Die Missionarien.

Die Missionarien.

Das protestantische Frommthum und Frommthun bewacht Kairo mit nicht weniger denn drei Missionarien, und zwar mit lauter Teutschen:Kruse,LiederundMüller. Ich erblickte in diesem Missionariate weniger minder, als protestantischen Luxus. Die vielen Bemühungen, bisweilen nicht ohne übertriebenen Eifer, werden äußerst selten mit einer Bekehrung belohnt. Auch darf das Christenthum nicht durch die Zahl seiner Bekenner nach einem arithmetischen Scheinwerthe gelüsten, sondern es soll durch seinen innern Reinwerth glänzen.

Den in Kairo angekommenen und niedergelassenen Fremden aus dem Abendlande, mögen die Missionarien nicht überflüssig erscheinen. Wenn der Ankömmling nicht gerne in das Gewühl der fränkischen Kumpanei sich wagt, so kann er sicher sein, bei diesen Männern gute Gesellschaft zu finden. Er leite das Gespräche nur anfänglich so, daß sie ihn nicht mit überfrommen Dingen bestürmen. Nirgends stieße man sonst auf größeren Kontrast. Dießseits die Jesusherzeleien, jenseits die unfläthigste und unzüchtigsteZunge und zwischen zwei Enden — — Einsamkeit und Langeweile, wofern man nicht glücklich genug ist, in der Mitte derselben Gleichgesinnten sich anschließen zu können. Mit Lehren und Predigen, Briefeschreiben und Diskuriren verbringen die Missionarien ihre meiste Zeit. Manchem Abendländer helfen sie auch wohlthätig aus der Noth. Der Sonderbarkeit muß ich gedenken, daß das Auditorium der Prediger eben auszusterben im Begriffe war, und daß bloß nochzwei Katholiken, doch mehr aus Liebe zur deutschen Sprache, denprotestantischen Predigernzuhörten.Liedermacht auch den Arzt nach den Grundsätzen der Homöopathie.Müllerlangweilte mich durch seine mystische Deutelei desHahnemannianismusaußerordentlich, und ich überzeugte mich aufs Neue, daß die Homöopathie der Mystizismus der Medizin ist.

Daß die neuen Apostel nicht bloß lehren und predigen, schreiben und diskuriren, liegt in der Natur des Menschen. Ein wohlbestellter Tisch wird nicht etwa nur angeschaut, undKruseritt einen ebenso schönen, als prächtig gesattelten Esel. Es ist ein Zeichen unserer Zeit, daß man hie und da die Demuth, gleich einem Kruzifix, in Gold einfaßt.


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