Das Leichenfeld.

Das Leichenfeld.

Rings um die Stadt von Meer zu Meer streicht der Leichenacker. Den Leichen räumen die Mohammetaner ungemein viel Feld ein, weil sie ungerne ein altes Grab ruhestörerisch aufzubrechen scheinen. Das steppenartige Weichbild bewirkt daher wegen der vielen Steine einen unangenehmen Eindruck. Es würde dieser allenfalls leidlich gemildert, wenn die Grabsteine, wie die Gebäude, zu Rathe gehalten und vom Zerfalle gerettet würden; allein deswillen ladet man keine Sorge sich auf. Der eine Leichenstein steht gerade aufrecht und schön erhalten mit einem wohlausgehauenen und hohen Turbane, der andere ist halb, derdritte ganz umgestürzt, ein vierter zertrümmert, und zwischen den in frommer Erinnerung an die Verstorbenen gesetzten Zeichen lockt wucherndes Gras das Vieh zur Weidung daher. Soll in der wilden Zerfallenheit der Grabmäler etwa das Sinnbild sich abspiegeln, daß eben noch hinfälliger und vergänglicher die Hülle des Menschen sei, als der fallende und zerbrechliche Stein? Eine solche Betrachtung dürfte indessen über dem Gesichtskreise des gemeinen Muselmannes hinausliegen. Auch die Kinder, mehr oder minder der Wiederhall der Erwachsenen, beweisen, wie wenig man sich um die Leichensteine bekümmere. Zwei Buben warfen nach einem Ziele, und dieses war ein Turban auf dem Grabe. Es wäre schade, wenn die Menschen nicht stürben; sonst könnten die Rosse nicht nach Lust in den Todtenkammern zu Alexandrien ein Freudenlied wiehern, noch die Rhodier-Buben die Turbane der Gräber zur Zielscheibe der Vergnügungen nehmen.

Im Uebrigen wird in Rhodos für die Stiftung von Grabmälern weit mehr gethan, als in Jaffa, von dessen Leichenacker man das Auge am liebsten wegwendet, weil es darin vergebens sich erbauen würde; in Joppe sogar zerschneidet die Grabhügel ein Weg, als ein gepflasterter da, wo Denksteine mit Füßen getreten werden. In Rhodos gibt es auch, mitten im großen Leichenfelde, mehrerekleinere Leichenhöfe, in deren Einfangsmauer an der Außenseite dreieckige Ziegelbröckchen eingesprengt sind.

Das heilige Feld (Campo Santo) erhält das Andenken der einst für den Schiffsbau im Dienste des Großherrn gestandenen Schweden.


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