Auf dem Hospizdache.

Auf dem Hospizdache.

In mehreren Stufen erheben sich die Plattdächer des lateinischen Hospiz. Sie sind mit einer Brustwehr versehen, und weißer, beinahe glänzender, sehr fester Mörtel überkleidet dieselben, auf daß der Regen nicht durchdringe. Die Fußböden der Häuser haben im Morgenlande nicht selten einen Ueberzug von Pflaster (pavimentum), welches mit kleinen Steinchen von verschiedener Farbe durchsprengt ist. Wenn es hart geworden, so werden diese Steinchen abgeschliffen und der Boden bekommt dann ein schön glattes, lebhaft marmorartiges Aussehen.

Die Plattdächer sind zugleich ein angenehmer Spazierplatz. Mit Entzücken betrachtete ich auf dem Hospizsöller in Ramle den Gebirgszug von Juda bis zum Ephraim, die fruchtbare Ebene im Umkreise und die Tempel und Wohnungen der Stadt. Oft weilte ich in Jaffa auf dem Söller des Hospiz, einmal in singender Gesellschaft, manchmal neben einem Ordensmanne in seiner röthlichen, groben Kutte und mit dem herunterbammelnden Kreuze, andere Male allein, bis ich den Ruf zummangiare(Essen) vernahm; oft rollte ich mein Auge auf das Gebirge, insbesondere gegen Mitternacht auf den Ausläufer ins Meer, den man mir als den Karmel bezeichnete; oft sah ich dem Getriebe der griechischen Pilger und dem Spiele der Meereswellen zu; oft suchte ich mit vergebener Sehnsucht das Fahrzeug meines Hauptmannes, mit dem ich, man verzeihe mir die Wortwendung, das heilige Land verlassen könne. Ich möchte Niemand glauben machen, daß die Sonne schöner unterging, als in unserer Gegend während der Sommermonde; jedenfalls schloß ich mit herzlicher Freude den Tag vor den letzten Blicken der himmlischen Tochter. Wenn diese in die hohe See sank, so sank auch ich ins Meer — meiner Gedanken, Gefühle und Entschließungen. Vergäße ich Alles von Palästina, so bliebe mir der Lieblingsort auf dem Hospiz zu Jaffa in süßer Erinnerung.

Es wäre Undank, wenn ich die Wohlthätigkeit der Klöster und Hospizien in Judäa nicht anerkennen würde. Sie sind die willkommtnen Herbergen und Zufluchtsorte der Reisenden und Pilger, ohne behaupten zu wollen, daß das Leben in den arabischen Khan nicht leicht erträglich wäre. Die Hospizien aber und die Klöster sorgen für eine Menge Bequemlichkeiten, welche sonst der Europäer entbehren müßte. Ueberdies bringe ich noch die Sprache in Anschlag, die Gelegenheit, die Gedanken auszutauschen, weil den wenigsten fränkischen Reisenden das Arabische geläufig ist.


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