Der egyptische Tanz.

Der egyptische Tanz.

Man machte früher viel Aufhebens von den Bajaderen. Man bekommt sie heutzutage minder oft zu sehen. Gleichsam ein Spiel des Zufalles rief mich auf den Schauplatz des so seltsamen Tanzes.

Ein arabisches, züchtig gekleidetes Mädchen oder, wenn ich der Versicherung trauen darf, gar ein Soldatenweib stellte sich in die Mitte des Zimmers. Es wollte seinen Gesichtsschleier nicht lüften, denn ein häßlicher Mund versäuerte das sonst süßliche Gesicht. Nirgends zeigt man dasjenige gerne, was eine vortheilhafte Meinung trüben könnte. Die Hände stemmte die Tänzerin auf die Flanken des Leibes. Nun bestand der Tanz darin, daß das Mädchen die Hüften rasch in die mannigfachsten Bewegungen setzte, während der Körper, so viel als möglich, steif gehalten wurde. Dieß nahm ein ganz sonderbares Aussehen an, und ich mußte die eigenthümliche Art, das Becken zu bewegen, in der That bewundern. Der Schein meiner Bilder blieb weit hinter der Wirklichkeit zurück. DieseBewegungen kosteten gewiß Mühe und Anstrengung[19], letztere augenscheinlich in dem Maße, daß den tiefbraunen Grund des Gesichtes ein dunkles Blau überflog. Mit den Füßen machte das Mädchen wenig Bewegungen, nicht einmal viel trippelte es, und nicht das Kreisende zeichnet den egyptischen Tanz aus. Die Bajaderen singen wohl auch; unsere ließ sich selten hören. Ein ältliches Weibpauckte mit ausgelassenen Geberden und schmetterndem Sange einen Tambour zum Tanze.

Nachdem die junge Bajadere ihre Rolle geendet, wollte auch die ältere Matrone eine übernehmen. Sie schürzte den Rock ein wenig auf, und gürtete ihn also um den Leib. Wie wahnsinnig trieb sie den Schooß nach allen Richtungen. Das Alter schützt vor Thorheit nicht. Jetzt bedurfte ich nicht des Mehrern, um mich von dem Unanständigen des Tanzes vollkommen zu überzeugen.

Noch unanständiger erscheint der Tanz beim Manne. Er schürzt ebenso den Rock auf, und rüttelt auf gleicheWeise das Becken. Derjenige Tänzer, welcher seine Fantasien auf unserer Nilfahrt zum Beßten gab, führte auch ein Stöckchen in der Faust, und Männer an der Reihe klatschten mit den Händen den Takt.

Wenn der Fremde diesem Beckentanze zuerst zuschaut, so kann er Anfangs wohl das Lachen nicht verhalten. Nachher gewinnt er Zeit, seine moralischen Betrachtungen anzustellen.

Ich möchte den egyptischen Tanz nicht verlassen, ohne einer Merkwürdigkeit aus dem Jahre 1582 zu gedenken.

An dem mehrerwähnten großen Prachtzug, zu Ehren des neubeschnittenen kaiserlichen PrinzenMehemet, schloß sich der Dulumtschi-Pascha oder der Hauptmann der Fünfhundert mit den geschmierten Ziegenhäuten. Er entblößte sich oberhalbdes Gürtels, entkleidete sich bis aufs Hemde, geberdete sich seltsam mit Kopf und Augen, Händen und Füßen. Hierauf zog er das Hemde über den Kopf, machte in dünnen leinenen Hosen seltsame Sprünge, tanzte, zog den Bauch bald ein, bald trieb er ihn hervor, warf die Hüften hin und her, daß es schändlich und abscheulich zu sehen war. Allein die Türken fanden daran Wohlgefallen, lachten des Tänzers und lobten ihn. Es wäre freilich voreilig, von dieser Einzelnheit auf den sittlichen Karakterüberhaupt zu schließen. Große Volksfeste haben jederzeit einzelne Ausbrüche von Rohheit in ihrem Gefolge.


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