Alle die vielen schönen Bilder, mit denen dies Büchlein geschmückt ist, sind von ein und demselben Manne gezeichnet worden. Um sie abdrucken zu können mußte jede Zeichnung dann noch mit einem scharfen Messer in hartes Holz hineingeschnitten werden, daher nennt man diese Bilder Holzschnitte. Wer hätte nicht seine Freude an diesen feinen Holzschnitten! Versuch einmal sie nachzuzeichnen. Dann merkst Duerst, wie viel Mühe und Sorgfalt hinter diesen saubern Bildchen steckt. Wieviel Striche und Strichlein gehören zu solch' einem hübschen Ganzen!
Aber ehe der Maler seine Striche machte, mußte er sich das Bild erst im Kopfe ausdenken, mußte er seine Gedanken schnell in einigen Umrissen aufs Papier bringen; das nennt man einen Entwurf, eine Skizze. Der erste Entwurf gefiel ihm nicht und er versuchte einen zweiten, dritten Entwurf. So hat er für ein einziges Bildchen manchmal 5 bis 10 Skizzen gemacht, bis es ihm endlich gefallen und gelingen wollte. Solche Bilder zu schaffen, wie wir sie hier vor uns sehen, dazu gehört nicht blos viel Arbeit, nicht blos eine lange Übung und Ausbildung, sondern vor allem eine große Kunst! Und nun denke, der Mann, der uns die 50 Holzschnitte dieses Heftes gezeichnet, hat im Ganzen 3334 solcher Holzschnitte geschaffen! und viele sind noch weit größer und figurenreicher als die in unserm kleinen Buche enthaltenen. Das muß ein fleißiger Mann gewesen sein! Wie heißt er nur? Auf vielen seiner Holzschnitte findet man an irgend einem verborgenen Plätzchen ein L. R. stehen, das bedeutet: Ludwig Richter. Außer jenen Holzschnitten hat dieser große weltberühmte Künstler auch noch prächtige farbige Ölgemälde und andere Arten von Bildern, z. B. sog. Radierungen, Stahlstiche, in Menge hervorgebracht. Am liebsten aber hat er Bücher mit Bildern geschmückt, und am allerliebsten für die Jugend. So hat er zum Robinson Crusoe und zu manchem Märchenbuch die Bilder gezeichnet. Es ist gewiß Niemand unter meinen Lesern, der nicht schon Illustrationen von der Hand dieses trefflichen Meisters Ludwig Richter gesehen und sich daran erfreut hätte. Mir ist er ein lieber Freund gewesen von Jugend auf, und ich habe ihn auch persönlich gekannt. Jetzt weilt er schon manches Jahr nicht mehr unter den Lebenden. Ich will ein wenig aus seinem Leben, besonders von seiner reichbewegten Jugend, erzählen.