Der Leichenzug.

Der Leichenzug.

Knaben mit fröhlichen Mienen gehen voran in Reihe und schlagen Liedeslärm. Ihnen folgen blinde Männer, Hand in Hand, mit vereintem Gesang, ohne Sinn für einen geregelten Zug. Drei Männer tragen hier einen vierkantigen, dort einen mit einer Firste versehenen fünfkantigen, so flüchtig verfertigten, breternen Sarg, daß der Blick in die Fugen unschwer sich stiehlt. Von ihm erhebt sich ein Turban, auf dem Sarge das Kreuz des Mohammetaners. Liegt ein Mann in den Bretern, so werden sie mit einem rothen Tuche umwunden, beim Weibe — drängt sich dessenKopfschmuck darum. Hinter dem Sarge selten ein Mann, aber Weiber, verwandte und bekannte, voll bitterer Klagen über den Verlust. Die Hände und das Gesicht dieser Klageweiber sind, zum Zeichen der Trauer, blau gefärbt. Am Nile das Trauerblau, bei uns das Trauerschwarz, anderwärts das Trauerweiß, — was ist denn die Trauerfarbe? Ein hellblaues Tuch, um in der Schilderung fortzufahren, umflattert über dem gewöhnlichen Schleier den Kopf, — und ein blaues Tuch, an den Zipfeln mit beiden Händen fassend, schleudern die Klagefrauen mit gellendem Schrei gegen den Sarg, als wollten sie dem Sensentrager die Beute abringen. Nur die weiblichen Verwandten tragen die blaue Trauerfarbe, kein einziges Trauerzeichen die Uebrigen.

Ach, der Todte bleibt todt, todtenbleich und todtenstarr, mögen ihm die Einen leise nachweinen oder laut nachschluchzen, die Andern gellend nachschreien.

In Alexandrien hörte ich von einem Hause herab zuerst den unvergeßlich gellenden Lärm; ich wußte nicht, ob von einigen verrückten oder im Zanke begriffenen Weibern. Ich stand wie verdutzt da, als man mir die Erscheinung dahin aufklärte, daß darin eine Person gestorben wäre, und daß, zur Bezeugung der Trauer, so lange in demselben Hause geschrieen, bis sie daraus getragen wurde. Es wäre manchmal an einem Trauerfalle so genug, daß man diesen nicht überlaut verkündigen oder amplifiziren dürfte.


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