Meine Wohnung.
Am Tage meiner Ankunft suchte mich ein Schweizer auf, weil er vernahm, daß ein Landsmann angelangt sei. Die Ferne nähert die Gemüther. Wiewohl ich mich außerordentlich freute, einem Schweizer in so großer Entfernung dieHand zu schütteln, so wollte ich dennoch mit einiger Vorsicht mich einlassen. Denn die Schilderung der in Kairo sich aufhaltenden Franken, die mir zu Gesichte kam, machte mich bei Anknüpfung freundschaftlicher Bande eher furchtsam. Ich erfuhr aus guter Quelle, daß der Schweizer ein wackerer Mann sei, und da ich dieß bei jeder Gelegenheit selbst bestätigen konnte, so nahm ich keinen Anstand mehr, mit ihm in freundschaftliche Verhältnisse zu treten. Er ist aus dem schweizerischen Kanton Thurgau gebürtig, und sein NameKarl Baumgartner: gewiß einer der edelsinnigsten Franken, die in Kairo leben, ein Mann, dessen Andenken mir immer theuer bleibt[22].
Baumgartnerhatte ein halbes Haus in Miethe, und bei ihm lebte ich in Aftermiethe. Daß ich auch hier auf zerbrochene Scheiben stieß, dessen verwundere man sich nicht. In keiner größern Stadt sah ich so wenig auf die Glasscheiben verwendet, als in Kairo. Blind vor Staub ist die Menge, man läßt sich die Mühe zum Waschen reuen, und zerbrochene Scheiben oder Scheibenlücken verunzieren selbst manches bessere Haus. Die zerbrochenen Scheiben mochte ich aber auch hier nicht leiden. Wir ließen den Glaser rufen.
Ich wohnte im Frankenquartiere (Hârah el-Musky). Wo? kann ich hier so weniggenauangeben, als ich es vor dem Konsul konnte. Die Franken sagen, bei wem sie wohnen, oder nennen auch einen Hauptplatz, ein Thor u. s. f. Mein Zimmer war so hoch, wie eine Kapelle, und man hätte nur einen Altar bauen dürfen, um in einer wirklichen Kapelle zu wohnen. Eine Fledermaus, welche Nachts herum flog, erfreute sich eines so großen Spielraums, daß sie, hin- und herflatternd, nie nöthig fand, an meinen Kopf zu streifen.