem weinenden Weibe. Dann ging er der Marinke entgegen, die mit vorgeschobenem Leibe mühsam aus dem Garten kam.

Sie dachte: Er sieht gerade so aus, als sei er der Henker. Aber da sie wußte, daß nichts auf der Welt sie aus seinen Händen erretten konnte, so gab sie sich drein.

„Geh ins Haus,“ sagte er und blieb ihr dicht auf den Hacken.

Dann peitschte er die Mägde hinaus, die ängstlich um die Feuerstätte standen, und folgte ihr in die Stube.

Sie mußte sich niedersetzen, so beinschwach war sie geworden, und seine Augen stachen nach ihr wie grüne Lichter zur Nachtzeit.

„Also wie war das mit dem Wieszpatis?“ fragte er ganz freundlich.

„Wie wird’s gewesen sein?“ sagte sie. „Er war doch der Herr, und ich war die Magd. Und wenn ich Sonnabends zur Abrechnung kam, dann hat er gesagt, ich gefall’ ihm.“

„Und das ging so die ganzen Jahre lang?“

„Solang’ ich die Meierei unter mir hatte, wird’s wohl gegangen sein.“

„Und als du merktest, daß du ein Kind von ihm trugst, da suchtest du dir den Jurris als Vater dazu?“ fragte er immer noch freundlicher.

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, das war anders.“ Und nun berichtete sie ihm der Wahrheitnach, wie der Wieszpatis sie noch einmal nach Augustenhof hatte hinkommen lassen — der Jozup selber war ja Vermittler gewesen — und wie sie allein hatte fahren müssen, weil der Jurris nicht war zu finden gewesen. Da hatte der Herr gesagt: „Wir wollen nun Abschied feiern, Marinke.“ Und sie hatte gebeten und gefleht: „Ach lassen Sie mich doch gehn, Ponusze.“ Aber er war ja der Herr, und sie hatte ihm schon so oft den Willen getan, daß sie meinte, sich ihm auch diesmal nicht weigern zu dürfen. Und von daher war alles Unglück gekommen.

Er sagte: „Ich habe das Gelöbnis getan, dich nicht zu schlagen. Und das ist dein Glück, sonst würdest du wohl nicht lebendig aus dieser Stube kommen. Auch sollst du mir zuerst einen Sohn zur Welt bringen, denn das bist du mir jetzt schuldig. Was ich dann aus dir machen werde, das weiß ich noch nicht. Aber ich rate dir, den Bengel, den du mir hergeschleppt hast, den schaffe mir aus den Augen. Denn Herrensohn ist Hurensohn. Und kommt er mir in den Weg, so schmeiß’ ich nach ihm mit allem, was ich grad finde. Und wenn es der Schleifstein ist.“

Die Marinke hob die Arme nach ihrem Manne auf und weinte und bat: „Wo soll ich hin mit ihm in meinem Zustand?“

„Das geht bloß dich an,“ entgegnete er und schritt aus der Türe.

Sie rannte, so rasch sie konnte, hinter ihm drein, um den Kleinen vor ihm zu sichern, der wohl irgendwo bei den Pferden im Gras saß. Und sie fand ihn auch glücklich und wartete ab, bis der Weg frei war, dann zog sie ihn rasch in die Klete.

„Hole mir Betten für mich und das Kind,“ sagte sie zu der Hausmagd, „denn hier werd’ ich wohnen, bis meine Stunde gekommen ist.“

Und der Kleine schrie nach dem Vater, er wolle hinaus und mit ihm spielen, wie er’s gewohnt war. Und sie hielt ihm den Mund zu aus Furcht, der Jozup möchte eindringen und mit ihm tun, was er gedroht hatte.

In der Klete hielt sie sich mit dem kleinen Jurris wohl vierzehn Tage auf und traute sich nicht, sie zu verlassen. Und die Mägde sorgten gut für sie, denn sie war ihnen immer eine freundliche Herrin gewesen.

Der Jozup aber gab keine Ruhe. Wenn er an der Klete vorbeiging, schüttelte er die Faust nach dem Fenster und stieß Schimpfwörter aus, wie man sie sonst nur an schlechten Orten hört.

Er nannte sein Weib eine „Klorke“. Und „Szunjôda“ und „Pajudêle“ nannte er sie. Das sind Namen, die man am besten ins Deutsche nicht überträgt.

Und drohen tat er ihr auch und immer aufs neue. Sie konnte das Fenster noch so fest schließen,sie hörte und verstand ihn in allem. „Denke nur nicht, daß du straflos ausgehen wirst, mein Täubchen, weil ich das Gelöbnis getan habe, dich niemals zu schlagen. Ich werde mir jemand kommen lassen, der wird das alles statt meiner besorgen. Der wird dir mit der Bratpfanne den Rücken salben und wird dir die Beine mit Ruten streichen, so daß du das ganze Jahr über glauben wirst, heute feiern wir Ostern.“

Und die Marinke lag zitternd allnächtlich und dachte: „Wer mag es nur sein, den er meint?“ Aber niemand fiel ihr ein, der den Willen haben konnte, an ihr zum Quälgeist zu werden.

Am allermeisten hatte sie Angst um den Knaben, dem der Jozup Tag für Tag ans Leben gehen wollte. Und in dem Maße, als ihre Zeit sich verkürzte, wurde die Unruhe größer in ihr, daß er, wenn sie nicht mehr auf ihn aufpassen konnte, dem Zorne des Vaters verfallen war.

Eines Nachmittags — es war zu Ende August, und die Leute arbeiteten draußen im Grummet —, da sah die Marinke durch das Fenster der Klete, daß der Jozup den Spazierwagen anspannte, sich einen Korb mit Essen und Trinken aufladen ließ und davon fuhr.

Da wartete sie nicht länger, zog dem Kleinendie Sonntagskleider an und schmückte sich selber, so gut es ihr Zustand erlaubte. Dann wagte sie sich hinaus in das Freie. Die Hausmagd war die einzige, die auf dem Hofe geblieben war. Sie fragte sie nicht, wohin der Jozup sich begeben habe, sondern sagte nur im Vorbeigehn: „Ich will jetzt den Kleinen wegbringen. Erzähle dem Herrn nichts davon, auch wenn ich zur Nacht nicht zu Haus bin.“

Und das tat sie aus Vorsicht, denn ob sie auch fortgehen wollte, so wußte sie doch nicht, wohin. Und die Magd sah ihr kopfschüttelnd nach.

Sehr schwer war es, auf dem Wege zu bleiben, wenn Leute ihr entgegenkamen, denn das Geschehene war ja längst allen bekannt; aber jeder grüßte sie freundlich, wenn er auch nicht mit ihr sprach.

Als sie an dem Enskysschen Hofe vorbeigehen wollte, in dem sie so glückliche Tage verlebt hatte, da überfiel sie der Jammer, so daß sie sich weinend auf den Grabenrand setzte. Und eine Stimme sprach in ihr: „Kehre an! Vielleicht daß die Mutter dich nicht fortweist und einen Rat für dich hat!“

Und siehe da! Es traf sich so günstig, daß der Alte auch auf dem Felde war und die gute Mutter sich keinen Zwang anzutun brauchte.

Sie hob den Knaben gleich auf den Schoß und sagte: „Da ist er nun, um den wir Jahreund Jahre gebetet haben, und ist ein Jungchen, so hübsch wie ein Bild. Nun müßte er bloß noch zu uns gehören.“

Und sie küßte ihn und sagte weiter: „Wenn der Jurris noch lebte, der würde es nie erfahren haben und hätte ihn liebgehabt wie sein eigenes. Weiß Gott, mir wär’ es gleich! Ich würd’ ihn auch weiter liebhaben, schon weil er von dem Jurris ein Erbstück ist. Aber der Enskys, der will nicht. Der spuckt aus.“

Die Marinke streichelte ihr den Ärmel und bat: „Sag, Mutter, was soll ich tun?“

Und die Enskene erwiderte: „Es ist doch ein Vater da. Der muß sich jetzt kümmern.“

Marinke erschrak in tiefster Seele, denn nie hatte sie daran gedacht, daß sie dem Wieszpatis mit ihren Angelegenheiten lästig fallen dürfe.

Und die Mutter Enskys fuhr fort: „Wenn er erfährt, daß sein Fleisch und Blut ganz und gar verkommen muß und ohne Heimat ist, so wird er es zu sich nehmen. Denn nicht umsonst sagen alle, daß er ein guter Mann ist und ein gerechter Mann.“

Die Marinke bebte, und eine große Mattigkeit kam über sie. Beinahe wäre sie von der Bank herab auf die Erde gesunken. Aber die Mutter Enskys hielt sie fest und sagte: „Daß es dir schwer fällt, kann man sich denken. Es trifft sich aber gut, daß wir die Woche haben,darum kannst du gleich mit dem Milchfuhrwerk mitfahren, das der Hütejunge kutschiert.“

„Aber bei den andern anhalten, wenn er die Kannen einsammelt, das bring’ ich nicht übers Herz,“ sagte die Marinke.

Und die Mutter fand, daß das gar nicht nötig sein würde, der Junge könne ja erst die Runde machen und sie dann abholen kommen.

Und so geschah es.

Es war schon dunkel, als sie mit dem Kleinen auf Augustenhof eintraf. Der Schweizer in der Meierei sah sie mißtrauisch an, aber sie kümmerte sich nicht um ihn, sondern nahm den kleinen Jurris bei der Hand und schlug den Weg zum Herrenhause ein.

Als sie an den Bach kam, der vom Hofteich in den Garten läuft, schlug ihr das Herz so sehr, daß sie meinte, über das Brückengeländer fallen zu müssen, und als sie gar lachende Stimmen auf der Veranda hörte und milchfarbene Windlichter sah, da war es vollends mit ihren Kräften zu Ende.

„Wer ist da?“ hörte sie die Stimme des Herrn.

Und da sie nicht zu antworten vermochte, sagte er weiter: „Sieh doch einmal nach, Agnes, wer da ist.“

Ein junges Mädchen kam die Treppenstufen herab — sollte das wirklich die Agnes sein? — und fragte: „Was wünschen Sie?“ Und da sienoch immer nicht antwortete, rief das Mädchen hinauf: „Eine Frau ist da mit einem Kinde, aber sie spricht nichts.“

Da kam er, der Herr, selber die Treppe herab. Und sie neigte sich vor ihm und küßte ihm den Ärmel.

„Ich kann nicht recht sehen,“ sagte er. „Bist du etwa die Marinke?“

Da bekam sie die Sprache wieder und sagte: „Die bin ich.“

„Komm herein,“ befahl er und schritt ihr und dem Kinde voran die Stufen empor, an lauter Herrenleuten vorbei — jungen und alten —, es waren deren mindestens sechs oder sieben. Sie erkannte die gnädige Frau, der küßte sie rasch noch die Hand, und dann ging sie durch die Sommerstube und den Saal und den mittleren Korridor immer hinter ihm her, und der Kleine war tapfer und quarrte nicht im geringsten.

Und so kamen sie in sein Arbeitszimmer, das am Giebelende gelegen war und drei Polstertüren hatte, eine rechts, eine links und eine zum Korridor hin, durch die sie nun eintraten.

Er drehte das elektrische Licht an, das sie noch nie gesehen hatte, denn damals war es Petroleum gewesen. Da stand noch der Schreibtisch, an dem sie Sonnabends immer Rechnung gelegt hatte, und das Ruhebett in der linken Fenstereckestand auch noch da. Und alles war überhaupt, als sei sie nie weg gewesen.

Er hatte sich unter den Kronleuchter gestellt und betrachtete sie lange, aber von dem Kinde, das sie erwartete, und auch von dem, das sie an der Hand hielt, sagte er nichts, sondern begann so: „Es hat mir leid getan, Marinke, daß dein Mann mir vor ein paar Jahren die Milch gekündigt hat. So sind wir ganz außer Verkehr gekommen, und ich weiß nichts mehr von dir. Du hast dich in der ganzen Zeit nicht einmal an mich gewandt, und das passiert mir in ähnlichen Fällen eigentlich niemals. Ich will nicht sagen, daß ich dir das besonders hoch anrechne, denn wenn ich kann, helf’ ich gerne. Aber nun setz dich hin, denn du wirst müde sein, und sage, was führt dich her?“

Sie dachte bloß immer: „Und sein Kind sieht er nicht an.“

Aber nun, wie sie sich auf die äußerste Kante des Ruhebetts setzte und das Kind zwischen die Kniee nahm, da sah er es doch.

„Ei ei, das ist ein strammer Kerl geworden,“ sagte er und streckte von seinem Schreibstuhl her lockend die Hand aus, wie man ein Hündchen lockt.

Aber der Kleine wollte nicht und drückte sich nur um so enger an sie.

„Wie werd’ ich’s ihm bloß sagen?“ dachtesie. „Das Beste wird sein, ich geh’ wieder weg, wie ich gekommen bin.“

„Nun also, Marinke, erzähle.“

„Ich hab’ nichts zu erzählen, Ponusze.“

„Na, na. Umsonst macht eine Frau, der es schwer fällt, nicht einen so weiten Weg. Also sag, braucht dein Mann eine Hypothek oder möcht’ er bauen oder sonst was? Ich geb’, was er will, denn ihr seid mir sicher.“

„Mein Mann braucht keine Hypothek,“ sagte sie, „und bauen möcht’ er auch nicht, aber es ist ’rausgekommen, was zwischen Ihnen gewesen ist, Herrchen, und mir.“

Er wandte sich auf dem drehbaren Sitz kurz nach ihr um, so daß es knarrte, und machte sich ganz krumm, um ihr mit finsteren Augen scharf ins Gesicht zu sehen. Der Lampenschein fiel hart auf ihn herab.

„Er ist ganz grau geworden,“ dachte sie. Und nun sah er vollkommen so aus, als wär’ er der Herrgott. Aber wie ein strenger und zorniger Herrgott sah er aus.

„Nur du und ich haben’s gewußt,“ herrschte er sie an, „und von mir hat’s keiner erfahren.“

Sie hätte nun sagen müssen: „Von mir auch nicht,“ aber ihre Angst vor ihm war so groß, daß sie sich keine Antwort getraute.

„Ich werd’ denn man gehen,“ sagte sie undversuchte aufzustehen. Aber sie war so schwach, daß sie wieder zurückfiel.

Da sah er wohl, daß er zu schroff zu ihr gewesen war. Die geschliffene Karaffe stand immer noch auf dem Tische. Aus der schenkte er ihr ein Glas Wein. Und das Büchschen mit Schokolade, aus dem sie manches liebe Mal hatte naschen dürfen, hielt er dem Kleinen hin. Der wollte erst nicht, aber was ihm in die hohlen Händchen geschüttet wurde, das nahm er.

„Nun laß uns vernünftig reden,“ sagte der Herr, „und erzähl alles.“ Aber sie konnte nicht. Sie saß bloß so da und sah vor sich hin.

„Marinke,“ sagte der Herr, „du bist einmal die Freude meiner Feierabende gewesen, und ich habe dir nie dafür gedankt. Du hast einen großen Stein bei mir im Brett. Denk daran und faß dir ein Herz.“

Da faßte sie sich ein Herz und sagte frischweg: „Das Kind hier istIhrKind, Ponusze.“

„Ei der Deiwel,“ sagte er und lachte hellauf, „das ist ja ganz was Neues.“ Dann nahm er den Kleinen bei der Hand, führte ihn unter die Lampe und betrachtete ihn von oben bis unten. „Wie gesagt, stramm ist er. Wenn er sich auswächst, kann er mir schon ähneln. Denn das weißt du ja, sie ähneln mir alle.“

Ja, das wußte sie wohl. Manchmal arbeiteten fünf oder sechs auf dem Hof. Wennman die in eine Reihe stellte, sah einer aus wie der andere.

Und er fuhr fort: „An sich wär’s also schon möglich. Aber ich denk’, es ist deinem ertrunkenen Bräutigam seiner. Von dem, soviel ich weiß, hat er ja auch den Namen.“

„Das ist richtig,“ entgegnete sie, „aber von dem ist er nicht. Und von meinem jetzigen Mann ist er auch nicht.“

„War der denn auch dabei?“ fragte er, und sie konnte nicht anders als Ja sagen.

„Du — das ist aber ein bißchen reichlich,“ rief da der Herr und wußte vor Lachen sich nicht zu halten. Ach, dies Lachen tat ihr sehr weh!

Bis jetzt hatten sie Deutsch miteinander gesprochen. Aber die Marinke sah ein, daß sie in der fremden Sprache nicht vorwärts kommen würde, wenn sie ihm alles sagen wollte. Und das mußte sie jetzt tun, denn er allein konnte sie verstehen, und es drückte ihr längst schon das Herz ab.

Darum begann sie auf Litauisch zu erzählen, wie alles gekommen war. Er hörte ihr aufmerksam zu und wurde ernster und immer noch ernster.

Mitten darin griff er mit der Hand nach dem Kleinen und hob ihn sich auf das Knie. Und der hatte jetzt gar keine Furcht mehr vor ihm und lutschte still weiter.

Als sie fertig war, fuhr er ihm durch den Wuschelkopf und setzte ihn sacht auf die Erde. Sie kannte die Gewohnheit des Herrn. Er mußte die Beine freikriegen zum Rumgehen, denn das tat er immer, wenn ihm das Herz von irgend was voll war.

Er ging und ging, und dann klingelte er und sagte dem eintretenden Mädchen: „Man soll nicht auf mich warten — ich habe zu tun.“ Einst war sie selbst dieses Mädchen gewesen, und oft hatte er dasselbe zu ihr gesagt. Und dann ging er immer noch länger.

Schließlich blieb er vor ihr stehen und fragte: „Wie wirst du nach Hause kommen?“

„Der Enskyssche Milchwagen wartet auf mich,“ entgegnete sie.

Der große Augenblick war nun da. In ihm mußte das Schicksal des Kindes sich entscheiden.

„Die Enskene hat gemeint,“ stotterte sie, „weil es doch dein Fleisch und Blut ist, Herrchen, und ich nicht weiß, wohin mit ihm, so würdest du es vielleicht in Pflegschaft nehmen und es großziehen lassen auf deinem Hofe. Von Instleuten wohnen ja bei dir so viele.“

Ursprünglich hatte sie weit Größeres von ihm erbitten wollen, aber jetzt, da sie das vornehme Herrschaftshaus wiedergesehen hatte, fühlte sie, daß auch dieses Wenige schwer zu erfüllen war.

„Du vergißt, Marinke,“ sagte er, „daß da draußen die gnädige Frau sitzt, der ich Rechenschaft schuldig bin. Das Gerede würde sehr bald auch ihr zu Ohren kommen, und dann gäbe es Gram ohne Ende. Daß ich damals ihrem Wunsche nachgab, mit zu deiner Hochzeit zu kommen, war schon zu viel, aber ich mochte es ihr nicht abschlagen — auch um deinetwillen nicht, Kind, weil du so außer jedem Verdacht bliebst. Kommt’s nun aber heraus, dann ist jenes eine Verfehlung gewesen, die ich nie wieder gutmachen kann.“

Die Marinke verstand nicht recht, was er meinte, aber daß ihr Verlangen eine Vermessenheit war, das wußte sie nun.

„Ich werd’ denn man gehn,“ sagte sie zum zweiten Male. Diesmal fiel sie nicht von selbst zurück, sondern wurde von ihm an der Schulter gefaßt und festgehalten, so daß sie das Aufstehen vergaß.

„In den sechsundzwanzig Jahren, die ich hier bin,“ sagte er, „ist kein Fremder ohne Trost aus dieser Stube gegangen, und dich, die ich mal sehr gern gehabt habe, die sollte ich einfach in die Nacht hinausschicken? Das geht nicht, Marinke, wenn ich dir auch leider was Anderes als Geld nicht zu bieten hab’.“

„Ich will kein Geld!“ stieß sie hervor.

„Verachte das Geld nicht,“ ermahnte er sie.„Denn es macht die Bösen gut und die Harten gefügig. Ich gebe sonst jeder, die ein Kind von mir hat oder wenigstens sagt, daß es von mir ist, tausend Taler mit auf den Weg. Und noch keine hat sich beklagt. Diesem Jungchen will ich eine Mitgift geben, dreimal so groß, so daß er als ein wohlhabender Erbe gelten kann, und du wirst sehen, er findet seine Heimat noch heute abend.“

Damit setzte er sich an den Schreibtisch und schrieb einen Schenkungsbrief über zehntausend Mark, und noch vieles andere schrieb er dazu, wie die Zinsen zu erheben seien und wie das Kapital einst ausgezahlt werden sollte. Das unterstempelte er mit dem Stempel des Amtsvorstehers, dessen Dienst er selber versah, und reichte es der Marinke.

Die dachte bloß immer das eine: „Aus mir kann nun werden, was will. Das Kind ist fürs Leben geborgen.“

Als die Marinke mit ihrem schlafenden Jungchen auf dem Enskysschen Hofe einfuhr, saß die Mutter gerade so wartend im Mondschein wie an jenem Abend vor sechs Jahren, von dem alles Unglück seinen Ursprung hatte.

„Der Vater ist schon lange zur Ruhe,“ sagte sie, „drum komm herein und stärke dich.“

Und nun saß die Marinke an der Feuerstellegenau so wie damals und aß und wußte nicht, was sie aß. Der Kleine aber schlief immer weiter.

Und die Mutter verlangte, sie solle erzählen.

Da zog sie den Schenkungsbrief aus der Tasche und reichte ihn ihr.

Die Mutter traute ihren Augen erst gar nicht und ließ sich die Summe immer wieder von neuem sagen, bevor sie sie glaubte.

„Aber dann ist ja alles gut,“ sagte sie, „und dann will ich erst mal den Vater wecken.“

Die Marinke hatte Angst, der Alte würde sie und das Kind sofort zur Tür hinausweisen, aber die Mutter lachte nur, nahm den Brief und ging damit nach der Stube.

Es dauerte eine ganze Weile, ehe sie wieder da war, und hinter ihr in Hosen und Hemd, die Schlorren auf nackten Füßen, kam der Alte gesprungen — wie ein Wiesel kam er gesprungen — und bot der Marinke den Willkomm und klatschte den Kleinen aufs nackte Knie und wollte ihn selber ins Bettchen tragen, denn Kinder müßten mit den Hühnern zur Ruhe.

Die Marinke wußte nicht, wie ihr geschah. „In was für ein Bettchen?“ fragte sie.

„Nun, das für ihn bereit steht schon seit Jahren.“ Und er habe immer gesagt, das mit dem Wieszpatis sei nichts wie ein Schwindel. Das habe der Jozup sich ausgedacht, um ihn und die Mutter zu täuschen. Und nun sei esoffenbar, denn für eigene Kinder gebe der Herr Westphal so viel bares Geld nicht aus, sonst wäre er längst schon ein Bettler.

Und als die Marinke ihm verwundert dreinreden wollte, stieß die Mutter sie an und sagte ihr leise: „Laß ihn nur immer. Er redet sich’s ein und wird’s auch den andern einreden — und so ist’s am besten.“

Da gedachte die Marinke der Worte, die der Herr zu ihr gesprochen hatte, ehe er die Schenkung niederschrieb, und dankte Gott, daß der Kleine nun wirklich die Heimat gefunden hatte noch am heutigen Abend.

Sie ließ es sich nicht nehmen, ihn selber auszuziehn, denn sie wußte wohl, daß es zum letzten Male geschah. Dann tat sie noch ein Gebet über ihm, siegelte ihm den Mund mit dem Zeichen des Kreuzes und ging vor die Haustür.

Dort standen die beiden und warteten ihrer.

„Ach, möchten sie mich doch einladen, bei ihnen zu bleiben!“ dachte die Marinke. Aber sie taten es nicht. Wie konnten sie auch!

„Das Schriftstück bleibt in meiner Hand,“ sagte der Alte, „denn ich bin der Vormund.“

Und die Mutter geleitete sie noch eine Strecke ins Dunkel hinein und sagte zum Abschied: „Ich bin gesund und erst vierundfunfzig. Zwanzig Jahr’ hab’ ich gewiß noch. Und so lange wird es ihm gut gehn, das weißt du.“

Ja, das wußte die Marinke, und sie dankte ihr mit Tränen.

„Was wird aber mit dir werden?“ fragte die Mutter.

„Bet für mich, daß ich im Kindbett sterbe,“ sagte die Marinke und ging von ihr fort ...

Der Mond stand hoch — es war schon ein Herbstmond —, aber die Luft wehte warm wie im Juni.

Als die Marinke sich dem Wolfsnest näherte, überkam sie ein Schaudern. Der Hofhund würde bellen, bevor er sie noch erkannte, und darauf würde der Jozup, der einen leisen Schlaf hatte, hinausrufen: „Wer ist da?“ Und wenn sie dann sagte: „Ich bin es — ich, die Marinke,“ dann würde das Schimpfen losgehen — Klorke und Szunjôda und Pajudêle und alles, womit er sie sonst noch traktierte.

Sie hielt an und tat einen tiefen Atemzug. Niemand paßte ihr auf. Sie konnte die Nachtstunden nützen, wie es ihr einfiel. Aber wo sollte sie sie hinbringen? Denn sonst eine Heimat hatte sie nicht. Da fiel der Kirchhof ihr ein, auf dem sie so lange Zeit nicht gewesen war. Wie eine Erleuchtung kam es da über sie.

Auf dem Grabe des Jurris zu sitzen bis an den Morgen, das war es, was ihr jetzt fehlte. Da sah sie keiner, da hörte sie keiner, da konnte sie keiner anschreien und schimpfen.

So schlug sie also den Weg zum Kirchhof ein, den sie beinahe vergessen hatte.

Das Grab des Jurris war gar nicht so leicht zu finden, denn ringsherum hatte manch neuer Pilger sich angesiedelt, und die Gesträuche waren auch höher geworden. Aber schließlich unterschied sie es doch und setzte sich auf den Hügel, dessen sandiges Erdreich die Judenmyrte spärlich begrünte.

Einen neuen hölzernen Pfosten hatten die Eltern errichtet. Der war inzwischen schon wieder alt geworden, denn die Inschrift auf der Tafel schien blaß und von Regen verwaschen, soviel man im Mondschein erkannte.

„Bald werden sie ihn alle vergessen haben,“ dachte sie, und ihr schien’s, als sei sie ihm doppelt und dreifach untreu gewesen. Oft hätte sie Zeit gehabt, das Grab zu besuchen, und keiner hätte danach gefragt. Trotzdem fand sie erst heute den Weg hierher, wie man verlassene Freunde nicht früher aufsucht, als wenn man nicht aus und nicht ein weiß.

„Ach wenn ich doch ein bißchen weinen könnte!“ dachte sie, aber sie hatte heute schon zuviel Tränen vergossen, und ihr war auch gar nicht so schmerzhaft zumute. Nur müde war sie. Darum lehnte sie das abgerackerte Kreuz gegen den Pfosten und dachte: „Hier möcht’ ich einschlafen.“

Und das tat sie auch wirklich. Aber bald weckte der Nachtwind sie wieder. Sie lag nun mit geschlossenen Augen und wollte gar nicht mehr aufstehen.

Es war eine große Stille ringsum, nur die harten Baumblätter rieben sich ab und zu aneinander, und in dem Grase raschelte es, wenn irgend ein Getier sich bewegte.

Sie dachte an alle die Geister, die auf so einem Kirchhof zur Nachtzeit ihr Wesen treiben, aber sie fürchtete sich nicht im mindesten, denn unter ihnen wäre auch der des Jurris gewesen, und der hätte sie schon beschützt.

Über diesem Gedanken schlief sie von neuem ein, und ihr war im Traume fortwährend, als stünde er neben ihr und streichelte ihr die Backe. Aber wie sie wieder einmal erwachte, merkte sie, daß es nur der Wind gewesen war, und da tat es ihr leid, daß sie nicht weiter schlief.


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