„Tilschen, mein Tilschen, wie schön bist du doch!Ich liebe dich heute wie einst!Die Sonne wär’ nichts wie ein finsteres Loch,Wenn du sie nicht manchmal bescheinst.“
„Tilschen, mein Tilschen, wie schön bist du doch!Ich liebe dich heute wie einst!Die Sonne wär’ nichts wie ein finsteres Loch,Wenn du sie nicht manchmal bescheinst.“
„Tilschen, mein Tilschen, wie schön bist du doch!Ich liebe dich heute wie einst!Die Sonne wär’ nichts wie ein finsteres Loch,Wenn du sie nicht manchmal bescheinst.“
„Tilschen, mein Tilschen, wie schön bist du doch!
Ich liebe dich heute wie einst!
Die Sonne wär’ nichts wie ein finsteres Loch,
Wenn du sie nicht manchmal bescheinst.“
Und die umstehenden Kinder, die schon dreimal Freifahrt gehabt haben, singen dankbar mit, obwohl sie Text und Weise nicht begreifen können.
Aber schließlich wird der Indre übel. Siemußein Ende machen, ob sie will oder nicht. Und nun stehen sie beide lachend und betäubt unter den johlenden Kindern und streuen in die ausgestreckten Hände die Krümel der Konditorkuchen, die sie aus Versehen längst plattgesessen haben.
Ja, so schön kann das Leben sein, wenn man sich liebt und Karussell dazu fährt!
Dann nehmen sie Abschied von den Kindern und den Kindermädchen, von denen etliche sie noch ein Ende begleiten. Um ihnen den Weg zu zeigen, sagen sie, aber in Wahrheit wollen sie bei Gelegenheit noch ein Stück Kuchen erraffen. Und sie hätten auch richtig was gekriegt, wenn sie bis zur Dekominschen Konditorei ausgehalten hätten. Aber die liegt ja, wie wir wissen, am andern Ende der Stadt.
Daselbst lassen sie beide sich noch einmal ein schönes Paketchen zurechtmachen, aber diesmalsucht die Indre aus. Der Ansas bestellt derweilen noch zwei Gläschen von dem klebrigen Rosenlikör und nimmt zur Sicherheit für vorkommende Fälle gleich die ganze Flasche mit.
Wie sie zu ihrem Kahn hinabsteigen, ist die Sonne längst untergegangen. Aber das macht nichts, denn der Südwind hält fest, und der Mond steht schon bereit, um ihnen zu leuchten.
Unter solchen Umständen ist ja die Fahrt ein Kinderspiel.
Ansas schöpft mit der Pilte das Wasser aus, damit die Bodenbretter hübsch trocken sind, wenn die Indre sich etwa langlegen will. Aber sie will nicht. Sie setzt sich auf ihren alten Platz vorn auf die Paragge, damit sie dem Ansas zusehen und sich im stillen an ihm freuen kann.
Und dann geht es los.
Die Ufer werden dunkler, und eine große Stille breitet sich aus. Sie muß immerzu daran denken, in welcher Angsthaftigkeit das Herz sie drückte, als sie vor acht Stunden desselben Weges fuhr, und wie leicht sie jetzt Atem holen kann.
Sie möchte am liebsten ein Dankgebet sprechen, aber sie will es nicht allein tun, denn er gehört ja wieder zu ihr ... und nötig hat er es auch.
Aber er hat jetzt nur Blick für Segel und Steuer, denn die Brückenpfeiler sind da undviele Kähne, die auf beiden Seiten vor Anker liegen.
Manchmal nickt er ihr freundlich zu. Das ist alles.
Alsdann breitet sich der Strom, und der Mond fängt zu scheinen an. Die Wellchen sind ganz silbern in der Richtung auf ihn zu und setzen sich und fliegen auf wie kleine weiße Vögelchen.
Sie kann den Ansas gut erkennen, er sie aber nicht, denn der Mond steht hinter ihr. Darum sagt er auch plötzlich: „Warum sitzt du so weit von mir weg?“
„Ich sitze da, wo ich bei der Hinfahrt gesessen hab’,“ sagt sie.
„Hinfahrt und Rückfahrt sind so verschieden wie Tag und Nacht,“ sagt er.
Und sie denkt: „Bloß daß jetzt Tag ist und damals Nacht war.“
„Darum komm herüber und setz dich neben mich,“ sagt er.
Ach, wie gerne sie das tut!
Aber als sie ihm näher kommt, da fällt ihr Blick auf die Sackleinwand, die zwischen seinen Füßen liegt und die sie bisher nicht bemerkt hat.
Wie sie die wiedersieht, wird ihr ganz schlecht. Sie sinkt auf die Mittelbank nieder und lehnt ihren Rücken gegen den Mast.
„Warum kommst du nicht?“ fragt er fast unwirsch.
Nun weiß sie nicht, was sie tun soll. Soll sie ihn fragen, soll sie’s mit Stillschweigen übergehen? Aber das weiß sie: dorthin, wo prall und rund der Sack liegt, um dessen Inhalt er sie belügt, dorthin kann sie die Füße nicht setzen. Sie würde glauben, auf ein Nest von Schlangen zu treten.
Und da kommt ihr der Gedanke, Klarheit zu schaffen über das, was gewesen ist. Jetzt gleich im Augenblick. Denn später kommt sie vielleicht nie.
Sie faßt sich also ein Herz.
„Willst du mir nicht sagen, mein Ansaschen, was du in der Sackleinwand hast?“
Er fährt hoch, als hätte ihn eine aus dem Schlangennest in den Fuß gebissen, aber er schweigt und wendet den Kopf weg. Sie kann sehen, wie er zittert.
Da erhebt sie sich und legt die Hand auf seine Schulter, aber sie hütet sich wohl, der Sackleinwand zu nahe zu kommen.
„Mein Ansaschen,“ sagt sie, „es ist ja jetzt wieder ganz gut zwischen uns, aber ehe du nicht alles gestehst, geht die Erinnerung an das Böse nicht weg.“
Er bleibt ganz still, aber sie fühlt, wie es ihn schüttelt.
„Und dann, mein Ansaschen,“ sagt sie weiter, „geht es auch wegen des lieben Gottes nicht anders. Ich hab’ vorhin beten wollen, aber die Worte blieben mir im Halse. Denn du standest mir nicht bei. Darum sag es schon, und dann beten wir beide zusammen.“
Da fällt er vor ihr auf seine Kniee, schlingt die Arme um ihre Kniee und gesteht alles.
„Mein armes Ansaschen,“ sagt sie, als er zu Ende ist, und streichelt seinen Kopf. „Da müssen wir abertüchtigbeten, damit der liebe Gott uns verzeiht.“
Und sie läßt sich neben ihm auf die Kniee nieder, faltet ihre Hände mit den seinen zusammen, und so beten sie lange. Nur manchmal muß er nach dem Steuer sehen, und dann wartet sie, bis er fertig ist.
Zum Schluß segnet sie ihn, und er segnet sie, und dann stehen sie wieder auf und sind guter Dinge.
Nur was in der Sackleinwand ist, hat er vergessen zu sagen.
Sie zeigt darauf hin und will es wissen.
Aber er wendet sich ab. Er schämt sich zu sehr.
Da sagt sie: „Ich werde selber öffnen.“ Und er wehrt ihr nicht.
Und wie sie den Sack aufreißt, was findet sie da? Zwei Bündel grüne Binsen findet sie,mit Bindfaden aneinander gebunden. Weiter nichts.
Sie lacht und sagt: „Ist das die ganze Zauberei?“
Aber er schämt sich noch immer.
Da errät sie langsam, daß er damit nach dem Umschlagen des Kahnes hat davonschwimmen wollen, wie die Schuljungens tun, wenn sie im tiefen Wasser paddeln.
„Solch ein Lunterus bin ich geworden!“ sagt er und schlägt sich mit den Fäusten vor die Brust.
Aber sie lächelt und sagt: „Pfui doch, Ansaschen, der Mensch soll sich nichtzuhart schimpfen, sonst macht er sich selber zum Hundsdreck.“
Und so hat sie ihm nicht nur verziehen, sondern richtet auch seine Seele wieder auf. — — —
Wie sie sich neben ihn setzt — denn er will sie nun ganz nahe haben —, da merkt sie, daß sie mit ihrem Leibe den Gang des Steuers behindert, darum breitet sie zu seinen Füßen das weiße Reisetuch aus, das sie im vorderen Abschlag verwahrt hat, und legt sich darauf — doch so, daß ihr Kopf auf seine Knie zu liegen kommt. Und nun ist es genau so wie damals in Ibenhorst, als die Elske noch unterwegs war.
Und so fahren sie dahin und wissen vor Glück nicht, was sie zueinander reden sollen.
Von den Uferwiesen her riecht das Schnittgras — man kann den Thymian unterscheidenund das Melissenkraut, auch den wilden Majoran und das Timotheegras — und was sonst noch starken Duft an sich hat ... Der Stromdamm zieht vorüber wie ein grünblaues Seidenband. Nur wo zufällig der Rasen den Abhang hinuntergeglitten ist, da leuchtet er wie ein Schneeberg. Und der Mondnebel liegt auf dem Wasser, so daß man immer ein wenig aufpassen muß.
Außer den plumpsenden Fischchen, die nach den Mücken jagen, ist nicht viel zu hören. Nur die Nachtvögel sind immer noch wach. Kommt ein Gehölz oder ein Garten, dann ist auch die Nachtigall da und singt ihr: „Jurgut — jurgut — jurgut — wažok, wažok, wažok“ ... Und der Wachtelmann betet sein Liebesgebet: „Garbink Diewa“. Sogar ein Kiebitz läßt sich noch ab und zu hören, obgleich der doch längst schlafen müßte.
Und dann kommt mit einemmal Musik. Das sind die Dzimken, die ihre Triften während der Nacht am Ternpfahl festbinden müssen. Aber Gott weiß, wann die schlafen! Bei Tage rudern sie und singen, und bei Nacht singen sie auch.
Ihr Feuerchen brennt, und dann liegen sie ringsum. Einer spielt die Harmonika, und sie singen.
Da hört man auch schon das hübsche Liedchen „Meine Tochter Symonene,“ das jeder kennt, in Preußen wie im Russischen drüben. Ja, ja, die Symonene! Die zu einem Knaben kam undwußte nicht wie! Das kann wohl mancher so gehen. Aber der Knabe ist schließlich ein Hetman geworden, wenigstens hat die Symonene es so geträumt.
„Der Willus muß ein Pfarrer werden,“ bittet die Indre schmeichelnd zu Ansas empor.
„Der Willus wird ein Pfarrer werden,“ sagt er ganz feierlich, und die Indre freut sich. Denn was in solcher Stunde versprochen wird, das erfüllt sich gleichsam von selber.
So fahren sie an dem Floß vorbei, und bald kommt ein nächstes. Darauf spielt einer gar die Geige. Und die andern singen:
„Unterm Ahorn rinnt die Quelle,Wo die Gottessöhne tanzenNächtlich in der MondenhelleMit den Gottestöchtern.“
„Unterm Ahorn rinnt die Quelle,Wo die Gottessöhne tanzenNächtlich in der MondenhelleMit den Gottestöchtern.“
„Unterm Ahorn rinnt die Quelle,Wo die Gottessöhne tanzenNächtlich in der MondenhelleMit den Gottestöchtern.“
„Unterm Ahorn rinnt die Quelle,
Wo die Gottessöhne tanzen
Nächtlich in der Mondenhelle
Mit den Gottestöchtern.“
Ansas und Indre singen mit. Die Dzimken erkennen die Frauenstimme und rufen ihnen ein „Labs wakars!“ zu. Zum Dank für den Gutenachtgruß will Ansas ihnen was Freundliches antun und läßt sich die Mühe nicht verdrießen, das Segel einzuziehen und an dem Floß anzulegen.
Nun kommen sie alle heran — es sind ihrer fünfe —, und der Jude, dem die Trift gehört, kommt auch.
Ansas schenkt jedem etwas von dem Rosenlikör ein, und sie erklären, so was Schönes noch nie im Leben getrunken zu haben.
Und dann singen sie alle zusammen noch einmal das Lied von den Gottestöchtern, von dem Ring, der in die Tiefe fiel, und den zwei Schwänen, die das Wasser getrübt haben sollen.
Zum Abschied reicht Ansas allen die Hand, und die Indre auch. Und der Jude wünscht ihnen „noch hundert Johr“!
Wären’s bloß hundert Stunden gewesen, der Ansas hätt’ sie brauchen können.
Da die Flasche mit dem Rosenlikör nun einmal hervorgeholt ist, wäre es unklug gewesen, sie wieder zu verstauen. Sie trinken also ab und zu einen Tropfen und werden immer glücklicher.
Noch an mancher Trift kommen sie vorbei und singen mit, was sie nur singen können, aber halten tun sie nicht mehr. Dazu ist der Rosenlikör ihnen zu schade.
Manchmal will auch der Schlaf sie befallen, aber sie wehren sich tapfer. Denn sonst — weiß Gott, auf welcher Sandbank sie dann sitzen blieben!
Nur eins darf der Ansas sich gönnen — nämlich von dem Abschlag hernieder auf die Bodenbretter zu gleiten. So kann er die Indre in seinem linken Arm halten und mit dem rechten das Steuer versehen.
Und die Indre liegt mit dem Kopf auf seiner Brust und denkt selig: „Der Endrik — und die Elske — und der Willus — und nun sind wir alle fünfe wieder eins.“
Mit einmal — sie wissen nicht wie — ist Ruß da. Sie erkennen es an dem Brionischker Schornstein, der wie ein warnender Finger zu ihnen sagt: „Paßt auf!“
Die Dzimken, die dort mit ihren Triften liegen, sind nun richtig schlafen gegangen. Auch ihr Kesselfeuer brennt nicht mehr. Aber ob die tausendmal stilleschweigen, was macht es aus? Von Ruß gibt es ein hübsches Liedchen:
„Zwei Fischer waren,Zwei schöne Knaben,Aus Ruß gen WestenZum Haff gefahren.“
„Zwei Fischer waren,Zwei schöne Knaben,Aus Ruß gen WestenZum Haff gefahren.“
„Zwei Fischer waren,Zwei schöne Knaben,Aus Ruß gen WestenZum Haff gefahren.“
„Zwei Fischer waren,
Zwei schöne Knaben,
Aus Ruß gen Westen
Zum Haff gefahren.“
Das singen sie aus voller Kehle, und um hernach die Kehle anzufeuchten, wollen sie noch einen Schluck von dem Rosenlikör genehmigen, aber siehe da, — die Flasche ist leer.
Sie lachen furchtbar, und der Ansas wird immer zärtlicher.
„Ach, liebes Ansaschen,“ bittet die Indre, „gleich kommt der große Ellbogen, und dann geht es westwärts, bis dahin mußt du hübsch artig sein.“
Ansas hört noch einmal auf sie, und da ist auch schon der blanke Szieszefluß, da wo die Krümmung beginnt. Er holt die Segelleine mehr an und steuert nach links. Es geht zwar schwer, aber es geht doch noch immer.
Bis nach Windenburg hin, die anderthalb Meilen, läuft der Strom nun so schnurgerade,wie nur die Eisenbahn läuft. Kaum daß man hinter der Mündung der Mole ein wenig auszuweichen braucht.
Bei Windenburg freilich, wo die gefährliche Stelle ist, dort, wo gerade bei Südwind der Wellendrang aus dem breiten, tiefen Haff seitlich stark einsetzt, dort muß man die Sinne doppelt beisammen halten — aber bis dahin ist noch lange, lange — — ach, wie lange Zeit!
„Indre, wenn du mir meine Sünden wirklich vergeben hast, dann mußt du’s mir auch beweisen.“
„Ansaschen, du mußt aufpassen.“
„Ach was, aufpassen!“ Wenn man so lange blind und verhext neben der Besten, der Schönsten, neben einer Gottestochter dahergegangen ist und die Augen sind wieder aufgetan, was heißt da aufpassen?
„MeineIndre!“
„MeinAnsaschen!“ — — —
Und nun liegen sie in ruhiger Seligkeit wieder nebeneinander, und der Kahn fährt dahin, als säße die Laime selber am Steuer.
„Ansaschen — aber nicht einschlafen!“
„Ach, wo werd’ ich einschlafen.“ — —
„Ansaschen — wer einschläft, den muß der andere wecken.“
„Jawohl — den — muß — der andere wecken.“ — — —
„Ansaschen, du schläfst!“
„Wer so was — sagen kann, — der schläft — selber.“
„Ansaschen, wach auf!“
„Ich wach’. Wachst du?“
Und so schlafen sie ein.
Die Ane Doczys hat keine Ruh in ihrem Bett. Sie weckt also ihren Mann und sagt: „Doczys, steh auf, wir wollen aufs Haff hinausfahren.“
„Warum sollen wir aufs Haff hinausfahren?“ fragt der Doczys, sich den Schlaf aus den Augen reibend. „Fischen tu’ ich erst morgen.“
„Die Indre hat solche Reden geführt,“ sagt die Doczene, „es ist besser, wir fahren ihnen entgegen.“
Da fügt er sich mit Seufzen, zieht sich an und setzt die Segel.
Wie sie aufs Haff hinausfahren, wird es schon Tag, und der Frühnebel liegt so dicht, daß sie keine Handbreit vorauf sehen können.
„Wohin soll ich fahren?“ fragt der Doczys.
„Nach Windenburg zu,“ bestimmt die Doczene.
Der Südwind wirft ihnen kurze, harte Wellen entgegen, und sie müssen kreuzen.
Da, mit einmal horcht die Doczene hoch auf.
Eine Stimme ist hilferufend aus dem Nebel gedrungen — eine Frauenstimme.
„Gerade drauf zu!“ schreit die Doczene. Aber er muß ja kreuzen.
Und sie kommen schließlich doch näher — ganz nahe kommen sie.
Da finden sie die Indre auf dem Wasser liegen, wie die Wellen sie auf und nieder schaukeln.
Wie hat es zugehen können, daß sienichtertrunken ist?
Rechts und links von ihrer Brust ragen halb aus dem Wasser zwei Bündel von grünen Binsen, die sind mit einem Bindfaden auf dem Rücken zusammengebunden.
Sie ziehen sie in den Kahn, und sie schreit immerzu: „Rettet den Ansas! Rettet den Ansas!“
Ja — wo ist der Ansas?
Sie weiß von nichts. Zuletzt, als sie wieder hochgekommen ist, da hat sie seine Hände gefühlt, wie er wassertretend die Binsen an ihr befestigte. Und von da an weiß sie nichts mehr von ihm.
Sie rufen und suchen und rufen. Aber sie finden ihn nicht. Nur den umgeschlagenen Kahn finden sie. An dem hätte er sich wohl halten können, aber er ist ihm sicher davongeschwommen, dieweil er die Binsen an Indres Leibe befestigte.
Fünf Stunden lang suchen sie, und die Indre liegt auf den Knieen und betet um ein Wunder.
Aber das Wunder ist nicht geschehen. Zwei Tage später lag er oberwärts friedlich am Strande.
Neun Monate nach dem Tode des Ansas gebar ihm die Indre einen Sohn. Er wurde nach ihrem Wunsch in der heiligen Taufe Galas, das heißt „Abschluß“ benannt. Doch weil der Name ungebräuchlich ist, hat man ihn meistens nach dem Vater gerufen. Und heute ist er ein ansehnlicher Mann.
Der Endrik hält die väterliche Wirtschaft in gutem Stande, die Elske hat einen wohlhabenden Besitzer geheiratet, und der Willus ist richtig ein Pfarrer geworden. Seine Gemeinde sieht in ihm einen Abgesandten des Herrn, und auch die Gebetsleute halten zu ihm.
Die Indre ist nun eine alte Frau und lebt im Ausgedinge bei dem ältesten Sohn. Wenn sie zur Kirche geht, neigen sich alle vor ihr. Sie weiß, daß sie nun bald im Himmel mit Ansas vereint sein wird, denn Gott ist den Sündern gnädig.
Und also gnädig sei er auch uns!